date 6 March 2008 10:32
subjectRe: Turnschuhe und ähnliche Dinge
Liebe Malou
Merci für die Fortsetzung. Du beschreibst deinen Alltag. So
detailliert und abgerundet, wie noch nie vorher. Inklusive P1 am
Morgen. Merci Malou.
Liest du Zeitungen nur online? Das versuche ich auch, aber ich mag es
nicht recht. Meist drucke ich die Artikel aus, damit ich dann etwas
Papier in der Hand habe. Dieses Papier passt doch dann besser zum
Morgenkaffee. Diese Variante finde ich atmosphärisch besser. Aber
ich gebe gerne zu, dass sie auch Nachteile hat. Insbesondere liegen bei
mir, im Büro wie zuhause, unzählige solcher Artikel und Reportagen
und Studien herum. Ich versuche zwar, jene Texte, die ich besonders
gut finde, rot mit "sic" zu markieren. "Sic" ist ein altes Bettler- und
Hausiererzeichen. Damit haben sie Haustüren braver Bürger mit
Kreide markiert, um ihren Mitbettlern zum signalisieren, dass man
an dieser Adresse wohl ein warmes Süppchen und einen Bissen harten
Brotes bekommen kann. Und die übrigen, dh. all jene ohne 'sic', die
müsste ich dann eigentlich wegwerfen. Und das tue ich eben nur sehr
inkonsequent. Voilà!
Da fällt mir etwas Lustiges auf. Du sagst, du schaust die Kulturbeilage
von Svenska Dagbladet durch, um sie erst später zu lesen. Ich glaube,
dass ich sowas nicht tun kann. Wenn ich einen interessanten Artikel
sehe, muss ich ihn gleich lesen. Und wenn ich ihn ungelesen beiseite
lege, verliert sich mein Interesse ein wenig. Ist das nicht merkwürdig.
Erst, wenn ich den Artikel später wieder und unerwarteterweise finde,
dann ist das Interesse wieder hoch. Ist das nicht merkwürdig? Ich
muss irgendwie das Gefühl haben, es sei eine Trouvaille. Solch gute
Artikel lese ich dann durchaus zweimal, mach mir manchmal Notizen
dazu, oder unterstreiche zentrale Begriffe.
K hat einen Lieblingssessel. Finde ich auch lustig. Nun ja, jeder hat
vielleicht seine bevorzugte Ecke in einem Wohnraum. Aber es erinnert
mich an die alten Witze, die man im Zusammenhang mit dem
Haushund gemacht hat. Jedem neuen Gast musste man signalisieren,
welches der Stuhl, auf den er sich auf keinen Fall niederlassen sollte,
weil es ja nun eben der Platz des Hunde sei. Dieses Privileg hatten
Haushunde und Grossväter, notabene.
Und ihr macht jeden Tag einen 45 Minuten Spaziergang? Finde
ich prima. Ist es immer diesselbe Runde, oder wechselt ihr. Es geht
durch den Wald und über Feld, nicht? Das ist ja schon ein bisschen
kantianisch? Weisst du, was ich damit meine? Der grosse Philosoph
Kant war bekannt dafür, täglich um dieselbe Zeit seinen Spaziergang
durch die Strassen von Königsberg und hinaus vor die Stadt zu
machen. Die Leute, sofern sie denn eine hatten, stellten ihre Uhren
danach. Und - wie mir gerade einfällt - Sigmund Freud war auch ein
solcher städtischer Wanderer.
Ich dagegen habe mir in den letzten Wochen angewöhnt, abends noch
rasch einkaufen zu gehen. Der Laden beim Bahnhof schliesst um 22h.
So gehe ich zwischen 21h und 22h. Es ist ein 10 Minuten Spaziergang.
Das Walken mit den Stöcken habe ich in der kalten und nassen
Jahreszeit unterlassen. Es ist schlecht für meine Lunge. Ich kaufe
Jogurt, vielleicht Käse und Brot, Früchte etc. Was man eben so
braucht.
Ich gratuliere zu den neuen Joggingschuhen. Klar, gute Schuhe sind
wichtig. Und heute gibt es soviele Modelle zur Wahl, alle mit diesen
modernen Textilien. Man kann sich kaum mehr vorstellen, wie schwer
und unbequem Schuhe einmal gewesen waren. Hallo, und da kommt
mir gerade eine uralte Erinnerung hoch. ...
(forts. folgt)
Samstag, 6. März 2010
5 March 2008
5 March 2008 13:15 Fortsetzung
Lieber ...,
Eine Fortsetzung wollte ich dir schreiben. Leider ist es schon wieder
spät geworden ehe ich dazu komme. Vielleicht sollte ich warten bis
morgen. Erstens bin ich schon müde und zweitens ist die Tastatur
hier oben so laut, dass es im ganzen Haus hallt.
K sitzt unten und sieht sich einen grausamen blutigen Krimi an. Ich
nehme ihn hier oben auf Video auf, um ihn vielleicht später einmal zu
sehen. Ich sage vielleicht, denn ich habe unendlich viele Programme
eingespielt, die ich gern sehen möchte. Das meiste ist wirklich
sehenswert und so gut, dass ich es auch nachher nicht löschen
möchte. Ich bilde mir ein, dass wir Schweden das beste Fernsehen
der Welt haben. Und weisst du warum? Weil wir die besten
Programme, die in der Welt gemacht werden, importieren. Sie
werden alle in der Originalsprache gezeigt mit Untertext. Ich glaube
du bist ein ähnlicher Sammler, nur tust du es mit Zeitungsartikeln,
die dich interessieren. Was Zeitungsartikel betrifft, so bin ich noch
nicht so weit gekommen. Ich überfliege jeden Tag schnell die Kultur-
beilage unserer grossen Tageszeitung, Svenska Dagbladet, und hebe
sie dann auf, um sie später nochmals in Ruhe zu lesen. Auch Anna
liest sie mit grossem Interesse und das freut mich besonders. Ihre
humanistische Seele braucht auch etwas Nahrung.
---
---
Gestern sind wir in das grosse Kaufzentrum gefahren. K wollte
unbedingt, dass ich mir ein paar gute Joggingschuhe kaufe. Und das
habe ich auch getan. Er meint schlechte Schuhe belasten zu sehr die
Gelenke beim Gehen und damit kann er Recht haben.
*
Soweit war ich gestern Abend gekommen.
Heute scheint die Sonne wieder ganz herrlich. Ein richtig schöner
warmer Frühlingstag ist es. Und ich habe gerade die neuen Schuhe
ausprobiert. Man geht wie auf Wolken. :-)
---
So, ich muss wieder los.
Wünsche dir einen feinen Tag
und sende dir wie üblich
liebe Gs und Ks
Malou
Freitag, 5. März 2010
Böser Traum
Thu, 29 Aug 2002 19:10:54 +0200
Liebster Mausfreund,
Danke für dein schönes Mail. Ich staune nur so wenn ich es lese
denn auch ich war zu dieser Zeit heute Nacht total schlaflos. Bei
mir begann es übrigens schon som um 2.00 Uhr. Vielleicht habe
ich dich dann sogar mit meinen Gedanken geweckt ;-) Ja, ich habe
wirklich intensiv an dich gedacht. Und dabei kam mir immerzu ein
Gedicht von Rilke in den Sinn:
"Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt,
Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen.."
Weisst du, ich bin ganz verzaubert von deiner Art zu schreiben
und manchmal denke ich sowas kann ich doch nicht für mich
allein behalten. Kein Mensch hat doch recht auf so viel.
".. und dich besitzen, nur ein Lächeln lang, um dich an alles
Leben zu verschenken wie einen Dank".
Und dann denke ich wiederum, dass ich dich vielleicht bald
mit der Öffentlichkeit teilen muss. Oh Gott, nein! Ich werde
ganz eifersüchtig bei dem Gedanken.
Ja und später bin ich doch ein wenig eingeschlafen und erst
um 6.45 aufgewacht. Da hatte mein Radio schon eine halbe
Stunde lang gesendet ohne dass ich davon erwacht bin. Ich
hatte auch einen grausamen Traum. Plötzlich traf ich meine
beiden (schon verstorbenen) nahen Kollegen und ich weinte
weil ich wusste dass sie schon tot waren. Und dann sass ich
auf einem Stein am Wegrand und weinte ganz bitterlich
(glaube man tut es nie so intensiv wie in einem Traum) und
das schlimme war, dass alle Leute vorbeigingen und nicht
einmal zu mir herschauten als ob es mich garnicht gäbe.
Na ja, Träume sind Schäume, aber ein Traumdeuter würde
schon etwas daraus machen wollen.
...
Liebster Mausfreund,
Danke für dein schönes Mail. Ich staune nur so wenn ich es lese
denn auch ich war zu dieser Zeit heute Nacht total schlaflos. Bei
mir begann es übrigens schon som um 2.00 Uhr. Vielleicht habe
ich dich dann sogar mit meinen Gedanken geweckt ;-) Ja, ich habe
wirklich intensiv an dich gedacht. Und dabei kam mir immerzu ein
Gedicht von Rilke in den Sinn:
"Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt,
Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen.."
Weisst du, ich bin ganz verzaubert von deiner Art zu schreiben
und manchmal denke ich sowas kann ich doch nicht für mich
allein behalten. Kein Mensch hat doch recht auf so viel.
".. und dich besitzen, nur ein Lächeln lang, um dich an alles
Leben zu verschenken wie einen Dank".
Und dann denke ich wiederum, dass ich dich vielleicht bald
mit der Öffentlichkeit teilen muss. Oh Gott, nein! Ich werde
ganz eifersüchtig bei dem Gedanken.
Ja und später bin ich doch ein wenig eingeschlafen und erst
um 6.45 aufgewacht. Da hatte mein Radio schon eine halbe
Stunde lang gesendet ohne dass ich davon erwacht bin. Ich
hatte auch einen grausamen Traum. Plötzlich traf ich meine
beiden (schon verstorbenen) nahen Kollegen und ich weinte
weil ich wusste dass sie schon tot waren. Und dann sass ich
auf einem Stein am Wegrand und weinte ganz bitterlich
(glaube man tut es nie so intensiv wie in einem Traum) und
das schlimme war, dass alle Leute vorbeigingen und nicht
einmal zu mir herschauten als ob es mich garnicht gäbe.
Na ja, Träume sind Schäume, aber ein Traumdeuter würde
schon etwas daraus machen wollen.
...
Donnerstag, 4. März 2010
Missgeschick
Liebe Marlena
---
Ich erzähle Dir einen Witz:
Ein Mann stirbt und kommt ans Tor des Himmels. Dort steht Petrus und ist einigermassen erstaunt, dass dieser arme Kerl schon das Zeitliche gesegnet hat. Petrus blättert in seinem dicken Buch und sieht sofort, dass hier ein kleines Missgeschick geschehen ist, ein Betriebsunfall wie er in jeder Werkstatt vorkommt.
Petrus entschuldigt sich beim vorzeitig Verstorbenen. "Es soll nie wieder vorkommen. Und auf Rechnung des Hauses hast Du einen Wunsch frei".
Der Tote überlegt lange und meint dann, eine direkte Strassenverbindung zwischen Europa und Amerika wäre natürlich schon schön, so eine interkontinentale Autobahn". Petrus hebt die Augenbrauen und gibt zu bedenken, dass das eine ziemlich unmögliche Vorstellung sei, es gibt keine Möglichkeit, die Strasse zu verankern, keine Fundamente. Und bei einem Sturm, wie er sich denn das vorstelle? Dieser Wunsch sei leider nicht zu erfüllen. Ob er denn nicht einen anderen Wunsch hätte?
Der Tote kratzt sich die Glatze und denkt doppelt so lange nach. Schliesslich, nach einem langen Seufzer, gibt er zu, dass er sich nach seinem Leben auf Erden eigentlich eigentlich nur eines wünschte, nämlich die Frau in ihrem Wesen zu verstehen.
Petrus, mit einer kleinen, fast unwirschen Bewegung: "Wie willst du sie, 6- oder 8spurig, deine Autobahn?".
*****
Willst Du meine Küsse in 6- oder in 8facher Ausführung? Im Doppelpack sozusagen.
...
---
Ich erzähle Dir einen Witz:
Ein Mann stirbt und kommt ans Tor des Himmels. Dort steht Petrus und ist einigermassen erstaunt, dass dieser arme Kerl schon das Zeitliche gesegnet hat. Petrus blättert in seinem dicken Buch und sieht sofort, dass hier ein kleines Missgeschick geschehen ist, ein Betriebsunfall wie er in jeder Werkstatt vorkommt.
Petrus entschuldigt sich beim vorzeitig Verstorbenen. "Es soll nie wieder vorkommen. Und auf Rechnung des Hauses hast Du einen Wunsch frei".
Der Tote überlegt lange und meint dann, eine direkte Strassenverbindung zwischen Europa und Amerika wäre natürlich schon schön, so eine interkontinentale Autobahn". Petrus hebt die Augenbrauen und gibt zu bedenken, dass das eine ziemlich unmögliche Vorstellung sei, es gibt keine Möglichkeit, die Strasse zu verankern, keine Fundamente. Und bei einem Sturm, wie er sich denn das vorstelle? Dieser Wunsch sei leider nicht zu erfüllen. Ob er denn nicht einen anderen Wunsch hätte?
Der Tote kratzt sich die Glatze und denkt doppelt so lange nach. Schliesslich, nach einem langen Seufzer, gibt er zu, dass er sich nach seinem Leben auf Erden eigentlich eigentlich nur eines wünschte, nämlich die Frau in ihrem Wesen zu verstehen.
Petrus, mit einer kleinen, fast unwirschen Bewegung: "Wie willst du sie, 6- oder 8spurig, deine Autobahn?".
*****
Willst Du meine Küsse in 6- oder in 8facher Ausführung? Im Doppelpack sozusagen.
...
Mittwoch, 3. März 2010
Gute Nacht, chéri..
Ämne: Gute Nacht, chéri..
Datum: den 30 augusti 2000 22:14
Liebster Mausfreund,
Du verwöhnst mich so sehr mit deinen schönen Worten. Aber ein wenig fühle ich mich als hätte ich darum gebeten. Möchte mich schon ein bisschen wehren und deine Vorstellungen etwas mehr realistisch machen :-) ...
Siehst du, das meine ich. Damals als es noch nur Andeutungen waren gab es immer noch einen Spielraum in der Fantasie. Aber nun ist der nächste Schritt immer die Wirklichkeit und die ist uns ja versagt. So fühle ich manchmal als wäre ich an einer Mauer gelandet. Ich möchte zu dir hinüber aber die Mauer ist eben da und wir können nur miteinander reden und uns nicht wirklich nahe sein.
Ach chéri, warum schreibe ich das. Vielleicht ist es die späte Abendstunde. Eine Müdigkeit die meinen Verstand schon eingewiegt hat und da bleiben eben nur noch die Gefühle.
*
Ich habe im Moment wirklich sehr viel zu tun. Neulich hat man mich gebeten an einer Konferenz in Slowakien teilzunehmen. Spätestens morgen muss ich Flugkarten besorgen. Es kommen Leute aus ganz Europa. Und diese Woche muss ich noch so einiges für K für seine Reise vorbereiten. Es ist keine grosse Arbeit aber es nimmt doch etwas Zeit.
Und du? Hast du dich nun schon etwas eingearbeitet sodass du dich wieder zu Hause fühlst in deinem Büro? Es hat mich gefreut zu hören, dass dieser Redaktor ein netter Mensch zu sein scheint. Es macht doch das Leben viel leichter wenn man nette Leute um sich hat. Ich warte auch schon auf das Ergebnis deiner vielen Mühe. Es muss etwas grossartiges werden :-)
*
Wie ich geahnt hatte wird bald ein "surströmmingsfest" bei Åke stattfinden. Am 8. September glaube ich. Und etwas später wird ein Kollege seinen 50. Geburtstag haben und wir werden ihm ein Fest schenken, so wie wir es zu tun pflegen. Nächste Woche am Mittwoch treffe ich alle Eltern meiner "eigenen" Klasse. Es fängt um 18.30 am Abend an.
*
Nun zum Schluss möchte ich dir noch ein Gedicht von Rilke senden. Den Anfang kennst du schon aber wie es weiterging hatte ich damals vergessen. Dies ist wirklich was ich nun tun möchte:
Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüsste: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe gross
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.
Ist es nicht schön, mein Liebling?
Ich wünsche dir eine gute Nacht. Bleib nicht zu lange auf. Du weißt doch: der Schlaf vor Mitternacht...
S+K+H
Deine Marlena
Datum: den 30 augusti 2000 22:14
Liebster Mausfreund,
Du verwöhnst mich so sehr mit deinen schönen Worten. Aber ein wenig fühle ich mich als hätte ich darum gebeten. Möchte mich schon ein bisschen wehren und deine Vorstellungen etwas mehr realistisch machen :-) ...
Siehst du, das meine ich. Damals als es noch nur Andeutungen waren gab es immer noch einen Spielraum in der Fantasie. Aber nun ist der nächste Schritt immer die Wirklichkeit und die ist uns ja versagt. So fühle ich manchmal als wäre ich an einer Mauer gelandet. Ich möchte zu dir hinüber aber die Mauer ist eben da und wir können nur miteinander reden und uns nicht wirklich nahe sein.
Ach chéri, warum schreibe ich das. Vielleicht ist es die späte Abendstunde. Eine Müdigkeit die meinen Verstand schon eingewiegt hat und da bleiben eben nur noch die Gefühle.
*
Ich habe im Moment wirklich sehr viel zu tun. Neulich hat man mich gebeten an einer Konferenz in Slowakien teilzunehmen. Spätestens morgen muss ich Flugkarten besorgen. Es kommen Leute aus ganz Europa. Und diese Woche muss ich noch so einiges für K für seine Reise vorbereiten. Es ist keine grosse Arbeit aber es nimmt doch etwas Zeit.
Und du? Hast du dich nun schon etwas eingearbeitet sodass du dich wieder zu Hause fühlst in deinem Büro? Es hat mich gefreut zu hören, dass dieser Redaktor ein netter Mensch zu sein scheint. Es macht doch das Leben viel leichter wenn man nette Leute um sich hat. Ich warte auch schon auf das Ergebnis deiner vielen Mühe. Es muss etwas grossartiges werden :-)
*
Wie ich geahnt hatte wird bald ein "surströmmingsfest" bei Åke stattfinden. Am 8. September glaube ich. Und etwas später wird ein Kollege seinen 50. Geburtstag haben und wir werden ihm ein Fest schenken, so wie wir es zu tun pflegen. Nächste Woche am Mittwoch treffe ich alle Eltern meiner "eigenen" Klasse. Es fängt um 18.30 am Abend an.
*
Nun zum Schluss möchte ich dir noch ein Gedicht von Rilke senden. Den Anfang kennst du schon aber wie es weiterging hatte ich damals vergessen. Dies ist wirklich was ich nun tun möchte:
Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüsste: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe gross
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.
Ist es nicht schön, mein Liebling?
Ich wünsche dir eine gute Nacht. Bleib nicht zu lange auf. Du weißt doch: der Schlaf vor Mitternacht...
S+K+H
Deine Marlena
Guten Morgen
Date: Wed, 10 May 2000 07:35:34 GMT
Guten Morgen meine Liebe
Liebe Marlena
Gerade habe ich dein wunderschönes Mail gelesen und ich danke Gott, dass er mich in meiner Not erhört hat. Wir sind jetzt sozusagen zu dritt, ganz offensichtlich, und das ist vielversprechend. Und sicherlich wird er nicht mehr mit unnützen PCs um sich werfen müssen.
Ich habe jetzt nicht allzuviel Zeit, wenn ich dir dieses Mail noch zum Espresso schicken soll. Und wenn es zu spät wäre, dann vergib mir und freue dich darauf, wenn du nach der Arbeit heimkommst.
Zu meinem Brief an den lieben Gott. Ich höre, du hast in Prag geweint. Ich kann dir verraten, ich habe es auch. Aber es war nicht ein schmerzliches Weinen, sondern - wie soll ich sagen - eher eines in Sehnsucht. Ich habe mich zwar gefragt, ob ich dir jetzt nicht Sorgen mache, da du wenig Zeit hast, dich damit zu befassen oder gar eine Antwort zu finden. Aber ich bin dir sehr dankbar dafür, wie du es aufgenommen hast. Ich war mir nicht sicher, ob ich dich verletzen oder irritieren würde. Ich bin sehr froh, dass du so ein grosses Herz hast, so dass auch noch dieses Mail drin Platz findet. Es ist wirklich wunderschön mit dir zusammen zu sein, Marlena. Und was ich über leere Versprechen gesagt habe, du bestätigst es, es ist genau wie ich es mir gedacht habe. Es ist sehr lieb gemeint. Und natürlich wirst du dir denken können, dass es Frustrationen macht auf der anderen Seite. Und was du sonst dazu sagst, stimmt auch haargenau. Ich war mich anfangs nicht sicher, ob das ein guter Weg wäre. Aber es hat mir die Möglichkeit gegeben, etwas freier darüber zu reden. Viele Dinge hätte ich dir nicht direkt sagen können. Oder es hätte dann lange Abschnitte gegeben, umständlich formuliert und gedreht und gekünstelt, dass du von der Lektüre ganz müde geworden wärst. So habe ich das zur Chefsache gemacht. Unsere Mausfreundschaft ist sozusagen Chefsache. Das ist doch wohl ein guter Stern, den wir uns ausgesucht haben.
Ja, wenn du spontan und ohne grosse Überlegungen schreibst, so bin ich es noch mehr, habe ich manchmal das Gefühl. Ich akzeptiere fast keine Grenzen und lasse meinen Fantasien allerfreiesten Lauf. Und die weißt, was herauskommt. Manchmal ist es ganz schön und gut gestaltet, manchmal ist es vielleicht auch glatter Unsinn. Vielleicht manchmal kann es auch verletzen. Aber dich versuche ich schon darin zu berücksichtigen, so dass du nicht unter die Räder kommen solltest. Denn meine Gedanken und Fantasien sind ja sozusagen Geschenke für dich. Ist natürlich ein hoher Begriff, Geschenke, aber so mach ich es irgendwie.
Vielleicht noch kurz zu Dürrenmatts Rede. Du meinst, es wäre besser, sie zu hören. Das ist echt Marlena, ich glaube, ein bisschen kenne ich dich schon. Das ist ein schönes Gefühl. Aber bei Dürrenmatt ist das - wie soll ich sagen - natürlich auch so wie du sagst. Dabei ist er im Grunde kein besonders guter Redner. Du weißt, er war recht dick. Er war, glaube ich, zuckerkrank. Dann war er von Bern, und die Berner haben in der Schweiz den Ruf, sehr langsam zu sein. Er sprach also ein miserables Hochdeutsch, langsam, mit diesem etwas groben und stumpfen Bernerakzent. Das klang für unsere Ohren noch eine Spur ironischer. Weil es sehr linkisch wirkte, und von den Gedanken her aber doch recht fein konstruiert war. Ach Dürrenmatt, ich habe Redepassagen ganz schwach in meiner Erinnerung. Ich habe ein paar Intervies mit ihm im Kopf. Und von denen her kann ich sagen: ich war immer erstaunt, wie er gewöhnlich und langsam und suchend redet, es klingt fast ein bisschen enttäuschend und man hätte nie gedacht, dass dies nun der grosse Dürrenmatt sei.
Nun, meine liebste Mausgeliebte, will ich dieses Mail in den Wind hinaus halten, damit es dir zuflattert, und hoffe, dein Espresso sei noch warm. Vielmehr heiss. Das wäre ein echter Genuss.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag. Du bist wirklich meine ferne Geliebte, Marlena. Was wird bloss daraus werden?
G+K+M
...
Guten Morgen meine Liebe
Liebe Marlena
Gerade habe ich dein wunderschönes Mail gelesen und ich danke Gott, dass er mich in meiner Not erhört hat. Wir sind jetzt sozusagen zu dritt, ganz offensichtlich, und das ist vielversprechend. Und sicherlich wird er nicht mehr mit unnützen PCs um sich werfen müssen.
Ich habe jetzt nicht allzuviel Zeit, wenn ich dir dieses Mail noch zum Espresso schicken soll. Und wenn es zu spät wäre, dann vergib mir und freue dich darauf, wenn du nach der Arbeit heimkommst.
Zu meinem Brief an den lieben Gott. Ich höre, du hast in Prag geweint. Ich kann dir verraten, ich habe es auch. Aber es war nicht ein schmerzliches Weinen, sondern - wie soll ich sagen - eher eines in Sehnsucht. Ich habe mich zwar gefragt, ob ich dir jetzt nicht Sorgen mache, da du wenig Zeit hast, dich damit zu befassen oder gar eine Antwort zu finden. Aber ich bin dir sehr dankbar dafür, wie du es aufgenommen hast. Ich war mir nicht sicher, ob ich dich verletzen oder irritieren würde. Ich bin sehr froh, dass du so ein grosses Herz hast, so dass auch noch dieses Mail drin Platz findet. Es ist wirklich wunderschön mit dir zusammen zu sein, Marlena. Und was ich über leere Versprechen gesagt habe, du bestätigst es, es ist genau wie ich es mir gedacht habe. Es ist sehr lieb gemeint. Und natürlich wirst du dir denken können, dass es Frustrationen macht auf der anderen Seite. Und was du sonst dazu sagst, stimmt auch haargenau. Ich war mich anfangs nicht sicher, ob das ein guter Weg wäre. Aber es hat mir die Möglichkeit gegeben, etwas freier darüber zu reden. Viele Dinge hätte ich dir nicht direkt sagen können. Oder es hätte dann lange Abschnitte gegeben, umständlich formuliert und gedreht und gekünstelt, dass du von der Lektüre ganz müde geworden wärst. So habe ich das zur Chefsache gemacht. Unsere Mausfreundschaft ist sozusagen Chefsache. Das ist doch wohl ein guter Stern, den wir uns ausgesucht haben.
Ja, wenn du spontan und ohne grosse Überlegungen schreibst, so bin ich es noch mehr, habe ich manchmal das Gefühl. Ich akzeptiere fast keine Grenzen und lasse meinen Fantasien allerfreiesten Lauf. Und die weißt, was herauskommt. Manchmal ist es ganz schön und gut gestaltet, manchmal ist es vielleicht auch glatter Unsinn. Vielleicht manchmal kann es auch verletzen. Aber dich versuche ich schon darin zu berücksichtigen, so dass du nicht unter die Räder kommen solltest. Denn meine Gedanken und Fantasien sind ja sozusagen Geschenke für dich. Ist natürlich ein hoher Begriff, Geschenke, aber so mach ich es irgendwie.
Vielleicht noch kurz zu Dürrenmatts Rede. Du meinst, es wäre besser, sie zu hören. Das ist echt Marlena, ich glaube, ein bisschen kenne ich dich schon. Das ist ein schönes Gefühl. Aber bei Dürrenmatt ist das - wie soll ich sagen - natürlich auch so wie du sagst. Dabei ist er im Grunde kein besonders guter Redner. Du weißt, er war recht dick. Er war, glaube ich, zuckerkrank. Dann war er von Bern, und die Berner haben in der Schweiz den Ruf, sehr langsam zu sein. Er sprach also ein miserables Hochdeutsch, langsam, mit diesem etwas groben und stumpfen Bernerakzent. Das klang für unsere Ohren noch eine Spur ironischer. Weil es sehr linkisch wirkte, und von den Gedanken her aber doch recht fein konstruiert war. Ach Dürrenmatt, ich habe Redepassagen ganz schwach in meiner Erinnerung. Ich habe ein paar Intervies mit ihm im Kopf. Und von denen her kann ich sagen: ich war immer erstaunt, wie er gewöhnlich und langsam und suchend redet, es klingt fast ein bisschen enttäuschend und man hätte nie gedacht, dass dies nun der grosse Dürrenmatt sei.
Nun, meine liebste Mausgeliebte, will ich dieses Mail in den Wind hinaus halten, damit es dir zuflattert, und hoffe, dein Espresso sei noch warm. Vielmehr heiss. Das wäre ein echter Genuss.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag. Du bist wirklich meine ferne Geliebte, Marlena. Was wird bloss daraus werden?
G+K+M
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