Dienstag, 19. Mai 2026

In einem orientalischen Bazaar - Verhandlungsgeschick - Diplomatie

 Forts. Hans Blix

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Denk an die Gefühle, die uns in einem orientalischen Bazar aufkommen. Wir gehen herum, halten krampfhaft unsere Börse und nehmen die Fröhlichkeit und Nettigkeit des Verkäufers als reinen perfiden Hinterhalt. Aber er meint sein Lächeln nicht als Trick, er will durchaus freundlich sein, er will dich gewinnen und seine Regeln des Handelns erlauben ihm dies alles. Dass man die Artikel in seinem Laden mit einem Preisschild bezeichnen könnte, fände er einigermassen dumm. Das würde ihm die ganze Freude des Verkaufes nehmen, und er hätte keine Möglichkeit, bei einer ärmeren Frau sein Mitleid fliessen zu lassen, bei einem Reichen den Betrag wieder hereinzuholen, also eine Art von kleiner Gerechtigkeit spielen zu lassen. Auch solche Händler haben, wie ich immer wieder festgestellt habe, ein grosses Ehrgefühl. Das Ziel des Verkaufes ist vielleicht, beide, Händler und Käufer glücklich zu machen. Und wenn das manchmal auf der zweiten Seite nicht zu lange andauert, liegt es meist an der Dummheit des Käufers. Im orientalischen Markt gehen Käufer und Verkäufer davon aus, dass beide wissen, was sie wollen. Der Käufer hat die Ware geprüft - dazu dient nicht zuletzt die Zeit, die er beim Feilschen einsetzt - weiss, wieviel Interesse er dafür hat, ob und wie dringend er das Ding braucht. Zur gleichen Zeit prüft der Verkäufer den Käufer, versucht herauszufinden, wie gross sein Interesse ist und wie viel Ressourcen er zur Verfügung hat. Im Spiel des Feilschens werden diese zwei Positionen zwischen zwei Menschen, das heisst eben Personen mit all ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten von den schauspielerischen bis zu jenen Zufälligkeiten des Momentes ausgespielt, um einen Konsens in der Mitte zu suchen. Doch die Mitte ist eben nicht allein von anonymen Marktgesetzen vorbestimmt, sondern ist ein Resultat des Horizontkreises, den die beiden Akteure des Marktes ziehen. Darin ist viel Menschliches und einer guten Feilscherei zuzuschauen, das ist soviel wie ein kleines Kunststück geniessen. Meine Schwiegermutter ist darin eine Künstlerin. Und sie versteht es, ihre Feilschereien immer sehr lustig zu machen. Vielleicht ist das eine Strategie, das Herz des Gegenübers aufzuweichen? Auf jeden Fall ist Lachen, wie wir alle wissen, gesund. Es handelt sich also nicht bloss um Kauf und Verkauf, sondern ebenso um eine kleine Therapie, um eine soziale Unterhaltung, um einen Wettbewerb, ein Spiel, um eine moralische Auseinandersetzung, kurz und gut: um die Begegnung zweier Menschen. Doch davon haben wir Westler kaum mehr Ahnung. Der orientalische Markt erfordert Intelligenz, der westliche vielleicht bloss Geld.

Doch wir waren bei Blix. Auf diesem Eis also bewegt sich der gute schwedische Diplomat. Doch als Diplomat wird er sich in solchen Dingen auskennen. Die grösste Schwierigkeit dabei ist ja doch wohl das dauernde, primitive Säbelrasseln der Amerikaner, das wir alle kaum mehr zu ertragen vermögen.
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Heute ist einigermassen mildes Wetter mit einem hellen, leicht bewölkten Himmel. Ich habe viel zu tun heute Samstag. Und nachmittags möchte ich noch rasch nach Basel. Ich glaube, es gibt Ausverkauf und ich will mal sehen, ob ich mit meinen Möglichkeiten des Feilschens etwas erreiche.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Mit lieben Grüssen
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