Liebe Marlena
Freitag Abend, der Höhepunkt der Woche, wenn man es leicht nehmen will. Am Fernsehen diskutieren die Schweizer Parlamentarier ... Sie wiederholen zumeist Gedanken, die man schon x-mal gehört hat. Sie kochen schwer mit Wasser, unsere Politiker. Und die ganze Sache ist eigentlich längst gelaufen, es geht nur noch darum, die Sache mit Worten zu garnieren. Dazu waren Politiker seit der Antike prädestiniert.
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Ich lasse also meinen Geist schweifen, um ihn ein bisschen ruhen zu lassen. Du vergibst mir? Durch das Glas der Kommode sehe ich im Moment nicht auf den Fernseher, sondern hinüber zum Flügel, auf dem zwei kleine weisse Figuren stehen. Es sind Porträtbüsten von meinen kleinen zwei Töchtern, die ich vor vielleicht 10 Jahren mit Ton modelliert habe. Ich war immer sehr stolz darauf. Ich habe sie mit weisser Malerfarbe angemalt, so dass sie aussehen wie Porzellan. Nun ja, nicht gerade Porzellan, der würde ja glänzen. Aber immerhin weiss, wenn auch matt. Die B. trägt eine Casquette, etwas schräg aufgesetzt, was sehr kokett aussieht. Und A.hatte immer eine Haarlocke schräg beinahe in ihre Augen hinein. Das wirkte absolut naturwüchsig und lässig. S möchte die beiden Statuetten in Metall giessen lassen. Aber ich glaube, sie sind nicht genügend professionell gemacht, um soviel Geld zu investieren. Aber sie sind eine hübsche Erinnerung an die Zeit, als die Mädchen noch rundum süss und anhänglich waren. War eine tolle Zeit und manchmal sehne ich mich danach zurück. Ich erinnere mich der kleinen Händchen in meiner Hand, wenn wir zusammen in L ins Städtchen gingen. B hatte eine sehr rundliche Hand, mit etwas stumpfen Fingern, die sie nicht schonte, sondern mit denen sie schonungslos die Welt erkundete. Und A's Hände waren viel dünner, die Finger lange. Sie kam mit den Dingen niemals so intensiv in Kontakt wie ihre kleinere Schwester. Wenn A mit zwei Fingern zupft, dann langt B richtig zu.
Und dahinter stehen einige Silberobjekte aus dem Tibet, zwei Butterlampen und eine wunderschöne Kanne. Letztere sieht fast Chinesisch aus. Die Verzierungen sind reich, zeigen einen Drachen als Handgriff, und der Mund vorne ist auch ein Tierkopf, ich würde sagen ein ähnliches Ungeheuer. Die tierischen Formen gehen fliessend in organische über. Und der Deckel ist reich verziert ebenso mit organischen Mustern. Sie ist wirklich sehr schön, diese Kanne. Und ich frage mich, ob wir nicht die Hausratversicherung erhöhen müssten!
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Morgen ist, soviel ich weiss, schönes Wetter angesagt. Allerdings muss ich noch meine Sitzung vom Montag vorbereiten. Ich hatte heute Nachmittag nicht mehr die Energie, das zu tun. Am Morgen hatten wir die Sitzung auf der Direktion. Da gab es einige Neuigkeiten, wenn auch nicht zuviele. Und nachmittags war dann reserviert für leichtere Büroarbeit. Die Zeit geht so viel zu schnell, und natürlich konnte ich nicht wirklich alles zu Ende bringen.
Weißt Du, was ich feststelle. Ich habe nie in meinem Leben gelernt, mich mit der Arbeit nach der Zeit zu richten. Niemals habe ich mir vor einer Arbeit vorgenommen, in dieser oder jener Zeit dieses oder jenes zu tun. Nicht mal für grose Examen habe ich das wirklich gemacht. Ich habe immer bloss die Zeit grob geschätzt, wenn es absolut unumgänglich war. Aber sonst hat mich die Zeit nicht interessiert. So habe ich wohl endlos Zeit verschwendet in meinem Leben. Und ich hatte wirklich auch lange Zeit den Eindruck, die mir zur Verfügung stehende Zeit sei unendlich.
Das ist falsch. Nur die Knappheit führt zur Gestaltung, nur der Mangel führt zur Erfindung, zu Innovation, vielleicht zur Kunst. Habe ich sehr spät bemerkt in meinem Leben.
Erst in diesen Jahren, da sie alles in Geld umrechnen, sehe ich mich genötigt, meine Zeit einzuteilen. Sie haben mich in der Tat aus dem Paradies vertrieben.
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Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende mit Deiner Familie
Mit lieben Grüssen
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