Freitag, 15. Dezember 2023

Gute Zeit ...

 

Lieber ...,
Du wünschst mir eine gute Zeit, und heute Abend habe ich sie. Ich bin nämlich Strohwitwe. Bin ich ja eigentlich immer, aber heute gehört das Haus nur mir und ich kann dir nach Herzenslust schreiben, gerade in dem Moment wenn ich Inspiration habe, d.h. jetzt. :-)

Ich habe mit großem Interesse deine Schreibpläne wahrgenommen und bin erstaunt wie wissenschaftlich du ans Werk gehst. Es wäre schön, wenn du damit Erfolg hättest und das wünsche ich dir aus vollem Herzen. Doch glaube ich immer, dass das schönste Buch von dir deine Memoiren sein müssten. :-)
Doch wenn du einmal einen Namen hast...

Beim lesen deines Mails musste ich an die Zeit zurückdenken, als Anna noch klein war und abends vor dem Einschlafen immer wollte, dass ich ihr etwas vorlesen sollte.. Oft war ich schon sehr müde nach einem strengen Arbeitstag, zu müde um etwas zu lesen, aber noch nicht zu müde um etwas zu erzählen.



Du kennst sicher die Bücher über Pettson. Ich denke sie müssen auch ins Deutsche übersetzt sein. Und zu diesen Büchern habe ich immer neue Kapitel aus meiner Fantasie erzählt. Findus, der Kater, hatte plötzlich ein kleines Liebchen im Wald gefunden, mit der er sich heimlich traf, Pettson selbst kriegte von mir eine "faster Olga" (faster ist Tante = Vaters Schwester). Diese kam oft ohne Ankündigung und schaute bei ihm nach dem Rechten. Auch eine kleine Mausfamilie habe ich erfunden, die abends, wenn Findus endlich eingeschlafen war, hervorkam und in der Küche nach Nahrung suchte. Ich musste mich nicht einmal anstrengen beim erzählen. Es kam alles so spontan zustande.
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Du erzählst von den Mahlzeiten in deinem Büro und dabei denke ich mit Nostalgie zurück an die schönen Stunden, die ich zusammen mit Kollegen in der Schulkantine verbracht habe. Unsere Schule war sehr gross und an einem normalen Arbeitstag traf man meist nur Kollegen aus demselben Fachbereich. Es gab eine Zeit, wo wir ein gemeinsames Lehrerzimmer und gemeinsame Pausen hatten. Man konnte also täglich mit den meisten anderen Lehrern dort zusammenstrahlen und Gedanken austauschen. Dann kam jemand auf die Idee, die Lehrer sollten in jedem Fach ihr eigenes "Kaffeezimmer" haben und auch die gemeinsamen Pausen verschwanden. Und so blieb dann eigentlich nur noch die Kantine, wo man "die anderen"
treffen konnte. Natürlich gab es auch Leute, die sich eigenes Essen mitbrachten, aber die wussten sicher nicht was sie verpasst haben in der Kantine. Das Essen war hervorragend. Ein Salatbüffet dazu zwei wahlfreie warme Speisen (viele nahmen von beiden), Milch, Bier oder
Mineralwasser. Und nachher noch Kaffee mit einem kleinen Gebäck dazu. Und das alles für etwas mehr als 3 Euro. Aber das schönste dabei waren doch die Leute und die fröhliche Stimmung.
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Jetzt mache ich eine kleine Pause. Muss mir etwas zu essen machen... Wartest du? Oder läufst du mir wieder davon? ;-)  -   So, ich bin wieder hier. Als Nachspeise habe ich mir eine Tasse Tee gemacht und dazu gibt es  Lussebullar (ein besonderes Luciagebäck).
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Gestern konnte ich nicht einschlafen. Weiss eigentlich nicht warum. Als ich schließlich auf die Uhr sah, war es schon nach 3 Uhr morgens. Dann muss ich doch noch ein paar Stunden geschlafen haben. Um halbzehn musste ich los. Der alte Herr mit dem neuen Hörapparat musste nochmals ins Krankenhaus, um das neue Gerät zu kontrollieren. Aber  gegen halbzwölf war ich schon wieder zu Hause.
Er ist ein sympathischer Mensch und nicht ungebildet, obwohl er nicht studiert hat. Habe ich dir gesagt, dass er 3 Punkte eingraviert hat in der Falte zwischen Daumen und Zeigefinger? Es kann bedeuten, dass er mal im Gefängnis gesessen hat. Man nennt dieses Zeichen "luffartecken" (Vagabondenzeichen). Es kann auch anderes bedeuten und vielleicht war er einst nur ein Junge, der sich selbst so was eingravierte um though (tuff?) zu sein. Ich glaube ich frage ihn nächstes Mal danach.. :-)

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Ich habe nochmals den Artikel "Das lange französische Gedicht" durchgelesen. Der erste Teil kommt mir etwas kryptisch vor. Ich vermisse eine Logik (vielleicht bin ich auch nur zu dumm um sie zu sehen) aber der Artikel weckt Fragen und ich würde gern diese Cécile W bitten mir zu erklären wie sie dies und jenes meint. Mir kommt dabei ein schwedisches Zitat in den Sinn: "Das dunkel gesagte ist das dunkel gedachte". Ihr Bedauern über den mangelhaften Literaturunterricht erkenne ich. Das gilt auch für unser Land. Doch man versucht es nun zu ändern. Ich muss unwillkürlich an das beigefügte Bild denken. Vielleicht sind wir nun schon am letzten Stadium der Entwicklung gelandet.

Nein, ich mache nicht Spass. Ich meine es wirklich.
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Du schreibst immer so schön, mein lieber Mausfreund. Auch heute noch bist du ein Glückspender in meinem Leben.. eine Droge, von der ich abhängig geworden bin. Es freut mich, dass es dich trotz deines schönen RL immer noch als Mausfreund in meinem Leben gibt.

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Siehst du, es ist schon wieder etwas spät geworden. So lasse ich dich nun und wünsche dir eine gute Nacht bzw. einen guten Morgen.

Mit lieben Gs und Ks
Malou

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