Mittwoch, 29. Juli 2020

Merkwürdiges Erlebnis ...





Liebe Marlena
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Ich hatte mal ein ganz merkwürdiges Erlebnis in Isfahan. Ich hatte allein den grossen Bazar durchstreift. Und dieser reicht bekanntlich vom grossen, weltberühmten Platz bis hinunter zur alten Moschee. Und im Gassengewirr gibt es auf diesem Weg etliche Karawansereien. Ich hatte mir gedacht, dass ich einige davon entdecken könnte um dann ein paar Bilder zu schiessen. Schliesslich landete ich aber in einem grün bewachsenen Garten, in dem einige Mullahs plaudernd und diskutierend herumstanden. Offenbar war es eine Theologie- schule, und die Leute hatten offenbar gerade ihre Pause. Ich nutzte die Gelegenheit, einige Photos zu knipsen und ein bisschen herumzu- streichen, bis mich einer ansprach. Er zeigte sich sehr begeistert, mich -einen Fremden zu treffen, und er lud mich ein, dass wir uns zusammen auf eine Steinbank setzten. Er zog dabei ganz fürsorglich einen Plastiksack aus seiner Tasche, damit ich darauf sitzen könne und mir nicht die Hosen schmutzig zu machen brauche. Er sprach ein einfaches und gebrochenes Englisch. Ich weiss nicht mehr genau, worüber wir sprachen. Ich gewann allmählich den Eindruck, dass er vielleicht der Abwart dieser Schule wäre. Manchmal klang er ein bisschen irr. Schliesslich kam er auf die Regierung und Präsident Chatami zu sprechen. Er kritisierte sie vage und fragte mich, was ich denn dazu meinte. Ich erklärte, was ich in solchen Situationen immer tue, sogar in den USA. Ich erläuterte ihm, dass ich doch hier im Iran ein Gast wäre, und dass mir ein Urteil in dieser Sache ganz und gar nicht zustehe. Die Situation wurde mir auch ein bisschen ungemütlich. Ich befand mich hier in der Höhle des Löwen, und man weiss, wie fanatisch die einfachen Menschen reagieren können, wenn sie in einer Gruppe aufgeheizt werden. So verabschiedete ich mich ziemlich rasch und verzog mich aus diesem 'Kloster'. Ich wusste ja nicht einmal, ob mein Eindringen in diesen Gebäudekomplex erlaubt war oder nicht. Kurz und gut, ich verliess den grossen Hof und befand mich bald wieder im Ameisengewimmel der Bazargasse. Und nach einiger Zeit, ich hatte mich schon weit von dieser Theologischen Schule entfernt, sprach mich ein eher junger Typ an und sagte, er hätte mich beobachtet, wie ich in dieser Schule war, und er wollte wissen, wer ich sei und was ich dort gesucht habe. Ich war mir nicht sicher, was der junge Typ wollte. War er ein Schnüffler? Wollte er Kontakt mit einem Westler aus politischen Gründen? Oder war er einfach interessiert an einem Gespräch mit einem Fremden, wie man das im Iran so oft antrifft. Immerhin war ich erstaunt, wie sehr man unter sovielen Leuten, in einem solchen Gedränge, das man sich hier kaum vorstellen kann, wie man also mit scharfen Augen beobachtet wird.
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