Sonntag, 26. April 2015

Es freut mich ...


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Es freut mich, dass Du unseren Bichsel kennst. Vor etwa 20 Jahren habe ich in einem Ort in der Nähe von Solothurn gewohnt, wo Bichsel lebt und wo er täglich in den Wirtschaften (dh Pubs und Restaurants) zu finden ist. Bichsel ist ein literarischer Minimalist. Er schreibt sehr wenig in banal erscheinenden, einfachen Sätzen, so dass sie für Kinder geschrieben scheinen. Ich kann mich erinnern, dass ich als Student – um Geld zu verdienen – in einer Sekundarschule als Lehrer-Stellvertreter gearbeitet habe. Es war das erste und letzte mal, dass ich als Lehrer gearbeitet hatte. Und es waren bloss 2 Wochen. Weil ich diesen 12 oder 13jährigen Schülerinnen und Schülern eine Freude machen wollte, habe ich ihnen samstags in der letzten Stunde Bichsels Kindergeschichten vorgelesen. Sie fanden das echt öde und zum Sterben langweilig. Die Geschichten seien eigentlich für den Kindergarten, haben sie sich beschwert. Und so habe ich es mit einer oder zwei Geschichten bewenden lassen. Viel lieber hatten sie dann, wenn wir „Montagsmaler" spielten. Das Spiel kannten sie alle aus dem Fernsehen. Man teilte dafür die Klasse in zwei Parteien. Je ein Spieler stand an der Tafel und bekam von mir einen Begriff, der auf einer Karte geschrieben stand und den nur er sehen konnte. So schnell wie möglich musste er den Begriff (zB Sommernachtstraum oder Gutenachtgeschichte etc.)irgendwie an die Tafel zeichnen und seine Gruppe musste den Begriff so rasch als möglich erraten. Gewonnen hatte schliesslich die Partei, die zuerst alle Begriffe gefunden hatte. Das Spiel war sehr laut. Es war ein Hallo und ein Geschrei, das musst du dir vorstellen. Das ganze Schulhaus hat gewackelt und ich habe darauf gewartet, dass jeden Moment einer hereintreten würde, um zu reklamieren. Aber es kam keiner und das Schulhaus hat noch mehr gewackelt, bis ich die Schüler um 12 Uhr endlich springen lassen konnte. Und so kehrte endlich wieder Ruhe ein in diesem Schulhaus am oberen Zürichsee.

Ich war damals sehr begeistert von Bichsels Kindergeschichten. Aber sie sind – wie du anklingen lässt – etwas tragische Geschichten. Am lustigsten finde ich die von dem Abenteurer, der rund um die Welt gehen will und dazu eine ganze Armee inklusive eine Armada mit transportieren muss. Bichsel verschafft uns mit seinen einfachen Beschreibungssätzen erstaunliche Einsichten. Er ist, das weißt du sicherlich, früher einmal Lehrer gewesen. Und er habe die Schule nicht sonderlich geliebt, sagt er heute noch jedem, der es hören will. Ich glaube kaum, dass er Eurer pedagogars sällskap beitreten würde.

Wir Schweizer hatten in der letzten Generation drei grosse Schriftsteller: Max Frisch, der Psychologe; Friedrich Dürrenmatt, der Metaphysiker; Peter Bichsel, der Alltagspragmatiker. So würde ich die drei charakterisieren. Bichsel ist der jüngste der dreien und lebt noch. Dürrenmatt finde ich den bedeutendsten, er ist voller komödiantischer Spitzbüberei. Manchmal sind mir seine Theater wie Cabaret-Szenen vorgekommen. Als ich noch ins Gymnasium ging, hat man „Romulus der Grosse" als Studententheater aufgeführt. Ich war damals im Schülerchor, der vor der Aufführung zu singen hatte. Und so habe ich dieses Theater von Dürrenmatt etwa 5 oder 6 mal gesehen. Dürrenmatt hat in allen seinen Themen versucht, den worst-case durchzuspielen. Er war eine richtige Spielernatur, ein Gambler im Spiel des Lebens. Kürzlich hat man in einem Haus in Bern, im Dachzimmer, Malereien von ihm gefunden, die er dort als Student gemalt hatte. Der junge Friedrich hat all die Tapeten vollgemalt bis hinein die Dachschräge. Diese Malerei ist vielleicht nicht hohe Kunst, aber sie ist doch recht ausdrucksstark und dekorativ. Ja, unser guter Dürrenmatt. Er hat auch später noch gemalt und manchmal eindrückliche Werke zustande gebracht. Er hat von sich gesagt „ich male wie ein Kind, aber ich denke dabei nicht wie ein Kind". Und das traf den Nagel auf den Kopf. Wir vermissen ihn etwas, unseren Dürrenmatt, und Max Frisch auch
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