Samstag, 25. April 2015

Bichsel feiert


Subject: Re: bichsel feiert
Date: Fri, 24 Mar 2000 11:37:00 GMT


Ein Meister der kleinen Form

Bichsel feiert heute, am 24. März 2000, seinen 65. Geburtstag 

Seit Peter Bichsel 1964 mit den legendären Milchmann-Geschichten debütiert hat, zählt er zu den wichtigsten Schweizer Autoren. Zwei Bücher von und über ihn sind zu seinem 65. Geburtstag erschienen, den er heute feiert. Sie vermitteln ein Bild seines Lebens.

Der am 24. März 1935 geborene Peter Bichsel ist ein Zuspätgeborener, er konnte die legendäre Aaregfrörni (der zugefrorene Fluss Aare) in Olten nicht mehr miterleben. Lange Zeit hätte er es sich sehr gewünscht. Doch 1947 in jenem heissen Sommer, als der Zwölfjährige in Huttwil in den Ferien weilte, war er dabei, als „das Thermometer bei der Apotheke" platzte. Derweil gab sich die Schweiz alle Mühe, die Vergangenheit zu vergessen.

Von der Buchstabensucht befallen

Ein, zwei Jahre früher schon hatten sich die ersten Suchterscheinungen bemerkbar gemacht: Buchstabensucht „bis zur Vergiftung". Ein Heft mit der Aufschrift „Was ich alles weiss" war das erste Zeugnis einer versuchten Linderung. Das Interesse des jungen Bichsel weckten dann auch Namen wie Kobelt, Bartali oder Ballabio (Velorennfahrer). Am 4. Juli 1945 war er vor dem Fernseher Zeuge, wie Deutschland im Berner Endspiel Ungarn mit 3:2 bodigte (besiegte) und erstmals Weltweiter wurde. Er „möchte ihn nicht mögen", den Sport, sagt er heute, doch der Sport weiss prima Geschichten zu erzählen und die wiederum mag Bichsel.

1963 im November sodann sass Bichsel in einer Berliner Kneipe, als die Ermordung von John. F. Kennedy gemeldet wurde: eine Erschütterung für ihn. Ein paar Monate zuvor hatte er sein erstes Manuskript an den Walter Verlag abgeschickt und so offensichtlich den Keim für seinen Erfolg als Schriftsteller gesetzt.

Vieles dreht sich bei Bichsel um die Langeweile

Peter Bichsel erzählt noch heute Kolumnen, jeden Monat eine, das kann er. Der jüngste Band mit jenen aus den letzten fünf Jahren, dem dieser lückenhafte Lebenslauf geschuldet ist, würdigt seinen Geburtstag auf bescheidene wie eloquente Weise. Obendrein erweisen ihm die anekdotischen, gescheiten und zuweilen etwas trockenen Aufsätze im Band „In Olten umsteigen" die Ehre.

Peter Bichsel liebt die kleine Differenz. Einer seiner Lieblingssätze stammt von Jean Paul: „Es ist verdammt langweilig, zu sein". Würde das Komma vor die Langeweile gesetzt, entstünde gleich eine andere Geschichte. Dieses Zitat ist Programm. Vieles dreht sich bei Bichsel um die Langeweile, doch in seiner Gegenwart wird es nie langweilig.

*

Und HIER sein 75. Geburtstag. 

.. dann sagt er, was ihn wirklich plagt:
 Jetzt, im Alter, mit 75 erlebe er Dinge,
die er nie werde erzählen können.

«Was heute passiert, ist für
mich nicht mehr erzählbar.»  

und sein 80. Geburtstag    gestern






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