Liebe Malou
Gerade bist du mir entwischt. Du
warst im Netz, nicht? Vielleicht hat dein Kaffeewasser gekocht? Meines
ist noch nicht mal auf dem Feuer. Und dazu bringst du mir diese
schlechte Neuigkeit, dass 1% Menschen 40% des Vermögens besitzen in
Schweden. Und dabei haben wir immer gedacht, die Schweden machten es
viel besser auf dieser Welt als die übrigen Staaten.
Und eben das, was du sagst, finde
ich schlecht für die Gesellschft. Menschen mit viel Geld haben ja auch
viel Sorgen mit ihrem Geld. Sie sind vielleicht nicht soviel
glücklicher. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass unsere
modernen Staaten so gemacht sind, dass man sozusagen von der Hand in den
Mund leben kann. Es gibt Löhne, womit sich leben lässt. Es gibt
eine Pension, die genügt. Man kann sich gegen Risiken absichern. Also
braucht es im Prinzip gar nicht riesige Ersparnisse. Das ist im Iran
beispielsweise anders. Dort verstehe ich besser, dass Menschen sich
durch eigenes Vermögen absichern wollen. Durch eigenes Vermögen und
durch soziale Beziehungen zu Leuten, die Vermögen haben. Die
Verhältnisse sind so unzuverlässig, dass jeder sich diesen Risikoschutz
selbst erarbeiten will.
Aber im Moment beschäftige ich mich
micht anderen Dingen. Ich lese ein Buch über Glück. Lustig, nicht? Im
Moment bin ich im Kapitel "Glück in der Gegenwart". Dort werden zwei
Arten unterschieden:
Vergnügungen und Belohnungen. Im Alltag unterscheiden
wir zuwenig zwischen diesen beiden Glücksspendern. Vergnügungen sind
sinnliche Freuden, die kurzlebig sind. Berühren, Schmecken, Riechen,
Bewegung, Sehen und Hören können direkte Vergnügen hervorrufen. Es sind
sinnliche Geschenke, die nahtlos übergehen in komplexere
Sinneswahrnehmungen. Der Autor bringt als Beispiel den vollendeten Reim,
der ein Vergnügen ist: "On Wednesday and Saturday, but mostly on the
latter day". Aber diese Vergnügen schwinden rasch, sobald der
äusserliche Reiz vorbei ist. Wir gewöhnen uns schnell an sie
(habituation) und brauchen immer höhere Dosis. Die komplexeren höheren
Vergnügen sind stärker kognitiv und variantenreicher. Sie sind intensiv,
von mittlerer Intensität oder von geringerer.
Interessant ist nun, was er sagt,
wie man das Vergnügen steigern kann. Es gibt drei Dinge zu beachten:
habituation, Auskosten und Achtsamkeit.
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