Montag, 16. Dezember 2013
Trüber Montag und faule Engel
Ämne: Momomomomomo
Datum: den 9 december
Liebe Marlena
Nein, so genau hast Du mir nie von Weihnachten erzählt. Dass ihr Schweden
bloss ans Essen denkt, lässt wirklich tief blicken! Bei uns ist es ziemlich
umgekehrt. Und S war immer wieder erstaunt, wie unwichtig an
Weihnachten das Essen ist. Viele Familien kochen eine einfachere Mahlzeit,
weil die Mütter vor allem mit dem Baum und der Schmückung beschäftigt sind.
Das kommt wohl daher, dass bei uns die Engel faul herumliegen oder als
Amor-Knaben zu Liebesaffären anstiften, anstatt tüchtige Weihnachtsbäume zu
schmücken. So müssen hier alles die Mütter machen. Und dann bleibt fürs
Essen nur noch ein heisser Schinken. Ich weiss nicht mehr genau, was wir
jeweils gegessen haben. Auf jeden Fall hatten wir Kinder ohnehin keinen
Appetit. Ich glaube, das war der zweite Grund neben der nachlässigen Engel.
Die Kinder hatten keine Geduld, hinzusitzen und etwas zu essen, sondern
waren nervös und konnten nicht warten, bis das berühmte Glöcklein ertönte.
Wir haben, soweit ich mich erinnere, auch jeweils in der Küche gegessen, was
sehr unüblich und vor allem auch eher eng war. Der Küchentisch war mit einer
Marmorplatte bedeckt. Das war sehr unangenehm beim Essen, denn die Hände
gerieten leicht in eine Unterkühlung, wenn man sie auf den Tisch legte. Kurz
und gut: es war alles etwas provisorisch und nicht besonders gemütlich
angesichts der riesigen Erwartung, gleich ins Wohnzimmer mit dem brennenden
Christbaum zu treten und die Geschenklein unter den Aesten zu erblicken.
Nein, das Essen konnte uns wirklich gestohlen bleiben. Und am späteren Abend
gab es ohnehin süsses Gebäck bis einem beinache schlecht wurde. Das
Abendessen vor dem Weihnachtsabend war so gut wie unnötig.
*
Gestern war im nachmittags in Basel. Es gab eine Aktion der Basler Künstler.
Alle hatten ihr Atelier geöffnet. Man konnte sie besuchen und ihre Werke
anschauen. Sie haben das wohl gemacht, um vor Weihnachten noch ein oder zwei
Werke zu verkaufen. Ich bin in etwa 4 oder 5 Ateliers gewesen. Es war nicht
gerade grossartig, was ich gesehen habe. Allerdings habe ich bei dieser
Gelegenheit meinen alten Lehrer getroffen, bei dem ich mal einen
Modellierkurs gemacht hatte. Er erklärte mir, wo ich meine Arbeit finden
könnte, die ich immer noch bei ihm aufbewahrt habe. So bin ich dann abends
gleich dorthin gegangen und habe mir mein Werk geholt. Ich habe es seit 2
Jahren nicht mehr gesehen und ich war erstaunt, wie eckig diese Figur
aussieht. Es ist eine Art Sonnenanbeterin, kann man sagen. Eigentlich nicht
zu beschreiben. Bref: ein Kunstwerk ;-)).
*
Heute habe ich kaum Zeit. In 3 Minuten beginnt unsere Sitzung. Mittags ist
Club.
Um 14h habe ich eine weitere Sitzung. Um 16h beim Arzt. Ich hoffe, ich werde
diesen bedeckten und etwas trüben Montag überstehen. Und sonst würdest Du
mir wohl helfen dabei, nicht wahr?
Mit einem lieben Gruss
...
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