Sonntag, 31. März 2024

Sehnsucht

 

 Sehnsucht von Heinrich Vogeler 

   

     Motto            

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste von allen Stunden steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.



Rainer Maria Rilke, 
3.11.1897, Berlin-Wilmersdorf





Donnerstag, 28. März 2024

Tropfnasserdonnerstagmorgen

 

Ämne: Tropfnasserdonnerstagmorgenumsiebeninderfrüh

Datum: den 25 mars 08:10


Liebe Malou
Höre ich richtig? Du hast wieder ein Mail in den Wind gesetzt? Das hört sich an wie Flaschenpost, die man, wie Du weist, irgendwo und irgendwann aussetzt, in der Hoffnung, irgendjemand würde sie dann finden. Nein, soviel Gottvertrauen sollte verboten sein.

Lustig der Name Marienberg. Klingt wie ein Pilgerort mit einer grossen, schönen Kirche auf dem Berg oben, wohin die Menschen an hohen kirchlichen Feiertagen herpilgern, um in sich zu gehen und den lieben Gott wieder einmal zu fragen, was er denn meint zum bösen Lauf unserer, oder vielleicht besser ‚seiner’ Welt. Wenn man denkt, dass in der alten Zeit viele christliche Kirchen an Standorten und auf den Mauern von alten Gebäuden des Mitrakultes gebaut worden waren, und wenn man bedenkt, dass nach der französischen Revolution Kirchen in Ställe und Munitionslager umgebaut worden waren, so kann man sich heute leicht vorstellen, aus einer hübschen gotischen Kirche ein grosses Einkaufszentrum zu gestalten. Na ja, es wäre vielleicht ein bisschen hoch mit seinen Spitzbogenfenstern. Und in die Türme könnte man je einen geräumigen Lift einbauen, mit dem man oben das gemütliche Turmcafé erreichen kann. Man hat von dort oben einen hübschen Ausblich über die Stadt, die sich den Marienberg hinunterzieht. Und die Beichtstühle im Erdgeschoss werden als Kuschelecken von den jungen Kunden geliebt, wo sich die Neuverheirateten oder solche, die es werden wollen, eng an einander schmiegen können, um sich von den Strapazen des Einkaufs ihrer Haushalteinrichtung zu erholen.

Was Du über die Wahrheiten sagt, zeigt, dass Du echt platonisch denkst. Das haben wir ja schon bei der platonischen Liebe festgestellt. Platonische Liebe, platonische Wahrheit, ist alles einerlei. Auf jeden Fall ist es natürlich auch tief katholisch, so wie das alles eben nur auf dem Marienberg sein kann.

Wenn ich Dich heute nach L. einladen würde, müsstest Du den Perlzmantel einpacken. Und vielleicht ein paar hohe, wasserdichte Stiefel. Es ist fotzeliges Wetter, so dass man keinen Hund auf die Strasse lassen würde. Heute Morgen, als ich mir mein Frühstück bereitete, hat es sogar geschneit. Jetzt regnet es unverdrossen. Vom Kamin im Haus gegenüber steigt ein kleines Räuchlein. Dort wird offenbar tüchtig geheizt. Und die Strassen sind leer. Kein Mensch geht bei einem solchen Wetter vor die Tür. Keiner!

Heute habe ich um 10 eine Sitzung in Basel, deshalb bin ich mit dem PW hergefahren. Und so konnte ich auch vermeiden, all zu lange durch die Nässe zu gehen. Als ich früher ab und zu bei meiner Oma in Liestal in den Ferien weilte, war ich stets erfreut über die feuchten Strassen nach dem Regen, die kleinen Weglein, die oft mit Moos und oder feuchtem Laub belegt waren. Das fand ich ganz ausserordentlich angenehm und komfortabel weich, denn vom Wallis her waren wir Feuchtigkeit nicht gewohnt, dort war alles trocken, hart und spitzig

Was in aller Welt ist Distanzunterricht? Lass mich raten. Dort lernt man die Distanzen im Wiestaleltall, die Kilometerzahl von der Erde zum Mond beispielsweise, oder jene bis zum Mars. Solch einen Unsinn mussten wir mal lernen. Ach nein, jetzt erinnere ich mich: Distanzunterricht ist Unterricht zuhause, damit die Schüler, die einen weiten Weg haben, zuhause bleiben und von der Zeit profitieren können. So was gibt es bestimmt auch in Australien, wo Kinder über das Radio instruiert werden. Ach wie wünschte ich mir Distanzunterricht. Ich würde mich im Bett unterrichten und vorerst mal alle meinen alten Träume repetieren. Vielleicht sogar auswendig lernen, wenn das gefragt wäre. Und um 10 liesse ich mir - am Bett - einen süssen Espresso servieren, um so organisch zur Lektüre der Tageszeitung über zu gehen, und um schliesslich bei irgend einer hübschen Lektüre zu landen. Wenn es hoch kommt, würde ich zum Mittagessen aufstehen. Aber dann gleich für die Siesta wieder abtauchen. Siesta ist auch eine Art Distanzunterricht. Man versucht dabei, von der Hektik des Tages ein wenig Distanz zu gewinnen. Und nach 16Uhr würde ich mir die Freiheit nehmen, schulfrei zu machen. Denn die Zeit brauche ich natürlich für meine Hausaufgaben. Ach, wie wünschte ich mir Distanzunterricht, und warum - zum Teufel - ist die Schweiz ein so kleines Land, wo jeder kleine Lausbube in einer halben Stunde auf dem Schulhof sein kann, um die Fenster des Schulhauses mit Schneebällen zu bewerfen.

Von den Tauben heute morgen natürlich keine Spur. Wo wohnen sie bloss? Ich meine, haben sie eine feste Adresse? Vielleicht in einem Gartenhaus, wo sie durch die Luke einsteigen können, um es sich in der Ecke auf den Stuhlpolstern gemütlich zu machen und ihre Orgien zu feiern? Oder in einem Dachstock, rundum behangen von Spinnennetzen, wo es trocken ist, was Tauben bestimmt mögen? Übernachten sie in grösseren Gruppen oder bloss zu zweit? Gibt es auch Singles, die sich jede Nacht woanders verkriechen und Wärme suchen? Ach die Tauben, man weiss so wenig über sie.

In Basel ist man dran, Abfalltrainer auszubilden. Sie werden später die Aufgabe haben, die Bevölkerung aufzuklären, besonders auch fremdsprachige Menschen, wie man mit dem Abfall umzugehen hat. Abfall ist ja bekanntlich geradezu zu einer Wissenschaft geworden. Die Pet-Flaschen, die Glasflaschen, die Büchsen, das Papier, die Küchenreste: alles wird separat gesammelt und recyclet. Ach, die guten alten Zeiten sind vorbei, wo man die Dinge einfach so wegwerfen konnte. Heute überlegt man sich die Probleme schon beim Einkauf, und man zögert.

Jetzt habe ich die Tauben erspäht. Es ist eine Gruppe von 15 bis 20 Tieren. Und sie fliegt in unregelmässigen Kurven grosse 8-förmige Figuren über verregneten Ort. Wahrscheinlich werden sie sich später auf dem Dach gegenüber am Wasserturmplatz über diese Frühgymnastik brüsten und sich dabei die Schnäbel zerreissen. Sie fliegen alle so überzeugt. Keine scheint zu zögern. Keine will ausbrechen und sich ausruhen. Es sieht aus wie ein eine gut verabredete Sache.

Ach, es ist schon spät. Ich muss mich meinen kleinen Sorgenkindern widmen, die hier auf dem Pult und überall im Büro herumliegen. Die armen Waisenkinder warten nur darauf, dass man sich mit ihnen beschäftigt.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit l GuK
...



Dienstag, 26. März 2024

Oh Sweet song




Blauer Geiger Marc Chagall

LIEBESLIED

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
 nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich
der aus zwei Saiten e i n e Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süsses Lied.


(Rainer Maria Rilke)

 (Capri 1907)






                                           




Montag, 25. März 2024

Waffeltag

 

Lieber ...,

(---)

Am 25. März ist in Schweden der Waffeltag, "Våffeldagen", und überall werden die Waffeleisen hervorgeholt. Ich habe mir gerade ein neues gekauft, das ich schon heute ausprobieren möchte. Waffeln mit Multbeeren-sylt und Schlagsahne drauf... hmm wie lecker! Ich zitiere einen Artikel:

"Ein Blick in einen deutschen Kalender zeigt, dass heute auch "Mariä Verkündigung" ist, und die Vermutung, dass es da einen Zusammenhang gibt, ist in der Tat richtig. Denn eine alte Bezeichnung für diesen Tag ist "Vårfrudagen", also in etwa "Tag unserer Frau". Ein schlichtes Missverständnis oder Verschleifung hat dann aus dem "Vårfrudagen" den "Våffeldagen" gemacht.
Ein schönes Beispiel, wie christliche Traditionen in Schweden ihren religiösen Charakter verlieren und in den Alltag übergehen, in dem Religion im Allgemeinen eine sehr geringe Rolle spielt."

Ich schreibe dir mehr später heute.
Bis dahin alles Liebe und Gute
mit Gs und Ks und Qs
Malou

Samstag, 23. März 2024

Amsel

 

Kolstrast

Lieber...

Danke für dein liebes Frühlingsmail. Ja, die Amsel. Kein anderer Vogel singt so schön wie sie... oder lass mich sagen er. Denn er ist es, der uns mit seinem schönen Gesang begeistert.
Erinnerst du dich noch an das Bild damals zu Weihnachten. K wollte den Baum etwas unten absägen und neben ihm stand eine kleine Amsel, die ihren Apfel bewachte. Sie wich nicht von seiner Seite.

Ja, es gibt sie auch bei uns in Schweden. Aber nicht im ganzen Land, wie du auf der Karte sehen kannst. Sie ist sogar unser Nationalvogel.

Du kannst sie auch hören:   ♫ Koltrast - lyssna till sång / läte / ljud. (xn--fgelsng-exae.se)

Leider kann ich sie selten live hören wie du. :-( 

Ich grüße dich lieb und wünsche dir einen guten Start in die neue Woche. 

Kuss
Malou

https://sv.wikipedia.org/wiki/Koltrast#/media/Fil:Regenwurm1.jpg




Donnerstag, 21. März 2024

Re: Kleiner Schmunzler ...

22 febr. 

Re: Kaffe Fertig gefällig ?

Liebe Malou

Ich habe wirklich geschmunzelt bei diesem Berner Oberländer Witz. Es gibt davon sicherlich noch viele. Aber dieser ist gut, weil er durch seine Länge eine gewisse Spannung erzeugt. Allerdings ist er nicht einfach zu erzählen mit gleich drei verschiedenen Deutschvarianten von Ausländern. Ich werde ihn mit B ausprobieren. Ihre Mutter war Berner Oberländerin. Sie wird ihn sicherlich geniessen. Merci dafür Malou. Woher hast du ihn gefunden?

Was die Rechtschreibung betrifft, so ist alles korrekt - mit all den Unkorrektheiten der Emigranten-Idiomen. Aber 'Berner' Oberländer, oder 'Berneroberländer' schreibt man gross. Das ist auch für uns immer eine Tücke. 'Berner' schreibt sich gross, aber 'bernerisch' beispielsweise nicht. So mindestens glaube ich, mich an die Instruktionen des Duden und der Schule zu erinnern.

Heute morgen habe ich sie gehört. Schon um 6 Uhr, als ich mein Schlafzimmer gelüftet habe. Ja, man kann es kaum glauben. Es war noch stockdunkel draussen. Und wenn ich die gegenüberliegenden Häuser und Strassenzüge beobachte, muss ich feststellen, dass ich wohl in Basel der einzige bin, der schon vor 6 Uhr aufsteht. Ausnahme ist eine Person gleich gegenüber. Ich glaube, sie ist blind oder doch mindestens sehbehindert. Deshalb lässt sie auch stets ihre Storen und Läden offen. Sie ist auch eine Frühaufsteherin. Ich kann sie manchmal sehen, wie sie in ihrem Büro herumtastet und Dokumente liest mit der Nase praktisch auf dem Papier.

Und dann habe ich meinen Zug nach Visp und Milano erreicht. Er ist immer gut besetzt. Viele Menschen scheinen heute längere Arbeitswege zu haben. Ich denke, die meisten von denen arbeiten in Bern. Die Reisezeit beträgt ca. 1 Stunde. Auch die Visper erreichen Bern jetzt innerhalb einer Stunde. Sie können also gut dort arbeiten. Und es scheint mir wirklich, als ob man in Bern oft Walliserdeutsch höre. Ich höre es rasch, oft bloss schon aus der Melodie der Sprache.

Ach ja, was ich sagen wollte. Heute morgen habe ich erstmals eine Amsel singen hören. Natürlich war es ein Amselrich. Er war laut und deutlich. Habe ich so nicht erwartet, denn meine Fenster gehen auf die Quartierstrasse hinaus. Ich muss - wenn ich mal mehr Zeit habe - herausfinden, wo sie sitzt. B hat eine Amsel in ihrem kleinen Garten hinter dem Haus, auf ihrem alten Quittenbaum. Das ist sehr schön. Und früher habe ich sie auf dem Hausfirst gegenüber gesehen, wenn ich aus dem Haus in Itingen getreten bin. Ich habe das erst in den letzten Jahren schätzen gelernt. Früher hatte ich kaum ein Ohr dafür. Eigentlich schade. B weiss sogar das genaue Datum, wann die Amsel anfängt zu singen. Und auch das des Schlusskonzertes, im frühen Sommer glaube ich. In ihrer Familie hat man die Natur eingehend und aufmerksam beobachtet. Dazu gehört auch die Kenntnis der Pflanzen, Vögel und natürlich Schmetterlinge.  Gibt es auch Amseln in eurer Region?

Heute habe ich ein ziemliches Programm hier im Büro. Abends fahre ich nach Bern. B hat ein paar Freunde zum Nachtessen eingeladen. Ich muss mich sputen, um rund um 19h dort zu sein.

Ich wünsche dir ein feines Wochenende.
Liebe Gs und Ks

...

Mittwoch, 20. März 2024

Kleiner Schmunzler gefällig?

 

Lieber ... ,

Hier ein kleiner Gruss bevor du Feierabend machst.
Viel Spass!
Malou


Die Berner Oberländer sind schnell zufrieden.


Ein Albaner, ein Berner Oberländer, ein

Pole und ein Türke retten eine Fee und
jeder hat einen Wunsch frei.


Der Pole:

"In Polän wir haben nich alle Auto. Ich wollen, das ale Polen haben eine Mercädäs."
Die Fee schnippt mit den Fingern und alle Polen haben einen Mercedes.



Der Albaner:

"Konkret seit Krieg geht's uns immer  schleschter. Viele haben Problem weil kein Geld und keine Abeit, alles wird deurer und de Politik ist schlechter als vor dem Krieg und alle Häuser sind Ruinen. Wir brauchen konkret mehr Geld. Oder hasch  Problem damit?"
Die Fee schnippt mit den Fingern und die Häuser glänzen in frischen Mauern und jeder Albaner hat genug Geld auf seinem Konto.


 
Der Türke:

"Ey, isch bin de krasse Mehmet. Isch wünsch mir für jede Türken oberkrasse Harem mit 1000 korrektgeile Frauen mit rischtig dicke Dinger.  Ey... und solln koche könne!"
Die Fee schnippt und alle Türken sind stolze Besitzer eines solchen Harems.


 
Dann ist der Berner Oberländer an der Reihe. Er grübelt einen Augenblick und meint dann:


 "Tja, mau luägä......... d'Polä chlauä keni Outo meh, 
d'Türggä löh üsi Wyber i Rueh, u d'Albaner göh aui hei..... Auso, ig nimä es Kafi-fertig, merci!"