Donnerstag, 22. März 2018

Ich habe das Password


Ämne: Ich habe das Password
Datum: den 28 augusti 09:29

Liebster Mausfreund,
Wieder ein so schönes Mail von dir. Wie du weisst, finde ich deine Mails früh am Morgon und dann habe ich es oft schon eilig zu Arbeit. So auch heute. Aber damit du schon beim Aufwachen etwas von mir findest, schicke ich dir Gedichte von Rumi auf deutsch. Sie sind schön und eines davon wollte ich besonders für dich reservieren.
Wenn du die Bilder betrachtest kannst du noch besser verstehen warum er gerade in NY geschätzt ist. So viel ich verstehe war Rumi verliebt in einen Derwisch und seine Gedichte sind aus dieser Liebe entsprungen.
Viel Spass beim lesen und ansehen. Und ich wünsche dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
Marlena

PS Ich komme später nochmals vorbei. In vier Stunden ungefähr..




Re: OK - nochmals ..


Ämne: Re: OK - nochmals..
Datum: den 28 augusti 04:21

Liebe Marlena
Ach, ist das so? Ich hatte einfach Deine Stimme vermisst. Das ist alles. Es ist schoen von Dir zu hoeren und natuerlich bin ich im Moment ein bisschen "egoman" und erzaehle nur von mir. Du bist eben auch eine feine Zuhoererin. Ich meine, neben der Tatsache, dass Du eine Verkaeuferin bist, auf hohem Nieveau, um genau zu sein!

Ja, die Archetypen sind nicht ganz so einfach zu verstehen. Man muss sie vielleicht ein paarmal in Gedanken durchspielen. Und auf keinen Fall ist ein Typ besser als der andere. Und auf keinen Fall kannst Du mir den Magician ganz ueberlassen. Das kann ich nicht akzeptieren. In der Klasse bist Du bestimmt eine Queen. Schon allein deshalb lernst Du die Namen auswendig. Damit hast Du einen Respektvorsprung. Ich habe den Lehrern immer gesagt, sie sollen vor den Schuelern im Klassenzimmer sein. Das ist ihr Territorium. Und das muss man als erster in Besitz nehmen. Und dann natuerlich die Plaetze verteilen und fuer Ordnung sorgen. Ich sehe es irgendwie so: Die Queen sorgt fuer Stabilitaet durch ihren Segen, den sie verteilt; der Magician bringt das irgendwie durcheinander, indem er Leute und Verhaeltnisse in Bewegung bringt. Der Warrior kaempft fuer ein Ziel und nimmt Territorium in Besitz, setzt Grenzen: und der Lover ueberwindet die Grenzen, indem er Beziehungen setzt. Rachel, das ist die Frau des Kursleiters, hat heute diese vier Typen lustig durchgespielt, indem sie viermal ein Buch vorgestellt hat, jedesmal aus der anderen Position. Man muss diese Typen auch nicht so exakt nehmen. Sie sind Landkarten, nicht Landschaft.

Heute habe ich ueber Mittag einen kleinen Spaziergang gemacht. Wenn wir so lange sitzen, brauche ich das. Und da bin ich an ein Blumengeschaeft geraten, das bestimmt jenes der Miss Dalloway ist. Ich konnte schwoeren! Aber als ich dann hineinschaute, und mich der Verkaeufer mit grossen und etwas misstrauischen Augen angesehen hat, da habe ich diese weisshaarige Dame nicht gefunden, die Miss Dallowaz bedient hat. Und auch der Laden sah nicht gleich aus. Im Film gab es doch in der Mitte des Ladens viele Pflanzen und Blumen, so dass man rundum gehen und auswaehlen konnte.
Das NLP Institut ist hier gleich am University Place. Und dabei handelt es sich um die NY University. Es gibt - so glaube ich - noch zwei weitere Universitaeten in NY. Und heute ueber mittag ist mir aufgefallen, dass es hier auch eine Konzentration an Antiquitaetenlaeden gibt. Das macht eine gewisse Athosphaere in dieser Ecke. Ich will nicht sagen, sie sei entglisch. Aber es ist so etwas aehnlich , ein Gemisch wie englisch und vielleicht hollaendisch?

Stell Dir vor, ich glaube, ich koennte hier leben. Na ja, ich moechte dann natuerlich schon im East Village leben, nicht irgendwo weit draussen in New Jersey oder Queens. Schon Brooklyn finde ich etwas abseits. Und Harlem habe ich gar nicht gesehen. Es heisst, man sollte dort vorsichtig sein. Aber hier, im Zentrum zu leben, das ist eigentlich ganz angenehm. Nur vielleicht im Winter kann es sehr kalt sein, hat mir B. erzaehlt. Er ist jetzt 12 Jahre hier. Und anfangs konnte er kaum aus dem Haus im Winter. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass ab und zu ein kalter Wind durch die geraden Strassen fegt, dass es sehr unangenehm werden kann. Man hoert doch ab und zu in der Zeitung, dass es in NY geschneit hat und alles zusammengebrochen sei.

Jetzt ist unsere Nachbarin im Bett. Auf jeden Fall brennt das Licht in der Kueche nicht mehr. Sie ist alt, vielleicht 80, und sie ist nicht besonders freundlich. Ich begruesse sie im Gang, wenn sie ihre Tuere offen hat, freundlich mit : good evening madam. Und sie sagt bloss: hey. Na ja, sie weiss auch, dass sie von mir nichts hat in ihrem Leben. Manchmal lauft der TV laut. Und die Tuere in den Gang, den alle im Haus begehen, ist weit offen. Es ist wirklich eine lustige Atmosphaere.

Und jetzt kommt langsam meine Muedigkeit auf. Ich danke Dir, meine Liebst, fuer dieses "ok - nochmals". Du bist einfach ein Schatz, und ich bin der Lover.
Mit lieben Gruessen und Kuessen
...

Jetzt sitze ich hier und habe mir einen Kaffee gemacht, obwohl es eigentlich fuer ein Aufputschmittel dieser Art zu spaet ist. Aber ich habe nur ein bisschen Zucker hineingetan, keine Milch. Ich habe gehoert, Kaffee ohne Milch putscht nicht auf. Hast Du das auch gehoert? Meine Gastgeber gehen immer mittwochws Sushi essen. Letzte Woche hatte ich sie dazu eingeladen. Es hat gut geschmeckt, aber auch alles ein bisschen aehnlich an dieser einen einzigen Sauce. Und so wollte ich dieses Mal nicht mehr mitgehen. Ueberigens beneide ich Dich, Marlena, um Deinen Kaviar auf dem Eiersandwich. Das klingt wirklich nach koeniglicher Mahlzeit. Dass meine Broetchen bis Mittag ein bisschen welk werden, stoert micht nicht. Es fuehlt sich dann an im Mund wie normales Brot. Ich bin wirklich ganz vernarrt in diese Eiersandwiches. Und was die Folgen sein koennten, auf die Du hingewiesen hast, das weiss ich nicht. Aber jeden Tag zwei Eier, das ist schon eine geballte Ladung. Zuhause mache ich das kaum.

Ich war heute abend nach dem Kurs auf Coney Island. Das ist die Beach vor Brooklyn. Man kann mit der U-Bahn direkt bis dorthin fahren. Es dauert eine gute halbe Stunde. Erst geht es unter dem Boden, dann ueber die riesige Brooklyn-Bridge, und allmaehlich wird die Bahn zum normalen Vorortszug. Coney Island ist ein bisschen heruntergekommen. Sicherlich war das um 1900 auf der Hoehe der Zeit. Es gibt noch ein paar Karussels, Schaukeln, Riesenrad und solche Dinge. Irgendwo konnte man sogar auf einen Menschen schiessen. Er hatte dafuer einen Helm auf und eine spezielle Kleidung, und er hat fuerchterlich geschwitzt darunter, wie ich sehen konnte. Sowas Geschmackloses findet man wohl nur in Amerika. Und dann gibt es eine lange Beach und einen Holzsteg die ganze Laenge, wo man spazxieren kann, wo sogar die New Yorker Polizei mit dem Streifenwagen kursiert. Es ist nicht besonders sauber, und es hat jede Menge dieser Buden, wo man Burgers, Suesses oder Salziges kaufen kann. Und rund um die Abfallkoerbe flattern riesige Moeven, die ziemlich scharfe Schnaebel zu haben scheinen. Sie sind mindestens doppelt so gross wie die Moeven bei uns. Vielleicht habt ihr in Skandinavien am Meer auch solche XL-Groessen? Sie koennen unmoeglich mehr "Emma" heissen.

Der Kurs geht schon langsam seinem Ende entgegen. Heute, wie gesagt, hatten wir Rachel. Sie ist eine lustige Person, viel aktiver und lebendiger als ihr Mann. Sie ist wirklich ein Magician, macht manchmal Witze und reagiert sehr schnell. Sie spricht auch viel schneller, was mir manchmal etwas Muehe macht. Bei Steve ging immer alles sehr langsam und er hat die Dinge zwei- oder gar dreimal gesagt. Wir haben ueberigens Schmerzbehandlung gemacht. Ich weiss nicht, wieviel ich Dir erzaehlen soll,  aber was ich hier von beiden Kursleitern gehoert habe, machen sie gute Resultate bei Schmerzen, bei denen man keine somatische Ursache findet. Das ist viel haeufiger, als man denkt. Und als Rachel im Kurs gefragt hatte, wer denn regelmaessig mit irgendwelchen Schmerzen geplagt sei, hat mindestens ein Drittel der Leute die Hand gehoben. Die meisten gaben Kopfweh an, aber auch sonst Schmerzen irgendwo im Koerper, postoperative Schmerzen.
Es gibt ja schon im Alltag spezielle Arten, wie man mit Schmerz umgehen kann. Ich erinnere mich, wie ich beim Zahnarzt in frueheren Jahren mir immer irgendwelche pricklichen Situationen mit Maedchen vorgestellt habe, um dem Schmerz auszuweichen. Das ist eigentlich Ablenkung. Man kann auch das schmerzhafte Glied durch psychische Vorstellungen abkuehlen. In einem kalten Koerperteil fuehlt man bekanntlich wenig. Allerdings muss man, wenn ich das Vorgehen richtig verstanden habe, zuerst pruefen, ob der Schmerz nicht ein Zeichen oder Signal des Koerpers ist fuer irgend etwas. Das fragt man hier die Person in Trance, und man nimmt an, dass das Unbewusste das weiss. Wenn der Schmerz ein Signal fuer irgend eine psychologische Problematik dahinter ist, dann ist das Vorgehen etwas anders. Dann sollte man nicht den Schmerz entfernen, sondern durch Reorganisation des Selbst integrieren. Das sind dann sozusagen Systemschmerzen. Aber offenbar gibt es oft auch Schmerzen, deren Ursprung man ueberhaupt nicht kennt und nicht erklaehren kann. Und sie sind bestimmt nicht selten.

Ich habe hier zwei Buecher gefunden von Rumi. Du erinnerst Dich, wir haben mal von den Sufis gesprochen und der islamischen Mystik. Im Kurs wird Rumi ab und zu zitiert. Eigentlich haette ich Lust, die Buecher zu kaufen. Aber das sind Gedichte, und sie sind natuerlich ins Englische uebersetzt. Ich weiss noch nicht, ob ich zugreifen soll. In Deutsch habe ich noch nie etwas von ihm gesehen, habe allerdings auch nicht danach gesucht. Offenbar ist Rumi in Amerika ziemlich populaer. Na ja, vielleicht nicht gerade bei Bush und seinen Co-Boys!!


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OK - nochmals



Ämne: OK - nochmals..
Datum: den 27 augusti  18:58

Lieber ...,
Du wartest auf ein zweites mail von mir? Aber ich hatte es doch schon gestern abgeschickt.. 2 am selben Tag ist doch keine Vernachlässigung..
Und du fragst warum dich niemand liebt, du Schlauer. Sei vorsichtig! Liebe ist ein zerbrechliches Ding. So schön und zart und kann leicht kaputtgehen. Wie ein Krug. Wenn er zerbricht kann man ihn zwar reparieren so dass er von aussen gesehen wie neu aussieht. Aber der Klang wird nie derselbe.
Das klingt vielleicht etwas dramatisch. Aber es ist meine Auffassung von der Liebe.

Als ich Psychologie studierte hatten wir ganz andere Typen. Und ich war sehr hart in der Beurteilung meiner selbst. Wir studierten u.a. Sjöbrings Persönlichkeitstypen. Und schliesslich kam ich zu dem Schluss, (oh Schreck!) dass ich mich eigentlich als Verkäuferin eignen würde.. oder einen ähnlichen Beruf in dem man schnelle spontane Kontakte hat mit anderen Menschen, wo man seinen Charme spielen lässt, aber die man dann schnell wieder vergessen kann. Du siehst, eigentlich nicht besonders geeignet für meinen jetzigen Beruf. Na ja, so dachte ich damals.. aber ich glaube ich kannte meine Schwächen ziemlich gut.

Queen, dachte ich zuerst für mich. Aber es darf nicht so weit gehen dass man irgendwie rigide wird.. und dann das zweite.. wie das nun hiess... aber dabei dachte ich, dass ich zwar Grenzen setzen kann aber trotzdem immer bereit bin sie zu überschreiten wenn mir mein gesunder Verstand das bietet. Warrier? Jadoch, ich kann absolut meine Meinung verfechten und besonders wenn ich sehe dass man jemanden ungerecht oder schlecht behandelt. Dann kann ich diese Person wie eine Furie verteidigen.. *lacht*

Das künstlerische habe ich gleich für dich reserviert... ein klein wenig auch für mich. Und das letzte? Du müsstest mir erst erklären was man damit meint. In der Liebe bin ich monogam und total hingebungsvoll. Ich bin blind für alles andere. Bis eben.. ;-))

Ha, wie lustig eigentlich einen Moment so "egotrippad" (weiss nicht auf deutsch) zu sein. Vielleicht ist es auch der Sinn eures Kurses, dass man sich an seine eigene Vortrefflichkeit erinnert.. *s* Tut doch ganz gut, oder?

*
Ich habe meinen langen schweren Tag hinter mir, aber alles ist gut gelaufen. Jetzt geniesse ich, das ich es hinter mir habe und bin ganz froh, dass ich so effektiv war. Wenn es gut ist, bin ich ein ausgezeichneter Dompteur. Es gibt andere Tage.
*
Spüre, dass ich hungrig bin. So werde ich mir eine Kleinigkeit zu essen machen. Habe heute in der Kantine gegessen und mich gut unterhalten mit einem jüngeren Kollegen, den ich bisher kaum gekannt habe. Er hat mir imponiert, weil er dieselben klugen Ansichten hatte wie ich.  ;-)

Ich komme vielleicht später nochmals vorbei. Bis dahin alles Gute,
mit einem lieben Gruss,
Marlena


Etwas später ..


Datum: den 27 augusti  13:33

Liebe Marlena

Heute bin ich etwas spaeter dran. Die Eier sind schon gekocht. Jetzt kommt der Kaffee dran. Hast Du die Archetypes studiert und herausgefunden, in welchem Zustand Du am meisten bist? Bei mir ist es ohnehin klar, dass ich in die Ecke des Magician und Healers abgerutscht bin. Und ein Lover bin ich auch noch, kein schlechter zumal. King bin ich manchmal im Buero, wenn ich das Gefuehl habe, ich messe Chef sein. Und Warrier bin ich in den Diskussionen, ein bisschen wenig im Alltagsleben vielleicht. Ich habe von diesen 4 Archetypen nie gehoert.

Gestern abend war hier in der Strasse ein ziemlicher Laerm. Ich glaube, sie hatten ein Fest. Fuer einen Moment hatte ich mir ueberlegt, nochmals aufzustehen und eine Runde zu machen, um mir das alles mal anzuschauen. Aber dann fuehlte ich mich doch muede und blieb. Aber heute bin ich dann erst vor7h aufgewacht. Normalerweise war es ziemlich genau 6h. Und heute finde ich nicht mal ein Mail in meinem Briefkasten. Niemand liebt mich? Was habe ich bloss getan, dass mich niemand liebt?

Ch hat gestern ein wunderbares Essen gemacht. Es gab einen Fleischbraten gefuellt mit Feigen, dazu Gemuese. Das schmeckt wunderbar. Werde ich S. auch empfehlen. Dieses Schweinefleisch zusammen mit dem suessen Geschmack der Feigen ist wunderbar. Normalerweise benutzen wir Pflaumen in Enten oder anderem Gefluegel. Aber dies hier wr wirklich sehr vorzueglich. Es ist lange her, seit ich abends soviel gegessen habe. Vielleicht hatte ich darum etwas Muehe mit dem Einschlafen. Waehrend Ch kochte, hatte mir B gezeigt, welche Arbeiten er bisher gemacht hatte. Er ist von Beruf eine Mischung aus Musiker und Computer-Spezialist. Er kann Websites machen. Aber er kann auch drei Blasinstrumente spielen. So hat er schon bei verschiedenen CD Produktionen mitgemacht, hat die Musik arrangiert, hat hier in seiner kleinen Stube den Gesang der Saengerin aufgenommen und dazugetan auf einer zweiten Spur. Er ist ein Music Freak. Heute hat er einen kleinen Auftrag und muss um 11 Uhr aufgestanden sein, hatte er mir gesagt. Aber sonst sind seit dem 11. September die Geschaefte sehr schlecht. Sie kommen jetzt bloss langsam wieder.

Seine Eltern in der Schweiz machen sich Sorgen um die beiden. Ich hatte sie in meinem Mail beruhigt. Und offenbar hat ihnen gefallen, was ich geschrieben habe. Auf jeden Fall haben sie B. davon erzaehlt, und er hat es vorgestern erwaehnt. Aber er hatte sich auch gefragt, was ich bloss geschrieben habe. Na ja, ich habe ein paar huebsche Sachen und Gedanken herausgepickt, die ich gesehen oder mir selbst gemacht habe. Das genuegt. Sie muessen sich wirklich keine Sorgen machen um die beiden hier. Sie leben gut, obwohl sie nicht viel haben.

Heute ist das Wetter feucht. Jetzt nach dem Kaffee bin ich ziemlich heiss. Ich muss noch mein Sandwich machen und dann unter die Dusche.

Ich wuensche Dir einen schoenen Tag, respektive einen guten Rest davon. Ihr habt ja wohl schon Mittag dort drueben.
Liebe Gruesse und Kuesse
...

Mittwoch, 21. März 2018

Heute: Archetypische Energieformen


Ämne: Re: Amerika gibt es wahrscheinlich doch
Datum: den 27 augusti 00:55


Liebe Marlena
Ja, Du bist eine alte Fuechsin. Das sieht man daran, dass Du die Namen der Schueler memorierst. Ein Anfaenger kaeme wohl kaum auf die Idee, und haette den Kopf voll von anderen Dingen. Aber genau das ist wichtig, wenn man Koenigin im Klassenzimmer sein und bleiben will.
Wir haben heute im Kurs von archetypischen Energieformen gesprochen. Und ich fand das eine gute Landkarte, die ich mir merken will. Vielleicht kannst Du auch davon profitieren?
Diese Archetypen sind sozusagen Energieformen, Modi des alltaeglichen Bewusstseins, Zustaende irgendwie. Jeder von uns hat alle 4 Moeglichkeiten, aber er braucht sie unterschiedlich oft und unterschiedlich intensiv. Sie sind:

The King/Queen
gives blessings, gives everybody a place in the world.
Recognizes what contributions you have made.
Responsible for Ceremonies, Rituals: We have come here today to recognize ...
Dark side: tyranny

The Warrier
Coming to terms with: fighting for values, defendig yourself, observing boundaries. There is a battle to be fought.
Dark side: rage, invasion

Magician/Healer

Transforming-reframing-healing, appreciation for the aesthetic, enchantement with life, stories.
Dark Sinde: Self-Deception

Lover
Extraordinary passionate movement towards love, connections with people
Dark side: addiction

Du hast immer beschrieben, wie Du nur in der Liebe lebst. Aber Du bist sicherlich auch oft im Zustand der Queen. Na ja, es ist nicht unbedingt gemeint, dass diese Typen rein gelebt werden, sondern dass jeder Mensch seine individuellen Mischungen hat. Ich liebe die Vorstellung des Magicians. Ich glaube, das ist meine intensivste Existenzform. Aber im Buero sollte ich mehr den Koenig spielen. Den finde ich leider etwas langweilig. Aber das Gefuehl ist nicht schlecht, die Uebersicht zu behalten und jedem Mitarbeiter seine Rolle zu geben. Ich glaube, ich muss noch ein bisschen Lernen, das zu geniessen. King zu sein ist doch fuer die meisten Menschen ein allerliebstes Ziel. Fuer mich war es niemals ein starker Wunsch, ein Chef zu sein. Das war auch mein Problem anfangs an dieser Stelle: ich war Chef und wollte es nicht zeigen. Aber im Grunde erwarten die Mitarbeiter vom Chef, dass er Chef ist. Ich habe schon ein paar Jahre gebraucht, dass zu begreifen. Na ja, ich bin eben ein Kind der 86er Jahre, und die waren total gegen Chefs. Heute geht das Pendel ja auf die gegenueberliegende Seite. Ich staune, wie die Jungen wieder machomaessig sind und auch, wie sie Cheffunktionen akzeptieren. Wir haetten das damals nie gemacht.
In der Uebung, in der ich mich als "Opfer" zur Verfuegung gestellt hatte, kam mir ploetzlich die Erinnerung an meinen Professor in Zuerich, bei dem ich meine Dissertation geschrieben hatte. Er war sozusagen mein intellektueller Chef, aber er war sehr tolerant, sehr unterstuetzend, er gab mir nette feed backs auf meinen Schreibstil, auf meine Zeichnung, auf meine Themenwahl usw. Er war eigentlich ein lieber Kerl. Und eine zeitlang spaeter habe ich ihn eher ein bisschen verachtet, dass er nicht strenger gewesen war. Aber heute denke ich, er war sehr gut und hat uns vorwaerts gebracht.

Weisst Du, in diesem Trance-Kurs kann man erleben, dass Lernen ganz leicht geschieht. Natuerlich lernt man hier nicht Schulstoff, obwohl zwischendurch auch kleine theoretischere Dinge vorkommen, wie zB. diese Archetypen. Aber im Grunde geht es darum, sich selbst und seine eigenen Moeglichkeiten zu entdecken. Irgendwelche alten Schmerzerfahrungen zu akzeptieren und integrieren. Vielleicht auch, eine Lebensstrategie zu finden. Es ist wirklich wohltuend. Und was ich an dieser Form so schaetze ist die Tatsache, dass keiner der Leute von seinen Problemen sprechen muss. Normalerweise hat man in den psychologischen Beratungen und den Ausbildungssitzungen diese endlosen Gespraeche und Diskussionen ueber Probleme und Niederlagen. Das bringt nicht viel. Man muss gewisse Dinge im Leben akzeptieren und dann geht es weiter. Es ist eigentlich Lebenswissen. Und ich glaube, man koennte das gut entwickeln zu einer Lebensberatung.

Heute habe ich eine weitere Juedin entdeckt im Kurs. Sie hat ein gutes Maul, schaut aber sehr schummerig aus. Ich koennte mit ihr niemals im Leben das Buero teilen, niemals. Ich koennte wohl auch sympathische Seiten an ihr entdecken, aber im Moment will ich das nicht.

Und mittlerweile habe ich auch meine Aerztin erwischt. Wir treffen uns Donnerstag. Du wirst nicht glauben wo! In der Reception des Hyatt Hotels! Ich fand, das sei zentral. Und wenn immer ich mich verspaeten sollte, hat sie einen weichen Sitz. Ich glaube, sie moechte nach dem Essen gerne ins Theater. Heute hat mir der Kursleiter ein Buero angegeben, wo man Tickets mit 50% Rabatt erhaelt. Ich werde sehen. Sie hatte mir damals schon erzaehlt, dass sie Musicals liebe. Das ist ja nicht so sehr meine Sache. Aber vielleicht kann sie mich einfuehren, so wie ich sie in die MET eingefuehrt habe. So ein Rendez vous ist ein bisschen wie damals, als wir 20 waren. Jedes Date oeffnet eine neue Welt. Natuerlich hat man, wenn man jung ist, diffuse Ahnungen, was dahinter noch alles kommen koennte. Das erinnert mich an die Zeit in England. Dort haben wir den Grundkurs in Rendez-vous-making gemacht. Und die kleinen Englaenderinnen waren so unkompliziert und so hoeflich zugleich. Sie waren wirklich ideale Lernpartnerinnen. Ausgenommen vielleicht die Tatsache, dass sie immer sehr viel make-up aufhatten. Ich erinnere mich meines Hemdkragens am naechsten Morgen, den ich vor meiner Landlady zu verstecken suchte. Darueber bin ich nun ja hinweg. Aber es ist hier in NY - wie soll ich sagen - eine kleine Madeleine ...

Meine Kollegin aus Genf wohnt auf Staten Island. Sie hat mir die Gegend beschrieben und wenn man dort weitergeht, kommt man an den Strand. Es ist eine sehr schoene und wohl auch teure Wohngegend, gerade visavis Manhattan. Die Freiheitsstatue steht dazwischen. Da habe ich gedacht, dass ich vielleicht morgen mit der Kollegin hinueberfahre und sie auf dem Heimweg begleite, und dann weiter fahre bis an den Strand. Urspruenglich hatte ich mir vorgenommen, nur Manhattan anzuschauen. Aber ich glaube, ich habe hier vieles gesehen. Und es waere sicherlich schoen, nochmals mit der Ferry hinueber zu fahren.

Und noch was Lustiges, Marlena (ich wollte Dich schon Madeleine nennen!!!!), ich habe im Shop der Library eine Shakespeare-Ausgabe gesehen. Vielleicht denkst Du jetzt, ich sei auf den Klassiker verrueckt geworden und wolle dieses 5 kg Werk heimschleppen. Das ist es nicht. Auf dem Buch liegt ein Totenkopf. Er ist made in China. Und seit bald 5 Tagen zoegere ich hin und her, ob ich sowas als Souvenir kaufen soll. Ich wollte immer einen Totenkopf in meiner Bibliothek. Und dieser sieht ziemlich echt aus. Auf der anderen Seite wieder denke ich, ein Plastik-Totenkopf ist auch etwas merkwuerdig. Vielleicht koennte man doch irgendwo einen echten finden. Einen echten neben einen "made in China": da ist klar, welchem ich den Vorzug gaebe. Allerdings wuerde ich wohl den echten nicht mit dem Unterkiefer bekommen. Das waere ein Manko. Ich meine, ich koennte - nach meinem 10. Whisky oder so - nicht mal mit ihm diskutieren, weil ihm die untere Haelfte des Mundes fehlte. Er waere sprachlos. Und was zum Teufel soll ich mit einem sprachlosen Totenkopf. Ich werde bis zum letzten Moment warten bis zum Entscheid. Ich muss ja auch an meine Familie denken. Sollte ich sie mit sowas schockieren?

Du siehst, Madeleine, ich habe viele Fragen zu loesen. Gott sei dank, kann ich sie mit Dir diskutieren, sonst kaeme ich da niemals durch.

Ich kuesse Dich
...

Re: Amerika gibt es doch


Ämne: Re: Amerika gibt es doch
Datum: den 26 augusti  16:22

Lieber ...,
Ich bin soeben nach Hause gekommen. Es ist schon ein wenig anstrengend so am Anfang. Und die neuen Klassen sind gross. So habe ich sie mit der Digitalkamera fotografiert und werde zu Hause versuchen die Namen der Schüler zu memorieren. Es ist besser, wenn man sie persönlich ansprechen kann.
*
Dein Frühstückstip ist gut. Ich mache wohl ungefähr dasselbe. Lege das hartgekochte Ei in einen kleinen Apparat, der es in schöne Scheiben verteilt. Lege diese auf das Knäckebrot und etwas Kaviar obendrauf. Schmeckt sehr gut. Aber aufgeweichtes Knäckebrot ist ein Greuel..

(---)

Wie lustig deine Antwort auf die Frage was dich nach Amerika bringt. Sehen ob etwas wirklich existiert oder nur eine Vorstellung ist. Manchmal frage ich mich sogar ob du wirklich bist, oder nur ein Produkt meiner Fantasie. Oder besser gesagt, wie viel an dir nur in meiner Vorstellung existiert.

Dein Kurs scheint gemütlich zu sein und ihr scheint alle davon zu profitieren. Ich glaube sowas würde mir auch gut tun. Wenn ich hier ein bisschen zur Ruhe gekommen bin werde ich mich umsehen.

Es beginnt Herbst zu werden. Man kann zwar immer noch mit kurzärmeligen Kleidern herum gehen aber man merkt, dass es bald anders sein wird. Am Himmel hängen graue Wolken. Ich muss schnell den Rasen mähen auf der Vorderseite des Hauses, bevor es nass wird.

So lasse ich dich mit einem lieben Gruss,
Marlena





Dienstag, 20. März 2018

Amerika gibt es doch


Ämne: Amerika gibt es doch
Datum: den 26 augusti 14:22

Liebe Marlena
Es ist gleich 8 und meine Gastgeber schlafen noch. So kann ich nicht zuviel Laerm mit der Tastatur machen. Normalerweise schreibe ich sehr schnell. Heute langsam, wie auf einer mittelalterlichen Schreibmaschine.  (---)

Nein, Marlena, diese Art von Trance, die wir hier machen, ist therapeutisch. Die Kunst des Tranceurs (falls es ein Wort wie dieses gibt) ist es, dem Patienten oder Subject (wie sie hier in den Texten schreiben) folgen. Und wenn du in Trance bist, realisiert du das alles. Und du weisst, du koenntest dich weigern, etwas mitzumachen. Aber es ist leichter, es zu tun als sich zu wehren. Es geht alles so entspannt und leicht, dass es ein Vergnuegen ist. Die Taenzerin hat beschrieben, dass si die Trance braucht wahrend sie tanzt. Sie ist dann sehr wach und ihres Koerpers bewusst. Aber viele schauen in Trance etwas daemmerig aus. Das Gesicht ist enspannt. Die Reaktionen sind verlangsamt. Aber man sieht, sie geniessen es. Die leute wollen gar nicht mehr ins normale Wachbewusstsein zurueckkommen, so angenehm ist dieser Zustand.
Es hat also wenig zu tun mit jenen Hypnose Demonstrationen, die man manchmal im Fernsehen sieht. Sie sind autoritaer durchgefuehrt und nutzen das Phaenomen fuer eine Show. Das mag lustig oder gar interessant sein, aber es ist nicht das, was hier passiert. Ich glaube, die Oesterreicher nutzen die Heilhypnose, wie sie sagen, vieel haeufiger als wir hier in der Schweiz. Das kommt vielleicht daher, weil auch Freud von der Hypnose ausgegangen war. Die Psychoanalyse ist sicher sehr verwandt, und ich wuerde behaupten, der patient auf der Coach ist die meiste Zeit in einer Trance.
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Kennst Du Bichsels Geschichte "Amerika gibt es doch". Gestern hat hier B. gekocht. Sie hatten einen Japaner eingeladen und wir hatten einen vergnuegten Abend. Ich wurde gefragt, weshalb ich denn nach NY gekommen waere. Und ich wollte es etwas spassig machen und meinte, nun, ich wollte doch endlich testen, ob es dieses Amerika wirklich gaebe. Man werde in Europa den Eindruck nicht los, das ganze sei bloss eine perfekte Holliwood-Produktion. Koennte doch sein, dass das alles nur eine grossangelegte Fernseserie sei, die wir in Europa am Fernsehschirm mitbekommen und naiverweise glauben. Na ja, Bichsels Geschichte hat ja dann noch den Reiz, wie er diese Reise beschreibt, diese Karawanne, die immer laenger wird, weil sie mehr Schiffe, mehr Wagen, und Wagen fuer die Wagen und Schiffe fuer die Schiffe brauchen. Es wird ein zwar globales, aber hoffnungsloses Unterfangen. Aber der erste Gedanke, mit eigenen Augen zu sehen und testen, was ist, der ist doch gut und vielleicht mehr ein amerikanischer als ein europaeischer Gedanke.

Jetzt muss ich aufhoeren. Ich bin immer noch im Pyjama hier am PC. Meine Kaffeetasse ist leer. Und eben hat mein Wecker gelautet. Das heisst, duschen und vorwaerts machen.
Ich wuensche Dir einen schoenen Tag und sende, bevor die ganze Sache abstuerzt.
Mit klebrigen Kruessen (Gruessen und Kuessen)
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