Montag, 28. November 2016

Re: Advent



Ämne: Re: Ja, der Advent des Advents
Datum: den 27 november


Liebe Marlena
Nein, niemals langweilst Du mich. Du schreibst so plastisch, mit einer feinen Ironie! Und aus einer femininen Position. So wie ich es nie könnte. Ich bewundere es. Ich höre und sehe, wie gescheit Du bist. (Du kennst das Wort "gescheit", nicht wahr?) Es ist wirklich ein Vergnügen, Dir zuzuhören. Auch wenn Du über Deine Arbeit und Deinen Direktor sprichst.
Aber dass Du einfach so geschriebene Mails in den Abwässern des Internet verschwinden lässt, das kann ich weniger gut verstehen. Ist mir zwar anfangs auch ein oder zwei Mal passiert. Aber seither gebe ich ziemlich acht!
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Ja, wie ein König in der Runde seiner Leibärzte. Diese Fantasie hatte ich auch einen Moment lang, bevor die Gäste ankamen. Und ich habe mir gedacht, sie beobachteten mich jetzt sehr genau, wieviel ich esse und wieviel - vor allem - ich trinke.
Der Abend war eigentlich ganz gut. Wir hatten ja ein kleines Ungleichgewicht. Es waren 4 Männer und nur 2 Frauen. Und vor dem Essen hatte mich S. gefragt, wie sie die Gäste denn platzieren sollte. Mehr im Spass als wirklich ernsthaft hatte ich gesagt, wir setzten die beiden Frauen neben mich, und die Männer oben neben S. Und so hat sie es dann auch getan. Ach, ich war der Hahn im Korb. A. ..weiss viel über Filme. Das ist ihr Job. Sie hat tatsächlich auch sehr viel gesprochen. Und O. ist Japanerin und sehr künstlerisch begabt. Ich war also wirklich verwöhnt an meinem Platz. Mein Problem war, dass ich auf dem rechten Ohr noch nicht so gut höre. Es ist noch verstopft. Und weil O. rechts von mir sass, und weil sie ausserdem noch nicht so gut deutsch spricht, hatte ich etwas Mühe, sie zu verstehen. Ich hätte gerne mit ihr etwas geflirtet. Aber es war echt hart, weil ich ein bisschen um den Brei herumreden musste, weil ich sie manchmal nur ungefähr verstanden hatte. Ach, ich kam mir ein bisschen vor wie ein alter, schwerhöriger Mann. Nichts isoliert ja so sehr wie Schwerhörigkeit. Blindheit ist nur halb so schlimm. So habe ich den Abend eisern durchgekämpft und versucht, mich als Mundschenk geschäftig zu machen. Der Flirt war ein sehr mageres Gewächs, um das Kind beim Namen zu nennen. Und A. und P. waren sehr unkompliziert und haben zum Schluss noch mitgeholfen, die Gläser und handgemalten Teller zu waschen, die man ja nicht einfach in die Maschine stellen sollte. So dauerte der Abend doch noch bis 2300h, obwohl wir schon um 1800h angefangen hatten.
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Ach Marlena, ich glaube, es wäre schön, Dich mal an unserem Tisch zu haben. Oder EUCH müsste ich doch eigentlich besser sagen. Ja, und dann kommt wieder die Römergeschichte hoch. Du hast jetzt die Hoffnung völlig aufgegeben. Nun ja, es ist auch ziemlich kompliziert geworden. Oder immer schon gewesen? Ich weiss schon gar nicht mehr, wie ich darüber reden soll. Vielleicht doch besser schweigen?
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Ich war den ganzen Tag unterwegs und deshalb jetzt ein bisschen in Eile. Ich hoffe, Du hast einen schönen Abend. Und mein Schatz, Du solltest mich nicht für zu sehr oberflächlich und dandyhaft nehmen. Das bin ich nämlich nicht.
Ich küsse Dich
..
Danke Dir für das hübsche Bild. Es ist schön arrangiert und zeigt die Stimmung gut. Man möchte am liebsten bei Dir zuhause sein.

An der Spüle.. ...




Ämne: An der Spüle..
Datum: den 26 november 21:20

Lieber ...,
Ach das Glück steht nicht auf meiner Seite im Moment. Ich hatte dir ein Mail geschrieben und nun ist es verschwunden und ich muss von vorne anfangen.
Ja,  mit dem Artikel hast du mich fast erschlagen obwohl mir der Titel "Bildung als Stellvertreterin Gottes" (und einiges mehr) sehr gut gefällt. Wir werden sicher mal darauf zurückkommen.
Heute Abend hast du, wie einst die Könige, die ganze ärztliche Expertise an deinen Hof gerufen um dich beraten zu lassen. Es freut mich, dass du in guten Händen bist. Und heute verbringst du einen wunderschönen Abend in dieser netten Gesellschaft. Und verliebt bist du auch. Das war eine kleine Überraschung aber die Welt ist voll davon.
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Hier ist nun die allerdunkelste Zeit des Jahres und ich warte schon sehr auf 1. Advent, wenn alle Schweden leuchtende Sterne in ihre Fenster hängen und überall Adventsleuchter aufstellen. Auch die typischen Weihnachtsblumen dürfen nicht fehlen. Die schönen Amaryllis von denen man nie weiss wieviel Blüten sie tragen werden, die stark duftenden Hyazinthen und vor allem die s.g. Weinachtssterne.




Und natürlich hängt eine "gute Hausfrau" auch Weihnachtsgardinen in alle Fenster. Vielleicht kommst du mal bei Ikea vorbei. Dort kannst du bestimmt sehen wie das aussieht. Später dann kommt noch das Luciafest am 13. Dezember, das hier von allen sehr gross gefeiert wird und vorher auch noch das Nobelfest um das uns so viele beneiden :-) Vielleicht schaust du es dir auch ein wenig an? Es wäre schön etwas mit dir zusammen zu tun. Sonst bleibt uns ja immer noch die Spüle ;-)
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Morgen habe ich ein langes "Entwicklungsgespräch" mit dem neuen Direktor. Sowas müssen wir alle der Reihe nach durchmachen Er hat natürlich keine Ahnung von Sprachunterricht. Möglicherweise war er mal ein unbegabter Schüler und so weiss er dass Sprachlehrer alles falsch machen weil er nichts gelernt hat. Er hat in letzter Zeit Ideen geäussert die uns allen ein bisschen den Atem verschlagen. Nun wir sind ein abgehärtetes Geschlecht und leider auch ein sehr gefügiges und wie gewöhnlich werden wir versuchen alle Dummheiten bestens zu verwirklichen bis dann plötzlich wieder das Gegenteil gilt. Und alles das darf ich natürlich nicht sagen. Ich habe ein ganzes Kompendium mit Fragen die ich beantworten muss.
Ach, das langweilt dich sicher. Aber es ist schön dass ich mit jemanden darüber sprechen kann.
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Ich glaube ihr sitzt jetzt zu Tisch und ich weiss eigentlich nicht ob ich heute zusehen will.. :-)
Du hast mir wieder ein so schönes liebes Mail geschrieben und so legst du immer wieder neue Holzscheiter ins Feuer. Du scheinst ein glücklicher Mensch zu sein. Hast eigentlich nie Sorgen und vielleicht ist es der Verdienst von S., die dir ein so angenehmes Leben macht. Und nun träumst du wieder von Rom. Du wirst es sicher machen (und sicher nicht allein) aber ich werde noch eine Zeit warten müssen bevor ich den Traum meines Lebens verwirklichen kann.
Ich grüsse dich, chéri. Und wie immer.. aber das sag ich dir heute nicht weil du sicher gerade am flirten bist..
Bye, love
Marlena

Samstag, 26. November 2016

Dienstag, 22. November 2016

Blick durchs Fenster



trüber Tag - heute

Sufismus


Liebe Marlena

Sufismus ist sozusagen die innere Dimension des Islam, eine - oder besser - viele mystische Strömungen, wie sie sie auch im Christentum gibt. Der Sufismus hat viele Fazetten und stellt sich poetischdar in Hafis Versen als blühender Garten, duftende Rosen, klagende Nachtigallen, Symbole der göttlichen Schönheit und Sehnsucht der Seele, die sich in trunkender Gottesliebe wiegt. Europa hat die Sufis, oder Derwische, wie die Perser sie gerne nennen, um 1800 entdeckt. Damals sind sie ihnen vor allem aufgefallen als seltsame Gestalten, oft unter Drogen und im Herzensgebet. Sie schienen in Opposition zum Scharia-gebundenen Islam. Aber im Grunde kommt der Sufismus aus dem Islam und ist an ihn gebunden. Ein Sufi ist der einsame Meister ebenso wie der begnadete Lehrer, die simple Seele, der geschulte Denker oder gottestrunkene Sänger. Jeder kann ein Sufi sein.

"Der Sufi ist jemand, der nicht ist", ist offenbar ein altes Zitat. Es spielt an auf die totale Hingabe an Gott. Meister Eckhart, der europäische Mystiker hat auch von "entwerden" gesprochen, vom aufgehen im göttlichen Wesen wie der Tropfen im Ozean. Die Sufis wollen nicht intellektuelles Wissen, sie warnen immer wieder vom Buchwissen, sondern sie streben nach existenzieller Erfahrung. In den Büchern suchen sie "das Weisse zwischen den Zeilen" zu lesen (was wir eigentlich alle tun; heisst ja 'intellegere'). Russi sagt: Sufi ist "Freude finden im Herzen, wenn die Zeit des Kummers kommt".

Na ja, in Europa sagt man, Philosophie sei, sterben zu lernen. Das ist ja wohl nicht so weit davon entfernt.

Gruss an meine Sufia

....

Sonntag, 20. November 2016

Wer ich bin? - mein Idealbild



Liebe Marlena

Ach meine Liebe, ich glaube, Du möchtest wirklich wissen, wer ich bin. Willst Du das wirklich, Marlena? Ich meine, all die Typen neben dem stillen und kontemplativen Kerl hinter dem Ofen, die ich auch noch bin oder sein könnte.
Ach, wie soll ich über mich schreiben?

Ich glaube, ich habe Dir davon erzählt, dass wir am Ende eines Führungsseminars eine Auswertung gemacht haben. Der Leiter des Kurses gab jedem und jeder Teilnehmerin eine persönliche Qualifikation. Mir hat er gesagt, er hätte den Eindruck, ich schwanke zwischen weiser Gelassenheit und dem Drang, etwas tun zu müssen. Und er gab mir den Rat, die beiden Tendenzen nicht als Gegensätze, sondern als Ergänzung aufzufassen. Das fand ich ziemlich gut, wie er mich charakterisiert hat. Ich glaube wirklich, dass ich von Natur aus ein ziemlich kontemplativer Typ bin. Ich liebe die ruhigen Betrachtungen. Aber andererseits fühle ich ständig die Verpflichtung, aktiv zu sein, etwas zu tun. Das tue ich aber eher aus einem Pflichtgefühl denn aus wirklicher Begeisterung. Im Grunde wäre ich am liebsten ein Philosoph, oder ein Sufi, oder eben, wie schon oft gesagt, ein Clochard. Das ist ja alles ungefähr dasselbe, nur ein bisschen in unterschiedlichen oekonomischen Verhältnissen.
Und im Kurs selbst war ich erstaunt, wie mich viele der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer als "gelassen, weise, ausgeglichen, mit guten Ideen" beschrieben haben. Ich kam mir fast ein wenig vor wie der Medizinmann. Nun ja, sie wussten alle, dass ich Psychologe bin, und viele Leute haben ja einen gewissen Respekt vor diesen merkwürdigen Fachleuten. Und ich war natürlich tendenziell auch etwas älter als die meisten von ihnen. So gerät man mehr und mehr in die Rolle des Grossvaters, oder besser in die Rolle des Supervisors. Was ja mehr oder weniger dasselbe ist.

Vielleicht habe ich Dir einmal beschrieben, welche Arbeitssituation ich mir am meisten wünschte. Ich würde am liebsten im Atelier malen, Porträt malen, und dabei gleich noch psychologische Beratung machen. Das heisst, die Leute kommen eigentlich wegen eines Porträts, oder vielleicht einfach, weil sie sich unterhalten, weil sie plaudern möchten. Aber so beiläufig, wie durch Zufall, vielleicht mit einem Glas Wein, würden wir auf diese oder jene Fragen zu sprechen kommen, auf dieses oder jenes Problem. Ich denke, das wäre eine ideale Situation, um Leute zu beraten. Man sollte sie beraten, während sie es gar nicht merken, dass sie beraten werden. Das ist die Kunst. Und daneben liegt mein dicker gescheckter Spaniel auf dem roten Sofa und öffnet ab und zu das Auge, um nachzusehen, ob die Welt noch in Ordnung ist.
Das wäre schön, glaub mir Marlena. In dieser Situation wäre ich selig. Und wenn gerade kein Kunde im Atelier ist, würde ich lesen, oder meine Palette putzen. Es riecht immer nach Terpentin, im Atelier. Und das finde ich fein. Und im Hintergrund würde eine leise Musik laufen, die das Herz beschwingt. Französische Chansons, das wäre schon ok, vielleicht nicht immer, aber doch oft.
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Das heisst doch eigentlich, dass mein Idealbild das des Künstlers ist, und sicherlich nicht das des Beamten, des Verwaltungsmenschen, der jeden Tag hinter seinem Pult sitzt und nach §§§§ arbeitet. Ach, ich hasse diese Typen, die so pingelig und exakt sind und bloss an §§§ oder an Formeln denken. Das hört sich alles ein wenig chaotisch an, vielleicht. Aber es hält sich in Grenzen. Total chaotisch bin ich nun auch wieder nicht.Ich kann beispielsweise nicht den ganzen Tag weg sein. Ich brauche mindestens ein paar Stunden pro Tag zuhause, um wieder zu mir und zur Ruhe zu finden. Es gibt doch leute, die ständig unterwegs sind und sich überall gleich zuhause fühlen. So bin ich nicht. Ich brauche, auch wenn ich spät nach Hause komme, eine oder zwei Stunden, bis ich schlafen kann.
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Und jetzt, Marlena, wirst Du aus mir klug? Habe ich irgend eine Frage beantwortet, die vorher noch unklar war, und jetzt klar? Ach, ich glaube es nicht. Ich bin vielleicht einwenig undurchsichtig. Und ich bin, wie du sagst, geräumig. Man könnte einige Kommoden bei mir einstellen. Und ein paar alte Kisten dazu.
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Mein Schatz, ich muss jetzt an eine Sitzung. Ich komme dann zurück und schicke dieses Mail ab. Ich bin unter Zeitdruck. Verzeih mir. Auf jeden Fall wünsche ich Dir einen schönen Abend. Ich küsse Dich in der Dämmerung.
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Und jetzt bin ich zurück und küsse Dich ein zweites mal. Jetzt verwegener, wo es dunkel geworden ist.
MMM 


Sonntag, 13. November 2016

Sonntagabend - Gastronomie


12 November 2007 08:35
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Und am Sonntagabend haben wir gekocht: Reis, Lammfilet, Morchelnsauce, Randensalat. Ich weiss jetzt, wie man eine Morchelsauce anpacken muss. Das ist gar nicht so schwierig. Und ich habe schon ein bisschen Erfahrung mit dem Trockenreis. Weisst du, wie ich ihn mache. Es ist natürlich nach persischem Rezept. Ich koche den Reis an, doppelt soviele Tassen Wasser wie Reis, vielleicht mit Bouillon, oder mit Salz gewürzt. Und wenn das Wasser einigermassen verkocht ist, fülle ich die Masse in eine neue Pfanne, deren Boden ich mit wenig Öl und mit Karottenstreifen (man könnte dazu auch Kartoffel nehmen) bedeckt habe. Darauf fülle ich den Reis und forme ihn zu einem spitzen Berg. So lasse ich ihn gute 30 Minuten zugedeckt dampfen. Die Karotten, vielleicht mit etwas Zucker ergänzt, braten unten in der Pfanne an. Das schmeckt sehr gut, leicht karamelisiert,  und verhindert, dass der Reis schwarz anbrennt. Ecco.
Kurz und gut, das hat alles gut geschmeckt zu einem prima Walliser Dôle und Mozart Serenaden. Und zum Schluss gab es noch ein Stücklein Pariserring von Beschle. Beschle ist eine Konditorei ganz in meiner Nähe. Sogar mein Onkelchen hatte sie gekannt und hatte dieses Rezept für Pariserring in seinem Geschäft auch benutzt. Am allerbesten sind aber die Ste Honorée - Kuchen von Beschle. Aber als ich am Sonntagmorgen (in Trainer, Mantel drüber) dort aufgetaucht war, hatten sie schon keine mehr, wie mir die hübsche Verkäuferin lächelnd zu verstehen gab. Sie meinte, ich solle ihr nächstes Mal frühmorgens ein Telefon geben. Sie hat gesprochen, als ob sie selbst das Geschäft - also die Direktion - wäre.  Na ja, sie hatten noch SH-Torten für 8 oder 10 Personen. Aber das wäre dann doch ein bisschen zu gross gewesen.
So ist das Wochenende schnell vorbei gegangen. Und jetzt sitze ich hier und nippe an meinem ersten Kaffee.
Bald beginnt die Sitzung.
Ich wünsche dir einen prima Wochenanfang.
Liebe Gs und Ks
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