Donnerstag, 31. Oktober 2013

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31 okt 2013




Montag, 28. Oktober 2013

an apple a day ...




den 21 november  09:38
Re: an apple a day ...

Liebe Marlena

Gestern war hier ein schöner sonniger Tag, wie auch Du ihn hattest. Und heute scheint es wieder ganz ähnlich zu werden. Und die Fahrt über die Juraberge war prima. Du hast recht, ich muss ein bisschen vorsichtig sein. Wenn ich knapp an Zeit bin, fahre ich so schnell wie möglich. Und das ist auf der kurvenreichen, teilweise steilen Strasse wunderbar. Doch ich glaube, das Risiko ist höher, wenn ich gemütlich fahre und in Gedanken abschweife. Ich könnte so mit Leichtigkeit über ein Rotlicht fahren, ohne mit der Wimper zu zucken. Glücklicherweise gibt es dort oben keine Rotlichter. Das ‚Rotlichtmilieu’ ist bei uns anderswo…;--)) Doch glaube ich nicht, dass es tagsüber schon Eis auf der Strasse hat. Na ja, vielleicht morgens in der Früh ist es möglich auf dieser Höhe.

Ich geniesse es einfach, durch diese ländliche Gegend zu fahren. Das Leben läuft dort noch so langsam ab. Man kann das an den Autofahrern bemerken. Wenn sie in die Hauptstrasse einbiegen, tun sie das so langsam, dass man manchmal verzweifeln könnte. Du denkst, sie wollen dich absichtlich ärgern. Aber dann siehst du wieder Kinder an der Bushaltestelle, die einfach so dahinwarten. Und im Moment ist die Landschaft mit den herbstlichen Wäldern so schön.

Es war nicht so, dass in L. jemand krank ist. Es gab einfach wieder einmal eine Anmeldung dort hinten. Und gestern ist gleich eine weitere eingetroffen. Es war ganz angenehm. Am Morgen, wie ich erzählt habe, war ich in einer Französischstunde ...

Schön, dass es jetzt auch bei Dir und Deiner Woche bergab geht. Na ja, bei mir war es damals eher ein Wunsch, eher eine Suggestion ans Schicksal als eine wirkliche Tatsachenbeschreibung. Aber alles in allem habe ich montags doch ziemlich streng. Und das regelmässig. Und das ist es auch, was mich am Wochenende auf Trab hält.

Was ist Stendhals Syndrom? Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich irgend so etwas gewusst hätte, obwohl ich doch eine Biographie über ihn gelesen hatte. Aber er hatte eine Krankheit, daran erinnere ich mich. Es war, so glaube ich, irgend eine Geschlechts­krankheit, die er ständig mit irgendwelchen Medikamenten zu unter­drücken suchte. Er hatte doch ein intensives Sexualleben mit intensiven Liebschaften, die ihn erst zum Schreiben antrieben.

An apple a day keeps the doctor away. Ist doch ein Rat, den man immer wieder hört. Auch unser Onkelchen schwört auf Äpfel. Wenn wir ihm irgendwelche exotischen Dinge mitbringen, Kiwis oder weit seltenere Früchte, so zieht er sich dankend auf seine Äpfel zurück. Ich glaube, er hält sich mehr oder weniger dran, täglich einen Apfel zu essen. In Visp hatten wir viele Äpfel im eigenen Garten. Einige davon waren ausgezeichnete Sorten, nach denen ich mich heute noch sehne. Die eine war ein grosser Apfel mit einer bäunlich-roten rauen Haut. Boskop nannten wir sie. Es gibt sie immer noch, aber selten habe ich so gute Exemplare gefunden, wie wir damals gegessen haben. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass man im eigenen Garten die Äpfel genau in jenem Reifegrad essen kann, den man am meisten liebt. Ich liebte sie hart und knackig und nicht zu sehr reif. Sie waren dann auch noch recht säuerlich im Geschmack. Der betreffende Baum stand genau neben jenem mit den wunderbaren Reineclauden (oder wie könnte man denn das schreiben?) Und es war jener Baum, auf dem ich jeweils unsere Nachtigall vermutete, ein Tiefstamm Baum, so dass man bequem und ohne Leiter bis zu den Ästen reichen konnte. Nachtigallen lieben es, bodennah zu leben, wie ich gelesen habe. Sie suchen nicht die Höhe, nicht für ihren schönen Gesang und nicht für ihr Nest. Ich habe meine CD mit Nachtigallengesang immer noch im Büro, und manchmal, vor allem an Wochenenden, lasse ich sie spielen.

Habe ich Dir erzählt, dass ich mir überlegt habe, mit dieser CD neue Nachtigallen in unseren Garten zu locken. Ich meine, wenn es vielleicht der Gesang eines Weibchens wäre, müsste man doch damit ein Männchen anlocken können. Und vielleicht würde das Männchen, wenn es sich ein bisschen herausputzt und sich mit der schönen Wohnung brüstet, auch noch ein Weibchen anziehen. Sind sie eigentlich monogam, die grossen Sänger? In der persischen Dichtung kommen sie immer wieder vor und haben die symbolische Bedeutung der Liebe. Die Rose sehnt sich nach dem Gesang. Und die Nachtigall singt zu ihrer Rose, bis sie sich öffnet. Letztlich ist es eine religiöse Metaphorik. Es gibt ein hübsches Gedicht von Storm glaube ich, welches diese Thematik aufnimmt. Wir hatten es mal noch in der Sekundarschule, ich glaube im 5. Jahr gelernt. Und ich habe es nicht vergessen. Lustig eigentlich, der Lehrer damals hat uns diese Dinge gleich in der Schule beigebracht. Das heisst, wir mussten nicht heimgehen, und so was auswendig lernen. Er hat es immer wieder rezitiert, bis jeder das auswendig konnte. Auch bei den Liedern hat er das gemacht. Das war einer der Gründe, weshalb ich im Gymnasium kaum wusste, wie ich die Dinge lernen sollte.

Gestern am Weekly haben wir viel über Sport diskutiert. Wenn Du als Maus im Büchergestell gehockt hättest, hätte Dich Lilli bestimmt aufgespürt. Sie war ziemlich unruhig und brachte alle ihre Spielsachen und hat sich viel bewegt. Wir haben über Sportarten geredet und über die Frage, wie sie sich durch die Tatsache des Fernsehens verändern. Beispielsweise Tennis: dieses Tiebreak ist eine Sache, die mit unserer modernen Zeit und vielleicht auch mit dem TV zu tun hat. Damit wird es zeitlich kontrollierbarer. Vielleicht hat sich damit auch die Sportbekleidung verändert, und die Gesten der Athletinnen und Athleten. Basketball ist ideal für Fernsehen. Radsport ist durch das Fernsehen eigentlich erst richtig populär und beobachtbar geworden. Man kann die Tour de France heute vom Helikopter und vom Motorrad aus beobachten, dh. mit den Leuten mitfahren. Früher sind die Fahrer in ein paar Sekunden an der Nase vorbeigeschwirrt, und das war’s dann. Golf ist auch sehr populär geworden. Und natürlich, wenn das Fernsehen kommt, kommt auch das Geld. Das verändert den Sport bestimmt ziemlich stark.

Doch insgesamt ist es dieser moderne Aspekt des Sportes, dass er nämlich sich selbst im zeitlichen Ablauf visualisiert. Der Sport ist ein Wettbewerb, und gleichzeitig auch die Darstellung und Sichtbarmachung dieses Wettbewerbs. Letzteres ist durch TV noch verstärkt worden. Das ist modern. Und man müsste von der Wissenschaft und ihrer Forschung eine ähnliche Transparenz und Sichtbarkeit verlangen. Du siehst, solch ein hohes Diskussionsniveau. Aber vom dritten Brett auf dem Gestell hättest Du bestimmt gut folgen können. Es müsste von dort wirken wie der Kameraausschnitt im Fernsehen: ein kleines Tischchen, meist mit einer Blume, einigen Büchern, Gläser und Wasser, daneben zwei Fauteuils mit zwei ernsten Herren, dahinter ein volles Büchergestell. Nur Lilli wäre etwas störend, wenn sie immer wieder durchs Bild läuft.

Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende

Mit liebsten Grüssen
 ...

Kleiner Abendgruss..


Ämne: Kleiner Abendgruss..
Datum: den 20 november 22:52

Lieber ... ,
Ich habe es satt alle diese blutenden Leute in den Nachrichtensendungen zu sehen. So fliehe ich eine Weile zu dir, so wie ein kleines Mädchen Schutz suchen könnte bei ihrem Vater. :-)

Vorhin habe ich über Stendhals Syndrom gesehen. Das habe ich nicht gekannt. Also, dass Leute beim Betrachten der Kunstwerke in Florens den Verstand verlieren können. Es gibt sogar ein Buch und einen Film darüber. Aber ich muss zugeben, diese Statuen, die man gezeigt hat, haben mich auch stark berührt. So als würden sie irgendwie Kraft ausstrahlen.

*

Bald fängt der Dokumentarfilm über die Brüder Kennedy an. Ich werde ihm mir auch auf Video aufnehmen. Solche historische Dinge kann man sich später nochmals ansehen.
Ich habe einen grossen saftigen Apfel gegessen. In einem der letzten Telefongesprächen mit meiner alten voriges Jahr verstorbenen Tante, hat sie sich darüber gewundert, dass ich nicht weiss, wie wichtig es ist täglich einen Apfel zu essen. Ich fand das ein bisschen lustig und immer jetzt, wenn ich einen Apfel esse, gehen meine Gedanken zurück zu diesem Gespräch.
Tust du das auch? Einen Apfel pro Tag essen? Vielleicht steckt wirklich was dahinter. ;-)

Und heute Abend bist du also bei W. Wünsche ich wäre eine kleine Maus, die sich dort in den Bücherregalen verstecken könnte um euch zuzuhören. Aber Lilli würde mich wohl aufstöbern.
Glaubst du ich wäre erstaunt über eure Gespräche? Man weiss ja nicht wie Männer miteinander reden.

So, nun werde ich mir eine leeres Band heraussuchen für die Kennedys.
Ich grüsse dich lieb,
Marlena
PS Kauf dir doch einen Supercomputer, der alles schnell macht. Ist nicht mehr so teuer jetzt und ich glaube du hättest grosse Freude daran. Auch ich.. ;-)

Nochmals


den 20 november  14:17
Re: ...

Liebe Marlena
Ja, eigentlich hast Du schon recht. Hier über Hotmail zu schreiben ist besser als über die Arbeitsadresse. Aber es ist richtig, hier ist sicherer. Ich hatte bloss gedacht, weil ich immer soviel Zeit verliere, um ins Hotmail zu gehen. Und am Wochenende geht es manchmal so langsam, ungefähr so schnell, wie die Gletscher wandern.

Jetzt sitze ich in der  Klause hier und versuche, mich eine halbe Stunde auszuruhen. Ich sehe hinüber in den Coiffeursalon. Die Scheiben sind zwar etwas getönt, aber dennoch kann man ungefähr sehen, was es werden soll. Waschen, Föhnen, Kämmen, Sprayen und so fort. Es ist erstaunlich, dass Frauen in diesem kleinen Städtchen so zum Coiffeur gehen. Ich hatte gedacht, das tun sie nur in der Stadt.
Gestern war ich auch hier. Aber gestern war nebelig, und die Leute, die ich erwartet hatten, kamen eine Stunde zu spät. Nicht dass mich das störte. Meistens liebe ich eine Stunde, die ich unerwartet geschenkt bekomme. Das Problem ist bloss, dass sie mir später fehlt. Und wirklich war die Zeit dann ziemlich knapp bis Mittag.

Heute morgen war ich in einer Französisch Lektion.  Das war sehr angenehm.  ...

Ich erinnerte mich an unsere Madame Leconte. Sie war die Französischlehrerin, und an einem grossen Tisch im Handarbeitszimmer versuchte sie, uns diese schöne Sprache beizubringen. Aber sie war viel zu geduldig und viel zu nachgiebig. Wir lernten kaum die Wörter. Ich wusste gar nicht, dass man sie eigentlich lernen sollte. Ich erinnere mich, wie sie das Vocabulaire abfragte und wir wussten nur eine Minderheit der Wörter. Aber ich glaube wirklich, dass das Problem darin lag, dass niemand darauf bestand, dass wir die Wörter lernen sollten. So verpasste ich den grössten Teil dieses Sprachunterrichtes. Und als ich dann ins Gymnasium kam, fing alles nochmals vorne an. Die Madame Leconte war eine ledige Dame. Sie lebte mit ihrem Bruder zusammen in einem schönen alten Haus in Visp, das es - so glaube ich - heute nicht mehr gibt. Sie wirkte sehr französisch, trug ihr Jäckchen häufig über die Schultern gelegt, so dass es irgendwie etwas halbherzig und schief herunterhing. Und stets spielte sie mit ihrer Brille. Sie hatte etwas echt Damenhaftes, stellte auch schon damals den Kragen ihrer Bluse etwas hoch. Das sah gut aus. Und ihr Bruder gab Tennislektionen in wunderschönen weissen Hosen. Es war ein Stoff, der gut herunterhing, irgendwie elegant, und mit einem leichten Gelbton. Sonst spielte in Visp jedermann in kurzen Hosen. Nur noch mein Latein-Professor spielte in langen Hosen. Er war Geistlicher, katholischer Pfarrer, um genau zu sein, und seine Hosen waren nicht halb so elegant wie jene Lecontes. Von der Farbe her nicht und nicht von der Art, wie sie von den Beinen hingen. Lecontes waren die besten Tennishosen, die man weit und breit finden konnte. Und ich war mir sicher, dass er sie nicht in Visp, sondern vielleicht in Lausanne oder in Genf gekauft hatte. Beide, als Geschwisterpaar Leconte, wirkten sie irgndwie schick, gepflegt, aus gutem Hause. Daran kann ich mich sehr gut erinnern. Nur war mir das damals total egal. Aus gutem oder aus einfachem Haus, die Madame Leconte war ein bisschen zu weich, um mir das Französisch beizubringen. Und meine bellesoeur hatte darunter zu leiden! Aber der Leconte gab nicht viele Tennisstunden. Und eigentlich wusste auch niemand, ob und wie er wirklich Tennis spielen konnte. Keiner hatte ihn je spielen sehen. Und nur den Schülern und noch mehr den Schülerinnen mit elegantem Schwung die Bälle zuzuspielen, damit sie - ungeschicht wie sie noch waren - sie dann in alle Himmelsrichtungen schlagen konnten, das bewies nicht wirklich, dass er spielen konnte. Einige glaubten sogar, er wäre ein Hochstapler. Er stand so elegant auf dem roten Sand und zog so harmonisch sein Racket durch die Luft, dass ihm manche nicht glauben wollten, dass er ein echter Tennisspieler sei. Ich muss zugeben, dass ich auch den Eindruck hatte, er sei mehr Bluffer als ein Tennisass. Aber man kann sich immer auch täuschen im Leben.

Du siehst, welche Art Gedanken man sich macht als Schüler. Auf jeden Fall haben wir damals die Erwachsenen ziemlich genau angeschaut. Und irgendwo ist es im Gedächtnis geblieben. Ich glaube das selbst nicht. Ich hätte nicht gewusst, dass die Leconte Geschwister noch irgendwie in meinem Kopf wären. Und doch sind sie nocht da und steigen ziemlich lebendig wieder hoch.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...

Re: anstrengender Tag


den 20 november  09:24
Re: domo


Lieber ...,

Ich habe nicht allzu lange warten müssen. Aber wieso plötzlich die Büroadresse? Ich glaube es ist besser mit der Hotmail, dessen Inhalt niemand loggen kann. So glaube ich jedenfalls..

Du armer. Manchmal steht einem die Arbeit wirklich bis über den Kopf. Das Leben ist hart zu uns.

So wünsche ich dir einen guten Tag und ein schönes Treffen mit W, wobei du dich von der Arbeit erholen kannst.

Mit lieben Grüssen
Marlena

Schicke meine mails an beide Adressen bis du dich wieder für hotmail entscheidest.



anstrengender Tag


Subject: domo 
Date: Thu, 20 Nov  08:09:40

Liebe Marlena
Ach, gestern war ein anstrengender Tag und heute wird es ähnlich sein. Ich muss wieder nach L. Heute habe ich einen Schulbesuch vor. Und dann gibt es noch einige Büroarbeiten dort hinten.

Es war nebelig und herbstlich im Städtchen Laufen. Und natürlich ein bisschen verschlafen, wie gewähnlich. Ich bin nur über Mittag 15 Minuten auf einen kleinen Spaziergang gegangen. Sonst war ich ununterbrochen beschäftigt.

Solange man soviel zu tun hat, gibt es gar nicht viel zu erzählen. Wenn ich Dir einfach meine Arbeit erzähle, habe ich den Eindruck, sie nochmals machen zu müssen. Und doppelte Arbeit, das ist es nicht, was ich mir wünsche.

Ich habe Dein letztes Mail an die Arbeitsadresse bekommen. Und ich weiss schon, wie ich Deine Mails vom Junk Mail Box in die Normal Box transportiere. Es war einfach erstaunlich, Deine Mails plötzlich im Junk zu finden. So was gibt's im Leben. Plötzlich landen wir in der Gosse und niemand weiss so genau, wie ihm geschieht!

Ich merke gerade, dass heute Abend mein Weekly stattfinden wird. Es ist jedes Mal ein Rätsel, ob ich zu Walter gehe oder ob er zu mir kommt. Ich kann mich oft nicht mehr erinnern, wie die Konstellation letzte Woche gelegen hat. Ich glaube, letztes Mal war er bei mir. So ist es dieses mal an mir, in die Kälte hinaus zu gehen.

Ich wünsche Dir einen wunderschönen Tag. Hoffentlich bist Du ein bisschen freier als ich.
Mit liebsten Grüssen
...


Herbst




                                                                   Foto: Chris





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