Mittwoch, 29. Mai 2013
Fronleichnam
Ämne: Fronleichnam
Datum: den 10 juni 2004 06:10
Liebe Malou
heute habe ich ein volles Programm. Vielleicht ist nicht gut, gleich am Morgen an all das zu denken, was noch kommt. Aber irgendwie steht es vor mir wie der Monte Ceneri, dieser hübsche monströse Berg in der Südschweiz. Und er wirft seine Schatten voraus.
Heute ist Fronleichnam, wenn ich richtig gehört habe. Das war im Wallis damals ein grosser Feiertag. Schon Tage vorher wurden die verschiedenen Altäre auf den Plätzen aufgestellt und dekoriert. Und am Tag dann kam die Prozession gleich eine Strasse weiter an unserem Haus vorbei. Schon morgens in der Frühe wurde mit Kanonendonner geballert und die Musik spielte den Zapfenstreich. Das war eigentlich alles nicht sonderlich aufregend. Aber es erinnerte mich an das Jugendfest in Lenzburg, dieser grösste aller grossen Feiertage für die Jugend in jener Gegend. Dort gab es auch Kanonendonner in der Früh, dann einen riesigen Umzug mit verschiedenen Musikformationen, einen grossen Umzug mit der Jugend und der Lehrerschaft durch die mit Fahnen und Kränzen geschmückte Stadt. Vor dem grossen alten Schulhaus erhielt man aus der Hand des Gemeindepräsidenten nach einem kleinen Diener ein Fr. 0.50 Stück. Später irgend eine Wecke. Und am Nachmittag war Tanz und freies Karussell und andere Vergnügungen. Es war der grösste Tag, den man als Kind in Lenzburg erleben konnte. Und die Musik am Morgen, wenn man sich noch im Bett drehte, erinnerte in Visp ein wenig an jenen Tag. In manchen Jahren fuhren wir an diesem Tag während vielleicht 3 Stundenden langen Weg via Lausanne nach Bern, um einzukaufen. Im Wallis gab es damals wenig Einkaufmöglichkeiten. Und so taten wir dies in Bern. Unsere Eltern waren die meiste Zeit beschäftigt, und wir Buben genossen immer wieder die Fahrten auf der Rolltreppe im Einkaufszentrum.
Ich muss an die Arbeit, um den Berg abzubauen.
Und so wünsche ich Dir einen schönen Tag.
mlgukus
Dienstag, 28. Mai 2013
Pfingstrosen ... und Ameisen
(R)
Liebe Malou
Sie sieht noch ein bisschen jämmerlich aus, die Pfingstrose. Aber es
wird schon werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so difizil
sei, wie du gelesen hast. Na ja, vielleicht ist das in nordischem
Klima anders. Jedenfalls im Wallis sind sie sehr üppig gewachsen und
haben im Frühsommer geblüht wie Frauen im besten Alter. Schön, dass du
plötzlich zur Erfüllung deines Wunsches gekommen bist. Ich werde
dasselbe versuchen. Doch bei mir ist die Wahrscheinlichkeint nicht so
hoch, dass mir jemand eine Blume für den Garten bringt. Ich habe
keinen grossen Namen als Gärtner. Noch nicht, muss ich vielleicht
sagen. Vielleicht siehst du mich in 5 Jahren nicht mehr anders als mit
einer grünen Schürze und erdverschmutzten Händen. Wer weiss? Ich
kann mir das schon vorstellen, nicht als Ganztagesbetätigung, sondern
als Part-Time-Job sagen wir jeden Morgen von 7h bis 10h. Das ist für
mich die beste Zeit, im Garten zu arbeiten. Wenn dann die Sonne kommt,
dann verschwinde ich in der schattigen Wohnung. Dann werde ich mich
ins Atelier zurückziehen und mit den Modellen spassen, die sich ja
doch bis um diese Zeit eingefunden haben sollten ;__)) Und dann habe
ich auch diese Grosszügigkeit in der Hand, die sich dadurch einstellt,
dass der Körper von einer Anstrengung schon ein bisschen müde ist.
Diese leicht zitterige Bewegung ist das beste für die Öl-Malerei,
natürlich bei grösseren Formaten. Es gibt übrigens sehr schöne
Gemälde, die Pfingstrosen zeigen. Ich glaube, über sie bin ich
überhaupt zur Wertschätzung gekommen. Du siehst, welche Umwege ich
mache. Am ehesten kommt mir dabei Manet in den Sinn. Aber auch von
Corinth habe ich eins in Erinnerung, und bestimmt ist auch Renoir
nicht daran vorbeigekommen. Und jedes mal ist es diese satte,
sommerliche Üppigkeit, die im Vordergrund steht. Nicht die sengende
Sommerhitze, die alles austrocknet, sondern die mehr feuchte Wärme,
die die Pflanzen ins Kraut schiessen lässt.
Und dann wirst du natürlich Ameisen haben, die die Pfingstrosen auch
sehr schätzen. Ich glaube, sie haben einen süssen Saft, was die
Ameisen aufs Äusserste lieben. Wahrscheinlich fahren sie gemeinsam an
schönen Sommerabenden in diese Pfingstrosen und betrinken sich
tüchtig, singen zweideutige Lieder und flirten rundum nach
Möglichkeiten, die sich da ergeben. Nur die Königin bleibt reserviert
und nobel in ihrer Höhle sitzen, legt ab und zu ein Ei, und lässt sich
von ihren Mitarbeitern, wenn sie torkelnd zurückkehren, von ihren
Trinkfreuden und feuchten Abenteuern in den Pfingstrosen erzählen.
Dazu lächelt sie bestimmt so geheimnisvoll wie eine ägyptische Sphinx,
und man weiss nicht genau, ob dies Verachtung bedeutet oder ein
kleiner Rest von Begeisterung und mitempfundener Freude. Und bestimmt
wird sie dann die Augenbrauen heben und bedeuten, dass sie selbst, sie
als Mutter aller Mütter, sie als Eiermaschine des ganzen Stammes
sozusagen, dass sie selbstverständlich keinen süssen Drink riskieren
will.
---
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Liebe Malou
Sie sieht noch ein bisschen jämmerlich aus, die Pfingstrose. Aber es
wird schon werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so difizil
sei, wie du gelesen hast. Na ja, vielleicht ist das in nordischem
Klima anders. Jedenfalls im Wallis sind sie sehr üppig gewachsen und
haben im Frühsommer geblüht wie Frauen im besten Alter. Schön, dass du
plötzlich zur Erfüllung deines Wunsches gekommen bist. Ich werde
dasselbe versuchen. Doch bei mir ist die Wahrscheinlichkeint nicht so
hoch, dass mir jemand eine Blume für den Garten bringt. Ich habe
keinen grossen Namen als Gärtner. Noch nicht, muss ich vielleicht
sagen. Vielleicht siehst du mich in 5 Jahren nicht mehr anders als mit
einer grünen Schürze und erdverschmutzten Händen. Wer weiss? Ich
kann mir das schon vorstellen, nicht als Ganztagesbetätigung, sondern
als Part-Time-Job sagen wir jeden Morgen von 7h bis 10h. Das ist für
mich die beste Zeit, im Garten zu arbeiten. Wenn dann die Sonne kommt,
dann verschwinde ich in der schattigen Wohnung. Dann werde ich mich
ins Atelier zurückziehen und mit den Modellen spassen, die sich ja
doch bis um diese Zeit eingefunden haben sollten ;__)) Und dann habe
ich auch diese Grosszügigkeit in der Hand, die sich dadurch einstellt,
dass der Körper von einer Anstrengung schon ein bisschen müde ist.
Diese leicht zitterige Bewegung ist das beste für die Öl-Malerei,
natürlich bei grösseren Formaten. Es gibt übrigens sehr schöne
Gemälde, die Pfingstrosen zeigen. Ich glaube, über sie bin ich
überhaupt zur Wertschätzung gekommen. Du siehst, welche Umwege ich
mache. Am ehesten kommt mir dabei Manet in den Sinn. Aber auch von
Corinth habe ich eins in Erinnerung, und bestimmt ist auch Renoir
nicht daran vorbeigekommen. Und jedes mal ist es diese satte,
sommerliche Üppigkeit, die im Vordergrund steht. Nicht die sengende
Sommerhitze, die alles austrocknet, sondern die mehr feuchte Wärme,
die die Pflanzen ins Kraut schiessen lässt.
Und dann wirst du natürlich Ameisen haben, die die Pfingstrosen auch
sehr schätzen. Ich glaube, sie haben einen süssen Saft, was die
Ameisen aufs Äusserste lieben. Wahrscheinlich fahren sie gemeinsam an
schönen Sommerabenden in diese Pfingstrosen und betrinken sich
tüchtig, singen zweideutige Lieder und flirten rundum nach
Möglichkeiten, die sich da ergeben. Nur die Königin bleibt reserviert
und nobel in ihrer Höhle sitzen, legt ab und zu ein Ei, und lässt sich
von ihren Mitarbeitern, wenn sie torkelnd zurückkehren, von ihren
Trinkfreuden und feuchten Abenteuern in den Pfingstrosen erzählen.
Dazu lächelt sie bestimmt so geheimnisvoll wie eine ägyptische Sphinx,
und man weiss nicht genau, ob dies Verachtung bedeutet oder ein
kleiner Rest von Begeisterung und mitempfundener Freude. Und bestimmt
wird sie dann die Augenbrauen heben und bedeuten, dass sie selbst, sie
als Mutter aller Mütter, sie als Eiermaschine des ganzen Stammes
sozusagen, dass sie selbstverständlich keinen süssen Drink riskieren
will.
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Samstag, 25. Mai 2013
Vollmond
Liebe Marlena
Gestern Abend war Vollmond, nicht wahr? Auf jeden Fall bin ich lange in der Stube auf und ab gegangen. Und der Mond bewegte sich langsam hinter den losen Wolken, oder aber haben sich wahrscheinlich die Wolken vor ihm dahingeschoben. Ich habe an dich gedacht und an ein fantastisches Mail, dass du mir in einem solchen Moment schreiben würdest, ohne jegliche Verantwortung zu übernehmen, also reine Verrücktheit, purer Wahnsinn. Das war eine romantische Situation, und der Gedanke, dass du im selben Moment eben diesen Mond anschauen würdest, und dass du ein bisschen ratlos am Füllfeder nagen könntest, um dann weiterzuschreiben, das war ein wunderbarer Gedanke. Es war absolut unwichtig, dass du nie in der Welt mit einem Füllfeder schreibst, sondern mit einer dieser modernen Maschinen, die sich am liebsten mit allen 10 Fingern beklappern lassen.
...
Freitag, 24. Mai 2013
Spargelessen
date 22 May 2006
Und heute abend haben wir unser Spargelessen. Es findet in Bad-Bellingen, also in Deutschland statt. Ältere Kollegen finden es ein Witz, nach Deutschland zu fahren, um Spargeln zu essen. Das müsse man im Elsass tun, meinen sie. Aber D ist natürlich bedeutend billiger. Und ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb unser guter Ch. das so organisiert hat. S bestellt sich jedes mal beim Spargelessen ein gutes Steak oder so ähnlich. Sie behauptet, mit Spargeln hätte man nicht wirklich gegessen. Und so falsch hat sie nicht dabei.
date 23 May 2006 07:41
subject Re: ???
Liebe Malou
Fantastisch, ich schreibe als Antwort auf mein eigenes Mail. Aber oben erscheint deine Adresse. Das System scheint sich schon daran gewöhnt zu haben, dass ich hier in die frische Luft hinaus monologisiere. Man sieht das doch im Theater. Die Helden gehen auf der Bühne auf und ab und schreien ihre Monologe hinaus in den Publikumsraum. Zu niemandem direkt. Einfach so, damit es mal wieder richtig hallt. Und wenn es gut kommt, sterben sie nachher, ich meine nach dem langen und wunderschönen Monolog.
Gestern also das Spargelessen. War ziemlich weit bis Bad Bellingen. Ich würde schätzen 40 km auf Nebenstrassen und im Regen. Aber es gab eine gute Beteiligung. Viele waren da. Es ist irgendwie eine alte Tradition, dass man zu diesem Spargelessen geht, und noch dazu seine Mammeselle mitbringt. Früher ist nach dem langen Essen W aufgestanden und hat mit ein paar netten Worten jeder Dame einen Kuss auf die Backe und ein Sträusschen Maiglöcklein in die Hand gedrückt. Das war eine hübsche, vielleicht etwas altmodische Geste allen einen guten Sommer zu wünschen. Und viele Kollegen waren natürlich eifersüchtig, dass einer allein alle Damen abküssen darf. Aber jetzt ist W alt geworden. Und sein Nachfolger hat eine eigene hübsche junge Frau, eine Italienerin nota bene. So ändern sich die Sitten und die Eifersüchteleien, wie man sieht.
Wir sind etwas später eingetroffen, haben aber noch glücklich einen Parkplatz gleich vor der Garage des Besitzers gefunden. Jedenfalls hat er uns erlaubt, unser Gefährt dort stehen zu lassen. War ja auch wichtig, nicht noch zu weit im Regen gehen zu müssen. Und dann fanden wir am Ende des Mitteltisches noch zwei gute Plätze. Plätze sind gut oder weniger gut je nachdem, in welcher Runde man sitzt. Manchmal ist es ein bisschen langweilig. Dieses Mal sassen wir in einer Gruppe junger Leute. Und es gab lebhafte Diskussionen, die natürlich, Glas um Glas, immer leidenschaftlicher wurden. O, der Arzt, behauptete, es gäbe keine Beweise, dass Sport wirklich gesundheitsförderlich sei. Wirklich nicht. Du kannst dir vorstellen, dass eine solche Behauptung, noch von einem Arzt, einen gut und gerne eine halbe Stunde vor dem Spargelessen beschäftigen kann. Na ja, es gab noch andere Thesen, die in die Luft geworden wurde. Aber diejenige den Sport betreffend war wohl die verwegendste.
Und dann kamen die Spargeln. Wir sagen in der Schweiz ja 'die Spargel', während die Deutschen 'der Spargel' sagen. Jedenfalls haben sie gut geschmeckt zusammen mit der Hollandaise, Mayonnaise und Bärlauchsauce. Und daneben gab es verschiedene Arten Schinken zusammen mit kleinen Brötchen. Ich habe kürzlich gehört, dass man Spargeln nicht im Wasser kochen sollte, sondern gewürzt und eingepackt in eine Alufolie im Backofen etwa 30 Minuten sozusagen backen sollte. So bleibe der Geschmack beisammen und werde nicht im Sud ausgekocht. Aber ausprobiert habe ich diese gloriose Idee noch nicht. In deutschen Fernsehstationen sind Kochsendungen Mode geworden. Und wenn man sich ungeplant, wie ich das tue, ab und zu in die Programme hängt, gerät man leicht in solche Studieküchen hinein. Sie sind manchmal ganz unterhaltsam. Und man denkt natürlich, man lerne ein bisschen etwas dabei. Aber der Haupteffekt ist bloss, dass man zum Schluss mit einem riesigen Hunger im Bauch aufsteht und gleich in die eigene Küche eilt. Dort ist man dann enttäuscht, wie wenig sie auf einen Bärenhunger wirklich vorbereitet ist.
Und jetzt muss ich ans Werk. Ich hoffe, ich überstehe diesen tristen Tag. Weiss noch gar nicht, womit ich mich aufheitern kann? Vielleicht doch bloss mit dem Gedanken an den freien Auffahrtstag.
MLG
Donnerstag, 23. Mai 2013
Mittwoch, 22. Mai 2013
.. und ein Bild
Piazza Santa
...
Es ist nebelig heute morgen, und die Tauben sitzen etwas depressiv
dort oben auf dem Dachfirst. Aber bestimmt riechen sie, was in der
Luft liegt. Bis Mittag wird doch sicherlich die Sonne wieder
erscheinen und uns schönes Wetter schenken.
...
Ich füge hier ein Bild ein. Das geht wohl nicht, oder? Es ist ein
Ausblick von der Kuppel des Petersdoms auf die Piazza Santa (so ist es
auf den Autobussen angeschrieben) und die Engelsburg. Dahinter, der
grosse helle Komplex, das ist der Justizpalast. Ist ja auch
merkwürdig, dass die Italiener einen solch stattlichen Palast haben
für ihre Justiz, wenn man weiss, wie sie mit ihr umgehen. Und das
ganze liegt in Trastevere, also jenseits des Tiber. Das ist ein
stattlicher Ausblick, nicht wahr?
Was mir immer wieder gefällt, sind diese vielen Statuen, die Heiligen,
auf den vatikanischen Kolonnaden. Das ist sozusagen christianisierte
Antike. Darauf falle ich immer wieder herein. Das gefällt mir immer
wieder. Und auch auf die barocken Kuppeln packen mich. Sobald eine
erscheinen, zücke ich meine Kamera. Jedes Mal I fall in love. Ich kann
es weder erklären noch ändern. Na ja, will ich eigentlich auch nicht.
Ich muss jetzt mal herausfinden, wie ich die Bilder in den Fotofolder
transportieren kann. Dh. ich weiss das schon, aber ich möchte sie in
einem speziellen Arrangement.
Mit lGuK
fauler Fernsehabend
date 31 October 2004 10:35
subject Re: So...
Liebe Malou
Ich glaube, ich habe einen kleinen Moment Zeit für ein paar Zeilen.
Wir haben hier nochmals Glück, ähnlich wie letztes Wochenende. Der
Himmel hat gestern aufgehellt und heute ist es recht sonnig. Der
Kastanienbaum gegenüber auf dem Platz ist gelb bis rostrot. Das weckt
einen Schwarm von sinnlichen Erinnerungen, Brückenerinnerungen
sozusagen. Man hat immer noch die Wärme des Sommers im Blut, wittert
aber schon von ferne einen kalten, schneereichen Winter. Als
Frischlinge erlebten wir diese Momente stärker als heute, da wir als
Spätlinge tagelang hinter verschlossenen Fenstern in klimatisierten
Räumen warmen Kaffee trinken.
Ich bin noch ziemlich stark unter dem Eindruck eines faulen
Fernsehabends gestern. Zuerst war ich an einen Film über Amerika und
Haloween geraten, der aber schliesslich jene Zeit um 68 wieder
aufleben liess, da Bob Kennedy im Wahlkampf ermordet worden war. Ich
hatte mich damals wirklich stark mit diesem Kennedy identifiziert, und
die Walliser waren natürlich ganz und gar auf der Seite des
katholischen Clans. Im Wesentlichen hat der Film auch hier behauptet,
wie doch schon beim Mord an JF. Kennedy, der palästinensische Mörder
Shirhan sei nicht wirklich der Täter und die Polizei hätte
nachträglich alle Indizien und Spuren verschwinden lassen. Aber dieser
Teil der Geschichte interessierte mich weniger. Ich denke, das sei ein
Problem der Amis, und nicht das unsere.
Ich glaube, die Kennedys haben echt gut mit den Medien gespielt. Die
Fotos die kursieren, sind dazu angetan, die Liebe der Oeffentlichkeit
zu entflammen. Und wenn man denkt, das J.F. Kennedy eigentlich ein
sehr kranker Mann war, der ständig Medikamente benötigte, und wenn
man dabei sieht, wie viril und munter er auf den Pressefotos zur
Darstellung kommt, dann muss man da doch eine grosse Kluft
feststellen. Na ja, wiederum, das ist das Problem der Amis. Sie sollen
endlich ihre Hausaufgaben machen!
Vielleicht könnte ich aus all dem behaupten, sie hätten auch mich
erwischt mit ihren Fotos und Fernsehbildern. Ich bin ihnen auch
nachgelaufen, diesem Mythos der Kennedys und des amerikanischen
Traums. Ich hatte da hinein auch meine Hoffnungen gesteckt. Ich kann
mich noch sehr gut an jenen Schultag nach dem Tode J.F. Kennedys
erinnern. Wir Schüler waren alle empört, dass die Lehrer zu den
Lektionen und zum courant normale übergingen, während wir doch
diskutieren und vielleicht irgendwie trauern oder aber die Welt
verfluchen wollten.
Und um 23h dann sah ich noch meinen Truffaut Film. Das war meine
eigentlich Absicht des Abends, obwohl er doch schon sehr spät im
Programm platziert war. Er hat mir gut gefallen, obwohl ich schon
müde war, und obwohl er zur Zeit des 2. Weltkrieges gespielt hatte. Er
heisst „Die letzte Metro" oder ähnlich. Und die Deneuve war schön wie
immer. Depardieu hatte noch nicht seine Figurprobleme. Der Film spielt
in einem Theater. Deneuve hat die Leitung des Theaters übernommen,
weil ihr Mann, ein Jude, verschwinden musste. Aber in der Tat hauste
er im Keller und konnte durch ein altes Röhrensystem an den Proben und
Vorstellungen oben auf der Bühne teilhaben und abends seiner Frau die
Anweisungen geben. Das ist doch insgesamt eine gelungenes Szenario für
eine gute Geschichte, nicht wahr? Und über dem Ganzen schwebte dieser
französische Hauch, den wir an unseren westlichen Nachbarn so sehr
lieben.
---
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