Montag, 14. Mai 2012

Re: Wetter...

 date:     25 March 2007 11:27
subject:    Våffeldagen 2007

Liebster Mausfreund,

Sonntag Morgen. Der Nebel liegt dicht über den Feldern. Ich glaube
erst gegen Nachmittag kann sich der Himmel etwas aufklären. So muss
ich mich, wie üblich, mit Vorfreude begnügen, die man nicht
unterschätzen sollte.

Du erzählst begeistert von Bärlauch. Das kennen wir so gut wie
garnicht, doch im Internet habe ich gesehen, dass sie gefährlich den
Maiglöckchenblättern ähnlich sind. Pass auf, ...! Und nun warte ich
meinerseits auf die Brennnesselsaison. Das ist auch eine solche
Frühlingsleckerheit, die die Lebensgeister weckt.

Und heute haben wir unseren Waffeltag. So gut wie alle ursprünglich
religiösen Feiertage sind heutzutage mit speziellen Speisen verbunden
- und werden vor allem aus diesem Grund noch gefeiert. Früher war
dieser Tag rot im Kalender, aber das ist abgeschafft.

Ja, eure Demokratie.. ;-) Ich beneide euch nicht darum. Ich bin mehr
dafür, dass Leute gut informiert sein sollten über Fragen, über die
sie Einfluss haben. Bei uns würde es kaum "das kleine Irak" geben,
wenn man, wie bei euch,  direkte Wahlen hätte. Neulich hörte ich einen
Irakier im Radio sagen, dass seine Landsleute alle nach Schweden
wollen, weil man hier nicht für sein Geld arbeiten muss.

---

Und wie geht es bei dir? Du weisst schon mehr über Katholizismus als
ich. Vielleicht bist du sogar mehr katholisch. Das denke ich manchmal.
Wenn man in einem solchen Milieu (bei dir die Schule in Brig)
aufgewachsen ist, bleibt eben viel hängen, ob man nun will oder nicht.

Ich habe einen interessanten Artikel gelesen mit dem Titel: "Der freie
Wille wird von der Gehirnforschung bedroht." Es gibt ein Buch von John
Searle mit dem Titel "Freedom and Neurobiology" wo man meint, das
unser "freier Wille" von elektrischen Impulsen gesteuert wird, die
jenseits (ausser?) unserer Kontrolle liegen.

Du bist noch nicht im Büro, glaube ich. So sehe ich dich vor mir im
Sigi.. mit einem interessanten Buch in der Hand. :-) Ist das so?

In Gedanken mache ich heute einen Ausflug mit dir ins Affenhaus. Ach,
wie gern ich das tun möchte! Habt ihr wieder schönes Wetter dort?

Jetzt ist Anna aufgewacht und meldet sich im ICQ.

Ich wünsche dir einen schönen Tag
mit lieben Gs und Ks und Qs
Malou

Sonntag, 13. Mai 2012

Wetter , Hundespaziergänge und anderes

(ungekürzt)

Subject Re: :-)

Hallo Malou
Wo bleiben deine Mails? Du schreibst ein kurzes, und nimmst es gleich wieder zurück. Was soll das bedeuten? Sieht mir sehr nach mausfreundschaftlicher Vernachlässigung aus! Wenn nicht gleich Untreue!!
Da erinnere ich mich, dass du mal eine Zeitlang deine Mails zwar geschrieben, aber doch zurückbehalten hast, als ich krank war - so glaube ich. Nee, Malou, so geht das Spiel nicht.

Das stimuliert mich nicht gerade zu sprühenden Sätzen. Und das Wetter gleich nochmals nicht. Es regnet in Strähnen. Und das bleibt mir unverborgen, weil übers Wochenende unsere Putzfrau die Vorhänge zum Waschen mitgenommen hat. Ich sitze hier also so ähnlich, wie jene Damen des Rotlichtmilieus in Amsterdam hinter den grossen Fenstern. Mein Glück, dass ich im 2. Stock oben residiere. So läuft keine Kundin vor meiner Scheibe vorbei und zwinkert mir zu. Sie müsste fliegen. Und das tun - wie man weiss - Kundinnen doch eher selten.

Es ist nicht nur regnerisch. Es ist auch einigermassen frisch. Seit einigen Jahren ist die Gewohnheit entstanden, das Wetter mit statistischen Werten zu vergleichen. Und dann hört man Sätze wie: zu kalt für die Jahreszeit. Ich muss immer ein bisschen schmunzeln, wenn ich das höre. Und als konvertierter Katholik mit islamischen Einschlägen habe ich dann den Eindruck, sie wollten den lieben Gott kritisieren. Es gibt ja eine lustige Walliser Sage, die erzählt, weshalb die Walliser ihre Wiesen und Felder selbst bewässern, etwas, was ich dann auch wieder in den Bergen oberhalb Teheran gefunden habe. Petrus hatte die Walliser nämlich nach ihrer Unzufriedenheit befragt. Sie hatten nämlich reklamiert, wenn es regnete, weil daraus nur saurer Wein entstünde, und hatten ebenso reklamiert, wenn die Sonne brannte, weil dann die Wiesen und Felder eintrockneten. Petrus hat sie dann gefragt, wie sie es haben wollten. Der liebe Gott wolle es so gut wie möglich einrichten, er sei ja selbst praktisch ein Walliser. Als die guten Mannen das hörten, beschlossen sie, selbst zu wässern. Denn ein ausgewanderter Walliser könne das bestimmt nicht besser. Voilà, und seither müssen die guten Leute im Wallis jahraus-jahrein ihre Felder und Wiesen selbst wässern. Ich hatte einen Schulkollegen, der zeitweise die ganze Nacht unterwegs war wegen dieser Aufgabe. In den Dörfern gibt es eigentliche Stundenpläne. Und sie werden strikte eingehalten. Wer Wasser über die Zeiten hinaus auf sein Land leitet, ist ein Verbrecher und wird im ganzen Dorf geächtet. Das tut keiner, kann sich niemand leisten.

Und wenn ich dann aus dem trockenen Wallis jeweils bei meinem Grossmütterchen hier in ... in den Ferien weilte, war ich erstaunt, wie oft es regnen kann, wenn man den lieben Gott nur machen lässt. Regelmässig, wenn wir ins Städtchen einkaufen gingen, war der Asphalt nass. Auf den kleinen Wegen und in den Steinzwischenräumen wuchs echtes, weiches Moos. Die Strassen waren sauber und ohne Staub. Das fand ich doch alles ziemlich zivilisiert. Es war geradezu herrlich. Aber natürlich wurden die Ferienpläne auch oft unterbrochen oder verhindert durch schlechtes Wetter. Das war für mich neu und ungewohnt. Und dann gab es da noch diesen Unterschied, den ich wohl schon öfters beschrieben habe. Im Wallis war das Trinken eine wohlgeschätzte Sache. Jeder konnte das verstehen, wenn einer trank, auch wenn er ein bisschen zuviel trank. In der Hitze des Wetters war doch leicht möglich, dass einer ein paar Bier zu schnell schluckte. Und wenn er dann etwas laut und überschwänglich, lachten alle auf der Strasse und grüssten ihm vergnügt zu. Hier in ... würde ein Beschwipster auf der Strasse mit eiskalter Verachtung bestraft, dass ihm gleich der Schluckauf käme.

Und soeben höre ich im Kopierraum von meinen Mitarbeiterinnen, wie enttäuscht sie sind wegen des schlechten Wetters über die Tage von Auffahrt bis heute. Nicht mal ein kleines Barbecue könne man machen. Es sei eine wahre Schande. Ja, das Wallis hat es besser! Sie können dort jede Menge Barbecues machen. Und sie können mit dem lieben Gott hadern, weil er ihre Matten vertrocknen lässt.

Du meinst, es interessiere mich nicht, dass deine Gudrun umzieht. Na ja, erstens setzt du hinter 'beste Freundin' ein Fragezeichen. Allein daraus könntest du bestimmt ein Buch schreiben. Ist sie jetzt deine beste Freundin oder ist sie es nicht? Wirst du sie vermissen? Vielleicht kannst du sie in Stockholm jeweils besuchen und du hättest dort eine praktische Absteige? Ich bitte dich, es ist doch nicht einfach so, dass mich etwas interessiert oder nicht interessiert. Ach, was erkläre ich da. Das weisst du doch alles selbst.

Ich hatte mal in Zürich für kurze Zeit eine Freundin namens Gudrun. Na ja, Freundin ist vielleicht viel gesagt. Sie war eine Bekannte, die zeitlich befristet in Zürich weilte. Wir haben uns zwei oder dreimal getroffen. Ist ja wirklich nicht viel. Sie war sehr anständig. In ihrem ordentlich aufgeräumten Zimmer hatte sie eine grosse Schlale voller Zigarettenpäckchen HB. Und sie hatte einen persischen Freund, der im Iran lebte. Ich glaube, sie zeigte mir sein Foto. So platonisch war unsere Beziehung. Gudrun ist mir vor allem in Erinnerung geblieben, weil sie mich, bevor sie dann nach einigen Monaten wieder nach Deutschland zurückging, nochmals anrief, um ein kleines Abschiedsessen zu vereinbaren. Wir gingen - wohl auf meinen Vorschlag - in die Walliserkanne, ein dunkles Restaurant im Niederdorf, wo man vor allem Käsespezialitäten und ziemlich rustikale Dinge essen konnte. Sie war nett, meine Gudrun. Und ihr Name blieb mir immer ein Rätsel. Gudrun, das klingt irgendwie nordisch-geheimnisvoll. Na also, ist vielleicht eine etwas lose Assoziation zu deiner besten (?) Freundin Gudrun!

Ist schade, dass die 4 Tage Auffahrt bis Sonntag schon vorbei sind. Ich hatte ein bisschen im Garten gearbeitet. Im moment gehe ich in den Garten und lasse die kleinen Spaziergänge bleiben. Bloss gestern Abend war es so nass im Garten, dass ich meinen Spaziergang gemacht habe. Dabei hatte ich eine lustige Idee. Ich habe gedacht, dass diese Spaziergänge doch eigentlich Hundespaziergänge sind. Damit meine ich, dass Menschen, die einen Hund haben, solche Spaziergänge machen: regelmässig, kurz, täglich, gleiche Route. Und weil ich ja nun keinen Hund habe, ist mir ein Witz jenes etwas merkwürdigen Mannes eingefallen, der stets seine Zahnbürste an einer Schnur hinter sich hergezogen hat, um zu behaupten, das sei sein Hund. Er kam in die Psychiatrie und man versuchte, seinen Wahn zu heilen. Schliesslich war er soweit, dass er entlassen werden konnte. Im Schlussgespräch fragte ihn der Arzt, ober jetzt sicher und gewiss sei, dass dies eine Zahnbürste und niemals ein Hund sei, den er hinter sich herziehe. Es sei alles absolut klar. Das sei kein Hund, sondern eine Bürste, gab der Expatient zu verstehen. Man verabschiedete sich. Beim Gehen gab der Mann zu bedenken, dass er sicher sei, dass die Bürste kein Hund sei. Aber was gibt ihm die Garantie, dass die andern Menschen dies auch wüssten?

Kurz und gut. Wenn ich durch das Einfamilienquartier hier walke, ziehe ich in Zukunft in Gedanken eine Zahnbürste hinter mir her. Das hilft meiner Motivation, überhaupt zu gehen und diese tägliche Mühe auf mich zu nehmen. Und natürlich hoffe ich von den Passanten, die mich sehen, dass sie glauben, dies wäre mein Hund. Es muss ja nicht gleich ein Berhardiner sein! Ich werden dann bestimmt an den Zaunecken stehen bleiben, um dem kleinen Köder die Gelegenheit zu geben, sein Geschäftchen zu machen. Soll ich bloss eine rote oder eine blaue Bürste nehmen?

Du siehst, wieviel Quatsch man in 15 Minuten schreiben kann. Ich hoffe, dass reicht bis Pfingsten?
MLG
...

Samstag, 12. Mai 2012

Schweizer Dialekte

 und nochmals Bärlauch    (drei Jahre später)

date: 23 March 2007 07:44
subject: Re: FreiMo


Liebe Malou
Jetzt schau mal an, ich schreibe dir schon um 7.15 eine Mail. Ich
gähne zwar ziemlich offenkundig und sehe kaum aus meinen Augen. Aber
ich schreibe. Ich habe um 8h eine Sitzung. Und ich habe absolut keine
Lust, hier im Büro irgend auch nur etwas zu berühren, bevor ich weg
muss.
Draussen schneit es wie im November. Es ist schrecklich. Das will und
will kein Ende nehmen. Wo wir uns doch schon fast auf den Sommer
bereit gemacht haben. Bestimmt freuen sich die Leute in Zermatt und
St. Moritz. Dieser Schnee verlängert ihnen die Saison über Ostern
hinaus. Das ist natürlich irgendwie wichtig. Aber es kann ja auch
sein, dass es urplötzlich wieder warm wird und alles dahinschmelzt. Es
gibt doch im Deutsch diese Redensweise "etwas sei Schnee von gestern".
Das meint, ist eine alte Sache, nicht mehr aktuell, nicht mehr
interessant. Man sieht, wie kleine die Halbwertzeit von Schnee ist.
Schon am zweiten Tag wird er nass und pflotschig, wie wir sagen.

Gestern, du wirst es kaum glauben, habe ich viel Bärlauch gewaschen,
fein geschnitten und in Öl eingelegt. Den Rest habe ich mit einer
Bouillon kurz aufgekocht und als Nachtessen genossen. Kennst du
Bärlauch. Es ist diese Pflanze, die man jetzt im Frühjahr sammelt. Sie
wächst im Wald und am Waldrand, jedenfalls im Halbschatten, sieht aus
wie Maiglöcklein, mit dem man ihn aber nicht verwechseln sollte, denn
Maiglöcklein sind giftig. Bärlauch schmeckt ein bisschen nach
Knoblauch, hat wohl leicht desinfizierende Wirkung. Und er sieht so
saftig grün aus, dass jeder Kuh das Wasser im Munde zusammenlaufen
müsste. So hatte ich also meine Bärlauchsuppe gestern. Abends war ich
noch in der Stadt. Am Donnerstag sind die Läden bis 20h offen. Aber es
gab nicht sonderlich viele Leute. Ich weiss nicht, ob sich dieser
Abendverkauf für die Geschäfte überhaupt lohnt?

Und dann gabs im Radio eine Sendung über Schweizer Dialekte. Das höre
ich recht gerne. Ein Volkskundler erklärt auf Anfrage Wörter oder
Begriffe, welche die Leute nicht mehr verstehen. Und dann hört man
eine Geschichte oder Erzählung in einem typischen Schweizer Dialekt.
Du musst wissen Malou, dass ich für Dialekte ein ziemlich feines Ohr
habe. Wenn ich mit jemandem ins Gespräch komme, kann ich oft ungefähr
sagen, woher er kommt. Das wird allerdings immer schwieriger, weil das
Fernsehen und die Mobilität die ureigenen Dialekte auswäscht und
verflachen lässt. Aber wenn man die Schweiz mit einem Kreuz in vier
Teile teilt, dann hat man auch die Sprachgrenzen. Es gibt einen
Ost-West Unterschied und einen Nord-Süd. Und die Walliser sind dabei
echte Provenzalen. Allerdings waren früher die Walliser aus ihren
Tälern ausgewandert und haben im Graubünden, bis hinüber in
Oesterreich und Norditalien, im Berneroberland Siedlungen geschaffen.
Diese Dialekte sind darum auch vom Walliserdialekt beeinflusst. Und
das hört man noch etwas heraus.
Nur meinen Dialekt kann niemand erkennen, weil ich schon in
verschiedenen Orten gelebt habe. Ich sage gewöhnlich, mein Dialekt sei
"Bahnhof-Buffet Olten". Weil Olten von den Schweizerischen
Eisenbahnen her sozusagen als Zentrum und Knotenpunkt der Schweiz
gilt, ist der Dialekt 'Bahnhof-Büffet Olten' einfach ein  Gemisch aus
allen Schweizer Dialekten. Alles oder nichts eben.
B spricht beispielsweise einen ausgeprägten Berner Dialekt, wie ich
ihn seit Jahren nicht mehr gehört hatte. Der Berner Dialekt  gilt als
sehr gemütlich und gefühlvoll. Der Zürcher dagegen ist etwas breit und
hart. Zürcher hält man in der ganzen Schweiz für grossmäulig. Das ist
vielleicht ein Vorurteil, denn die echten einheimischen Zürcher sind
gar nicht so wortlaut. Es sind die Neu-Zugezogenen, die das Wort
führen. Ausgesprochen markant ist der Friburger-Dialekt. Den erkennt
man sehr leicht. Und natürlich auch die konservativen Innerschweizer
Sprachen von Uri, Schwyz, Unterwalden, vielleicht noch Luzern, aber
schon weniger.
Am schlechtesten kenne ich die Ostschweiz. Sie haben eine eher
geschliffene Sprache und ich behaupte immer, sie seien halbe Deutsche.
Aber das ist natürlich schon eine kleine Beleidigung.

Du siehst, die Schweiz ist beinahe ein Sprachlabor. Und das ist
interessant. Schade dass mit der Modernisierung diese Sprachen langsam
verschwinden. Die jungen Leute sprechen sie nicht mehr mit
Überzeugung.

Ich bekomme beispielsweise immer gleich Heimweh, wenn ich einen
Aargauer-Dialekt höre. Das erinnert mich an meine Jugendzeit in
Lenzburg, erinnert mich auch an Onkelchen. Ist ein schöner Dialekt,
nicht sehr auffällig, wirkt auf mich eben irgendwie jugendlich. Aber
der Aargauer Dialekt wandelt sich gegen Zürich hin, gegen Luzern hin,
gegen Basel hin. Für mich ist die Lenzburger Sprache das Zentrum der
Schweiz, dialektologisch gesprochen.

Jetzt ist Zeit geworden, meine Sachen zu packen. Ich hoffe, der Schnee
hört bald auf. Und die Strassen sind nicht zu nass.

Ich wünsche dir einen schönen Tag, gemütlich in der Wärme der vier
Wände. Ich bin wirklich etwas neidisch, kannst du mir glauben.

Mit Gs und Ks in Qs
...


On 22/03/07, Marlena <...@gmail.com> wrote:
Neunutzer sagen immer häufiger "das Mail".
Gruss
Malou

Nachmittagsgruss..

Ämne: Nachmittagsgruss..
Datum: den 13 maj 2004 15:52

Lieber ...,
Ich habe nicht Bärlauch im Lexikon gefunden, aber bei google.com findet man wirklich alles. Und jetzt sehe ich wie verräterisch ähnlich er den Blättern von den Maiglöckchen ist. Ich wusste auch nicht, dass bär wirklich das Tier Bär meint. Komischer Name doch!
Ich dachte zuerst du meintest vielleicht Frühlingszwiebel oder Lauchzwiebel, die auch sehr gut schmeckt. Ich hab dir neulich ein Bild davon gemacht um dich zu fragen, ob es das ist.
Auf dem Bild siehst du eine Portion Zanderfilet und hinten am Rand diesen Zwiebellauch. Schmeckt wunderbar. Falls du dich wunderst.. ja, so riesige Portionen lege ich mir vor. Muss ich mich schämen??
Und es ist möglich, dass ich mir noch eine zweite nehme. Ich glaube ich brauche vielleicht garnicht "irgendwelche Kugeln oder rundlichen Dinger in der Welt herum zu werfen". Es wird damit reichen, dass mich jemand ein wenig anschupst..

Ja, mir wird auch bange, wenn ich einsehe, dass wir uns bald wieder für eine Zeit trennen müssen. Und wenn Anna nicht mitkommt in den Norden, dann habe ich auch schwer zu erklären, was ich so dringend im Touristbüro tun muss. Dort steht nämlich der PC, von dem ich dir aus der Wildnis schreibe.
Übrigens hat man nochmals Einbruch gemacht im Sommerhaus. Diesmal ist man ganz frech durch die Vordertür reingegangen. Wieder hat jemand alle Schubladen und Schränke geöffnet und nach etwas gesucht. Ist das nicht zu komisch? Ich meine wenn es dieselben Personen sind, wie voriges Mal, dann müssten sie doch wissen, dass es dort absolut nichts zu holen gibt. Und wenn es neue Diebe sind dann ist das auch komisch, dass binnen ein paar Wochen zweimal dort eigebrochen wird, wo es in den letzten 50 Jahren nie passiert ist. Die Polizei (die nächste Polizeistation liegt in Luleå = 70 km weiter südlich!!) sagt es bewegen sich viele Autos in der Umgebung mit "Oststaatsschildern" dran. Na ja, man weiss nicht. Es gibt auch ziemlich viel Asylsuchende jetzt in Kalix. Einige haben sicher andere Normen als wir.

Es ist etwas kühle Luft heute. Schade. Aber ich werde wohl trotzdem jetzt den Rasen mähen. Morgen kommt vielleicht Regen. Sende dir meinen kleinen Nachmittaggruss nun ab.

Ich leg dir ein paar Bilder in Fotofolder (von Bärlauch und Zwiebellauch u.a.)

Grüsse dich nochmals lieb,
Malou

Umgekehrt..

Ämne: Umgekehrt..
Datum: den 13 maj 2004 07:46

Lieber ...,
Ich sitze am Küchentisch. Neben mir eine Tasse Kaffee. Nur noch halbvoll und schon kalt. Und ich bin in das kleine Büchlein vertieft und vergesse alles andere. Sowas ist mir noch nie passiert. Ich meine beim Frühstück.. Vielleicht sind auch die kurzen Kapitel daran Schuld. Man muss nur noch das Kapitel zu Ende lesen.. und schwupps hat man ein neues begonnen.
Es ist vielleicht ein Jugendbuch, aber ich finde so viel schöne und interesstante Gedanken und Formulierungen darin, die ich gut übernehmen könnte. Z.B, dass plötzlich in meinem Leben alles "umgekehrt" ist. Schon die Art, es so zu formulieren macht das ganze ein bisschen erträglicher. Aber warum es umgekehrt ist, werde ich dir später mal erzählen. Nicht an diesem sonnigen Frühlingsmorgen, wo bald meine Schüler auf mich warten.

Ja, ich weiss, die Maiglöckchen sind sehr giftig. Und sind doch so schön und duften so herrlich. Neulich als ich von Anna heimfuhr, sah ich sie am Waldrand stehen. Naja, es waren wohl vorläufig nur die Blätter. Aber ich freue mich schon auf den ersten Strauss, den ich mir pflücken werde. Dann duftet das ganze Haus verführerisch.

Heute werde ich wieder einen Besuch bei G machen. Sie bekommt eigentlich ziemlich viel Besuch jetzt, aber ich weiss nicht ob sie auch den anderen gesagt hat, dass sie bald "lappenkrank" wird, so isoliert zu Hause. Und sie kann sich nicht einmal dazu aufraffen ein wenig zu lesen.. das ist immer ein schlechtes Zeichen. Ivan war gestern auch bei ihr gewesen und hatte ihr einen kleinen Strauss Himmelschlüsselchen mitgebracht. Aus seinem Garten, hat er hinzugefügt, als ich sagte, dass die unter Schutz gestellt sind.

So, ich muss leider nun an die Arbeit. Ich wünsche dir auch einen schönen sonnigen Tag. Hier haben wir im Moment nur 10 grad, aber das wird sich wohl im Laufe des Tages ändern.

Mit lieben Gs und Ks,
Malou
(komme später heute nochmals vorbei)

Freitag, 11. Mai 2012

Ärzte, Zahnärzte und Bärlauch

Ämne:  donnerstagswiedereinmalwiesooftinletzterzeit

Datum: den 13 maj 2004 07:01

Liebe Malou
Nein, ich weiss schon, dass man etwas komisch darstellen kann und dass es dann einen speziellen Reiz erhält. Schon mein Deutschlehrer am Gymnasium hatte mich in diese Ecke gestellt, als er unsere Aufsätze korrigiert und besprochen hatte. Er meinte, ich hätte eine manchmal sehr ironische Art, die Dinge zu beschreiben. Und es ist auch wahr, dass ich solche Beschreibungen am meisten mag. Es gibt den Dingen, oder vielleicht bloss dem Text (?), eine gewisse Würze. Ich mochte Ustinov sehr und ich meine immer noch, dass er ein sehr gescheiter Mensch war. Gott habe ihn selig.

Du siehst also vor, als Zittermädchen einmal neben dem Kaufhaus Boule zu spielen. Ich bin jetzt nicht ganz sicher, ob ich unter Boule dasselbe Spiel verstehe wie Du. Boule spielen sie mit diesen ziemlich grossen Kugeln am liebsten auf englischem Rasen, nicht wahr. Und um vier Uhr kommt eine dieser Ladies, zieht ihren Handschuh aus, klatscht etwas linkisch in die Hände und schreit „teeeeaaaa“ über das weite Grün hinweg. Ich habe das mal in England beobachtet. Ja, das sind auch gute Aussichten, in einer halben Ewigkeit glücklich zu werden. Oder ist es vielmehr das Spiel, das sie in Südfrankreich spielen, Pétaingue oder so ähnlich? Manchmal sieht man hier Leute, die es auf einigen eher vergammelten Plätzen spielen. Na ja, eigentlich nicht nur vergammelt. Aber sie brauchen doch eher Naturboden, und Asphalt wäre sehr unpassend. Dann gibt es auch noch Boccia, was sie im Tessin ziemlich häufig spielen. Das spielt man ganz ähnlich wie die französische Variante, aber doch eher auf einer schön gewalzten, flachen Anlage. Ja, Dein Vorschlag ist gut, nach 65 irgendwelche Kugeln oder rundlichen Dinger in der Welt herum zu werfen. Und natürlich später, wie Du anregst, den Gewinn zu versaufen. Ich glaube, ich mache da auch mit.

Das Thema Arzt ist nicht gerade verlockend. Auch hier bei uns ist es ein wenig so, dass man misstrauisch geworden ist. Wir hatten einen Arzt in der Nähe, aber wir gehen nur noch im Notfall zu ihm. Er hat so gearbeitet, wie Du es von den jungen Dänen beschrieben hast. Er sucht aber nicht im Buch nach der Krankheit, sondern gibt Dir einfach gleich verschiedenste Medikamente mit für alle möglichen. Nach jeder Konsultation ist man mit einem ganzen Plastiksack mit Tuben und Fläschchen heimgekommen. Und das hängt natürlich damit zusammen, dass er mit den Medikamenten gleich nochmals sein Geld verdient. Unterdessen haben wir einen neuen Arzt gefunden. Er ist ganz in Ordnung, war früher überzeugter Kommunist, praktiziert aber in Kleinbasel, also in jenem Teil der Stadt, den man am leichtesten mit Istambul verwechseln könnte. Er ist sehr vertrauenswürdig und versucht, das beste zu tun. Aber seine Praxis liegt leider etwas entfernt. Bloss A wohnt jetzt ganz in seiner Nähe. Von den Zahnärzten will ich gar nicht anfangen, zu erzählen. Man weiss, dass schon ihre Berufswahl damit zusammenhängt, dass sie eigentlich nur Geld verdienen wollen. Ich meine, was kann schon Schönes daran sein, den ganzen Tag in irgendwelche dunkeln Löcher zu starren und den Menschen Angst und Schrecken einzujagen. Klar, dass sie sich abends, wenn sie ihre Plastikhandschuhe losstreifen, auf die Schulter klopfen und gesalzene Rechnungen schreiben, weil sie denken, sie machten einen sehr unangenehmen, aber letztlich doch philanthropischen Job. Nein, mit Zahnärzten kann ich wenig anfangen. Ich würde ihnen jeden Feinmechaniker vorziehen.

Bärlauch schmeckt ein wenig wie Knoblauch. Er sieht aus wie die Blätter vom Maiglöcklein. Vor einem Jahr habe ich in der Zeitung gelesen, dass eine Frau gestorben ist, weil sie Bärlauch wahrscheinlich mit diesen Maiglöcklein-Blättern verwechselt hatte. Aber S findet, das zu verwechseln sei fast unmöglich, denn Bärlauch rieche eben wie Knoblauch. Den könne man absolut nicht verfehlen. Und ich mag ihn ungefähr so sehr, wie Du frische Brennesel magst. Man kann ihn roh essen, etwa über den Salat oder das Fleisch vom Grill schnipseln, oder in Saucen mitkochen. Na ja, ich muss sagen, ich esse gerne mit den Augen. Und ich mag es, wenn etwas Grünes und Kräuter dabei sind. Ich mag all diese provenzalischen Arten. Man kann mir aufstellen, was es sei. Wenn es nach provenzalisch aussieht, dann mag ich es. Ich bin eben ein Südstaatler, pflege ich dann zwinkernd zu sagen. Aber bitte kein Texaner! Sieh Dich also vor, Marlena, wenn Du in Deinem Garten nach Bärlauch suchst!

Gestern habe ich mit Schrecken festgestellt, dass wir bald Juni haben. Ist es nicht unfassbar, wie rasch die Zeit dahinrieselt. Ich habe einen beinahe besinnungslosen Rhythmus von Schlafen und Arbeiten. Und daneben ist fast gar nix.

Trotzdem wollen wir durchhalten.
Mit lGuK
...

Over and over again..


Ämne: Over and over again..
Datum: den 12 maj 2004 20:27

Lieber ...,
Wieder sitze ich hier vor dem PC und lache. Ich liebe Menschen, die das lustige im Leben sehen können. Vielleicht merktst du nicht einmal selbst wie humoristisch du bist. Du kennst die Menschen und ihre Schwächen. Und du siehst die kleinen Nuancen, die ein langweiliger, ich-bezogener Mensch garnicht wahrnehmen würde. Wieso meinst du du würdest deinem Club was antun, wenn du so über sie schreibst? Sie sollten sich doch eher geehrt fühlen, dass sie in deinen Texten erscheinen dürfen.
Vielleicht war das Wort Aphrodisiakum doch etwas zu stark. Vielleicht, weil wir hier etwas unvorsichtig damit umgehen. Aber sicher wäre ich dir gestern, hätte ich dich vor mir gehabt, lachend um den Hals gefallen u.a.m. ;-)

Ich habe einen langen Tag hinter mir. Der Zahnarzt behandelte zu meinem erstaunen einen anderen Zahn als den, den er mir letzthin als beschädigt genannt hatte. Und dann wollte er doppelt so viel Geld haben als die Summe, die er voriges mal angegeben hatte. Und zu guterletzt, als ich mit meiner Kontokarte bezahlen wollte, wollte er lieber bar bezahlt werden. Es ist möglich, dass er ein geschickter Zahnarzt ist, aber ich beginne ein wenig das Vertrauen zu ihm zu verlieren.
Nachher auf der Strasse begegnete ich Ivan. Ich hatte ihn lange nicht mehr gesehen und er schien sich auch über die Begegnung zu freuen. Er hat mir gleich seinen eigenen Zahnarzt empfohlen, der seine Praxis ganz in der Nähe hat. ..

Ich beneide die Leute in anderen europäischen Ländern (dich u.a.) die mit Vertrauen zu "ihrem" Arzt gehen können. Wahrscheinlich ist es einer der dich kennt und wenn schon nichts anderes, dir jedenfalls das Gefühl gibt in sicheren Händen zu sein. Früher kam man hier bei jedem Besuch zu einem neuen Arzt. Manchmal zu einem noch nicht fertigausgebildeten jungen Dänen (davon hatten wir Mengen) und es kam vor, dass man sich zusammen mit dem Arzt ein medizinisches Buch in die Hand nahm und nachschaute, ob man eine Krankheit mit den Symptomen, die man hatte, dort finden könnte.
Ich muss noch immer lachen, wenn ich daran zurückdenke. Und der jetzige, zu dem ich ab und zu gehe, ist nicht besonders beliebt. Er ist sehr steif und es fehlt ihm eine menschliche Dimension, die ich von einer so wichtigen Person erwarte. Ich glaube man muss, wie du auch sagst, seine Gesundheit selbst in die Hand nehmen. Das werde ich tun, wenn ich mehr Zeit habe.. :-)

Deine Idee am frühen Morgen in aller Ruhe die gehetzten Leute zu beobachten, glücklich dass man da nicht mehr mitmachen muss, finde ich nicht schlecht. Ich glaube bei euch in der CH verlangt man viel mehr Effektivität von den Leuten als hier bei uns. Aber ich denke auch hier kommen andere Zeiten. Schon jetzt lässt man fertige Wohnungen für Studenten aus Polen importieren. Sie sind gut und bedeutend billiger, als die von Leuten mit schwedischen Gehältern gebauten.

Ich habe neulich wo gelesen, dass man 1.000 Kronen verdienen muss um einem Handwerker 100 Kronen zukommen zu lassen.

Was die Pensionierung betrifft so glaube ich, ich werde mich unter die Leute mischen, die neben dem Kaufhaus hier Boule spielen. Sie scheinen es sehr zu geniessen und ich nehme an nachher gehen sie dann noch zu einem Kaffee um ihren Einsatz zu besprechen.

Ja, das Büchlein ist süss. Aber ich habe es noch nicht gelesen. Vielleicht noch heute Abend.
Ich muss mal im Wörterbuch nachsehen was Bärlauch ist. Du hast es schon öfters gelobt.
Muss eine sehr kulinarische Mahlzeit gewesen sein, an die du dich lange erinnern wirst. Und es freut mich auch für die Gastgeber, dass du das Essen so lobst.

So lasse ich dich wieder.. zum wievielten Mal eigentlich schon? Ich habe längst die Rechnung verloren.

Mit Gruss und Kuss und wie immer ein wenig S,
Malou