Donnerstag, 5. April 2012

RE: osterninsicht..

Ämne: RE: osterninsicht.. Ja...
Datum: den 7 april 2004 10:05

Lieber ...,
Ja, Ostern ist tatsächlich in Sicht... oder fast hier. Die Sonne lässt sich nicht erblicken, aber trotzdem ist irgendwie schönes Osterwetter. 4 Grad, sehe ich hier gerade. Klingt nicht besonders warm aber wenn es nicht stürmt ist es doch angenehm draussen zu sein.
Unter dem Kirschbaum leuchten die ersten Frühlingsblümlein - blau und gelb.



Ich liebe diese Jahreszeit. Sie ist wie eine neue Liebe, voll von Hoffnungen und noch ohne Enttäuschungen.. ;-)

Gut, dass du ausgeschlafen hast. Man braucht diesen letzten Schlaf am morgen besonders glaube ich. Es ist die Traumphase, in der man seine Seele reinigt oder zumindest etwas aufräumt. So sagt
man jedenfalls.

Ich werde in ein paar Stunden zu Anna runter fahren und sie abholen. Wir werden ihre Blumen mit nach Hause nehmen und ich will dort auch ein wenig saubermachen. Gehört sich ja für eine Mutter, oder? K wird mir sein Auto leihen, weil mein Golf scheinbar bald einen kaputten Auspuff hat. Man hört es schon, dass da bald was passieren wird. Sein Auto ist angenehmer zu fahren. Er wird derweilen ein gutes Essen für uns machen und uns damit empfangen, wenn wir hier so gegen 18.00 Uhr aufkreuzen werden.

Ich habe bei mir oben endlich wieder mal meine Papiere angegriffen. Du weisst wie es ist, wenn sich ein paar halbmeterhohe Stapel in -zig kleine aufteilen und jede Fläche im Raum damit bedeckt ist. Und endlich habe ich es etwas leichter mich von alten Dingen zu befreien. Brauch nicht mehr zu denken "das kann ich sicher später mal brauchen". Ich glaube an Feng Shui. Zwar macht man in letzter Zeit Geschäfte mit diesen Ideen, aber ich habe immer schon gewusst, dass Ordnung um mich herum auch Ordnung und Zufriedenheit in meinem Inneren erzeugt.

Ach, ..., ich hab doch garkeine Osterhasen aus Schokolade. Bei uns gibt es nicht den Osterhasen. D.h. man kann schon solche Dinge in Geschäften finden aber wir haben Eier, und Bonbons in Eierform und dann haben wir die Hexen, die nach Blåkulla reiten auf einem Besenstiel.



Ich habe einen Lammbraten und K hat Lachs und einen grossen Osterschinken gekauft. Es wird gutes Osteressen geben und A wird sicher gleich wieder ihre verlorenen Kilos zunehmen.

Nun muss ich hier weitermachen. Noch staubsaugen bevor ich dann nach Lunch runterfahre. Wenn ich dazu komme kriegst du noch ein kleines Mail aus Linköping.

Ich grüsse dich lieb
mit einem zärtlichen Kuss,
Malou

Osterninsicht

Ämne: Osterninsicht
Datum: den 7 april 2004 07:34

Liebe Malou
Ach, es ist kalt und unfreundlich, wie man es dem April nachsagt. Die ganze Stadt wirkt ziemlich trüb. Und nur die Bäume mit ihrem vorsichtig keimenden Grün deuten an, dass wir andere Zeiten erwarten können. Und von den Tauben ist nichts zu sehen, weit und breit. Wahrscheinlich liegen sie im Gartenhäuschen und drehen sich auf die andere Seite.

Heute habe ich erst um 8.00h angefangen. Ich weiss nicht weshalb, aber irgendwie hatte mein Wecker Mitleid mit mir und liess mich liegen. Vielleicht habe ich ihn ja auch kurz nach 6 wieder abgestellt, um mir zu überlegen, wie man das eigentlich schafft, um diese Zeit aus den warmen Federn zu steigen. Ich meine, da ist wirklich etwas mentale Kraft erforderlich, nicht wahr? Automatisch geht so was nicht. Ausgenommen vielleicht, du erwartest heute dein erstes Rendez-vous oder die Verleihung des Nobelpreises. Und das ist, wir wissen es, nicht jeden Tag zu erwarten. So bin ich erst durch die Helligkeit um halb Acht aufgewacht und habe mit Chronos, dem Gott der Zeit, gefeilscht, ob jetzt vielleicht 6.30h oder vielleicht gar schon 7.00h sein könnte. Unten hörte ich S, die sich in der Küche zu schaffen machte. Und da wusste ich, dass es kaum 6.30h sein konnte.

Ich erinnerte mich der Zeit im Gymnasium. Damals war ich oft um 6.00h aufgestanden, um noch meine Lateinwörter zu lernen. In meiner Erinnerung waren es meist Lateinwörter, kein anderes Fach. Wir mussten sie zu Hunderten memorieren und manchmal hatten sie alle denselben oder einen verflucht ähnlichen Klang. Und ich trage immer noch im Gedächtnis, wie ich in jenen frühen Morgenstunden sogar im warmen Badezimmer herumhing, auf dem Badewannenrand oder dem WC-Deckel, um die Wörter vor mir herzusagen. Aber ausser der Tatsache, dass ich müde war, war es kein schlechtes Gefühl. Eigentlich das Gegenteil: zu sehen, wie du diese Wörter besser und immer besser beherrschen konntest, das war ziemlich gut und gab Schwung für den neuen Tag. Und ich wusste, dass ich für diese Aufgabe abends viel mehr Zeit benötigt hätte. Ach, ich hänge wieder an diesen alten Tagen!

Magst Du bei den Schokoladenosterhasen auch am liebsten die Ohren? Da ist am meisten Material dran, nicht wahr? Und bei den Eiern das Gelb, natürlich!

Ich wünsche Dir einen feinen Tag.
Mit lGuK

Fortsetzung..

...

A propos Reisen: "Ich bin ein Seemann im Verkennen meiner selbst" schreibt Fernando Pessoa, "ich habe überall gesiegt, wo ich nie gewesen bin. Reisen? Existieren ist Reisen genug".
Kennst du Pessoa, er ist DER portuguisiche Dichter der Moderne, ein zweiter Kafka, würde ich sagen. Er geht von der Erfahrung aus, dass man eigentlich mit dem Ziel der Selbsterkenntnis auf Reisen geht.
Ach ja, Marlena, wie sehr sich doch 7 Buchstaben verändern können. Man würde es ihnen nie zutrauen, den kleinen nicht und noch weniger den grossen!
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Mittwoch, 4. April 2012

Sehnsuchtsorte und schlechtes Gewissen

den 4 april 2000 12:31
Liebe Marlena

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Es gibt Sehnsuchtsorte. Elias Canetti betrieb einen Kult mit den Städten, die er aufsuchen wollte. Je heiliger ihm eine Stadt war, desto länger schob er den Besuch hinaus.

Da kommt mir eine kleine Sache in den Sinn. Ich habe dir erzählt, dass wir vor ein paar Jahren in Andalusien waren. Es waren sehr schöne Ferien in diesem schon ziemlich afrikanischen Klima. Und eines Tages sind wir mit unseren spanischen Freunden  nach Ronda gefahren. Nun ist Ronda ein ganz speziell romantischer Ort. Rilke war dort und hat im Hotel Reina Victoria logiert und ein bisschen über seinen Duineser Elegien geschwitzt. Und vor allem Hemingway war da, der grand old man, über den die Spanier reden als wie über den eigenen Grosspapa. Hemingway war ja bekanntlich ein begeisterter Stierkampfbesucher, ein afficionado oder so ähnlich, dh. ein Fan. Und er hat ein interessantes Buch über den spanischen Stierkampf geschrieben, das ich damals in den Ferien nochmals gelesen habe. Nun bin ich sicher, dass du Marlena, als Nordländerin und als sensible Frau, den Stierkampf ganz und gar nicht bejahen kannst. Schliesslich bringt es dich schon in Aufregung, ein paar Ameisen im Hause zu Leibe zu rücken. Doch es geht mir nicht um den Kampf. Nein, Hemingway hat Ronda, diese alte und malerische Stadt in den Bergen, an einer tiefen Schlucht gelegen, ebenso lebendig und poetisch beschrieben wie Rilke. Nein, eigentlich nicht ebenso, sondern eben a la Hemingway. Die zwei sind ja nicht gerade Brüder im Geiste. Der eine war ein Spring-ins-Feld, der andere ein hochsensibler Schöngeist. Nun denn, Hemingway sagte über Ronda, er empfehle es jenem Mann, der gedenke, mit einer Geliebten auszureissen und durchzubrennen. Das fand ich schön gesagt, echt Hemingway, der Macho, wie er ja wohl im Privatleben nicht nur war mit seinen Depressionen.
By the way: Ronda habe ich nicht in unsere Liste aufgenommen, vorsichtshalber. Aber in meinen Gedanken war schon Hamburg drin. Ich lass DICH mutmassen, weshalb!
Ich habe nun - weiss Gott - noch ein paar weitere Gedanken und Fantasien gehabt. Und ich kann dir sagen, sie waren nicht schlecht, wir müssten uns ihrer nicht schämen. Allein, sie lassen sich nicht alle mit unserem §5 vereinbaren.
Ach, wie schön du das sagst. Natürlich ist dieser harte § in den Abendstunden besonders gefährdet. Und wie du von dem "vorher"-"nachher" Schema sprichst. Das brauche ich gerne in Vorträgen und spiele dann mit Vorstellungen aus der Reklame: Vorher Pickel, schlechte Haut, Haarausfall oder was immer, nachher blühende Erscheinung, strahlend, schön und jugendlich frisch.
Du gibst mir soviel Einfluss auf deine Person, dass ich mich fast darauswinden möchte. Verstehe mich recht, Marlena. Es freut mich, das zu hören, ich fühle mich fast geehrt, ich finde, wenn es denn so ist, dann hast du das auch verdient und wohl auch zu 75% selbst gemacht. Doch es ist wie du von dir und von allen intelligenten Frauen gesagt hast: ihr nehmt die Komplimente gerne hin, doch sie alle wörtlich zu nehmen, wäre dann doch wieder ein bisschen naiv. So sonne ich mich in diesem lieben Kompliment und ich reibe mich vorher tüchtig mit Niveau-Crème ein.
Aber das muss ich dir auch gestehen, manchmal habe ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Und das ist diese profane Sache mit dem Alter. Wenn du sagst, diese unsere Mausfreundschaft sei wirklicher als real-life, dann ist das für mich jenes Blaulicht, wie du es ungefähr genannt hast. Hüte dich davor, meine Mausfreundin, daraus dein real-life zu machen (vielleicht kannst du dazu einen §§ formulieren?). Ich bitte dich, so schön es für mich wäre. Du bist eine Frau im besten Alter! Wenn ich deine Lippen anschaue, dann sehe ich, dass sie nicht fürs Internet so schön und sinnenfreudig sind (das meine ich nicht bloss erotisch; an den Lippen sieht man doch, wie sehr jemand für sensuelle Signale aller Art offen ist). Das kann ich dir als kleiner Experte hier sagen. Ich bitte dich, das "Leben ist anderswo" (Romantitel von Kundera!). Dieses Internet ist ein Zückerchen in den Kaffee, mehr nicht, davon hast du nicht gelebt. Von meinen Schuldgefühlen kann ich mich ein bisschen losreissen mit der Erklärung, dass du ja eine intelligente und gebildete Frau bist und weißt, was du tust. Ich meine, soweit wir Menschen überhaupt so genau wissen können, was wir tun. Und dein Hinweis auf dein katholisches Milieu, wie du es erwähnt hast, hat mich auch ein etwas entlastet. Du hast damit sehr recht, das war mir nicht mehr sehr bewusst, dass die postmodernen Zeiten die vertikalen menschlichen Beziehungen sehr reduzieren, auch in Familien Kinder-Eltern-Grosseltern, und dass die horizontalen Verbindungen vor allem zählen. Und doch, ich habe bisher immer über jene Männer gelächelt, die sich in fortgeschrittenem Alter eine junge Geliebte suchen. Und ich fand das immer ziemlich deplaziert und unwürdig, und - krass gesagt - der Beginn der Senilität. Damit wir uns richtig verstehen. Ich fühle mich überhaupt nicht allzu alt (ich fühle mich sozusagen im zweitbesten Alter; ich habe immer behauptet, es sei als Psychologe nicht schlecht, graue Haare zu haben, das erhöht die "Placebo-Effekte" ;-)), mit Ausnahme von Momenten, wo ich auf die Zahlen schaue. Ich fühle mich fast so jung wie du, nicht nur wegen dir, sondern immer schon. Ich mag es sehr, mit Jugendlichen zu diskutieren. Ich habe auch den Eindruck, in einigen Dingen bist du reifer als ich, vernünftiger, weiser. Es ist also nicht so, dass ich diese Differenz ständig vor mir hätte, und das ich womöglich noch "oben" wäre, im Gegenteil, ich vergesse sie sogut wie die Tatsache, dass Deutsch dir nicht Muttersprache ist. Ich merke nichts davon. Aber dann frage ich mich, ob ich denn nicht wirklich ein bisschen naiv (zweite Wahl nach senil) sei.
Viertens: Gottseidank also haben wir zusammen bloss eine feine Mausfreundschaft mit Fachgesprächen über Rilke, über die Spurbreite der Champs Elysées und über das gegenwärtige Potential an valablen Schwiegersöhnen. Was ist denn schon dabei! Zumindest werden wir dir deine Trauer vom Gesicht wegretouchieren. Ich helfe dir dabei, soweit ich kann. Keiner soll mir vorwerfen, ich könne nicht retouchieren!

Gibt es irgendwelche Worte, die man jetzt sagen könnte?? Ich glaube nicht.
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A propos Reisen: "Ich bin...

Dienstag, 3. April 2012

"undefinierbar und wechselhaft"

Ämne : Schön..
Datum : Thu, 27 Dec 2001 16:40:57 +0000

Lieber ...,
Immer noch schneit es draussen und die weiche Schneedecke erinnert mich an dein schönes Winterbild aus dem Wallis. Es ist ziemlich kalt.. sowohl draussen wie drinnen. Na ja, hier im Haus beginnt es wieder warm zu werden. Aber heute morgen als wir aufwachten war es nur 14 Grad. Die elektrische Heizung war irgendwie nicht in Ordnung. Ich habe dann viele Kerzen angezündet und den Ofen angestellt damit es wenigstens in der Küche zum aushalten war. Und der gute Handwerker hat es provisorisch gerichtet.
Ja, heimelig.. das ist das richtige Wort, oder eben gemütlich. Wir haben mehrere Wörter dafür und manche gibt es nicht im Deutschen. Das macht mir manchmal das schreiben schwer denn ich finde nicht die richtigen Nuancen. Hier z.B. das Wort "ombonat" wird im Wörterbuch mit "gegen Wind und Kälte wohl geschützt" übersetzt. :-)
*
"undefinierbar und wechselhaft"? Und ich habe das Gegenteil geglaubt.. ein Mensch der in sich selbst ruht, den eigentlich sehr wenig in seinem starken sicheren "Ich" erschüttern kann.. ein Mensch dessen Hand man gern halten würde wenn es stürmt. So hatte ich mir dich vorgestellt. Ein Mensch der Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt... ein "de Gaulle" :-) Erinnerst du dich noch? Eigentlich ist es doch etwas verrückt wie ich auf diesen Gedanken kommen konnte. Und ich hab dich wirklich vor mir gesehen, dort hinter deinem Schreibtisch mit der majestätischen, etwas Pinguinenhaften Körperhaltung.. Und weißt du, auch was dein Inneres betrifft hatte ich ähnliche Vorstellungen. Ich sah dich als einen Mann der ruhig und bescheiden ein sehr anständiges Leben gelebt hatte, so wie man es jedem Menschen wünschen würde und der etwas überrascht war über diese Marlena die plötzlich unerwartet in seinem Dasein auftauchte.
Und nun warte ich gespannt darauf dass du mein Bild zurechtlegen wirst.. in der Badewanne.. ich meine Doppelbadewanne.. mit einem de Gaule würde es wohl etwas zu eng werden.

Sende dir einen lieben Gruss aus unserer zauberhaft schönen Winterlandschaft.
K
Marlena

Montag, 2. April 2012

Schöne Schweiz

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                                                                                   Foto: Chris

Die Walliser sind grosse Schafliebhaber. Und sie haben eine
eigene Rasse, die Walliser Schwarznase.

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Sonntag, 1. April 2012

der "1. April-Verein" in Wien

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 Wie weit bist du mit der Arbeit? Trinken wir einen kurzen Kaffee zusammen und dann erzähle? Mélange, wenn du willst, wie in Wien. Ich habe hier gerade eine Meldung aus Wien gelesen. Da gibt es einen "1. April-Verein". So etwas können nur die Wiener machen. Es geht den 5 Leuten, die dort offenbar dabei sind, darum, Politik zu machen. Sie wollen der Politik zeigen, dass sie die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge ständig verwische mit ihren Intrigen und Täuschungen und Masken und sie wollen beweisen, wie liebenswert doch eigentlich die Wahrheit sei. Sie treffen sich im Café Landtmann, das ist im Herzen der Stadt an der Ringstrasse, gleich neben dem Burgtheater und in Nähe von Parlament und Rathaus. Das Café Landtmann war immer ein Ort der Heimlichkeiten. "Im Café Landtmann kann man sich treffen, um nachher unwidersprochen zu behaupten, man habe sich weder gesehen noch irgendwas miteinander zu bereden gehabt" (wäre echt eine Adresse für uns, und dazu schummrig, wie die Wiener-Cefés sein sollen), sagt eine gewisse Waltraut Sikl, Mitglied dieses ominösen Vereins. Der Verein ist 1969 als "Verein zur Belebung des 1. Aprils" gegründet worden. Es war eigentlich ein anarchodadaistischer Akt (allein das Wort für sich ist schon ein Kunstwerk). Vorbild war Orson Welles' Film "Krieg der Welten", der von einer Invasion der Marsmännchen erzählt und als Aprilscherz im Amerika grosse Panik ausgelöst hatte. Der April-Verein hat sich zum Ziel gesetzt, jeden 1. April einen neuen, völlig überflüssigen Verein nach allen gesetzlichen Auflagen zu gründen. So wurde 1970 der "Verein der freiwillig Schwitzenden" gegründet, und heuer soll ein "Verein für den 2. April" aus der Taufe gehoben werden. Es hat auch einen "Verein für Senkrechtbestattung" gegeben, oder einen "Verein für die Vereinigung von Vereinen". Beide seien aber heute nicht mehr aktiv.

Der Ursprung des 1. April ist unklar. An sich gilt der April als Unglücksmonat bei den Bauern, und sie waren seit je angehalten, keine Geschäfte zu machen und keine Bäume zu putzen. Judas soll sich am 1. April an einem Baum erhängt haben.
Es ist auch möglich, dass der 1. April vom römischen Narrenfest herkommt oder an das Herumschicken Christi von Pontius zu Pilatus erinnert.
Andere sehen seine Ursprünge Ende des 16. Jahrhunderts, als der 1. Januar verbindlich als Jahresanfang eingesetzt worden war. Die Narren waren diejenigen, die immer noch das Neujahr am Frühlingsanfang feierten.
Oder aber 1530, da sollte am 1. April ein Reichstag in Augsburg stattfinden. Doch er wurde gestrichen, sehr zum Gespött von Händlern und Geldspekulanten.
Wen man erwischt, nennt man Arpilkalb, -ochs, -esel, -narr oder -affe. In romanischen Ländern nennt man ihn den Aprilfisch. Napoleon erhielt diesen Übernamen, weil er sich am 1. April hatte trauen lassen.
Seit 20 Jahren sammelt der Verein dokumentarisch die besten Enten und Scherze. Die NZZ hatte mal berichtet, man hätte einen bisher unbekannten Brief von Goethe entdeckt und man hat ihn wortgetreu, vielleicht gar faksimile abgedruckt. Der Literaturredaktor der reputierten Zeitung Die Zeit sogar war auf diese literarische Ente hereingefallen. Der Verein aus Wien will die besten Scherze der Vergangenheit unter www.aprilscherz.de im Internet veröffentlichen.
Der 2. April soll nun aber der Tag der Wahrheit werden, so sagen die Verantwortlichen. Und er soll alle 4 Jahre am 29. Februar stattfinden, bloss. Ist ein bisschen selten, für die Wahrheit?

Ich muss dir ein kleines Erlebnis aus Wien erzählen.  ...