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Subject : Re: schiffbrüchig ????
Date : Wed, 29 Aug 2001 19:38:57 +0000
Liebe Marlena
Deinen Titel des Schiffbrüchigen musst Du mir schon noch näher erklären. Das klingt nicht gut. Das klingt nach Versagen, vom Weg abgekommen sein, hilflos, allein in der weiten See. Nun, wir haben in der Schweiz nicht allzu viel zu tun mit Schiffen. Aber ein Schiffbrüchiger ist eine sozusagen verlorene Existenz.
Was soll das? Das klingt ja wie eine Beleidigung. Und ich bemerke, wie es mich ärgert, wenn mich jemand so nennt.
*
Es kommt mir dazu das Gemälde von Delacroix in den Sinn, das berühmte romantische Bild der Fahrt des Vergil über den Styx. Aber dieses Bild hat einen Vater, und das ist der Schiffbruch der Meduse von .... Der Name kommt mir im Moment nicht in den Sinn. Es ist klassisch gemalt, in der Thematik aber aktuell. Es bezog sich damals auf einen wirklichen Schiffbruch, der geschehen war. Und das Bild Delaxroix ist das genaue Gegenstück. Es nimmt ein klassisches Motiv, wird aber in aktuellem, dh. romantischem Stil gemalt. Das war sozusagen ein inner-artistisches Duell. Delacroix hat damit seinen Durchbruch geschafft.
*
Du hast die Männer immer noch nicht gelesen!! Nein, das glaube ich nicht. Wie kannst Du nur leben, ohne diese wichtigen Informationen und Überlegensstrategien kennengelernt zu haben ;--)
Das Buch ist natürlich schon etwas physiognomisch, dh. vereinfacht, pointiert, schwarz-weiss. Schwanitz ist kein dummer Mensch. Aber ich glaube, er mag auch die öffentliche Aufmerksamkeit. Und das treibt die Menschen immer ein wenig in die Höhe. Ich habe mir bei der Lektüre oft überlegt, was denn nun eine Frau bei den Gedanken überlegen würde.
Eigentlich war ich vorher gleicher Meinung wie Du. ...
Dienstag, 18. Oktober 2011
Dienstag abend..
Ämne: Dienstag Abend - zum zweiten
Datum: den 28 augusti 2001 13:55
Lieber ... ,
(...)
Siehst du, ich bin ziemlich neugierig was dir an diesem Buch gefallen hat. Ich glaube es muss etwas einseitig (übertrieben) geschrieben sein. Meine Auffassung ist man sollte nicht allzu stark den Unterschied zwischen Mann und Frau betonen - schliesslich sind wir alle vor allem Menschen.
Ich weiss nicht warum, aber manchmal kommst du mir ein wenig vor wie ein Schiffsbrüchiger der einen Rettungsring braucht. Schau, eigentlich brauchen sich doch Leute in unserem Alter überhaupt nicht mehr zu sorgen. Wir haben doch das Leben schon geschafft, und wenn wir uns im Alter nur einigermassen gesund halten können, haben wir allen Grund zufrieden zu sein. ...
Datum: den 28 augusti 2001 13:55
Lieber ... ,
(...)
Siehst du, ich bin ziemlich neugierig was dir an diesem Buch gefallen hat. Ich glaube es muss etwas einseitig (übertrieben) geschrieben sein. Meine Auffassung ist man sollte nicht allzu stark den Unterschied zwischen Mann und Frau betonen - schliesslich sind wir alle vor allem Menschen.
Ich weiss nicht warum, aber manchmal kommst du mir ein wenig vor wie ein Schiffsbrüchiger der einen Rettungsring braucht. Schau, eigentlich brauchen sich doch Leute in unserem Alter überhaupt nicht mehr zu sorgen. Wir haben doch das Leben schon geschafft, und wenn wir uns im Alter nur einigermassen gesund halten können, haben wir allen Grund zufrieden zu sein. ...
Montag, 17. Oktober 2011
Herbst ... (des Lebens)
Ämne: Late again..
Datum: den 25 september 2002 23:54
Lieber ...,
Du beobachtest also deine alternden Clubfreunde, nimmst sie richtig unter die Lupe und spiegelst dich vielleicht auch in ihnen. Ich weiss nicht ob ich mich so gern von dir beobachten lassen würde. Ich denke manchmal du bist hart in deinem Urteil über die Menschen. Vielleicht haben sie sogar Angst vor dir und deinem forschenden Blick. Das würde ich sie gern fragen.
Aber es ist so. Ich tue es ja auch. Studiere die anderen und sehe wie sie älter werden, ich möchte sagen wie schnell sie altern. Aber vielleicht sind sie gerade in einem Alter wo sich Leute wirklich verändern. Der Herbst ihres Lebens beginnt. Bei meinen Kollegen glaube ich auch dass der grosse Stress dazu beiträgt dass sie manchmal grau und müde aussehen. Und wie schön jung sie aussehen können wenn sie lachen und sich ein bisschen entspannen.
Morgen Abend werde ich sie wohl so sehen. Da treffen sich wieder alle Surströmmingsenthusiasten bei Åke zu einem stinkenden Fest. Hast du schon einmal den Geruch erlebt? Vielleicht sollte ich dir eine Dose schicken? Aber der Zoll würde reagieren - denn die Büchsen können ziemlich explosiv aussehen. Die meisten Leute lassen morgen Abend das Auto stehen und kommen per Bus oder Zug. Warum wohl?
Ich habe heute Abend noch einmal Marmelade gekocht und mittendrin ist mir eingefallen dass ich doch morgen dran bin etwas Süsses mitzubringen zu unserer "inoffiziellen Sprachlehrerkonfernz" wie wir das Kaffeestündchen nennen. Oder der "Donnerstagskaffee" auf den dann bald der renomierte Freitagskaffee folgt. Aber bei dem letzteren trifft man auch viele andere Kategorien von Lehrern, vor allem die Naturwissenschaftler. Die sind eigentlich meine Lieblinge. Man fühlt sich immer sehr wohl in ihrer Gesellschaft.
Nicholson hat angerufen. Er und ein anderer meiner früheren Kollegen wollen anscheinend "nicht ins Glas spucken" und haben gefragt ob ich sie eventuell nach dem Fest zum Bahnhof bringen könnte. Und da ich sowieso da vorbeifahre und M absetze, die gleich gegenüber vom Bahnhof wohnt, ist es kein Problem. Wir haben uns auch ein wenig über Literatur unterhalten. Die grossen Russen, Updike, de Botton.. Von dem letzteren hatte er noch nichts gelesen. Von Updike erzählte er es sei der absolute Favorit von D, dem Chefredakteur der Kulturseite. Ich hatte D fast vergessen. Er gehörte damals zu meinem Freundenkreis und war mit in der Festkommitté von der ich dir mal erzählt habe. Er ist ein sehr sympathischer Mensch und war rundum beliebt. Dass er denselben Geschmack hat wie du erhöht natürlich seinen Status noch mehr.
Die Einstellung der Frauen der Clubmitglieder kann ich schon verstehen. Dabei erinnere ich mich dass wir an dem ersten Gymnasium wo ich arbeitete ein monatliches Treffen hatten das unter dem Namen "Samuel" ging. In diesem Samuel trafen sich die weiblichen Kollegen und die Frauen der männlichen Kollegen. So hatten die späteren die Möglichkeit zu sehen welchen Gefahren ihre echten Hälften ausgesetzt waren. ;-)
Ach, das ist wirklich ein komisches Mail geworden. Und der Whisky? Von dem hätte ich jetzt gern einen Schluck getrunken.
Ich muss ins Bett denn morgen beginne ich sehr früh. Sei herzlich gegrüsst, mein lieber Mausfreund, und lass mich nicht hungern.
Marlena
Datum: den 25 september 2002 23:54
Lieber ...,
Du beobachtest also deine alternden Clubfreunde, nimmst sie richtig unter die Lupe und spiegelst dich vielleicht auch in ihnen. Ich weiss nicht ob ich mich so gern von dir beobachten lassen würde. Ich denke manchmal du bist hart in deinem Urteil über die Menschen. Vielleicht haben sie sogar Angst vor dir und deinem forschenden Blick. Das würde ich sie gern fragen.
Aber es ist so. Ich tue es ja auch. Studiere die anderen und sehe wie sie älter werden, ich möchte sagen wie schnell sie altern. Aber vielleicht sind sie gerade in einem Alter wo sich Leute wirklich verändern. Der Herbst ihres Lebens beginnt. Bei meinen Kollegen glaube ich auch dass der grosse Stress dazu beiträgt dass sie manchmal grau und müde aussehen. Und wie schön jung sie aussehen können wenn sie lachen und sich ein bisschen entspannen.
Morgen Abend werde ich sie wohl so sehen. Da treffen sich wieder alle Surströmmingsenthusiasten bei Åke zu einem stinkenden Fest. Hast du schon einmal den Geruch erlebt? Vielleicht sollte ich dir eine Dose schicken? Aber der Zoll würde reagieren - denn die Büchsen können ziemlich explosiv aussehen. Die meisten Leute lassen morgen Abend das Auto stehen und kommen per Bus oder Zug. Warum wohl?
Ich habe heute Abend noch einmal Marmelade gekocht und mittendrin ist mir eingefallen dass ich doch morgen dran bin etwas Süsses mitzubringen zu unserer "inoffiziellen Sprachlehrerkonfernz" wie wir das Kaffeestündchen nennen. Oder der "Donnerstagskaffee" auf den dann bald der renomierte Freitagskaffee folgt. Aber bei dem letzteren trifft man auch viele andere Kategorien von Lehrern, vor allem die Naturwissenschaftler. Die sind eigentlich meine Lieblinge. Man fühlt sich immer sehr wohl in ihrer Gesellschaft.
Nicholson hat angerufen. Er und ein anderer meiner früheren Kollegen wollen anscheinend "nicht ins Glas spucken" und haben gefragt ob ich sie eventuell nach dem Fest zum Bahnhof bringen könnte. Und da ich sowieso da vorbeifahre und M absetze, die gleich gegenüber vom Bahnhof wohnt, ist es kein Problem. Wir haben uns auch ein wenig über Literatur unterhalten. Die grossen Russen, Updike, de Botton.. Von dem letzteren hatte er noch nichts gelesen. Von Updike erzählte er es sei der absolute Favorit von D, dem Chefredakteur der Kulturseite. Ich hatte D fast vergessen. Er gehörte damals zu meinem Freundenkreis und war mit in der Festkommitté von der ich dir mal erzählt habe. Er ist ein sehr sympathischer Mensch und war rundum beliebt. Dass er denselben Geschmack hat wie du erhöht natürlich seinen Status noch mehr.
Die Einstellung der Frauen der Clubmitglieder kann ich schon verstehen. Dabei erinnere ich mich dass wir an dem ersten Gymnasium wo ich arbeitete ein monatliches Treffen hatten das unter dem Namen "Samuel" ging. In diesem Samuel trafen sich die weiblichen Kollegen und die Frauen der männlichen Kollegen. So hatten die späteren die Möglichkeit zu sehen welchen Gefahren ihre echten Hälften ausgesetzt waren. ;-)
Ach, das ist wirklich ein komisches Mail geworden. Und der Whisky? Von dem hätte ich jetzt gern einen Schluck getrunken.
Ich muss ins Bett denn morgen beginne ich sehr früh. Sei herzlich gegrüsst, mein lieber Mausfreund, und lass mich nicht hungern.
Marlena
Siehst du..
Ämne: AW: mimo
Datum: den 25 september 2002 10:16
Siehst Du, und Du beklagst Dich, dass
die Kids ihre Hausaufgaben nicht mehr
selbst machen, sondern bloss noch vom
Netz abschreiben.
Na na na ....
Ich gebe mich geschlagen: Wein oder Vodka?
Gruss
...
---
Ämne: Un seul mot:
Datum: den 25 september 2002 11:05
Whisky!
Datum: den 25 september 2002 10:16
Siehst Du, und Du beklagst Dich, dass
die Kids ihre Hausaufgaben nicht mehr
selbst machen, sondern bloss noch vom
Netz abschreiben.
Na na na ....
Ich gebe mich geschlagen: Wein oder Vodka?
Gruss
...
---
Ämne: Un seul mot:
Datum: den 25 september 2002 11:05
Whisky!
Re: Verfasser?
Ämne: Re: mimo
Datum: den 25 september 2002 09:53
Lieber ...,
Ich hätte auf dich getippt.. und da du irgendwie im Denken mit Updike verwandt bist so habe ich ihn nicht ausgeschlossen.
Aber natürlich habe ich mich nicht mit Raten begnügt. Voilà!
http://www.alaindebotton.com/reviews/proust_newyorker.htm
Manchmal hat das Internet seine Vorteile.
Ich schreibe dir später mehr.
Liebe Grüsse
Marlena
Datum: den 25 september 2002 09:53
Lieber ...,
Ich hätte auf dich getippt.. und da du irgendwie im Denken mit Updike verwandt bist so habe ich ihn nicht ausgeschlossen.
Aber natürlich habe ich mich nicht mit Raten begnügt. Voilà!
http://www.alaindebotton.com/reviews/proust_newyorker.htm
Manchmal hat das Internet seine Vorteile.
Ich schreibe dir später mehr.
Liebe Grüsse
Marlena
Sonntag, 16. Oktober 2011
Verfasser? und Männerclub
Liebe Marlena
Ja, den Text über de Botton und sein Proust-Buch habe ich zufällig gefunden,
und am liebsten würde ich Dich dreimal raten lassen, von wem Du denkst, dass
er geschrieben sei. Das geht ja nun mailenderweise nicht sonderlich gut.
Dennoch kann ich es Dir nicht einfach so platt heraus verraten. An wen also
- meinst Du - sollen wir Deine Eloge weitergeben?? Sollen wir das im
multiple-choice-Verfahren lösen:
Günter Grass, Marcel Reich-Ranitzki, Andrea Köhler von der NZZ, John Updike,
de Botton himself, Milos Kundera oder vielleicht Daniel Cohn-Bendit?? Alle
wären möglich.
*
Wir Schweizer in der Tat, wir sind vielleicht die gehetztesten Menschen auf
dieser Welt. Gerade am Montag habe ich im Club mit einem Kollegen darüber
diskutiert, der ungefähr in meinem Alter ist. Er arbeitet in der Baubranche
als Generalunternehmer. Das ist ein harter Job, alle Firmen und Handwerker
zu organisieren und zu kontrollieren, damit das Gebäude zum Schluss in Glanz
und Glorie dasteht. Ich hatte früher immer den Eindruck, er wäre ein sehr
gehetzter Mensch, unsicher, nervös und gejagt. Aber heute nach ca. 20 Jahren
kommt er in sehr feinem Tuch daher, ist ein wohlsituierter Mann und gibt
rundum Ratschläge an alle, die überhaupt nicht danach gefragt haben.
...
Dieses ist einer der interessantesten Aspekte in einem solchen Männerclub:
Zu sehen, wie Männer unter sich sind und alt und älter werden. Das ist ein
schlagendes Argument, zu dem Du mir sicherlich Recht geben wirst. Ein
solches Männerexperiment ist interessant und rührend, bisweilen lehrreich,
manchmal angenehm, oft bemerkenswert, fast immer sehr kalorienreich. Man
könnte behaupten, es sei extrem altmodisch, einer mono-geschlechtlichen
Vereinigung anzugehören, ähnlich dem katholischen Klerus oder der
Fremdenlegion. Und vielleicht ist es das auch. Die amerikanischen Clubs
haben meist auch Damen in ihren Reihen. Und in den Statuten unserer
Vereinigung ist vor einigen Jahren sichergestellt worden, dass wir Damen
nicht ausschliessen. Das wäre eine Menschenrechtsverletzung oder ähnlich,
haben die Amerikaner gedroht. Wir haben dann auch in unserem Club abgestimmt
darüber, ob wir ihn für Damen öffnen sollten. Ich war damals eigentlich
dafür, denn ich habe gedacht, dass die Atmosphäre sich nur verbessern
könnte, wenn noch einige tüchtige, interessante und womöglich hübsche Damen
unter uns sässen. Doch meine älteren Kollegen haben blendend dagegen
argumentiert. Sie sagten, sie wären für die Aufnahme von Damen in den Club,
doch unseren eigenen Frauen sei das nicht zuzumuten. Sie würden eifersüchtig
werden, beleidigt, empört oder wie immer. So haben wir beschlossen, in
unseren Club die Sessel für Damen vakant zu behalten und uns stattdessen für
einen separaten Damenclub einzusetzen. Es gibt ihn mittlerweile, und
gelegentlich besuchen wir uns gegenseitig. Und ich konnte feststellen, dass
sie nicht alle so tüchtig, so interessant und so hübsch sind.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss
...
Ja, den Text über de Botton und sein Proust-Buch habe ich zufällig gefunden,
und am liebsten würde ich Dich dreimal raten lassen, von wem Du denkst, dass
er geschrieben sei. Das geht ja nun mailenderweise nicht sonderlich gut.
Dennoch kann ich es Dir nicht einfach so platt heraus verraten. An wen also
- meinst Du - sollen wir Deine Eloge weitergeben?? Sollen wir das im
multiple-choice-Verfahren lösen:
Günter Grass, Marcel Reich-Ranitzki, Andrea Köhler von der NZZ, John Updike,
de Botton himself, Milos Kundera oder vielleicht Daniel Cohn-Bendit?? Alle
wären möglich.
*
Wir Schweizer in der Tat, wir sind vielleicht die gehetztesten Menschen auf
dieser Welt. Gerade am Montag habe ich im Club mit einem Kollegen darüber
diskutiert, der ungefähr in meinem Alter ist. Er arbeitet in der Baubranche
als Generalunternehmer. Das ist ein harter Job, alle Firmen und Handwerker
zu organisieren und zu kontrollieren, damit das Gebäude zum Schluss in Glanz
und Glorie dasteht. Ich hatte früher immer den Eindruck, er wäre ein sehr
gehetzter Mensch, unsicher, nervös und gejagt. Aber heute nach ca. 20 Jahren
kommt er in sehr feinem Tuch daher, ist ein wohlsituierter Mann und gibt
rundum Ratschläge an alle, die überhaupt nicht danach gefragt haben.
...
Dieses ist einer der interessantesten Aspekte in einem solchen Männerclub:
Zu sehen, wie Männer unter sich sind und alt und älter werden. Das ist ein
schlagendes Argument, zu dem Du mir sicherlich Recht geben wirst. Ein
solches Männerexperiment ist interessant und rührend, bisweilen lehrreich,
manchmal angenehm, oft bemerkenswert, fast immer sehr kalorienreich. Man
könnte behaupten, es sei extrem altmodisch, einer mono-geschlechtlichen
Vereinigung anzugehören, ähnlich dem katholischen Klerus oder der
Fremdenlegion. Und vielleicht ist es das auch. Die amerikanischen Clubs
haben meist auch Damen in ihren Reihen. Und in den Statuten unserer
Vereinigung ist vor einigen Jahren sichergestellt worden, dass wir Damen
nicht ausschliessen. Das wäre eine Menschenrechtsverletzung oder ähnlich,
haben die Amerikaner gedroht. Wir haben dann auch in unserem Club abgestimmt
darüber, ob wir ihn für Damen öffnen sollten. Ich war damals eigentlich
dafür, denn ich habe gedacht, dass die Atmosphäre sich nur verbessern
könnte, wenn noch einige tüchtige, interessante und womöglich hübsche Damen
unter uns sässen. Doch meine älteren Kollegen haben blendend dagegen
argumentiert. Sie sagten, sie wären für die Aufnahme von Damen in den Club,
doch unseren eigenen Frauen sei das nicht zuzumuten. Sie würden eifersüchtig
werden, beleidigt, empört oder wie immer. So haben wir beschlossen, in
unseren Club die Sessel für Damen vakant zu behalten und uns stattdessen für
einen separaten Damenclub einzusetzen. Es gibt ihn mittlerweile, und
gelegentlich besuchen wir uns gegenseitig. Und ich konnte feststellen, dass
sie nicht alle so tüchtig, so interessant und so hübsch sind.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss
...
Samstag, 15. Oktober 2011
Re: nochmals Proust
Ämne: Re: nochmals Proust
Datum: den 24 september 2002 22:57
Lieber ...,
Ich war überrascht heute morgen schon ein Mail von dir zu finden.. Dachte ich hätte dich in eine schwierige Situation versetzt.. aber du parierst sehr gut.. ;-)
Ja, es ist wirklich so dass ich diese gehetzten Männer in Zürich als Prototyp des gestressten Menschen sehe. Natürlich gibt es sie auch anderswo, aber bei diesen ist es mir so sehr aufgefallen. Ich glaube auch dass man bei euch in der CH ziemlich viel von den Angestellten verlangt. Wie ist es übrigens mit den Arbeitszeiten?
Ich bin heute ziemlich spät und müde nach Hause gekommen. Und dann habe ich deinen schönen Artikel über de Botton gefunden. Versuchst du meine andere Gehirnhälfte in Gang zu bringen? Vielleicht willst du mich sogar dazu bringen nachzulesen "wie man Freundschaften pflegt".. Aber es war ein sehr schöner und unterhaltender Artikel. Dass uns de Botton "ein süsses klares Destilat" von Proust reicht ist schön ausgedrückt. Möchte dem Artikelverfasser eine Eloge dafür geben.
*
Ich habe also diesen Artikel sofort gelesen und dir auch gleich ein paar Zeilen geschrieben aber als ich es absenden wollte stand da nur "server to busy" und nichts funktionierte. Als dann noch dazu Kerstin anrief und mir ein gutes Rezept von Pflaumenmarmelade bringen wollte habe ich das Schreiben aufgegeben. Statt dessen habe ich eben Marmelade gekocht. Es hat mir zwar viel Zeit gestohlen aber jetzt habe ich ein besseres Gewissen weil ich nicht das ganze Obst verderben lasse. Dann habe ich noch den französischen "Rastignac" angeschaut. So viel Dramatik! Und doch wieder etwas übertrieben.. wie leider viele französische Produktionen sind. Sie kommen uns etwas fremd vor.
Oh, wie ich deine S um diesen Mittagsschlaf beneide..!! Mehr sogar als ich sie um dich beneide.. ;-) Aber ein kleiner Mittagsschlaf neben dir.. das wäre vielleicht eine gute Kombination.. vorausgesetzt dass du nicht zu laut schnarchst.
Ja, klar. Pflaumenkuchen werde ich dir anbieten und ich werde dir einen Apfel reichen von unserem Baum. Sie sind wirklich "délicieuses". Knackig und etwas säuerlich (heisst es so?) Es ist die beste Sorte die ich kenne.
Die kleine Amerikanerin die mal bei uns gearbeitet hat (die mit den Katzen, falls du dich erinnerst)ist nun wieder zurück. Es freut mich, denn die Männerdominanz um mich herum ist manchmal ein wenig zu viel des Guten. Sie macht jetzt ihr Probejahr und ist nebenbei mit ihrer Dorktorarbeit beschäftigt.
Wie du siehst, spielen die Grünen auch in Deutschland eine wichtige Rolle. Hier verhandeln sie noch immer mit beiden Seiten und sie sind sich ihrer Macht bewusst. Sie bestimmen eigentlich was für eine Regierung wir bekommen werden.
Chomsky hat gestern 3000 Zuhörer gelockt und die meisten (vielleicht alle) scheinen begeistert zu sein von seinen Ansichten. So alt ist er noch nicht wie du meinst. 74 glaube ich. Und er macht einen sehr väterlichen Eindruck, einen zuverlässigen und sicheren. Und dass er seine Vorträge auch mit viel Humor füllt macht ihn noch mehr beliebt.
Was passiert sonst noch hier? In mir eine Menge, um mich herum nicht viel. Es ist Herbst geworden und schwer zu glauben dass wir noch vor kurzem Hochsommerwetter hatten. Bald müssen wir wohl die Uhren umstellen. Dann kann ich ausschlafen. :-)
So und nun lasse ich dich wieder, mein lieber Mausfreund. Ich wünsche dir einen schönen Tag morgen.
Mit einem lieben Gruss,
Marlena
Datum: den 24 september 2002 22:57
Lieber ...,
Ich war überrascht heute morgen schon ein Mail von dir zu finden.. Dachte ich hätte dich in eine schwierige Situation versetzt.. aber du parierst sehr gut.. ;-)
Ja, es ist wirklich so dass ich diese gehetzten Männer in Zürich als Prototyp des gestressten Menschen sehe. Natürlich gibt es sie auch anderswo, aber bei diesen ist es mir so sehr aufgefallen. Ich glaube auch dass man bei euch in der CH ziemlich viel von den Angestellten verlangt. Wie ist es übrigens mit den Arbeitszeiten?
Ich bin heute ziemlich spät und müde nach Hause gekommen. Und dann habe ich deinen schönen Artikel über de Botton gefunden. Versuchst du meine andere Gehirnhälfte in Gang zu bringen? Vielleicht willst du mich sogar dazu bringen nachzulesen "wie man Freundschaften pflegt".. Aber es war ein sehr schöner und unterhaltender Artikel. Dass uns de Botton "ein süsses klares Destilat" von Proust reicht ist schön ausgedrückt. Möchte dem Artikelverfasser eine Eloge dafür geben.
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Ich habe also diesen Artikel sofort gelesen und dir auch gleich ein paar Zeilen geschrieben aber als ich es absenden wollte stand da nur "server to busy" und nichts funktionierte. Als dann noch dazu Kerstin anrief und mir ein gutes Rezept von Pflaumenmarmelade bringen wollte habe ich das Schreiben aufgegeben. Statt dessen habe ich eben Marmelade gekocht. Es hat mir zwar viel Zeit gestohlen aber jetzt habe ich ein besseres Gewissen weil ich nicht das ganze Obst verderben lasse. Dann habe ich noch den französischen "Rastignac" angeschaut. So viel Dramatik! Und doch wieder etwas übertrieben.. wie leider viele französische Produktionen sind. Sie kommen uns etwas fremd vor.
Oh, wie ich deine S um diesen Mittagsschlaf beneide..!! Mehr sogar als ich sie um dich beneide.. ;-) Aber ein kleiner Mittagsschlaf neben dir.. das wäre vielleicht eine gute Kombination.. vorausgesetzt dass du nicht zu laut schnarchst.
Ja, klar. Pflaumenkuchen werde ich dir anbieten und ich werde dir einen Apfel reichen von unserem Baum. Sie sind wirklich "délicieuses". Knackig und etwas säuerlich (heisst es so?) Es ist die beste Sorte die ich kenne.
Die kleine Amerikanerin die mal bei uns gearbeitet hat (die mit den Katzen, falls du dich erinnerst)ist nun wieder zurück. Es freut mich, denn die Männerdominanz um mich herum ist manchmal ein wenig zu viel des Guten. Sie macht jetzt ihr Probejahr und ist nebenbei mit ihrer Dorktorarbeit beschäftigt.
Wie du siehst, spielen die Grünen auch in Deutschland eine wichtige Rolle. Hier verhandeln sie noch immer mit beiden Seiten und sie sind sich ihrer Macht bewusst. Sie bestimmen eigentlich was für eine Regierung wir bekommen werden.
Chomsky hat gestern 3000 Zuhörer gelockt und die meisten (vielleicht alle) scheinen begeistert zu sein von seinen Ansichten. So alt ist er noch nicht wie du meinst. 74 glaube ich. Und er macht einen sehr väterlichen Eindruck, einen zuverlässigen und sicheren. Und dass er seine Vorträge auch mit viel Humor füllt macht ihn noch mehr beliebt.
Was passiert sonst noch hier? In mir eine Menge, um mich herum nicht viel. Es ist Herbst geworden und schwer zu glauben dass wir noch vor kurzem Hochsommerwetter hatten. Bald müssen wir wohl die Uhren umstellen. Dann kann ich ausschlafen. :-)
So und nun lasse ich dich wieder, mein lieber Mausfreund. Ich wünsche dir einen schönen Tag morgen.
Mit einem lieben Gruss,
Marlena
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