Montag, 31. Mai 2010

Preis für Übersetzerin

Preis für Übersetzerin Carlsson den
15 oktober 2002 10:52


Die 63-jährige Übersetzerin Maria Carlsson wird mit dem diesjährigen Helmut-M.-Baern-Übersetzungspreis ausgezeichnet. Die in Hamburg lebende Carlsson erhalte den mit 12'000 Euro dotierten Preis für ihre Übersetzungen des amerikanischen Autors John Updike, sagte eine Sprecherin der Jury in Freiburg. Besonders gewürdigt werde ihre Übersetzung des im vergangenen Jahr in Deutschland erschienenen Updike-Romans "Gertrude und Claudius". Carlsson übersetzt seit Anfang der 60er Jahre englische und amerikanische Autoren.



Ämne: Nur ein Hauch..
Datum: den 15 oktober 2002 15:29


Lieber ...,
Ich fahre nun nach Linköping. Es ist grau und regnerisch und ich werde wohl die Geschwindigkeitsgrenzen einhalten müssen.
Komme heute Abend zurück um dich zu "behaften". Heisst es so?
Mit einem lieben G und ebensolieben K (wahlfreie Sorte),
Marlena

Frühsommerwetter

Liebe Marlena

...

Wir haben heute allerschönstes Frühsommerwetter. Gestern Morgen
war es noch kühl. Aber im Laufe des Tages wurde es immer wärmer.
Und nun: strahlend blauer Himmel ohne ein Wölklein. Ich denke, alle
Pensionisten werden fiebrig und da und dort etwas zitterig ihre
Wanderstöcke suchen und hinaus in die strahlende Natur eilen. Man
erkennt sie von weitem, diese Glückspilze unserer Gesellschaft: sie
sind alle braungebrannt und euphorisch vergnügt und - weil oft etwas
schwerhörig - laut. Dagegen wirken wir Büromäuse bleich und grau,
schon fast leicht invalid. Aber ich glaube, ich werde heute unser
Weekly vorziehen und mit N und seinem Hund auch hinaus in die
Natur gehen. Er geht ohnehin jeden Tag, und mir tut ein solcher
Spaziergang auch gut. Ich bewege mich ja doch ein bisschen zuwenig.
Letzten Do war er bei mir und hat mir geholfen, das Pult
hinaufzutragen. Das war eine Herkulesarbeit, weiss Gott. Und ich
muss mich bei ihm revanchieren. Werde mal sehen, was sich machen
lässt.

Samstag, 29. Mai 2010

Besuch im Garten

hektische Periode

Re: Schwesterherz

Lieber ...,

Freitag Abend:
Es ist schon wieder spät geworden. Eigentlich möchte ich wieder in die Federn und weiterschlafen. Aber dann denke ich dass vielleicht mein kleines Brüderchen morgen früh wie gewöhnlich seine Zeitung im Internet liest und in die Mailbox schaut.. ich weiss wie traurig eine 0 aussehen kann. Hast du wirklich noch nicht meine Mails von heute gesehen? Ich gebe zu sie waren ziemlich kurz. aber ich habe eben die Zeit genommen die mir zur Verfügung stand.
Du kannst dir sicher garnicht vorstellen wieviel Arbeit es in den letzten Wochen gibt. Meine Abiturienten stehen kurz vor ihrem Examen. Es tut mir schon jetzt ein Bisschen leid dass ich mich bald von ihnen trennen muss. Die Woche in Prag hat noch seines dazu getan dass es mir schwer fallen wird. Fürs Wochenende habe ich mir ihre Examensprüfungen in Französisch mit nach Hause genommen um sie zu korrigieren. Dann muss ich noch etwas extra Material zusammenstellen für ein paar andere, die so ganz nahe an "Nicht genügend" sind und gern noch eine extra Prüfung machen wollen um zu zeigen dass sie sich verbessert haben.
Daneben wird es noch einige Konferenzen geben da noch so viel Probleme ungelöst sind.
Du weisst dass wir im Herbst mit einem ganz neuen Gymnasium starten und die Stundenpläne sind noch nicht richtig festgelegt. Neue Kurse, neue Lehrbücher und ich weiss nicht was noch alles.
*
(den 21 maj 2000 01:49)

Freitag, 28. Mai 2010

Proust - de Botton

Ich habe für mich - du wirst schmunzeln Malou - ein kleines
Taschenbuch für die nächte Zeit gefunden. Es heisst "Wie Proust Ihr
Leben verändern kann", von einem Schweizer namens Alain de Botton.
Du weißt ja sicher, wie Proust in der Vergangenheit gerührt hat.
Nichts anderes hat er gemacht. Noch seine Madelaine hat er in der
Vergangenheit gegessen. De Botton hat in Cambridge studiert und lebt
in London. Er schreibt ein bisschen maniriert und intellektuell. Das
mag ich. Das Buch fängt so an: 1. Wie man das Leben heute liebt
"Es gibt wenig, dem sich der Mensch mit grösserer Hingabe widmet als
mit dem Unglücklichsein. Hätte ein böser Schöfper uns nur in die Welt
gesetzt, damit wir leiden, dürften wir uns zu Recht damit brüsten,
diese Aufgbabe mit Begeisterung erfüllt zu haben. Dabei gibt es
wahrhaftig genug Gründe, untröstlich zu sein: die Vergänglichkeit des
Fleisches, die Unbeständigkeit der Liebe, die Verlogenheit im Alltag,
die Kompromisse zwischen Freunden, die lähmende Wirkung der
Gewohnheit. Angesichts derartiger Misstände sollte man meinen, dass
wir nichts sehnlicher herbeiwünschen müssten als unsere eigene
Auslöschung."
Du siehst, ich bin auf dem Weg der Besserung.

(7 Juni 2000)

Donnerstag, 27. Mai 2010

Torquato Tasso

Ich war heute in Basel. Es ist sommerlich heiss und man hat den Eindruck, die Ferien liegen in der Luft. Doch die Schule dauert hier noch 3 Wochen bis Ende Juni. In den Buchhandlungen liegen überall Reiseführer auf. Ich habe rasch in einen über den Golf von Neapel gekuckt. In Sorrento gibt es ein Denkmal von Torquato Tasso, der hier 1544 geboren ist. Das weißt du vielleicht schon. Goethe hat ein Schauspiel über ihn geschrieben. Es handelt sich um die Frage des Künstlers in der Gesellschaft. Das egozentrische Geniebild des Sturm und Drang wird hier in einem klassischen Ausgleich zwischen Ich und Welt harmonisiert.
Tasso war ein Dichter der Hochrenaissance. Er vereinigte altrömische Ueberlieferung und christlich romantischen Sinn im Epos La Gerusalemme liberata. Es behandelt die Eroberung Jerusalems durch das Heer der Kreuzfahrer. Nach siebenhäriger Krankheit wurde er vom Fürsten Gonzaga von Mantua entlassen. In dieser Zeit hatte er noch seine I dialoghi verfasst. Er war ein tief unglücklicher Mensch. Nichts und alles ist vom tiefen Elend in seinem Epos zu
*

:-)

Gestern habe ich geschmunzelt, meine liebe Marlena. Du hast mir am Morgen gesagt, dass du aus dem Haus gehst und wann du am Abend zurückkommst. Das ist wie eine Internet-Ehe. Ich habe abends auf dich gewartet. Doch um halb sieben musste ich dann gehen. Ich habe angenommen, dass du sehr müde bist. Die ersten Ferientage machen einen oft mehr müde, weil man die viel Bewegung und frische Luft gar nicht mehr gewohnt ist.

Ich hoffe, eure 5. Jahreszeit ist bald um und der wirkliche Frühling kommt hervor. Hier bei uns blühen die Kirschen. Von denen gibt es hier in der Gegend sehr viele. Und die Bäume unten auf dem Platz, den ich aus dem Fenster überblicke, schlagen aus. Sie tragen schon ein feines Grün. Und die Jungen sind mit ihren Roller-Blades und den Skates unterwegs. Und sogar die alten Leute werden die Milde des Frühlings in ihren Knochen ein bisschen spüren.

Ich maile diese Portion. Dann hast du vielleicht was zum Kaffee. Oder bin ich schon zu spät.

Ich denke an Dich, meine ferne Mausgeliebte

i.M.