Sonntag, 8. März 2026

Iran - private Einladungen

 



Subject: Iran II


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Ach, es gäbe noch soviel zu erzählen.

Vielleicht noch ein Wort zu den privaten Einladungen. Wir sind ja da und dort eingeladen worden. Eine solche Einladung im Privaten hat einen standardisierten Ablauf. Perser gesetzeren Alters halten ihn minutiös ein, Jüngere machen da und dort heute kleine Abweichungen. Wenn du hereinkommst, servieren sie dir nach der Begrüssung ein Glas eiskalten Sirups, meist Kirschensirup. Obwohl du natürlich danach lechzst, weil du gerade über eine halbe Stunde im Auto geschwitzt, und nun endlich die staubigen Schuhe abgestreift und dich auf eine kühle Erfrischung gefreut hast, solltest du diesen Sirup dankend ablehnen. Sie mischen den Drink nämlich mit Hahnenwasser, und davor solltest du dich hüten. Du kannst darauf bestehen, dass sie dir einen mit Mineralwasser bringen. Aber meist haben sie kein Mineralwasser. Es ist hier sündhaft teurer, weit teurer als Benzin. Also lässt du den Sirup einfach stehen. Das ist auch insofern gut, also du dann auf keinen Fall gierig wirkst. Schnell zu trinken oder zu essen wäre ziemlich daneben. Etwas stehen zu lassen gilt eher als schick denn als unhöflich. Es zeigt, dass du sehr wählerisch bist, und dass sie sich sehr anstrengen müssen, um deine Wünsche zu erfüllen. Du lässt dich nicht mit dem Erstbesten abspeisen. Nach dem Sirup bringen sie dir einen Tee. Da kannst du jetzt getrost zugreifen. Er ist ohnehin brandheiss, so dass du ihn mit deinem Wüstendurst nicht gleich hinuntergiessen kannst. Du musst daran nippen wie im Damenkränzchen. Sie servieren den Tee in einem kleinen Glas. Heute sind sie etwas bequemer geworden und bringen manchmal für Männer ein grosses Glas. Und das Gläschen steht auf einer tiefen Untertasse, oft recht hübsches chinesisches Porzellan. Wenn der Tee zu heiss ist, darfst du die ersten Schlücke in die Untertasse giessen, damit er schneller kühlt. Diese Prozedur machst du aber sehr besonnen und mit unendlicher Langsamkeit. Sie zeigt trotzdem, dass du sehr durstig bist und nicht warten kannst, bis das Glas auf Genusstemperatur abgekühlt hat. Zum Tee nimmst du einen kleinen Zuckerbrocken und legst ihn auf die Zunge. Er ist ein bisschen unförmig und eckig, sperrig im Gaumen und sehr hart, damit er sich nicht schon beim ersten Schluck ganz auflöst. Der erste Schluck ist dann praktisch ohne Süsse, guter und etwas bitterlicher Schwarztee, wirklich meist ausgezeichnet und belebend. Der zweite Schluck ist schon etwas süsser, der dritte sehr süss, weil sich der Zucker mittlerweile aufgelöst hat. So schmeckt jeder Schluck ein bisschen anders. Und wenn du den Tee einmal so genossen hast, dann findest du einen Schwarztee aus dem Beutel, der einfach so gesüsst wird und von oben bis unten gleichermassen schmeckt, dann findest du das einfach so monoton und reizlos wie Büchsennahrung oder wie Unterwäsche aus dem letzten Jahrhundert.
Zum Tee oder nach dem Tee bringen sie einige Süssigkeiten, Gebäck, Schokoladestücklein oder sowas. Vielleicht zweifelst du jetzt an deiner Wahrnehmung und du bist nicht sicher, ob du in die richtige Einladung geraten bist. Denn eigentlich hast du dich auf ein Essen vorbereitet, und es scheint eine Teeparty geworden. Aber keine Bange. Du liegst schon richtig. Du musst jetzt einfach diese Süssigkeiten dankend ablehnen, weil du dir damit den Appetit versaust. Du kannst, wenn du äusserst höflich sein willst, einen kleinen Bissen naschen und den Rest liegen lassen. Diese Süssigkeiten gehören einfach dazu. Allah weiss warum. Sonst kaum jemand.
Und dann, irgendwann, wenn du schon lange nicht mehr daran glaubst, tragen sie auf und bitten zu Tisch. Meist stehen vier oder fünf verschiedene Speisen da, auf grossen Platten und schön arrangiert. Und dazu immer Reis und Brot und oft wieder Zwiebeln und Limetten, meist Mastchiar, die Yoghourt-Speise. Und natürlich Cola. Wenn du dir einen Sitzplatz gesichert hast, kannst du gleich loslegen. Jeder nimmt selbst, es wird nicht so förmlich serviert, einer nach dem andern, so dass nur noch der Allerletzte, nämlich der servierende Gastgeber, wirklich ein warmes Essen geniessen kann, wie wir dies in Europa machen. Jeder nimmt, was er mag und fängt gleich an zu essen. Es geht manchmal ziemlich wild durcheinander. Aber alle geniessen es so, und es ist sehr unkompliziert.
Nach dem Essen, wenn der Tisch aussieht wie ein Schlachtfeld, dann bringen sie die Melone. Sie ist kalt und in grosse Stücke geschnitten. Du kannst mit deiner Gabel gleich lospeilen und diesen Melonenbrocken, wenn du magst, direkt und nonstop zum Mund führen und abbeissen. Meist sind sie saftig und zuckersüss, genau das Richtige nach dem Essen. Du kannst sie auch, etwas ladylike, auf dem Teller mit der Gabel zerkleinern und die schwarzen Kerne der Henduné, der roten Wassermelone, herausstochern. Es gibt in Persien etwa 8 Melonensorten. Und jede hat einen eigenen Namen. Wenn sie nicht sehr reif sind, sind sie etwas fade. Aber man kann sie immer auch als Getränkersatz sehen und essen, anstatt Wasser zu trinken.
Nach dem Tisch gibt es sofort wieder Tee. Und nach ein paar Malen bist du so konditioniert, dass du darauf nicht mehr verzichten möchtest. Es gibt extravagante Leute, allermeist Westlerinnen, die fragen, ob sie einen Lindenblütentee oder einen Hagebuttentee haben können. Sie haben Angst, dass sie später nicht einschlafen könnten. Sie werden natürlich angesehen wie Extraterrestrians. Aber die Perser werden sich nichts anmerken lassen. Ich erinnere mich, S wollte bei ihrer Tante irgend so einen Tee. Und diese sagte, sie müsse in der Küche nachsehen, ob sie diesen Tee hätte. Ich hätte schwören können, dass sie keinen solchen Tee in der Küche hat. Sie hat auch wirklich keinen gehabt. Wenn ich richtig verstanden habe, wollte sie nicht einfach schon so zu Beginn nein sagen und die Hoffnung zerstören. Eine Schweizer-Hausfrau hätte wohl umgekehrt vorerst direkt die Hoffnung gemindert, indem sie Zweifel an der möglichen Erfüllung des Wunsches formuliert hätte. Oder sie hätte direkt gesagt, so ein Tee führe sie nicht in ihrer Küche. Klipp und klar und hart, wie wir in Europa sind. Aber das ist nicht Sache der Perser. Sie lassen dich lieber noch eine Zeitlang in deinen falschen Hoffnungen schwelgen. Es wird sich ja dann schon irgend eine Lösung finden. Weshalb also die Leute gleich frustrieren?

Es gibt ein hübsches Spiel, das die Perser mit einem speziellen Knochen des Poulets spielen. Es ist ein symmetrischer Knochen, fein und wie ein Bügel. Das Spiel heisst soviel wie: ich erinnere mich. Du nimmst diesen Knochen und brichst ihn zusammen mit deinem Spielpartner entzwei. Jeder hat jetzt einen gleichen Teil. Und wenn du deinem Spielpartner zum nächsten Mal etwas reichst, muss er sagen: Yadam, dh. ich erinnere mich. Und wenn er das vergessen sollte, hätte er die Wette, um die ihr spielt, verloren. Umgekehrt hättest du verloren, wenn er dir etwas reicht und du erinnerst dich nicht. Die Rafinesse des Spiels besteht darin, den Spielpartner zu überraschen, noch bevor er sich richtig auf das Spiel eingestellt hat. Zum Beispiel reichst du ihm gleich sofort dein Knochenstücklein, damit er es auf den Teller legt, der für dich unerreichbar ist. Vielleicht musst du dazu noch eine kleine Ablenkung arrangieren, ein kleines Rütteln an seiner Fassung, irgendwas umkippen lassen, leicht stolpern, ein kleiner Aufschrei der Überraschung oder was weiss ich. Dann hast du ihn erwischt noch bevor er merkt, dass das Spiel schon begonnen hat. Oder die andere Variante ist die, dass du den Moment aufschiebst. Du reichst ihm einfach nichts, und er tut dasselbe. Und am nächsten Morgen, wenn alles vergessen ist, dann reichst du ihm die Serviette, die er hat fallen lassen. Dann hast du ihn und hast deine Portion Bastani, dein Eis oder welche Wette auch immer gewonnen. Theoretisch kann das Spiel Wochen dauern, und es ist natürlich lustig und amusant, es mit einem Kind zu spielen. Ich behaupte, ein solches Spiels sei für Kinder ein gutes mentales Training. Es braucht eine Art der Konzentration, die wir hier in Europa weniger entwickeln. Aber das ist meine ganz persönliche Theorie.
Soweit Isfahan. Und nächstes Jahr in Rom, ich erinnere mich.
Mit einem lieben Gruss
...

(R)


Mittwoch, 4. März 2026

Mittwoch, 25. Februar 2026

Nochmals an diesem dunklen Abend


Lieber ... ,
Nun habe ich dein liebes Mail gelesen und auch de Botton gesehen. Das schöne an dem Programm ist, dass er es in dem authentischen Milieu zeigt. So konnte man das Schloss bewundern, in das sich de Montaigne zurückzog um zu schreiben. Es sah, verglichen mit anderen alten Schlössern, die ich schon gesehen habe, ziemlich gemütlich aus. Auch hatte er einen wunderschönen Blick auf die Landschaft von seiner Bibliothek aus. Und auf dem Hof gab es auch jetzt allerlei Tiere zu sehen. Schweine, Schafe, Enten u.s.w. Montaigne hatte ein gutes Verhältnis zu Tieren. Er fand sie klug und meinte wir könnten einiges von ihnen lernen.
*
Ja, ich verstehe schon, dass dir der Briefwechsel, von dem du sprichst, gut gefällt. Gewiss, dieser Anthony Hopkins hat etwas besonderes, was ich sehr mag. Etwas um dessen Verlust man trauern könnte. Und wenn er gegen Emma Thompson spielt ist er am meisten zu seinem Vorteil.



Ein ein Bild aus dem Film, den du erwähnt hast. (siehe Bild unten).
Und hier der Kommentar eines Lesers zu dem Film:

Summary: For once you shouldn't read the book

When you first take a look at the story, 84CCR hasn't much going on for it. A movie about books (even worse: old books!), for 75% told off-screen and with two stars who don't share one scene together. It's a miracle that this movie has so much impact on the viewer. The atmosphere is really tense, it's like you're in that little dusty bookstore and you really like the characters, though you don't know that much about them. Great acting by all. Hopkins, playing a character that resembles the ones he played in Shadowlands and even Remains of the Day, is impossibly convincing in his role. Anne Bancroft, although sometimes slightly over the top when she talks to the viewer, makes a great match.


She's in love with ...






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Mittwoch, 11. Februar 2026

Romantisches Programm - Novalis

  

 

Liebe Marlena
...

Gerade habe ich einen Artikel über Novalis gelesen. Ich würde wetten, dass Du ihn kennst. Der Exponent der Romantik und der Taufpate Deines eigenen Denkens. Es gibt ja auch dieses berühmte Abbild, wo er aussieht wie ein Mädchen, mit einem feinen Gesicht und süssen Lippen. Novalis, der in seinen "Hymnen an die Nacht" und dem unvollendeten Roman "Heinrich von Ofterdingen" die Romantik inkarniert hat. Romantik, das ist die erste Avantgardebewegung. Novalis ist der Dichter der Romantik schlechthin.
In seinen "Blütenstaub"-Fragmenten schreibt er, und da spricht er Marlena aus dem Herzen:

"Wir träumen von Reisen durch das Weltall: ist denn das Weltall nicht in uns? Die Tiefen unseres Geistes kennen wir nicht. Nach innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft".

Ja ich finde in diesem ausgezeichneten Artikel von Bohrer sogar ein romantisches Programm, was ich in den letzten paar Jahren immer gesucht habe.

 "Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Anschein gebe so romantisiere ich es".

Das ist, kurz gesagt, Werbung. In den letzten Jahren hatte ich immer stärker den Eindruck, die Romantik sei eine besonders starke Bewegung der Moderne. Vor allem auch in der Psychologie spielt sie eine wichtige Rolle. Aber ich hatte darüber nur ein diffuses Gefühl, keine wirklichen Informationen. Nur da und dort, da ich etwas gelesen habe, hat sich mir die These erhärtet.

Bohrer ist Professor für deutsche Literatur und Spezialist für Romantik, soviel ich weiss. Ich habe zwei Bücher von ihm, aber ich habe etwas Mühe, sie zu lesen, denn sie sind ziemlich komplex.

*
So, meine liebe Marlena, ich hoffe, dass Du meine Mails doch noch erhalten hast ...

Mit einem lieben Gruss
... 





Dienstag, 10. Februar 2026

Olten und Romantik

  

Liebe Marlena

(...)

Heute bin ich unterwegsMorgens in Basel, nachmittags in Olten, jener kleinen Stadt, wo ich früher einmal für 5 Jahre gelebt habe. Olten ist der Verkehrsknotenpunkt der Schweiz. Hier kreuzen sich eisenbahnmässig die Achsen Basel - Chiasso und Genf - Romanshorn. Mit andern Worten Nord-Süd und Ost-West. Früher, als die Leute noch mit der Bahn reisten, wusste jeder, dass er früher oder später den grossen Oltner Bahnhof durchqueren würde. Natürlich mit einem Halt, zum Umsteigen. Jeder kannte also die Ortschaft, aber keiner war wirklich je in der kleinen Stadt gewesen. Und dabei ist es eine recht lebendige Stadt mit einer sehr hübschen Altstadt direkt am Fluss, mit einer romantischen alten und gedeckten Holzbrücke. Mein Büro war auch direkt an diesem Fluss, wunderschön gelegen.



Nur dass Olten im Winter jeweils etwas nebelig war. S mochte das gar nicht. Ich fand es hingegen phänomenal, bei dichtem Nebel durch die Strassen zu gehen. Alles erscheint dann so nah und intim, es ergibt ein merkwürdiges Gefühl. Sicherlich gibt es darüber einige romantische Gedichte. Eines, so erinnere ich mich, beginnt wie: "Seltsam, im Nebel zu wandern ...". Gerade gestern habe ich im Gestell ein Büchlein gefunden mit Gedichten deutscher Romantik. Doch ich habe dieses eine Gedicht nicht gefunden. Vielleicht handelt es ja auch nicht hauptsächlich vom Nebel, diesem diffusen und höchst beliebten Szenenbild der Romantik, sondern von Naturerlebnissen oder Sonnenaufgängen oder geheimer Liebe, wie sie die Romantik ja auch nicht verachtet hat.

Erst in den letzten Jahren habe ich entdeckt, wie wichtig die Romantik noch für unsere Tage ist. Sie hatte wirklich einen nachhaltigen Einfluss auf unser Denken und Fühlen. Die Gedichte wirken heute, neben ihrer Süsslichkeit und ihrem Pathos, etwas ekstatisch. Das Romantische ist eine "Gemütserregungskunst", hat Novalis gesagt. Und das kennst Du ja bestens, Marlena. Nun ja, über Romantik muss ich Dir wirklich kaum etwas erzählen.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

Mit einem lieben Gruss  ...


Re:

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Ja, das schöne kleine Gedicht von Hesse habe ich noch in guter Erinnerung. Es hat mir auch sehr gefallen. Aber es ist ein trauriges Gedicht. Es endet mit den Worten:

Seltsam im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.


Donnerstag, 5. Februar 2026

Sei vorsichtig...

Subject:  Luft, Hilfe Luft!

Liebe Marlena

Wollte ich Dich wirklich ärgern? Das glaube ich nicht. Vielleicht wollte ich Dich etwas provozieren, „aus dem Busch klopfen", wie wir sagen. Damit du dich ein bisschen verteidigst und in Bewegung kommst? Immerhin von wegen Pünktlichkeit: wer immer in der letzten Sekunde kommt, der ist schon mehr als pünktlich, der ist top-pünktlich.

Ich weiss nicht, ob es so geschickt ist, meine Gedanken über die kochenden Männer Deinem Mann zu zeigen. Sie sind ironisch und er könnte beleidigt sein. Du willst doch nicht die schwedischen Männer gegen mich aufhetzen, Marlena? Sie werden mich hassen, weil ich so ironisch wenn nicht sarkastisch über uns Männer spreche! Sie werden einen Kreuzzug planen und diese kläffenden Schweizer zum Schweigen bringen! Sei also vorsichtig und überlegt, meine Marlena. Noch wenn du zuhause behauptest, du führest mit einem Schweizer von der Spitze der Alpen fachliche Gespräche über die Schule, über die Schule allgemein und über die Schule im speziellen. Es wird den Schwedischen Männern wie Schuppen von den Augen fallen, wenn sie merken, welches unsere wirklichen „Fachgespräche" sind. Sie werden den Geheimdienst auf uns hetzen! Sie werden nach Zensur schreien! Sie werden die Telefonrechnung kontrollieren! Ich weiss wirklich nicht, ob das so weise ist, Marlena?

Du kannst es so erzählen, als ob es von Dir wäre. Mach es zu deinen eigenen Gedanken und erzähle es mit eigenen Worten. Dann ist alles im Butter. Ich möchte nicht, dass Dein Mann misstrauisch oder eifersüchtig wird gegen mich. Und das ist schnell passiert! Ist das klaro, meine Liebe? Wie in aller Welt willst Du kochende Männer mit dem europäischen Schulsystem in Zusammenhang bringen? Ist doch ein Trapezakt sondergleichen!

Du erwähnst, in meinen Gedanken sei „esprit", und das war für mich ein grosses Kompliment. Esprit ist ein französisches Luxusprodukt, so gut wie Champagner oder Trüffeln. So was gibt es gar nicht in Deutsch. Geist, das erinnert an Hegel und den deutschen Idealismus. Aber esprit ist was sehr Elegantes, Feines, Spitzes vielleicht auch, ein Zeichen von Lebenskunst und von Lebenskompetenz. Ich hoffe, dass ich etwas davon habe. Ich hoffe es doch sehr! Ich flehe täglich darum! Esprit ist die Qualität französischer Intellektueller. Und die gibt es eben leider in der deutschsprachigen Kultur in diesem Sinne auch nicht. Manchmal wünsche ich, ich wäre mit einer französischen Zunge, oder doch mindestens mit einem französischen Geist geboren. Die germanische Kultur ist etwas schwerfälliger, auch etwas plumper gelegentlich.
...



Mittwoch, 4. Februar 2026