Dienstag, 10. Februar 2026

Olten und Romantik

  

Liebe Marlena

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Heute bin ich unterwegsMorgens in Basel, nachmittags in Olten, jener kleinen Stadt, wo ich früher einmal für 5 Jahre gelebt habe. Olten ist der Verkehrsknotenpunkt der Schweiz. Hier kreuzen sich eisenbahnmässig die Achsen Basel - Chiasso und Genf - Romanshorn. Mit andern Worten Nord-Süd und Ost-West. Früher, als die Leute noch mit der Bahn reisten, wusste jeder, dass er früher oder später den grossen Oltner Bahnhof durchqueren würde. Natürlich mit einem Halt, zum Umsteigen. Jeder kannte also die Ortschaft, aber keiner war wirklich je in der kleinen Stadt gewesen. Und dabei ist es eine recht lebendige Stadt mit einer sehr hübschen Altstadt direkt am Fluss, mit einer romantischen alten und gedeckten Holzbrücke. Mein Büro war auch direkt an diesem Fluss, wunderschön gelegen.



Nur dass Olten im Winter jeweils etwas nebelig war. S mochte das gar nicht. Ich fand es hingegen phänomenal, bei dichtem Nebel durch die Strassen zu gehen. Alles erscheint dann so nah und intim, es ergibt ein merkwürdiges Gefühl. Sicherlich gibt es darüber einige romantische Gedichte. Eines, so erinnere ich mich, beginnt wie: "Seltsam, im Nebel zu wandern ...". Gerade gestern habe ich im Gestell ein Büchlein gefunden mit Gedichten deutscher Romantik. Doch ich habe dieses eine Gedicht nicht gefunden. Vielleicht handelt es ja auch nicht hauptsächlich vom Nebel, diesem diffusen und höchst beliebten Szenenbild der Romantik, sondern von Naturerlebnissen oder Sonnenaufgängen oder geheimer Liebe, wie sie die Romantik ja auch nicht verachtet hat.

Erst in den letzten Jahren habe ich entdeckt, wie wichtig die Romantik noch für unsere Tage ist. Sie hatte wirklich einen nachhaltigen Einfluss auf unser Denken und Fühlen. Die Gedichte wirken heute, neben ihrer Süsslichkeit und ihrem Pathos, etwas ekstatisch. Das Romantische ist eine "Gemütserregungskunst", hat Novalis gesagt. Und das kennst Du ja bestens, Marlena. Nun ja, über Romantik muss ich Dir wirklich kaum etwas erzählen.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

Mit einem lieben Gruss  ...


Re:

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Ja, das schöne kleine Gedicht von Hesse habe ich noch in guter Erinnerung. Es hat mir auch sehr gefallen. Aber es ist ein trauriges Gedicht. Es endet mit den Worten:

Seltsam im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.


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