Samstag, 8. November 2025

Herbst

 

Ämne : Herbst..
Datum : Tue, 13 Nov 

Lieber ...
Es ist schon wieder spät geworden, aber ich will dir trotzdem noch schreiben. Eigentlich bin ich nicht so gut in Form. Diese Infektion, die nicht nachlässt, geht mir langsam aufs Gemüt und ich fühle mich müde und lustlos. Aber bitte, schreib mir trotzdem, denn wenn ich selbst nicht schreiben kann, brauche ich dich um so mehr.

K war nun zwei Tage zu Hause. Auch ihn hat es erwischt und Anna war heute zum ersten Mal wieder in der Schule. Sie war auch todmüde als sie nach Hause kam.
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Leider habe ich gerade in dieser Periode mehr Arbeit als sonst denn drei Klassen sollen noch vor Weihnachten ihr Abschlusszeugnis bekommen. Und heute hatten wir noch dazu eine dieser ganz unmöglichen Konferenzen die mich an dem menschlichen Verstand zweifeln lassen. Ich bin zum Glück nicht die einzige Person mit dieser Auffassung..
Du hast sicher  einen schöneren Nachmittag verbracht in Olten.
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Ja, dein Onkelchen kann ich mir vorstellen mit dem Fez auf dem Kopf. Und sicher hat es Spass gemacht,  ihn anzusehen. Wenn du Cous-cous meinst, dann kenne ich das Gericht schon, aber wir essen es eher selten hier.

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Ich wünsche dir alles Gute und schreib mir bitte bald wieder. Über alles, auch über die Trostlosigkeit des Daseins..
Mit lieben Grüssen
Marlena

Freitag, 7. November 2025

Foggy day

 

Olten

Ämne : foggy Dienstag
Datum : Tue, 13 Nov 

Liebe Marlena
Heute ist kalt und regnerisch, furchtbares Novemberwetter. Und es ist noch absolut nachtschwarz und dunkel draussen. Normale Menschen liegen wohl eher noch im Bett. Nur die paar Verrückten wie ich sind auf und hocken schon im Büro. Gestern haben wir von einer neuen Flugzeugkatastrophe in N.Y. gehört. Das lastet alles schwer auf dem Gemüt. Nur unsere Töchter waren stolz, zu wissen, wo der Stadtteil Queens sei und dass dort viele Schwarze wohnen. Nach soviel Unglücksmeldungen bin ich früh ins Bett gegangen. Und das ist wohl der Grund, weshalb ich schon um 0500h in der Früh aufgewacht bin. Und das ist bekanntlich eine Zeit, da man sich überlegen muss, ob es sich rentiert, nochmals hinzuliegen und hellwach irgend welchen Dingen des kommenden Tages nachzugrübeln, oder ob man nicht doch besser gleich aufsteht und sich ein zünftiges Frühstück und einen kräftigen Kaffee gönnt. Wie Du siehst habe ich letzteres getan.

Heute nachmittag werde ich für eine Sitzung nach Olten reisen. Das ist ungefähr eine halbe Stunde von hier. Olten ist der Ort, wo ich nach der Universität meine erste Stelle hatte. Ich habe noch heute gute Erinnerungen an Olten und ab und zu treffe ich jemanden, der mich immer noch kennt. Aber es sind - das muss ich schon zugeben - nicht mehr allzu viele. Es ist ein knappes Jahr her, da der Arzt, der damals Präsident unserer Aufsichtskommission war, gestorben ist. Ich glaube, er war knapp 60 Jahre alt und ist in Nepal, in den Ferien mit seiner Frau und einem Arbeitskollegen, völlig unerwartet und plötzlich gestorben. Man hat ihn dann in einem örtlichen Heiligtum kremiert und die arme Frau musste mit der Asche ihres Mannes von den Ferien in die Schweiz zurückkehren. Er war eine sehr bekannte und auch sehr beliebte Persönlichkeit Oltens und der Region, war auch eine Zeitlang Präsident des Ärztevereins. An der Abdankung in der Stadtkirche, an der ich sozusagen inkognito teilgenommen habe, waren viele viele Leute. Und es waren auch viele Patienten mit dabei. Also, nach Olten will ich fahren. Wir treffen uns, etwa 7 Leiter und Leiterinnen von Schulpsychologischen Diensten aus den Kantonen der Nordwestschweiz. Das ist nützlich, indem man hört und sieht, womit sich andere beschäftigen. Es lassen sich Erfahrungen austauschen und Ideen aufnehmen. Nächstes Jahr ist eine grosse Tagung über Migration auf dem Plan. Ich war allerdings der Meinung, dass wir mit diesem Thema etwas spät kommen. Hochbegabung oder Förderaspekte der Schule oder so ähnlich wären aktueller und publikumswirksamer gewesen. Aber die Maschine ist nun mal angelaufen.

Jugendbücherschiff Basel

Ich werde mich also bei diesem trüben Wetter nach Olten bemühen. Und abends findet eine Vernissage einer Jugendbuchausstellung auf einem Schiff in Basel, mitten auf dem Rhein statt. Ich habe mir gedacht, dass ich - nach meinem 100 Bücher Marathon - wieder einmal teilnehmen sollte. Offenbar steht der Chef der Jugendbibliothek kurz vor der Pensionierung, obwohl einen deutlich jüngeren Eindruck macht. Wegen ihm sollte ich allenfalls hingehen. Aber ich bin mir noch nicht so sicher. Es ist immer viel Zeitaufwand, abends um 1800h nach Basel zu reisen. Und das Schiff ist zu diesen Anlässen jeweils übervoll. Man steht sich gegenseitig auf den Zehen herum. Das mag ich so gerne wie fremde Ellbogen in meiner Seite. In einem Wort: ich hasse es.

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Am Sonntag waren wir bei Onkelchen und haben Gusgus gegessen. Er hatte wieder einmal von seiner Jugendzeit in Fes in Marokko erzählt. Und dabei ist die Idee entstanden, einmal ein tüchtiges Gusgus mit Schaffleisch und Kichererbsensauce zu machen. Er war begeistert und hat das sehr genossen. Sogar seinen alten Fez, diesen roten Wollhut mit schwarzem Zottel, den er aus Marokko als Souvenir mitgebracht hatte, hat er in einem Schrank gefunden und den ganzen Abend getragen. Es war wirklich ziemlich lustig, und S hat bedauert, dass wir keine Kamera für ein Foto mit gehabt haben.
Kennst Du selbst Gusgus, Marlena? Es ist aus Hirse, wie ich glaube, und im Dampf luftig gekocht ähnlich wie Trockenreis. Darüber hinaus schmeckt es ausgezeichnet und ist auch noch recht gesund. Ich erinnere mich, es einmal in Zürich bei einer Kanadierin gegessen zu haben, die mit einem Marokkaner befreundet war. Und der arme Bursche hat in seinem Heimweh den ganzen Abend von seinem Land und seiner Familie geschwärmt, und wie sie oft zusammen sitzen und Gusgus essen, und wie dann sein Vater zu Tische - nach dem vortrefflichen Mal - sein Nickerchen zu nehmen pflegt.... Ja, heute kann ich ihm nachfühlen. Und schlafen könnte ich heute auch bei Tisch nach dem Essen.
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Und in der Zwischenzeit ist es draussen einigermassen hell geworden. Ich Café vis à vis sehe ich den Zahnarzt von gegenüber, der jeden Tag morgens dort seinen Kaffee trinkt und die Zeitung liest. Und Zigaretten raucht. Ich kann mir vorstellen, dass ihn seine Frau deshalb nicht zuhause herumsitzen lässt, weil er gerne nach dem Frühstück eine Zigarette raucht. Und am Radio läuft die Sendung "Morgenstund hat Gold im Mund". Frag mich nicht wo, frag mich nicht wie. Es ist eine Redensweise die eher aus der Luft gegriffen ist.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben Grüssen
...

Donnerstag, 6. November 2025

Re: Novembergeist

 



Ämne : Novembersonne..


Lieber ...,

Wenn ein Mann in deinem ehrwürdigen Alter einen Sprung über die Schwelle macht dann ist das wie wenn sich ein jüngerer Mann in den nächsten Baum werfen und wie ein Tarzan durch die Luft schwingen würde. Ich kann durchaus zufrieden sein mit meiner Wirkung. ;-)

Ja, chéri, ich habe mich sehr gefreut, dass ich dir eine kleine Freude machen konnte mit meinem Strauss. Und scheinbar steht mir das Glück bei nicht nur in beruflichen Dingen, denn ich wusste gar nicht an welchem Tag dein Geburtstag ist, nur dass es irgendwann in der ersten Hälfte des November sein müsste. Und du weißt vielleicht schon, dass wir an deinem Geburtstag in ganz Schweden geflaggt haben. Es ist nämlich der Gustav Adolf Tag, den man zur Erinnerung an Gustav II. Adolf  (Vater von Kristina) feiert. Nun ja, es sind die patriotischen Leute, die es tun, indem sie ein Gustav Adolfgebäck essen. So werde ich mich in Zukunft leicht an den Tag erinnern können.

Wie lustig du über die Beobachtungen der älteren Herren erzählst. Auch ich sehe fast immer, wenn ich einkaufen gehe, Leute, die vor zehn Jahren noch jung und rüstig aussahen und die nun alt und grau dahin tappen. Und das macht mich immer ein wenig melancholisch, denn ich kann es nicht lassen zu denken, dass ich wohl auch bald so aussehen werde. Aber eigentlich ist es ja nur, wenn man ihr Äusseres sieht, dass man so reagiert. Denn wenn man mit ihnen spricht, verschwindet meistens dieser Eindruck von Verfall. So z.B. gestern standen ein paar wirklich alte Frauen am Gemüsestand und betrachteten sehnsüchtig die schönen Paprikas, die dort in vielen Farben prunkten. Ich machte die Bemerkung, dass ich über den Preis überrascht sei, da sie meistens um diese Jahreszeit mindestens das doppelte kosten würden. Und eine der Frauen fragte mich, ob man sie auch einfrieren könnte. Und ich habe gesagt, ich bin nicht sicher, ich hätte es zwar mal getan, aber leider nie aufgetaut und so haben wir herzlich gelacht, denn die Situation war auch ihr vertraut. Dabei kam sie mir vor wie ein junges, fröhliches Mädchen. So ist es. Wir tragen einen Körper herum, der immer etwas älter wird, aber er birgt eine Seele, die alle Alter zugleich trägt. Wenn wir glücklich sind, sind wir jung, wenn wir müde sind, fühlen wir uns alt.. Und wenn man einen Mausfreund hat, dessen Worte einen berühren ... vergisst man sein Alter.. So sollte ich dir wohl auch danken.

Heute scheint wieder einmal die Sonne von einem klarblauen Himmel und immer noch trägt die Hängbirke vor dem Fenster hier ihr Laub, das nun wie Gold leuchtet. Es sieht etwas lustig aus, gegen den weissen schneebedeckten Rasen.

Ich habe nur noch eine Unterrichtsstunde, dann werde ich mich ausruhen und kurieren, denn auch ich huste wie ein Dobermann.. sehr guter Vergleich! :-)

Ja, die Wienerschnitzel!! Ich kann sie leider kaum mehr geniessen seit ich mit Kollegen auf einer Studienreise in Estland war. Denn wo immer wir hin kamen, gab es eigentlich nur Schnitzel in den Restaurants. Dabei musste ich ihre Kunst bewundern, wie sie dieses Gericht mit verschiedenen Garnierungen variieren konnten .. Aber darunter fand man eben immer wieder ein Schnitzel, auch wenn die Vorspeise russischer Kaviar und Champagner sein konnte. Ich werde übrigens bald mal die Leute zu einem "Estlandabend" einladen, an dem wir alle unsere Fotos mitbringen werden und was glaubst du, was ich ihnen anbieten werde? Natürlich ein "herrliches Wienerschnitzel", damit sie sich richtig zurückversetzt fühlen.

Nein, bei uns ist es nicht üblich, Kastanien zu essen. Anna hat es neulich in ihrer Italienischstunde gegessen. Sie haben einen Grill mitgebracht und geröstet und es hat spannend geschmeckt..

Ich muss mich nun noch etwas vorbereiten für meine letzte Stunde heute. Du hast wohl auch bald Feierabend und ich wünsche dir ein richtig schönes Wochenende mit vielen Schwellensprüngen.. Ich sehe dich vor mir und bin riesig stolz darauf... fast als wäre es mein Verdienst. :-)

Mit lieben sonnigen Novembergrüssen
Marlena




Mittwoch, 5. November 2025

Novembergeist


Liebe Marlena
Ich habe ihn überlebt!!! Meinen Geburtstag, meine ich. Ich bin froh, dass die Leute nicht allzu viel Aufhebens gemacht haben. Das mag ich nämlich gar nicht besonders. Nun ja, ich habe einige nette Telefonate gehabt. Und abends sind wir - dh unsere Familie - zusammen in der Nähe essen gegangen. Es war klein und bescheiden, wie es sich in meiner Altersklasse gehört.
Deine Glückwünsche haben mich sehr gefreut. Und - um es klar und deutlich zu sagen - sie waren die ersten, die ich am Morgen empfangen hatte. Alle anderen Küsse und Wünsche und Glücksbeteuerungen kamen viel später an. Die roten schwedischen Rosen waren wirklich knallrot, und haben etwas lasziv hin- und hergewackelt. Ich danke Dir, Marlena, und ich bewundere, wie Du daran denken konntest. Ich vergesse leider solche Geburtstage allzu gerne.

Als S mir vor einer Woche sagte, ich solle den Dienstag abend reservieren, wir hätten da etwas vor, da habe ich bei weitem nicht an meinen Geburtstag gedacht.
Und schliesslich habe ich am späteren Morgen im Städtchen noch einen ehemaligen Mitarbeiter angetroffen. Er ist schon über 60 und arbeitet zu 80% oder vielleicht 60%. Auf jeden Fall hat er Zeit, mitten an einem Werktag mit einer grossen Tasche durch die Strassen zu schlendern und seine Kommissionen zu tätigen. Auf seine Einladung sind wir in einem kleinen Café verschwunden (etwas, was ich sonst hier absolut nie tue, weil ich vermeiden muss, dass die Leute reden und behaupten, die Beamten arbeiteten nichts und sässen bloss tageweise in den Restaurants herum), und er hat mir geklagt, wie sehr er unglücklich sei mit seiner heutigen Arbeit und wie gerne er zu uns zurückkommen würde. Nun ja, was soll man dazu sagen? Doch man hat in seinem Gesicht schon von weitem gesehen, dass er nicht glücklich ist. Er schien leidend. Mein erster Gedanke galt seinem Rücken. Ich glaube, bei physischen Schmerzen altert man schnell. Und er hat mir um die 10 Kameraden und Altersgenossen aufgezählt, die an Parkinson, an Prostatakrebs, an schweren Depressionen und leichter Impotenz oder an anderen fürchterlichen Krankheiten leiden. Kurz und gut, ich verliess das Café mit einem übermütigen kleinen Sprung über die Schwelle im himmlischen Gefühl, absolut jung und frisch, spritzig und gesund zu sein. Man fühlt sich selten so gut wie im Altersheim. Und das ist die Moral der trüben Geschichte.
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Und draussen vor dem Fenster hat der November Einzug gehalten. Die Stühle und Tische unten im Cafè sind zusammengestellt. Die Blätter der Bäume bedecken den Boden. Es nieselt und ist kühl. Nicht kalt, aber kühl. Und der Wind bringt eine gewisse Unruhe in die ganze Szenierie. Die Leute eilen vorbei und schauen kaum um. Die schönen, warmen, und wie man sie genannt hat "goldenen" Oktobertage sind endgültig vorbei. Man kann im Städtchen wieder heisse Marroni kaufen. Kennt ihr sowas in Schweden? Es sind diese, auf offener Kohle gegrillten Edelkastanien, die bei diesem Wetter heiss so gut schmecken. Sie sind in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen, während es in meiner Jugend ein Arme-Leute-Geschäft war, sowas zu verkaufen.
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Ich habe etwas zuviel gegessen gestern. Auf der Karte fand ich viele Dinge, die S zuhause auch kocht. Lammgigot, Lammfilets, Fische in allen Formen. Und so bin ich auf ein absolutes Proletariermenue ausgewichen: Schnipo, sagt man hier. Das meint Wienerschnitzel mit Pommes. Es war kalorienreich, üppig und etwas fettig. Darüber konnte auch der kleine Zitronenschnitz nicht hinwegtäuschen. Aber ich habe es genossen. Und dazu ein Bier getrunken.

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Ich danke Dir für Deine Wünsche. Sie wackeln immer noch knallrot vor meinen Augen. Und ich bin sicher, sie werden mich im kommenden Winter wie ein Antidepressivum begleiten und zu grossen Taten wie die oben erwähnten Schwellensprünge antreiben.
Mit einem Novembergruss
...

Montag, 3. November 2025

Ein "Mausleben" - real life?

 





Mein lieber Mausfreund!

Vielleicht wartest du auf ein langes Mail von mir und weisst nicht, dass ich mich schon seit Stunden mit dir unterhalte in meinen Gedanken. Ich spreche mit dir, erzähle dir alles Mögliche, stelle dir Fragen (die man nur einem Mausfreund stellen kann) und nun endlich sehe ich ein, dass du davon nichts wissen kannst, wenn ich mich nicht wirklich an den PC setze. Diese kleine Geste aus dem realen Leben braucht es doch, um ein Mausleben führen zu können.

(---)

Es ist erstaunlich, welche Macht Wörter haben. So bin ich dir z.B. dankbar, dass du das Wort "Mausfreund/in" erfunden hast. Ein Mausleben kann doch nichts anderes als schön, leicht und unkompliziert und erlaubt sein.. Es ist wie ein Lieblingsbuch auf dem Nachttisch. Man kann hineinschlüpfen und den Alltag für eine Weile vergessen. Man kann ein Kapitel darin lesen und nachher gestärkt in das "real-life" zurückkehren. Ist es so für dich?

Aber sag mir. Was ist mein wahres Leben? Wenn ich z.B. wäsche bügle und dabei in Gedanken mit dir die Champs-Elysées runtergehe, wer könnte dann behaupten mein Leben sei langweilig? Welche von den beiden Aktivitäten gilt?
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Liebe sonnige Grüsse
Marlena

...

(R)

Sonntag, 2. November 2025

November singt in mir sein graues Lied.

 



Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.

Weil du nicht da bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie.

Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.

Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschimmer,
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.

»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
Verstaubte Noten über dem Klavier.
Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
Die Dinge um mich reden nur von dir.

Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.

Mascha Kaléko




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Samstag, 1. November 2025

Erinnern

 

  



Vielleicht


Erinnern 
Das ist
 
vielleicht
 
die qualvollste Art

des Vergessens
und vielleicht 
die freundlichste Art

der Linderung
dieser Qual

[Erich Fried]