Donnerstag, 12. Dezember 2024

Lucia 13 Dezember

 



das Lied "Sankta Lucia"  hier

Ja, die Nobelfeier.



Liebe Malou
Vielleicht ist sie doch interessanter am Fernsehen anstatt bloss auf Bildern. Ich kann mich erinnern, dass einer unserer Clubmitglieder einmal erzählt hat, wie er mit dem schwedischen König zusammengesessen habe. Es ging offenbar um Umweltschäden und Nachhaltigkeit der Entwicklung. Er selbst ist Biologieprofessor und ein Spezialist auf diesem Gebiet. Er hat damals den König sehr gelobt, wie offen er gewesen sei im Gespräch und wie unkompliziert.
Und morgen feiert ihr Lucia? Du hast mir davon erzählt und geschildert, wie schön dieses Fest eingangs Winter ist.
 
Ich muss im Moment darauf warten, dass ich in der kleinen Küche unseres Büros eine kleine Pfanne kriege. Es ist immer ein Gedränge rund um die Mittagszeit. Und normalerweise nehme ich Esswaren mit, die ich höchstenfalls im Wellen-Ofen rasch aufwärme ...
 
Und jetzt habe ich schon gegessen. Es geht schnell hier im Büro. Ich esse allein in meinem Raum. Früher war ich einer der wenigen, der im Büro gegessen hat. Heute, bei den vielen jungen Leuten, essen fast alle im Büro. Deshalb ist unsere Küche etwas klein geworden mittlerweile. Um 12h haben alle einen riesigen Hunger und nach 15 Minuten stehen nur noch schmutzige Pfannen und sonstiger Abfall herum. Es ist unangenehm, aber ich lass es dabei bewenden. 
 
Und sonst, was kann ich dir erzählen. Ich beschäftige mich zZ mit dem Vorhaben, ein Kinderbuch zu machen. Ich möchte eine lustige, witzige Geschichte mit eigenen Zeichnungen machen. Vielleicht brauch ich da und dort Bs Hilfe. Aber im Wesentlichen möchte ich es allein machen. Es war lange mein Wunsch, sowas zustande zu bringen. Ich hatte mal ein Büchlein für meine Töchter gemacht, als sie noch klein waren. Die Geschichte handelte von zwei Mäusen, die (in unserem alten Bauernhaus) vom Keller hinauf in den Esterich stiegen, um dort den Sternenhimmel anzuschauen. Wenn die neue Geschichte funktioniert, kann ich ja vielleicht die alte auch noch überarbeiten und produzieren. Aber ich mache mir auch nicht allzuviel Illusionen. Zeichnen ist nicht so schwer, wenn man nur eine Zeichnung machen soll. Aber ein ganzes Buch voller Zeichnungen, das muss schon ziemlich stilsicher sein. Man merkt sehr schnell, ob etwas durch einen Anfänger gemacht worden ist. Die heutigen Jugendbücher stehen auf hohem Niveau, was Gestaltung und Darstellung betrifft. Ich werde sehen, was ich erreichen kann.
 Natürlich sollte mein Plot auch witzig sein. Ich habe mir gedacht, dass ...
(--)
Es ist schön, an diesen Dingen herumzugrübeln. Wenn ich mit den Stöcken unterwegs bin, hat mein Kopf was zu tun. Und das ist gut so. Gestern Abend habe ich einen langen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Dabei bin ich durch die Spalenvorstadt gekommen. Ich glaube, diese Strassen trägt von allen, die ich gesehen habe, den schönsten Weihnachtsschmuck. Es gibt links und rechts kleine alte, vielleicht 2 Stöckige mittelalterliche Häuser. Sie sind auf beiden Seiten in einer Reihe gebaut. Und natürlich gibt es heute im Erdgeschoss jeden dieser Häuser ein kleines Geschäft. An den Fassaden dieser Häuser links und rechts steht je ein Tannenbaum auf dem Gehsteig und an die Wand gelehnt, die mit elektrischen Kerzen geschmückt sind. Das gibt einen wunderbaren Effekt. Ich war begeistert, als ich das gesehen habe. Wirklich schön diese kleinen Tännchen links und rechts der engen Strasse. Das Tram führt auch durch diese Strasse. Und vorne, an der Ecke, ist die Station, wo man aussteigen muss, um die Universität zu erreichen. Dort habe ich mich ab und zu mit A. getroffen, als sie noch in Basel studiert hat.
 
Ich glaube, das Mail wird zu lang. Ich muss ein Ende finden. Wir haben heute ziemlich mildes Wetter. ich muss nachmittags ein Protokoll schreiben und einen Termin vereinbaren.
 
Ich wünsche dir eine gute Zeit Malou
liebe Gs und Ks

Dienstag, 10. Dezember 2024

kontemplatives peripatetisches Gehen

im  Kollegium Spiritus Sanctus Brig

Liebe Marlena

(---)

Es ist lustig, ich habe oft ein Bild aus meinen Jugendzeiten, das mir aufkommt. Wir hatten in der Schule in Brig im alten Kollegiumsgebäude einen langen grossen Gang. Er war vielleicht mehr als 2m breit, mit einem Granitbogen. Und die tiefen Fensternischen bildeten je ein kleines Abteil, wo wir am Morgen früh, um nicht in der Kälte stehen zu müssen, am Fensterbrett lehnten und unsere Lateinvokabeln repetierten. Es ist eine Atmosphäre, wie man sie oft in den Wandelgängen der Klöster findet, einen architektonischen Typus, den ich überaus gerne mag.

Kollegiumskirche Brig

In diesem Gang, an dessen Ende eine Tür in die Sakristei der Kirche führte, wie ich annahm (durch die ich in meinem Leben aber nie gegangen bin; was sollte ich auch in einer Sakristei der Kollegiumskirche?), und durch die die Internatsschüler am frühmorgens um 0600 - vor dem Morgenstudium - wohl jeweils in Zweierkolonne in die Frühmesse geführt worden waren, in diesem Gang gingen oft einzelne Lehrer, also Patres, in gemächlichem Schritt auf und ab, um das Brevier zu lesen. Es gab gleich vor dem Gebäude und parallel zu diesem Gang im Garten noch einen mit einem Rosenspalier gesäumten Weg, den sie in den Sommermonaten benutzten. Dieses kontemplative peripathetische Gehen kam mir anfangs als Junge komisch vor. Doch insgesamt hat es mich wohl tief beeindruckt als eine Geste der Zwiesprache mit sich selbst. Und wenn ich irgend ein Problem oder eine Frage zu wälzen habe, dann liebe ich es heute überaus, auf und ab zu gehen. Ich hasse kleine Räume und bin überzeugt, dass in kleinen Räumen keine grossen Ideen entstehen können. Ich gehe auf und ab auf dem Bahnhof, wenn ich auf den Zug warte. Ich gehe im Büro, diagonal, auf und ab. Ich tue dasselbe in unserer Stube. Ich mag es, wenn ich am Donnerstag beim Weekly mit Walter zusammen sitze, plötzlich aufzustehen, und für eine Weile auf und ab zu gehen. Ja ich habe manchmal, wenn ich lese und einen spannenden Gedanken finde, plötzlich das starke Verlangen, auf und ab zu gehen. Es muss einer meiner Tics sein, dieses Auf- und Abgehen. Eine kleine Manie.
Und früher, als es noch Sekretärinnen gab, denen man Briefe und Texte diktieren konnte, da gab es die sinnvolle Gelegenheit, auf und ab zu gehen. Das waren noch herrliche Zeiten, und damals waren Briefe noch hübsch und byzantinisch formuliert. Dieses habe ich mir zwar immer als eher komische Situation fantasiert: der Chef, der im Büro auf und ab geht und die Sekretärin, die in Eile seinen Gedankenfluss protokollieren soll. "Zum Diktat", das war damals für Sekretärinnen ein finster klingender Drohruf und Grund genug, um nervös nach Stenographieblock und Stift zu suchen. Ich glaube, die Generation meines Vaters war mit solchen Situationen durchaus noch vertraut. Und meine erste Sekretärin, ich wette darauf, hatte in ihren früheren Jahren noch Diktat beim Chef. Die Männer sassen noch nicht am PC, wie wir das tun. Sie hätten so etwas als absolut "weibisch" und als eines Mannes unwürdig empfunden. Denn die Arbeitsteilungen waren absolut klar und geradezu feudalistisch.


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Montag, 9. Dezember 2024

Schöner Wintertag

 

das Stockalperschloss an einem Winterabend


Liebe Malou
Heute war ich früh im Büro. Es muss 6.30h gewesen sein. Ich hoffe, sie wählen mich bald einmal zum „Helden der Arbeit“, wie das die Sowjets in alten Zeiten getan haben. Und als Gegenleistung und schönes Privileg sollten sie mich dann für 2 Wochen an irgend ein kaltes Ostbad schicken, wo ich mir eine tüchtige Erkältung holen kann. Ach, die Zeiten sind nicht mehr, wie sie mal waren.

Aber das Wetter zeigt sich von der schönen Seite. Es ist ziemlich kalt geworden, und der Schnee, der übers Wochenende gefallen ist, ist sogar an den Bäumen hängen geblieben. Das ist bei uns selten geworden. Ich kann mich erinnern, dass es in meiner Jugend im Wallis manchmal noch echt geschneit war. Wenn das an einem Wochenende geschehen ist, pflegten wir abends lange Spaziergänge zu machen. Anfangs mit der ganzen Familie, später traf man sich mit Schulkollegen und ging hinaus durch die verschneiten Strassen zur Kunsteisbahn. Das war eine wunderbare Stimmung und die ganze Welt war verzaubert. Und viele andere Leute taten dasselbe, so dass man unterwegs diese oder jene angetroffen hat und sich fröhlich begrüssen konnte. Ich habe eine Postkarte gefunden, die Brig nachts im Schnee zeigt. Wenn ich das sehe, macht es mir noch heute das Herz warm. Ich versuche, das Foto in den fotofolder zu schieben. Es sind die Lichtverhältnisse, die mich so elektrisieren.
Ich habe das Bild schlussendlich gefunden, aber noch zwei andere dazugelegt. Das erste ist ein Gemälde über den Orient. Bestimmt stammt es aus dem 19. Jahrhundert, als sich Europa für den Orient zu interessieren begann. Ich glaube, die Darstellung zeigt einen Bazar-Raum in Kairo. Aber auch in Teheran könnte man das sehen. Es ist eine schöne Darstellung, die natürlich auch ein bisschen mit europäischen Vorurteilen und Schemata spielt. Das zweite Bild zeigt das Stockalperschloss (die Karawanserei im Wallis) an einem Winterabend. Du musst wissen, dass ich während 8 Jahren an diesem Schloss vorbei zur Schule gegangen und abends heimgekehrt bin. Diese Stimmung ist besonders lebendig in meiner Erinnerung. Unten im Tal und in den Häusern ist es schon ziemlich dunkel und kalt, und in der Höhe scheinen immer noch die Schneeberge im Abendlicht. Da hat man das schöne Gefühl, dass es mehr gibt als nur den Menschen mit seinen alltäglichen Geschäften. Und zuletzt das dritte Bild, das ich eigentlich gesucht hatte. Es zeigt Brig in winterlichen Abendstunden. Unten links der Bahnhof, der ein bisschen stärker beleuchtet ist. Rechts die helle Strasse ist eigentlich eine Seitenstrasse, die wir selten passiert haben. Die wichtige Bahnhofstrasse sieht man auf dem Bild kaum. Aber oben sieht man die Kirche, und gleich dahinter sind die grossen Gebäude des Jesuiten Kollegs. Man hat von der kleinen Terrasse vor der Kirche einen wunderbaren Blick über Brig und ins Tal hinunter bis Visp. Ich muss zugeben, dass das Bild ein bisschen Apres-Ski suggeriert. Mag sein, mag auch sein, dass auch dies die süsse Situation sei, die in meiner Seele lagert. Wir haben wirklich einige und sehr schöne Apres-Ski-Stunden und Abende verlebt, nicht nur in Brig, sondern auch in Zermatt, Saas Fee, Montana und an anderen, unbekannteren Orten.

Ach Malou, ich schwärme wieder mal vom Wallis, verzeih mir. Ich glaube manchmal, dass dies mein Heroin sei. Es ist mein Paradies, denn das Paradies ist immer der Ort, von dem man vertrieben worden ist. Eine zeitlang konnte ich meine Erinnrungen auffrischen bei meinem Bruder in D.  Er hatte in diesem prächtigen kleinen Winzerdorf am Sonnenhang eine hübsche Wohnung mit einer herrlichen Aussicht ins Tal hinunter. Leider wohnen sie jetzt nicht mehr dort,  denn D. war nur mit dem Auto oder mit dem kleinen Bähnchen nach M zu erreichen. Und das war natürlich ein täglicher Zeitaufwand, denn die beiden haben nur ein Auto. Andererseits muss man auch betonen, dass die Zeit im Wallis noch nicht so rasch läuft wie bei uns. Und eine solche Drahtseilbahn ist der ideale Ort für ein kleines Schwätzchen. Es ist die reine Lebensqualität, die mit der Langsamkeit einhergeht.

Jetzt will ich Dir diese Schwärmerei schicken. Bestimmt kannst Du sie mir ein bisschen nachfühlen, denn ihr habt doch bei Euch auch jede Menge Schnee und warme Lichter in den Häusern.
Mit lieben GS und KS
...



Sonntag, 8. Dezember 2024

Jesuiten - oder?


Marlena 

Freitag, 6. Dezember 2024

Donnerstag, 5. Dezember 2024

Meine Assoziationen

 

Foto: Chris

Liebe Malou
Ich habe soeben die Papiere geordnet, chronologisch geordnet, die nun einigermassen drei Ordner füllen. Na ja, die Chronologie ist noch nicht perfekt, aber einigermassen vorbereitet. Es haben ja nun leider nicht alle Papiere ein Datum.
Weisst du Malou, wenn ich so mit Ordnern hantiere, dann habe ich das Gefühl, ich sei in den falschen Job geraten. Schon der Anblick von Ordnern ist mir einigermassen ein Graus. Aber dass ich diese unansehnlichen Dinger auch noch selbst füllen und ordnen muss, das finde ich die Höhe. Eigentlich hatte ich gedacht, die Ordner würden selbst ordnen. Aber nein, man muss alles selbst machen. Und seit man keine Sekretärinnen mehr hat, die alles einordnen und wieder hervorholen, wenn man es braucht, gibt es in den Büros eine riesige Sauordnung. Ich glaube, das schadet dem Zustand der Welt ziemlich. Die Ordner sind die Infrastruktur der Welt. Und heute geistern sie gar in digitaler Form durch die Lüfte. Da lobe ich mir die alten Walliser Strichlisten. Kennst du sie. Sie haben einen speziellen Namen, der mir jetzt aber nicht mehr in den Sinn kommt. Im Wallis, mit seinem sonnigen und trockenen Klima, müssen die Bauern ihre Rebberge und Wiesen künstlich bewässern. Dazu gibt es die Wasserleitungen (auch Suonen genannt). Und in alten Zeiten haben sie in den Dörfern die Wasserrechte auf Holzstücken eingekerbt. Da konnte man ablesen, dass die Familie Kuonen von Mitternacht bis vielleicht 2 Uhr das Recht hatte, das Wasser auf ihre Wiesen zu leiten. Wasserdiebstahl wurde schwer bestraft. Ich hatte im Gymnasium mindestens einen Kameraden (mindestens einen, von dem ich es weiss, wahrscheinlich gab es noch andere), der gelegentlich nachts wegen dieser Wässerung nicht ins Bett kam. Natürlich hatte er auch wenig Zeit für Hausaufgaben und war morgens müde wie nach einem ausgelassenen Fest. Diese künstliche Bewässerung habe ich dann wieder im Iran gesehen. In Damavand, in der Nähe des höchsten Berges, der so heisst, haben die Schwiegereltern ein Sommerhaus. Und dort oben hat man nachts die Leute gehört, wenn sie wässerten. Und morgens lag dann der ganze Acker gleich neben dem Haus unter einer Wasserlache.

Du siehst, Malou, meine Assoziationen rennen quer durch die Welt. Wir waren bei den hässlichen Ordnern. Man nennt sie hier auch Bundesordner. Keiner weiss, weshalb     "Bundes-"?