Foto: Chris
Liebe Malou
Ich habe soeben die Papiere geordnet, chronologisch geordnet, die nun einigermassen drei Ordner füllen. Na ja, die Chronologie ist noch nicht perfekt, aber einigermassen vorbereitet. Es haben ja nun leider nicht alle Papiere ein Datum.
Weisst du Malou, wenn ich so mit Ordnern hantiere, dann habe ich das Gefühl, ich sei in den falschen Job geraten. Schon der Anblick von Ordnern ist mir einigermassen ein Graus. Aber dass ich diese unansehnlichen Dinger auch noch selbst füllen und ordnen muss, das finde ich die Höhe. Eigentlich hatte ich gedacht, die Ordner würden selbst ordnen. Aber nein, man muss alles selbst machen. Und seit man keine Sekretärinnen mehr hat, die alles einordnen und wieder hervorholen, wenn man es braucht, gibt es in den Büros eine riesige Sauordnung. Ich glaube, das schadet dem Zustand der Welt ziemlich. Die Ordner sind die Infrastruktur der Welt. Und heute geistern sie gar in digitaler Form durch die Lüfte. Da lobe ich mir die alten Walliser Strichlisten. Kennst du sie. Sie haben einen speziellen Namen, der mir jetzt aber nicht mehr in den Sinn kommt. Im Wallis, mit seinem sonnigen und trockenen Klima, müssen die Bauern ihre Rebberge und Wiesen künstlich bewässern. Dazu gibt es die Wasserleitungen (auch Suonen genannt). Und in alten Zeiten haben sie in den Dörfern die Wasserrechte auf Holzstücken eingekerbt. Da konnte man ablesen, dass die Familie Kuonen von Mitternacht bis vielleicht 2 Uhr das Recht hatte, das Wasser auf ihre Wiesen zu leiten. Wasserdiebstahl wurde schwer bestraft. Ich hatte im Gymnasium mindestens einen Kameraden (mindestens einen, von dem ich es weiss, wahrscheinlich gab es noch andere), der gelegentlich nachts wegen dieser Wässerung nicht ins Bett kam. Natürlich hatte er auch wenig Zeit für Hausaufgaben und war morgens müde wie nach einem ausgelassenen Fest. Diese künstliche Bewässerung habe ich dann wieder im Iran gesehen. In Damavand, in der Nähe des höchsten Berges, der so heisst, haben die Schwiegereltern ein Sommerhaus. Und dort oben hat man nachts die Leute gehört, wenn sie wässerten. Und morgens lag dann der ganze Acker gleich neben dem Haus unter einer Wasserlache.
Du siehst, Malou, meine Assoziationen rennen quer durch die Welt. Wir waren bei den hässlichen Ordnern. Man nennt sie hier auch Bundesordner. Keiner weiss, weshalb "Bundes-"?
Ich habe soeben die Papiere geordnet, chronologisch geordnet, die nun einigermassen drei Ordner füllen. Na ja, die Chronologie ist noch nicht perfekt, aber einigermassen vorbereitet. Es haben ja nun leider nicht alle Papiere ein Datum.
Weisst du Malou, wenn ich so mit Ordnern hantiere, dann habe ich das Gefühl, ich sei in den falschen Job geraten. Schon der Anblick von Ordnern ist mir einigermassen ein Graus. Aber dass ich diese unansehnlichen Dinger auch noch selbst füllen und ordnen muss, das finde ich die Höhe. Eigentlich hatte ich gedacht, die Ordner würden selbst ordnen. Aber nein, man muss alles selbst machen. Und seit man keine Sekretärinnen mehr hat, die alles einordnen und wieder hervorholen, wenn man es braucht, gibt es in den Büros eine riesige Sauordnung. Ich glaube, das schadet dem Zustand der Welt ziemlich. Die Ordner sind die Infrastruktur der Welt. Und heute geistern sie gar in digitaler Form durch die Lüfte. Da lobe ich mir die alten Walliser Strichlisten. Kennst du sie. Sie haben einen speziellen Namen, der mir jetzt aber nicht mehr in den Sinn kommt. Im Wallis, mit seinem sonnigen und trockenen Klima, müssen die Bauern ihre Rebberge und Wiesen künstlich bewässern. Dazu gibt es die Wasserleitungen (auch Suonen genannt). Und in alten Zeiten haben sie in den Dörfern die Wasserrechte auf Holzstücken eingekerbt. Da konnte man ablesen, dass die Familie Kuonen von Mitternacht bis vielleicht 2 Uhr das Recht hatte, das Wasser auf ihre Wiesen zu leiten. Wasserdiebstahl wurde schwer bestraft. Ich hatte im Gymnasium mindestens einen Kameraden (mindestens einen, von dem ich es weiss, wahrscheinlich gab es noch andere), der gelegentlich nachts wegen dieser Wässerung nicht ins Bett kam. Natürlich hatte er auch wenig Zeit für Hausaufgaben und war morgens müde wie nach einem ausgelassenen Fest. Diese künstliche Bewässerung habe ich dann wieder im Iran gesehen. In Damavand, in der Nähe des höchsten Berges, der so heisst, haben die Schwiegereltern ein Sommerhaus. Und dort oben hat man nachts die Leute gehört, wenn sie wässerten. Und morgens lag dann der ganze Acker gleich neben dem Haus unter einer Wasserlache.
Du siehst, Malou, meine Assoziationen rennen quer durch die Welt. Wir waren bei den hässlichen Ordnern. Man nennt sie hier auch Bundesordner. Keiner weiss, weshalb "Bundes-"?

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