Liebe Malou
Wir werden also Dispute für und wider die Religion haben? Ich weiss, dass es schwierig ist. Religion ist wie eine liebe alte Heimat. Niemand lässt sich gerne daraus vertreiben. Man hat viele warme und angenehme Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugend. Bei wichtigen Lebensereignissen, Geburt, Erwachsenwerden, Weihnachten, Tod ist die Kirche mit dabei. Natürlich kann man Religion als Privatsache durchaus tolerieren. Aber viele wirklich gläubige Menschen können sie nicht nur als Privatsache belassen. Sie wollen andere überzeugen, dass sie selbst den richtigen Gott hätten. Ich habe das noch am Gymnasium erlebt. Ich glaube, in den ersten Jahren gab es schon noch Lehrer und Schüler, die bedauerten, dass wir Protestanten, im Speziellen ich als Schüler oder als Kollege, dereinst zur Hölle fahren müssten. Und weisst du, wie ich darauf reagierte? Ich hatte mit ihnen Mitleid, weil sie sich solche Sorgen um mich machten. Lustig nicht? Sorgen auf zwei Seiten um eigentlich gar nichts. Und gerade dies ist typisch für die Religion. Sie schafft überall Sorgen um nichts. Na ja "nichts" ist vielleicht ungenau formuliert. Sorgen ändern natürlich schon etwas an dieser Welt. Insofern sind sie nicht nichts. ...
Re:
Lieber...
Du schreibst "Religion ist wie eine liebe alte Heimat. Niemand lässt sich gerne daraus vertreiben." Das ist sicher nicht ganz falsch gedacht. Und ich bedaure alle jungen Menschen die heutzutage niemals etwas von dieser "lieben alten Heimat" erfahren.
Bei uns heisst es oft, das Kind soll selbst bestimmen, an was es glauben soll. Dann später, wenn es erwachsen ist. So wächst es, (ich denke es gilt der Mehrheit der Schweden), ganz ohne Religion auf. Leider oft auch ohne die religiösen Werte.
Religion ist Privatsache. Für mich ist es das immer gewesen. Ich war nie ein wehrloses Opfer des Religionunterrichtes. Und später an der Uni habe ich (mehr aus Spass) versucht die Priester mit meinen Gegenargumenten zu verärgern. Damals als ich Sekretärin des AC war. Nie würde ich auf den Gedanken kommen, dass ein Mensch mit anderer Religion schlechter wäre. Ich glaube an das Gute und ich glaube, dass es mehr gibt als das, was wir mit unserer begrenzten Ausrüstung wahrnehmen können. Wie könnte ich jemals gegen etwas argumentieren von dem ich nicht weiss wie es sich verhält?
Manchmal hast du mir den Eindruck gegeben, dass du von mir erwartest ich solle dich überzeugen von meinem Glauben. Wir haben anfangs ein wenig diskutiert.. und aus deinen spassigen Kommentaren habe ich angenommen, dass wir dieselbe Einstellung haben.
Also glaube ich auch jetzt nicht, dass du gegen Religion argumentieren würdest - nur gegen den Missbrauch von Religion.
Eigentlich wollte ich das alles wieder löschen.. weil ich nicht weiterschreiben kann jetzt. Aber ich schicke es ab, damit du noch heute was zum Nachmittagskaffee bekommst.
Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende.
Mit lieben Gs und Ks
Malou
