Ämne: osterninsicht
Liebe Malou
Ach, es ist kalt und unfreundlich, wie man es dem April nachsagt. Die ganze Stadt wirkt ziemlich trüb. Und nur die Bäume mit ihrem vorsichtig keimenden Grün deuten an, dass wir andere Zeiten erwarten können. Und von den Tauben ist nichts zu sehen, weit und breit. Wahrscheinlich liegen sie im Gartenhäuschen und drehen sich auf die andere Seite.
Heute habe ich erst um 8.00h angefangen. Ich weiss nicht weshalb, aber irgendwie hatte mein Wecker Mitleid mit mir und liess mich liegen. Vielleicht habe ich ihn ja auch kurz nach 6 wieder abgestellt, um mir zu überlegen, wie man das eigentlich schafft, um diese Zeit aus den warmen Federn zu steigen. Ich meine, da ist wirklich etwas mentale Kraft erforderlich, nicht wahr? Automatisch geht so was nicht. Ausgenommen vielleicht, du erwartest heute dein erstes Rendez-wous oder die Verleihung des Nobelpreises. Und das ist, wir wissen es, nicht jeden Tag zu erwarten. So bin ich erst durch die Helligkeit um halb Acht aufgewacht und habe mit Chronos, dem Gott der Zeit, gefeilscht, ob jetzt vielleicht 6.30h oder vielleicht gar schon 7.00h sein könnte. Unten hörte ich S, die sich in der Küche zu schaffen machte. Und da wusste ich, dass es kaum 6.30h sein konnte.
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Magst Du bei den Schokoladenosterhasen auch am liebsten die Ohren? Da ist am meisten Material dran, nicht wahr? Und bei den Eiern das Gelb, natürlich!
Ich wünsche Dir einen feinen Tag.
Mit lGuK
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Mittwoch, 31. März 2021
Ostern in Sicht
Freitag, 26. März 2021
Donnerstag, 18. März 2021
Samstag, 6. März 2021
Missgeschick
Liebe Marlena
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Ich erzähle Dir einen Witz:
Ein Mann stirbt
und kommt ans Tor des Himmels. Dort steht Petrus und ist einigermassen
erstaunt, dass dieser arme Kerl schon das Zeitliche gesegnet hat.
Petrus blättert in seinem dicken Buch und sieht sofort, dass hier ein
kleines Missgeschick geschehen ist, ein Betriebsunfall wie er in jeder
Werkstatt vorkommt.
Petrus entschuldigt sich beim vorzeitig Verstorbenen. "Es soll nie wieder vorkommen. Und auf Rechnung des Hauses hast Du einen Wunsch frei"
Der Tote überlegt lange und meint dann, eine direkte Strassenverbindung zwischen Europa und Amerika wäre natürlich schon schön, so eine interkontinentale Autobahn. Petrus hebt die Augenbrauen und gibt zu bedenken, dass das eine ziemlich unmögliche Vorstellung sei, es gibt keine Möglichkeit, die Strasse zu verankern, keine Fundamente. Und bei einem Sturm, wie er sich denn das vorstelle? Dieser Wunsch sei leider nicht zu erfüllen. Ob er denn nicht einen anderen Wunsch hätte?
Der Tote kratzt sich die Glatze und
denkt doppelt so lange nach. Schliesslich, nach einem langen Seufzer,
gibt er zu, dass er sich nach seinem Leben auf Erden eigentlich
eigentlich nur eines wünschte, nämlich die Frau in ihrem Wesen zu
verstehen.
Petrus, mit einer kleinen, fast unwirschen Bewegung: "Wie willst du sie, 6- oder 8spurig, deine Autobahn?".
*****
Willst Du meine Küsse in 6- oder in 8facher Ausführung? Im Doppelpack sozusagen.
Donnerstag, 4. März 2021
Re: Vorbild
Lieber ...,
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Ja, ich habe geahnt, dass du nach einem Vorbild suchst. Deswegen habe ich dir ja auch die Portraits von Vollard * geschickt. Dort konntest du gut sehen, wie verschieden ihn die Künstler gemalt haben.
Manet oder Monet. Ja, vielleicht haben sie sich einen Spass erlaubt. Ich hatte immer Probleme die Namen auseinanderzuhalten. Siehst du, nun hast du mich verleitet in Mark Harden's Archive zu gehen um mir nochmals die schönen impressionistischen Bilder anzusehen.
http://www.artchive.com/ftp_site.htm
Und du magst Soutine? Ich habe ihn nicht gekannt aber jetzt habe ich mir einige Bilder von ihm angesehen. Ich lege sie dir in Fotofolder. Na ja, schön???
Ich muss mich an die Arbeit machen. Es verlangt ein bisschen Selbstdisziplin um nicht einen solchen Tag in Freizeit zu verwandeln.
Ich grüsse dich lieb,
Mit G's und K's
Malou
*
Vollard gemalt von Bonnard, Picasso, Renoir und Cezanne
Montag, 1. März 2021
Gedanken über Maler
Ämne: montagmorgenistdieweltnochinordnung
Datum: den 15 mars 08:10
Liebe Malou
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Nächsten Montag werde ich meinen Vortrag im Club haben. Ich darf heute
nicht vergessen, einige kleine Dinge zu organisieren: ein Gestell für
den Projektor, Abstellfläche für den Computer, Verlängerungskabel, ein
Glas Wasser ;--)) Ich habe gestern nochmals ein bisschen reduziert. Im
Moment bin ich bei ca. 100 Bildern. Das ist immer noch enorm viel für 30
Minuten. Ich werde zusehen, dass ich noch bis ca. 60 bis 80
herunterkomme. Aber jedes Bild, das ich rausnehmen muss, tut mir leid.
Aber ich darf die alten Herren nicht bombardieren mit Bildern. Sie
brauchen Zeit und Führung. Nicht alle, aber viele von ihnen.
Gestern Abend im Bett habe ich nochmals versucht, Vollard eine Chance zu
geben. Er ist eine wirkliche Händlernatur, hat eine gute Empathie mit
den Leuten und versteht, mit ihnen umzugehen. Auf der anderen Seite hat
man den Eindruck, dass er sich über die Malerei kein Urteil erlaubt.
Weil er bloss kleine Erlebnisse und Begebenheiten aneinanderreiht, macht
mir das Büchlein nicht den Spass, den ich erwartet habe. Ausgenommen
vielleicht Degas Bemerkung über Manet, seine Bilder hätten die Farbe von
Backpflaumen. Das ist gut bemerkt, wenn man die ältesten Bilder Manets
im Auge hat. Später ist er dann ja ziemlich impressionistisch und luftig
geworden. Er ist ein gewandter Maler, Manet, und neben Monet einer der
grössten. Ich hatte mich früher immer gewundert, weshalb zwei so sehr
berühmte Menschen, die in einem ähnlichen Gebiet ausserordentliche Dinge
geleistet haben, auch gleich noch sosehr ähnliche Namen tragen mussten.
Und meine Antwort war: sie wollten uns ärgern! Die Namen hat sie
gezwungen, noch besser zu werden, damit man sie wirklich nicht zu
verwechseln droht. Es ist ungefähr dasselbe wie mit unseren
Töchtern: ... und ... ;--)
Ich kannte mich schon im Gymnasium ein bisschen unter Malern aus. Ich
erinnere mich, wie unser Lehrer für Kunstgeschichte, der ein sehr
spielerischer und intelligenter Geistlicher war, manchmal irgendwelche
Reproduktionen von Bildern mitbrachte. Damit wollte er von seinem
ordentlichen Programm ablenken. Und sein Programm war die Architektur
v.a. seit der Griechischen Antike. Die meisten Klassen sind mit ihm
nicht über die griechische Antike herausgekommen. Er war zugleich
Rektor, kam immer zu spät in die Stunden, oder suspendierte sie manchmal
ganz, weil er offenbar wichtigere Geschäfte ob hatte.
So hielt er uns also gelegentlich einfach diese Reproduktionen in
Postkartengrösse unter die Nase und sah zu, wer sich darin auskennt. Wir
Buben hatten damals im Wallis natürlich - weiss Gott - wichtigere Dinge
im Kopf als irgendwelche Ölgemälde vergangener Maler. Es war auch keine
besonders gescheite Idee, so zu tun, als ob es wichtig wäre, zu wissen,
von wem ein Bild stammt. Wichtiger wäre gewesen, es anzuschauen, zu
beschreiben, zu interpretieren, vielleicht daraus abzuleiten, aus
welcher Zeit es stammen könnte, was der Maler damit gemeint haben könnte
usw. . Na ja, Du siehst darin die Qualität des Unterrichtes, den wir
hatten. Aber die ganze Welt lief zu jenen Zeiten noch nicht so wild, wie
sie es heute zu tun scheint.
Und so ist mir gestern abend im Bett, um 22.30h oder später, wieder in
den Sinn gekommen, dass Du auch eine Varlinistin bist. Irgendwie suche
ich ein Vorbild für meine Porträtmalerei. Im Moment habe ich dafür
Varlin, Bacon und Soutine vor Augen. Soutine finde ich am schönsten.
Varlin war von ihm beeinflusst. Soutine hat eine wunderbare, tiefe
Farbpalette und seine Bilder geben den Eindruck einer reichen
Beständigkeit, auch wenn die Figuren ziemlich verzerrt sind. Ich glaube,
er war Jude in Paris und ein extrem armer Schlucker. Bacon wirst Du
kennen. Er war Autodidakt, Ire und Alkoholiker. Bei seinen Bildern
fallen grässliche Grundtöne auf: ein scharfes Orange, ein
nervenzersägendes Lila und so fort. Darin winden sich seine Figuren in
imaginären Vitrinen in einem grellen Scheinwerferlicht. Man hat gesagt,
er zeige damit die Abgründigkeit des modernen Menschen. Bacon war mit
Luzian Freud befreundet, einem Enkel des grossen Psychoanalytikers.
Dieser aber malte seine Porträts ziemlich naturalistisch und fleischig,
mit einer Offenherzigkeit, die etwas schockt und die vielleicht vor
allem Metzger und Fleischergesellen fasziniert. Und daneben ist noch
unser Varlin, dessen Porträts interessant sind, weil wir die Menschen
auch kennen oder kannten, die er gemalt hat.
Heute denke ich, ich müsse mir ungefähr schon eine Vorstellung eines
Bildes machen können, noch bevor ich mit Malen beginne. Früher hatte ich
jeweils einfach begonnen und zugesehen, was dabei herauskommt. Man kann
bei Porträts auch nicht zu sehr subjektiv vorgehen, denn die Menschen
wünschen, doch mindestens auf dem Bild einigermassen wieder erkannt zu
werden. Und Frauen wünschen, noch ein bisschen schöner dargestellt zu
werden, als sie schon im RL sind. Als Maler kann man sie eigentlich nur
beleidigen, es geht fast kein Weg daran vorbei.
„Mildes Frühlingswetter“ meldet das Radio soeben. Das ist gut.
Vielleicht hilft es mir, gerade noch an der Klippe der Grippe vorbei zu
kommen.
Ich wünsche Dir einen feinen Wochenanfang. Das habe ich zwar schon mal getan, aber trotzdem.
MlKuG
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