Donnerstag, 16. April 2020
Mittwoch, 15. April 2020
Armer Papst
Nov. 2004
"Dein Bild vom Petersplatz war wunderschön. Aber, der arme alte Papst. Wer hätte gedacht, dass dieser Mann so enden würde. Das Leben ist grausam."
Re:
Liebe Malou
Vielleicht ist das schlimmste an der Ansicht des Papas der Bildschirm.
Vielleicht hat der alte Mann immer noch undendliche Glücksgefühle, wenn er vor dem Petersdom vor aller Welt eine Messe feiern kann und wenn ihm links und rechts jede Handreichung geboten wird. Vielleicht fühlt sich das an, wie in dem Moment, da ein Greis seine alte Geliebte küsst.
Ach, ich weiss es nicht. Es gab in der Schweiz grosse Diskussionen, weil ein Theologe aus Basel gefordert hatte, der Papst sollte doch zurücktreten. Er hatte damit die halbe katholische Kirche schweizweit gegen sich aufgebracht und man warf ihm vor, ein Verräter zu sein. Zu Zeiten der Inquisition wäre er bestimmt geköpft worden.
Mir war lange nicht ganz klar, weshalb sein Vorschlag so schlimm sein sollte. Offenbar könnte ein Papst theoretisch zurücktreten. Aber wenn er das tut, dann ist das Papsttum bloss mehr ein Amt, und nicht sozusagen die Inkarnation der Stellvertretung Petri. Na, so ungefähr würde ich mir das vorstellen als Semi-Katholik.
Damals, als in der Schweiz soviel über diese Frage geredet worden war, gab es auch eine Fernsehdiskussion. Und ich war erstaunt, wie sehr die zwei jungen Leute (sie kamen aus der katholischen Innerschweiz, woher auch die Gardisten zu kommen pflegen) den Papst unterstützten und argumentierten, dass er der ganzen Welt zeige, wie das Alter eine Realität sei und wie man im Leben auch Leiden auf sich nehmen sollte. Sie haben den Papst unterstützt und nicht befürwortet, dass er zurücktrete.
Aber auf dem wunderbaren Petersplatz wirkt das alles halb so schlimm. Es sieht einfach alles grandios aus bei Sonnenschein und bei Menschenmassen aus der ganzen Welt. Es ist wirklich ein friedlicher Moment, hatte ich den Eindruck, natürlich eine Mischung zwischen Kultur und Folklore.
Was mir auch immer wieder ins Auge sticht, sind die grossen Bilder, die man oben an St. Peter aufgehängt hatte. Das ist für Protestanten vielleicht das Allerfremdeste. Dieser gewisse Personenkult bis hin zu Selig- oder Heiligsprechungen, das können die Reformierten nicht verstehen.
...
"Dein Bild vom Petersplatz war wunderschön. Aber, der arme alte Papst. Wer hätte gedacht, dass dieser Mann so enden würde. Das Leben ist grausam."
Re:
Liebe Malou
Vielleicht ist das schlimmste an der Ansicht des Papas der Bildschirm.
Vielleicht hat der alte Mann immer noch undendliche Glücksgefühle, wenn er vor dem Petersdom vor aller Welt eine Messe feiern kann und wenn ihm links und rechts jede Handreichung geboten wird. Vielleicht fühlt sich das an, wie in dem Moment, da ein Greis seine alte Geliebte küsst.
Ach, ich weiss es nicht. Es gab in der Schweiz grosse Diskussionen, weil ein Theologe aus Basel gefordert hatte, der Papst sollte doch zurücktreten. Er hatte damit die halbe katholische Kirche schweizweit gegen sich aufgebracht und man warf ihm vor, ein Verräter zu sein. Zu Zeiten der Inquisition wäre er bestimmt geköpft worden.
Mir war lange nicht ganz klar, weshalb sein Vorschlag so schlimm sein sollte. Offenbar könnte ein Papst theoretisch zurücktreten. Aber wenn er das tut, dann ist das Papsttum bloss mehr ein Amt, und nicht sozusagen die Inkarnation der Stellvertretung Petri. Na, so ungefähr würde ich mir das vorstellen als Semi-Katholik.
Damals, als in der Schweiz soviel über diese Frage geredet worden war, gab es auch eine Fernsehdiskussion. Und ich war erstaunt, wie sehr die zwei jungen Leute (sie kamen aus der katholischen Innerschweiz, woher auch die Gardisten zu kommen pflegen) den Papst unterstützten und argumentierten, dass er der ganzen Welt zeige, wie das Alter eine Realität sei und wie man im Leben auch Leiden auf sich nehmen sollte. Sie haben den Papst unterstützt und nicht befürwortet, dass er zurücktrete.
Aber auf dem wunderbaren Petersplatz wirkt das alles halb so schlimm. Es sieht einfach alles grandios aus bei Sonnenschein und bei Menschenmassen aus der ganzen Welt. Es ist wirklich ein friedlicher Moment, hatte ich den Eindruck, natürlich eine Mischung zwischen Kultur und Folklore.
Was mir auch immer wieder ins Auge sticht, sind die grossen Bilder, die man oben an St. Peter aufgehängt hatte. Das ist für Protestanten vielleicht das Allerfremdeste. Dieser gewisse Personenkult bis hin zu Selig- oder Heiligsprechungen, das können die Reformierten nicht verstehen.
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Die Engelsburg
Liebe Malou
Wenn es gelingt, schicke ich Dir noch ein Bild. Vielleicht mal eines der Engelsburg, jenem hässlichsten Bau Roms. Das runde Möbelstück ist zwar rund 2000 Jahre alt. Es hat als Fluchtburg für die Päpste gedient. Es gibt einen geschützten Gang vom Vatikan in diese alte Backsteinburg. Sie ist wirklich nicht hübsch.
MlG
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Dienstag, 14. April 2020
"farbenprächtige Internationalität"
Liebe Malou
Hier noch ein Bild, direkt aus dem Vatikan. Es heisst wohl "Die Farbigen" oder so ähnlich. Die beiden breiten afrikanischen Hintern haben mich dazu animiert, von diesem Winkel her zu knipsen. Ich finde, es gibt einen schönen Eindruck von einer farbenprächtigen Internationalität.
Eigentlich heissen die Gardisten gli svizzeri, und viele kommen aus dem Wallis oder aus anderen katholischen Teilen der Schweiz. Im Wallis sind Alt-Gardisten, die meist keine Ausbildung hatten und im fortgeschrittenen Alter, wenn sie aus Rom zurückgekehrt sind, auch keine Frau oder Familie. Aber wahrscheinlich hatten sie ein grosses Konto im Himmel.
Die Gardisten schaffen es, dass wir Schweizer, wenn wir den Vatikan besuchen, uns ein bisschen zuhause fühlen. Wir können sie nämlich in unserer Muttersprache um Rat und nach dem Weg fragen. Und meist haben auch sie Freude daran, und in ihren Reaktionen kannst du ein bisschen Heimweh nach den Schweizer Bergen feststellen. Es ist ja auch ziemlich öde, stundenlang am Tor Wache zu stehen. Und manchmal ist es auch ziemlich warm.
Die farbige Uniform tragen sie bloss sonntags. Ich glaube, sie ist ein Design aus der Hand Michelangelos: ziemlich unpraktisch, aber schön und imposant anzusehen.
Mlguk
...
Kunstwerk mit Gardist ;-)
Römer
Liebe Malou
Noch ein paar Fotos über die Römer. Man hat manchmal den Eindruck, man befinde sich in einem Dorf.
Der Maler war in einer kleinen Strasse in der Nähe des Campo dei Fiori beschäftigt. Er war kein grosser Künstler, aber sehr vertieft in sein Bild. Der andere ist ein Porträtist auf der Piazza Navona.
Das sind die Leute, die Touristen kopieren. Und man sollte nicht meinen, dass das allzu leicht sei. Er hat hinten zwei Müsterchen aufgehängt.
Dann haben wir Antonio, der während der Arbeitszeit telefoniert wie alle Italiener. Ich fand diesen Kontrast zwischen Plastikwelt und robustem Bauarbeiter ganz fotogen.
Und schliesslich Claudia auf ihrem Motorino. Sie sieht ganz keck aus und ist natürlich so beweglich, wie sonst niemand in der Stadt. Weder mit U-Bahn noch mit Bus kommt man so rasch vorwärts. Es gibt jede Menge dieser Motorinos, und sie kommen daher wie Hornissenschwärme.
Ecco Roma.
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Noch ein paar Fotos über die Römer. Man hat manchmal den Eindruck, man befinde sich in einem Dorf.
Der Maler war in einer kleinen Strasse in der Nähe des Campo dei Fiori beschäftigt. Er war kein grosser Künstler, aber sehr vertieft in sein Bild. Der andere ist ein Porträtist auf der Piazza Navona.
Das sind die Leute, die Touristen kopieren. Und man sollte nicht meinen, dass das allzu leicht sei. Er hat hinten zwei Müsterchen aufgehängt.
Dann haben wir Antonio, der während der Arbeitszeit telefoniert wie alle Italiener. Ich fand diesen Kontrast zwischen Plastikwelt und robustem Bauarbeiter ganz fotogen.
Und schliesslich Claudia auf ihrem Motorino. Sie sieht ganz keck aus und ist natürlich so beweglich, wie sonst niemand in der Stadt. Weder mit U-Bahn noch mit Bus kommt man so rasch vorwärts. Es gibt jede Menge dieser Motorinos, und sie kommen daher wie Hornissenschwärme.
Ecco Roma.
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Montag, 13. April 2020
Rom und Zürich
Liebe Malou
Ich glaube, ich schicke Dir wieder mal ein Römerbild. Hast Du den Stadtplan dabei, damit Du dann auch genauestens orientiert bist. Ich behaupte, in einer halben Stunde kann man das Zentrum Roms auf einem Plan kennenlernen, dass man sich dann schon ziemlich gut auskennt, sodass man kaum mehr verloren gehen kann. Und ich muss gestehen, dass ich mich nach einigen Tagen dort nach meinem Bild Zürichs orientiert habe. Ich würde sagen, dass Zürichs Zentrum ungefähr gleich gross sein muss. Die Via del Corso ist die Bahnhofstrasse. Die Universität liegt ungefähr im Raum der Stazione Termini, wo dahinter ja wirklich auch die Uni liegt. Der Vatikan wäre ungefähr der Uetliberg. Und das Forum Romanum stellt als eine Art Steinwüste den Zürichsee dar.
Aber ich habe diese Vorlage nicht bewusst genommen, sondern habe erst im Nachhinein bemerkt, dass es in meinem Kopf so abläuft. Schau mal dieses hübsche Foto.
![]() |
| Santi Luca e Martina |
(---)
Schön ist die Abendsonne auf dem Bild und der Kontrast der doch überaus vergänglichen und volatilen Ballone vor dem Hintergrund der Kirche, die ja schon fast sowas wie die Ewigkeit repräsentiert.
Freitag, 10. April 2020
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