Donnerstag, 24. Oktober 2019
26 September
den 26 september 08:01
Re:
Liebe Marlena
Nein, ich bin nicht nachsichtig mit Deiner Sprache. Sie ist einfach gut. Und auch, dass sie nicht bildhaft sei, stimmt keineswegs. Manchmal übersetzt Du schwedische Redensweisen. Auf jeden Fall finde ich ab und zu ganz blumige Ausdrücke, die ich gerne ins Deutsche übernehme. Beispielsweise die Rede von einem "dünnen Süpplein" habe ich längst adoptiert.
*
Und es freut mich, dass du jetzt auch Deine Salamiwurst hast. Das ist wirklich die Krönung der Zivilisation ;--) Nein, Spass beiseite, manchmal ist ein Stück Wurst nicht schlecht, obwohl S. findet, das sei mehr oder weniger die Dekadenz der Nahrung, wenn man sich überlegt, was alled in einer solchen Wurst "verwurstet" ist. Und das ist wahr, es ist bestimmt mehr drin, als wir alle glauben können. Ich persönlich mag am liebsten die Bratwürste. Sie sind hell und sind gewürzt mit Kräutern. Die schmecken gut und wenn man sie gebraten hat, denkt man, die Dinge, die drin sind, sind mindestens etwas gebacken worden. Aber dazu braucht es natürlich auch Senf. Deutschen Senf finde ich sehr gut.
*
Deine Wienreise scheint wirklich weit weg. Findest Du nicht, dass Du lange vorher anfangen musst zu planen, ich meine, über die Pläne reden, mit Wiener Freunden, mit Deinen Leuten und so fort? Nur so wird das Projekt langsam Formen annehmen. Aber ach, das ist nicht meine Sache, das zu sagen.
Aber in Sorrento war nie ein Treffen in Aussicht. Ich meine, ich habe mich nie in Gedanken damit beschäftigt, nach Sorrent zu fahren. Ich wusste nicht, wo das ist. Aber ich habe immer noch Deine Karte von dort. Sie ist so schön klassisch, wie man sie nicht mehr so oft findet. Aber weitere Bilder hast Du mir nie geschickt, weder von Sorrento, noch von Capri, noch in Axel Munthes Haus auf Anacapri. Offenbar hast Du mich ziemlich aussen vor gelassen. Nun, ich war ja mit der Postkarte glücklich. Es scheint in der Tat eine wundervolle Gegend zu sein.
*
Und im Januar unser Jubiläum? Wie sollen wir das feiern? Das ist schon bald ein goldenes, nicht wahr? In den schnelllebigen Mail-Verhältnissen sind 4 Jahre eine halbe Ewigkeit. Und man kann sich kaum vorstellen, wie sehr wir in dieser Zeit gealtert haben. Bestimmt sind wir in dieser Zeit sehr weise geworden. Vielleicht haben wir vor allem an unseren Kindern bemerkt, wie wir 4 Jahre hinter uns gebracht haben. Damals waren sie noch im Gymnasium, brav zuhause, und wir standen vor der Frage, wie lange sie abends in den Ausgang gehen dürften. Und heute sind sie mehr unterwegs als zuhause. An den Kindern bemerkt man den Lauf der Zeit am besten. Und sie selber, die Kinder, merken wohl kaum, wie schnell diese Zeit vergeht. Die Erwachsenen mit ihrem unspektakulären Alltagsleben erscheinen ihnnen ja immer gleich und alltäglich, monoton sozusagen. Bestimmt haben sie den Eindruck, die Welt bleibe ewig ungefähr so, wie sie ist. Mindestens war mein Eindruck damals so. Es gab nur ganz wenige Momente, in denen ich den Eindruck hatte, die Welt würde einen Sprung vorwärts machen. Wirklich nur ganz selten. Für mich war die Welt eine langsame alte Dame, die sich nur mit Mühe und keuchend vorwärts bewegt. Günter Grass würde sagen, sie sei eine Schnecke.
Wir müssen eine Idee suchen, wie wir das feiern können. Im tiefen Januar! Weshalb weisst Du das eigentlich so genau. Hast Du die ersten Mails immer noch gespeichert? Ich habe sie nur noch in vager Erinnerung. Bestimmt sehr vage. Aber wir hatten mal darüber gesprochen, deshalb sind sie vielleicht noch ein bisschen lebendiger im Gedächtnis. Ich weiss nur noch, dass ich von Deinem Namen Marlena irgendwie fasziniert war. Er war nicht völlig fremd, aber doch ein bisschen. Das versprach einen Aufbruch in fremde Horizonte. Dann war es wohl auch das Schwedische. Wir haben hier eine sehr positive Vorstellung von Schweden. Schweden ist für uns Schweizer wie die ältere Schwester. Und natürlich haben wir Männer noch aus der Jugend eine blühende Vorstellung von den Schwedinnen mit ihren langen Beinen und den unverschämt blonden Haaren. Sie müssen etwas Betörendes haben, wie die Syrenen bei Odysseus. Schweden, das ist irgendwie das Vorzimmer zum Paradies. Und schliesslich hast Du noch dieses Foto geschickt, das mich vollends eingenommen und angebunden hat. So, siehst Du, habe ich angedockt. Und als ich dann realisierte, dass ich es hier mit einer waschechten Studienrätin zu tun habe, habe ich auch gehofft, dass es irgendwie hinhalten könne. Nachhaltigkeit, heisst das in der Sprache der Grünen. Na ja, mit einer Sutdienrätin wird man doch bestimmt ein paar Themen finden, worüber man sprechen kann. Ecco, und so war es.
*
Vielleicht hast Du eine Idee, ein knapp goldenes Jubiläum zu feiern?
*
Heute ist wieder Mal Freitag und knapp vor Weekend. Ich habe noch nicht gepackt. Und am Samstag werden wir schon im späteren Vormittag abfahren. As Freund bringt uns nach Zürich, von wo wir fliegen. Ich bin gespannt, wie es dort in der Türkei sein wird. Hoffentlich ist nicht alles zu kommerziell. Das mag ich nicht so besonders. Es sollte noch einen lokalen Charakter haben.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
G&
...
--------
Ämne: Irdisch..
Datum: den 26 september 09:25
Lieber ...,
Doch, ich habe dir damals ein Bild geschickt, wo du mich im Haus von Axel Munthe sehen kannst... auf Anacapri. Ich weiss es noch, weil es das erste Foto war das nicht aus meiner Jugend stammte. Ich erinnere mich daran, weil deine Reaktion darauf etwas originell war. Damals hast du noch unter dem Einfluss schwedischer Sirenen gestanden. ;-)
*
Ja, ich kenne das mit der Wurst. Darfst es nicht zu oft sagen, denn ich möchte es manchmal vergessen. Auch K warnt mich davor. Aber ich denke ich werde wohl einmal in der Woche zu Lidl fahren um mir frisches Gemüse zu besorgen, solange sie nicht ihre Preise den unseren anpassen. Und gestern waren so wahnsinnig viel Leute dort, dass wir sicher einiges aus ihrem Sortiment verpasst haben. Was ich nicht verpasst habe waren alle früheren Schüler von unserer Schule, die sich in dieser Periode dort etwas extra Geld verdienen. Ein paar hat man direkt nach dem Abitur fest angestellt und eine sogar als Chefin, die sich mit der Ausbildung der anderen befassen soll. Ich fragte eine junge Frau, ob sie auch deutsches Brot hätten (leider nicht) und merkte dabei, dass auch sie aus Deutschland importiert war. Man kann das deutlich an der Aussprache hören. Ganz neben dem Kaufhaus liegt ein riesiges rundes Miethaus mit drei Wohnstöcken. Dort wohnen viele Immigranten, Asylsuchende u.a. Man sah viele davon unter den Kunden und ich dachte sie freuen sich sicher besonders denn sie werden ihre Lebensmittelkosten ziemlich verringern können und müssen ihre Waren auch nicht weit tragen.
*
Ach, armer Mausfreund, ich ziehe dich immer auf die Erde herunter aus deinen höheren Sfären. ;-) Ich hoffe du verzeihst es mir.
Heute hört man viel im Radio von der Büchermesse in Göteborg. Hast du dir den link angeschaut, den ich dir geschickt habe? Sicher sind auch Schweizer unter den Schriftstellern repräsentiert.
*
Anna hat mir eine Instruktion geschickt wie man den "Tiny Personal Firewall 5.0" auf seinem Computer installiert. Wir haben ihn schon seit langer Zeit hier, aber meine Kollegen möchten gerne einen Firewall installieren, der ihren Computer vor Eindringlingen bewahrt. Hast du auch einen an deinem PC zu Hause? Wenn nicht kann ich dir auch damit behilflich sein.
Wie heisst firewall auf deutsch?
*
Jetzt klärt sich der Himmel schon etwas auf. Herrlich, dass es Freitag ist.
Gerade kommt ein Rapport von den Gerichtsverhandlungen die gerade begonnen haben. Schon gestern hat die Polizei mit Champagner gefeiert, dass sie den Mord gelöst habe. Es ist traurig, dass Anna Lindh einem solchen Mann zum Opfer fallen musste. Göran Persson hat grosse Schwierigkeiten ihren Nachfolger zu bestimmen. Wer kann schon diese Frau ersetzen?
*
Du bist bestimmt schon in Gedanken bei deiner Reise. Ich glaube, dass ihr auch stille Oasen finden werdet, die noch nicht zu sehr vom Tourismus geprägt sind. Vielleicht könnt ihr ein Auto mieten und selbst etwas herumreisen in der Gegend. Und schön, dass du wieder mal mit den "Kindern" zusammen sein kannst. Es ist ein komisches Gefühl, sie nicht mehr zu Hause zu haben und doch ist es manchmal als hätte die ganze Zeit, wo man eine "Kinderfamilie" war, garnicht exisitiert. Kannst du das verstehen?
*
Ich lasse dich für jetzt. Komme vielleicht später heute noch einmal wieder.
Alles Gute wünsche ich dir,
G++
Marlena
--------
den 26 september 15:57
Irdisch..
Liebe Marlena
Ja, Du hast recht. Ich habe ein Bild von Dir. Ich wusste allerdings nicht mehr, dass das von Anacapri stammte. Ich habe es noch immer und schaue es mir vor dem Schlafengehen an. Du stehtst so vor einem Hauseingang. Du hast mir sogar zwei davon geschickt, wenn ich mich recht erinnere, einmal ganze Statur, das andere mal nur Brustbild. Na klar hab ich das noch. Und deshalb kannst Du auch davon ausgehen, dass die schwedischen Sirenen immer noch wirken.
*
Allerdings habe ich den Link nicht verfolgt, den Du geschickt hast. Ich habe einfach nicht soviel Zeit. Vielleicht ein andermal. Es sieht hier im Büro noch aus wie im Vorzimmer des Himmels. Ich sollte etwas aufräumen. Eigentlich hatte ich noch mit dem Samstag gerechnet. Aber der fällt jetzt ja wohl aus. Ich muss mich darum auch jetzt kurz halten.
Ich hoffe, Du hast eine gute Zeit. Wenn es im Hotel die Möglichkeit gibt, werde ich mal mailen. Sicherlich werden meine Töchter auch eine solche Gelegenheit suchen. Und wenn ich durchs warme Mittelmeerwasser wate, denke ich an Dich. Darauf kannst Du zählen.
Ich küsse Dich zum Abschied.
Mit lieben Grüssen
...
----------
Ämne: Bye, love!
Datum: den 26 september 17:32
Ach, was bist du lieb, mein lieber Maugeliebter. Ich bin gerade erst zu Hause gelandet
und ich hoffe dass du diesen kleinen Abschiedsgruss noch erhältst.
So wünsche ich dir eine gute Reise und einen wunderschönen Urlaub, mit Erholung,
Spannung und viel netter Unterhaltung.
Küsse dich zum Abschied
Marlena
25 September
den 25 september 07:25
Re: So ist es.
Liebe Marlena
Ja, das gäbe einen guten Comic ab, beim Koffer zu stehen und sich mit dem Beamten über das neue Pyjama zu wundern. Aber Comics sind ein wenig abhängig von Action. Wenn die Leute nur dastehen und innere Erlebnisse haben, so kann man das schlecht zeichnen. Ich mag am liebsten die Zeichnungen, die keine Worte mehr brauchen. Oder aber bloss eine kurze, lakonische Wortblase, aber nicht mehr.
In letzter Zeit habe ich eine Idee für ein Comic über den Papst im Kopf. Ich sehe, wie man den armen Mann vor einer jubilierenden Menge durch die Strassen führt. Es kann ja auch das Papamobil sein. Und gleich dahinter stösst ein tüchtiger Trupp von Kardinälen einen fahrbaren Spital, angeschrieben in grossen Lettern 'Ospedale', eine riesige Anlage auf kleinen Rädern. Und ein paar Ärzte und Krankenschwestern eilen mit den Transfusionen und den Fiebermessern hinterher. Na ja, ist ein bisschen hart für den alten Mann. Aber ein fahrbares Ospedale zu zeichnen, das reizte mich ein bisschen. Aber ich weiss noch nicht so genau, wie sowas aussieht.
*
Schön, mitte Woche hast du Deinen strengsten Tag, dann ist die Woche so gut wie vorbei, nicht wahr? Ist ein feines Gefühl, sich ab Mittwoch abend nur noch auf Zwetschgen, Garten und die schönen Dinge des Lebens konzentrieren zu können. Ja, vielleicht habe ich es gut, keine solche Haushaltpflichten zu haben. Aber ich glaube, es ist auch eine gute Sache, Dinge zu tun, bei denen man den Kopf frei hat für die stillen Gedanken. Das vermisse ich. Respektive ich weiss, dass ich bei solchen Tätigkeiten viele Gedanken haben könnte un dass sich dabei viele offene Fragen lösen könnten. Und zum Schluss hat man zwei Dinge auf einen Schlag: einerseits hat man die Arbeit beendet, und auf der anderen Seite hat man ein paar Ideen im Kopf oder einige Fragepunkte haben sich wie im Nichts gelöst. Im Militärdienst hatte ich oft ein solches Gefühl. Oder Spaziergänge haben oft diesen Effekt. Ich versuche, mich mit dieser Motivation ab und zu zu überzeugen, das Geschirr zu waschen oder kleine Dinge zu tun. Ich sage mir, sie sind ein Geschenk, ein Angebot des Lebens, mir ein paar Gedanken machen zu können. Wenn man bloss bequem herumsitzt, hat man keine neuen Ideen.
*
Jetzt habe ich noch eine Kaffeelänge Zeit für Dich. Nachher muss ich an meine Arbeit. Ich bin heute speziell früh ins Büro gefahren, damit ich das noch machen kann. Der Himmel wird langsam hell, und ich glaube, wir haben nochmals einen milden und schönen Herbsttag zu erwarten. Gestern hatte ich am Fernsehen ein paar Videoaufnahmen gesehen von der grossen Ueberschwemmung vor 10 Jahren in Brig. Hast Du davon gehört. Das war eine grosse Katastrophe, weil die Saltina, der kleine Bach, der vom Simplon herunterkommt, in Brig beim Hotel Couronne von einer Brücke etwas aufgestaut worden ist, und deshalb über das Ufer getreten war. Man hat noch nie solche Bilder gesehen in der Schweiz. Das ganze kleine Zentrum der Stadt war mit Geröll und Steinen überflutet, fast bis zu den Fenstern des 1. Stockes reichte dieses Gelage. Und die ganze Schweiz hat in Solidarität mitgeholfen und Geld gesammelt. Heute hat Brig ein autofreies Zentrum und viel an Freundlichkeit gewonnen. Im Radio hatte man Leute interviewt, die ich gut kenne. Etwa Cäsar Jäger, ein Mitglied des Krisenstabes, den ich gut aus dem Militär kenne. Ich habe einige Dienste mit ihm gemacht und ihn als umtriebigen und aktiven Typen kennengelernt, sehr gutwillig und hilfsbereit. Oder den Chef der Freuerwehr, der aus Visp kommt und dort in jungen Jahren dieses hübsche Mädchen geschwängert hatte, das er später nicht heiraten wollte, dieser kleine Skandal, der damals eben ein grosser war. Man merkt, wenn man Gespräch mit Leuten aus dem Wallis hört, dass die Menschen dort deutlicher an eine höhere Macht glauben als hier. Sie sind natürlich den Bergen mit ihren eigenen Gesetzen, mit Gefahren und Witterungen bis zu einem gewissen Grad ausgeliefert. Das macht es vielleicht? Jedenfalls hat Frau Gemmet, die Chefin des Hotels Du Pont, so geredet. Und es hat mich berührt, weil ich darin die alte Mentalität wiederfand, die ich von meiner Jugend her kenne. Natürlich tut der Dialekt seinen Teil dazu. Die Leute in Brig haben eine solch charakteristische Sprache, wie sonst kaum irgendwo in der Schweiz. Und es gibt Redewendungen, sprachliche Gesten, die Art, eine Verlegenheit zu überbrücken: sie gehen tief in meine Erinnerungen.
*
Meine Kaffeetasse ist halb leer, dh. noch halb voll! Du kennst diese metaphorische Redeweise über Optimisten oder Pessimisten. Das Glas ist für einen Optimisten halb voll, für einen Pessimisten halb leer. Und weisst Du, was ich sage? Kommt drauf an, was im Glas ist. Ist es ein Schierlingsbecher oder ein Glass goldgelben Malvoisiers. Das ist die grosse Frage. Das meint doch, es gibt rund um jede Frage Fragen höherer Ordnung. Wenn man Richtung Basel vorwärts geht, sich dabei aber im Eisenbahnzug nach Olten befindet, wird man eben doch nicht in Basel, sondern hinten im Perron von Olten ankommen. Die höhere Frage schlägt die untere. Ist eine Frage der Mächtigkeit. Oder andersherum gesagt: wenn man auf dem falschen Weg geht, ist es besser, man ist nicht zu wirksam und nicht zu schnell im Schritt. Aber das sind vielleicht doch bloss kleine Sophistereien, nicht wahr?
*
Zu meinem letzten Schluck wünsche ich Dir einen schönen Tag. Es it jetzt ziemlich hell geworden, auf jeden Tag sieht man schon den Taubenschwarm, der um den Kirchturm kreist. Nein, es ist nicht richtig, sie kreisen vor dem Turm. Woran sie sich bloss halten? Manchmal machen sie auch eine liegende Acht. Die Natur ist eine wunderbare Angelegenheit!
Mit lieben Grüssen
...
--------
Ämne: Papst, Vögel und Liebe u.a.
Datum: den 25 september 08:46
Lieber ...,
Danke für dein frühes schönes Kaffee-mail. Hat prima geschmeckt. Auch hier sieht es aus ein ziemlich schöner Herbsttag zu werden. Draussen leuchtet alles noch ganz grün und das Thermometer zeigt 12 grad. Gestern früh war es nur 2.
Es ist lustig dass du gerade jetzt vom Papst schreibst. Ich habe nämlich heute morgen im Bett ein langes Interview gehört mit meinem damaligen Studentenpater Lars Rooth, SJ. Er sprach über die Gesundheit (oder sollte man sagen die Krankheit) des Papstes, der es jetzt, neben allen schon bekannten Leiden, auch mit dem Magen zu tun hat. Ich glaube er ist dem Ende Nahe. Aber nach Pater R. hat er einen starken Willen und ein ungebrochenes Intellekt. Nur sein Körper will nicht mehr. Und da er sich nicht nur von Kardinälen, sondern von Gott selbst ausgewählt meint, will er eben nicht dieses Vertrauen brechen.
Pater Rooth, der viele Jahre im Vatinkanradio gearbeitet hat war sich sehr ähnlich. Seine Stimme klang etwas älter aber seine Art zu sprechen war dieselbe. Du erinnerst dich vielleicht, dass er der Sohn eines früheren Reichsbankschefs ist und der erste schwedische Jesuit seit der Reformation. Damals sah ich ihn als einen unbeschwerten jungen Mann mit viel Humor. Und ich werde nie vergessen, die Rauchringe, die während eines seriösen Vortrages, plötzlich über den Tisch schwebten. Ich dachte manchmal: Wäre er nicht Priester geworden dann hätte er sich wohl gut als Playboy gemacht. Das sollte er hören! ;-))
*
Gerade hat mich M angerufen. Gestern abend, hat sie zum ersten Mal ihre grosse Jugendliebe wiedergesehen. Vor einigen Wochen hat er sie plötzlich angerufen und gestern hatte sie ihn zu sich eingeladen und nun ist sie verliebt, wie ein kleiner Teenager. Ich gönne es ihr und freue mich mit ihr. Es ist langweilig, ohne Liebe zu leben. :-) Wir haben uns verabredet für heute Nachmittag und werden zusammen zu Lidl fahren um uns ihr Sortiment anzusehen.
*
Du liebst deine Tauben. Ich kann nicht dasselbe sagen von den Elstern und Dohlen, die hier täglich in grossen Scharen vorbeiziehen und manchmal auch Halt machen. Früher mochte ich die Elstern, aber seitdem ich sie erwischt habe, wie sie die kleinen Vöglein aus dem Nistkasten gezogen haben, war es aus mit meiner Liebe. Aber die kleinen Vöglein freuen mich immer. Im Moment sitzt eine kleine Blaumeise hier am Fenster. Ich vermisse meine Wellensittiche sehr, wenn ich sie sehe. Und wenn ich im Kaufhaus das Regal mit dem Vogelfutter sehe möchte ich instinktiv hingehen und solches kaufen.
Vielleicht schaffe ich mir doch noch ein paar neue an. Nur tut es eben weh, wenn sie sterben. Das hält mich am meisten davon ab.
*
Die Polizei glaubt nun fest, dass sie den richtigen Mörder von Anna Lindh erwischt haben. Er hat sich nach der Tat sofort das Haar schneiden lassen und (dem Gerücht nach) hat er auch um psychiatrische Hilfe gebeten, ist aber abgewiesen worden. Na ja, das kann von den Zeitungen erfunden sein. Jedenfalls hat er einmal seinen Vater mit einem Messer überfallen und ernstlich verletzt. Die Polizei ist sehr verschwiegen. Man kann sie verstehen, wenn man bedenkt, wie sie den vorigen in der Presse ausgehängt haben. Schon hat eine heftige Diskussion über die Gesetzte der Pressefreiheit und über die Ethik der Medien begonnen.
*
Jetzt fliegt hier eine ganze Menge von kleinen Kohlmeisen und Blaumeisen herum. Gerade sass eine auf der Rose, die fast zum Fenster hereinragt. Sie sind fleissig in ihrem Sammeln von kleinem Ungeziefer und jeder Garten sollte sich glücklich schätzen über ihre Anwesenheit.
*
Jetzt beginne ich erst richtig aufzuwachen und ich werde mich gleich an die Arbeit machen.
Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag,
Marlena
Weisst du, so unbehindert und schnell wie jetzt habe ich früher nie deutsch geschrieben. Du bist ein ausgezeichneter Lehrer. :-)
---------
den 25 september 14:04
Re: echte Liebe oder bloss Libl
Liebe Marlena
Das freut mich, dass Dein Deutsch hervorsprudelt wie Seltzer-Wasser. Ich habe mir Dich nie anders vorgestellt als flüssig deutsch schreibend. Wirklich nie. Stets musste ich mich warnen, dass ich vielleicht doch ein bisschen viel von Dir erwarte, seitenlange Mails in deutsch. Aber auch Deine Bemerkung anfangs, dass Du Mails schreibst, indem Du das Wörterbuch auf den Knien blätterst, habe ich nicht sonderlich ernst genommen. Und als ich Dich dann am Telefon gehört habe, musste ich mir recht geben. Dein Deutsch klingt wie von einer Deutschen. Es war so klar und deutlich gesprochen, dass ich nur staunen konnte. Es hörte sich wirklich sehr schön und bestimmt an, und überhaupt nicht so, wie Fremdsprachler sich meist vage ausdrücken.
*
Der Morgen ist geworden, wie er sich angekündigt hat. Blauer Himmel, warmer Sonnenschein, also so, wie man sich die Herbsttage wünscht. Ich war in Basel, sollte nachmittags eigentlich nach Luzern. Aber das tue ich nicht. Ich muss einige Arbeiten hier beenden, und dann gehe ich heim und mache mir einen schönen Abend. Unser Weekly fällt aus, weil Walter eine Sitzung hat. Das ist doch alles ideal so. In Basel habe ich ein paar Komplimente bekommen für die Zeichnung einer Gratulationskarte. Eine Mitarbeiterin erwartet ein Kind, und der Chef dort hatte mich gebeten, doch eine Zeichnung zu machen. Sie wollten ihr und ihrem Mann ein Nachtessen offerieren. Und die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden als Baby Sitter auf das Baby aufpassen. Ich habe versucht, die Leute darzustellen, wie sie auf einer Matratze einen kleinen Säugling in die Höhe heben. Und jetzt sind sie dran, zu raten, wer denn wer sei auf der Zeichnung. Ich sollte in der Tat vorsichtig sein mit solchen Zeichnungen. Man verärgert damit bloss für Jahrzehnte jede Menge von Leuten.
*
Morgen werde ich mit T.H. essen gehen. Er ist der Vater jenes Typen, der mir in NY das Zimmer vermietet hat. Er möchte natürlich wissen, wie es dort drüben bei den Amis läuft und welche Erfahrungen ich gemacht habe. Er diskutiert fürs Leben gern, und er hat viele und internationale Kontakte. Es ist jetzt seit 5 Jahren in Pension und reist seither in der ganzen Welt herum, immer bei Bekannten oder Freunden wohnend. Und er hat sich auf Reiseführungen in den fernen Osten spezialisiert. Bestimmt habe ich Dir schon von ihm erzählt.
Er und seine Frau machen sich etwas Sorgen um ihren Sohn und die Schwiegertochter, weil beide arbeitslos sind. Als ich drüben war, habe ich ihnen ein paar Mails geschrieben und sie beruhigt, dass es ihren Kleinen sehr gut gehe. Nun, das Leben in den USA ist schon ein bisschen härter als bei uns. Und wenn man in die Jahre kommt, sollte man sein Scherflein auf der hohen Kante haben. Und das glaube ich nicht, dass er es hat. Er ist jetzt 40. Auch eine neue Stelle zu finden, wird nicht leichter mit dem Alter. Na ja, es ist nicht meine Sorge, aber ich weiss auch nicht genau, ob ich den Vater warnen soll oder beruhigen. Ich glaube, ich halte mich eher zurück.
*
Momentan habe ich Lust auf etwas Süsses. Soll ich jetzt Liebe oder Lidl suchen? Früher hätte ich eine Zigarette geraucht, oder eine Pfeife. Aber mit dem Alter weiss man gar nicht mehr, was man tun sollte. Nur noch sugarless Chewing-Gum kommt mir in den Sinn! Und das ist wirklich nicht ein Lebenshöhepunkt.
*
Hast Du Deine Wien-Reise schon näher geplant. Ich wette, Du hast es nicht getan. Aber vielleicht hast Du schon mal Deine Bekannten dort drüben vorgewarnt, dass Du mal anreisen könntest. Du musst mich früh genug informieren, damit ich Dich einhole. Dann werden wir im Prater auf dem Riesenrad in den Himmel steigen (und natürlich auf der anderen Seite wieder runter), und wir werden uns 'fesch' finden und Kaffee mit Schlagobers geniessen über der Kronenzeitung. Und im Sacher würden wir Torte schlecken. Ach ja, ich glaube, die Wiener wären schon in Ordnung. Sie haben von allen Europäern am meisten orientalischen Einschlag. Vielleicht ein bisschen ähnlich wie die Ungarn. Und sie haben - nicht zu vergessen - ein solides jahrhundertealtes Unbewusstes, mit dem man ausgesuchte Sprachspiele spielen kann. Am Institut in Zürich, wo ich Familien- und Ehetherapie Ausbildung gemacht hatte, gab es einen Arzt aus Wien. Er war sehr gemütlich. Und er hiess Hofmann, wenn ich mich nicht täusche. Ich kann mich noch an die Situation erinnern, als er erzählt hatte, weshalb und wie er Therapeut geworden sei. Er sei mal an einem Sonntag im Prater gewesen. Dort hätte es aus dem Krieg viele Bombentrichter gehabt, die mit Regenwasser gefüllt waren. Plötzlich sei jemand in ein solches Loch gefallen. Und er sei am Rand gestanden und habe hilflos zugeschaut, Mut zugerufen und gute Ratschläge gegeben. Auf jeden Fall habe sich die Person retten können. Und er hätte da ja wohl eine therapeutische Rolle gespielt: am Rand hilflos fuchtelnd und selbst nicht wissend, was eigentlich das Richtige zu tun sei.
Das hat mir einigermassen eingeleuchtet.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen
...
--------
Ämne: So billig!
Datum: den 25 september 22:43
Lieber ...,
Ich freue mich über deine Komplimente für mein Deutsch. Und doch fühle ich, dass es nicht perfekt ist. In einer Fremdsprache kann man sich eben nicht 100%-ig ausdrücken, wie man will. Die Bildsprache fehlt einem. Ich merke es oft, wenn ich statt des Ausruckes, den ich auf schwedisch gewählt hätte, und der meiner Meinung nach genau sagt was ich fühle, auf eine ziemlich heimgemachte Sprache angewiesen bin. Nun ja, du hast dich schon daran gewöhnt und du bist sehr nachsichtig.
*
Hatte ich dir gesagt, dass ich mich von M verleiten liess, schon heute zu Lidl zu fahren? Also habe ich sie nach der Arbeit bei ihr zu Hause abgeholt und wir sind hingefahren. Oh Gott! Es gab fast keinen Platz für das Auto und das Geschäft war so voll, dass man an niemanden vorbeigehen konnte. Ich habe festgestellt, das vor allem das Gemüse und Obst unglaublich billig waren im Verhältnis zu unseren Preisen. Z.B rote Paprika kostet kaum 15:- Skr/kilo. Ich habe sie neulich in unserem Geschäft für 48:-/kg gesehen. Blumenkohl kostet jetzt 25:-/kg in unseren Geschäften und bei Lidl 9.90/kg. Du siehst, der Unterschied ist riesig. Und ich kam mit einer grossen Tasche voll von Waren heraus, die mich unter 100:- Skr gekostet haben. (Also cirka 12 Dollar) Darunter gab es u.a. Salamiwurst, eine Schachtel Cognacgefüllte pralinen, Milch, Yoghurt, Apfelsinenjuice, Vichywasser (6 x 1½ liter) und wie gesagt viel Gemüse. Ich sag nur, arme Händler in der Gegend. Sie haben harte Konkurrenz bekommen.
Später bin ich noch zu einem kleinen Nachmittagskaffee zu M gegangen. Sie hatte ein starkes Bedürfnis über ihre Liebe zu sprechen und ich habe ihr gern zugehört. Ich glaube es hat sie wirklich hart erwischt.. vielleicht auch ihn. Ich habe nie in meinem Leben mit weder Frauen noch Männern über private Dinge in Fragen Liebe gesprochen - und auch hier nicht. Ich wundere mich immer, wenn ich höre, dass sich Leute intime Dinge erzählen und denke dabei, das kann nicht möglich sein. Dagegen höre ich gern wie gut und schön sie diesen Mann sieht und wie sie geradezu strahlt vor Glück. Ach, Liebe ist wirklich eine schöne Kraft, die Menschen aufblühen lässt.
Sie hatte einen ganz wunderbaren Kuchen gebacken und vorher haben wir ein Lachstoast gegessen. Sie hat, wie du schon weisst, auch eine Katze. Schon das macht, dass ich gern eine Weile aus meinem Schema ausbreche und hingehe.
*
Lache gerade über ein Mail von einem früheren Kollegen, der sehr verbal ist. Im Moment mehr herbal als verbal, wie er selbst meint. Geht im Wald herum und zeichnet vorhistorische Stätten auf die noch niemand gesehen hat und ist gerade dabei in seinem Garten grünes auszurotten, was aus der Komposterde hervorgewachsen ist. Manches hat Blätter wie Entenfüsse anderes wie Heringkiemen. Und dabei hat er auch unverhofft eine Hanfpflanze entdeckt, aus der er sich nun, weil er seine Pfeife aus der Raucherzeit weggeworfen hat, einen Joint rollen wird mit einer Seite aus seinem "Psalmbuch" (Buch mit Kirchenliedern). Ich denke das wird himmlisch schmecken. ;-))
*
In Göteborg findet im Augenblick eine grosse Buchmesse statt und viele meiner Kollegen, besonders diejenigen, die in schwedisch unterrichten, sind heute dort. Ich beneide sie ein wenig darum. Viele Schriftsteller kann man auch dort sehen und hören. Gudrun wird mir wohl morgen davon berichten.
Hier kannst du ein wenig darüber lesen (auf englisch)
http://www.bok-bibliotek.se/indexeng.htm
*
Nein, ich habe noch nicht konkret an eine Wienreise gedacht. Und auch nicht davon gesprochen mit meinen Freunden dort. Während des Schuljahres habe ich sowieso nicht die Möglichkeit dorthin zu fahren. Und wenn ich mal fahre, dann will ich es richtig erleben und etwas länger dort sein. Aber wie du es so beschreibst, klingt es sehr verlockend. Ich wage garnicht daran zu denken. Damals in Sorrento war ich noch mutig und hätte dich gern gesehen.. aber mit der Zeit bin ich etwas ängstlich geworden.
Weisst du, dass wir im Januar 4-jähriges Mailjubiläum feiern? Es ist kaum zu glauben! Ich denke, wir haben einander in dieser Zeit mehr gesagt als man sich normal in einer langen Ehe erzählt. Es ist schön, dich als Gesprächspartner zu haben. Und wie gesagt, das Schreiben wird immer leichter.
Hast du das Babybild, von dem du mir erzählt hast gescannert? Ich würde es sehr gern sehen. Ich frage mich, was ich eigentlich mit den Bildern gemacht habe, die ich in Sorrento und auf Capri fotografiert habe. Kann sie nicht mehr am PC finden. Hast du noch eins davon? Das in Axel Munthes Haus auf Anacapri? Oder hast du sie auch verloren?
*
Im Fernsehen läuft wieder ein "Dokument utifrån". Diesmal geht es um eine Zelle von einer Terroristengruppe, die mit Al Quaida liiert ist. Ein algerischer Journalist hat sie infiltriert und zeigt wie es dort zugeht. Ich werde es mir gleich ansehen.
Jetzt ist man ganz sicher, den Mörder von Anna Lind gefasst zu haben. Und es handelt sich natürlich um einen psychisch kranken, wie erwartet. Doch wurde er nie als so gefährlich betrachtet, dass man ihn einsperren musste. Es gehen viele ähnliche herum in unserer Gesellschaft.
*
Nun lasse ich dich wieder, mein lieber Mausfreund. Ich wünsche dir einen schönen Tag morgen.
G+K,
Marlena
Mittwoch, 23. Oktober 2019
24 September
den 24 september 07:49
Re: So, so..
Liebe Marlena
Eben ist mir ein halbes Mail davongeschwommen!
Und dabei habe ich nichts Spezielles gemacht. Es ist ärgerlich. Vielleicht sollte ich mich wieder dran gewöhnen, erst auf ein W Dokument zu schreiben, um es dann ins Mail hineinzukopieren.
*
Ich hatte mich im Mail bereit erklärt, Dir Deine Viktoria Pflaumen zu pflücken, oder auch vom Boden aufzuheben. Ich mag Zwetschgen wirklich. Sie müssen aber noch etwas hart und knackig sein. Zu weich, das ist nicht meine Sache. Diese würde ich für einen Früchtekuchen vorschlagen. Dabei kann man den Saft entweder verdunsten, oder aber mit Nussmehl aufsaugen lassen. Bestimmt habe ich Dir schon mehrmals erzählt von unseren Pflaumen im Visper Garten. Oder jene erstklassige Sorte im grossen Garten in Olten. Ich glaube, jenes waren die besten, die ich je gegessen hatte. Und dabei waren sie auch riesengross. Und - nebeibei gesagt - hatte ich in NY einmal, auf dem Markt in Union Square, unter vielen Früchten ein halbes Kilo Zwetschgen gekauft. Sie waren recht gross, und lang. Sie liefen auf beiden Enden geradezu spitz zu. Ich glaube, diese Form hat mir gefallen und mich verführt, sie zu kaufen. Sie machten mir einen sehr robusten Eindruck. Und sie schmeckten gut, obwohl sie am Anfang fast noch etwas zu grün waren.
*
Ihr habt den Black out überstanden? Als ich davon im Fernsehen hörte, habe ich gedacht, ihr wolltet die Amerikaner imitieren, damit sie sich wegen ihres alten Systems nicht zu sehr genierten. Ich nehme an, dass es in 9 Monaten auf den Strassen überall kleine Schwedinnen und Schweden in Babywagen zu sehen geben wird. Vielleicht war es eine Aktion der Regierung gegen die demographische Überalterung? Irgendwas muss man doch unternehmen, damit die Grossmamis und -papis nicht überhand nehmen. Die Leute sehen an ihren Fernsehapparaten soviel Sex, dass sie ihn für sich geradezu vergessen.
*
'Fesch' ist ein süddeutscher Ausdruck, vielleicht münchnerisch, und oesterreichisch. In der Schweiz nennt man eine Person attraktiv, gutaussehend ... oder ähnlich. Du siehst, wir haben keine wirklich lokalen Ausdrücke. Nur im Wallis gäbe es einige davon. Aber die versteht man hier kaum. Sie sind dort oft auch vom Französischen beeinflusst. Man spricht beispielsweise von einem 'superben' Jungen. Auch einen Mann könnte man so nennen. Eine Frau würde man 'hübsch', 'flott' oder ähnlich bezeichnen.
*
Die Woche geht vorwärts wie wild. Schon bald werden wir abfliegen. Ich habe mir vorgenommen, dieses mal selbst zu packen. Dann weiss ich auch, was ich mithabe. Und man muss sich die Ferien etwas vorstellen im Geist, wenn man packt. Das ist eigentlich ein schönes Vorspiel, welches man sich nicht entgehen lassen sollte. Auf meiner Reise nach Amerika habe ich erstmals in meinen Koffer geschaut, als sie mich in Zürich Kloten kontrolliert haben. Der Kerl hat sich zwar Mühe gegeben, aber dennoch eine Unordnung gemacht. Es ist ein komisches Gefühl, wenn fremde Leue in der eigenen Wäsche herumhantieren, nicht wahr?
*
Heute ist der Himmel etwas heller. Eine leichte Bewölkung liegt wie ein dünner Vorhang dort oben. Aber die Sonne wird schon hindurch gelangen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
---------
Ämne: Geschwind
Datum: den 24 september 13:24
Lieber ...,
Ach, wie seid ihr schnell in eurer Presse. Gerade habe ich im Radio von der Freilassung des bisher Verdächtigten erfahren und schon steht es in der NZZ. Félicitation!
Man hat einen neuen festgenommen der unter stärkerem Verdacht steht. Dem Ton nach, scheint die Polizei nun ziemlich sicher zu sein, den richtigen gefunden zu haben, obwohl sie mit Worten nicht diese Ansicht ausdrücken wollen bevor sie noch mehr wissen.
Ach, du verschwindest bald :-( Wann fährst du genau? und wie lange muss ich es ohne dich aushalten? Schwere Zeiten für Mausfreunde.
Das nur schnell jetzt. Ich muss zurück an den Arbeitsplatz.
Mit einem lieben sonnigen Gruss,
Marlena
----------
den 24 september 15:59
Re: Geschwind
Liebe Marlena
Ja, die NZZ ist wiriklich erste Klasse. Sie hat doch vor nicht zu langer Zeit einen Preis als zweitbeste zeitung weltweit erhalten, gleich hinter der New York Times. Und wenn ich zur Abwechslung mal die Weltwoche lese, eine Zeitung, die ich als Gymnasiast gerne gelesen hatte, dann kommt mir das alles vor wie ein dünnes Süpplein (wie Du sagen würdest). Natürlich muss man bei der NZZ aufpassen, weil sie doch ziemlich konservativ und wirtschaftsfreundlich ist. Aber ich bin eben in einem Alter, da man ziemlich 'konservativ und wirtschaftsfreundlich' ist.
*
Ich kann Euch nur raten, dass ihr den Täter gefunden habt. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung.
*
Ja, ich glaube, wir fahren am Samstag Abend. Und ich habe mir vorgenommen, dieses Mal selbst zu packen. Dann weiss ich, wieviele Socken ich mithabe. Na ja, neben den Socken noch die anderen Dinge. In NY war ich nicht sicher, was mir S. alles eingebackt hat. Und als sie mich in Kloten kontrollierte, habe ich zum ersten mal hineingesehen. ich war ebenso neugierig wie der Agent von Continental Airways.
*
Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich im Hotel ab und zu an den Computer gehen. Na ja, ich muss doch unser ABBaby beobachten. Und ich hoffe doch sehr, dass Du es in der Zeit nicht fallen lässt.
*
Hier ist es kühl geworden. Man denkt jetzt an heisse Marroni und diese Art von nahrhaften Dingen, die man gerne essen würde. Kennt Ihr das im Norden diese gebratenen Kastanien, die gut und süsslich schmecken? Sie sind herrlich, auf der Strasse zu essen. Und im Restaurants gibt es Vermisselles, das zu Würmern gepresste Kastanien-Puree. Ich glaube, ich muss gleich eines kaufen.
*
Ich wünsche Dir einen schönen ABend.
Mit lieben Grüssen
...
--------
Ämne: So ist es.
Datum: den 24 september 17:54
Lieber ...,
Endlich ist der Mittwoch vorüber, d.h. mein strengster Arbeitstag, und ich kann mich ausruhen und es etwas locker nehmen.
Ja wirklich, die NZZ ist eine sehr gute Zeitung. Die Welt ist manchmal sprachlich etwas leichter und mehr unseren Abendzeitung (wie sie früher hiessen), ähnlich. Jetzt kann man sie online lesen schon am frühen morgen. Man muss nur etwas kritisch sein dabei und nicht alles für wahr nehmen.
Weisst du, ich muss lachen wenn ich dich vor mir sehe, wie du neben dem Zollkontrollanten mit grossem Interesse den Inahlt deines Koffers studierst. Hast du dann nicht auch "oh" und "ach" und "nein, sowas?" gesagt?
Man müsste es in einer Comics-serie zeigen. Und viele Männer würden sich in dieser Situation erkennen und darüber freuen.
*
Ach, wie schön dass du manchmal an den PC gehen kannst. Dann kann ich dir auch in dieser Zeit schreiben. Ich denke du wirst wohl kaum Zeit haben längere Mails zu senden aber vielleicht doch ab und zu ein kleines Lebenszeichen. Darauf freue ich mich. Und du kannt mich nicht die ganze Zeit mit dem kleinen allein lassen. Er braucht dich doch auch. Hast du wieder gekauft, da du dich interessierst?
Hier sehe ich gerade:
+/- Köp Sälj Aktie
+0.4 46.5 46.6 ABB Ltd
Ich hätte kaum was verdient, wenn ich verkauft hätte, denn wir müssen viel Steuer zahlen für den Gewinn.
*
Ich muss ein bisschen Ordnung ins Haus bringen. Durch meine "Ausflüge" in letzter Zeit war ich kaum zu Hause und viel ist liegengeblieben. Du hast es gut. Brauchst dich nicht um diese kleinen alltäglichen Dinge zu kümmern.
*
Ich schick dir das nun, falls du noch im Büro bist. Wünsche dir noch einen schönen erholsamen Abend,
Marlena
Montag, 21. Oktober 2019
"Erläuterungen zu Folke"
Lieber ...,
Es ist wieder einmal spät am Abend. Ich sollte nicht mit dem
Schreiben warten bis jetzt denn abends bin ich meistens ziemlich
müde und alle schönen sonnigen Gedanken die ich während des
Tages mit dir geteilt habe sind ein bisschen matt und grau.. aber
da bin ich nun wieder ..
Heute ist Folke wieder abgereist nach einer guten Woche. Es
ist schön für K sich mit ihm über alte (gute?) Zeiten unterhalten
zu können und auch für mich sind die Gespräche meist sehr
interessant und belebend.
Folke hat sich kaum verändert seit den Uppsalajahren, die Frage
ist nur ob das etwas Positives ist. Er ist ein sehr vermögender
Junggeselle und ziemlich apart. Wenn er was persönliches erzählt
hat er die schlechte Angewohnheit die Personen bei Vornamen zu
nennen so als ob es selbstverständlich wäre für den anderen wer
damit gemeint ist. Meistens spielt es ja keine grosse Rolle, aber
einmal erinnere ich mich dass wir dachten, dass diese Eva die
abends unter seine Decke schlüpfte, eine schöne Frau sei bis wir
auf meine indiskrete Frage hin erfuhren dass es sich diesmal um
eine Katze handelte. Nun habe ich es zur Gewohnheit gemacht
sofort zu Fragen "Wer ist X?" um nicht solche Missverständnisse
aufkommen zu lassen, wobei er immer ein wenig beleidigt aussieht
als ob er sagen wolle: "Was, du kennst nicht X?" oder "Du bist
wirklich sehr indiskret". Diesmal habe ich ihm auch gesagt dass ich
demnächst ein Buch herausgeben werde mit dem Titel
"Erläuterungen zu Folke". Ich glaube das hat ihm ziemlich
geschmeichelt.
....
Und nun sitzen wir in der Badewanne, Doppelwanne, und gern
würde ich manchmal aussteigen und zurückgehen in das
Turmzimmer.. erinnerst du dich noch? Es war so schön dort neben
dir zu sein und dich erzählen zu hören und ich wusste genau wo ich
dich hatte.. zumindest körperlich.. Aber das war in meiner "wilden
Jugend" und nun bin ich alt und klug..
Du scheinst dich darüber zu amüsieren. Mit klug meine ich, dass ich
eine Erfahrung reicher geworden bin aber klug bin ich wohl erst wenn
ich meine Handlungen von dieser neuen Erfahrung beeinflussen lasse..
".. they say you learn from your mistakes.. it's a lie.." singt die
Sängerin in "Vaya con Dios". Hattest du nicht diese CD gekauft (oder
gestohlen?) :-)
Sonntag, 20. Oktober 2019
der Arbeit verfallen
Liebe Marlena
...
Du hast vielleicht recht, ich mache mich verdächtig, wenn
ich zu sehr als "der Arbeit verfallen" erscheine. Doch alle
haben sich schon daran gewöhnt. ICH BIN WIRKLICH
DER ARBEIT VERFALLEN. Ich kann jederzeit ins Büro,
ohne auch nur in Verdacht (welchen eigentlich) zu geraten.
Ich habe IMMER etwas zu tun. Sogar ich selbst schöpfe
nicht mehr Verdacht! Mein Problem ist eher, dass der PC
zuhause sehr schwerfällig arbeitet. Ich habe den Eindruck,
dass er sich weigert, längere Mails zu schlucken. Es ist
immer umständlich, bis die Dinger weg sind. Und ich
glaube schlicht und einfach, dass er eigentlich Mails von
zwei oder drei Zeilen vorziehen würde. Aber da gerät er
bei mir an den falschen!!
*
Und über Deinen Vorschlag, OFFENER zu mailen, habe
ich fröhlich gelacht, zumindest echt geschmunzelt. Ja, die
Idee ist perfekt. Ich kann mir zwar noch nicht genau
vorstellen, was da alles zum Vorschein kommen könnte.
Aber sofort, das machen wir, ich bin einverstanden! Es ist
ein schönes Abenteuer, ein gutes Projekt für 2002, für
dieses Jahr, von dem ich meine, es sehe aus
wie eine Badewanne.
*
Freitag, 18. Oktober 2019
Ach nein ...
Lieber ...,
Ach, du mein lieber Mausfreund, du versprichst mir awiw - aber über dieses awiw hast du keine Macht. Wenn der liebe Gott will, oder alle anderen guten Mächte.. und auch dann glaube ich nicht an ein "awiw". Es ist zwar mein innerster Wunsch. Oder lass mich sagen der innerste Wunsch meiner Gefühle. Aber mein Verstand sagt mir, dass "awiw" nur ein "vl-awiw" sein kann. Und in diesem VL bin ich eigentlich ganz zufrieden mit dem Dasein. Könnte es eigentlich besser sein?
(---)
Ich bin nun in meinen Papieren und anderen Dingen so weit vorgedrungen, dass ich fast in meinen Jugendjahren gelandet bin. Es ist eine spannende und zeitweise aufregende Reise in die Vergangenheit. Und dabei denke ich auch an alte Freunde, die nun schon gestorben sind. Ich habe mir immer nach unseren schönen Festen die Reden schriftlich geben lassen. Und auch solche habe ich nun wiedergefunden. Sie sind von Meistern geschrieben und enthalten alles was man sich von einer Rede wünschen kann. Und es tut ein Bisschen weh.. das nochmals zu lesen.
Ich muss leider schon aufhören. Wenn du wüsstest, wie lang meine Mails wären, wenn ich ungestört meine Zeit am PC wählen könnte. Meine Gedanken sind oft bei dir.
---
Malou
Donnerstag, 17. Oktober 2019
Vater, Schwiegervater und Onkel
Fortsetzung: Vaya con dios
Schön dass du deinen Muttertag noch vor dir hast. Ich habe angenommen, das sei in ganz Europa derselbe Tag. Doch das wäre vielleicht für die holländischen Blumenhändler ein bisschen anstrengend. Besser, die Nachfrage über 14 Tage oder drei Wochen zu verteilen.
(---)
Bei uns ist alles ein bisschen anders herausgekommen, als ich das im Hintergrund vorgesehen hatte. Ich habe doch mit A verabredet, dass die Kinder kochen sollten und dass ich einen Preis in der Lage eines Mittagessens im Restaurant stifte. Sie war einverstanden. Aber offenbar hatte B ihre Mühe. Die Kleine ist nämlich ständig auf Diät und sie wollte auf keinen Fall einen Morgen lang in der Küche stehen und den eigenen Appetit pflegen, um nachher nicht essen zu dürfen. Sie wollte einfach nicht. Wir hatten die Absicht, zum Essen noch meine Eltern einzuladen. Aber die waren auch schon anderweitig reserviert. Und so entschieden wir uns schliesslich, meine Eltern mit nach Lenzburg zu nehmen. Ich habe schon angedeutet, wie sehr die Stimmung ändert, wenn mein Vater dabei ist. Er ist so laut und ich mag diese Atmosphäre nicht. Früher war das nicht so stark, aber tendentziell auch schon. Es reizt mich und ich bin nicht mehr bereit, es zu ertragen. Ich meine, eine oder zwei Stunden kann ich darüber hinwegsehen. Aber zu lange mag ich das gar nicht. Es geht mir einfach auf den Nerv. Er ist so laut und diktiert das Thema, das mich oft ganz und gar nicht interessiert.
Vielleicht ist es etwas traurig, so vom eigenen alten Vater zu erzählen. Aber es ist nun einfach das Leben. Ich glaube nicht, dass ich ihm sehr ähnlich bin. Aber natürlich gibt es gewisse Züge, die ich nicht verleugnen kann. Natürlich hat er auch positive Seiten. Aber im Alter werden die extremen Punkte noch extremer. Ich versuche, sie so gut es geht bei mir zu modellieren. Da lob ich mir meinen Schwiegervater. Er war ein eleganter Mann, allerdings ziemlich scheu, zwar stolz, aber scheu. Das ist eine merkwürdige Kombination. Doch sie ist bei Persern aus der Gesellschaft oft anzutreffen. Sie sind so scheu, dass sie dich kaum anschauen wagen. Und sie sind sehr indirekt in ihrer Sprache. Aber sie kommen elegant und gepflegt daher, dass man sich daneben wie ein Bauer fühlt. Oder ich lobe mir meinen Onkel, der zwar nicht studiert hat, aber eine Weltoffenheit und ein Wissen besitzt mit seinen 93 Jahren, die einfach phänomenal sind. Ich habe ihm meinen CD-Player gebracht, damit er die Beethoven Synfonien hören kann, die er so liebt. Er sucht sich die Musik ziemlich gezielt aus. Als irgend eine Bekannte gestorben war, wählte er sich einen bstimmten Satz aus einer bestimmten Synfonie, um sie zu hören. Und am Ostermontag wollte er sich die Lustige Witwe von Lehar zu Gemüte führen. Allerdings hat dann der Apparat nicht funktioniert. Ich glaube, er war nicht an der Elektrizität angeschlossen. So banal. Und er konnte seine Lustige Witwe leider nicht hören, nach dieser langen und tristen Fastenzeit.
*
Und du, wie läuft es bei Dir, meine liebe Marlena. Ich bin wieder etwas gespannt, von dir zu hören, nach dem Wochenende. Geht alles gut?
Ich küsse dich innigst
...
Schön dass du deinen Muttertag noch vor dir hast. Ich habe angenommen, das sei in ganz Europa derselbe Tag. Doch das wäre vielleicht für die holländischen Blumenhändler ein bisschen anstrengend. Besser, die Nachfrage über 14 Tage oder drei Wochen zu verteilen.
(---)
Bei uns ist alles ein bisschen anders herausgekommen, als ich das im Hintergrund vorgesehen hatte. Ich habe doch mit A verabredet, dass die Kinder kochen sollten und dass ich einen Preis in der Lage eines Mittagessens im Restaurant stifte. Sie war einverstanden. Aber offenbar hatte B ihre Mühe. Die Kleine ist nämlich ständig auf Diät und sie wollte auf keinen Fall einen Morgen lang in der Küche stehen und den eigenen Appetit pflegen, um nachher nicht essen zu dürfen. Sie wollte einfach nicht. Wir hatten die Absicht, zum Essen noch meine Eltern einzuladen. Aber die waren auch schon anderweitig reserviert. Und so entschieden wir uns schliesslich, meine Eltern mit nach Lenzburg zu nehmen. Ich habe schon angedeutet, wie sehr die Stimmung ändert, wenn mein Vater dabei ist. Er ist so laut und ich mag diese Atmosphäre nicht. Früher war das nicht so stark, aber tendentziell auch schon. Es reizt mich und ich bin nicht mehr bereit, es zu ertragen. Ich meine, eine oder zwei Stunden kann ich darüber hinwegsehen. Aber zu lange mag ich das gar nicht. Es geht mir einfach auf den Nerv. Er ist so laut und diktiert das Thema, das mich oft ganz und gar nicht interessiert.
Vielleicht ist es etwas traurig, so vom eigenen alten Vater zu erzählen. Aber es ist nun einfach das Leben. Ich glaube nicht, dass ich ihm sehr ähnlich bin. Aber natürlich gibt es gewisse Züge, die ich nicht verleugnen kann. Natürlich hat er auch positive Seiten. Aber im Alter werden die extremen Punkte noch extremer. Ich versuche, sie so gut es geht bei mir zu modellieren. Da lob ich mir meinen Schwiegervater. Er war ein eleganter Mann, allerdings ziemlich scheu, zwar stolz, aber scheu. Das ist eine merkwürdige Kombination. Doch sie ist bei Persern aus der Gesellschaft oft anzutreffen. Sie sind so scheu, dass sie dich kaum anschauen wagen. Und sie sind sehr indirekt in ihrer Sprache. Aber sie kommen elegant und gepflegt daher, dass man sich daneben wie ein Bauer fühlt. Oder ich lobe mir meinen Onkel, der zwar nicht studiert hat, aber eine Weltoffenheit und ein Wissen besitzt mit seinen 93 Jahren, die einfach phänomenal sind. Ich habe ihm meinen CD-Player gebracht, damit er die Beethoven Synfonien hören kann, die er so liebt. Er sucht sich die Musik ziemlich gezielt aus. Als irgend eine Bekannte gestorben war, wählte er sich einen bstimmten Satz aus einer bestimmten Synfonie, um sie zu hören. Und am Ostermontag wollte er sich die Lustige Witwe von Lehar zu Gemüte führen. Allerdings hat dann der Apparat nicht funktioniert. Ich glaube, er war nicht an der Elektrizität angeschlossen. So banal. Und er konnte seine Lustige Witwe leider nicht hören, nach dieser langen und tristen Fastenzeit.
*
Und du, wie läuft es bei Dir, meine liebe Marlena. Ich bin wieder etwas gespannt, von dir zu hören, nach dem Wochenende. Geht alles gut?
Ich küsse dich innigst
...
Abonnieren
Posts (Atom)