Freitag, 7. September 2018
Re: Back in town
Ämne: Re: backintown
Datum: den 1 december 17:32
Lieber ...,
Wie schön, dich wieder hier zu sehen. Ich habe dich sehr vermisst. Deine Mails sind wie leuchtende Sterne in dieser grauen dunklen Zeit. Und dass du dir schon gestern Zeit genommen hast ein paar Zeilen zu schreiben freut mich besonders.
Schade, dass du nicht die schönen Prager Häuserfassaden in glänzendem Sonnenschein sehen konntest. Aber sicher hast du viel andere schöne Dinge zu berichten. Ich freue mich schon darauf.
Lustig, der Gedanken, dass auch du in diesem kleinen Restaurant gegessen hast. So waren wir endlich mal am selben Ort, obwohl nicht zur selben Zeit.
Ich glaube Mats und ich waren ziemlich hungrig damals und so waren wir froh überrascht von dem riesigen Teller mit einer halben Ente drauf. Und auch damals gab es Knödel dazu, wie bei dir sogar eine doppelte oder gar dreifache Packung davon. Aber mich hat es gefreut, denn es hat mich an meine Kindheit erinnert. Wie wir ja oft sagen: Das Ding an sich ist nicht viel, wenn man es befreit von allen Erinnerungen, die es weckt. Hast du auch den guten Schinken (mit Kren) als Vorspeise gewählt? Und hat dir der Musiker nostalgische Lieder aus alten Zeiten vorgespielt? Erzähl mir davon, bitte.
*
Das was du über Augen sagst, finde ich etwas lustig:
"Einige haben wirklich hübsche Augen, und das kommt wohl noch von diesen schlimmen Zeiten her."
Es erinnert mich an einen Liebesbrief, den mir jemand vor ein paar Jahren schickte. Da stand etwas von schönen traurigen Augen - und ich habe mich gefragt, warum meine Augen plötzlich traurig aussehen würden. Denn die schlimmen Zeiten hatte ich damals noch vor mir. ;-)
Meinst du wirklich schlimme Zeiten können die Augen schöner machen? Dann wäre ja wenigstens etwas damit gewonnen. ...
Ach, weisst du .... Dieses Mail war bedeutend länger, aber es ist im Weltall verschwunden und so habe ich versucht den ersten Teil davon zu rekonstruieren. Ich hebe mir den Rest für morgen auf, damit du dies noch heute bekommst.
Ich freue mich, dass du wieder hier bist und ich grüsse dich
lieb und wünsche dir einen wunderbaren Abend in deinem schönen Heim,
G+K
Malou
Mittwoch, 5. September 2018
Backintown
Datum: den 1 december 01:01
Liebe Malou
Ich musste noch rasch unsere Sitzung von Morgen vorbereiten. Und vorher hatte ich zuhause noch etwas ausgepackt und erzählt.
Na ja, wo soll ich anfangen? Ich glaube, ich fange heute gar nicht mehr an. Das Wetter war miserabel und trübe. Die einzige positive Meldung ist die, dass ich wirklich die gebratene Ente versucht habe. Mit Knödel, wie es sich gehört, eine ganze Doppelpackung davon, die ich aber auf dem Teller liegen liess. Und viel Kartoffeln, die ganz ordentlich geschmeckt haben. Mein Kollege meinte, sie sei ihm etwas schwer aufgelegen. Für mich war sie o.k. Aber auch nicht so, dass sie mich umgeworfen hätte, weil sie so fantastisch geschmeckt hätte.
Ich glaube, ich erzähle Dir später davon. Jedenfalls sind wir heute um 17.00h wieder in Zürich gelandet und ungefähr um 18.30h war ich zuhause, etwas früher als erwartet. Während der ganzen Zeit war es entweder nebelig oder regnerisch gewesen. Das ist in dieser flachen Landschaft nicht besonders attraktiv. Und mit etwas Fantasie konnte man sich vorstellen, wie trübe und verlassen die Welt dort drüben unter dem Kommunismus gewesen sein mochte. Aber wahrscheinlich ist es wie mit dem iranischen Dschador. Je grauer der ganze Hintergrund, desto mehr müssen die Gesichter der Menschen damals geleuchtet haben. Einige haben wirklich hübsche Augen, und das kommt wohl noch von diesen schlimmen Zeiten her.
Wir haben nette Menschen kennen gelernt. Manche waren auch ein bisschen langweilig. Und einige konnten kaum eine Fremdsprache und haben sich umso mehr dem Bier hingegeben.
Na ja, jedenfalls bin ich froh, wieder zurück zu sein. Und auch schon wieder von Dir zu hören. Ja, jetzt ist die Weihnachtszeit da. Und ich hoffe, es wird nicht zu hektisch werden.
Mit lieben G&K
...
Montag, 3. September 2018
Mittwochnacht
Ämne: Miwochnacht
Datum: den 27 november 00:05
Lieber ...,
Das freut mich. So schicke ich dir hier ein paar Tropfen..
Ich habe nach dem Restaurant gesucht hier im Internet. Hab etwas gefunden, aber ob das so gut klingt weiss ich nicht. Was ist "zünftig"?
Das Restaurant, oder die kleine Kneipe heisst übrigens: "U dvou Kucek", (Zu den zwei Katzen). Den Deutschen hat sie anscheinend nicht gefallen. Aber möglicherweise hat man sie als Deutsche behandelt. Man sollte sich nicht unbedingt auf deutsch verständigen, denn ich glaube die Deutschen sind nicht so sehr beliebt von allen.
Da steht:
"Ein paar Plätze sind noch frei, doch nicht für uns, meint der Kellner, reserviert für Landsleute. Gerade jetzt, kurz nach Feierabend kommen die auf ein oder ein paar mehr Bier kurz vorbei, ein tschechisches Alltagsritual. Gemeinsam mit dem Musiker Ales Kudela wollen wir es erleben und tauchen ein in diese ganz besondere Atmosphäre"
Weiss nicht auf welches der Restaurants sich das bezieht. Komischer Artikel, finde ich.
Jedenfalls, das Essen war so gut, dass Mats und ich es nicht so schnell vergessen werden. Und vorher gab es noch einen Schnaps, den man uns "aus Versehen" gebracht hatte. Aber ich denke eure Gastgeber wissen am besten wohin man geht.
*
Ach, es gibt so viel Schönes in Prag zu sehen. Die Zeit war allzu kurz damals. Ich beneide dich um diese Reise. Vergiss auch nicht die CD's. Es gibt so viel Auswahl und die Preise waren jedenfalls damals sehr günstig.
Werde versuchen jetzt ins Bett zu kommen. Ich kann morgen früher aufstehen und noch etwas vorbereiten.
Lass mich wissen bis wann du mails empfangen kannst.
Hier noch etwas, falls es dich interessiert:
http://www.onlinekunst.de/rilke/zeitleiste.html (musst runterblättern)
Gute Nacht, mein lieber Mausfreund.
G+K
Malou
Ämne: bye
Datum: den 27 november 13:22
Liebe Malou
Ich habe ganz wenig Zeit.
Und wahrscheinlich auch kaum Gelegenheit, dort an einen PC zu kommen.
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und werde Dir dann erzählen, wie die
Tschechen die Fremden zum Fenster hinaus werfen.
Mit lieben Grüssen
...
Sonntag, 2. September 2018
Re: Mittwoch
Ämne: Re: miwo
Datum: den 26 november 15:45
Lieber ...,
Während ich noch am schreiben war ist ein Mail von dir angekommen. Leider habe ich das erst gesehen, als ich schon abgeschickt hatte.
Ich muss dir doch schnell noch sagen, dass du unbedingt in das kleine Restaurant gehen musst, wo man echt tschechische Hausmanskost bekommen kann für einen sehr guten Preis. Und dazu noch etwas Musik wahrscheinlich. Das Restaurant liegt unterhalb des Vaclavplatzes.. etwas weiter unten und dann nach links abbiegen und hat etwas mit Katze im Namen. Deine Gastgeber werden sicher wissen was ich meine. Und dort musst du Ente bestellen.. und Parmaschinken als Vorspeise.. Mmmm... lecker!!
Alles was mit dem sozialen zu tun hat ist bei uns irgendwie schief geraten in den letzten Jahren. Das ist weil man sehr viel den Kommunen überlassen hat, was früher unter dem "Landsting" lag, aber ihnen leider nicht das nötige Geld dafür reserviert hat. Das ist ein sehr langes Kapitel.. und ich muss jetzt schon los.
Hören wir noch einmal von einander bevor du abfährst? Ich hoffe doch.
Wenn nicht umarme ich dich schon jetzt zum Abschied und wünsche dir einen schönen Aufenthalt mit viel interessanten Erlebnissen.
i M
Malou
PS Wann bist du zurück?
----------
Ämne: Re: miwo
Datum: den 26 november 17:34
Halo Malou
Ja doch, ich bin morgen noch im Büro.
Ein paar Buchstaben werden ich wahrscheinlich schon noch hinüberbröseln.
Gruss
...
Wo bist du?
Ämne: Wo bist du?
Datum: den 26 november 15:27
Ach, mein untreuer Mausfreund hat immer noch nicht geschrieben. Oder liegst du krank zu Hause? Vielleicht hast du auch extra viel Arbeit vor deiner bevorstehenden Reise.
Ich warte auf einen Telefonanruf und dann fahre ich nach M, das grosse Kaufzentrum etwas ausserhalb der Stadt. Ein neuer Teppich fürs Badezimmer steht auf der Einkaufsliste.
Habe noch die Elterngespräche vor mir. Man nennt sie Entwicklungsgespräche aber eigentlich geht es darum, dem Schüler (und den Eltern) mitzuteilen, wie er/sie in den verschiedenen Fächern steht. Wir haben nämlich nur Noten am Ende eines Kurses. Wenn es Probleme gibt, muss man natürlich auch das diskutieren. Aber alle meine Schüler sind richtige Musterexemplare. (Was sonst? ;-) Von einigen kenne ich die Eltern. Frühere Lehrer von Anna aus der Grundschule oder Eltern zu Kindern aus dem Kindergarten. So stelle ich mir vor, dass es nur angenehme Gespräche sein werden. Hoffe es jedenfalls. Aber auch solche nehmen viel Zeit.
*
Lass von dir hören. Ich darbe schon...
Mit lieben Grüssen,
Malou
Samstag, 1. September 2018
Mittwoch
Ämne: Re: miwo
Datum: den 26 november 15:25
Liebe Malou
Es ist nebelig heute morgen. Der Nebel liegt zwar nicht so dicht, wie wir das jeweils in Olten hatten. Dort war er eine dicke Suppe. S war schockiert davon und ich liebte ihn manchmal sogar. Na ja, nicht wochenlang, aber vielleicht einen Tag oder zwei. Wenn man im Nebel geht ist die Welt irgendwie verzaubert. Alles klingt so nah. Man fühlt sich auf eine merkwürdige Weise über die Ohren mit allem verbunden, obwohl es nicht sichtbar ist. Die Stadt wirkt dann klein. Und man erinnert sich an den Londoner Nebel, von dem die Lehrer gesagt haben, er wäre so dicht wie nirgendwo sonst auf dieser Welt. Lenzburg hat auch viel Nebel. Und oft am Sonntag, wenn hier herrlichstes Herbstwetter strahlt, ist es in Lenzburg dumpf und dunkel. Wir haben Glück hier in der Region Basel. Wir liegen eben nördlich des Juras. Und das ist eine Gegend, wo schon dir Römer viel Wein angepflanzt hatten.
*
Nun ja, das kann ich mir vorstellen, dass ihr auch in Schweden viele Selbsthilfegruppen habt. Meine Frage bezog sich mehr auf diese Institution, die behilflich ist, solche zu gründen und zu unterhalten. Na ja, bestimmt seid ihr im sozialen Schweden schon viel weiter als wir hier oben in den Alpen, wo wir doch mehr mit Kühen als mit Menschen beschäftigt sind.
Morgen fliegen wir nach Tschechien ab. Einer ist noch krank geworden und kann nicht mitkommen. Ich hoffe, wir können viel sehen vom Land und den Leuten, und wir sitzen nicht bloss an grossen Tischen herum und essen uns den Bauch voll. Ich glaube, sie essen und trinken gerne, dort drüben. Und sie sind beispielhafte Europäer, die die amerikanische Politik noch viel treuer und folgsamer unterstützen als wir es tun. Nun ja, sie haben eben den Kommunismus mitgemacht und denken, der Kapitalismus Amerikas sei das versprochene Paradies. Wenn ich Zeit habe, will ich mich noch etwas mit dem Land beschäftigen. Vielleicht ein bisschen Geschichte nachlesen, die Geographie nochmals überblicken. Die Leute mögen es immer sehr, wenn sie merken, dass jemand ihr Land ein bisschen kennt. Im Jahre 1990 war Vaclav Havel bei uns in der Schweiz. Der hat in Zürich einen Preis bekommen und Dürrendmatt hat eine denkwürdige Rege gehalten. Er hat darin die Schweiz mit einem Gefängnis verglichen. Und das fiel bei unserer Classe politique gar nicht auf genehme Ohren. Ich war damals ziemlich begeistert von dieser Rede. Aber damals war ich auch noch ein begeisterungsfähiger Jüngling. Ich werde sie nochmals lesen und sehen, was übrig bleibt.
Deine Arbeit mit dem Teppich tut mir leid. Das sind die Zusatzarbeiten, die auf einen zukommen, ohne dass man darauf gewartet hat! Und dann kann man stundenlang arbeiten, und zum Schluss ist man soweit wie anfangs. Weshalb hast Du das nicht K machen lassen? Männer sind in diesen gröberen Bereichen ziemlich geschickt, musst Du wissen.
Wir sind hier nicht verpflichtet, Winterreifen zu benutzen. Das heisst, es ist unsere eigene Verantwortung. Wir lassen sie in den nächsten Tagen montieren. Aber es sind nur einige wenige Wintertage, an denen man sie hier wirklich braucht. Das Problem ist, dass man diese Tage nicht voraussehen kann. Plötzlich liegt Schnee und du kannst es nicht umgehen, mit dem Wagen zu fahren. Dann kann es gefährlich werden. Vor allem, wenn man dann noch über die Berge nach Laufen fährt. Aber unten im Tal bleibt der Schnee jeweils nur stundenlang liegen. Dann ist alles wieder aper. Im Wallis gab es jeweils länger Schnee,, und vor allem in schattigen Seitentälern konnte er monatelang liegen, tagsüber schmelzen und nachts gefrieren. Dort waren Spikes sehr nützlich. Aber auch im Wallis, so glaube ich, gab es kein offizielles Gebot für Winterpneus. Ich weiss nur, dass es nicht erlaubt war, die Spikes zu lange zu benutzen, weil man mit ihnen die Strassen beschädigen konnte. Deshalb musste man sie etwa Ende April wieder demontieren.
13.40h
Ach, gerade merke ich, dass ich noch gar nichts abgeschickt habe. Es ist jetzt schon früher Nachmittag und unterdessen hat sich der Himmel aufgehellt. Es ist wolkenlos schön und mild. Man könnte drüben wieder im Café auf die Strasse sitzen. Aber natürlich tut das niemand mehr, denn alle Tische und Stühle sind schon weggeräumt.
Heute Nachmittag ist eine auswärtige Veranstaltung ausgefallen. Ich liebe Leute, die ihren Termin bei mir absagen über alles. Das ist immer eine freudige Überraschung, weil man dann ein bisschen Luft kriegt. Wenn es in letzter Minute geschieht, bekommt man eine Pause geschenkt. Und wenn man etwas mehr Zeit hat, um umzudisponieren, dann kann man sich in der freigewordenen Zeit Aufgaben vornehmen, die vorher liegen geblieben sind. Aber es gibt immer noch mehr Aufgaben, als man bearbeiten kann. Einiges bleibt also liegen, wie auch immer. Man muss sich daran gewöhnen. Und die Leute sagen schliesslich, wenn es sie selbst betrifft und sie enttäuscht sind: das ist die Beamtenmentalität.
Und jetzt muss ich wieder dran. Sonst haben sie doch noch recht mit der Beamtenmentalität.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen
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