Samstag, 1. September 2018

Mittwoch


Ämne: Re: miwo
Datum: den 26 november 15:25

Liebe Malou
Es ist nebelig heute morgen. Der Nebel liegt zwar nicht so dicht, wie wir das jeweils in Olten hatten. Dort war er eine dicke Suppe. S war schockiert davon und ich liebte ihn manchmal sogar. Na ja, nicht wochenlang, aber vielleicht einen Tag oder zwei. Wenn man im Nebel geht ist die Welt irgendwie verzaubert. Alles klingt so nah. Man fühlt sich auf eine merkwürdige Weise über die Ohren mit allem verbunden, obwohl es nicht sichtbar ist. Die Stadt wirkt dann klein. Und man erinnert sich an den Londoner Nebel, von dem die Lehrer gesagt haben, er wäre so dicht wie nirgendwo sonst auf dieser Welt. Lenzburg hat auch viel Nebel. Und oft am Sonntag, wenn hier herrlichstes Herbstwetter strahlt, ist es in Lenzburg dumpf und dunkel. Wir haben Glück hier in der Region Basel. Wir liegen eben nördlich des Juras. Und das ist eine Gegend, wo schon dir Römer viel Wein angepflanzt hatten.
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Nun ja, das kann ich mir vorstellen, dass ihr auch in Schweden viele Selbsthilfegruppen habt. Meine Frage bezog sich mehr auf diese Institution, die behilflich ist, solche zu gründen und zu unterhalten. Na ja, bestimmt seid ihr im sozialen Schweden schon viel weiter als wir hier oben in den Alpen, wo wir doch mehr mit Kühen als mit Menschen beschäftigt sind.

Morgen fliegen wir nach Tschechien ab. Einer ist noch krank geworden und kann nicht mitkommen. Ich hoffe, wir können viel sehen vom Land und den Leuten, und wir sitzen nicht bloss an grossen Tischen herum und essen uns den Bauch voll. Ich glaube, sie essen und trinken gerne, dort drüben. Und sie sind beispielhafte Europäer, die die amerikanische Politik noch viel treuer und folgsamer unterstützen als wir es tun. Nun ja, sie haben eben den Kommunismus mitgemacht und denken, der Kapitalismus Amerikas sei das versprochene Paradies. Wenn ich Zeit habe, will ich mich noch etwas mit dem Land beschäftigen. Vielleicht ein bisschen Geschichte nachlesen, die Geographie nochmals überblicken. Die Leute mögen es immer sehr, wenn sie merken, dass jemand ihr Land ein bisschen kennt. Im Jahre 1990 war Vaclav Havel bei uns in der Schweiz. Der hat in Zürich einen Preis bekommen und Dürrendmatt hat eine denkwürdige Rege gehalten. Er hat darin die Schweiz mit einem Gefängnis verglichen. Und das fiel bei unserer Classe politique gar nicht auf genehme Ohren. Ich war damals ziemlich begeistert von dieser Rede. Aber damals war ich auch noch ein begeisterungsfähiger Jüngling. Ich werde sie nochmals lesen und sehen, was übrig bleibt.

Deine Arbeit mit dem Teppich tut mir leid. Das sind die Zusatzarbeiten, die auf einen zukommen, ohne dass man darauf gewartet hat! Und dann kann man stundenlang arbeiten, und zum Schluss ist man soweit wie anfangs. Weshalb hast Du das nicht K machen lassen? Männer sind in diesen gröberen Bereichen ziemlich geschickt, musst Du wissen.

Wir sind hier nicht verpflichtet, Winterreifen zu benutzen. Das heisst, es ist unsere eigene Verantwortung. Wir lassen sie in den nächsten Tagen montieren. Aber es sind nur einige wenige Wintertage, an denen man sie hier wirklich braucht. Das Problem ist, dass man diese Tage nicht voraussehen kann. Plötzlich liegt Schnee und du kannst es nicht umgehen, mit dem Wagen zu fahren. Dann kann es gefährlich werden. Vor allem, wenn man dann noch über die Berge nach Laufen fährt. Aber unten im Tal bleibt der Schnee jeweils nur stundenlang liegen. Dann ist alles wieder aper. Im Wallis gab es jeweils länger Schnee,, und vor allem in schattigen Seitentälern konnte er monatelang liegen, tagsüber schmelzen und nachts gefrieren. Dort waren Spikes sehr nützlich. Aber auch im Wallis, so glaube ich, gab es kein offizielles Gebot für Winterpneus. Ich weiss nur, dass es nicht erlaubt war, die Spikes zu lange zu benutzen, weil man mit ihnen die Strassen beschädigen konnte. Deshalb musste man sie etwa Ende April wieder demontieren.

13.40h
Ach, gerade merke ich, dass ich noch gar nichts abgeschickt habe. Es ist jetzt schon früher Nachmittag und unterdessen hat sich der Himmel aufgehellt. Es ist wolkenlos schön und mild. Man könnte drüben wieder im Café auf die Strasse sitzen. Aber natürlich tut das niemand mehr, denn alle Tische und Stühle sind schon weggeräumt.

Heute Nachmittag ist eine auswärtige Veranstaltung ausgefallen. Ich liebe Leute, die ihren Termin bei mir absagen über alles. Das ist immer eine freudige Überraschung, weil man dann ein bisschen Luft kriegt. Wenn es in letzter Minute geschieht, bekommt man eine Pause geschenkt. Und wenn man etwas mehr Zeit hat, um umzudisponieren, dann kann man sich in der freigewordenen Zeit Aufgaben vornehmen, die vorher liegen geblieben sind. Aber es gibt immer noch mehr Aufgaben, als man bearbeiten kann. Einiges bleibt also liegen, wie auch immer. Man muss sich daran gewöhnen. Und die Leute sagen schliesslich, wenn es sie selbst betrifft und sie enttäuscht sind: das ist die Beamtenmentalität.

Und jetzt muss ich wieder dran. Sonst haben sie doch noch recht mit der Beamtenmentalität.

Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen

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