Dienstag, 26. Juni 2018

ekd-mässig?





Ämne: ekd-mässig?
Datum: den 26 Juni


Lieber ...,
Es tut mir leid, dass ich gegen die ekd-regel verstossen habe. Das sollte man wirklich versuchen zu vermeiden. Nun ja, getan ist getan und vielleicht haben deine Mitarbeiter doch andere Interessen im Leben als deine Korrespondenz. So hoffe ich jedenfalls.
Gestern wollte ich hier fleissig sein aber Anna verkündete mir schon am frühen Morgen dass man den ”vielleicht einzigen sonnigen Tag” des Sommers nicht mit Bügeln under dgl Dingen verbringen kann - und so liess ich mich überreden an unseren Lieblingssee zu fahren. Wir nahmen auch eine Freundin/Kollegin von mir und ihren Sohn mit. Johan und Anna sind zusammen in den Kindergarten gegangen und er war ab und zu ein wenig verliebt in sie. Heute sind sie die allerbesten Freunde. Wie richtige Geschwister kommen sie mir vor und sie scheinen viel Spass zusammen zu haben.
Es war ein heisser Tag aber an dem See wehte ein angenehmer Wind der uns vergessen liess wie stark die Sonne strahlte. Das müssen wir wohl heute ein wenig büssen.. Aber man sieht schön aus mit ein wenig Farbe.

Ich ”kämpfe” noch immer mit dem ”seichten” Buch, wie du es nennst. Es ist ganz anders als ich nach den ersten Seiten erwartet hatte - aber ich werde mich wie gesagt durchkämpfen und wenn es keine geistige Anregung ist so ist es jedenfalls eine gute Sprachübung.

Ich habe immer noch nicht das Buch aus D. erhalten. Hoffentlich kommt es noch bevor wir abreisen. Ich habe ja noch etliche andere hier herumliegen die ich jedenfalls etwas ”inhalieren” möchte. Eigentlich hätte ich ja lieber dein Exemplar von "Männer" gelesen, d.h. mit Bemerkeungen, vielleicht kleinen Zeichnungen am Rand... Erinnerst du dich noch daran was du mir einmal senden wolltest? Wahrscheinlich schon längst vergessen.. :-)

Es passiert im Moment nicht viel hier. Ein bisschen Aufbruchstimmung herrscht schon und aus Erfahrung weiss ich dass die Zeit am Ende immer sehr knapp wird. Ich freue mich schon auf den ”Umzug” in den Norden. Ich sehne mich nach der Frische und der wunderschönen Natur und obwohl ich es doch schon auswendig kann sehe ich der Reise mit Spannung und Erwartung entgegen. Wenn wir im Auto sitzen habe ich immer den Eindruck dass ich nun alles Schwere hinter mir zurücklasse und dass ein grosses Abenteuer auf mich wartet. Und ich nehme dich mit. Ich zeige dir alles und sehe es in Gedanken mit dir..

Muss nun dies absenden während ich noch dazu komme. ;-)
Mit einem lieben sonnigen Gruss
Marlena

Montag, 25. Juni 2018

Sorry



Ämne: sorry

Liebe Marlena
Da sieht man nun, Du kennst die romantischen Gedichte
der deutschen Literatur besser als ich. Habe ich nicht mehr
gewusst, dass es von Hesse ist. Und auch nicht, dass es so
triste endet. Hingegen war Hesse doch kein Kind von
Traurigkeit. Er hat später im Tessin gelebt und es gibt
viele Fotos, worauf man ihn mit kurzgeschnittenen Haaren
und runder Biedermeier Brille sehen kann. Er sieht da
keineswegs traurig aus. So muss die Einsamkeit wohl mehr
am Nebel als am Menschen liegen. Was weiss man schon
so genau?
Und gleich siehst Du nochmals, wie ich Deinen Geburtstag
vergessen habe. Naja, wenn Du hier leben würdest und
diese Tatsache empört allen Leuten erzählen würdest, sie
würden etwas ratlos die Schultern hochziehen, die Augen
zum Himmel drehen und fatalistisch sagen: nun ja, so ist
er eben!
So gratuliere ich Dir post festum herzlich zu Deinem X-ten
und wünsche Dir gleich nochmals soviele frohe Jahre hier
auf Erden. Es ist schön, dass Dein Wiegenfest in die Ferien
fällt, denn dann bist Du so zufrieden und einig mit Dir
selbst wie kaum sonst. Du hast mit dem Juni gut gewählt.
Hast Du auch gut gefeiert? Sicherlich haben sie Dich alle
verwöhnt und mit Aufmerksamkeit bedacht? Nur bei mir
hat es nicht gefunkt, obwohl Du es doch mit diskreten
Bemerkungen darauf angelegt hast. Siehst Du, auch S
sagt, die Schweizer reagierten manchmal wie Kartoffel-
säcke. Nämlich gar nicht.
*
Ich habe mich hier noch ein wenig überschüttet mit
Aufgaben. Neben meiner kleinen Bücherliste, die ich mir
für den Iran vorgenommen habe, bin ich gestern noch in
der Basler Bibliothek gewesen und habe mir 45
(fünfundvierzig) Bücher zur Rezension geholt. Richtig,
das ist gigantesk, wie Du letztes mal sagtest, so dass ich
schmunzeln musste. Aber ich nehme mir für diese
gigantische Aufgabe Zeit bis in den Herbst. Es gibt
sonst offensichtlich niemanden, der dort soviele Bücher
bespricht. Und der verantwortliche Bibliothekar und sein
Chef geben mir überall kleine Privilegien und machen
Ausnahmen, um mir entgegenzukommen. Dieses Mal habe
ich eigentlich noch Gaarders "Maya" zuhause, dessen
Rezension ich noch nicht gemacht habe. Und im Grunde
dürfte man erst neue Bücher holen, wenn man die alten
vollständig erledigt hat. Ach, die Maya ist ein wenig dick,
und nach dreimaligem Anlauf bin ich nicht über die ersten
20 Seiten hinausgekommen.
Nun ja, es ist für sie auch sehr oekonomisch, wie ich es
mache. Ich habe schon Rezensenten und -innen gesehen,
die haben 2 oder 3 Stunden in der Bibliothek gesucht und
herumgeschnüffelt, um dann zwei oder drei Büchlein
mitzunehmen. Ich schau mir bloss die Titel an, die Bilder,
den Verlag, kurz den Beschrieb auf dem Deckel. Dann
nehme ich oder lasse es sein. Ich glaube, die erste Vorent-
scheidung fällt mit den Bildern, mit dem auf dem Deckel
oder wenn es denn gibt, mit jenen im Buch. Manchmal
sieht man, dass das Buch sehr modern und unkonventionell
gemacht ist, schon den Bildern an. Solche Exemplare
nehme ich gerne. Aber es gibt auch konventionelle, etwa
die Bücher Kästners mit den Illustrationen von Trier, die
nehme ich auch. Das sind die Klassiker. Und wenn man
sie verschenkt, gibt es selten das Risiko, daneben zu
greifen.
*
Letzte Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen. Um 3h
bin ich wieder aufgestanden und habe in Schwanitz gelesen.
Aber diesmal im anderen Schwanitz, mit dem Titel
"Bildung". Er spricht dort über die Bedeutung der Sprache
für die Bildung, über das metaphorische Verhältnis von
Inhalt und Form in der Sprache der Dichtung, über die
Logik der Sprache und also über die Unmöglichkeit, am
Fernsehen Bildung zu kriegen. Er hat eine gute
pragmatische Denkart, und, wie mir scheint, den Mut
zum Angriff auf Taboos. Sowohl in "Männer" wie in
"Bildung" hat er einige Fragen aufgegriffen, die man
sonst lieber im Nebel stehen lässt. Doch für einen
Abiturienten ist das zweite Buch (eigentlich als
ersteres, vor "Männer" erschienen) sicherlich hilfreich,
weil es diese mit grossen und idealistischen Worten
gekrönte Aura Bildung auf den Boden herunter zieht.
Es sieht zum Schluss wirklich alles recht einfach und
machbar aus. Kurz und gut, ich möchte Dir dieses zweite
Buch auch noch gerne für die Ferien aufdrehen. Aber
soweit kann man denn wohl nicht gehen, ohne den
Anstand zu verlieren.

Gruss 
...

Samstag, 23. Juni 2018

Romantisch?


Ämne: Romantisch? :-)

Lieber ...,
Wie schön und lustig du mir schreibst. Und weisst du, es war das schönste Geschenk das ich mir denken konnte heute.. ein Mail von dir. Eigentlich feiere ich ja nicht mehr aber das Datum erinnert mich doch daran dass ich nun wieder ein Jahr älter geworden bin.

Die Festtage sind vorüber und wir haben sie gefeiert wie es sich gehört. Es wird wie du so richtig vermutest gut gegessen, viel getrunken und die Nacht durch getanzt. Und man singt auch, besonders das schöne Midsommarlied das ganz allein mit seinem geheimnisvollen verlockenden Text die richtige Stimmung hervorzaubern kann. Nein, ich glaube nicht dass ich lieber auf Capri gewesen wäre. Wir haben wirklich viele schöne Traditionen in Schweden und es ist wie du sagst etwas besonderes mit diesen wiederkommenden Ereignissen. Auch mit unserer Reise in den Norden ist es so. So viele Erinnerungen an schöne vergangene Tage werden wieder wach und vermischen sich mit der Gegenwart. Ich weiss es ist pure Nostalgie.. und ich wünsche ich könnte die passenden Worte dafür finden.

Folke ist nun wieder abgereist und ich sollte allmählich mit den Vorbereitungen für die Reise beginnen - auch ist meine Entrümpelungsaktivität noch nicht ganz beendet - aber es war viel zu heiss heute um irgendetwas nützliches zu tun. Unsere Nachbarn sind gerade nach Madeira gefahren und wenn sie zurückkommen Ende nächste Woche können wir losfahren. Also werde ich ungefähr um dieselbe Zeit wie du fahren und wahrscheinlich auch zurückkommen. Ach, ich wage garnicht daran zu denken dass ich so lange ohne ein Lebenszeichen von dir sein muss. Aber ich tröste mich damit dass du dort in guten Händen bist. Sicher wird man dich als geliebtes Familienmitglied sehr verwöhnen und deine Schwiegermutter wird dich fühlen lassen wohin du gehörst... :-) Und ich werde an dich denken. Und wenn ich das Buch lese werde ich es in Gedanken mit dir tun und mir deine Kommentare vorstellen (ich werde versuchen herauszufinden was dir daran gefällt) und ich werde schöne Fotos machen, die ich dir dann im Herbst senden kann.
Ich muss schmunzeln wenn du mich romantisch nennst. Ich glaube du bist der erste Mensch der mich so nennt. Habe ich dir wirklich dieses Bild von mir vermittelt? Wo ich doch eher die Welt sehr nüchtern und realistisch betrachte. :-)
Das schöne kleine Gedicht von Hesse habe ich noch in guter Erinnerung. Es hat mir auch sehr gefallen. Aber es ist ein trauriges Gedicht. Es endet mit den Worten:

Seltsam im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.

Lass mich bald wieder von dir hören. Ich SSSSS dich immer wieder. :-)
Mit einem lieben Gruss
Marlena



Mittwoch, 20. Juni 2018

Sommerlich



Liebe Marlena
Nun ja, mit einem kühlen Rosé nach einem exquisiten
Essen, darüber könnte man mit mir schon verhandeln.
Ich bin hier etwas in Aufbruchstimmung. Muss noch einige
Dinge abschliessen, die Bücher organisieren, aufräumen,
und was sonst alles anfällt, bis zu den Ferien. Im Moment
ist es strahlend schön, und in aller Augen kannst Du die
azurblaue Adria und ihr Wellenspiel sehen. Alle träumen
von irgend einer romantischen Destination.
Gestern abend haben wir mit dem Club ein Schloss in der
Nähe besichtigt. Es gibt in diesem Teil unserer Region die
höchste Dichte an Burgen und Schlössern in Europa, hat
der Führer stolz behauptet. Das Gebäude, welches wir
besucht haben, ist ein alter Wehrturm auf der Spitze
eines Felsens. Später hat man um den Turm herum noch
Anbauten zugefügt, die heute noch bewohnt sind. Und
unter dem Felsen führt direkt eine internationale
Eisenbahnlinie durch. Das war alles in allem nicht
uninteressant, wenn auch diese Burg nicht soviel zu
sehen bietet wie ein französisches Loire-Schloss oder
eine italienische Barockkirche. Im Hof des Schlosses
haben wir unseren Apéro genommen und geplaudert.
Und schliesslich gab es im nahen Dorf ein Nachtessen
über mehrere Gänge. Letzteres war nicht so besonders,
und etwas üppig, für einen solch warmen Sommerabend.
Aber die allermeisten haben es überlebt, wenngleich einige
arg geschwitzt haben im backofenwarmen Esssaal des
Hotels mit der tiefen Decke. Und so sind wir schliesslich
gegen 11Uhr wieder zurückgefahren und haben uns mit
vollem Magen im heissen Bett gewälzt.
Man soll doch nicht soviel essen, erstens abends und
zweitens, wenn's so warm ist! Weshalb lernt der Mensch
so schwer??
Heute bin ich unterwegs. Morgens in Basel, nachmittags in
Olten, jener kleinen Stadt, wo ich früher einmal für 5 Jahre
gelebt habe. Olten ist der Verkehrsknotenpunkt der
Schweiz. Hier kreuzen sich eisenbahnmässig die Achsen
Basel - Chiasso und Genf - Romanshorn. Mit andern
Worten Nord-Süd und Ost-West. Früher, als die Leute noch
mit der Bahn reisten, wusste jeder, dass er früher oder 
später den grossen Oltner Bahnhof durchqueren würde.
Natürlich mit einem Halt, zum Umsteigen. Jeder kannte
also die Ortschaft, aber keiner war wirklich je in der kleinen
Stadt gewesen. Und dabei ist es eine recht lebendige Stadt
mit einer sehr hübschen Altstadt direkt am Fluss, mit einer
romantischen alten und gedeckten Holzbrücke. Mein Büro
war auch direkt an diesem Fluss, wunderschön gelegen.
Nur dass Olten im Winter jeweils etwas nebelig war. S
mochte das gar nicht. Ich fand es hingegen phänomenal,
bei dichtem Nebel durch die Strassen zu gehen. Alles
erscheint dann so nah und intim, es ergibt ein
merkwürdiges Gefühl.
Sicherlich gibt es darüber einige romantische Gedichte.
Eines, so erinnere ich mich, beginnt wie: "Seltsam, im
Nebel zu wandern ...". Gerade gestern habe ich im Gestell
ein Büchlein gefunden mit Gedichten deutscher Romantik.
Doch ich habe dieses eine Gedicht nicht gefunden.
Vielleicht handelt es ja auch nicht hauptsächlich vom
Nebel, diesem diffusen und höchst beliebten Szenenbild
der Romantik, sondern von Naturerlebnissen oder
Sonnenaufgängen oder geheimer Liebe, wie sie die
Romantik ja auch nicht verachtet hat.

Erst in den letzten Jahren habe ich entdeckt, wie wichtig
die Romantik noch für unsere Tage ist. Sie hatte wirklich
einen nachhaltigen Einfluss auf unser Denken und Fühlen.
Die Gedichte wirken heute, neben ihrer Süsslichkeit
und ihrem Pathos, etwas ekstatisch. Das Romantische ist
eine "Gemütserregungskunst", hat Novalis gesagt. Und das
kennst Du ja bestens, Marlena. Nun ja, über Romantik
muss ich Dir wirklich kaum etwas erzählen.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss 

...   

Freitag, 8. Juni 2018

Oh sweet song!





How shall I hold my soul and yet not touch
It with your own? How shall I ever place
It clear of you on anything beyond?
Oh gladly I would stow it next to such
Things in the darkness as are never found
Down in an alien and silent space
That does not resonate when you resound.
But everything that touches me and you
Takes us together like a bow on two
Taut strings to stroke them to the voice of one.
What instrument have we been lain along?
Whose are the hands that play our unison?
Oh sweet song!

(Rilke)
(Capri 1907)




Montag, 4. Juni 2018

Blick durchs Fenster




An Rainer Maria Rilke
Gedicht von Karl Ernst Knodt.

Du hast mich reich gemacht, du seltner Mann!
Ich war so müde der verbrauchten Worte,
Ich war so arm geworden in dem Bann
Des Taggesprächs ... Da tatest Du die Pforte
Zu neuem Wort mir auf! Ganz ohne Schlüssel
Schloß sich die Tür mir auf zu jenem Innenraum,
Wo wie auf einer klarkristallnen Schüssel
Die Muse mir entgegentrug den Tag und Traum
In neuen, niegeahnten Farben ... Und mir war,
Als wäre nun die Erde neugeschaffen,
Als wäre mir die Welt nochmal so klar.
Ich fühlte tausend neue Fenster in den Augen klaffen,
Und durch sie spielten neue Lichter in mein Herz.

- - - -

Da halt' ich nun mein Glück und meinen Schmerz
Und form sie um. Ich schaffe neu mein Leben.
....
Du heil'ge Kunst, sollst zu der neuen Form
auch neuen Geist mir geben!

Sonntag, 3. Juni 2018

Ja doch ...






Lieber. ..
Ja doch... Eifersucht ist es. Ein Wunsch dich nicht mit
anderen teilen zu müssen. Und ich sehe doch ein, wie
komisch das ist. Ich meine, wenn man seinen Mann
Jahrzehnte hindurch als "single" leben lässt während
der Woche, umgeben von Frauen, die ihn attraktiv finden
und.. na ja du kannst dir das sicher vorstellen.. dann kann
man sich solche Gefühle wie Eifersucht nicht leisten.
Ausserdem ist meine Parole: "Leben und leben lassen".
Klingt doch schön? Und sollte natürlich auch dir gelten.

(--)


Ich wünsche dir einen schönen Tag,

MlG,
Malou