Samstag, 2. Juni 2018

Re: Il faut que tu saches...


Liebe Malou
Ich kenne den Subjonctiv sehr wohl. Aber es gibt damit
auch sehr lyrische Redensweisen. Es ist eine Art, die
Direktheit von Aussagen zu mildern. Für mich bleiben
sie eine Art Moll-Tonlage. Ich habe - nebenbei gesagt -
den Subjoctiv-Brief von F noch nicht beantwortet. Ich
muss zusehen, wann ich dazu komme.
Deine Schilderung des Schreibkrampfes hat mich eher
amusiert. Na ja, amusiert, es hat mich auch erstaunt. Ich
habe mir überlegt, wie man so was überwinden kann.
Und ich habe mich daran erinnert, wie Du am Anfang
unserer Mailerei oft erzählt hast, dass Du Deine Zeilen
wieder gelöscht hast. Das ist doch alles in etwa dasselbe.
Ich könnte Dich jetzt beruhigen und erklären, weshalb
eine solche Anpsannung absolut nicht nötig sei. Aber
das bringt ja wohl nicht viel.
(---)
Übrigens: Du hast den Fortschritt Deiner ABB Aktien
belächelt, von 39 auf 41 oder ähnlich. Das sind wohl
Kronen, oder nicht? Aber vielleicht solltest Du
berücksichtigen, wie lang der Weg von 39 auf 41 war.
Die Aktien waren teilweise bedeutend tiefer. Vielleicht
hast Du all die Aengste und Sorgen, die ich mit diesem
Baby erlebt habe, schlichtweg verpasst. Was bist Du
auch eine Rabenmutter!!!

Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben Grüssen
...



Freitag, 1. Juni 2018

Il faut que tu saches ..



Lieber ...,
So heisst es im Song von Celine Dion gesungen, den
ich mir gestern vor dem Einschlafen anhörte. Ich habe
seit einiger Zeit einen kleinen portablen CD-spieler.. wie
nennt man die schnell? Und abends, wenn ich nicht allzu
müde bin, höre ich mir vor dem Einschlafen ein wenig
Musik an. Dabei habe ich auch daran gedacht, dass du
neulich im Zusammenhang mit dem Brief deiner Jugend-
freundin, den Subjonctif erwähnt hast. Und ein wenig habe
ich geschmunzelt über deinen Kommentar dazu. Der
Subjonctifist nämlich ein alltagliches Ding und kann in
sehr prosaischen Sätzen verwendet werden.
Z.B  Il faut que j'aille aux toilettes... Il faut que tu fasses
attention... Il vaut mieux que tu prennes un taxi... Je suis
contente que tu sois guéri... Tu veux que je vienne chez
toi?  u.s.w.

Manchmal habe ich grosse Lust dir lieber auf Englisch oder
Französisch zu schreiben. Dann könnte ich mich irgendwie
hinter schönen Formulierungen verstecken. Verstehst du
wie ich das meine? Und sogar die meist alltäglichen Dinge
würdest du interessant finden, eben weil sie in einer
anderen Sprache schöner klingen.
Hast du den ersten Artikel, den aus "The Guardian"
gelesen? Müsste dich eigentlich sehr interessieren. Er
war ein Bisschen ein ..., der liebe August. ;-)

(---)

Nun lasse ich dich nochmals heute und wünsche dir
noch einen schönen Abend,
mit lieben Grüssen,
Malou



Mittwoch, 30. Mai 2018

Montag, 28. Mai 2018

Véritas


Lieber ...,
Nochmals herzlichen Dank für dein wunderbares
inhaltreiches Mail. Ich habe mich sehr darüber gefreut.
Erstens, weil es ein "extramail" war, das ich nicht erwartet
hatte. Extramails sind nicht unter Zwang geschrieben. Sie
kommen nur aus Lust am Schreiben zustande. Und so
freue ich mich, dass du, wie ich glaube, deine Lust
wiedergefunden hast. Oder...
Ich habe dich um mehr Offenheit gebeten... und so sollte
ich wohl versuchen ein gutes Vorbild zu sein. Deshalb
gestehe ich dir jetzt offen, dass ich plötzlich von Eifersucht
geplagt, eine Art Schreibkrampf erlitt. Wie ein Schatten
legte sich der Gedanke an den Brief, den du F schreiben
wolltest, über alle meine anderen Gedanken.
Und dann versuche ich mir zu sagen, dass ich ja schliesslich
auch einem Bekannten aus meiner Jugend schreibe und
dass ich garnichts komisches an diesem Vorhaben sehe.
Dass es auf keine Weise unsere Mausfreundschaft negativ
beeinflusst.
Ach, sicher findest du meine Reaktion etwas komisch.
Anna würde sagen: "Ist alles nur Chemie". Sie ist lustig
die Kleine.

Das Bild, das du mir geschickt hast unter dem Titel
"Georgischer Käse" kann ich nicht anschaun ohne zu
lachen. Wo hast du das gefunden? In welchem Land
ist es gemacht?
Jadoch, nicht nur der Käse, der wirklich etwas enthalten
soll, das unser Leben verlängert, sondern auch ein ruhiges
Leben ohne Stress und Eile trägt dazu bei, dass die Leute
dort so alt werden. Ich erinnere mich, dass ich mal in
meiner Jugend die Frage, was ich nach meinen
akademischen Studien tun werde, mit den Worten
beantwortete: "Ich werde irgendwo in Griehcneland
als Schäferin arbeiten." Manchmal habe ich heute noch
die Sehnsucht mich von den Menschen zurückzuziehen..
ganz allein unter dem Himmel zu sein, nur umgeben
von Tieren.

Da fällt mir gerade ein, dass ich, als ich erstmals mit
Werken von Sartre zu tun hatte, sehr enttäuscht war.
Er war so gross, und ich hatte ihn als etwas fast
übermenschliches gesehen (lass uns sagen eine Art
(... ;-) und dann las ich mein erstes Buch von ihm:
"Le Mur" und ich konnte absolut nicht begreifen, dass
dies von Sartre geschrieben sein sollte. Doch dann
später las ich sein Theaterstück "Huis Clos", wo er
meint, dass die Hölle auf Erden darin besteht, dass wir
"unter dem Blick anderer" leben müssen... und ich
begann seine Grösse zu ahnen. Vielleicht war mein
Wunsch, irgendwo unter Gottes freiem Himmel
Schafe zu hüten, ein Versuch dieser sartreschen
Hölle zu entfliehen.

Ach, unser armes Baby! Warum ist es nicht aus Fleisch
und Blut! Ich muss gestehen, dass ich es fast vergessen
hatte. Doch warte... ich werde mal nachschaun, wie es
ihm geht. OK, ich habe damals für 39:- gekauft und jetzt
steht die Aktie in 42:- Keine umwerfende Entwicklung
wohl? Aber es freut mich, dass endlich was getan wird
in Amerika, gegen die wahnsinnigen juridischen Prozesse,
die man dort schon seit Jahren führt gegen alle und alles.
Es ist längst zu weit gegangen.

Schön. wie du das Wochenende im Büro beschreibst.
Genau so ist mein Leben jetzt. Manchmal glaube ich, dass
es noch nie so schön gewesen ist.

Ich sehe, dass du dieselbe Erfahrung machst wie ich einst.
Immer wieder verschwanden Leute, die mir sympathisch
waren, aus meinem Leben. Einige zogen weg von hier,
andere verliessen den Beruf ganz und suchten sich andere
Wege, und dann später kamen die Pensionierungen.
Als ich mich schliesslich entschloss, gleichzeitig mit G und
Å zu gehen, hatte ich wohl schon 95 % meines früheren
Freundenkreises verloren. Gewiss, es kamen neue junge
Leute, und einige davon fand ich sehr sympathisch... aber
sie waren doch sehr jung, hätten fast meine Kinder sein
können.

Ich sehe, du hast deine freien Tage im Büro gut ausgenüzt..;-)
No further comments! ;-)

Jetzt werde ich versuchen, dieses Mail unten abzuschicken.
K spielt seine Musik. Vielleicht ist er schon dabei
eingeschlafen. Nicht von der Musik, aber von dem Wein, den
er getrunken hat.
Hier hinter mir läuft ein englisches Programm über den
heiligen Gral.. Ich nehme es auf und werde es mir später
ansehen. Verrückt, was sich Menschen so alles ausdenken
können. Aber vielleicht spielt es keine Rolle für was man
sich engagiert.. Hauptsache man engagiert sich..

Hast du auch schon gemerkt, wie sehr man sich plötzlich
für die katholische Kirche und alle ihre Vorhaben
interessiert? Nie habe ich mir meine lieben Patres als
Mitglieder einer maffiaähnlichen Organisation vorgestellt.
Ich muss aufhören, bevor ich noch mehr Dummheiten sage.

Gute Nacht,
mlGuK,
Malou

Sonntag, 27. Mai 2018

Nochmals ...


subject Re: Weil du..

Liebe Malou
Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber ich habe fast den ganzen
Freitagnachmittag geschlafen. Und dann abends auch gleich wieder.
Jetzt läuft es wieder einigermassen. Und ich sitze schon um 9h im
Büro. Du glaubst nicht, wie friedlich ein Büro am Wochenende aussehen
kann. Alles liegt so ruhig und gemütlich herum, dass man sich mit
allem und jedem anfreunden kann. Kürzlich war die Sekretärin aus
Laufen hier und - wohl zum ersten mal - in mein Büro eingetreten. Ach,
das sieht ja ganz privat aus hier, meinte sie ganz spontan. Ich
glaube, sie hat damit meine CDs und die vielen Bücher gemeint. Aber es
gibt da natrülich noch andere Dinge rundum. Du kennst sie von Fotos
her. Früher habe ich mich ausschliesslich für Bücher und Texte
interessiert. Aber seit einigen Jahren habe ich noch die Bilder dazu
entdeckt. Es gibt manchmal so gute, vielsagende Bilder. Aber es gibt
auch schöne und ahnungsvolle Gemälde. Ich glaubte festzustellen, dass
das Bild in unserer Kultur immer wichtiger wird. Deshalb wollte ich
mir auch von ihnen eine kleine Sammlung anlegen.
Und dazu habe ich die Gewohnheit, abends oder zwischendurch kleine
Bilder oder Zeichnungen zu machen. Sie sind meist Postkartengrösse.
Ich hoffe, dass ich aus diesem Material später, wenn ich wieder malen
werde, Ideen ernten kann. Auf jeden Fall ist es für mich eine gute
Abwechslung, anstelle der ewigen Lektüre auch mal die
Bildvorstellungen zu pflegen.
Man kennt die Macht der Bilder aus der Hypnose. Sie sind mächtiger als
der Wille des Individuums. Es gibt hier lustige Experimente mit dem
Pendel, die das beweisen können.

Hast Du in letzter Zeit von unserem Baby gehört? Lebt es noch? Ich
glaube sogar, es ist auf dem Weg zur Besserung. ABB hat kürzlich seine
Jahresergebnisse veröffentlicht. Und sie sei - wie die Kommentatoren
zu sagen pflegen - "in die Gewinnzone zurückgekehrt". Gross ist der
Gewinn noch nicht, aber immerhin besser als Verluste. Deshalb ist die
Aktie in den letzten Tagen deutlich gestiegen. Und dazu kommt die
Meldung aus der USA, wo Sammelklagen erschwert werden. Das ist die
zweite Hoffnung des Konzerns, dem immer noch Klagen wegen einer
früheren, aufgekauften Tochterfirma drohen. Aber ich sage Dir, Malou,
wir werden einmal sehr reich mit unseren ABB Aktien. Wir werden mit
Hilfe der ABB noch in Saus und Braus leben.

(---)

Ich werde jetzt unsere Montagssitzung vorbereiten. Nach einigen Wochen
(meine Ferien, die Schulferien hier) ist es wieder die erste. Und da
kommt gewöhnlich viel kleines Gemüse zusammen. Ich glaube, sie wird in
Basel stattfinden, so dass ich gleich morgens den direkten Weg nach
Basel nehme. Das ist angenehm. Wir haben neuerdings am morgen in der
Frühe eine doppelstöckige Zugskomposition. Und da gibt es viel Platz
im Wagen. Es ist wirklich komfortabel. Nur schade, dass sie nicht
gleich einen Kaffee servieren. Ich bin mit diesem Zug dann ein wenig
zu früh in Basel, vielleicht nehme ich dort dann ein kleines
"Tiramisu". Und anschliessend muss ich noh den Brief von F
beantworten. Er ist so lyrisch, dass ich nicht weiss, ob ich dazu
schon am Vormittag eine passende Antwort finde.

Und schliesslich, ach das muss ich Dir erzählen,schliesslich werden
wir  wieder mal eine Logopädin verabschieden. Erinnerst Du Dich
an jene, die die Sprechblasen der Kinder gebügelt hatte? Ich glaube,
sie werden von mir wieder eine Zeichnung erwarten. Und diese Kollegin,
die dieses Mal weggeht, mag ich von allen am meisten. Ich bin also
schon dabei, Bildideen zu sammeln. Kannst Du mir nicht wieder eine
kleine Inspiration schicken wie letztes mal? Ich kann sie aber nicht
wieder bügeln lassen, wohlbemerkt.

Ich wünsche Dir nomals ein gutes Wochenende
mlGuK
 ...


Re: Weil du ...



Liebe Malou,
ja, diesen tempio della fortuna virile habe ich gesehen. Ich
bin mal Abends daran vorbeispaziert. Er ist gleich neben
dem Tiber. Und er sieht auch nicht so gut aus wie hier. Er
ist in Wirklichkeit ziemlich mitgenommen und abgelaugt.
Die gute Göttin Fortuna sollte sich mal eine kleine
Restaurierung überlegen. Aber die Götter, die denken ja
nicht an die Vergänglichkeit der Dinge. Die leben in 
höheren Sphären.

Ich werde einen kurzen Nachmittag machen. Ich spüre,
wie mein Kopf ein bisschen brummt. Das ist ein Anzeichen,
worauf ich reagieren muss.

Uber die Gruseligkeiten zwischen B und S ein andermal.
Ich glaube nicht, dass es nur Offenheit war. Es war eine Art
Starbündnis. Und Sartre war meist mehr oder weniger
belämmert, weil er Whisky getrunken hat.

Na ja, wir müssen dieses grosse Thema wirklich
besprechen,wenn ich Zeit habe.
Heute ist das nicht so.
Mlg
...





Samstag, 26. Mai 2018

Weil du ...


Lieber ...,
Weil du mir so früh geschrieben hast, habe ich noch Zeit
gleich zu antworten. Über dieses S-B-verhätnis, möchte ich
nur sagen, dass ich die totale Offenheit, die dort gezeigt
wird, schätze. Wenn sie sich schmutzige Dinge erzählt
haben - ok dann hatten sie wohl solche Erlebnisse. Das
heisst nicht, dass Offenheit automatisch etwas sowas
bedeuten muss. Aber doch, vielleicht ist es so ein wenig.
Ich meine, wir bemühen uns wohl beide, dem anderen
ein so schönes Bild wie möglich von uns zu geben. Wir
versuchen kleine Banalitäten zu vermeiden. Wir
verschweigen unsere Ängste und Sorgen. Aber gerade
diese kleinen manchmal unschönen Dinge erzeugen eine
Vertraulichkeit, die eine Voraussetzung für eine richtige
Freundschaft ist. Ich wünsche manchmal ich wäre mehr
ein Walter als eine Malou für dich.

(---)

Ja, italienische Wörter sind manchmal überraschend
und sehen lustig aus. Ich habe auch über dieses
giapponesi gelacht.

Gestern Abend habe ich nochmals mit deinen Bildern
gearbeitet. Erst jetzt habe ich sie in der ursprünglichen
Grösse  in jpg-format. Und jedesmal wenn man sie
anschaut, kommen sie einem wenn möglich noch schöner
vor.
Soll ich dir eine Liste senden mit den Namen der Bilder,
die ich bereits bekommen habe.. ich meine falls du noch
welche schicken möchtest?

Sorry, ich wusste nicht, dass du jetzt schon wieder
arbeitest. Dachte du hättest Urlaub. Aber etwas leichter
als sonst hast du es wohl, oder?

Noch ein Bild mit einem schönen Namen. :-)


Tempio della fortuna virile

Alles gute für diesen Tag,
sendet dir
Malou