Sonntag, 13. Mai 2018

Hello ...



Subject : Hello.. is it me you're looking for..?

Lieber ...,

Es ist schön dass du mich so lieb zu  Hause Willkommen heisst. Ich habe es überstanden. Nur das Maulhalten ist mir nicht 100 %ig gelungen. Aber natürlich habe ich versucht deinen Rat zu befolgen. Ich würde dir gern erzählen was mich so stört aber ich möchte es lieber vergessen. Du weißt, dieser Mann tut alles andere als unterrichten und verzweifelte Schüler fragten mich Anfang der Woche ob er denn überhaupt eine Ausbildung hat und sein Fach beherrscht. Sie hätten bisher noch nichts gelernt und er macht immer alles falsch und sie müssen ihn korrigieren u.s.w. Ich versuchte sie zu beruhigen und sagte ihnen sie müssen mit ihm selbst darüber sprechen wenn sie irgendwelche Probleme haben. Und dann versuche ich ihnen auch beizubringen dass es immer klüger ist eine Sache freundlich vorzubringen. Ach, .. ich will nicht davon sprechen.
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Nun, wir haben eine gute Zeit gehabt und die jungen Leute auch. Ein paar konkrete Probleme sind natürlich entstanden aber sie gingen zu lösen. Was tut man z.B. wenn statt ein Bus nur zwei grosse Taxis auftauchen weil normalerweise nur wenig Passagiere diese Strecke fahren und 8 Personen schnell eine andere Transportweise finden müssen, oder wenn spät am Abend wenn das ganze Personal schon verschwunden ist plötzlich die Tür zu dem Schlafraum, wo die Jungen schon alle ihre Sachen untergebracht haben, von der Zugluft zuknallt und der Schlüssel fehlt. Nun, jedenfalls waren die Schüler sehr lieb und ich fühle dass ich sie nun besser kenne als vorher und sie mich auch. Und alle haben sich gut amüsiert.
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Ja doch, ich kenne die Diskussion in der Schweiz über die Sprachen. Habe davon im Flugzeug in den schweizerischen Zeitungen gelesen. Und meine Meinung dazu? Natürlich sollen die Kinder Englisch lernen. Sie wollen sich ja mit dem Rest der Welt verständigen. Und wer heute nicht englisch kann ist so ziemlich "out". Aber ich gebe auch deinem Chef recht. Französisch sollte man lernen um Zugang zu haben zu dem riesigen Kulturschatz den es in dieser Sprache gibt.
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Ach, weisst du, ich bin eigentlich etwas zu müde heute um zu schreiben. Die Worte wollen nicht richtig kommen.

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Die Verzögerung deines Briefes hat wohl nicht mit den grossen Mengen Luft zwischen uns zu tun, sondern eher mit dem schweizerischen Postwerk. Ein Brief aus Zimbabwe nimmt ungefähr dieselbe Zeit wie ein Brief aus Basel. ;-) Nein, er war natürlich nicht geöffnet. Und Post von dir wird auch nie in falsche Hände geraten. Aber wozu überhaupt "snail-mails" senden wenn man sich doch hier so schnell und gut (und kostenlos?) verständigen kann? Nur wenn du mal etwas gezeichnet hast das du mich sehen lassen willst kannst du es mir zum Ansehen schicken.Ich kann es nachher wieder zurücksenden, falls du willst.
Ich habe heute Nacht ein paar Stunden wach gelegen und dabei habe ich dauernd deine lustigen Illustrationen zu deinem Artikel vor mir gesehen. Das Mobil hat sich vor meinen Augen gedreht und die Eltern in dem "Laufställchen?" haben unruhig Ausschau gehalten nach ihren Abkommen. Und dann unser Turm..



und der dahinter, in dem man nie Sprachverbisterungen
finden wird, da ja alle  nur Englisch sprechen.

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Ich hoffe dass du verstehst wenn ich manchmal ein wenig mit Worten spiele. Dieses "Internetehe" z.B. warum sollte man es nicht so bezeichnen können? Viele Männer im Swisstalk sprechen sicher viel mehr mit anderen Frauen als mit ihren eigenen. "Seelische Emigranten" wie du es einmal genannt hast. Manchmal habe ich Angst dass du glaubst ich will zu viel von dir.. Es ist wahr.. ich möchte dich nie aus meinem Leben verlieren und wie man das Verhältnis zwischen uns nennt ist eigentlich egal. Du bist zwar nicht mehr dieser ruhige, ausgeglichene Mann, den ich anfangs zu kennen glaubte, aber ich schenke dir trotzdem immer mehr Vertrauen. Ich weiss, ich suche viel in dir

Sag, ..., warum bezeichnest du deine wunderschöne Schilderung deiner Kindheit plötzlich "regressive Trance"? Es hat mich sehr gefreut dass du mir so geschrieben hast. Dann fühle ich dass du mir wirklich nahe bist .. und nun scheinst du es fast zu bereuen.. warum?
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Eine "zufriedene, in sich ruhende Frau" würde ich gern sein. Dazu brauchte ich wohl ein anderes Schicksal :-) Aber vielleicht machst du auch nur Spass,

Ach, Schatz, wenn ich alle Dummköpfe in ein Schliessfach stecken müsste, dann wären die längst schon alle überfüllt. Wir lassen sie herumlaufen. Man kann ihnen ja meistens aus dem Weg gehen. Leider nur "meistens".

Draussen schmettert der Regen nur so gegen die Fensterscheiben. K hat an diesem Wochenende fleissig im Garten gearbeitet und Anna hat zufrieden festgestellt: " Jetzt tut Pappa etwas, was Väter tun sollen". Es war ein vielsagender Satz.

Ich verlasse dich nun für heute, chéri. Bitte, lass mich bald wieder von dir hören.
In Liebe
Marlena



Welcome home


Liebe Marlena
Es hat mich wirklich sehr gefreut zu sehen, wie Du Dich gefreut hast über die Post. Sie hat ja echt ewig gedauert. Aber man sieht daran nur, wieviel Luft zwischen uns ist. Und Luft ist nicht nichts. Das ist ein riesiges Kissen. Und durch dieses endlose Kissen schicken wir unsere Mails. Sie müssen in der Tat vorne spitz sein, sonst kommen sie kaum vorwärts.
Es ist natürlich eine Umweg-Adresse, die ich in der Hand habe. Und die Deine, Deine eigene, wäre mir natürlich viel lieber. Aber es ist schon in Ordnung so. Ich kann die Frau Doktor .. bombardieren. Hast Du das Kuvert verschlossen erhalten, oder öffnet sie es, wenn es bei ihr ankommt? Das darf sie eigentlich, denn es steht ja ihre Adresse drauf. Du verstehst mich, ich will einfach wissen, wo der Intimbereich anfängt. Aber ich will auch nichts riskieren. Ich weiss dass Du eine öffentliche Person bist und den Respekt der Leute brauchst, auch den guter Freunde. Ich kann Dir ja all die hübschen Dinge, die keiner sonst hören soll, hier sagen. Ich gehe also davon aus, dass irgend jemand, irrtümlich oder gewollt, so ein Kuvert öffnen könnte. Ist Dir das Recht, wenn ich es so handhabe? Und ich schreibe immer nur die Adresse von ...  drauf. OK? Ich möchte nicht, dass Du plötzlich vor schlimmen Konsequenzen stehst, obwohl wir beide ja eigentlich nichts Schlimmes anstellen.
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Ja, Deine barocke schriftstellerische Statur ist wunderbar. Sie hat wirklich etwas Glänzendes und man denkt an eine zufriedene, in sich ruhende Frau, die rundum Liebe und Sicherheit ausstrahlt. Du solltest wirklich mehr schreiben, nicht nur für mich, für uns alle!!
Bevor Du aber anfängst, müssten wir vielleicht nochmals eine kleine Diskussion über den Text al Text machen. Ich habe schon Hemmungen, darüber zu sprechen. Und ich werde mich absolut hüten, auch nur ein Wort darüber in der Italobar zu verlieren. Was meinst Du denn wird Franco dabei denken??? Er würde zerstreut die falschen Cocktails mischen, würde irritiert doppelte Mengen Alkohol beigeben und solch schlimme Dinge. Nein, die Italobar ist nicht der Ort dazu, meine Liebe.
Weißt Du meine Liebe, wenn ich sage ein Text sei ein Text, dann meine ich nicht, es seien nur Worte oder gar Wörter. Doch warum ich es immer wieder sage, hängt schon damit zusammen, dass auch mein naiver Glaube stark in dieselbe Richtung geht wie Deiner. Das ist nämlich die Vorstellung, Wörter bilden Dinge ab. Das ist die Sprachtheorie, die Augustinus in seinen Bekenntnissen anklingen lässt. Doch ich habe mal in meinem Studium eine Arbeit geschrieben über Wittgensteins Sprachphilosophie. Kennst Du Wittgenstein? War ein Oesterreicher, aus absolut reicher Familie. Hat sein Erbe verschenkt und ist zuletzt in Cambridge als Philosophieprofessor gelandet. Ein Vertreter der "normal language philosophy". Anfangs seiner Karriere hatte er eine völlig andere Theorie. Er hat also im Laufe seiner akademischen Karriere eine 180° Wendung gemacht. Er war - überigens homosexuell - ein blendender Geist. Und seine philosophischen Untersuchungen sind ein Schatzkästlein von Ueberlegungen und Erkenntnissen. Zentral ist das, was er "Sprachspiel" nennt. Wittgenstein würde jetzt also Marlena antworten auf ihre Behauptung, Sprache bilde Realität ab:
Wenn ich sage "Schau mal hier!" Bildet denn ein solcher Satz Realität ab?? Wenn er etwas in der Realität ersetzt, dann wäre es mein sanfter Stoss an Marlenas Schultern, die sie auffordert, zu schauen. Oder meinen Zeigfinger. Bildet der Satz wirklich meinen Zeigfinger ab?
Siehst Du, so ungefähr argumentiert Wittgenstein in seinen "Philosophischen Untersuchungen". Und es ist sehr spannend, ihm auf die Schliche zu kommen. Aber es ist nicht so leicht. Mindestens damals brauchte ich noch weitere Lektüre, um wirklich zu verstehen, was er meint.
Und die allgemeinste Schlussforlgerung daraus wäre vielleicht: Was Du meinst, Marlena, welche Funktion Sprache erfüllen kann, das ist vielleicht eine Spielform. Aber es gibt daneben noch etliche andere. Und man soll die arme Sprache nicht auf eine einzige Variante festnageln. Das wäre schade.
Wenn ich sage: "Du bist mein Schatz". Ist das eine Abbildung der Realität? Nein, das ist es nicht. Es ist eher eine Generierung von Realität. Es schafft Realität. Und wenn wir daran denken, dass alles, was wir in dieser Welt wahrnehmen, durch dieses Rohr der Sprache hindurch muss, die Welt, unsere Gefühle, unsere Absichten und Aussichten und Vorsichten und Übersichten, dann kann man schliesslich doch irgendwie sagen: Alles ist Text. Es gibt nichts ausserhalb des Textes. Unser Bewusstsein ist Sprache, soweit wir es mit anderen Menschen teilen. Und das haben, wenn ich richtig verstehe, die Franzosen rund um Lacan gesagt. Die waren ja ein wenig monoman. Und sie behaupten, die Welt hat die Struktur der Sprache, glaube ich.
Ach siehst Du, jetzt habe ich mich wieder hinreissen lassen über den Text als Text zu sprechen. Du hast mich erwischt. Und dabei wollte ich eigentlich nicht. Und ich glaube, für Dich als Sprachlehrerin ist es auch nicht absolut wichtig.
*
Wir haben im Moment in der Schweiz eine Diskussion um die Fremdsprachen in der Schule. Habe ich Dir schon davon erzählt. Der Kanton Zürich will Frühenglisch einführen. Das heisst, Kinder sollen ab 2. Grundschulklasse Englisch lernen. Mein Chef ist sehr skeptisch und meint, wir sollten bei Französisch als erster Sprache bleiben. Wir seien das den Romands, dh. den Schweizern französischer Muttersprache, schuldig. Es würde ein Kulturkonflikt entstehen, wenn wir den Französischunterricht auf den zweiten Rang setzen. Nun hat aber eine Umfrage in der Welschschweiz ergeben, dass 70% der Romands auch für Frühenglisch sind. Sie meinen, dann könnten wir endlich miteinander sprechen, zwar weder deutsch noch französisch, sondern eben englisch. Mein Chef meint noch, dass man eine Sprache nicht einfach als Instrument für eine weltweite Verständigung ansehen soll, sondern als ein Kulturgut.
Ich bin ja sonst sehr loyal gegenüber meinem Chef. Aber hier bin ich absolut nicht seiner Meinung. Erstens finde ich, wir sollten mit Frühenglisch anfangen. Auch Kinder mit wenigen Sprachbegabungen könnten dann etwas englisch lernen. Sie finden es ja überall, von Mac Donald bis Mac Intosh und Inbox, Combox und Online und weiss Gott wo überall. Die Motivation der Kinder ist besser für Englisch als für Französisch. Französisch ist bestimmt die schwierigere Sprache. Weshalb also mit der schwierigeren anfangen. Ich bin sicher, es gibt viele Schüler, für die eine Fremdksprache genug ist. Und mit Englisch würden sie gut fahren. Auch das Argument, dass Englisch eine Kultur sei, ist nicht griffig. Wir lernen ja an den öffentlichen Schulen nicht ein Queens-English, sondern dieses ubiquitäre internationalistische Englisch, das man auf Flughäfen, im Internet und in der Pop Musik wiederfindet.
Was meinst Du dazu, Marlena. Ihr seid ja ein Land, wo alle Menschen sehr gut englisch können. Ich kann mich erinnern, als ich in England war. Man hat immer wieder gesagt: suche Dir ein skandinavisches Mädchen, dann lernst du englisch. Und daran habe ich mich gehalten. Ich habe in den 3 Monaten nur einmal mit einem Mädchen französischer Zunge gesprochen. Sie war sehr sympathisch und hübsch. Aber ich habe mir gedacht, bei ihr kann ich nicht viel lernen. Deshalb habe ich es dabei belassen. Nolens volens.
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Du bist sehr kritisch mit den Homines Sapentes männlicher Variante! Aushalten, Haushalten und Maulhalten klingt wie ein Durchhalteparole für den Krieg. Ach, Marlena, Du mit Deinem Charme brauchst doch nicht solch düstere Devise. Du besiegst sie doch mit Deinem Charme! Oder etwa nicht? Wenn nicht, gib mir einen Funk, dann komme ich vorbei und wir sprerren ihn auch ins Schliessfach. Damit haben wir doch Erfahrung.
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Ich hoffe, Du hast eine gute Zeit gehabt. Und ich schick Dir dieses Mail jetzt. Dann hast du was im Box, wenn Du in die gute Stube trittst.
Ich küsse Dich, ich homo sapiens sapiens.
...

Samstag, 12. Mai 2018

Roman-is-tik


Lieber ...,

Danke für deine schnelle Antwort. Aber chéri, du musst dir doch keine Sorgen machen wegen deinen Fantasien. Ich liebe es wenn du so direkt drauflosschreibst ohne Korrektur und ich lache herzlich über deine manchmal etwas lustigen Gedanken. Natürlich bin ich ein wenig so wie du schreibst.. aber eigentlich nur wenn ich verliebt bin. Dann werde ich ein bisschen barock, das muss ich zugeben. ;-)
Ein Text ist ein Text sagst du wieder. Und das klingt irgendwie als ob du sagen würdest: Worte sind nur Worte. Dahinter keine Realität. Ich meine, zuerst ist die Realität und die Worte sind nur dazu da diese an einen anderen Menschen zu vermitteln. Ich kann nicht Realität mit Worten erzeugen. Oder was meinst du, mein lieber Mausfreund? Ich kann Gefühle hervorrufen damit, das stimmt sicher aber.. OK ich lasse es.. wir müssten es vielleicht mal in der Italobar diskutieren.
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Ich schreibe dir noch heute weil ich morgen Nachmittag wegfahre mit meiner Klasse und "dem" Kollegen und erst am Mittwoch Abend zurückkomme. Zuerst war mir der Gedanke sehr zuwider aber da ich nicht davonkommen kann habe ich mich entschlossen das ganze als eine Herausforderung zu sehen und eine Möglichkeit dieses komische Exemplar von Homo Sapiens etwas näher zu studieren. Meine grösste Aufgabe wird sein nicht zu sagen was ich denke.. nach dem Motto: "Aushalten, Haushalten, Maulhalten"
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Anna und ich waren den ganzen Nachmittag bis spät am Abend in der Stadt. Wir sind in etlichen Geschäften gewesen um ein wenig neue Kleider und Schuhe für die kalte Jahreszeit zu besorgen. Wir mussten diesen Tag dazu ausnutzen weil wir ja sonst nie gleichzeitig frei sind. Ich mag nicht die Luft der Kaufhäuser und die Leute die ihre Tage dort verbringen müssen tun mir wirklich leid.
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Ich muss immer wieder an deine lustige Schilderung von eurer Schule denken und dabei sehe ich euch unbemerkt unter den Bänken aus dem Klassenzimmer kriechen. Vielleicht war es eine sehr liebe Lehrerin, die ein Auge zugedrückt hat, weil sie euch ein wenig Freiheit gönnen wollte. :-) Jedenfalls muss ich mich beherrschen damit ich nicht plötzlich anfange zu lachen wenn ich daran denke. Es ist wirklich zu drollig.

Nun werde ich mir eine Tasse Tee machen und dann für morgen ein wenig packen. Es sieht aus nach Regen aber die Aktivitäten werden ja meist "indoors" stattfinden. Also kein Problem.

Danke nochmals für den Brief mit dem Artikel. Ich werde ihn im Bett heute Abend noch ein wenig studieren. Deine Zeichnungen sind auch so treffend. Ich gratuliere dir dazu.
So, ich muss langsam gehen. Habe noch nicht meine Stunden für morgen Vormittag vorbereitet.
Am liebsten möchte ich dich nun umarmen weil ich dich so lieb habe.
Ganz platonisch ;-)
Ti voglio tanto bene.
Marlena

Blick durchs Fenster




Blütenschnee





Donnerstag, 10. Mai 2018

Etwas zu lang wohl ...


Lieber ...!

Ich habe dich heute im Swisstalk verpasst - vielleicht nur mit Sekunden. Aber es macht nichts denn eigentlich hätte ich nur eine ganz kleine Weile mit dir chatten können.

Ich liege auch mit meiner Arbeit nach... aber das ist eher normal. In diesem Beruf kann man immer noch etwas tun und es kommt vielleicht ein bisschen auf das Ambitionsniveau an. Die sehr heterogenen Klassen machen dass man immerzu selbst extra Material herstellen muss um die Studien zu erleichtern. Natürlich könnte ich nur 80 % arbeiten, aber wahrscheinlich würde ich genauso viel Zeit darauf legen aber mit nur 80 % Lohn. Deswegen zögere ich.
Aber genug davon jetzt.
Ich war eigentlich etwas erstaunt als ich sah dass Erich Kästner die Geschichte von dem schweigsamen Fräulein geschrieben hatte. (Sie steht in einer kleinen schon veralterten Anthologie, zusammengestellt für das Gymnasium). Eine andere kleine Geschichte aus demselben Buch ist "Ein alter Mann stirbt" von Luise Rinser. Sie ist traurig und schön und zeigt wie kompliziert das Verhältnis zwischen Eheleuten sein kann. Sie endet mit den Worten:
"Altersschwäche", schrieb der Arzt auf den Totenschein. Ich aber begriff, woran sie gestorben war, und mich schauderte davor, zu sehen, was für unheimliche Formen die Liebe annehmen kann."

Damit wäre ich wieder ganz unwillkürlich bei meinem Lieblingsthema gelandet ;-)
Heute werde ich einen stillen Abend im Kreis der Familie verbringen. Das wäre fast unmöglich gewesen bei meinen Eltern... Immer war etwas los und das Haus voller Gäste wenn wir nicht selbst wo eingeladen waren. Mein Onkel liebte es Menschen um sich zu haben, je origineller desto besser. Schauspieler, Sänger, Künstler und Weltenbummler ohne eigentlichen Beruf mengten sich zu unseren nahen Freunden. Es wurde gelacht, getanzt und gesungen bis in die späte Nacht. Ich hatte an solchen Abenden oft eine Kusine in meinem alter zu Besuch und wir schlichen leise die Treppe hinunter um einen flüchtigen Blick (?) von diesem heimlichen Leben der Erwachsenen zu bekommen.

Es ist komisch wie du mich wieder an Sachen denken lässt die ich glaubte längst vergessen zu habe. Manchmal kommt es mir vor als hättest du die Schleusen zu meiner Vergangenheit geöffnet und nun quellen die Erinnerungen nur so hervor.
Ich glaube nicht du sondern ich liege auf der Couch und ich erkenne die Gefahren dabei. :-)
Du meinst 2000 Km schützen uns gegen unerwünschte (?) Gefahren... Wir werden sehen..

Es ist inzwischen Sonntag geworden. Ich höre mein Lieblingsprogramm im Radio. Redakteure einiger der grössten Zeitungen unterhalten sich in amüsanter Form über die grossen Ereignisse der Woche. Man hat Leichen in der politischen Garderobe gefunden. Die U-bootkränkungen sind auf dem Weg ihre natürliche Erklärung zu erhalten. Das schwedische Militär hat nämlich heimlich (ohne das Wissen der Regierung?) mit der Nato zusammengearbeitet und die vermuteten russischen U-boote waren wahrscheinlich meistens amerikanische die also die geheime Erlaubnis hatten dort zu operieren. Welch ein Doppelspiel des Militärs! Man musste ja sogar tun als ob man sie suchte und bekämpfte.

Norwegen hat eine neue Regierung gebildet, mit dem jüngsten und schönsten Staatminister je. Er ist erst 41 Jahre alt und nach einer Rundfrage hat es sich gezeigt dass fast alle Frauen ihn sehr gern als den Vater ihrer Kinder oder als ihren heimlichen Liebhaber sehen würden.

Man spricht auch viel von unserer Alkoholpolitik. Die EU will dass sich Schweden dabei dem übrigen Europa anpassen soll. Wir haben sehr hohe Steuern und der Staat würde viel Geld verlieren wenn wir die Möglichkeit hätten diese Getränke im Ausland zu kaufen.

Thema "unheimliche Geliebte".. Diese Woche haben wir die Erlaubnis erhalten unsere Schokolade als Schokolade bezeichnen zu dürfen (obwohl sie nicht den Qualitäts-forderungen der EU entspricht). Freue dich also dass du bei dir das beste geniessen kannst.

Und schliesslich diskutiert man die Arbeitszeit. Während andere Länder diese reduzieren, ist sie bei uns in den letzten Jahren gestiegen. Auch in meinem Beruf merkt man davon. Früher hatte man 6-7 Klassen, heute 9 - 11.

Zu Goethes Faust möchte ich dir sagen dass ich die Gründgens-Inszenierung des Düsseldorfer Schauspielhauses ( Deutsche Grammophongesellschaft, Literarisches Archiv) besitze. Wenn du das einmal gehört hättest würde dir der Faust auch gefallen. Es ist mit Schauspielern wie Paul Hartman, Gustaf Gründgens und schliesslich Käthe Gold als Gretchen. Es ist ganz einfach einmalig. Ich habe übrigens die Universität mit dieser Vertönung bereichert (sicher zu grosser Freude aller Deutschstudierenden). Denn es nur zu lesen kann nie dasselbe sein.

Was könnte ich dir sonst noch erzählen? Mein Leben ist zeitweise ziemlich uninteressant und manchmal träume ich davon es radikal zu ändern. Möchte eine Zeit in die Welt hinaus, neue Milieus erleben... aber ich habe einen "husband" (dieses komische Wort :-), der mich ans Haus bindet und so werde ich wohl alle diese Träume weiterhin nur in meiner Fantasie ausleben können. Manchmal stelle ich mir einen Tag mit dir in Paris vor und was wir alles tun würden. Natürlich gehen wir auf derselben Strassenseite. Du legst sogar dabei deinen Arm um meine Schulter (vielleicht nur weil du von dem vielen Wandern müde geworden bist und mich als Stütze benutzen willst ;-) Aber es ist trotzdem schön und du erzählst mir so viel von dem ich noch nichts gewusst habe. Ich werde fast krank vor Sehnsucht wenn ich daran denke....
Ich liebe Paris. Es ist mit meiner Jugend verbunden genau wie das Wallis mit deiner.

Du sprichst von Musik. Ich glaube Musik spielt in meinem Leben dieselbe Rolle wie die Malerei in deinem. Sie tröstet mich, begeistert mich und ich hole Kraft daraus. Ob ich selbst ein Instrument spiele? So möchte ich es nicht nennen :-) Aber Klavier und Gitarre habe ich gelernt. Mein Onkel, der Geige spielte, wollte dass ich auch dieses Instrument lernen sollte, aber es gibt Grenzen ;-) Gitarre habe ich gelernt um mich selbst beim Singen zu begleiten. Sicher sind einige der Chansons von denen du sprichst auch auf meinem Repertoire gewesen. In meiner Jugend bin ich manchmal aufgetreten und in der Schule musste ich immer solo singen bei verschiedenen Anlässen. Leider auch zu Hause in der Familie. Dabei fühlte ich mich meistens wie ein dressierter Affe ;-) und zum Schluss weigerte ich mich es zu tun.

Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
mit klarem, metallenem Schlag:
mir zittern die Sinne. Ich fühle, ich kann -
und ich fasse den plastischen Tag
.....

Das werde ich nun auch tun.
Lass es dir gut geh'n
Love
Marlena



Mittwoch, 9. Mai 2018

Blütezeit

heute im Garten

und wieder lächelt die Maisonne herrlich!

HIER




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Sonntag, 6. Mai 2018

Letzte Hoffnung





Letzte Hoffnung

Am Kirchhof steht ein Baum alleine
In einer jungen Herrlichkeit.
Ihn pflanzt kein hergebrachtes Leid, –
Sanft neigt er sich dem schlichten Steine.

Im Sommer wie im Winter singt
Ein Vöglein auf dem Baum, wie klingt
So zart der Schmerz der treuen Töne.

Der Vogel und der Baum sind wir,
Du das Gedenken, ich die Ferne.
Der einst'gen Tage, mild wie Sterne –
Ach lebt ich noch zu Füssen dir!

Ach leben, leben! Meine Schöne,
Das kalte Nichts besiegte mich,
Doch leb ich dir im Herzen? Sprich!

Paul Verlaine