Samstag, 16. Dezember 2017

VISP


date: 18 December

Liebe Malou


Ja, deine ausführlichen Antworten sind soooo lang, dass man sie fast nicht mehr überblickt. Manchmal sieht man sie kaum ;-)


Aber ich schreibe dir sehr gerne. Irgendwie ist es für micht, wie wenn ich einen Brief nach Hause schicke. 

Stell dir vor: heute Morgen bin ich in Basel in einen Zug gestiegen, für den an der Anzeigetafel   V I S P  angeschrieben war. Fand ich ganz komisch. Mit dem neuen Lötschbergtunnel ist man von Basel - glaube ich - in weniger als 2 Stunden in Visp. Und Visp ist als Umsteigestation nach Zermatt und Saas Fee wichtiger geworden. Sie fühlen sich neuerdings den Brigern, die früher immer etwas überheblich waren, heute überlegen. Offenbar rechnen sie auch mit neuen Firmensitzen in Visp. Ich glaube, ich werde mal diesen Zug um 6.30h nehmen und sitzenbleiben bis Visp.  Denke mal, als ich noch in Zürich studiert hatte, ganz am Anfang, dauerte die Heimreise am Wochenende mindestens 4 Stunden. Es dauerte eine ganze Ewigkeit. Man konnte die ganze dicke deutsche Zeitung DIE ZEIT lesen. Und das will schon was heissen. Und heute ist Visp ein Vorort von Bern, so nennen sie es. Sosehr verändert sich die Geographie in der Schweiz.


Gestern abend bin ich quer durch die halbe Stadt marschiert. Es war kalt. Ich hatte keine Lust, auf den Schützenmattpark zu gehen, wo es dunkel ist wie in einem Kuhmagen. Durch die Stadt ist es unterhaltsam. Aber ich hatte keine Stöcke mitgenommen. Bloss meine Juke Box, und habe philosophische Überlegungen zu den Vorsokratikern von diCresenzo gehört. Aber so genau habe ich oft auch nicht hingehört. Es gab, nach dem regen Wochenende, nicht allzu viele Menschen in der Stadt. Und viele der Restaurants und Cafés, die nicht gerade zentral liegen, waren geschlossen. Die Leute sitzen eben leider alle vor dem Fernseher und schauen in die Welt hinaus, dazu alle in die gleiche Kanal-Richtung.


Heute wollte ich mich mit Walo treffen. Doch er antwortet nicht am Handy. Wahrscheinlich hat er viel Arbeit. Ich werde sehen, was sich ergibt.


Ich wünsche dir einen schönen Tag


Liebe Gs und Ks
...

Essen in Rom




Liebe Malou
Ja hübsch, die italienischen Impressionen, nicht? Die Römer essen gerne und man sieht sie oft in verschiedensten Situationen essen. Und wenn immer man in ein Ristorante gerät, das mit Einheimischen besetzt ist, dann bekommt man gutes Essen. Aber auch noch dort, wo sich Touristen auf den Zehen stehen, ist es nicht schlecht. Ich habe oft in einem Self-Service Restaurant gegessen an der Piazza Argentina. Ich glaube, die Italienier können Teigwaren gar nicht schlecht machen. Es war einfach, aber geschmacklich gut.

Freitag, 15. Dezember 2017

Italienreise

 


Liebe Malou

Ich habe soeben von meiner Italienreise geträumt.
Magst du auch?



Re: Schnellstens

Lieber ...,

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Ich kann deine Bilder vor mir sehen. Sie sind sehr lebendig und du hast damit sowohl meine Sehnsucht nach und meine Angst um diese Stadt gesteigert. Nie hätte ich mir das Castel Sant' Angelo mit einem solchen Vordergrund vorstellen können. Es bestätigtalles was mir Lou und N darüber erzählen.
Armes Rom!!!

Siehst du, ein kleines Mail ist es schon jetzt geworden.

Aber ich möchte dir viel mehr schreiben.

Bis dahin alles Liebe und Gute für

diesen Tag
mit Gs und Ks
Malou

Guten Morgen :-)


14 dec.

Lieber Mausfreund,
Wie schön du mir schreibst. Ich habe es sehr genossen. Jetzt bin

ich schon auf Sprung, denn ich werde vor zehn abgeholt. Diesmal
fährt meine Kollegin. Das macht mich etwas ängstlich, denn sie ist
eine unglaublich schlechte Autofahrerin. Aber ich habe mir schon
den Weg vorgestellt und es gibt da nicht viele Situationen, die uns
in Gefahr bringen können. Fast eine gerade Strecke bis zum Ziel.

Schade dass K die Kamera mit hat. Ich würde gern ein paar Bilder

für dich machen von der weihnachtlich geschmückten Stadt.

Nicht nur eine Pfütze... finde ich lustig gesagt und es freut mich
natürlich, dass du es auch so siehst. Und wenn du NY nennst,

so habe ich immer noch den Eindruck ich hätte die Zeit dort mit
dir verbracht. So schön und harmonisch waren deine Mails und
voll von wunderbaren Augenblicksbildern.. obwohl du dir ja auch
eine hübsche Frau angelacht hast. Ein wenig eifersüchtig war
ich schon. :-)

So, mein Kaffee ist fertig. Ich muss mich zurechtmachen und
je te laisse. Ich komme später auf andere Dinge in deinem

Mail zurück.

Bis dahin
alles Liebe und Gute
mit Gs und Ks
Malou

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Dies und das und jenes. ..


Liebe Malou
Ich danke dir für dieses schöne lange Mail. Ein solch langes und ruhiges hast du lange nicht mehr geschrieben. Ja, meine Mausfreundin, ich glaube, wenn ich dir schreibe, habe ich ein klein bisschen das Gefühl, wie wenn ich zu dir und in deine ruhige Atmosphäre auf einen kleinen Kaffee käme. Es beruhigt mich. Und wir haben eine kleine Vergangenheit. Das heisst, unser Wasser hat schon eine gewisse Tiefe. Und das ist mehr als bloss eine oberflächliche Pfütze.
Ich merke schon, dass mir so ein Gefühl der Familie und der Häuslichkeit anfängt zu fehlen. Gerade in dieser Weihnachtszeit ist dies doch ein starkes Gefühl. Aber ich kann auch nicht unbedingt behaupten, ich hätte dies zusammen mit S gehabt. Obwohl sie sich bestimmt Mühe gegeben hat, ein gutes Haus zu führen, davon bin ich überzeugt. Die Atmosphäre hat mir gefehlt, das Gespräch, das Lachen zwischendurch, das Gefühl der Gemeinsamkeit, vielleicht das letzte hat mir am meisten Gefehlt. Es war mir immer so, als ob sie in einer anderen Welt gelebt hat als ich. Heute interpretiere ich es mit der persischen Gesellschaft und der Geschlechterloyalität, die sie hervorbringt. Frauen fühlen sich zuhause unter Frauen, Männer unter Männern. Die Begegnung zwischen den Geschlechtern ist irgendwie exotisch und tendenziell ein Kampf oder vielleicht ein Handel.

Gestern war ich in der Stadt und habe ein wenig die Vorweihnachtszeit genossen. Es gibt viele Leute. Und alle rennen sie irgendwelchen Geschenken nach, die noch zubesorgen sind. Ich bin natürlich in einem Musikgeschäft und einem Bücherladen gelandet. Dort kann ich meine Zeit am besten verbringen. Die grossen Bücherläden sind richtige Freizeitzentren geworden mit Caffeteria, Hörbar für CDs, Büchertische zum Anschauen. Und wenn ich dort hineingehe, erinnere ich mich gerne an jene gemütlichen Bücherläden am Broadway in NY. Sonntag abends um 8 oder 9h konnte man sie noch aufsuchen. Sie hatten eine Art Garderobe, wo man die Taschen abgeben musste. Aber die Läden waren sehr gemütlich und nicht übervölkert wie in Basel. Sie hatten nur einen einzigen Nachteil. All die vielen Bücher auf den grossen Tischen waren alle eben in Englisch.
Und später habe ich noch einen langen Abendspaziergang gemacht und gleichzeitig mit meiner Juke-Box, die mir Walo geschenkt hat, einen Text über die Vorsokratiker von de Crescenco gehört. Es war das erste Mal, dass ich mit Kopfhörer im öffentlichen Raum gewandert bin. Es gibt einem ein spezielles Gefühl. Und natürlich kann man sich nicht immer so gut auf die Stimme konzentrieren. Manchmal überhört man Dinge. Gelegentlich auch, weil es draussen zu laut ist.

Ja, ich würde an deiner Stelle sofort fragen, was die drei Punkte auf der Hand bedeuten. Das finde ich interessant, von Leuten über ihr Leben zu hören. Und natürlich haben nicht alle ein interessantes Leben gehabt. Oder vielleicht muss man sagen: nicht alle können spannend über ihr Leben erzählen. Jedenfalls erinnere ich mich bei diesen Dingen, die du erzählt hast, an eine Untersuchung, die ich damals als Student am IAP gemacht hatte. Ich glaube, du weisst, dass ich damals stundenweise als Psychologe arbeiten konnte. Und ich war in der Verkehrsabteilung beschäftigt, wo man mit der Selektion von Polizisten, Tram- und Buschauffeuren für die Stadt Zürich zu tun hatte. Einer hatte mir dabei von seiner Zeit in der Fremdenlegion erzählt. Ein anderer - ihm war der Fahrausweis entzogen worden - hatte an einem Raub teilgenommen. Er war zwar nur der Fahrer der Gangster gewesen, und hatte im Fahrzeug auf seine Kollegen gewartet. Gerade deshalb wurde ihm der Ausweis für einige Jahre entzogen. Der Grund aber für dieses Unternehmen war seine Geldknappheit. Er war immer nach Konstanz gefahren um zu spielen. In der Schweiz waren damals Casinos verboten. Deshalb musste er dafür an die deutsche Grenze fahren. Ich erinnere mich noch, wie er schilderte, dass er oft nach dem Konstanzer Casino nicht einmal mehr Geld hatte, um Benzin für seine Heimfahrt zu bezahlen. So sehr war er sich vorher sicher gewesen, dass er diesmal viel Geld gewinnen würde. Also frag ihn Malou! Ich bin sicher, ein alter Mensch erzählt gerne von seinem Leben. Vielleicht hat er wirklich gesessen? Und wenn du zuhörst, kannst du nachfühlen, wie es sein muss, im Kittchen zu sitzen. Schliesslich muss man doch alles im Leben mal ausprobieren ;-))
Erzähl mir dann, wieviel du gekriegt hast. 4 Jahre? 6 Jahre bei Wasser und Brot? Bist du wegen guter Führung vorzeitig entlassen worden?

Die beiden Bilder, die du schickst, gefallen mir. Ich finde, Bilder in Kinderbüchern sollten viele lustige und einfallsreiche Details zeigen. Das weckt sozusagen den Eroberungssinn des kindlichen Auges. Kinder lernen, Bilder genau anzuschauen und viele Dinge und Zusammenhänge zu entdecken, die sie anfangs nicht gesehen hatten. Na ja, das ist vielleicht sehr schulpsychologisch gedacht.

Ich werde vielleicht in den Weihnachtstagen einmal ins Wallis fahren. Vielleicht hast du davon gehört, dass der neue Lötschberg-Basis-Tunnel fertig erstellt worden ist. Damit gewinnt man beinahe eine Stunde Fahrt. Visp hat sich damit zum neuen Verkehrsknotenpunkt entwickelt und einen neuen Bahnhof erhalten. In Visp steigen die Leute um, um nach Zermatt oder Saas Fee zu gelangen. Die Visper sind mächtig stolz, durch diese neue Situation die Briger ein bisschen überholt zu haben. Jedenfalls kann man von Bern in einer halben Stunde Visp erreichen. Das ist eine neue Verknüpfung und ermöglicht sogar, im Wallis zu wohnen und in Bern zu arbeiten. Das Wallis ist - so habe ich irgendwo gelesen - zum Vorort von Bern geworden. Es ist mir aufgefallen, wie viel Berner Zeitungen neuerdings über das Oberwallis berichten. Diese neue Verbindung werde ich also mal anschauen. Das Ende des Tunnels liegt etwas oberhalb Raron, also zwischen Visp und Raron. Vielleicht sollte ich wirklich wieder mal im Wallis ein Fondue essen?

Ich wünsche dir einen guten Tag
Liebe Gs und Ks
...



Dienstag, 12. Dezember 2017

Gute Zeit


Lieber ...,
Du wünschst mir eine gute Zeit, und heute Abend habe ich sie. Ich bin nämlich Strohwitwe. Bin ich ja eigentlich immer, aber heute gehört das Haus nur mir und ich kann dir nach Herzenslust schreiben, gerade in dem Moment wenn ich Inspiration habe, d.h. jetzt. :-)

Ich habe mit großem Interesse deine Schreibpläne wahrgenommen und bin erstaunt wie wissenschaftlich du ans Werk gehst. Es wäre schön, wenn du damit Erfolg hättest und das wünsche ich dir aus vollem Herzen. Doch glaube ich immer, dass das schönste Buch von dir deine Memoiren sein müssten. :-)
Doch wenn du einmal einen Namen hast...

Beim lesen deines Mails musste ich an die Zeit zurückdenken, als Anna noch klein war und abends vor dem Einschlafen immer wollte, dass ich ihr etwas vorlesen sollte.. Oft war ich schon sehr müde nach einem strengen Arbeitstag, zu müde um etwas zu lesen, aber noch nicht zu müde um etwas zu erzählen.



Du kennst sicher die Bücher über Pettson. Ich denke sie müssen auch ins Deutsche übersetzt sein. Und zu diesen Büchern habe ich immer neue Kapitel aus meiner Fantasie erzählt. Findus, der Kater, hatte plötzlich ein kleines Liebchen im Wald gefunden, mit der er sich heimlich traf, Pettson selbst kriegte von mir eine "faster Olga" (faster ist Tante = Vaters Schwester). Diese kam oft ohne Ankündigung und schaute bei ihm nach dem Rechten. Auch eine kleine Mausfamilie habe ich erfunden, die abends, wenn Findus endlich eingeschlafen war, hervorkam und in der Küche nach Nahrung suchte. Ich musste mich nicht einmal anstrengen beim erzählen. Es kam alles so spontan zustande.
*
Du erzählst von den Mahlzeiten in deinem Büro und dabei denke ich mit Nostalgie zurück an die schönen Stunden, die ich zusammen mit Kollegen in der Schulkantine verbracht habe. Unsere Schule war sehr gross und an einem normalen Arbeitstag traf man meist nur Kollegen aus demselben Fachbereich. Es gab eine Zeit, wo wir ein gemeinsames Lehrerzimmer und gemeinsame Pausen hatten. Man konnte also täglich mit den meisten anderen Lehrern dort zusammenstrahlen und Gedanken austauschen. Dann kam jemand auf die Idee, die Lehrer sollten in jedem Fach ihr eigenes "Kaffeezimmer" haben und auch die gemeinsamen Pausen verschwanden. Und so blieb dann eigentlich nur noch die Kantine, wo man "die anderen"
treffen konnte. Natürlich gab es auch Leute, die sich eigenes Essen mitbrachten, aber die wussten sicher nicht was sie verpasst haben in der Kantine. Das Essen war hervorragend. Ein Salatbüffet dazu zwei wahlfreie warme Speisen (viele nahmen von beiden), Milch, Bier oder
Mineralwasser. Und nachher noch Kaffee mit einem kleinen Gebäck dazu. Und das alles für etwas mehr als 3 Euro. Aber das schönste dabei waren doch die Leute und die fröhliche Stimmung.
*
Jetzt mache ich eine kleine Pause. Muss mir etwas zu essen machen... Wartest du? Oder läufst du mir wieder davon? ;-)
So, bin wieder hier. Als Nachspeise habe ich mir eine Tasse Tee gemacht und dazu gibt es  Lussebullar (ein besonderes Luciagebäck).
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Gestern konnte ich nicht einschlafen. Weiss eigentlich nicht warum. Als ich schließlich auf die Uhr sah, war es schon nach 3 Uhr morgens. Dann muss ich doch noch ein paar Stunden geschlafen haben. Um halbzehn musste ich los. Der alte Herr mit dem neuen Hörapparat musste nochmals ins Krankenhaus, um das neue Gerät zu kontrollieren. Aber  gegen halbzwölf war ich schon wieder zu Hause.
Er ist ein sympathischer Mensch und nicht ungebildet, obwohl er nicht studiert hat. Habe ich dir gesagt, dass er 3 Punkte eingraviert hat in der Falte zwischen Daumen und Zeigefinger? Es kann bedeuten, dass er mal im Gefängnis gesessen hat. Man nennt dieses Zeichen "luffartecken" (vagabondenzeichen). Es kann auch anderes bedeuten und vielleicht war er einst nur ein Junge, der sich selbst so was eingravierte um though (tuff?) zu sein. Ich glaube ich frage ihn nächstes Mal danach.. :-)

Heute hatten wir endlich wieder etwas kühles Wetter mit Temperaturen gleich unter Null. Die letzten Tage waren ziemlich trostlos mit Wind und Regen. Dann bevorzuge ich diese kalte Luft. Aber der Himmel ist grau.

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Ich habe nochmals den Artikel "Das lange französische Gedicht" durchgelesen. Der erste Teil kommt mir etwas kryptisch vor. Ich vermisse eine Logik (vielleicht bin ich auch nur zu dumm um sie zu sehen) aber der Artikel weckt Fragen und ich würde gern diese Cécile W bitten mir zu erklären wie sie dies und jenes meint. Mir kommt dabei ein schwedisches Zitat in den Sinn: "Das dunkel gesagte ist das dunkel gedachte". Ihr Bedauern über den mangelhaften Literatur unterricht erkenne ich. Das gilt auch für unser Land. Doch man versucht es nun zu ändern. Ich muss unwillkürlich an das beigefügte Bild denken. Vielleicht sind wir nun schon am letzten Stadium der Entwicklung gelandet.

Nein, ich mache nicht Spass. Ich meine es wirklich.
*
Du schreibst immer so schön, mein lieber Mausfreund. Auch heute noch bist du ein Glückspender in meinem Leben.. eine Droge, von der ich abhängig geworden bin. Es freut mich, dass es dich trotz deines schönen RL immer noch als Mausfreund in meinem Leben gibt.

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Siehst du, es ist schon wieder etwas spät geworden. So lasse ich dich nun und wünsche dir eine gute Nacht bzw. einen guten Morgen.

Mit lieben Gs und Ks
Malou



Montag, 11. Dezember 2017

Anweisung für einen Abstieg zur Hölle



Lieber ...,
Es war nett eine Weile heute mit dir zu plaudern. Ich habe dir schon ein Bild gemacht von den Zutaten die du brauchst für das Rezept das ich dir senden will.

Neulich musste ich lachen, denn gerade jetzt wo du dich mit deiner Garderobe für den Aufstieg in den Himmel beschäftigst, kam mir dieser Titel vor die Augen. Es ist ein Buch von Doris Lessing. Vielleicht sollten wir uns auf beide Möglichkeiten vorbereiten. Mir spielt es eigentlich keine grosse Rolle wo ich lande. Die Hauptsache ist du bist auch dort. Dann wird es nie langweilig. :-)

So ich lasse dich mit diesen paar Zeilen. Schicke dir ein paar Bilder vom Nobelfest mit und ein Bild für das Rezept, das ich dir senden werde.

Alles Liebe noch
mit Gs und Ks
Malou

Anweisung für einen Abstieg zur Hölle
Anweisung für einen Abstieg zur Hölle handelt von einem Altphilologieprofessor, dessen äußere Realität zusammenbricht und der stattdessen in einer inneren Welt des Geistes aufgeht. Das klingt zunächst einmal klischeehaft, fast abgedroschen, ist aber aufgrund der einfühlenden Erzählweise von Doris Lessing spannend und interessant zu lesen. Passagen aus dieser inneren Welt wechseln sich ab mit kurzen Einschüben aus der so genannten normalen Realität, in der Professor, Charles Watkiens, in einer Psychiatrie gelandet ist, in welcher er mit Psychopharmaka behandelt wird. Doch nichts hält Watkiens davon ab, die verborgenen Bereiche seiner Psyche zu erkunden. Schließlich bringt er die Psychiater auch dazu, sich ernsthaft mit seinem Geist und Leben auseinander zusetzen: durch Briefe und persönliche Interviews von und mit den Angehörigen, Freunden und Bekannten wird ein facettenreiches, panoptisches Bild dieses Mannes gezeigt. Schließlich holen die Vertreter der Commonsense-Realität den Professor mit Elektroschocks wieder in die anerkannte Wirklichkeit zurück, so viel sei hier schon verraten. Insgesamt ist dieses Buch ein gelungenes Bewusstseins-Panoptikum, das sich hauptsächlich aus bunten Innenweltschilderungen, Briefen und Interviews zusammensetzt und nicht ganz anspruchslos ist.