Montag, 16. Januar 2017

Re: Happy day


den 6 november  09:14
Re: Happy day



Liebe Marlena

Merci für Deine Gratulationen. Sie freuen mich, obwohl ich mir aus meinem Geburtstag nicht wirklich viel mache. Vielleicht kommt das daher, dass man im katholischen Wallis offiziellerweise den Namenstag mehr feierte als den Geburtstag. Und darauf hatte ich mich eingestellt.

*

Gestern abend waren wir essen. Es war der einzige mögliche Termin, um alle dabei zu haben. Dazu kam auch A's Freund, der Architekt. Er hatte uns für unseren Abflug in die Türkei mit dem Auto nach Kloten gebracht und hatte sich ein spezielles Essen dabei verdient.

Wir waren in der Kunsthalle, ein eher gehobenes bürgerliches Restaurant. Ich glaube, S. ist immer da, wenn sie in der Stadt isst. Man kennt sie dort und sie gibt Trinkgelder wie in alten römischen Zeiten. Aber es war gut und um 22.00h waren wir schon wieder zuhause und konnten ziemlich normal ins Bett. Das mag ich in meinem vorgerückten Atler.

*

Und heute höre ich, wie Du immer noch ein feuriges Ding bist, das allen - vor allem allen Männern - einheizt und die Meinung sagt. Vielleicht kennst Du die Geschichte von Winkelried? Sie ist mir dabei in den Sinn gekommen. Besonders, als Du sagtest, die andern sollten eigentlich auf ihr Recht bestehen, denn sie ärgern sich noch mehr als Du. Winkelried war ein alter Innerschweizer. Und als sie damals gegen die Oesterreicher Krieg führten, und als sie dabei waren, der Übermacht des Ritterheeres, welches mit seinen langen Lanzen einen entscheidenden Vorteil im Kampf hatte, zu unterliegen, soll es dieser Winkelried gewesen sein, der sich in die Reihen der Lanzen geworfen haben soll, um ein riesiges Bündel davon zu umarmen und so seinen Hintermännern eine Gasse zu schaffen, um sich vorzukämpfen. Gutwillige Zungen behaupten, er hätte vorher zurückgeschaut und gerufen: Sorgt für meine Frau und meine Kinder. Böswillige dagegen meinen, er hätte gebrüllt: Wer hat da gestossen? Ich habe im Gymnasium auch mal eine solche Szene erlebt, dh. ich war auch mal Winkelried. Aber davon erzähle ich Dir ein andermal.

*

Das Bild mit Dir vor dem Stockholmer Rathaus im Abendrot, daran kann ich mich nicht erinnern. Bist Du sicher, dass Du es mir geschickt hast. Es klingt ja so romantisch. Und ich bin neugierig, welches Bild Du als das wirklich und unzweifelhaft Deine autorisiert hast. Ich glaube, Du bist eine Person mit vielen Gesichtern. Sie sind schwer zu porträtieren. Sie sind echte Knacknüsse für die Künstler. Aber eins kann ich Dir sagen. Dein Mund ist genau der Deiner Anna. Oder natürlich umgekehrt, wie man will.

Ich träume immer noch vom Porträtieren. Ich habe in NY im Central Park lange den Porträtisten zugeschaut. Einer schien mir besonders gewandt, und die Leute kamen serienweise und liessen die Termine für sich reservieren. Er trug irgendwie einen italienischen Namen und sah auch so aus. Bei seiner Arbeit rauchte er andauernd irgendwelche dünnen kleinen Cigarillos. Und die Farbe, die auf seiner Palette wie Schuhwichse aussah, trug er mit einem grossen Pinsel auf, indem er die Züge fein verschmierte. Es wirkte alles weich und anschmiegsam. Es ist nicht so, dass das mein Stil wäre. Diese Art von Freundlichkeit könnte ich nicht durchstehen. Aber ich muss zugeben, dass er die Gesichtszüge seiner Opfer sehr gut traf. Und diese waren überglücklich, sich wieder zu erkennen, und dazu in solch vorteilhafter Pose. Er hatte wirklich eine Gewandtheit und eine grosse Routine. Und er fing bei seinen Werken allgemein an, mit den grossen Zügen. Das war der entscheidende Unterschied zu den anderen Porträtisten. Die meisten fangen mit Details an, mit den Augen viele, mit dem Mund oder mit der Nase, und dann setzen sie das Porträt Stück für Stück fort. Er fing ganz allgemein und diffus an und wurde immer konkreter und detaillierter. Ich glaube, das ist der richtige Prozess. Im Kurs, den ich besucht hatte, um eine Einführung ins Modellieren zu erhalten, lernte ich, dass man bei einer Skulptur immer gleichzeitig überall arbeiten soll. Und das leuchtet mir sehr ein. Es ist wie ein Koch kurz vor der Anrichte. Alle Pfannen brodeln und dampfen. Und man rennt von einer zur anderen, rührt hier ein wenig, gibt dort noch etwas Salz bei, wendet den Inhalt in der dritten. So ergibt sich schliesslich ein zusammenhängendes Ganzes, und nicht ein Stück, das sich sperrig und unproportional gegen den Blick des gesunden Menschenverstandes wehrt. Na ja, sicherlich weißt Du, was ich meine. Ein Werk muss sein wie eine gute Tomatensauce: gut vermischt und durchgekocht, nicht so, dass man die einzelnen Zutaten noch sicher bestimmen kann.

*

Vielleicht kannst Du mir Dein Porträt vor dem Stockholmer Rathaus im Abendrot senden? Oder vielleicht sogar ‚nochmals’ senden? Natürlich auch wegen des Abendrots und wegen des Rathauses!! ;--)

*

I’ve learned … that we schould be glad God
doesn’t give us everything we ask for.

Ja, dieser Gedanke stammt auch von Oscar Wilde. Ich habe ihn mir kürzlich herausgeschrieben. Er meinte sinngemäss, dass die Mildtätigkeit Gottes eben gerade darin besteht, gewisse Gebete nicht zu erhören. Und recht hat er. Ich meine Wilde, nicht den lieben Gott. Ob letzterer auch Recht hat, darüber sollen wir nicht verhandeln! Er hat es, unter uns gesagt, nicht immer und überall.

*

Ach, weißt Du, was ich gestern vernommen hatte. Ich glaube, es war im Fernsehen auf einem oesterreichischen Kanal, den ich angelassen hatte, um mein Nickerchen zu machen. Ich habe gehört, dass Konrad Lorenz an einem 7. November geboren worden war. Deshalb hatte ich mich immer verwandt gefühlt mit ihm. Na ja, es gibt auch andere, denen ich mich völlig fremd fühle, obwohl sie in meiner Nähe geboren sind. Man kann vielleicht nicht immer drauf gehen. Aber es ist wie mit dem Glück und dem Unglück. Man muss nur das in Erinnerung behalten, was stimmt.

*

Ich danke Dir für die frühen Morgengrüsse und die Glückwünsche. Die guten Wünsche von meiner schwedischen Mausfreundin sind mir ganz besonders lieb.

Und ich wünsche Dir auch einen schönen 6. November.

Mit Grüssen und Küssen
...





Schau mich bitte nicht so an



HAPPY BIRTHDAY


Ämne: Schau mich bitte nicht so an..
Datum: den 5 november 21:08
 
Lieber ... ,

I've learned.... that we should be glad God
doesn't give us everything we ask for.

Es passt gut zu deiner Geschichte. Man weiss nicht ob etwas gut ist... villeicht einen kleinen Moment aber dann? Und umgekehrt.
Ich glaube ich habe gelernt, das Leben zu nehmen wie es kommt. In unglücklichen Zeiten weiss ich, dass nach Regen Sonne folgt und in glücklichen Zeiten - vergesse ich meistens, dass es anders werden kann. So bin ich, könnte man doch sagen, ein ziemlich glücklicher Mensch.

Ach nein, bitte schau mich nicht an, wenn ich mich nicht abdrehen kann. Und das Foto, wo ich ziemlich irritiert bin weil Anna nie abdrückt noch dazu. Ich glaube am meisten ähnlich bin ich mir auf dem Bild vor dem Stockholmer Rathaus im Abendrot. Zwar ist es sehr windig und mein Haar fliegt in der Luft herum, aber trotzdem.. ich glaube dort erkennt man mich am ehesten.

Du hast meine dunklen Augenbrauen kommentiert und dich gewundert was echt ist, die Haarfarbe oder die Farbe der Augenbrauen. Meine Haarfarbe habe ich nie geändert. Ich war sehr blond als junges Mädchen und später dann etwas dunkler. Du siehst es ja auch auf den Bildern. Manchmal spiele ich mit dem Gedanken mein Haar etwas dunkler zu färben. Ich glaube es würde mir gut stehen. Aber ich weiss nicht richtig. Die Augenbrauen habe ich damals in der Uppsalazeit etwas dunkler gemacht. Es war eben so mode.

*

Glaubst du wirklich dass ich schon gezähmt bin? Ich weiss nicht. Vielleicht bin ich etwas vorsichtiger geworden mit meinen Kommentaren - aber nicht einmal da bin ich mir ganz sicher. Heute sagte ich Bill, der sich zu unserem Ärger auf allen Regalen in der Deutsch- und Französischinstitution mit seinem englischem Material ausbreitet, dass er sich wie ein echter Amerikaner imperialistisch auf fremdem Territorium ausbreitet. Na ja, ich habe versucht es mit einem Lächeln zu sagen aber ich sah gleichzeitig, dass den anderen beiden Kollegen der Atem stockte. Ich habe schon früher auf höfliche Weise versucht  ihm zu verstehen zu geben, dass wir das nicht so gern sehen aber ich denke er wird sich jetzt besser daran erinnern. Ich finde es komisch, dass ich es ihm sagen muss, wo sich doch die anderen mehr als ich über ihn aufregen (wenn er es nicht hört). Aber etwas älter und vernünftiger bin ich vielleicht doch geworden. Ich tue es nicht mehr wie damals, als ich den Kollegen, die kleine Kinder hatten sagte, sie sollten doch Steuer zahlen für diese genau wie man Hundesteuer bezahlen muss. Ich war manchmal ziemlich unmöglich und doch hatte ich den Eindruck, dass mich die Leute sehr gern hatten. Die männlichen Kollegen fanden mich wohl "pikant" und erfrischend.. und was sich die Frauen hinter meinem Rücken sagten, falls sie sowas taten, davon hatte ich keine Ahnung. Damals gab es etwas, was "Kollegialität" hiess. Und diese war sehr stark. Ein dummer Direktor hatte keine Chance. Heute ist es anders. Die meisten sind sehr einstellsam (ich will versuchen nicht stärkere Worte zu verwenden). Manchmal hat man den Eindruck ein jeder Trítt auf den anderen um hochzukommen. Und so ist es überall geworden. Es ist kein menschliches Arbeitsklimat mehr.
*
Doch das vergessen wir heute, an deinem Geburtstag. Ich sende dir meine herzlichen Glückwünsche und hoffe auf "many happy returns".
Alles Liebe
Marlena

Wir werden sehen


den 5 november 08:59
Wie glücklich ...


Liebe Marlena

(---)

Du kennst die chinesische Geschichte…?

Ein Bauer kam aus dem Haus und erzählte, dass ihm seine Stute davongelaufen sei. Die Leute des Dorfes wollten ihm ihr Mitleid zeigen, aber er sagte: wartet ab, wir werden sehen.

Bald darauf kam er wieder und meldete, dass die Stute zurückgekehrt sei, und dass hinter ihr gleich ein Hengst nachgefolgt sei.

Die Leute des Dorfes wollten ihm gratulieren, aber er sagte: wartet ab, wir werden sehen.

In nächster Zeit kam der Bauer wieder ins Dorf und erzählte, dass sein Sohn vom Hengst gefallen sei und sich das Bein gebrochen habe.

Die Leute wollten ihn bemitleiden, doch er meinte: wartet ab, wir werden sehen.

Bald darauf kamen Beamte ins Dorf, um junge Männer für die Armee zu rekrutieren. Der Sohn des Bauern aber lag verletzt darnieder.

Die Leute wollten ihn wieder beglückwünschen, doch er meinte: wartet ab, wir werden sehen. ..

Was ist Glück oder Unglück? Man kann es nur für sich selbst beantworten. Und es ist weit besser, man interpretiert sein Glück anstelle des Unglückes.

*

Ja, Deine Erinnerung an den jungen Mann ist lustig, der Dich „das Mädchen mit den strahlenden Augen, dem herrlichen Lachen und dem Schütteln der Mähne“ nennt. Ich ging soeben zurück in mein privates Köfferchen, um mir Dein altes Foto anzuschauen. Du wirst staunen, dass ich es gefunden habe. Dein Freund hat recht, Deine Augen blitzen vor Vergnügen. Und sie sind dunkel, was sie vielleicht in Natura nicht sind. Das hat mich immer erstaunt, und auch Deine Augenbrauen sind sehr dunkel. Man könnte also denken, Deine hellen Haare wären gefärbt. Aber das stimmt wohl nicht. Ich glaube, ich habe Dir gesagt, wie gerne ich Dich in jenem Alter gekannt hätte. Vielleicht ist das eine unnütze Fantasie. Aber sie ist da. Die Fantasie erzählt mir in sprudelnden Worten, welch ein spritziges junges Ding Du gewesen sein musst. Das Leben zähmt uns alle ziemlich tüchtig. Es ist wie im Stierkampf. Wenn du siehst, mit wie viel Tempo und Kraft die Stiere in die Arena kommen, und wie sie immer langsamer und überlegter werden, wie sie mehr und mehr zögern, wie sich ihre ganze Kraft langsam auf den Kopf verlegt, der das alles nicht mehr zu fassen vermag … es ist wie ein Leben. Die Spanier selbst vergleichen allerdings den Stierkampf mit einer Gerichtsverhandlung. Na ja…

*

Und dann habe ich auch wieder das Foto gesehen, wo Du neben dem Weihnachtsbaum stehst in dieser Pose einer gewissen Ungeduld. Darauf siehst Du ganz anders aus. Verglichen mit den Fotos aus Italien wirkst Du dort fremd, aber auch sehr geheimnisvoll und äusserst feminin. Das Foto kitzelt mich im Bauch, denn ich möchte Dir die Brille abnehmen und dich umarmen in der Meinung, dass dann ja wohl das quicklebendige, vergnügte kleine Mädchen von damals zum Vorschein kommen könnte.

*

Na ja, Du musst doch wirklich ein Glückspilz sein!

Mit lieben Grüssen
...

Sonntag, 15. Januar 2017

Über das Altern



Ämne: Wie schade...
Datum: den 4 november 22:57

Lieber ...,
Es ist schade, dass du nicht diese Site mit den kleinen Sprüchen von Andy Rooney öffnen konntest. Hier eine kleine Kostprobe. Alle beginnen mit den Worten "I've learned.. "

I've learned.... that being kind is
more important than being right.


Findest du das nicht auch klug und schön gesagt. So ist es doch. Es erzeugt ein bisschen mehr Harmonie auf Erden. Manche Menschen sind auch so klug. Mein K zum Beispiel. Ich konnte das anfangs schwer verstehen. Dachte immer, wieso sagt er nicht wie es sich wirklich verhält, wo er es doch weiss. Aber immer mehr sehe ich ein, dass es im Leben nicht darum geht Recht zu haben. Man muss es jedenfalls nicht immer den anderen wissen lassen.

Auf der Wetterkarte kann ich sehen, dass du dich im Moment in einer "jungen Periode" befindest. Es ist lustig, dass wir uns nun ab und zu über das Altern unterhalten. Und hinter deinen spassigen Bemerkungen über dein Aussehen und Alter, steckt doch viel Wahrheit. Manchmal sieht man unverschämt jung aus. Fast wie ein Teenager und dann gibt es müde Tage, an denen man am liebsten schnell an den Spiegeln vorbei geht. Bei einer grossen Geburtstagsfeier einer Kollegin wurde mal ein schönes Gedicht über das Alter der Menschen vorgeführt. Das muss ich wiederfinden. Vielleicht gibt es auch eine Übersetzung davon. Wir sind wohl die einzigen Lebewesen, die sich ihres Verfalles bewusst sind.
Ich erinnere mich an einen meiner besten Freunde. Er war ein Kollege von mir und ich ging ab und zu nach der Schule mit ihm Tischtennis spielen in der nahen Sporthalle. Er war ein äusserst sympathischer Mensch und sehr beliebt von allen Frauen, sowohl von den ledigen wie von den verheirateten. Als er kaum 45 war beklagte er sich einmal über das alt werden. U.a. meinte er, er könnte kaum mehr eine Frau lieben und dabei über ihr sein, weil dann sein Gesicht sehr unschön wäre, wenn alles so herunterhängt. Ich fand diese Äusserung sehr komisch damals, aber ich habe begriffen, dass ihm das Altern wirklich Kummer machte... in so frühen Jahren sogar. Dabei war er ein schöner jugendlicher Mann. Wir hatten eine tiefe Freundschaft und er war eine Mischung von Bruder, Vater, und Freund zugleich. Mehrere Jahre, nachdem er hier weggezogen war, trafen wir uns immer noch Anfang Juni und gingen zusammen aus essen um einander das vergangene Jahr zu erzählen. Ab und zu kamen Ansichtskarten aus allen Teilen der Welt. Als ich letzthin von ihm hörte hatte er ein Haus in Spanien und wohnte nur während der schönen Sommermonate in Schweden. Und jetzt weiss ich nicht einmal ob es ihn noch gibt. Wenn ja, dann hat er sich vielleicht künstlich verjüngern lassen. Er sprach manchmal davon und Geld hatte er ja genügend. In seinem letzten Brief schrieb er, dass er sich an mich erinnerte als "das Mädchen mit den strahlenden Augen, dem herrlichen Lachen und dem Schütteln der Mähne".
Ich wünsche, dass er noch am Leben wäre, denn er liebte das Leben.
Ach, verzeih mir, .... Aber man hat nicht allzuviele richtige Freunde, die auch am anderen Ende der Welt einem ein Gefühl von Geborgenheit schenken durch ihre blosse Existens.
*
Am Wochenende ist Vatertag. Ich hoffe, dass Anna kurz nach Hause kommen kann.

Issi - 13 Jahre alt

Wir müssen auch Issi begraben, die immer noch in der Tiefkühltruhe draussen im Lagerraum (heisst es so?) liegt. Wohl emballiert natürlich. Wir müssen sie begraben, während die Erde noch nicht gefroren ist. Ich vermisse sie immer noch. Es ist leer hier wenn ich nach Hause komme. Gern würde ich mir auch eine Katze anschaffen. Aber wegen des Nachbars Katzen wäre das wohl unklug... und auch beim reisen ist es etwas schwierig. Vielleicht doch wieder ein kleines Vöglein oder zwei. Ich werde sehen.

Ich schicke dir nochmals eine Link zu den Sprüchen. Vielleicht klappt es diesmal.

http://www.wowzone.com/rooney.htm

So grüsse ich dich lieb und hoffe bald von dir zu hören.

Marlena

Lunchpause



Ämne: Lunchpause
Datum: den 4 november  13:23

Lieber ...,

Das "Schäumen" beherrscht du ausgezeichnet... aber ich frage mich ob du das Wort richtig verstanden hast. Teils gibt es dieses Wort im Zusammenhang mit z.B. dem kochen von Konfitüre. Dann bildet sich ein kleiner Schaum obendrauf, den man entfernen soll, damit die Konserve besser hält.
Weiter kann man es im Zusammenhang mit dem lesen eines Textes verwenden. Man liest es flüchtig. Man trinkt nur ein wenig von dem Schaum oben auf dem Bier. Du magst den Schaum besonders, oder? ;-)
*
Ach nein! Jetzt schäme ich mich ein bisschen. Vier Jahre lang schreibe ich dir fast täglich und immer noch nicht habe ich dich dazu gebracht ein Buch von einem schwedischen Autor zu lesen. Das muss ich nachholen.
*
Ich bin nur ganz kurz zu Hause um etwas Lunch zu essen.

Mit einem kleinen Mittagsgruss
Marlena





Morgenkaffee


den 4 november 08:40
Re: Morgenkaffee


Liebe Marlena

Ach, jetzt wird mir klar, weshalb Deine Löwen sich so verhalten. Sie tun das wahrscheinlich wegen der Kamera! Kann ich mir gar nicht anders vorstellen. Sie denken, sie müssten der amerikanischen Fernsehstation etwas Aufregendes bieten, und deshalb umrunden sie nach dem Fressen ihren Harem und zeigen, was sie noch können. Es ist die reine Angeberei! Sie wollen sagen: pass auf Kleiner, der du da zuschaust, ich zeig dir mal, wie man so was macht! Damit du das niemals mehr vergisst! Und dann drehen sie eine Nummer ab und die Kameraleute sind begeistert und werden zum Ende sogar applaudieren. Meinst Du, Löwen seien nicht empfänglich für solche Belohnungen? Ich bin sicher, sie ziehen eine Nummer ab und lachen sich nachträglich ins Fäustchen, na ja, in die Pfote eigentlich.

*

Ich werde dagegen schäumen, wie Du das so schön nennst. Da siehst Du den Unterschied: Löwen kopulieren vor der Kamera, wir Männer schäumen bloss. Aber dennoch bleibe ich bei meiner Meinung, dass S vor dem Essen besser schmeckt als nachher. Es fühlt sich auch viel Verbotener an. Es ist wie Rauchen vor dem Frühstück. Ungesund, aber fantastisch aufregend. Und es gibt Dir einen Schub für den ganzen Tag. Du denkst, du seiest auf einer astronautischen Umlaufbahn rund um die Erde. Und wenn du es weit treibst, schäumst du sogar ein bisschen dabei ;--)

*

Ist ja richtig, Deine Frage nach dem schwedischen Schriftsteller! Weißt Du, was mir durch den Kopf ging? Zuerst dachte ich: ach ja, eine nahe liegende Frage. Weshalb hast Du sie nicht früher gefragt? Dann habe ich gedacht, na ja, vielleicht denkt Marlena, sie müsse mir Fragen stellen, die mich interessieren. Sie denkt, ich rede gerne über Schriftsteller! Und als drittes ging mir durch den Kopf: wer ist denn eigentlich ein schwedischer Schriftsteller? Kenne ich einen? Vielleicht gar nicht? Wäre echt peinlich! Dann ist mir Astrid Lindgren durch den Kopf gedüst, wie eine Rakete. Und dann dachte ich an Mankell, von dem ich ein Foto gesehen habe, von dem ich aber nichts gelesen habe. Und schliesslich ging mir noch diese Krimi-Autorin durch den Kopf. Ich sehe noch den Deckel eines Taschenbuches, wo sie in einem hellen Regenmantel steht. Sieht sexy aus auf Distanz. Wenn man näher geht, merkt man, dass sie ein ziemlich robustes Gesicht hat. Sie ist keine Feinheit. Du siehst, Lindgren war meine magere Ausbeute. Und dann ging mir noch Holgerson mit seinen Gänsen durch den Kopf. Siehst Du, meine Liebe, wie seriös ich Deine Fragen beantworte, ohne ein Wort zu sagen. Bemerkenswert ist einfach, dass all diese Gedanken in Sekundenschnelle durch mein Hirn gezuckt sind. Und dann war das kleine Gewitter vorbei.

*

Die Sites mit Andy Rooney waren nicht zugänglich. Vielleicht lässt er mit seinen 80 Jahren nicht mehr jeden Blick zu. Vielleicht umkreist er gerade seine Löwin und will dabei nicht die Kamera zulassen!.

*

Na ja, ich sehe nicht bloss jung aus, ich bin auch so jugendlich, wie Du sehr wohl weißt. Vielleicht lassen sie mich nicht mal hinein ins Kino, weil ich ihnen zu jung erscheine, wenn sie den Dokumentarfilm „Das Leben in der Savanne“ zeigen ! Nur wenn das schlechte Wetter drückt, sehe ich alt aus. Und wenn alles falsch läuft. Und immer wieder, wenn das Leben so langweilig sich durch die engen Gassen zwängt, dann sehe ich wirklich steinalt aus.

*

Jetzt hole ich mir doch einen Kaffee.
Mit lieben Grüssen zum neuen Tag
...




Samstag, 14. Januar 2017

Mixed triple



Ämne: Mixed triple
Datum: den 3 november  21:50

Lieber ...,

Ich werde K vorschlagen auch Moslem zu werden. Zwar kann er ja dann auch mehrere Frauen haben (oder?) aber das wäre sein Problem und nicht meines. ;-)

Na ja, ich lasse dich frei wählen, wie du meine Fragen verstehen willst. Es ist am besten so. Vielleicht halten wir uns somit leichter in anständigen Grenzen. *s*
Die Frage, ob du was von einem schwedischen Schriftsteller gelesen hast, hast du nun zum dritten Mal übersprungen. Aber vielleicht bedeutet "keine Antwort" soviel wie "nein". Das ist ja auch zeitsparend und ganz OK.

Um nochmals zu den Löwen zu kommen, so ist es wirklich so dass, immer wenn man eine Löwenfamilie auf der Savanne zeigt, im Schatte unter einem Baum, es schliesslich zu einer Paarungsszene kommt. Scheinbar haben sie nicht wie andere Tiere besondere Brunstzeiten sondern sind immer bereit (wie die Menschen). Oder auch hat das Filmteam ein besonderes Interesse gerade an solchen Szenen.
*
Ach, du bist lieb. Ich kann zu dir kommen mit meinen kleinen Sorgen und wenn ich mich gestresst fühle. Das ist ein schönes gutes Gefühl. Du musst dich auch garnicht darin vertiefen, sondern nur "schäumen" wie wir es nennen.

Heute wünsche ich du wärest hier. Das kommt nicht so oft vor, denn ich sehe dich meist als ein abstraktes Wesen irgendwo in der Ferne, das zwar seine Gedanken vermittelt aber doch selten einen Körper hat. Doch manchmal hast du plötzlich einen und dann möchte ich, dass du mir zeigst wie es ist mit dieser Vorspeise vor den Mahlzeiten. Sorry... war wieder gegen alle §. Werde mich bessern müssen. :-)

Jadoch, 3.000 Mails sind es bestimmt schon, wenn nicht sogar 4.000 und nimmt man dann auch meine dazu, so müssten es wohl bald an die 10.000 sein. Dazu kommen ein paar Chats, die ich auch besitze. Weiss wirklich niemand von deiner Korrespondenz mit mir? Ach ja, du hast mehrere und dann ist es wohl nicht so aufsehenerregend mich darunter zu haben. Ich finde es schön, dass ich ab und zu mit Anna über dich sprechen kann. Manchmal lasse ich sie auch Passagen aus deinen Mails lesen. Es ist gute Literatur für sie und ich freue mich, dass sie es unbehindert lesen kann und fast alles versteht. Auch sie freut sich über deine schönen Fromulierungen. Und natürlich weiss sie auch, was ich von dir halte. D.h. wie sehr ich an dir hänge und wie ich deine Mails liebe. H weiss dass ich mit jemanden im Ausland mein deutsch übe und dass ich das Glück gehabt habe einen fantastischen Schriftsteller zu finden. Sie fragt nur, worüber ich schreibe und auch mich wundert es sehr, wie ich in diesem karierten Dasein immer wieder etwas finde, das ich dir gerne schreiben möchte.
*
Ich hab übrigens Anna das letzte Bild von dir gezeigt und ihre Reaktion war: Oh, sieht er so jung aus? Auch ich selbst war etwas erstaunt, denn ich hatte mir dich mehr wie Andy Rooney vorgestellt. Der soll immerhin schon über 80 sein.. *s*  Aber er ist doch einer meiner Favoriten, wenn er sich am Ende jeder Sendung von CBS über irgendetwas dummes beschwert. "...wacky TV commentaries on life's little annoyances" wie da steht. Man könnte sich glatt in ihn verlieben.
Hier kannst du ihn sehen, und sicher wirst auch du zugeben dass es gewisse Ähnlichkeiten gibt zwischen euch sowohl im Aussehen wie im Charakter.



http://www.chickenhead.com/features/rooney/

Schau dir auch diese kleinen Sprüche an von ihm: http://www.quotemeonit.com/rooney.html
Die musst du dir wirklich Zeit nehmen zum lesen. Sind sie nicht gut?

So mein lieber Mausfreund. Dieses Mail ist zustande gekommen, weil ich mich allzu gern mit dir unterhalte aber natürlich auch, weil ich will dass du ein Morgenmail von mir findest zu deinem Kaffee, worauf du antworten kannst.

Alles Liebe
Marlena