Dienstag, 12. Januar 2016
15. Januar - Re: ...
Ämne: RE: do
Datum: den 15 januari 2004 08:20
Liebe Malou
‚Vernachlässigen’ oder ‚versäumen’, eigentlich keins von beiden, meine Liebe ;--) Es ist doch eigentlich stille Liebe, oder etwa nicht?
Nein, im Ernst. Versäumen sagen wir, wenn wir irgend eine Gelegenheit verpassen. Ich versäume einen Termin, versäume meine Zeit, ich versäume es, genügend Zeit zu schlafen und so weiter.
Auf der anderen Seite vernachlässigt man sein Auto und seine Ehefrau. Sonst gibt es kaum etwas auf der Welt, was man noch vernachlässigen könnte. Na ja, vielleicht als Schüler noch die Hausaufgaben.
Was kann ich vom gestrigen Tag erzählen? Es war nichts los. Mittags war ich rasch in Basel und habe mir ein Buch bestellt. Ist von einer israelischen Soziologin. Sie wurde in einem Zeitungsartikel erwähnt und das Buch wird dort als „blendend“ bezeichnet. Es sollte schon heute dort bereit sein. Sie werden mich per Mail informieren. Ich war positiv überrascht, wie speditiv sie dort arbeiten. Ich habe für einmal eine andere Bibliothek gewählt.
Und dann habe ich bei diesem trüben Regenwetter eine Freundin getroffen in den Strassen Basels. Das kommt selten vor, denn im allgemeinen kennt mich - eingemummt in Winterkleidung und den Hut ins Gesicht gezogen - kaum ein Mensch dort. Wir haben kurz Höflichkeiten ausgetauscht - gutes neues Jahr und so - und kurz geplaudert. Und dann war ich wieder mit meinen Büchern beschäftigt.
Abends bin ich rechtzeitig heim gefahren. Ich war müde und habe eine zeitlang geschlummert. Das geht, wie Du weißt, am bessten vor dem Fernseher. Und dann habe ich alte Tonbandkasetten ausgeräumt. Walter wird heute Abend neue Geräte bringen, und ich muss ein wenig Platz schaffen. Wir haben dort unten jede Menge Kasetten, die kein Mensch mehr braucht. Einige wären aber doch ganz amüsant. Ich will W bitten, einige davon auf CD zu brennen. Darunter sind ein paar, auf denen unsere Kinder singen, die ersten Worte sagen, oder später auch Duette spielen mit ihren Flöten. Sie möchte ich gerne auf einer CD zusammenfassen und für die Nachwelt rette. Sie sind ganz nett.
Aber Du kannst Dir vorstellen, dass diese Tätigkeit, nämlich in der Vergangenheit herumzuwühlen, mich ganz schön melancholisch gemacht hat. Und um 21.00h habe ich dann noch eine Sendung über Robert Kennedy verfolgt, die ja auch nicht gerade aus der Gegenwart entstammt. Ich war erstaunt, wie wenig ich wusste von seinem politischen Leben. Na ja, ich war damals rund 15 Jahre oder so, und nicht besonders interessiert an Politik. Besonders nicht an amerikanischer. Und ich merke, wie sehr die Kennedys von den katholischen Wallisern damals idealisiert worden sind. Natürlich hat man in der Zeitung auch nicht soviel vernommen. Auf jeden Fall war ich erstaunt, wie schwierig Bob Kennedys politische Karriere war. Und wie sehr er sich mit mächtigen Leuten angelegt hatte. Der Film deutete an, dass dies es war, was ihm und seinem Bruder das Leben gekostet hat.
Ebenso erstaunt war ich zu sehen und zu hören, wenn er in öffentlichen Auftritten zu den Menschen gesprochen hat. Wie sein Bruder hatte er eine eher dünne Stimme. Und dabei war nicht soviel Rhetorik. Ich meine, es wirkte alles nicht so gekonnt, wie ich es mir vorgestallt hatte.
Na ja, viel daran macht natürlich der Zeitunterschied. Es ist jetzt 35 Jahre seit seinem Tod her.
Und dann habe ich mich auch unter die Decke verzogen. Es war eine windige Nacht, und bis in den Morgen hinein war das Brausen zu hören.
Ich wünsche dir einen schönen Tag.
GK
Rud
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Ämne: RE: Sprachliche Frage.
Datum: den 15 januari 2004 20:23
Liebe Malou
Das ist ein Abendmail, wie es seit einiger Zeit selten geworden ist. Ich habe in den letzten Jahren alles vom Büro aus geschrieben. Aber neuerdings habe ich den Eindruck, dass man dort überwacht wird. Kürzlich haben sie mich gerügt, weil ich zuviel KB in meinen Dokumenten gelagert habe. Na ja, das sind die vielen Fotos, die ich in den vergangenen paar Wochenenden gescanned habe. Da ist einiges zusammen gekommen. Das hat mir unser DJ gemeldet. Na ja, DJ ist vielleicht nicht die richtige, offizielle Bezeichnung. Aber so irgendwie kommt er mir vor. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass wir alles auf eine CD brennen können. Er meinte, dazu seien 5 CD nötig. Auch gut, machen wir eben 5 CDs.
Heute abend haben wir unser Weekly bei mir zuhause. Ich glaube, W wird eine Musikanlage mitbringen, die er nicht mehr braucht. Wir wollen sie hier installieren. Sie ist von einer guten Marke und ich glaube, mein Harem schätzt so was. Alle lieben sie Musik, vielleicht mehr als ich. Und alle lieben sie laute und moderne Musik.
Ich hoffe, meine Energie kommt allmählich wieder zurück. In letzter Zeit war ich ziemlich schlapp und hatte zu nichts Lust. Die Arbeit ist mühsam, wenn man sich für alles aufraffen soll. Ich sollte wirklich ein bisschen mehr Sport machen. Das turnt den Körper an und bringt die nötigen Energien. Aber meist habe ich das Gefühl, dass neben all meinen Interessen für Sport schliesslich kaum mehr Zeit übrig bleibe. Doch heute hatte ich mir nur mit dieser Absicht einen Weg unter die Füsse genommen. Wir hatten Aufnahmegespräche an der Pädagogischen Hochschule. Und eine Kandidatin hatte abgesagt. Mein Kollege lud mich zu einem Kaffee ein. Doch ich ging zurück in mein Büro und habe die knappe Stunde genutzt, ein paar Dinge zu tun. Und ausserdem hatte ich einen kleinen Spaziergang. Der führte mich allerdings durch den Friedhof mitten in L... Ich erinnere mich meiner Grossmutter, die mich oft dorthin geführt hatte. Ich glaube, sie besorgte das Grab ihres Mannes, also meines Grossvaters. Aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich erinnere mich bloss, dass sie nicht Friedhof, sondern Gottesacker sagte. Das fand ich eine wirklich merkürdige Bezeichnung. Und im Stillen war ich erstaunt, dass der Kerl auch noch Äcker besitzt. Ich stellte mir ihn in der Folge als Grossgrundbesitzer vor. Vielleicht sogar mit einem solchen Texanerhut, mit welchem sich auch Bush gerne zeigt?
Soweit mein neuster Stand. Je te laisse.
Mit Gruss und Kuss
...
So müüüde ..
Ämne: ....§§§%%&**'?/
Datum: den 14 januari 2004 23:03
Lieber ...,
Ich weiss nicht was mit mir los ist. Ist es wirklich nur der Mangel an Sonne, der mich so müde und lustlos macht. Obwohl ich früh nach Hause kam, es war erst gegen 16.00 Uhr, war es schon wieder ganz grau und dunkel und ich hatte nur einen einzigen Wunsch: Unter einer Bettdecke zu verschwinden.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen ins Zentrum hinunter zu fahren. Wollte einen Strauss zu dem Begräbnis senden, das in einem etwas abgelegenen Ort stattfinden wird. Dann wollte ich noch einen Karton Wein kaufen. Das Systembolaget schliesst schon um 18.00 Uhr und so habe ich es nicht geschafft. Dann wollte ich mir was gutes zu essen machen. Hatte zum Lunch nur ein wenig yoghurt gegessen. Aber auch dazu war ich zu müde. Und dann wurde der Hunger übermächtig und ich habe mir ein Gericht, was ich für Anna eingefroren hatte in der Microwelle aufgewärmt.
Nachher habe ich lustlos vor dem Fernseher gehangen. Zuerst ein ziemlich nettes Programm, das jeden Tag kommt, mit verschiedenen oft interessanten Themen. Psychologie u.a. Eine etwas ältere Psychologin, eine charmante Dame, die sehr nett aussieht, äussert sich in verschiedenen menschlichen Angelegenheiten. Heute ging es um "Streit um das Geld". Dann später kam ein Abschnitt aus der Hundeschule, wo man zeigt wie man Hunden schlechte Gewohnheiten abgewöhnt. Und wenn ich sehe welchen Erfolg diese Hundepsychologen haben, dann denke ich es müsste doch auch bei den Menschen ähnlich möglich sein, ihr Benehmen in andere Bahnen zu leiten. Übrigens habe ich mir nach dem Essen einen Whisky nehmen wollen, aber dann habe ich es mir anders überlegt und stattdessen von dem "Brännvin" der zum Weihnachtstisch gehört, ein Glas eingeschenkt. K verachtet solche "banale" Getränke ein wenig, aber sie haben dieselbe Wirkung wie die anderen: Man vergisst seine Sorgen!
Man vergisst den Kopf der kleinen Amsel, der vorne auf der Motorhaube lag.. d.h. den Schnabel hatte das Raubtier liegenlassen. Man vergisst einen Mausfreund, von dem man sich fragt ob er noch lebt, weil man nichts mehr von ihm hört... man vergisst all die Arbeit, die man tun sollte und zu der man nicht die geringste Lust hat..
Eigentlich finde ich es komisch, dass ich noch ein paar Stunden vorher froh und engagiert vor einer Klasse stand. Ich glaube niemand, nicht einmal ich selbst, hätte ahnen können, dass ich später ganz kaputt sein würde.
OK. Jetzt habe ich getan, was ich auch Anna sagte, als sie mich vor einer Weile im ICQ gefragt hat was ich mache: Ich habe ein Mail zusammengejammert.
(---)
Ich musste lachen über deine Überschrift. Du hast dich sehr bemüht mir die schönen åååå 's nachzumachen.. und dabei ist es geworden, als hätte sich ein Teufel die Zehe verbrannt.
Sag, wie lange muss ich es noch aushalten, dass du mich wegen deinen Persern versäumst? Warum ist die Vergangenheit immer so viel wichtiger als die Gegenwart? Wird man sich in Zukunft Fotos von dem Irakkrieg genau so ansehen wie du dir heute die "Alexanderschlacht" ansiehst?
Ich glaube ich gehe heute wieder früh zu Bett. Gestern habe ich das auch getan, aber dann bin ich um halbvier aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Voilà l'explication de ma fatigue!
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Ich lasse dich, mein lieber Mausgeliebter. Weisst du, dass du das bist? OK, das ist eine rhetorische Frage. Ich kenne die Antwort.
Und ich wünsche dir einen schönen Tag morgen,
Malou
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Ämne: Sprachliche Frage.
Datum: den 14 januari 2004 23:36
Was ist richtiger:
du "versäumst" mich oder du "vernachlässigst" mich? Ich denke das letztere, oder?
Beide heissen auf schwedisch: "försumma"
G+K
M.
Montag, 11. Januar 2016
Alexanderschlacht
Ämne: Hallåååååå....
Datum: den 13 januari 2004 18:21
Wo bist du, ...?????
Ich sehnsuche dich .. :-)
Wünsche dir einen schönen Abend,
Malou
Datum: den 14 januari 2004 17:01
Liebe Malou
Nein, die Winterstürme haben mich nicht weggeweht. Ich hatte bloss einen sehr beschäftigten Tag. Die Zeit fliegt dahin wie eine fliehende Herde von Pferden. Und von Schnee ist weit und breit nichts zu sehen. Es hat bloss während ungefähr zwei oder drei Tagen ständig und tüchtig geregnet. Gestern haben sie in den Nachrichten auch gezeigt, wie unsere Gletscher in den Alpen dahin schmelzen. OK, es war ein heisser Sommer. Trotzdem ist dieser Schwund so alarmierend, dass man sich privaterweise überlegt, wie man selbst das Wetter etwas kühler werden könnte. Ihr dort oben in Skandinavien werdet natürlich mit der Erderwärmung nur profitieren, nicht wahr? Dann pflanzt ihr in Stockholm Palmen an den Strand? Und wir hier in der Schweiz werden mit einem Turban herumgehen! Das sind schöne Aussichten!
Ich habe gestern Abend ein Buch gefunden, was ich schon länger gesucht habe. Na ja, ich muss so sagen: in meinem Iran-Vortrag wollte ich eine Abbildung des Bildes von Altdorfer „Alexanderschlacht“ zeigen. Ich hatte mal eine Beschreibung und Interpretation davon gelesen. Und - offen gesagt - hatte ich diese kunstgeschichtliche Interpretation gesucht, von der ich dachte, sie wäre in einem kleinen dtv-Büchlein. dtv gibt eine Reihe heraus, in der sie Bilderwerke rundum interpretieren und kunstgeschichtlich besprechen. Davon habe ich einige. Und ich hatte gedacht, darunter auch das Bild von Altdorfer zu finden. Aber nichts davon. Und so ist mir gestern - mehr oder weniger zufällig - ein Sammelband in die Hände geraten, der Bilder von Renaissance-Malern vorstellt. Und dort ist Altdorfer zu finden. Der Text ist allerdings äusserst kurz und aufs Wesentliche beschränkt. Aber das Bild ist in voller Grösse reproduziert. Ich hatte bisher bloss eine Abbildung aus dem Internet, eine Adresse, die Du mir mal gemailt hast. Das Bild ist grossartig, vor allem auch in der Landschaft, die es zeigt. Es stellt die Schlacht am Issos dar, in der Alexander der Grosse Darius besiegt. Vom Himmel hängt eine Etikette, wo die ganze Szenerie noch benannt ist. Im Hintergrund sieht man die Insel Zypern, die auch in persischem Besitz war. Links soll man noch den Turm von Babylon entdecken, behauptet der Text nebenan. Und im Hintergrund ist aus der Ferne der Nil in seinen sieben Armen, die ihn ins Mittelmehr giessen, zu sehen. Es ist eine toll ausgedachte Szenerie, nicht wahr? Was die Figuren auf dem Bild betrifft, so kann ich mich nur noch daran erinnern, dass Altdorfer die Perser als Muslime mit Turbanen zeigt. Und auch die Frauen des Darius sind auf dem Schlachtfeld. Es soll zwar so gewesen sein, dass die Ehefrauen (oder zumindest diejenigen, die gut zu Fuss waren) der achaimenidischen Herrscher mit ihren Ehemännern in den Krieg gezogen wären. Und so sind sie bei Gelegenheit auch in Gefangenschaft geraten.
Das Bild ist vor allem interessant, weil es eine Darstellung der europäischen Wahrnehmung des Orientes darstellt. Alexander wird sozusagen als Retter des Abendlandes, aber natürlich noch mehr als Welteroberer gezeigt. In der Renaissance ist in der Tat der europäische Kolonialismus und die Ausbeutung der halben Welt entstanden. Und die Perser erscheinen in einem schwachen Licht, so wie sie die Griechen in ihren Texten immer dargestellt haben: schwächlich, verwöhnt, blind und willenlos unter ihren Despoten. Das war natürlich ein Effekt des ideologischen Kampfes. Na ja, immerhin hatten die Griechen in den Schlachten von Marathon, Salamis und Plataia ihren mächtigen Nachbarn zwar nicht vernichtend, aber immerhin „blamierend“ geschlagen. Das waren in der Tat Schlappen für das riesige Reich. Aber es ist nicht anzunehmen, dass die Perser sich Griechenland unterwerfen wollten. Sie hatten wohl bloss die Absicht, die ionischen Städte auf Kleinasien, Milet und andere, diese widerspenstigen griechischen Ableger, die durch das Mutterland auch noch unterstützt wurden, zur Ordnung und zur Unterwerfung zu bringen. Damit hatten sie am Rand ihres riesigen Reiches ein bisschen Mühe.
Ach, das wird Dich alles wohl kaum so stark interessieren, Malou? Aber das ist es, was mich im Moment umtreibt. Und es sind, das muss ich zugeben, eher periphere Dinge. Ich meine, was beschäftigt denn Alexander uns heute noch? Gar nichts!
Jetzt muss ich los. Es hat soeben geklopft an der Tür.
Ich wünsche Dir einen sonnigen Tag.
GuK
...
Sonntag, 10. Januar 2016
12. Januar - Mitternacht vorbei
Ämne: Mitternacht vorbei..
Datum: den 12 januari 2004 01:35
Lieber ...,
Ich habe nochmals deine Skizze zu dem Iranvortrag durchgelesen. Es ist ausgezeichnet! Aber das brauche ich dir natürlich nicht zu sagen. Und dann noch ein wenig private Kommentare dazu.. du wirst grossen Erfolg haben damit. Und gerade jetzt kam mir der Verdacht, dass du vielleicht wirklich in den Iran gehen möchtest und dort Karriäre machen. "Sista sprattlingen" würde meine Freundin in Südschweden sowas nennen. Übersetzt ungefähr: Das letzte zappeln. Aber sowas tut man meist wenn man etwas über 40 ist.. in deinem Alter wäre das schon ein Heldenstück.. ;-)
Ich bin heute Nachmittag von L nach Hause gekommen. K hatte mich vor Schneesturm gewarnt und so wollte ich fahren während es noch hell war. Aber dann, als ich zu Hause gegessen hatte, war ich so todmüde, dass ich zwei Stunden geschlafen habe, bis die Nachbarin anrief und wollte dass ich mir etwas ansehen sollte, was sie vom Roten Kreuz nach Hause geschleppt hatte. Einen gewebten Wandschoner (Wandteppich?), den sie eigentlich für ihren Bruder gedacht hatte. Doch er zögerte und beschloss sich nicht zu kaufen. Sie war ziemlich verägert darüber und über seinen Geiz. Er ist sturmreich und wie viele reiche Leute auch sehr geizig. Gönnt sich nichts. Eigentlich ist sie genauso, aber das weiss sie nicht. Sie geht in Kleidern herum, die sie vor mehr als 20 Jahren gekauft hat. Sie servierte mir einen Kaffee aus einer Kanne, die aussah als hätte sie sie auf dem Müllhaufen gefunden. Aus Plastik, etwas verfärbt und auch kaputt. Sie beklagte sich über das Ding und meinte sie müsste wohl eine neue kaufen, aber es gäbe keine so gute zu kaufen. Und ich sagte ihr, dass es alle Sorten von guten und schönen Kaffekannen gibt. Ich verstehe nicht Leute, die in Geld schwimmen und sich so benehmen.
Na ja, ich habe mir den "Teppich" mit nach Hause genommen um zu sehen ob ich ihn irgendwo aufhängen könnte. Aber du weisst, wenn man etwas in der Einrichtung verändert wird es selten schöner davon. Oder man muss viele andere Änderungen vornehmen bevor es wieder gut aussieht. Ich habe das Ding provisorisch aufgehängt bei mir oben, aber damit natürlich schon so viel Löcher in die Tapete gemacht, dass ich es wohl werde hängen lassen müssen. Ach ..., ich weihe dich ein in meine kleinen häuslichen Angelegenheiten, die dich doch wirklich nicht im geringsten interessieren können. Vergib mir!
Am Samstag kamen wir ziemlich spät nach L. Als ich fahren wollte, d.h. alles hinten ins Auto einpacken wollte, ging die Heckklappe an meinem Golf nicht zu öffnen. Wir versuchten mit schönen Zureden (deine Methode) und auch mit Gewalt, aber das Ding wollte nicht aufgehen. Das Zentralschloss funktionierte nicht richtig. Aber dann schliesslich ging es doch und wir fuhren etwas verspätet los. Ich hatte alle Annas grüne Pflanzen mit und auch den Staubsauger. Und dann haben wir ihr kleines Zimmer wieder schön gemacht. Sie hat wirklich ein leckeres Zimmer. Man hatte in allen Zimmern einen Brandwarner installiert. Ich glaube das ist sehr gut. Man kann wohl auch nicht rauchen mit einem solchen Ding, stelle ich mir vor.
Dann sind wir in das riesige Kaufzentrum gefahren und haben uns ein wenig umgesehen. Ich habe ein paar wunderbare Stiefel gefunden, in Finnland gemacht. Die Finnen haben guten Geschmack und Sinn für Schönheit und Qualität. Es war ein Fund, denn es gibt heute kaum Schuhe zu kaufen, die nicht vorne sehr lang und enorm schmal sind. Vielleicht ist das bei euch auch so im Moment. Wieder ein Thema was dir sicher etwas fremd ist. Sorry! Ich habe mich auch nach den von dir empfohlenen Filmen umgeschaut, aber leider. Doch gebe ich nicht so leicht auf und werde weitersuchen. In der Nähe gibt es ein Spezialgeschäft dafür und sie haben ein sehr grosses Sortiment.
Dann haben wir noch Proviant für Annas Kühlschrank und Gefrierschrank gekauft. Ich glaube sie wird in der nächsten Zeit nicht verhungern. Und als wir alles zu Hause verstaut hatten sind wir ausgegangen um zu essen. Es gibt ein kleines indonesisches Restaurant nicht weit von ihr, das sehr beliebt ist wegen dem guten Essen und auch humanen Preisen. Die meisten kaufen sich das Essen und nehmen es sich mit nach Hause, aber wir haben uns beschlossen dort zu essen. Und man hatte den Eindruck am anderen Ende der Welt zu sein. Der Raum war so klein, dass er nur 3 Tische hatte und von der Einrichtung dachte ich, dass sie wahrscheinlich in China oder Indonesien genau so aussehen würde. Auch hörte man aus der Küche gedämpfte Musik, die diesen Eindruck noch verstärkte. Das Essen war ganz ausgezeichnet.. und sehr stark. Na ja, wir hatten uns das stärkste ausgewählt. Ich glaube es hat den Rest meiner Erkältung weggebrannt. ;-)
Am Abend waren wir beide ziemlich kaputt. Ich wollte dir noch schreiben, aber ich wollte auch Anna nicht stören.
Und heute Abend haben Anna und ihre Freunde einen Sushi-abend gemacht. Sie treffen sich schon am Nachmittag und bereiten alles zusammen vor. Anna wollte eine gute Nachspeise machen. Eine wunderbare Himbeercrème mit Vanilleeis dazu. Hat sicher herrlich geschmeckt.
Oh, es ist schon Montag.. ich muss vielleicht doch jetzt ins Bett, auch wenn ich schon geschlafen habe.
Das Wetter ist sehr grau und es hat den ganzen Abend heftig geschneit. Ich wünsche mir sehnlich ein wenig Sonne, oder auch ein sonniges Mail von dir.
Mit lieben Grüssen
Malou
Ämne: RE: kurz nach Mitternacht um 7.30h
Datum: den 12 januari 2004 08:41
Liebe Malou
Heute Nacht hat es bei uns gestürmt wie irre. Da ich unter dem Dach schlafe, hatte ich das Gefühl, ich hänge in irgend einer Hängematte in den Gipfeln ein Dschungels und der Orkan geht über uns. Das Gekreische der Affen rundum war ohrenbetäubend. Und die Baumwipfel tosten und brausten, dass ich im Schlaf den Eindruck hatte, es bräche alles über mich herein. Ich hörte, wie der Regen auf die Blätter peitschte. Na ja, es war alles sehr stürmisch und wild. Und meine Träume ebenso. Als ich mich am Morgen aus den Laken schälte, war ich erstaunt, dass mein Bett nicht triefend nass ist.
Und Du warst mit häuslichen Dingen auswärts beschäftigt? Ihr scheint das Angenehme gut mit den Pflichten und Aufgaben verbinden zu können. Und Du weißt, dass scharfes Essen sehr gut ist für die Gesundheit. Sie gibt Energie und Wärme. Ich fange damit seit den letzten Jahren schon am Morgen an.
Wir waren bei Onkelchen. Es hat zwar auch stark geregnet und war trübe, so dass man aus seinem grossen Salonfenster nur einen grauen Himmel und einige ungezogene Raben beobachten konnte. Weil sein Haus ja etwas erhöht liegt, hat man im Grunde eine wunderbare Sicht über die Stadt und hinunter bis in den Jura, also bis in die Gegend von Olten. Aber bei diesem Wett! Man zog sich lieber zurück in eine Warme Ecke, schlürfte den Kaffee und verkostete den nahrhaften Dessert. Es war gut, wie immer, und Onkelchen war dankbar. Er zieht sich stets sorgfältig an für dieses Mittagessen. Und er hat bei Gelegenheit darauf hingewiesen, dass die Kravatte, die er trage, die schönste sei, die er habe, und dass es nota bene jene sei, die er von Ss Mutter erhalten hatte.
Und jetzt ist wieder mal Montag. Draussen herrscht noch Rabenschwärze. Es ist wirklich noch mitten in der Nacht und bloss die Radiostation behauptet, es wäre schon sieben vorbei. Es ist eine pure Behauptung. Ich werde mich jetzt dahinter machen, meine Dinge für die Sitzung bereitzustellen.
Mit lieben Gs und Ks
Rud
11. Januar - Heute abend mehr.. :-)
Ämne: Heute abend mehr.. :-)
Datum: den 11 januari 2004 13:41
Lieber ...,
Einen ganz herzlichen Dank für dein wunderbares mail. Jetzt weiss ich mehr über den Iran als über sonst ein Land dort unten. Wirklich wunderbar, wie du in einen so kurzen Text so viel interessante Dinge hineinbringst.
Wir sind so voll beschäftigt hier, dass ich kaum zum schreiben komme. Deshalb werde ich dir lieber heute Abend von zu Hause ein Mail senden.
Bis dahin alles gute und einen schönen Tag noch,
Gruss und Kuss,
Malou
10. Januar
Ämne: RE: soul saved
Datum: den 10 januari 2004 00:44
Lieber ...,
Ja, es ist gefährlich auf den Strassen. Auch hier ist es rund null grad und ein bisschen untergekühlter Regen, wie wir es nennen. Das kann gefährlich sein und du hast wirklich Glück gehabt. Ich werde morgen ein bisschen besser aufpassen.
Das Leben ist ungerecht. Du hast deine schönen Tauben und ich meine raubgierigen Elstern. Dass sie die Treue selbst sind versöhnt mich ein bisschen mit ihnen aber immerhin...
Und während ich hier nach einem Mail von dir suche, bist du damit beschäftigt einer alten Freundin mit Blumen aufzuwarten. Manchmal habe ich den Eindruck ich habe den Faden verloren. Weiss nicht mehr richtig was passiert. Und du schreibst über heimliche Pläne, von denen du mir nichts erzählen willst. Wozu hat man eine Mausfreundin, wenn man mit ihr nicht über alles reden kann?
Ich bin etwas traurig heute. Meine frühere Nachbarin ist plötzlich gestorben. Sie war noch keine 50 Jahre alt. Und plötzlich, wenn jemand stirbt, der einem sehr lebendig ist, fühlt man den Tod so nahe und so stark.. Erinnerst du dich noch, wie ich dir erzählt habe von damals, als wir beiden einen Gartenkurs zusammen besuchten. Und dann später machten wir einen Tagesausflug mit dem Gartenverein und entdeckten zu unserer Überraschung, dass wir fast die einzigen jungen Leute im Bus waren. Alle anderen waren Rentner. Es war eine sehr lustvolle Reise und ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Und wir beide wurden von den alten Leuten mit Obst verwöhnt, das sie aus ihrem Garten mitgebracht hatten. Ich glaube ich habe dir neulich zu Lucia von der Tochter dieser Frau erzählt, wie sie damals wie ein Engel hier am dunklen Morgen auftauchte mit einer leuchtenden Krone im Haar. Und jetzt fällt es mir schwer zu verstehen, dass es die Frau nicht mehr gibt.
*
Morgen fahre ich also mit Anna nach L. Wir haben viel zu frachten und dann werden wir ihren Kühlschrank füllen. Ich bleibe sicher bis Sonntag. Ich weiss, dass du sehr viel zu tun hast jetzt aber ich würde mich doch sehr über ein mail von dir freuen.
Ich grüsse dich lieb und wünsche dir ein schönes Wochenende.
Malou
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Ämne: Samstag 10.1.04
Datum: den 10 januari 2004 12:03
Liebe Malou
Wenn Du mir über Verstorbene erzählst, erinnere ich mich an Deine Überzeugung, dass die Toten unter uns sehr präsent sind. Wir müssen nicht die Verstorbenen bedauern, sondern die Hinterbliebenen, also uns. Wir betrauern uns selbst. Das ist alles, was wir noch tun können. Ja, ich weiss wie das ist, wenn jemand stirbt, der für uns bedeutend war. Man fühlt sich ein bisschen einsamer und verlassener auf dieser Welt. Und dann muss man sich wieder an die Übriggebliebenen halten.
Es ist deshalb eine schöne Vorstellung, dass, wie in einem Spiegelbild, die Verstorbenen in einer ganz ähnlichen Gemeinschaft leben wie wir hier auf dieser Welt. Und dass man, bei dieser Vorstellung, diese Gesellschaft der Ehemaligen, erst mal halbiert in eine Gemeinschaft der Guten oben und eine der Verdorbenen unten. Bei den Äpfeln im Keller würden wir doch genau dasselbe tun ;--)) Geradezu nahe liegend, dass man die Guten oberen vergoldet und rund um den Thron aufstellt, während man die unteren anschwärzt und im Feuer braten lässt. Wenn man sich vorstellt, wie viele schöne Bilder durch diese einfache Vorstellung eines simplen Mehrfamilienhauses entstanden sind! Die himmlischen Bilder sind so schön wie die der Hölle. Man kann noch aus dem trübsten Winkel ein schönes Bild machen. Das macht die himmlische Kunst der Malerei.
Und wenn ich das so schildere, dann kommt mir Hieronymus Bosch in den Sinn.

Wenn man seine Bilder anschaut, wird man in eine göttliche Position versetzt. Die Welt sieht aus wie ein grosses Spielzeug, wie eine Puppenstube mit diesen vielen kleinen Krabbelmenschen, die sich in ihrer Existenz abmühen. Das ist es ja doch, was man Transzendenz nenn. Diese Sicht hat mich immer wieder fasziniert und irgendwie habe ich die Überzeugung, dass dies ein sehr aktueller Blickpunkt wäre. Ich glaube, solche Bilder wären heute eine grosse Attraktion. Wir haben diese Sicht sozusagen aus den Satelliten wieder entdeckt.
Und das Gute daran ist doch wohl auch hier eine Art Spiegelbild. Wir versetzen uns als Menschen in einen Punkt „ausserhalb unserer Welt“, um uns selbst mit unseren Unvollkommenheiten aus Distanz zu betrachten. Das ist es, was uns auch als Individuen gut tut. Es tut uns sehr gut, obwohl man diesen Kunstgriff in der Psychologie der letzten 50 Jahre total übersehen und vergessen hat. Mindestens in der praktischen Psychologie.
Deine Bemerkung über meine geheimen guten Vorsätze und die „Aufwartung mit Blumen“ (Du brauchst ein exzellentes Deutsch) klingen wie eine stille Klage. Ach Malou, das ist es nicht, es ist nicht eine Verheimlichung. Bei den guten Vorsätzen weiss ich selbst noch nicht so genau. Ich spare mir eine endgültige Entscheidung auf. Das ist ja doch typisch für gute Vorsätze. Man nimmt sich diese Dinge nur halb vor. Ich aber habe die Feststellung gemacht, dass diese Vorhaben sich in Luft auflösen, wenn ich zu sehr davon spreche. Ich glaube, es ist besser, sie ganz allein mit mir selbst abzumachen. Und die Resultate sollten ja doch dann sichtbar werden für alle. Und die Blumen andererseits waren eine fällige Aufmerksamkeit. L hatte uns immer - als Mitarbeiterin der UBS - das Geld zu günstigeren Kursen gewechselt, bevor wir in die Ferien gefahren sind. Sie ist jetzt in Pension und ich hatte den Eindruck, dass sie eher einsam vor sich hin lebt. Aber ihre Tochter kommt sie häufig aus Deutschland besuchen.
Doch jetzt muss ich endgültig an meine Arbeit. Ich fürchte, ich komme nicht durch sonst.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit und ein feines Wochenende.
Mit lieben G+K
Rud
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Ämne: RE: samstag
Datum: den 10 januari 2004 12:21
Lieber ...,
Dein kleines Mail tut mir gut an diesem grauen Tag. Anna und ich sind schon am Packen und ich freue mich auf ein wenig Tapetenwechsel, wie du es zu nennen pflegst.
Hast du so viel Arbeit, dass du auch Samstags im Büro sein musst? Aber eigentlich ist es ja gut für mich, denn so kannst du mir auch in Ruhe ab und zu ein paar Worte senden. Und ein Samstag ohne mail von dir ist kein Samstag mehr.. :-)
Ich muss mich beeilen. Aber sicher werde ich Zeit finden dir aus L. ein weiteres Mail zu senden.
Wünsche dir einen wunderschönen Tag und dass du Maus-monogam wärest wie eine Elster,
Malou
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Ämne: RE: samstag 10.1.04 again
Datum: den 10 januari 2004 19:59
Liebe Malou
Ja, ich habe einiges zu tun hier. Einen Bericht, den ich schon lange hätte schreiben sollen, konnte ich erst heute morgen in aller Ruhe fertig stellen. Dazu sind Samstage gut. Man wird nicht gestört und kann „bei leichter Klassik“ einige Pendenzen zu ende bringen.
Jetzt fahre ich gleich heim und beschäftige mich mit meinem Iran-Vortrag. Ich habe so viele Bilder, dass ich jetzt allmählich überlegen sollte, was dazu zu erzählen sei. Ich glaube nicht, dass sich meine Kollegen nur mit Bilder abspeisen lassen wollen. Aber die Bilder geben einen visuellen Eindruck von der Vielfalt dieses Landes. Sie reicht von dem feuchten, subtropischen Klima am Kaspischen Meer, wo sie Reis und Baumwolle pflanzen, über hohe Gipfel von 5670m (Damavand) mit ewigem Schnee, über Salz und Steinwüsten (Dasht e Kavir) bis hinunter an die enorm heissen Küsten am Golf (Bandar e Abbas) mit Palmen und einer Bevölkerung mit arabischem Einschlag. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich diese Vielfalt sehe. Gar nicht zu sprechen von den verschiedenen Nomadenvölkern, die es gibt, mit ihren je eigenen typischen Kleidungen, den eigenen Arten von Behausung und ihren teilweise riesengrossen Lebensräumen. Dann gibt es die Tiefendimension der Geschichte, angefangen von den Achaimeniden ein halbes Jahrtausend vor Christus, die jene berühmten Städte wie Persepolis, Pasargadai und Ekbatana gebaut haben. Sie haben dazu aus dem ganzen Reich, das von Indien bis Aegypten reichte und die heutige Türkei (Lydien, Kilikien etc.) einschloss, die besten Handwerker mit ihren Techniken herbeigeholt. Um 300 v. Chr. kam dann Alexander und hat das ganze Reich handstreichartig eingenommen. Es war eigentlich die griechische Idee der Stadt, die er globalisieren wollte. So wie die Polis von ihrem Umland, ihren Bauern und Sklaven lebt, so wollte er den Osten bis zum Indus als Umland Griechenlands unterwerfen, um dort königlich zu leben. Aber das hielt nicht lange. Als er starb zerfiel das Imperium in drei Diadochenreiche. Und im Iran regierten die Seleukiden. Dann waren da das Reich der Parther im Nordwesten des heutigen Iran, deren Einfluss bis zum Tigris reichte, wo sie sich über Jahrzehnte mit dem Römern herumzankten. Dann kamen die Sassaniden, die in vielen Bereichen an Ideologien und Reichsvorstellungen der Achaimeniden anknüpften. Sie waren die Zoroastrier. Auf ihren Münzen war der König und ein Feueraltar abgebildet. Sie stammten wieder aus dem zentralen Gebiet Fars und nahmen den Titel Shah-in-schah wieder auf. Und in der Zeit unseres Barock waren es die Abbasiden, die schliesslich in Isfahan herrschten und deren grösste Gestalt, Shah Abbas der Grosse, dem Land die moderne Identität und den Schiismus als einheitliche Religion gegeben hat. Schliesslich - in der Neuzeit - waren die Kadjaren die Regenten Persiens. Sie hatten sich mit der Industrialisierung Europas auseinander zu setzen, wehrten sich gegen Engländer ebenso wie gegen Russen (mit etwas zweifelhaftem Erfolg) und verlegten ihre Hauptstadt in dieses muffige Teheran. Einer von ihnen holte in einer kleinen Wanderung in Indien den berühmten Pfauenthron nach Hause. Ihr Ende kam mit dem Kosakenführer Pahlevi, der mit Unterstützung der Engländer an die Macht kam. Sein Sohn Shah Reza Pahlevi ist der letzte Shah. Sein Vater soll den Schmächtling verachtet haben, und seine Zwillingsschwester habe eine tiefere Stimme gehabt, so liest man. Sie habe denn auch bei seinen Heiraten mitgemischt und bei möglichen und wirklichen Kaiserinnen die Hand im Spiel gehabt.
Ach, man sollte zwei oder drei Monate Zeit haben, um sich in all das vertiefen zu können. Es wäre interessant. Und später könnte ich als Fremdenführer im Iran arbeiten und von fetten Amerikanerinnen sündhaft hohe Trinkgelder einstreichen ;--). Sie lieben die Amerikaner nämlich, die Perser. Ich glaube, die Perser wären das einzige islamische Land, wo die Amis von der Mehrheit der Bevölkerung mit Freuden begrüsst würden. Sie sehnen sich an modernem Leben, nach Handys, nach Internet, nach Mode, nach Whisky, nach elektrischen Waschmaschinen und nach amerikanischem Glitter.
Ja, ich muss jetzt wirklich. Ich hoffe, Ihr habt einen guten Sonntag.
Gruss
...
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