Freitag, 4. Juli 2014

Vielleicht



Hans Erni  Lektüre der Braut


Vielleicht

Erinnern
Das ist

vielleicht

die qualvollste Art

des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art

der Linderung
dieser Qual

[Erich Fried]







.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Trübsal


Ämne : Trübsal

Liebe Marlena
Das schöne Bauernhaus mit den vier oder fünf öööö deinerseits war eine
Verlegenheitslösung. Ich habe es hier in meinen vielen Ordnern und Kisten
und Schränken gefunden, um dann zu probieren, ob ich es direkt in den
fotofolder schicken kann. Es ist dann ja schon etwas gross erhausgekommen,
nicht wahr. Ich glaube, mein Bruder hat mir das Bild einmal geschickt. Das
Haus muss im Kanton Bern stehen. Aber so ganz sicher bin ich mir da nicht.
Ich meine bloss, diese Art der Terassen und des Dachhimmels gebe es vor
allem im Kanton Bern.
*
Du setzt mir die Pistole an die Brust? Du bedrängst mich richtig! Und das
alles nur, damit ich mich dazu entschliesse, Naipaul zu lesen. Na ja, meine
liebe Marlena, Du solltest doch mit mir Geduld haben. Ich kann es Dir
überhaupt nicht versprechen. Aber ich will es auch nicht ausschliessen. Das
Problem dabei ist vielleicht schon, dass der Nobelpreis Deine Empfehlung
übertönt. Wenn Du mir diesen Schriftsteller als Geheimtipp angegeben
hättest, dann wäre ich sicherlich schon mitten im Buch. Aber so, mit einem
Nobelpreis, das heisst ja doch, Tausende und Tausende von Leuten sind im
Moment daran, diesen Naipaul zu lesen. Das ist einfach keine Vorstellung,
die mich beflügelt. Aber die Idee, bei ihm mal nachzulesen, was er über den
Islam gesagt hat, die hatte ich auch schon.
*
Gerade schaue ich aus dem Fenster und bin erstaunt, wieviele Tauben dort
oben, auf der Krete des Daches sitzen. Sie stehen dort oben über unseren
Dächern, in höchst gleichmässigen Abständen, als ob das jemand ausgemessen
hätte. Individualdistanz, nennen es die Verhaltensforscher. Und sie schauen
alle auf diese meine Seite, während sie ja auch in die andere Richtung,
gegen die Hauptgasse hinunter schauen könnten. Wahrscheinlich haben sie den
Schnabel lieber im Wind. Ein Luftzug von hinten, das muss für eine Taube
sehr unangenehm sein. Es wäre wohl ungefähr so, wie damals, als Monroe auf
dem Luftschacht der Subway gestanden hatte. Na ja, die Monroe hat daraus das
beste gemacht. Aber das traue ich nicht jeder Taube zu. Sie wirken ohnehin
sehr phlegmatisch heute, bei diesem trüben Wetter. Und jetzt, ich war gerade
bei diesem Gedanken, sind sie plötzlich alle weg. Der ganze Schwarm hat sich
vorwärts in die Luft gestürzt. Eine muss einen Alarm ausgelöst haben? Man
kann sich gar nicht vorstellen, was sie sich dabei denken. Vielleicht
wollten sie nur ihre Glieder aufwärmen? Vielleicht hat eine der Tauben einen
Geheimtipp einer besonders exquisiten Futterstelle verraten, schwatzhaft,
wie sie nun mal sind. -- Und jetzt kehren sie zurück. Es ist nicht der ganze
Schwarm auf einmal, sondern die Vorhut ist jetzt eingetroffen. Es sind etwa
8 Tauben Und sie stehen wieder da und setzen ihre Cocktail Party fort. Und
sicherlich erzählen sie sich Geschichten und Erlebnisse vom St. Markus Platz
in Venedig. Bestimmt hat jede von ihnen dort unten in südlichem Klima mal
einen Honeymoon erlebt und das Leben rundum genossen, vielleicht mit einem
Freund nur für einen Sommer lang? Haben sie nicht ein schönes Leben dort
oben auf dem Dach, wenn sie über ihre alten Abenteuer plaudern können? Na
ja, vielleicht ist es etwas kühl. Aber es muss doch sehr erhebend sein, die
Welt stets von oben betrachten zu können. Ich stelle mir das göttlich vor!
*
Ja, "absägen", das wolltest Du sagen. Wir würden in Deutsch genau eben
dieses Wort gebrauchen. Deine Wahl war perfekt, einzig die Tatsache, dass es
verdeutschtes Schwedisch war, verhinderte, dass ich es verstehen würde.
*
Finde ich grossartig, dass Deine jungen Leute eine Firma gründen wollen. Das
ist gut, das ist sogar fantastisch. Es gibt doch schöne Beispiele von
wirtschaftlichem Erfolg bei Kids in diesem Alter. Ach Marlena, Du kannst
Dich geruhsam zurücklehnen und zuwarten. Deine Anna wird bald den Laden
schmeissen. Und ich stehe ja dabei auch auf der Kundenliste! Gerade gestern
habe ich mich erkundigt, wie man denn vorgehen müsste, um eine Home Page zu
machen. Und ich habe festgestellt, dass es - wie fast immer - beim Kanton
ziemlich kompliziert ist. Sie stellen alle möglichen Bedingungen, aber sie
helfen Dir nicht. Ich habe schon eine Vorstellung. Und meine beiden
Mitarbeiter waren begeistert von meiner Idee. Aber ob unser Sekretariat das
auch so akzeptieren wird, das steht noch in den Wolken.
Weißt Du, meine Idee ist eine völlig nüchterne Seite, wie man sie hier auf
den Formularen und Papieren sieht. Aber dann geht das Leben darüber hinweg.
Zum Schluss ist es eine gesprayte Wand voller Zeichen und Ausrufe und
Flüche, wie etwa "Melanie my love", "SHIT" ein paar Figuren, ein paar
Sehnsüchte, alles, was die Jungen so in der Welt verbreiten.
*
Schade, das J homo ist. Nun ja, Homos sind an sich ja nette Kerle. Und
verstehen sich mit Mädchen meist allerbestens, weil sie ja ebenso fein und
sensibel sind. Ich bin sicher, sie sind ein gutes Team und die Natur
zwischen ihnen würde bloss stören.
*
Ich muss noch etwas an die Arbeit. Und ich wünsche Dir in diesem trüben
Wetter ein häusliches und gemütliches Wochenende.
Mit einem lieben Gruss

gloomy monday morning


Ämne: gloomy monday morning

Liebe Marlena
Nun ja, der Abend in Seltisberg. Um das Geheimnis vorweg zu nehmen. Ich habe
gar nicht gesprochen. Und einen Drücker mit den Sekretärinnen, nein, was
denkst Du auch von mir? Na, vielleicht stelle ich mir unter einem Drücker
etwas Falsches vor?
Nein, ich hatte wirklich keine Lust, zu reden. Und wir machen diese Anlässe
so locker und informell, dass eine Rede immer eine gewisse Anstrengung
bedeutet. Wir sassen an verschiedenen Tischen und waren vertieft in
verschiedenste Themen. Doch wir haben auch nicht zu lange gemacht. Um etwa
23.00h waren wir alle schon wieder auf dem Heimweg.
So habe ich nichts gesagt zur Lage der Nation und zur bösen Zeit, die
herrscht. Ich habe mir zwar zuhause noch ein paar Gedanken gemacht und
hätte, wenn die Gelegenheit zwingend geworden wäre, schon ein paar Gedanken
äussern können. Aber wie gesagt, es bestand keine Notwendigkeit. Und das war
gut so.
Vielleicht hätte ich, wenn Deine Bestätigung zum Dank für alles, was sie
nicht getan haben, schon freitags gekommen wäre, mehr Sinn gesehen, ihnen
das zu sagen.
Immerhin war das Menue ganz nett. S und ich haben Lammfilet gegessen,
mit etwas Gemüse und Kartoffeln, und dazu einen Dôle aus dem Wallis
getrunken, der ganz gut war. Ich wollte nicht drei Gänge, wie meine
Mitarbeiter das für sich bearbeitet haben. Und so bin ich schliesslich
ziemlich leichter Dinge und geradezu nüchtern wieder heimgekehrt.
*
Ja, das Bauernhaus. Nein, es ist nicht unser Haus. Unser Haus stammt zwar
auch aus der Zeit vor der französischen Revolution. Ich sage immer, Goethe
könnte unter unserer Haustüre gehustet haben. Anlässlich seiner
Schweizerreise natürlich.

(---)

Hoffentlich hast Du Deinen Trost bei Appi gefunden. Ich bin sicher, er sitzt
wie ein junger Kavalier auf seinem Hochsitz und flötet Dir die
unverschämtesten Akkorde ins Ohr.
*
Und weshalb diesmal nicht einen doppelten, Gruss oder Scotch oder was
eigentlich?
Mit einem schönen Gruss für diesen trüben Montag Morgen.
...

Mittwoch, 2. Juli 2014

Nur so..


Ämne : Nur so..

Lieber ...,
Hast du einen schönen Abend erlebt in Seltisberg? Und hast du dann doch eine Rede gehalten? Die Idee deinen Mitarbeitern zu danken für alles was sie nicht getan haben finde ich sehr humoristisch und hat sicher viel mehr Freude gebracht als wenn du ihnen eine s.g. Pflichtrede gehalten hättest wo du alle ihre guten Einsätze lobst. Was hast du nun wirklich getan? Zum Abschluss stelle ich mir noch vor dass du mit allen schönen Sekretärinnen einen "Drücker" getanzt hast.. ;-)

Und das schöne Bild von dem Bauernhaus, das du mir geschickt hast hat mich so sehr gefreut. Ich war sicher dass es dein Haus war ( bildete mir ein B und A links im Bild zu sehen) und wunderte mich woher du plötzlich den Mut genommen hast mir ein solches Bild zu senden. Und jetzt sagst du zu meiner Enttäuschung, dass es irgendwo in der Nähe von Bern liegen könnte.. :-(

Ach, dieses Naipaulbuch. Ich befürchte eigentlich dass du es etwas langweilig finden könntest.. aber es hätte mich interessiert zu hören was du über seinen Stil denkst. Ich finde er kann mit Worten wirkliches Leben erzeugen.. so wie du es tust. Deswegen eben.. Aber ich will dich doch nicht bedrängen, mein lieber Mausfreund. Das Leben ist zu kurz um mit uninteressanten Dingen vergeudet zu werden. Das ist eine neugefundene Einsicht bei mir .. das Alter macht klug.. (so hoffe ich wenigstens). ;-)

Das mit J stört mich nicht. Ich habe es erst ganz neulich erfahren und zuerst gingen meine Gedanken an seine Mutter. Aber sie scheint sich damit abzufinden. Und dann denke ich natürlich an ihn. Aber bei uns gibt es so viele in seiner Situation die es nicht verbergen. Er muss sich absolut nicht allein fühlen damit.. Ich glaube dass es auch in unserer Generation viele solche Menschen gibt nur dass sie eben ihr Leben lang ihr Geheimnis für sich bewahren.

Ja doch, Anna ist bereit dir jederzeit eine Homepage zu machen. Sag nur was du auf der ersten Seite haben möchtest und sie kann dir eine Probe senden. Am besten du machst eine Skizze auf Papier und schickst es an die Adresse die ich dir gegeben habe. Du könntest dir vielleicht ein paar andere Seiten im Internet ansehen und sagen welche Art dir am besten gefällt. Warum starten wir nicht sofort?
*
Ich frage mich was du gerade in diesem Moment tust. Es wäre schön zu wissen. Ich fühle mich etwas einsam heute. Werde Trost suchen bei Appi... Er ist für mich was die Tauben für dich sind.

Mit einem lieben (diesmal nicht doppelten) Gruss,
Marlena

PS Am liebsten würde ich nun neben dir sitzen und mit dir zusammen ein Buch anschaun.. eins mit Kunst .. oder dein Affenbuch vielleicht.. wir würden uns gut amüsieren. Oder vielleicht eins was ich habe mit Portraits von allen grossen Schriftstellern..

Dienstag, 1. Juli 2014

Sollte ich vielleicht... ?


Ämne : la grande bouffe 

Liebe Marlena
Was meinst Du, sollte ich heute Abend an unserem Büroessen ein paar Worte
sagen? Ich habe eigentlich wenig Appetit, weder auf Essen noch auf Reden.
Aber ich werde es mir noch überlegen. Und vielleicht kommen mir in diesem
Mail ein paar Gedanken.
Das Essen findet auf Seltisberg statt. Das ist eine Nobelgemeinde gleich
oberhalb Liestal. Jeder, der in Liestal etwas hält, wohnt hier oben in
Seltisberg. War früher einmal ein kleines Bauerndörfchen, und ist jetzt
überwachsen mit protzigen und anderen Einfamilienhäusern. Natürlich ist es
schön hier oben. Man hat den Eindruck, man sei dem Himmel näher. Mein
Vorgänger hat hier oben gewohnt, und sich, vor 20 Jahren, aus Enttäuschung
über seine Arbeit und die Probleme mit seinem Chef im WC erschossen. Ich
habe das erst vor drei oder vier Jahren vernommen. Vorher hatte es
geheissen, es wäre ein Herzschlag gewesen. Allerdings hatte er schon als
junger Mensch, als sich herausstellte, er könne nicht Medizin studieren,
offenbar einen Suizidversuch gemacht. Er ist dann aber nicht gelungen, hat
einfach dazu geführt, dass er Zeit seines Lebens ein schlechtes Augenlicht
hatte. Das war mein Vorgänger. Und Du siehst, Marlena, mein Stuhl ist etwas
belastet. Ich darf mich nicht zu sehr darauf bewegen, sonst bricht er
vielleicht noch in sich zusammen.
Zurück nach Seltisberg. Dieses Jahr hat eine Sekretärin aus Allschwil das
Essen organisiert. Es gibt drei Gänge, und ich konnte mich nach viel
Überlegen und virtuellen Hungerkuren für kein Menue entscheiden. Ich mag
einfach abends nicht mehr soviel essen. So habe ich mich sehr spät
angemeldet, um dann noch à la carte bestellen zu können. Und S tut
dasselbe. Ich glaube, das ist am besten so. Ich will mich nicht an einem
Freitag abend durch drei Gänge durchkämpfen. Aber eben, vielleicht sollte
ich eben deshalb, weil ich nicht esse, reden.
Wir nennen diesen Anlass unser Weihnachtsessen. Früher hatte es immer im
Dezember stattgefunden. Dann haben wir bemerkt, dass im Dezember keiner Zeit
und wenige Lust zu einem saftigen Essen haben. So hat man es dann vor ein
paar Jahren auf den Januar verschoben. Immerhin hat man im Januar gute
Vorsätze im Kopf, und so ein Essen ist eine echte Herausforderung, die
Nagelprobe für die guten Vorsätze. Wer das Essen überstanden hat, der kann
getrost das neue Jahr in Angriff nehmen. Dem kann nichts mehr Wesentliches
passieren.
Die Sekretärin nennt das Essen nun "Jahresessen". Das klingt wie "la grande
bouffe". Hast Du den wundervollen Film gesehen mit Michel Piccoli. Es sind
ein paar gesetzte Männer in einer alten Villa, die ein wirklich
ausschweiffendes Fressen veranstalten. Und das hat etwas ziemlich
Infantiles. An diesen Film erinnere ich mich, wenn sie vom Jahresessen
spricht. Aber das kann ich nicht sagen, denn der Film ist eine Provokation
auf den diskreten Charme der Bourgeoisie.
Bei Jahresessen gehen einem natürlich auch die Jahresabschlüsse, die
geschäftlichen Dinge durch den Kopf. An einem solchen Anlass verkündet der
Chef die Erfolgsrechnung, verteilt Gratifikationen und macht Beförderungen
und verteilt Gratiskomplimente. Und dann hat er Gelegenheit, mit seiner
Sekretärin zu tanzen.
Aber bei uns ist das natürlich ganz anders. Unsere Abschlüsse sind noch
nicht gemacht. Die statistischen Zahlen sind noch nicht bereit. Wir können
uns bloss selbst auf die Schulter klopfen.
Natürlich kann ich meinen Leuten danken für die grosse Arbeit, die sie
während des vergangenen Jahres geleistet haben. Es gab da jede Menge
Unannehmlichkeiten, Zeitdruck, Spannungen, Rekursverfahren, Irritationen und
so fort. Dafür kann ich mich bei ihnen bedanken. Aber dafür sind sie auch
bezahlt. Das sollte man nicht vergessen. Und sie sind gut bezahlt.
Vielleicht sollte ich mich bedanken für all die Dinge, die sie NICHT gemacht
haben. Sie haben keine unnötigen Rekurse provoziert. Sie haben nicht Kinder
verführt oder belästigt. Sie haben keine Schulhäuser angezündet, noch haben
sie Behörden hintergangen. Ach, sie haben sich wirklich anständig und fair
aufgeführt, haben abends ihre Arbeitszeit aufgeschrieben und sind brav
heimgegangen. Es war eine reine Freude.
Vielleicht sollte man den Mitarbeitern Mut zusprechen, dass nach den
schlimmen Ereignissen im letzten Jahr nun alles gut werde. Nachdem so vieles
auf der Welt dahingegangen ist, sollten wir doch für das neue Jahr neue
Hoffnungen schöpfen. Ich sollte ihnen also das Badewannenjahr ans Herz legen
und sie bitten, sie sollten mit Lockerheit und Optimismus an die Arbeit
gehen. Das wäre gut. Das haben sie nötig.
Ach, ich weiss nicht. Vielleicht sag ich doch gar nix, und esse zwei oder
drei Teller leer.
Ich lass es mal auf mich zukommen.
Mit einem schönen Gruss
...

ungefähr 18:00h


Ämne: sonntag sonnig
Datum: den 4 juli  12:03


Liebe Malou
„…awiw“ sollst Du haben.

Ja, die Gréco ist ein Grossmütterchen geworden. Aber in dieser Sendung auf einem französischen Sender hat sie auch gesungen. Und ihre Stimme ist immer noch sehr fest und rhythmisch aufregend und jung. Die Juliette hat in ihren Erzählungen viel Luft genommen. Sie hat erzählt, dass sie sozusagen wie ein Mann gelebt habe. Das heisst, sie konnte bei den Männern mit den Fingern schnippen, und sie sind ihr gefolgt (bis ins Bett, so muss man wohl annehmen). Sie hat sehr positiv geredet über ihr Alter und geschildert, wie sie ihren Ruhm immer noch geniesst.

Was Du über die Erlebnistiefe des Alters sagst, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber ich ertappe mich bei solchen Gelegenheiten oft, wie ich mich frage, dass ich in meiner Jugend gewisse Dinge viel grösser und viel schöner erleben konnte. Ich glaube, damals gab es einen weiten Horizont der Erwartungen. Alle diese Ereignisse hatten eine Bedeutungsdimension in die Zukunft. Und die war gross und weit und wichtig. Heute denke ich oft: und das war alles? Die Menschen sind doch - alles in allem - sehr menschlich! Na ja, sie sind alle sehr mittelmässig, mich selbst eingeschlossen! Du siehst, ich habe das Gefühl, am Ende der Fahnenstange angelangt zu sein. Na ja, nicht ganz, aber immerhin. Wenn man das Leben als einen Tag nimmt, ist es ungefähr 18.00h heute. Was Wunder, wenn man sich vornimmt, an diesem milden Abend bis 22.00h noch ein bisschen auf die Pauke zu schlagen?
Michel de Montaigne ist ein guter Begleiter. Ich glaube, er war sehr wenig sentimental und hat aus seinem Leben alles herausgeschöpft, was möglich war.
(---)

So, ich schicke dieses Ding ab. Sonst hängt es hier bloss herum
MlGukuawdw
...

Sieh Dich vor!


Ämne: Re: und jetzt Samstag, sieh Dich vor !

Lieber ...,
Ja, du hast Recht. Sie ist "in die Jahre gekommen"die Gréco, wie du sagst. Und zuerst denkt man, man könne sie nur bedauern. Und natürlich muss man das auch tun, denn das Altern ist eine hässliche Sache. Jedenfalls muss es so sein für Frauen, die mit ihrem Gesicht in der Öffentlichkeit posieren müssen.

Doch weisst du, an Erfahrungen und Erlebnissen möchte ich nicht ein Jahr jünger sein. Während unser Körper zusammenschrumpft wird unsere Seele immer weiter und reicher. Alles was wir erlebt haben lebt weiter in uns und schenkt jedem neuen Augenlbick einen Glanz, der einem "jüngeren" Betrachter verborgen bleibt. Ich denke manchmal daran, wenn ich mir mit Anna etwas ansehe. Z.B die Midsommar-feier. Dann versuche ich für einen Moment alle meine schönen Erinnerungen an frühere Feiern wegzudenken um zu verstehen, was sie sieht. Und ich sehe ein wie reich ich bin, denn ich kann fast jedem Moment noch etwas Schöneres abringen. OBS! Schöneres, gross geschrieben. ;-)

(---)
Weisst du, es ist lustig mit diesen Buchstaben am Ende des Mails. Ich habe natürlich versucht auszudenken wofür sie stehen. Und als ich gestern mein Mail beendete, wollte ich dich ein wenig necken und selbst sowas hinschreiben. Und dann war ich ganz erstaunt, als ich entdeckte, dass ich genau dasselbe geschrieben hatte, wie du in einem Mail neulich.

Du willst mir also wirklich schicken awiw??? Oh, sieh dich vor! Du ahnst nicht wiw..

Mit einem lieben raschen Gruss und Kuss,
deine Malou