Donnerstag, 13. März 2014

Vielleicht ...


Lieber...,

Es ist schön manchmal mit dem Auto unterwegs zu sein. Es gibt so viel Zeit zum denken weil man am Steuer ja wirklich nichts anderes tun kann. Ich liebe es, so durch die Landschaft zu fahren. Dann fühle ich wie es ganz still wird in mir. Ich geniesse die schöne Natur und die Einsamkeit. Und oft denke ich auch, wie schön die Welt wäre ohne Menschen. Dazu bekomme ich öfters eine unbändige Lust nur immer weiter zu fahren und alles hinter mir zurückzulassen. Aber es ist nicht so schlimm wie es klingt. Es ist vielleicht mehr Abenteuerslust als Flucht.. und vielleicht werde ich es einmal tun...

Mittwoch, 12. März 2014

Morgengabe





trauern wollte ich gestern
um dich und um mich
und das grau überall
schob es dann doch
auf den morgen danach

und der morgen ...
der brachte das amsellied
du weißt schon –
dieses das zu tränen rührt
zwischen krokuss und blaustern
singt sie uns vom frühling

ja, sie kann es immer noch

(Isabella Kramer)








Dienstag, 11. März 2014

Illusionen


Liebe Marlena

Wo ich meine Illusionen verloren habe? Illusionen über die Menschen?
Na ja, das ist wie wenn Du mit einem Karren voller Kartoffeln über einen holperigen Weg rollst. Sie fallen ja nicht gleich alle zusammen vom Karren, sondern springen einzeln da und dort herunter.
Aber ich habe nicht ein schlechtes Bild von den Menschen. Das bestimmt nicht. Und ich habe im Leben wirklich eine Menge Menschen kennengelernt.

(---)

Kurz und gut, meine Illusionen liegen an den Rändern meines Lebensweges wie Kartoffeln, die vom Karren heruntergekollert sind. Aber ein paar sind wohl immer noch oben geblieben. Und das spricht doch auch für den Karren, oder nicht?
Ich küsse Dich innig, meine barocke Mausfreundin
...

PS:
wollen wir doch keinen Indizienprozess beginnen, wer wem zuerst die Liebe angedeutet habe. Es geht mir da wie den alten Römern, die in ihren Zitaten immer sehr ungenau waren, einfach weil sie die Mühe scheuten, ihre Pergamentrollen aufzurollen und das Zitat wörtlich zu suchen und nachzulesen. Es ist einfach schön, sich zu erinnern, wie das ganz zart und sachte entsteht, und wie man auf jede Geste und Wendung achtet, die auf ein Mehr hindeuten könnte. Und wenn solche Ahnungen und Gefühle entstehen, ist man ganz zufrieden und hell. Aber es ist doch nicht Geschichte, Marlena! Es ist die nackte Gegenwart, ...

Frühlingszeichen




Lieber ...,
Es ist ein kühler Morgen und auf dem Rasen liegt wieder Frost. Ein dichter Nebel gibt mir den Eindruck auf einer Insel zu sein. Es wird ein schöner Tag werden. Das Licht deutet es an. Und ich liebe diese Zeit vielleicht mehr als alle anderen Jahreszeiten. Sie verspricht Licht, Wärme und Schönheit. Auch hier sehen wir die ersten Zeichen des Frühlings. Am Eingang blüht Krokus und ein paar kleine Primeln leuchten unter dem Kirschbaum. Auch an dem Benehmen der kleinen Kohlmeisen merkt man die Veränderung. Sie sind dabei einen Nistkasten zu wählen.
*
Es ist inzwischen Nachmittag geworden. Ich habe den schönen Tag gut genützt und habe mich ein paar Stunden im Garten beschäftigt. Und K hat derweilen einen neuen Nistkasten gemacht. Für einen Menschen hoch aus dem Norden wie er, bedeuten die Vögel etwas ganz besonderes. Sie sind die ersten Boten des Frühlings und man erwartet sie mit Sehnsucht. Nun, ich habe mich gefreut als ich ihn hämmern hörte. Vielleicht ist es eine primitive Freude jemanden etwas bauen zu sehen.. ;-) Als Material hat er eine Kiste aus Holz verwendet in der er von einer Reise Wein mitgebracht hatte und als ich später das Meisterwerk inspektiert habe, konnte ich feststellen dass es nicht nur sehr gut gelungen war sondern dass auch auf der Vorderseite mit schönen Buchstaben ”Château Bellevue 1997” eingraviert war. :-)
Heute Nacht haben wir die Uhren eine Stunde vorgestellt und also muss ich morgen eine Stunde früher aufstehen. Nicht was ich mir wünsche...
*
Nun ist K wieder abgereist und ich werde mich eine Weile mit Vorbereitungen für Morgen beschäftigen. Ich muss lachen, wenn du von einem ”alten General” sprichst. Wenn er wenigstens alt wäre. Aber er ist jünger als ich und wie du sagst sehr unerfahren in der Pädagogik was ihn auch zu einer leichten Beute aller Bluffer macht. Mehrere Kollegen haben schon diese Befahrungen geäussert wenn sie sehen von welchen Leuten er sich beeinflussen lässt. Aber man weiss ja nicht was er im Inneren denkt obwohl er schon ein paar Mal Ideen hervorgebracht hat, die uns den Atem stocken liessen. Du brauchst mich also nicht um meinen Chef zu beneiden. Dagegen würde ich Dir so liebe Kollegen wünschen wie ich sie in meiner Nähe habe. Wir verstehen uns und leiden zusammen. Vielleicht ist deshalb unser Umgang so fröhlich und lustvoll.. weil wir ganz einfach dem Schweren etwas entgegensetzen müssen.
Jetzt beginne ich langsam eine Erleichterung zu spüren in meiner Arbeit. Die kommende Woche sind 2 von meinen Klassen auf ”Pryo” (ungefähr Berufsorientierung) und ich werde die freie Zeit benutzen um ein wenig Ordnung in unserer Institution zu schaffen und natürlich auch hier zu Hause.. à la Feng Shui.. ;-)))
Ach, chéri, ich muss lachen über deine wilden Vermutungen. Wenn ich eine Leidenschaft finde dann werde ich Dir gern darüber berichten. Erzählst du mir von deiner???
Nein, weisst du, ich suche nichts Aufregendes mehr im Leben.. ich wünsche mir Stille und Harmonie.. aber..
Als ich gestern nach ein paar Gedichten von Paul Celan suchte (er ist im Moment auf der Tapete, wie wir sagen) fand ich ein anderes kleines Gedicht von einer mir unbekannten Dichterin.

O sag es meinen Augen nicht,
Dass du sie suchst - sonst könnt es sein,
Indes der Herbst schon Kränze flicht,
Bräch’ einmal noch der Lenz herein!

O sag es meinen Träumen nicht,
Dass du sie kennst - sonst könnt es sein,
Nach allem lächelnden Verzicht
Käm einmal noch des Wunsches Pein!

O sag es meinem Herzen nicht,
Dass du mich liebst - sonst könnt es sein,
Ich liess noch spät im Abendlicht
Des Glückes ganze Torheit ein!

Gisela von Berger

Montag, 10. März 2014

alltägliche Dinge





date 17 March 2006 07:39
subject Re: :-)


Liebe Malou

Ich bin etwas früh und etwas nervös. Und so suche ich mich ein wenig abzulenken.

Ja, ich weiss wie schwer die IKEA-Dinger sind. Dieses geleimten Holzplatten sind verdammt schwer. Ich bin nicht so begeistert von diesen Möbeln. Sie sehen an sich nicht schlecht aus, solange sie neu sind, nutzen sich aber ziemlich rasch ab. Und wenn man umzieht, und man sie demontieren sollte, sind sie sehr mühsam und meist nicht mehr zu gebrauchen. Es sind schon fast so etwas wie Instant-Möbel.

Der Besitzer (oder Gründer oder was weiss ich ..) ist - wie du bestimmt weisst - Schwede und lebt in der Schweiz. Kürzlich gab es wieder mal eine dieser Reichtums-Ranglisten in den Zeitungen, worin er auftauchte. Er kommt schon ziemlich bald hinter Bill Gates. Und ich finde, wenn er so reich ist, könnte er etwas besser auf die Qualität seiner Möbel achten. Aber natürlich sind sie gut im Preis.

Ich bin im Moment eher angetan von alten Möbeln. Die sind zwar umständlich gebaut und raumkonsumierend, aber sie sind doch irgendwie schön. Ich habe mir einen Schreibtisch gekauft, der ganz schick aussieht. Na ja, so alt ist er auch wieder nicht. Aber er sieht doch schon ein bisschen antik aus. Wenn man ihn betrachtet, denkt man, es wäre vielleicht Senecas Pult gewesen ;--D. Ich will ja nicht übertreiben und gleich Sokrates sagen. Na ja, Sokrates hat - wie man annimmt - auch gar nicht geschrieben. Er war sozusagen ein Schwätzer.

Was kann ich dir in meiner Nervosität noch berichten? Dass ich schlecht geschlafen habe? Ich habe in den letzten Monaten einen Trick entwickelt. Wenn ich mitten in der Nacht aufwache, höre ich mir SprechCDs an. Sie verhindern, dass ich anfange, mir um die Arbeit und all die Dinge, die noch unerledigt herumliegen, mir Sorgen zu machen. In dieser Nacht hatte ich eine CD aufgelegt mit dem Titel: Erotische Geschichten von Apuleius. Das ist offenbar ein antiker römischer Schriftsteller. Allerdings sind die Geschichten kaum erotisch, sondern echte Kriminalfälle. Da werden Menschen vergiftet, erschlagen, geblendet. Alles ist mir diese Nacht zwischen Mitternacht und dem Klingen des Weckers untergekommen. Es war nicht sehr beruhigend. Jedenfalls hat die CD morgens um 5 nicht mehr gewirkt. Und so bin ich noch vor 6h aus den Federn gehopst und nach einem raschen Frühstück los.

A hat nächste Woche ihre schriftlichen Prüfungen. Ich glaube, sie ist ziemlich gut vorbereitet. Natürlich kann ich nicht wirklich beurteilen, wo sie steht. Aber sie hat mit grosser Disziplin in den letzten Monaten gearbeitet. Und das ist neu für sie. Bisher hatte sie alle Prüfungen bloss im letzten Augenblick und - wie uns schien - etwas notdürftig vorbereitet. Sie scheint ruhiger zu sein als ihr Freund. Nun, sie hat in den letzten Jahren auch gut für sich gesorgt, dh. gut gegessen, normal geschlafen usw. Wenn man jung ist, besteht leicht die Gefahr, dass man diese überaus wichtigen Dinge im Leben nicht allzu sehr beachtet. Jedenfalls habe ich in meinen jungen Jahren niemals daran gedacht.

Du siehst, ich schlage mich mit alltäglichen Dingen herum. Wenn ich noch ergänze, dass ich in den letzten zwei Wochen versucht habe, mein Büro etwas aufzuräumen, dann bestätigt dies den Eindruck. Das Leben ist wirklich sehr normal und unspektakulär. Ich muss mir überlegen, was ich dagegen tun kann.

MLG
...

:-)


date 15 March 2006 16:04
subject :-)


Lieber ...,
Endlich ist es soweit. D.h. ich habe die Dinge erledigt, die ich mir
vorgenommen hatte. Ich bin immer noch bei Anna in L.
Gestern habe ich den Bücherschrank bei IKEA gekauft. Es war ein
riesiges Paket und ich war erstaunt, dass es in meinem Golf Platz
hatte. Aber unglaublich schwer war das Ding. Zum Glück bekommt man
immer gute Hilfe von den Angestellten.. solange Kamprad lebt würde
wohl niemand dort wagen einen Kunden zu vernachlässigen. Weisst du
etwas über diesen vortrefflichen Mann?? Ich wünsche es gäbe mehr von
der Sorte.

Dann habe ich das Ding zusammengeschraubt. Ging wirklich problemlos
und geschwind. Und jetzt steht es da und sieht ganz gut aus mit seiner
Hülle von Büchern. Anna ist ebenso zufrieden wie ich. ;-)

Heute habe ich noch etwas gekocht, damit sie nicht Zeit damit
verbrauchen muss in den kommenden hektischen Tagen. Sie hat Donnerstag
und Freitag Prüfungen. Am Freitag ist es IT-juridik.

Dann war ich einkaufen und jetzt habe ich noch schnell ein wenig
aufgeräumt. Alles braucht immer viel mehr Zeit als man berechnet und
so werde ich jetzt bei der Heimreise leider wieder in den
Berufsverkehr kommen.

Ach, mein lieber Mausfreund, du fragst nach meinen Plänen für dieses
Jahr und nennst ferne schöne Reiseziele. Doch nach den letzten Wochen
fühle ich mich immer noch flügellahm.. (weiss nicht auf deutsch). Es
ist als müsste ich erst wieder gehen lernen und mich an das Wort
Zukunft gewöhnen.

Aber deine Reiseziele klingen beide gut. Wo immer du hinfährst, so
weiss ich, dass auch ich die Reise geniessen werde.

Nun muss ich los. Ich schreibe dir mehr von zu Hause aus.

Mit lieben Grüssen
Malou

Freitag, 7. März 2014

Freitag Abend


Liebe Marlena

Freitag Abend, der Höhepunkt der Woche, wenn man es leicht nehmen will. Am Fernsehen diskutieren die Schweizer Parlamentarier ...  Sie wiederholen zumeist Gedanken, die man schon x-mal gehört hat. Sie kochen schwer mit Wasser, unsere Politiker. Und die ganze Sache ist eigentlich längst gelaufen, es geht nur noch darum, die Sache mit Worten zu garnieren. Dazu waren Politiker seit der Antike prädestiniert.

*

Ich lasse also meinen Geist schweifen, um ihn ein bisschen ruhen zu lassen. Du vergibst mir? Durch das Glas der Kommode sehe ich im Moment nicht auf den Fernseher, sondern hinüber zum Flügel, auf dem zwei kleine weisse Figuren stehen. Es sind Porträtbüsten von meinen kleinen zwei Töchtern, die ich vor vielleicht 10 Jahren mit Ton modelliert habe. Ich war immer sehr stolz darauf. Ich habe sie mit weisser Malerfarbe angemalt, so dass sie aussehen wie Porzellan. Nun ja, nicht gerade Porzellan, der würde ja glänzen. Aber immerhin weiss, wenn auch matt. Die B. trägt eine Casquette, etwas schräg aufgesetzt, was sehr kokett aussieht. Und A.hatte immer eine Haarlocke schräg beinahe in ihre Augen hinein. Das wirkte absolut naturwüchsig und lässig. S möchte die beiden Statuetten in Metall giessen lassen. Aber ich glaube, sie sind nicht genügend professionell gemacht, um soviel Geld zu investieren. Aber sie sind eine hübsche Erinnerung an die Zeit, als die Mädchen noch rundum süss und anhänglich waren. War eine tolle Zeit und manchmal sehne ich mich danach zurück. Ich erinnere mich der kleinen Händchen in meiner Hand, wenn wir zusammen in L ins Städtchen gingen. B hatte eine sehr rundliche Hand, mit etwas stumpfen Fingern, die sie nicht schonte, sondern mit denen sie schonungslos die Welt erkundete. Und A's Hände waren viel dünner, die Finger lange. Sie kam mit den Dingen niemals so intensiv in Kontakt wie ihre kleinere Schwester. Wenn A mit zwei Fingern zupft, dann langt B richtig zu.
Und dahinter stehen einige Silberobjekte aus dem Tibet, zwei Butterlampen und eine wunderschöne Kanne. Letztere sieht fast Chinesisch aus. Die Verzierungen sind reich, zeigen einen Drachen als Handgriff, und der Mund vorne ist auch ein Tierkopf, ich würde sagen ein ähnliches Ungeheuer. Die tierischen Formen gehen fliessend in organische über. Und der Deckel ist reich verziert ebenso mit organischen Mustern. Sie ist wirklich sehr schön, diese Kanne. Und ich frage mich, ob wir nicht die Hausratversicherung erhöhen müssten!

(---)

Morgen ist, soviel ich weiss, schönes Wetter angesagt. Allerdings muss ich noch meine Sitzung vom Montag vorbereiten. Ich hatte heute Nachmittag nicht mehr die Energie, das zu tun. Am Morgen hatten wir die Sitzung auf der Direktion. Da gab es einige Neuigkeiten, wenn auch nicht zuviele. Und nachmittags war dann reserviert für leichtere Büroarbeit. Die Zeit geht so viel zu schnell, und natürlich konnte ich nicht wirklich alles zu Ende bringen.

Weißt Du, was ich feststelle. Ich habe nie in meinem Leben gelernt, mich mit der Arbeit nach der Zeit zu richten. Niemals habe ich mir vor einer Arbeit vorgenommen, in dieser oder jener Zeit dieses oder jenes zu tun. Nicht mal für grose Examen habe ich das wirklich gemacht. Ich habe immer bloss die Zeit grob geschätzt, wenn es absolut unumgänglich war. Aber sonst hat mich die Zeit nicht interessiert. So habe ich wohl endlos Zeit verschwendet in meinem Leben. Und ich hatte wirklich auch lange Zeit den Eindruck, die mir zur Verfügung stehende Zeit sei unendlich.

Das ist falsch. Nur die Knappheit führt zur Gestaltung, nur der Mangel führt zur Erfindung, zu Innovation, vielleicht zur Kunst. Habe ich sehr spät bemerkt in meinem Leben.

Erst in diesen Jahren, da sie alles in Geld umrechnen, sehe ich mich genötigt, meine Zeit einzuteilen. Sie haben mich in der Tat aus dem Paradies vertrieben.

*

Ich hoffe, Du hast guten Bericht vom Arzt. Na ja, was heisst guten Bericht, wenn die Diagnose unklar ist? Es ist schwierig. Am besten sind vielleicht allgemeine Verfahren wie Autogenes Training, Sauna, Selbsthypnose, und eine pfiffige Lebensphilosophie, wie wir sie betreiben...

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende mit Deiner Familie

Mit lieben Grüssen
...