Samstag, 13. April 2013

Blick durchs Fenster


13 April 2013


Wenn man ein Wochenende monoton und ereignislos verlaufen lässt, dann erscheint es lange. Wenn allerdings ein Wochenende voller Erlebnisse und Ereignisse im Vollzug sehr kurz erscheint, dann wirkt es dagegen im Rückblick lang und reich. Was also soll man tun. Ist der Vollzug wichtiger oder die Erinnerung daran? Seneca plädiert für den Vollzug.
 

Freitag, 12. April 2013

Zitat von Nietzsche


Liebe Marlena

Ich habe ein schönes Zitat von Nietzsche gefunden. Habe ich Dir das schon
mal vorgelesen? Na ja, niedergeschriebenerweise...
"Vorausgesetzt, dass die Wahrheit ein Weib ist -, wie? ist der Verdacht
nicht gegründet, dass alle Philosophen, sofern sie Dogmatiker waren, sich
schlecht auf Weiber verstanden? Dass der schauerliche Ernst, die linkische
Zudringlichkeit, mit der sie bisher auf die Wahrheit zuzugehen pflegten,
ungeschickte und unschickliche Mittel waren, um gerade ein Frauenzimmer
für sich einzunehmen?"
Ist ein bisschen lang als Zitat zum Gebrauch. Aber man kann es beim ersten
Satz belassen: vorausgesetzt, dass die Wahrheit ein Weib ist ... das allein
klingt geheimnisvoll und weckt Neugier!

Es gibt zu diesem Zitat vielleicht zwei Dinge zu sagen:
 1. Lächerlich, dass Nietzsche so was sagt, gerade er, der ewige Junggeselle,
der in einem Frauenhaushalt aufgewachsen ist, von seinen Frauen wenn
nicht terrorisiert, so doch wenigstens schwer bevormundet. Hat er denn
nicht jahrelang eine Frau gesucht und schliesslich keine gefunden? Hat er
nicht mehrere Heiratsanträge gemacht? Ich glaube nicht, dass ihm diese
Tatsache bewusst war, als er diesen Satz zu Papier gebracht hat. Er findet
sich überigens in der Vorrede zu "Jenseits von Gut und Böse", dem Vorspiel
einer Philosophie der Zukunft, wie der Autor dieses Werk stolz nennt.

2. Gar nicht so dumm, der Satz, sondern eben auch niezscheanisch
intelligent. Allerdings könnte er heute leicht in die Räder einer grausamen
Gender-Diskussion geraten. Ist denn die Wahrheit eine Sache der Männer,
die im Satz die Subjekte darstellen? Die Weiber sind die Objekte?
Darf man sowas heute noch sagen? Schon das Wort Weib ist eher anrüchig.
Aber dass man Frauen nur auf spielerische und verspielte Weise zu schöner
Erscheinung bringen kann, das glaube ich sehr, das gilt ja wohl auch
umgekehrt von uns spröden Männern. Die Liebe, oder wie immer man
dieses Transaktionsgeschäft psychischer und physischer Energien nennen
will, die Liebe also ist doch wahrlich ein Spiel. Es gibt dafür einen
Spieleinsatz, es gibt vielleicht Würfel oder Karten oder Spielgeld, es gibt
Spielzüge und Spielstrategien, und es gibt wohl auch einige Regeln,
grossgeschriebene und kleingeschriebene.
...

Turm zu Babylon




Ach, Marlena, du machst mir Komplimente, dass ich in den Himmel
wachse wie der Turm zu Babylon und mit der Nase an den Wolken
anstosse. Kennst du das Bild von Bruegel mit dem schönen Turm?
Ungefähr so, die Spitze über den Wolken, aber nicht ganz fertig gebaut,
eigentlich eine Baustelle noch, wenn nicht Ruine gar. Es ist nicht ganz
klar letztlich. Aber du weißt ja auch, was aus dem Turm geworden ist.

Deine schönen Worte sind platonische Zärtlichkeiten, wenn du weißt,
was ich meine. Darum sage ich doch wieder und wieder: von den
Betörungen sind die platonischen die schönsten! So wachse ich denn in
den Himmel, und die Luft wird dünner und dünner hier oben. Schön,
dass du mich begleitest. Hoffentlich kommen wir heil wieder herunter.
Aber ich glaube, wir schaffen das schon.

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http://derstandard.at/
1339639238967/Eine-grosse-babylonische-Fantasie  

Mittwoch, 10. April 2013

Ausstellung in Basel




date 1 May 2006 08:46
subject Re: *smile*



Liebe Malou
Es ist etwas kühler geworden. Doch für den 1. Mai ist das nicht schlimm, wo sich doch die Gemüter ohnehin ein wenig erhitzen.
Ich habe viel gelesen und viel geschlafen über das vergangene Wochenende. Gestern war ich im Kunstmuseum. Es gibt eine hübsche Ausstellung mit Arbeiten von Holbein dem Jüngeren. Er war ein exzellenter Porträtist. Im Zuge der Reformation, als es auch in Basel einen Bildersturm gab, war unser Holbein nach England ausgewandert, weil er die Arbeitsbedingungen in Basel nicht mehr als günstig eingeschätzt hatte. Ein echter Fremdarbeiter also in England und schliesslich der Hofmaler. Seine Familie hatte er in Basel zurückgelassen. Es gibt ein wunderbares Bild, das seine Frau mit den beiden Kindern zeigt. Sieht ein wenig melancholisch aus. Am Hof Henry VIII hat er viele Hof- und Topleute porträtiert, inklusive Cromwell und Mill, wie ich glaube. Ich denke, er musste auch mithelfen, für den König eine neue Frau zu finden. Er hatte ja einen ziemlich hohen Konsum. Als Hoffotograf sozusagen war Holbein dann an die Königshöfe gereist und hat Porträts gemacht, um dem König die möglichen erotischen und dynastischen Aussichten zu zeigen. War echt cool damals, nicht wahr? Die Maler waren noch echte Heiratsvermittler und konnten wohl, indem sie ein bisschen retouchierten, eine Verbindung befördern oder bremsen. Kurz und gut, sie sassen am Hebel der Macht und konnten weitgehend die Zukunft bestimmen.
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Blick durchs Fenster


10 April 2013

Dienstag, 9. April 2013

Du, Nachbar Gott ...

(R)

Liebe Marlena
...

Hör mal an, Rilke hat mich erstaunt:

Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiss: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
Ich horche immer. Gieb ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.

Ich finde das ganz enorm. Hörst du, er tröstet ihn, er
möchte ihm helfen, er will bereit sein, im Dunkeln einen
Drink zu reichen, hörst du das? Er sieht noch eine kleine
Überlegenheit seines Nachbars, aber es ist doch ein Nachbar,
der Gott heisst, fast schon auf gleicher Ebene. Beinahe mit
ihm angestossen hat er. Und das war mindestens vor 100
Jahren geschrieben. Grossartige Brüderschaft!
Mit einem allerliebsten Gruss

Bei Onkelchen

Liebe Marlena

Wir haben hier am Montagmorgen mildes und lichtes Frühlingswetter. Der Himmel ist zwar leicht durchzogen mit feinen Wolken, die aussehen wie dünne Gazestreifen. Aber dennoch kommt die Sonne durch und beleuchtet die Hausfassaden gegenüber. Und gestern Abend, bei Onkelchen, haben wir auch eine ganze Weile in den sonnigen Himmel geschaut. Du weißt, er wohnt auf einer Anhöhe, so dass man vom Tisch, wo wir essen, eine wunderbare Aussicht weitherum über das Land hat. Ich sitze gleich gegenüber dem Fenster. Meist blendet es zwar ein bisschen, weil um diese Essenszeit gerade die Sonne hinter den Jurahügeln unter geht. Aber dennoch schätze ich diese weite Sicht über die kleine Stadt und das Land bis hinüber nach Aarau und in die Gegend von Olten. Diese Jurahügel geben eine hübsche Kulisse ab. Und Onkelchen erzählt von den einzelnen Hügeln und Höhen, als ob es Viertausender wären. Sie waren natürlich in seiner Generation die einzigen Möglichkeiten für den Skisport im Winter oder für Klettereien im Sommer. Man war damals noch nicht so gereist wie heute. Und wenn er dann noch vom Militärdienst erzählt, aus der Zeit zwischen 1938 bis 1945, als viele Schweizer Männer im Aktivdienst - wie man das nennt - waren, dann kommt er vollends in sein Element. Es muss eine wunderbare Zeit gewesen sein, dieser Krieg, und diese Männergesellschaften. Die Offiziere waren damals noch zu Pferd. Und noch heute, wenn er davon erzählt, scheint er auf einem Pferderücken zu sitzen. Das ist komisch, denn er ist sonst ein sehr sensibler und feiner Mensch, überhaupt kein Militärkopf oder Haudegen.