Montag, 8. April 2013

Freitag, 5. April 2013

Frühjahrsmüdigkeit


date 25 April 2006 13:06
subject Re: ...


Liebe Malou
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Hier ist es deutlich wärmer geworden. Aber im Moment hat es angefangen, zu regnen. Ein echter Frühlingsregen, der dann alles ins Kraut schiessen lässt. Ich glaube, die Natur mag sowas. Die Natur lechzt nach solchen Drinks und Cocktails. Und ich hatte glücklicherweise einen kleinen Regenschirm bei mir, um die paar Schritte vom Bahnhof bis hier trockenen Hauptes zu bewältigen. Es ist schade, dass man als Erwachsener die Regengüsse nicht mehr so entgegennehmen kann, wie man dies in der Jugend tat. Dieses feuchtwarme Gefühl in den Kleidern, wenn alles nass war. Vielleicht das tropfende Gras in den Füssen, wenn man barfuss unterwegs war? Ach, damals waren wir noch irgendwie mit der Natur in Kontakt, und nicht wie heute, wo wir alle sozusagen hinter Cellophan leben. Ich habe das immer geliebt. Allerdings muss ich sagen, dass der Regen im Wallis doch eher eine Ausnahme war. Der Boden war meist trocken und - fast immer - ziemlich staubig.

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Im Übrigen fühle ich die Frühjahrsmüdigkeit. Man sagt ja doch von den Staatsangestellten, die purzelten direkt aus dem Winterschlaf in die Frühjahrsmüdigkeit. Und ich glaube, ich tue das ganz besonders intensiv. Gestern bin ich auch nicht laufen gegangen. Wenn die Pollen in der Luft sind, tut mir das nicht sonderlich gut. Dann bleibe ich lieber in den eigenen vier Wänden. Ich habe in den letzten Tagen einen Roman von Genazino gelesen. Aber den fand ich äusserst fade und schal. Er handelt von einem alternden Typen mit zwei Freundinnen, der sich nicht entscheiden kann, welche von beiden er wirklich fallen lassen sollte, um sich bei der anderen fürs Alter einzunisten. Wirklich kein grosses Kunstwerk. Das erstaunt mich etwas, denn bisher habe ich Genazinos Texte meist geschätzt. Na ja, der Titel heisst auch "Liebesblödigkeit". Vielleicht ist der Titel die Entschuldigung für das Buch?

Und dann sollte ich ein paar Cartoons zeichnen für eine Kollegin. Sie sind daran, für eine Zeitschrift ein paar Artikel zum Thema Schulschwänzen (verstehtst du das Wort), dh. Absentismus zu schreiben. Und dazu wünschen sie sich ein paar Bilder. Ich habe mir die kleine Studie einer der Leute vorgenommen und angefangen, darin zu lesen. Aber es ist ein wenig kraftlos geschrieben. Immerhin versuche ich, zum Thema ein paar visuelle Ideen zu entwickeln. Ich habe beim Schuleschwänzen sogar eigene Erfahrungen. In der Primarschule habe ich ein oder zweimal Krankheit vorgeschützt. Ich glaube, ich habe sogar den Thermometer ein bisschen in die Höhe geschraubt. Aber damals in Visp haben wir gleich neben dem Schulhaus gewohnt. Und in der 10Uhr Pause bin ich natürlich oben am Fenster gestanden und habe diskret hinuntergeschaut. Ich musste doch beobachten, wie sich das alles ausmacht, wenn ich nicht dabei bin. Es ist ein herrliches Gefühl. Man fühlt sich - kann man sagen - ein bisschen wie ein Engel. Man sieht, wird aber selbst nicht gesehen. Das ist wirklich engelhaft und insgesamt eine erstklassige Unterhaltung.

Du siehst, ich bin wieder bei den Engeln. Wirklich schade, dass sie so aus der Mode gekommen sind. Ich finde es nützlich, zu glauben, man hätte einen Schutzengel wenigstens. Oder man kann glauben, dass ein persönlicher Engel stehts für mich unterwegs ist. Das ist doch ein prima Gefühl, nicht wahr. Und wenn man nur genügend daran glaubt, so werden sich die Dinge schon eher zum Guten wenden. Garantie!

MLG

Mittwoch, 3. April 2013

Kleines Erlebnis in Wien


Hotel Sacher


Ich muss dir ein kleines Erlebnis aus Wien erzählen. Vor vielen Jahren fuhren S. und ich um Ostern nach Wien. Es war eine unendlich lange Autoreise und es fing sogar an zu schneien. Ich war noch Student und wir wollten billig reisen. Deshalb klingelte ich an etlichen Türen, um ein Privatzimmer für eine Nacht zu mieten. Aber kein Mensch öffnete die Türe. So gingen wir schliesslich doch ins Hotel.
Wir waren dann in Wien im Hotel Berger, etwas ausserhalb, ganz ok. Und eines abends wollten wir Wien by night geniessen und spazierten die Ringstrasse entlang zum Hotel Sacher. Im Café Sacher, so hatten wir beschlossen, eine Sachertorte zu essen. Das war auch alles sehr schön und schick und k&k, du weißt ja schon. Im Sacher sassen wenige Gäste, lasen Zeitung, tratschten und genossen die Zeit. Gegenüber setzte sich ein rundlicher Herr. Er wünschte zu Essen und studierte fachmännisch und in Windeseile die Karte. Und nach einiger Zeit kam auch schon der Kellner mit einer riesigen Suppenschüssel, zugedeckt, elegant auf einem Tablett. Und er arrangierte eine grosse Zeremonie und legte das Gedeck bereit und das Glas an die richtige Stelle und scharwänzelte um diesen dicklichen Gast herum, dass es eine Freude und ein Vergnügen war. Und zum Schluss hob der eifrige Kellner mit abgespreizten Finger, also mit gekonnter Preziosität und einem kleinen Bückling den Deckel von diesem grossen Topf. Und natürlich sassen wir armes Studentenehepaar gegenüber, sahen eine kleine Duftwolke entweichen, schluckten leer und trocken und waren hungriger Neugierde, welches schöne Menue der kleine Herr nun auf seinen Teller garniert erhalten würde. Und schliesslich hievte der Ober, die Umständlichkeit in Person, hievte der Ober mit der langen weissen Schürze feierlich und überaus vorsichtig ein Paar Wienerwürstchen aus dem Topf und legte sie mit einer gewissen Zärtlichkeit und Ehrfurcht auf den Teller, so wie man ein zartes Stück Wild auf den Teller platzieren würde. Dazu gabs Brot und Senf, na ja, so, wie man Wienerli eben zu essen pflegt.


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Haustiere und andere Menschen


den 8 mars 2000 15:53
Haustiere und andere Menschen
(R)
Liebe Marlena
Ich stelle mir vor wie du am PC sitzt vor deinem Pin-Brett im schwedischen Winter (bemerkt man die Ankunft des Frühlings bei euch noch nicht?) und im Hintergrund die Wellensittiche, die miteinander zwitschern und plaudern. Ein Bild voller bürgerlicher Ruhe und Friedlichkeit. Zwei Wellensittiche im Bauer (das Wort wird in der Schweiz selten gebraucht, ein schweizerischer Sekundarschüler würde es nicht kennen), das schaut mir sehr nach bürgerlicher Trautheit aus. Gehören die zwei Vögelchen deiner Anna?
Ich habe mir als Kind immer ein Tier gewünscht. Am liebsten einen Hund, oder vielleicht eine Katze, nun ja, ich hatte nicht einmal so genaue Vorstellungen. Lange Zeit hatte ich gar geglaubt, die Hunde seien die männlichen und die Katzen die weiblichen Tiere. Also, einen schönen Hund hätte ich fürs Leben gern gehabt, einen Irish Setter, von dem habe ich oft geträumt. Sicherlich kennst du diese wunderschönen roten Hunde mit den langen Haaren und der sympathischen Schnauze. Doch zur Not wollte ich mich auch mit einer Katze, mit einer getiegerten oder mit einer gefleckten zufrieden geben. Aber meine Eltern waren strikte dagegen.
Nur einmal in meinem Leben hatte ich eine Serie weisser Mäuse. Sie waren die reine Occasion, denn ein Nachbarskamerad hatte sie, und seine Eltern hatten ihm das Ultimatum gestellt, weil diese zierlichen weissen Tierchen mit den roten Augen heftig stanken. So gab er mir die ganze Anlage, ein kleiner zweistöckiger Stall aus Holz mit Türchen und Riegelchen. Doch ich durfte die lebendigen Dinger nicht ins Haus nehmen. Und draussen - so befürchtete ich - würden sie von den Katzen gefressen. So stellte ich über ihre kleine Holzvilla ein grosses Gitter, und darüber legte ich einige Tücher, damit sie nicht erfrieren würden.
So war ich etwa für 14 Tage stolzer Besitzer von etwa 5 oder 6 stinkenden, weissen Mäusen. Es dauerte solange, bis meine Eltern fanden, es sei wirklich genug und sie stinkten wirklich bestialisch, so dass auch ich schlussendlich ein Ultimatum bekam und den nächsten Dummen suchte, der die kleine Menagerie übernehmen würde. Irgendwie gelang mir das. Doch ich weiss nicht mehr, wie ich den Mausezirkus wieder los wurde. Aber irgendwie wurde ich ihn los. Die kleinen Tiere umzubringen, dazu hätte ich das Herz nicht gehabt. Das waren meine 14-tägigen Erfahrungen mit der Maus. Und von daher vielleicht meine Lebenserfahrung und mein Expertentum in Sachen Mausfreundschaft ;-)).

Ich glaube mein Vater war immer strikt gegen Haustiere. Wir hatten eine Schildkröte im Garten, die mein Vater einmal von Beirut heimgebracht hatte. Es waren ursprünglich zwei gewesen. Doch die eine war nach einiger Zeit gestorben und ihr Schild steht heute noch auf dem Fenstersims meiner Eltern. Die zweite hatte ein langes Leben und wanderte in unserem Garten herum, wanderte von Garten zu Garten. Wir waren in ganz Visp bekannt als "die mit der Schildkröte". Die Schildkröte frass Salat, gerne auch Kirschen oder Früchte, und döste am liebsten in der Sonne vor sich hin. Als Junge hatte ich sie nie wirklich als Tier genommen, denn mit einer Schildkröte kannst du absolut nichts anfangen. Du kannst nicht mit ihr spazieren gehen, zu kannst nicht Ball spielen, sie gibt absolut keinen Laut von sich, sie hat eine etwas unangenehm kalte und geschuppte Haut, und sie schliesst die Augen von unten nach oben. Also, unsere Schildkröte aus Beirut war wirklich kein echtes Tier. Sie hatte nicht einmal einen Namen. Vielleicht war das der Fehler, dass mein Vater ihr nicht mal einen Namen ausgesucht hatte. Sie kam einfach eines Tages an, als wir Kinder noch sehr klein waren, in einem Korb und zusammen mit etlichen Büchsen voller Oliven. An die Oliven kann ich mich noch fast besser erinnern als an die Schildkröten.
Die Schildkröte musste man jährlich im Herbst in den Keller bringen und ihr ein Winterlager mit Laub und etwas Erde bereiten, sonst wäre sie im Garten erfroren. So schlief sie in unserem Weinkeller neben den Schnapsflaschen, die mein Vater jeweils auf Neujahr von den verschiedensten Firmen erhielt.
Es ist schade, das sie keinen Namen hatte. Heute würde ich sie Esmeralda oder ähnlich nennen, und zur Taufe eine kalte Flasche Schaumwein herumreichen. Aber das ist jetzt zu spät. Unsere Esmeralda, die nie wirklich Esmeralda heissen konnte, wanderte wohl wie eh und je aus unserem Garten aus in den nächsten und dann weiter. Sie hatte ein wirklich internationales Bewusstsein. Und so wurde sie einfach nicht mehr gefunden. Sie blieb verschollen, unsere Esmeralda. Und keiner weinte ihr wirklich eine Träne nach. Denn sie war zwar ein Tier, aber nicht ein Tier, wie man es sich als Kind vorstellt. Sie war ein kaltes, ein stummes und ein sehr unbewegliches Tier. Niemand wusste auch, wie alt sie war. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Esmeralda, steinalt sein musste. Ein solcher Schild aus Horn, der ganz merkwürdig roch, ein solches Ding produziert man nicht einfach in Monaten oder Jahren. Da liegen Jahrhunderte drin, dachte ich mir.
Später, als ich schon in Zürich studierte und nicht mehr zuhause wohnte, da kam offenbar doch noch eine Katze in unser Haus. Wahrscheinlich hatte meine kleinste Schwester die Eltern genervt und gelöchert, bis sie zustimmten. Es war ganz erstaunlich. Es war einfach unvorstellbar. Schliesslich konnte man meinen Vater auf dem Sofa in der Stube finden bei seiner Siesta nach dem Essen, und die Katze hockte ihm auf dem Bauch und schnurrte. Stell dir dieses Bild vor, Marlena, wie der heilige Francesco, der mit den Tieren zu sprechen pflegte. Mein Vater, der nie und nimmer ein Tier in seinem Haus haben wollte, stellt sich als Liegekissen für eine ganz gewöhnliche Katze zur Verfügung!!! Es ist einfach unvorstellbar, wie sich die Menschen ändern und verrenken können. Oder andersherum: es ist einfach erstaunlich, was Katzen in ihrem kurzen Leben erreichen können. Sie haben einen sehr harten Kopf und einen eisernen Willen. Und sie wissen, was sie wollen. Von den Katzen können wir uns ein gutes Stück abschneiden. Das dürfen wir uns merken.
Und schliesslich, um die Sache mit den Haustieren zu einem Ende zu bringen, hatten wir einen Hund. Weil ich ja mein Leben lang immer gerne einen Hund haben wollte, war meine Frau nach langem hin und her und Diskussion und Zweifeln bereit, einen Hund in die Wohnung aufzunehmen. Er sollte aber nur im Gang bleiben. In Persien hat man die Hunde absolut nicht im Haus. Man denkt sie bringen Schmutz und Krankheiten und weiss Gott was alles. Also kauften wir eines Tages einen kleinen, jungen roten Cocker Spaniel. Er war ein richtiges Kind, wedelte mit dem Schwanz, wie sonst kein Wesen auf der Welt wirklich wedeln kann. Und er war die Treue selbst. Wir nannten ihn Dido, nach der griechischen Göttin, die - wenn ich mich recht erinnere - mit Aeneas irgend ein Techtelmechtel gehabt hatte. Doch davon hatte unsere Dido keine Ahnung. Sie war wie ein Kind, freute sich, wenn man nach Hause kam, gab schmerzerfüllte sehnsüchtige Laute von sich, wenn man weg war. Sie liess in der ganzen Umgebung Liebe und Haare verströmen. Meine Frau musste sich immer wieder neu überwinden. Und wann Dido auf der Schwelle zur Stube lag und zu mir hinüberäugte, mit diesem treuherzigen Hundeblick, so fand ich uns absolut barbarisch und unmenschlich, diesem armen Hund die Stube zu verbieten. Dido hatte den grossen Vorteil, dass sie täglich mehrmals an die frische Luft musste. Und wir mussten natürlich mit. Das war ziemlich gesund und bei schönem Wetter auch ganz ok. Nur wenn es regnete, dann war es schon mühsam. Die schlimmste Variante war abends vor dem zu Bett gehen, wenn es regnete. Da sollte ich also mit unserer Dido noch rasch hinaus, damit sie ihr Geschäft erledigen konnte. Ich ging also hinunter und öffnete die Haustüre. Ich forderte die kleine Hündin auf, jetzt rasch in den Garten zu verschwinden, um das Ding zu erledigen. Ich schaute zum Himmel, wie es regnete und Dido schaute zum Himmel, wie es regnete. Sie konnte sich einfach nicht entschliessen, ihr kostbares Fell zu nässen. Und so kehrten wir beide unverrichteter Dinge wieder nach oben. Ich hatte immer angenommen, dass sie schon selbst wissen müsste, ob sie pinkeln muss oder nicht. Ich wollte sie sozusagen antiautoritär erziehen. Und sie hat wirklich nie in die Wohnung gepinkelt. Sie hätte sich damit den ewigen Groll meiner S. zugezogen. Und soweit wollte sie es nun wirklich nicht kommen lassen.
Allerdings gehorchte Dido ziemlich gut. Auf Spaziergängen hatte ich meistens den Hosensack voller Hundekuchen. Und wenn ich pfiff, durch die Finger, so dass es durch Mark und Bein ging, dann pflegte Dido daher zu düsen wie die Feuerwehr mit Blaulicht. Sie schaute weder links noch rechts und kam in Windeseile, um ihren Kuchen abzuholen. Von der Lernpsychologie wusste ich, dass man "intermittierend" verstärken soll. Das hiess, nicht jedes Mal wirklich einen Kuchen zu geben. Ein leichter Frustrationspegel war also durchaus nützlich, alles andere war Verzärtelung. Und so war ich stolz, dass unsere Dido in dieser Hinsicht wirklich sehr zuverlässig gehorchte. Erst als meine Frau schwanger war, haben wir Dido einer Bekannten, die sich schon lange einen Hund gewünscht hatte, verschenkt. Meine S. war überzeugt, dass ein kleines Baby und ein Hund sich in derselben Wohnung niemals vertragen würden. Und sie malte die schlimmsten Bilder an die Wand, wie frustrierte Hunde, die sich plötzlich wegen eines Neugeborenen vernachlässigt fühlen, kleine Babies anzufallen und brutal zu Tode beissen pflegen. Ganz abgesehen davon, dass der Schmutz und die Haare in der Wohnung für ein Kind, das noch auf dem Boden herum kriecht, absolut Gift sind, Krankheiten und Infektionen heraufbeschwören wird. So haben wir denn unsere Dido abgegeben, mit ihren treuen Augen und dem rotbraunen Fell, und den langen Ohren, die sie - wenn sie mit ihrer Nase schnuppernd dahinfegte - stets leicht auf dem Boden mitzog. Sie war ein süsser kleiner Hund, und treu, wie sonst kein Mensch treu sein kann. Und nicht so klein, als dass ihr das Hündische gefehlt hätte.
Ach, darwinistisch gesprochen sind die Tiere unsere Geschwister, die jüngeren im Grunde genommen, weil noch nicht so kompliziert und bösartig wie wir. Sie sind unsere Schwestern und Brüder, Basen und Vetter, Nichten und Neffen der Schöpfung. Und sie sind, dass muss man ihnen jederzeit zugestehen, meistens hoch anständig.
Mit einem lieben Gruss
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Dienstag, 2. April 2013

der "1. April-Verein" in Wien


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 Wie weit bist du mit der Arbeit? Trinken wir einen kurzen Kaffee zusammen und dann erzähle? Mélange, wenn du willst, wie in Wien. Ich habe hier gerade eine Meldung aus Wien gelesen. Da gibt es einen "1. April-Verein". So etwas können nur die Wiener machen. Es geht den 5 Leuten, die dort offenbar dabei sind, darum, Politik zu machen. Sie wollen der Politik zeigen, dass sie die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge ständig verwische mit ihren Intrigen und Täuschungen und Masken und sie wollen beweisen, wie liebenswert doch eigentlich die Wahrheit sei. Sie treffen sich im Café Landtmann, das ist im Herzen der Stadt an der Ringstrasse, gleich neben dem Burgtheater und in Nähe von Parlament und Rathaus. Das Café Landtmann war immer ein Ort der Heimlichkeiten. "Im Café Landtmann kann man sich treffen, um nachher unwidersprochen zu behaupten, man habe sich weder gesehen noch irgendwas miteinander zu bereden gehabt" (wäre echt eine Adresse für uns, und dazu schummrig, wie die Wiener-Cefés sein sollen), sagt eine gewisse Waltraut Sikl, Mitglied dieses ominösen Vereins. Der Verein ist 1969 als "Verein zur Belebung des 1. Aprils" gegründet worden. Es war eigentlich ein anarchodadaistischer Akt (allein das Wort für sich ist schon ein Kunstwerk). Vorbild war Orson Welles' Film "Krieg der Welten", der von einer Invasion der Marsmännchen erzählt und als Aprilscherz im Amerika grosse Panik ausgelöst hatte. Der April-Verein hat sich zum Ziel gesetzt, jeden 1. April einen neuen, völlig überflüssigen Verein nach allen gesetzlichen Auflagen zu gründen. So wurde 1970 der "Verein der freiwillig Schwitzenden" gegründet, und heuer soll ein "Verein für den 2. April" aus der Taufe gehoben werden. Es hat auch einen "Verein für Senkrechtbestattung" gegeben, oder einen "Verein für die Vereinigung von Vereinen". Beide seien aber heute nicht mehr aktiv.

Der Ursprung des 1. April ist unklar. An sich gilt der April als Unglücksmonat bei den Bauern, und sie waren seit je angehalten, keine Geschäfte zu machen und keine Bäume zu putzen. Judas soll sich am 1. April an einem Baum erhängt haben.
Es ist auch möglich, dass der 1. April vom römischen Narrenfest herkommt oder an das Herumschicken Christi von Pontius zu Pilatus erinnert.
Andere sehen seine Ursprünge Ende des 16. Jahrhunderts, als der 1. Januar verbindlich als Jahresanfang eingesetzt worden war. Die Narren waren diejenigen, die immer noch das Neujahr am Frühlingsanfang feierten.
Oder aber 1530, da sollte am 1. April ein Reichstag in Augsburg stattfinden. Doch er wurde gestrichen, sehr zum Gespött von Händlern und Geldspekulanten.
Wen man erwischt, nennt man Arpilkalb, -ochs, -esel, -narr oder -affe. In romanischen Ländern nennt man ihn den Aprilfisch. Napoleon erhielt diesen Übernamen, weil er sich am 1. April hatte trauen lassen.
Seit 20 Jahren sammelt der Verein dokumentarisch die besten Enten und Scherze. Die NZZ hatte mal berichtet, man hätte einen bisher unbekannten Brief von Goethe entdeckt und man hat ihn wortgetreu, vielleicht gar faksimile abgedruckt. Der Literaturredaktor der reputierten Zeitung Die Zeit sogar war auf diese literarische Ente hereingefallen. Der Verein aus Wien will die besten Scherze der Vergangenheit unter www.aprilscherz.de im Internet veröffentlichen.
Der 2. April soll nun aber der Tag der Wahrheit werden, so sagen die Verantwortlichen. Und er soll alle 4 Jahre am 29. Februar stattfinden, bloss. Ist ein bisschen selten, für die Wahrheit?

Ich muss dir ein kleines Erlebnis aus Wien erzählen.  ...

Montag, 1. April 2013

Se non è vero ...


den 1 april 13:13

Liebe Marlena
Se non è vero, e ben trovato!
Bevor dein Schock total wird, möchte ich dich vorsichtig darauf hinweisen, dass das dieses erste Mail von heute ein Aprilscherz (APRIL-SCHERZ) ist. Habe ich heute morgen gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass 1. April ist. Und so habe ich mir gedacht, ich könne dich etwas aufheitern. Hast du was bemerkt? Hast du geglaubt? Stell dir vor 135cm, das wäre ja grässlich. Ich würde bei der Eisenbahn glatt mit einer Kinderfahrkarte durchgehen! Und ich würde im Alkohol enden, wie Toulous.Lautrec. Und der bei Grass hiess Oskar Mazareth (weiss nicht, wie sich das schreibt?), jetzt fällt es mir gerade wieder ein. Der war ja auch nicht gerade der glücklichste. Also, liebe Marlena, ich dreh mich jetzt von 75 wieder auf 100%, wenn du erlaubst.
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Wie weit bist du mit der Arbeit? Trinken wir einen kurzen Kaffee zusammen und dann erzähle? Mélange, wenn du willst, wie in Wien. Ich habe hier gerade eine Meldung aus Wien gelesen. Da gibt es einen "1. April-Verein". So etwas können nur die Wiener machen.

Geständnis


Grösse x Länge = Volumen
den 1 april  11:08


Liebe Marlena,
Nein, eigentlich wollte ich so genau von dir wissen, wie gross du
bist, nun ja, wie soll ich dir das sagen, weil ich selbst eher klein
bin. Ich habe vielleicht mal eine Grösse gesagt, aber ich muss dich
enttäuschen, ich kann wohl nicht auf deine 175 oder so hinaufreichen.
Meine kleine Statur hat es eben gemacht, dass ich gelernt habe, mich
schriftlich auszudrücken. Mündlich komme ich bei den Leuten schlecht
an. Sie nehmen mich nicht ernst. Verstehtst du, Marlena, mit 135
spricht man aus der Froschperspektive. Da muss jedes Argument
doppelt genäht sein, da sollte jeder Satz sitzen. Also, höchstens beim
Sitzen könnte ich Dir meinen Arm um die Schulter legen. Denn was
mir an Länge fehlt, fehlt vor allem an den Beinen. Das ist ein bisschen
wie bei Toulouse-Lautrec, oder bei diesem kleinen Kerl da in Grass'
Blechtrommel, wie hiess er schon. Allerdings trage ich keine Trommel
herum, da kann ich dich beruhigen, meine liebe Malou, und ich
zersinge auch nur in Ausnahmefällen Gläser.. Du musst dir auch
vorstellen, welches Bild wir auf der Champs Elysees abgeben würden!!
Du in deiner ganzen wunderschönen Statur und ich daneben wie
ein Mickey Mouse, in kleinen rasanten Schrittchen. Die Passanten
würden sich doch nach uns umdrehen. Manchmal wollen sie sogar
Autogramme von mir. Da gehen wir doch lieber gleich in eines dieser
Nobelrestaurants und ich lass mir einen Hochstuhl kommen. Meist
haben sie ja diese Stühle für die Kinder. Die sind zwar etwas eng, aber
meist komme ich ganz gut hin. Und wenn meine Beine erst einmal
unter dem Tisch sind, dann sieht man mir das kaum mehr an. Dann
müsstest du dich nicht mehr genieren.
Das meine liebe Marlena, wollte ich dir heute, speziell heute, noch kurz
sagen.
Ich hoffe, du magst mich trotzdem als Mausfreund??
Mit einem schönen Gruss
xxx