Freitag, 8. Juni 2012

Trachten und singen


date:   8 June 2007 08:31
subject: FreiMo


Liebe Malou

Ich glaube, bei uns ist jetzt der Sommer gekommen. Das muss man sagen,
nachdem er sich schon im April angekündigt hatte. Das Wetter ist zwar
ziemlich feucht. Es gibt Morgendunst. Aber die Tauben fliegen schon
ihre Runden über die Dächer der kleinen Stadt. Wahrscheinlich pfeifen
sie dazu die Internationale? Oder vielleicht doch eher irgend einen
alten Ohrenwurm von  den ABBAs?

Im Strassencafè gegenüber sind die Tische schon frühmorgens bereit und
mit roten Tüchern bedeckt. Sie stehen bereit für die Kundschaft. Aber
natürlich sitzt noch niemand herum und schlürft Tee oder Latte
macchiato. Es ist doch noch etwas zu früh um 8h am Morgen. Vielleicht
um 9h werden die ersten Leute sich niederlassen. Ich sehe sie nicht
genau, weil die Bäume, die in einer Reihe vorne dran stehen, mir die
Sicht verhindern. Das ist vielleicht auch besser so, weil ich sonst ja
bloss die ganze Zeit dort unten die sozialen Verhältnisse von L
studieren würde.

Ja, es ist schön, dass du auch singst Malou. Ich finde, wenn man es
nicht spontanerweise tut, sollte man sich dazu ein bisschen
überwinden. Ich glaube, früher haben Menschen mehr Melodien gefpiffen
und gesungen. Man pflegte zu sagen, dass ein normaler Pariser
Austräger jede Menge Opernarien von Anfang bis Ende zu pfeifen vermag.
Vielleicht macht die moderne Pop-Musik die Menschen unmusikalisch, dh.
zu passiven Konsumenten. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, ab und
zu zu singen. Das hatte ich mir schon vor 2 oder 3 Jahren gesagt. Es
ist ein gutes Mittel zur Entspannung. Und es hat etwas Autoerotisches
an sich, nicht?

Hast du auch eine solche Tracht, wie sie die schwedische Königin
trägt? Oder vielleicht eine, wie sie die Prinzessin hat? Ich muss ein
bisschen lachen bei dieser Frage. Als ich etwa 12 oder 13 Jahr, hatte
ich mal einen Mann sagen hören: Nichts kleidet eine Frau so gut wie
die Tracht! Das hat mich unendlich beeindruckt. 1. Die Formulierung
"kleidet". Ich hatte den Eindruck, dass doch nicht ES kleidet, sondern
die Frau kleidet sich selbst. 2. Dass eine Tracht das tun soll, das
habe ich überhaupt nicht verstanden. 3. Und dazu noch, dass Frauen
mehr oder weniger gut gekleidet sein können. War mir bisher kaum
aufgefallen. 4. Und last but not least, dass dieser Vater einer meiner
Feundinnen eine so konservative, altmodische Bemerkung machen konnte,
das fand ich doch sehr bemerkenswert.  Deshalb meine Frage Malou, wo
hast du deine Tracht aufgehängt? Im Kleiderschrank oder im Estrich?
Trägst du am 6.6. eine spezielle Kleidung? Übrigens gibt es natürlich
auch in der Schweiz solche Trachten, sehr unterschiedliche je nach
Kanton. Und man sagt, sie seien sehr teuer. Sie werden von den Müttern
auf die Töchter vererbt. Und natürlich haben Mütter in der Regel
doppelten Umfang von dem ihrer Töchter. Im Wallis sind sie meist
schwarz. Sie unterscheiden sich von Tal zu Tal. Gemeinsam ist ihnen
vielleicht die Ähnlichkeit des Hütchens. Es schaut wie eine
Pralinen-Schachtel aus, eine steife Konstruktion mit vier seiten, oben
ein kleines Türmchen, wenn ich mich nicht irre. Ich schicke dir mal
ein Bild, wenn ich sowas im Internet finde.

Jetzt wünsche ich dir einen schönen, sonnigen Tag.
...

Mittwoch, 6. Juni 2012

Re: kingsize

6 Juni 2007

date:    7 June 2007 11:22
subject    Re: kingsize  


Liebe Malou
Merci, dass du mich an der kleinen Midsomarfeier dabei sein lässt. Die
Fotografen scheinen sich vor allem für die kleine Prinzessin zu
interessieren. Ist sie noch nicht alt genug, Königin zu sein? Hat sie
schon einen Mann, oder kann man sich noch bewerben? Sie hat ein
ausgeprägtes Kinn, ist sicherlich eine starke Persönlichkeit mit
Durchsetzungswillen.

Ach, ich habe so wenig Wissen über Königinnen und Könige. Alles, was
ich weiss, stammt aus Märchen und ist deshalb nicht ganz ernst zu
nehmen. Vielleicht sollte ich mal einen Monarchie-Kurs absolvieren?
Aber wir Schweizer sind dazu einfach nicht sosehr motiviert. Weiss der
Teufel weshalb? Seit jener   William Tell im 13. Jahrhundert mit
seiner Armbrust in der Gegend herum und auf Äpfel geschossen hat,
haben wir es mit den königlichen Obrigkeiten einfach verdorben. Wir
sind ein Volk von Bauern und Kuhütern geblieben, und dabei ziemlich
glücklich geworden. Und Söldner stellen wir in der letzten echten
Monarchie der Welt, im Vatikan. Oder etwa nicht ?

Ach, dieser Ausflug war nicht für die Alten, sondern nur für
die Helfer? Das wusste ich nicht. Ich habe gedacht, es wäre deine
Feuertaufe gewesen und du hättest  jetzt ein altes Menchlein auf einem
Rollstuhl an dich gerissen? Nein? Wann beginnt denn dein Einsatz
wirklich?

Ja, du bist nicht nur eine Sprachgelehrte, sondern auch eine Sängerin.
Dass weiss ich sehr wohl. Weshalb singst du nicht öfter, nur im Auto?
Singen ist gut. Das balsamiert die eigene Seele, glaube ich. Ich werde
es in Zukunft auch versuchen. War doch schon längere Zeit mein Ziel.

Klar ist ein Tisch ein Tisch, die Frage ist bloss, ob er auch ein
gedeckter Tisch sei. Ich wusste nicht mehr, dass dies der Titel der
Bichsel-Geschichte sei. Ja, ich erinnere mich, dass du erwähnt
hattest, dass ihr Tondokumente von unserem Peter Bichsel habt. Du
weisst, dass er in Olten aufgewachsen ist? Olten galt und giltet immer
noch ein bisschen als Eisenbahn-Stadt, weil hier alle wichtigen Linien
der Schweiz zusammenkommen. Deshalb vielleicht hat es sich P. Bichsel
zur Gewohnheit gemacht, mit dem Labtop in der Bahn zu schreiben. Er
ist ein passionierter Bahnfahrer. Natürlich ist er ein ebenso
passionierter Wirtshausbesucher. Dort hat er seine Stoffe her,
behauptet er immer wieder. Ein lustiger Kerl, dieser Bichsel. Als ich
letzmals ein Foto von ihm in der Zeitung gesehen habe, war ich
erstaunt, wie sehr er gealtert hat. Er ist nicht mehr jung. Ich glaube
kaum, dass er noch grosse Werke schreiben wird. Grosse Werke waren
ohnehin nie seine Sache. Die letzte Kolumne in der Zeitung, die ich
von ihm gelesen habe, fand ich irgendwie ohne Pointe, ein bisschen
kraftlos. Aber das kann auch an mir gelegen haben?

Du solltest mich nicht 'Sprachgenie' nennen Malou. Du verdirbst mir
den Charakter. Und ausserdem trifft es nicht zu. Ich kenne etliche
Leute, die Romane in fremden Sprachen lesen. Das habe ich noch nie
getan. Nie! Vielleicht sollte ich es mal versuchen?

Ich schicke dir süsse Gs und Ks aus BS
...

Nationaltag

.
 

Date:     6 June 2007 23:00
Subject:       6/6 1907


Lieber ...,
Ja, ich bin wieder zu Hause seit gestern Abend. Und heute haben wir
bei strahlendem Wetter unseren Nationaltag gefeiert. Er ist noch so
neu, dass wir noch etwas unsicher sind, wie wir das feiern sollen. Es
wird leicht eine kleine "mini-midommar-feier", denn Midsommar feiern
wir schon am 23. dieses Jahr.

Nein, mit Alten bin ich noch nie unterwegs gewesen.. wenn man nicht
den Tagesausflug nach J zählt, aber die Leute dort waren alle "Betreuer"
.. obwohl mir, als ich mich im Bus umschaute, der Gedanke
kam, dass wir ebenso gut einander pflegen könnten. ;-)

Wenn du mich Sprachgelehrte nennst, dann lache ich. Weisst du, dass
ich mich schon oft gewundert habe, wie ich mich eigentlich traue einem
solchen Sprachgenie wie du, zu schreiben.

Das mit dem singen ist lustig. Meine Mutter sang immer und vielleicht
deshalb sehe ich sie immer noch als ein sehr lebendiger und
glücklicher Mensch. Manchmal sang sie auch traurige Liebeslieder..
doch auch das war schön. Und ich? Ich würde mich vielleicht nicht
daran erinnern, wenn nicht eine von Annas Freundinnen, als sie noch
klein war, etwas erstaunt gesagt hätte: "Deine Mutter singt.. das tut
meine nie.." Eine solche Mama hätte sie auch gern gehabt.
Jetzt singe ich mehr selten... aber immer noch wenn ich im Auto nach L
fahre.. dann bin ich mein eigenes Radio.. auf Musik eingestellt. Und
es gibt Lieder, die ich mit dir verknüpfe, die singe ich auch, je nach
Laune.. :-)

Intressant, deine neue Theorie der Sprache. Ich werde darauf
zurückkommen, wenn ich mehr Zeit habe.
Ach, du kennst "Ein Tisch ist ein Tisch" von Bichsel? Das ist eine
sehr liebe kleine Geschichte, die ich wohl die meisten meiner Schüler
hören liess. Sie ist sprachlich so einfach, dass man sie sogar den
Anfängern zeigen kann und eignet sich gut zum analysieren. Wir hatten
sie auf Tonband, von Bichsel selbst für schwedische Schulen
vorgelesen. Doch das habe ich dir schon erzählt, glaube ich. In 7
Jahren muss ich dir doch eigentlich schon alles erzählt haben.. fast
alles. :-)

So, ich lasse dich wieder.
Wünsche dir eine wunderschönen Tag
mit lieben Gs und Ks und Qs
Malou

royal lawn

.

 
 Ämne: royal lawn
Datum: den 6 juni 2002 13:50

Liebe Marlena
Klar, vergeben, das habe ich mir auch gedacht, dass Du im Moment doch andere
wichtige Dinge zu tun hast. Ich sehe Dich um 4 im Schneidersitz auf dem
Küchentisch. Das sind Höhepunkte im Leben. Sowas vergisst man nie mehr. Und
es rührt mich immer wieder zu sehen und zu hören, wie sehr sich Mütter für
ihre Kinder aufopfern. Das ist der Ursprung der Liebe auf dieser Welt.
Männer sind zu sowas viel weniger fähig oder begabt. Ich will nicht
behaupten, Männer täten nichts in dieser Beziehung. Aber die Aufopferung
fällt ihnen doch bedeutend schwerer.
Es ist schön zu hören, wie der grosse Moment näher kommt. Und es wird
natürlich ein Moment der Freude aber auch der Wehmut sein. Das ist es dann,
was Kinder dabei wundert, dass Eltern bei aller grossen Freude Tränen in den
Augen verbergen. Ich habe das früher nie kapiert, und heute könnte ich in
solchen Momenten gleich losheulen. Na ja, so ähnlich.
Einen Apfelbaum zu pflanzen finde ich wunderschön. Dazu ist nicht viel zu
sagen. Dazu kann man bloss zustimmend nicken.
Ich habe in den letzten Tagen ja auch um dieses Gymnasium und die Matura
(resp. Abitur) nachgedacht. Es ist schon ein grosser Tag, diese Schule
bestanden zu haben. Natürlich ist das Gymnasium eine Konfitüre von
verschiedenen Erfahrungen, Freuden und Leiden, die sich überall dick
aufstreichen lassen. Nicht zuletzt ist diese Intensität auch abhängig vom
Alter, von diesen vielzitierten Pubertätsjahren, während deren man alles so
intensiv und grossformatig erlebt.
*
Die Geschichte mit Cabballé Montserrat sind - ich bitte Dich - the truth and
nothing but the truth, also keine blühende Fantasie oder so. Sie war lustig,
diese Dame, und von meinem hohen Sitz ist sie erschienen wie eine Puppe,
overdressed und overloud. Es schien mir, sie ist eine Person mit viel
Energie und Temperament. Manchmal hat sie losgeprustet vor Lachen. Und
natürlich hatte das Publikum sein Vergnügen.
*
Und dann Deine Bilder. Ja, ich bin gehetzt, und jetzt, als ich Dein Mail
geöffnet habe, ist mir wieder in den Sinn gekommen, dass Du Bilder
hineingelegt hast. Noch dazu das Code-Wort hast Du geliefert. Ich weiss ich
weiss, manchmal brauche ich schwer Nachhilfestunden. Aber ich schwöre, ich
werde sie mir ansehen, sobald ich Zeit habe. NEUN volle Bilder. Für so viele
hatte ich noch nie die Ehre!!
Und doch habe ich sie jetzt rasch angeschaut. Ach, die Visper Bilder, wie
kommst Du denn zu ihnen? Wenn ich Dir schildern könnte, wie Visp damals
ausgesehen hat, als ich als Bube durch diese Gassen strich! Damals war alles
ein wenig zerfallen und alt und heruntergekommen. Speziell die Orte, die die
drei Bilder zeigen, sie stehen im alten Teil und dort waren die Mauern
niemals so weiss, wie sie jetzt zu sein scheinen. Das schöne Haus mit den
Balkonen links und dem kleinen Türmchen, das Burgener-Haus, was schon
damals hübsch, aber noch nicht renoviert und herausgeputzt. Ich habe es in
jenen Tagen mal abgezeichnet. In seiner Altertümlichkeit war es damals schön.
Und es steht am Platz vor der Kirche, also dort, wo die katholischen Bürger es
jeden Sonntag sehen konnten.
Deine Naturbilder sind ebenso hübsch. Besonders gut gefällt mir der Flieder.
Natürlich macht das senfgelbe Feld im Hintergrund den Pfiff aus. Es gibt dem
Foto das gewisse Etwas, findest Du auch?
Ich bin immer wieder erstaunt über Euren gepflegten, frisch geschnittenen
Rasen. Wenn S sowas sehen würde, käme ich schwer unter Druck und müsste
neue Ausreden finden, weshalb ich nicht wenigstens wöchentlich mähe. Aber
ich behaupte immer standfest und hart, dass wir hier noch nicht britische
Verhältnisse hätten. Bekanntlich gehen sie drüben auf den Inseln mit dem
Mäher so oft über den Rasen nicht um zu schneiden, sondern vielmehr um ihm
zu drohen! Klar, dass sich das arme Grün dann duckt.
Im Garten meines Elternhauses habe ich oft gemäht. Allerdings genügte im
warmen Walliser-Klima ein Schnitt alle 2 Monate ungefähr. Und wir hatten
damals einen Mäher, der mit blosser Handkraft schnitt. Ich bin - Du
verstehst meine Worte - ein alter Profi in Sachen Rasen und Mähen und
solchen Dingen! Aber ich habe das alles etwas auf Eis gelegt. Wenn ich mal
in Pension bin, lasse ich wieder mit mir reden über Rasen und Rosen und
solche Dinge.
*
So hoffe ich, dass Ihr im hohen Norden wirklich eine schöne Feier habt und
dass Anna ihren Tag voll geniesst. Ein Champagner-Frühstück bei Sommerwärme
hat es in sich. Wer sowas überlebt, ist auf alles gefeiht.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit.
Mit lieben Grüssen

Re: Frequenzen und Sequenzen? oder Konferenzen..

.


Ämne: Re: Frequenzen und Sequenzen? oder Konferenzen..
Datum: den 6 juni 2002 10:37

Lieber ...,
Verzeih mir die Pause aber ich glaube du verstehst dass hier jede Minute teuer ist im Moment. Schon um vier Uhr heute morgen habe ich ein Kleid für Anna gekürzt. Es kam mir etwas lang vor. Eigentlich hatte ich das nicht geplant aber da ich schon um drei hellwach war und nicht mehr einschlafen konnte dachte ich mir ich könnte die Zeit besser ausnützen als nur auf den Schlaf zu warten. Es ist auch gut gewisse Dinge so früh zu tun wenn es noch einigermassen frisch ist im Haus. Dann später wird es zu warm. Wir haben richtige Hochsommerwärme hier.

Unter dem Nistkasten liegen grosse Federn. Ein Raubvogel hat sich wohl einen von dem Päärchen geholt und das andere hat nun eine strenge Arbeit die kleinen allein zu füttern. Die Natur ist grausam.
Anna ist zur Schule gefahren. Sie haben keinen Unterricht mehr aber ihre Klasse wird heute einen Apfelbaum auf dem Schulhof pflanzen damit man sich ewig an sie erinnert.;-)
Ich muss noch die Noten für die anderen Klassen (die nicht das Abitur machen) einschreiben.

Du hast gesagt dass du eine strenge Woche vor dir hast und so habe ich mir keine grosse Eile gemacht um dich nicht extra zu stressen. ...

Nun werde ich hier weitermachen. Habe gerade Blumen bestellt für K die er Anna um den Hals hängen wird. Ich selbst mache einen schönen Strauss mit gemischten Blumen aus dem Garten. Das wünscht sie sich. Leute die nicht kommen können um ihr zu gratulieren haben schon Geschenke geschickt. Ich finde das ganze etwas übertrieben.
Morgen früh um 6.00 Uhr hat Anna Champagnerfrühstück mit ihrer Klasse bei einem der Schüler zu Hause. Das ist so üblich. Und um 11.30 wenn sie dann aus der Schule herausstürzen mit ihren weissen Mützen auf dem Kopf um von Eltern und Bekannten empfangen zu werden, werden einige schon ziemlich "froh" sein.
Siehst du, es sind doch ein paar Zeilen geworden. Übrigens dieses Bild vom Entrée der Sängerin Monserrat Caballé sehe ich gut vor mir und ich muss schmunzeln über deine blühende Phantasie. Dafür kriegst du einen von den Küssen die sowieso nur unnütz hier herumliegen.
Mit einem lieben Gruss
Marlena

Dienstag, 5. Juni 2012

Frequenzen und Sequenzen?


Ämne: Frequenzen und Sequenzen?
Datum: den 3 juni 2002 15:45

Liebe Marlena
Habe ich an der Frequenz gedreht? Ist mir nicht bewusst. Aber ich weiss,
dass ich im Moment ziemlich in der Weltgeschichte herumdüse und wenig Ruhe
habe. Vielleicht liegt es daran. Manchmal kann ich abends noch ein paar
Zeilen einhacken und muss dann plötzlich wieder aufhören, weil noch etwas
ansteht.
Ist es das, was Du meinst? Ich bin im Moment ein gehetzter Mensch und ich
hoffe, dass es bald wieder ruhiger wird. Die zwei Wochen Abwesenheit fallen
stark ins Gewicht.

Schön, wie Ihr Euch für die Maturitätsfeier mit Foto und weissem Kleid
vorbereiten könnt. Und auf der anderen Seite macht das auch wehmütig, nicht
wahr. Bei uns ist es noch nicht soweit. B  plant zwar schon ihre
Sommerferien und hat vor, konsequent und regelmässig zu arbeiten. Von A
weiss sie, dass man nicht zu spät damit beginnen soll.

Was den Lateintext betrifft, so kann ich damit schon zurecht kommen.
Allerdings wäre die Hilfe von einem Fachmann gut gewesen. Persönliche Dinge
will ich dort allerdings nicht zuviele vorbringen, denn ich kenne die
Burschen nicht mehr so gut. Auf jeden Fall sind keine Damen zugegen, ein
Umstand, den ich an sich kritisiert habe. Aus den Erfahrungen früherer
Zusammenkünfte kann ich sagen, dass die Tendenz zur Regression gross war.
Das heisst, nach einer Stunde haben sich die alten Gruppierungen mit den alten
Sprüchen wieder hergestellt. Und das war bisweilen ziemlich pubertär.
Deshalb habe ich vorgeschlagen, ein Treffen mit den Damen zu machen. Aber
das wollten sie nicht.

Und wie Du richtig geraten hast, war ich gestern zum Mittagessen bei
Onkelchen. Wir sind zusammen an den See gefahren und haben dort, in einer
gemütlichen Gartenwirtschaft, Fisch gegessen. Das war sehr gut und sehr
unkompliziert. Unter Männern gehen gewisse Dinge eben doch leichter als mit
Damen, die dann manchmal gerne hochtakeln. Ich glaube, er hat es auch
genossen, an diesem schönen Sommersonntag, durchs Land zu fahren und sich
an alte Dinge in seinem Leben erinnern zu lassen.
Und abends bin ich dann nach Luzern gefahren, um ein Konzert zu hören.
Eigentlich wäre dieser Konzertbesuch ein Geschenk meiner Mutter für S
gewesen. Aber weil sie nun noch im Iran weilt, musste ich allein hingehen.
Die Plätze waren ziemlich teuer, und ich dachte, ich könne vielleicht den
zweiten Platz auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Aber das gelang nicht. Es war
ein Gala-Abend mit Montserrat Caballé, der bekannten spanischen Sopranin.
Und der neue Saal im Kultur- und Kongresszentrum Luzern KKL war nicht voll
besetzt. Lustig war, dass die Sängerin, die Du Dir umfangmässig gar nicht
gross genug vorstellen kannst, erschien. Sie kam mit zwei Krücken auf die
Bühne. Das sah aus, als rudere sie ein riesiges Boot von hängenden Stoffen
über das glatte Parkett, denn ihre Robe schleifte sie mit. Sie erzählte dann
auf lustige Art und Weise von ihrem kleinen Unfall. Meniskus, so meine ich
gehört zu haben. Der Arzt hätte ihr Ruhe verschrieben. Sie hätte ja gesagt.
Und schliesslich zog sie ihren schweren Rock bis übers Knie hoch und zeigte
dem amüsierten Publikum einen dicken Verband, damit es ihr auch jeder
glauben würde. Die Leute waren begeistert.

                                                                                  Foto: Chris

Und dazu kam natürlich dieses neue Gebäude in Luzern, ein supermoderner
Konzertsaal mit allen technischen Möglichkeiten. Die Wände sind perforiert
wie im Musiksaal Ali Qapu, dem Empfangspalast des Schahs in Isfahan aus dem
17. Jahrhundert. Der Architekt ist ein Franzose, so glaube ich. Und in der
Schweiz hat man natürlich viel gesprochen über die 50 Millionen, die das
Gebäude gekostet hat. Aber ich muss sagen, es ist ein ausserordentliches
Gebäude und die Luzerner können stolz darauf sein. Man hat dort als
internationalen Anziehungspunkt die Musikfestspiele. Und da bauchen sie
einen solchen Magneten. Und im übrigen war es ein warmer Sommertag und alle
Leute spazierten auf den Strasse. Ich war erstaunt, wieviele Slawen dort
offensichtlich leben. Man erkennt sie an ihren Gesichtern und natürlich an
der Sprache. Die Frauen wirken etwas grob und robust.

Ich lass Dich, denn ich habe hier noch viel zu tun. Es scheint eine volle
Woche zu werden. Ich hoffe, ich schaffe das.
Mit einem lieben Gruss
...

Montag, 4. Juni 2012

What a wonderful day..

Ämne: What a wonderful day..
Datum: den 2 juni 2002 21:15

Lieber ...,
Es ist Sonntagabend, ein Zeitpunkt wenn ich normal mein Kollektiv verlasse um mich in Richtung Schweiz zu begeben. Aber in letzter Zeit scheint die Kommunikation irgendwie gestört - es knastert ziemlich und ich kann die Stimme meines Mausfreundes nicht hören. Sag mir, bist du daran Schuld? Du stehst unter starkem Verdacht an der Frequenz gedreht zu haben (was du mir doch selbst streng verboten hast). Hoffentlich kriegst du es wieder hin.

Hier hatten wir ein wunderschönes sonniges Wochenende und wäre es nicht wegen der kommenden Woche so hätte ich es sicher noch mehr genossen. Nur noch eine Woche geht meine kleine ins Gymnasium. Ich kann es kaum glauben dass es so weit ist. Ich habe nachgegeben. S hat schon begonnen das Bild zu machen unter dem Anna ihre Gratulationen empfangen wird. Ich habe ihr Kleider zurechtgemacht für den Abiturtag (immer weiss) und für den Ball am Abend. Jetzt muss ich noch das Haus in Ordnung bringen und das Buffet ausdenken für Freitag. Daneben habe ich noch Unterricht in den anderen Klassen die kommenden zwei Wochen. Dieses Jahr liegt der Midsommarabend etwas früher als normal. Schon am 21. Juni. Es ist unser grösstes Fest neben Weihnachten und Ostern und vielleicht ist es die schönste Zeit des Jahres. Die Woche vorher ist K dann noch mit seiner Gruppe in Bulgarien.
Ich habe nochmals versucht eine Übersetzung zu finden.. aber leider. Und weisst du, vielleicht waren einige deiner Schulkameraden wirklich nicht so gut in dem Fach und sie werden sich wieder fühlen wie damals wenn sie im Text steckenblieben und ziemlich frustiert sein. Aber alle die anderen lustigen Dinge die du in deinem Mail erwähnt hast, musst du mitnehmen. Ich habe noch nie jemanden gekannt der sich so detailliert an seine Jugend erinnern kann wie du. Hoffentlich sind nicht allzuviel Damen im Publikum – denn du wirst ihnen – wie einst mir – den Kopf verdrehen mit deinen schönen Worten. ;-)

Was machst du so als Strohwitwer? Nur Arbeit und Kummer? Oder angenehmere Erlebnisse, die man normal mit diesen Zustand verknüpft? Du hast so viel angedeutet von dem du mir erzählen wolltest.. nach und nach...wie du schriebst .. und ich warte schon dauernd darauf. Aber ich denke du hast im Moment dein Herz im Wallis und kannst vielleicht garnicht an anderes denken. Du hast mir auch nicht die Frage beantwortet wann ihr euch treffen werdet.

Heute morgen hat man in meinem Lieblingsprogramm im Radio u.a. über die Schweiz gesprochen.. Es war eigentlich nichts neues aber doch lustig zu hören. Und dann später hat Schweden gegen England Fussball gespielt. Der Englische Coach ist ja ein Schwede wie du weisst. Derjenige mit der Liebesaffaire, die immer noch die Presse interessiert.

Ich habe an dich gedacht an diesem schönen warmen Tag und dass du vielleicht (wie ich es gern getan hätte) mit Onkelchen in die Natur hinaus gefahren bist.

Zum Schluss wünsche ich dir einen schönen Abend und einen guten Start in die nächste Woche.
Mit lieben Grüssen
Marlena