Donnerstag, 17. Mai 2012

Botero und MB

date 3 May 2005 14:26
subject Botero und MB

Lieber ...,
Danke für deine schnelle Antwort. Was ich eigentlich mit meinem Mail
sagen wollte: in dem leeren Loch, das allen Befürchtungen nach, unsere
Generation hinterlassen wird, wird man jedenfalls ein Zeichen von
Leben finden: deine wunderbaren Mails.. Ich muss sie nur auf Papier
bringen. ;-) und dann wohl auch noch in den Gefrierschrank legen, so
wie du es machst mit deinen Liebesbriefen. Warum eigentlich? Sind sie
so heiss?

Übrigens, eine CD speichert 650 MB (megabyte) und ein MB sind
1 000 kilobyte. Ein ziemlich grosses mail umfasst 5 K... So müssten
130.000 lange mails auf einer einzigen kleinen CD Platz haben. Kann
das möglich sein?

Bei mir hier unten steht:
You are currently using 48 MB (2%) of your 2157 MB

Das ist unsere Korrespondenz seit September 2004 glaube ich... aber
Bilder nehmen viel Platz.

Übrigens, als ich nach dem Boterobild suchte, habe ich entdeckt dass
auch mein Folder mit dem Titel "Kunst" gelöscht ist. :-( Das meiste
kann ich im Internet wiederfinden... aber deine Bilder musst du
nochmals schicken.

Ich betrachte das kleine Liebespäärchen, das in unseren nächsten
Nistkasten eingezogen ist. Ein schöner Anblick.

Auch den Anblick von Boteros dicken Menschen geniesse ich. Komme mich
fast etwas anorektisch vor im Vergleich.

Ich grüsse dich nochmals lieb
Malou

Mittwoch, 16. Mai 2012

Re: Garten .. nochmals


date 25 May 2005 13:29
subject :-))


Oh, du bist schrecklich ...,
fast genau wie der Junge Ganove von Arzt an den ich heute Morgen
geraten bin. Doch dann hat zum Glück "mein Arzt", ich meine der, der
mich am Sonntag getroffen hat, hereingeschaut. Am Sonntag hatte mich K
zur Handkirurgischen Abteilung (welch abschreckender Name!) ins
Krankenhaus  gebracht. Ich hatte eine Remisse dorthin bekommen.

Und was haben sie getan? Geschaut, ein wenig berührt und nochmals eine
neue Dosis von denselben Tabletten verschrieben. Dazu diesmal auch
etwas schmerzstillendes.
Mein Mittelfinger rechts (heisst es so? der lange?) ist mehr als
doppelt so dick wie an der anderen Hand und etwas bläulich um den
Knöchel herum. Und wie gesagt jede Berührung mit dieser Hand schmerzt.
Sogar wenn ich die Hand vorsichtig durch einen Ärmel ziehen will.
Klar, weiss ich doch, dass ich auch mit den Füssen mails an meinen
lieben Mausfreund schreiben lernen könnte. Aber welcher Mann will
schon mit den Zehen einer Frau geliebkost werden? Mir geht es also
nicht um das Schreiben.. sondern um ganz andere Dinge *s*
Es ist lustig sich dich in der Rolle des Gärtners vorzustellen. Ja,
die Rosen sind voll Dornen. Und ich bin sie doch wirklich gewöhnt.
Stell dir vor, jeden Sommer wenn ich nach Norrland rauf komme, muss
ich die trockenen Äste der Rosensträucher wegschneiden. Ich habe doch
unzählige Dorne in der Haut gehabt in meinem Leben ohne dass je sowas
passiert ist. Manchmal (und sogar auch diesmal) sah mein Arm aus alt
hätte ich mich mit einer wilden Katze geschlagen.

Ach, ich langweile dich. Verzeih mir. Jedenfalls lieb von dir, dass du
mir gute Besserung wünschst.

Auf dem Heimweg bin ich dann noch mitten im Zentrum stehengeblieben um
dort für mein Vögelcheni im Zoogeschäft frische Hirse zu kaufen.. und aus
der kleinen Bäckerei habe ich mir ein herrliches dunkles Brot geholt.
Anschliessend habe ich mir hier im Lebenmittelgeschäft noch Yoghurt
mit Acidophilus gekauft. Das sollte ich nehmen wegen all der guten
Bakterien die das Penicillin leider auch tötet. Und so habe ich auch
gleich Proviant für den Rest der Woche gekauft sodass ich mich nun,
wie die Bären in meine Höhle zurückziehen kann. Aber für morgen hat
man uns bis zu 25 grad Wärme versprochen (jetzt 15) und so werde ich
wohl doch ein wenig herausschauen müssen.

Mit diesem Internet fühle ich mich trotzdem mit der Welt verbunden.
Ist eine gute Sache, wenn man allein lebt.

---
Die Zeit vergeht schnell. Bald fahren K und ein paar andere
Kollegen nach New-York. Ich habe mich auch angestrengt um sie für
dieses Ziel zu begeistern und es freut mich sehr, dass sie es
schliesslich gewählt haben.

So lasse ich dich wieder
mit lieben Grüssen wie immer,
Malou

Nochmals..

date 25 May 2005 12:03
subject Re: ...

Liebe Malou
Hast du im Sinn, der Vereinigung der Fussmaler beizutreten? Du kennst
die Fussmaler? Sie machen ziemlich respektable Bilder, die sie mit
einem Pinsel malen, den sie mit dem Fuss führen. Das sind meist
invalide Menschen, die die Arme amputiert oder gelähmt haben. Könntest
du dich nicht entschliessen, einen Umschulungskurs als
Zehenschreiberin zu machen. Ich glaube, das wäre gut möglich. Es gibt
doch sogar Leute, die total gelähmt, mit dem Blick der Augen das
elektronische Gerät steuern und so einen Text, oder irgendwie eine
Aussage machen.
Ich will damit bloss sagen, dass du die Hoffnung nicht verlieren
solltest. Es gibt jeweils immer noch weitere Lösungen im Leben. Und
nicht das ganze Glück kann an einem einzigen Finger hängen. Das ist
unmöglich. Die Natur ist nicht so sehr spezialisiert. Die Natur ist
wie fliessendes Wasser. Es findet immer einen Weg, solange ein
leichtes Gefälle herrscht.
Hier haben sie heute Markt. Irgend einen Frühsommer-Markt. Vielleicht
sieht man ihn im Web-Cam. Ich sehe von meinem Fenster die ersten
Stände auf dem Platz dort unten. Aber es hat nicht allzu viele Leute.
Ich werde jetzt ein kleines Schläfchen nehmen. Ein Power-Nap, habe ich
gehört, nennt man diese Bequemlichkeit. Das ist doch ein guter Begriff
für ein schlaffes Nickerchen.
MLG
...

Gartenarbeit


date 25 May 2005 07:21
subject Re: ...

Liebe Malou
Ich wollte dir bloss melden, dass das Wetter sich eines Bessern
besonnen hat. Es herrscht heute morgen ein strahlend blauer Himmel.
Gerade fliegt weit in der Höhe ein Flugzeug von rechts nach links und
hinterlässt einen weissen Streifen. So wird man im Himmel alles über
und alles unter dem Strich unterscheiden können.

Gestern habe ich abends oft an deinen Finger gedacht. Ich habe ein
wenig im Garten gearbeitet. Und zwar galt es unseren grossen Tuja-Baum
mit der elektrischen Heckenschere, die ich von Walter ausgeliehen
hatte, zu schneiden. Er hat doch viel zuviel gewuchert. Und die
Kletterrosen, die ich vor einigen Jahren zu seinem Fuss gepflanzt
hatte, sind im wilden Grün fast untergegangen. Doch jetzt steht er
wieder ziemlich stramm, wie ein Gardist vor dem Buckingham-Palace, in
unserer Garten-Landschaft, und oben schauen die Rosenbüschel wie die
Bärenmütze heraus, von denen ich hoffe, dass sie bald zur Blüte
kommen. S war weg, und so konnte ich keine Gartenhandschuhe finden.
Das war ziemlich unangenehm, mit diesen Rosen zu hantieren. Und noch
heute morgen fühle ich einige Stiche in der Hand. Aber ich glaube
nicht, dass sich der Schmerz verstärken wird. Ich glaube, es geht bald
wieder zurück.

Ich wünsche dir gute Besserung.
MLG

Dienstag, 15. Mai 2012

Pfingstrosen ... und Ameisen

.



Liebe Malou
Sie sieht noch ein bisschen jämmerlich aus, die Pfingstrose. Aber es
wird schon werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so difizil
sei, wie du gelesen hast. Na ja, vielleicht ist das in nordischem
Klima anders. Jedenfalls im Wallis sind sie sehr üppig gewachsen und
haben im Frühsommer geblüht wie Frauen im besten Alter. Schön, dass du
plötzlich zur Erfüllung deines Wunsches gekommen bist. Ich werde
dasselbe versuchen. Doch bei mir ist die Wahrscheinlichkeint nicht so
hoch, dass mir jemand eine Blume für den Garten bringt. Ich habe
keinen grossen Namen als Gärtner. Noch nicht, muss ich vielleicht
sagen. Vielleicht siehst du mich in 5 Jahren nicht mehr anders als mit
einer grünen Schürze und erdverschmutzten Händen. Wer weiss? Ich
kann mir das schon vorstellen, nicht als Ganztagesbetätigung, sondern
als Part-Time-Job sagen wir jeden Morgen von 7h bis 10h. Das ist für
mich die beste Zeit, im Garten zu arbeiten. Wenn dann die Sonne kommt,
dann verschwinde ich in der schattigen Wohnung. Dann werde ich mich
ins Atelier zurückziehen und mit den Modellen spassen, die sich ja
doch bis um diese Zeit eingefunden haben sollten ;__)) Und dann habe
ich auch diese Grosszügigkeit in der Hand, die sich dadurch einstellt,
dass der Körper von einer Anstrengung schon ein bisschen müde ist.
Diese leicht zitterige Bewegung ist das beste für die Öl-Malerei,
natürlich bei grösseren Formaten. Es gibt übrigens sehr schöne
Gemälde, die Pfingstrosen zeigen. Ich glaube, über sie bin ich
überhaupt zur Wertschätzung gekommen. Du siehst, welche Umwege ich
mache. Am ehesten kommt mir dabei Manet in den Sinn. Aber auch von
Corinth habe ich eins in Erinnerung, und bestimmt ist auch Renoir
nicht daran vorbeigekommen. Und jedes mal ist es diese satte,
sommerliche Üppigkeit, die im Vordergrund steht. Nicht die sengende
Sommerhitze, die alles austrocknet, sondern die mehr feuchte Wärme,
die die Pflanzen ins Kraut schiessen lässt.
Und dann wirst du natürlich Ameisen haben, die die Pfingstrosen auch
sehr schätzen. Ich glaube, sie haben einen süssen Saft, was die
Ameisen aufs Äusserste lieben. Wahrscheinlich fahren sie gemeinsam an
schönen Sommerabenden in diese Pfingstrosen und betrinken sich
tüchtig, singen zweideutige Lieder und flirten rundum nach
Möglichkeiten, die sich da ergeben. Nur die Königin bleibt reserviert
und nobel in ihrer Höhle sitzen, legt ab und zu ein Ei, und lässt sich
von ihren Mitarbeitern, wenn sie torkelnd zurückkehren, von ihren
Trinkfreuden und feuchten Abenteuern in den Pfingstrosen erzählen.
Dazu lächelt sie bestimmt so geheimnisvoll wie eine ägyptische Sphinx,
und man weiss nicht genau, ob dies Verachtung bedeutet oder ein
kleiner Rest von Begeisterung und mitempfundener Freude. Und bestimmt
wird sie dann die Augenbrauen heben und bedeuten, dass sie selbst, sie
als Mutter aller Mütter, sie als Eiermaschine des ganzen Stammes
sozusagen, dass sie selbstverständlich keinen süssen Drink riskieren
will.

---


date 14 May 2005 08:17

kommunizierendes Gefäss

.

 (R)
---

Marlena, ich glaube, wir haben noch ein kommunizierendes Gefäss gefunden, neben Paris, neben dem katholischen Fegefeuer, neben dem Latein, neben den gleichaltrigen Kindern, neben der Pädagogik, neben Rilke. Ich bin sicher, du hast keine Ahnung, was das sein könnte. Nun denn, es sind die Rosen und der Löwenzahn im Garten. Davon könnte ich dir auch ein Liedlein singen. S. sticht auch Löwenzahn mit dem Eisen aus dem Rasen, und macht sich die Nägel kaputt, während ich das eher unnötig finde. Die Rosen sind mein Ressort, die Blumen des reinen Widerspruchs. Ich habe vor etwa 5 Jahren 4 Stöcke gepflanzt. Und jetzt leben noch drei davon. Einer ist etwas kränkelnd. Ich versuche auch, ohne Chemie auszukommen. Die wunderbar grünen und blühenden bürgerlichen Gärten sind ja die grössten Giftgruben Europas. Ich versuche also, die Läuse mit Brennesselwasser zu vertreiben. Aber das braucht leider alles viel Zeit. Und diesen Schorf, den sie auf den Blättern haben, bringe ich überhaupt nicht weg. Aber ich liebe sie, die Rosen. Sie sind dunkelrot, hellrot und apricot, würde ich sagen, ziemlich ungenau nichtwahr? Dazu muss ich dir eine kleine Geschichte erzählen.

Ich habe dir von Professor Emil Staiger erzählt, die Kapazität in deutscher Literaturgeschichte und in existentialphilosophischer Hermeneutik, der Kenner Rilkes und Goethes und all dieser Grössen.
Er war...

Re: Gefahr

Ämne: Turm zu Babel ? Nee, das nicht
Datum: den 29 oktober 2000 13:53

Liebe Marlena
Dein Mail ist nicht so komisch, wie Du sagst, sondern schön gefasst, wie ich finde, und echt poetisch. Ich finde es zauberhaft, wie Du die Fragen in den Raum stellst. Es ist sehr zart, ja zärtlich und auch behutsam.
Ach unser Turm! Steht er so schief? Hat er solche Risse? Und Du meinst, er eigne sich bloss noch für gelegentliche Wallfahrten? Nein, meine Liebe, das finde ich nicht. Und ich glaube auch nicht, dass wir bei irgendwem Fehler suchen müssen. Fehler sind ja nicht besonders nützlich. Also, weshalb sollte man sie suchen, gar finden?
Ich kann Dir nur beschreiben, wie es für mich ist. Du meinst, dass ich zuviel arbeite. Das glaube ich eigentlich nicht. Aber ich bin in der letzten Zeit ziemlich unkonzentriert bei meiner Arbeit. Ich zögere, die wichtigen Aufgaben anzupacken. Ich lasse mich von vielen kleinen Fragen und Dingen, Telefonaten, Terminen etc. etc. ablenken. Ich ärgere mich über diese dumme Computerisierung. Ich fühle mich irgendwie müde und ohne Energie. Ich werde leicht krank, wie ich bemerkt habe. Irgendwie habe ich im Moment nicht die nötige Widerstandskraft. Und das geht nun schon einige Zeit so. Die Ferien in Persien waren nur eine kleine Pause. Es hatte alles schon vorher angefangen.
Vielleicht findest Du, meine Mails seien nicht mehr so begeistert und gefühlvoll und lange wie am Anfang? Ich hatte kürzlich auch den Eindruck, dass Du es im Moment bist, der sich für unseren Turm einsetzt, und weniger ich. Du hast Dich sehr bemüht und hast sehr liebe Mails geschrieben. Das habe ich wohl bemerkt. Ich habe es genossen, aber ich konnte nicht so richtig mitziehen.
Ach Marlena, mach Dir nicht zuviel Sorgen und hab ein wenig Geduld mit mir. Was soll ich denn tun, bevor es zu spät ist? Sag es mir, und ich werde es tun. Aber das meinst Du wohl nicht. Du wirst sagen, das sei meine Sache, herauszufinden, was nötig ist. Marlena, es wird bestimmt wieder aufwärts gehen. Ich glaube, man kann nicht dauernd in Hochstimmung leben. Manchmal gibt es einfach Flauten und Ebben und fade Zeiten. Und irgendwie muss ich hier in meiner Arbeit wieder den richtigen Rhythmus finden. Und schliesslich geniesst man die neuen Höhepunkte umso mehr.
*
Aber ich habe Freude, weil Du mir den Eindruck gibst, Du wenigstens seist im Moment munter und wohlauf. Und dieses Mail, obwohl es vielleicht nicht nur fröhlich geraten ist, hat sehr viel Charme. Und damit, meine Liebe, kannst Du mich jederzeit erwärmen. Auf jeden Fall hat es mich sehr gerührt. Und wenn Du mir noch genauer beschreiben kannst, worin für Dich die Schiefe und die Risse bestehen, dann bin ich Dir dankbar. Ich will nicht, dass der Turm verkommt.
Ich würde Dich fürs Leben gerne umarmen jetzt, Marlena.
Mit ...
..