Ämne: backintown
Datum: den 4 mars 2004 20:46
Liebe Malou
Soeben wind wir aus dem Schwarzwald zurück. Es war ganz gut. Nach bloss 3 Tagen hat man den Eindruck, eine ganze Woche weg gewesen zu sein. Auf alle Fälle deuten die Kilos, die ich zugelegt habe, auf eine satte Woche.
Wir waren in einem Hotel am Fusse des Feldberges. Das ist offenbar der höchste Berg des Schwarzwaldes. Und überall sind die Leute Ski gefahren.
Unser Hotel war ein altes, umgebautes Schwarzwaldhaus, sehr gemütlich und alles in Holz. Nur die Zimmerwände und die Böden wurden nachträglich gemauert, so dass man nicht vom Nachbarsraum her das Nebenprogramm im Fernsehen hören konnte. Das Badezimmer neu gemacht mit allem Firlefanz, und das Essen, wie gesagt, wunderbar. Wir haben lange nicht soviel und so gut gegessen. Die Leute waren sehr nett, sprechen ja auch beinahe denselben Dialekt wie wir Schweizer. Die Bedienung in der Tracht, so süss!! Und am Mittwoch hatte es auch durchgehend Sonne. Was will man mehr? Wir sind gewandert, daneben habe ich - abgesehen vom Essen - gelesen.
Und jetzt versuche ich, mich hier wieder zu orientieren: die Post, die Pendenzen, die Mails, all die Dinge, die noch herumliegen. Ach, das Leben hat einen schnell wieder. Und die Basler Fasnacht ist auch vorbei. Man sieht noch ein bisschen Schmutz, Konfetti da und dort. Aber im Prinzip ist das alles vorbei, was die Basler „die drei schönsten Tage im Jahr“ bezeichnen.
Ach, Du hast unsere Tauben angetroffen? Du meist, die Liestaler wären soweit nach Norden geflogen. Das glaube ich nicht. Wenn ich sie hier auf dem Dach sehe, denke ich eher, sie sind ein bisschen faul. Das muss eine andere Rasse sein, die bei Euch oben gurrt.
Na ja, die Briefe. Ich habe nicht viele alte Briefe aufbewahrt, obwohl ich früher viel geschrieben und auch bekommen habe. Ich fand das auch stets wundervoll, einen Brief zu öffnen von jemandem, den man kennt. Und damals hatte man auf solche Dinge montagelang gewartet, nicht war. Heute rutschen wir schon ungeduldig auf dem Sessel, wenn ein Mail ein paar Stunden überfällig ist. Ach, die Zeiten haben sich geändert. Stimmt, die Schrift war ein spezielles persönliches Merkmal. Ich sehe noch heute die Schrift jener Engländerin, mit der ich jahre- wenn nicht jahrzehntelang verkehrte. Ihre Unterlängen hatten eine spezielle Ausprägung. Und ich bewunderte immer die Regelmässigkeit der Schrift. Und dann wieder gibt es luftige Zeilen, die nur so daherstürzen und die man kaum lesen kann. Schade, dass die Schrift und das Schriftliche so sehr verloren gehen. Es hatte eine wunderbare Aura. Stattdessen haben wir es heute mit dem Tempo.
Gerade finde ich eine Fotokopie eines Zeitungsartikels. Es ist ein Brief eines berühmten Mannes an seine Frau. Ich frage mich, ob Du herausfindest, wer das gewesen sein könnte?
Er sagt dabei:
A. Du sorgst dafür,
1.) dass meine Kleider und Wäsche ordentlich im Stand gehalten werden
2.) dass ich die drei Mahlzeiten im Zimmer (Unterstrichen) vorgesetzt bekomme
3.) dass mein Schlafzimmer und Arbeitszimmer stets in guter Ordnung gehalten sind, insbesondere, dass der Schreibtisch mir allein zur Verfügung steht.
B. Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist. Insbesondere verzichtest Du darauf,
1.) dass ich zuhause bei Dir sitze
2.) dass ich zusammen mit Dir ausgehe oder verreise.
C. Du verpflichtest Dich ausdrücklich, im Verkehr mit mir folgende Punkte zu beachten:
1.) Du hast weder Zärtlichkeiten von mir zu erwarten, noch mir irgendwelche Vorwürfe zu machen
2.) Du hast eine an mich gerichtete Rede sofort zu sistieren, wenn ich darum ersuche
3.) Du hast mein Schlaf- bzw. Arbeitszimmer sofort ohne Widerrede zu verlassen, wenn ich darum ersuche
D. Du verpflichtest Dich, weder durch Worte noch durch Handlungen mich in den Augen meiner Kinder herabzusetzen.
Voilà! Das ist ein scharfes Bombardement, Szenen einer Ehe.
Ach, was sind wir doch glückliche Menschen!
Mit lieben Gs und Ks
..
Sonntag, 18. März 2012
Samstag, 17. März 2012
... auch der Verzicht
Ämne: RE: Mo-Do absent
Datum: den 1 mars 2004 11:14
Liebe Malou
Ja, war ein echter Jammer mit dem schönen Mail und seine tiefsinnigen Gedanken zum Osterlamm und zur Fastenzeit. Es reut mich noch heute, am Montag, ein bisschen. Und ich weiss auch genau, wie es zustande gekommen ist. Es hängt mit Kommunikationsproblemen zwischen mir und meinem PC zusammen. Er fragt mich, und ich gebe gedankenverloren Antwort, anstatt, dass der faule Kerl ein bisschen selber denken würde. Na ja, so ist eben die heutige Dienerschaft. Man kann sich nicht mehr auf sie verlassen ;--))
Wir fahren heute Mittag und sind am Mittwoch wieder zurück, nein sogar erst donnerstags. Hoffentlich ist es auch ein bisschen gemütlich im Schwarzwald. Es hat noch ein bisschen geschneit heute morgen, aber das Wetter hellt auf. Und immerhin hat der Schwarzwald einen guten Ruf. Wir werden sehen.
Ich muss noch alle meine Dinge hier in Ordnung bringen. Deshalb bleibe ich heute kurz, sehr kurz sogar.
Aber, wie wir jetzt wissen, gehört zum Vergnügen auch der Verzicht. Das ist eine sehr raffinierte Einsicht, die man bei Foucaoult sehr detailliert nachlesen kann.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit.
Mit lieben G&K
...
Datum: den 1 mars 2004 11:14
Liebe Malou
Ja, war ein echter Jammer mit dem schönen Mail und seine tiefsinnigen Gedanken zum Osterlamm und zur Fastenzeit. Es reut mich noch heute, am Montag, ein bisschen. Und ich weiss auch genau, wie es zustande gekommen ist. Es hängt mit Kommunikationsproblemen zwischen mir und meinem PC zusammen. Er fragt mich, und ich gebe gedankenverloren Antwort, anstatt, dass der faule Kerl ein bisschen selber denken würde. Na ja, so ist eben die heutige Dienerschaft. Man kann sich nicht mehr auf sie verlassen ;--))
Wir fahren heute Mittag und sind am Mittwoch wieder zurück, nein sogar erst donnerstags. Hoffentlich ist es auch ein bisschen gemütlich im Schwarzwald. Es hat noch ein bisschen geschneit heute morgen, aber das Wetter hellt auf. Und immerhin hat der Schwarzwald einen guten Ruf. Wir werden sehen.
Ich muss noch alle meine Dinge hier in Ordnung bringen. Deshalb bleibe ich heute kurz, sehr kurz sogar.
Aber, wie wir jetzt wissen, gehört zum Vergnügen auch der Verzicht. Das ist eine sehr raffinierte Einsicht, die man bei Foucaoult sehr detailliert nachlesen kann.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit.
Mit lieben G&K
...
Freitag, 16. März 2012
Fastenzeit und Osterlammbruderschaft
Ämne: Saturday afternoon ...
Datum: den 28 februari 2004 13:09
Liebe Malou
Ach, jetzt habe ich versehentlich meinen Brief gelöscht. Und dabei war er ziemlich lange. Ach nein, das ist wirklich ein Malheur. Ich habe mich tapfer gerechtfertigt gegen Deine Bemerkung, ich sei wie eine Wand. Ich habe viele schöne Gedanken gemacht zur Fastenzeit. Ach, es ist ein Elend. Ich kann das nicht alles wiederholen. Und dabei habe ich bloss ‚nein’ anstatt ‚abbrechen’ gedrückt. Es sollte doch weiss Gott möglich sein, dass ein Zwischenspeicher die Dinge für 5 oder 10 Minuten speichert und erst dann bachab schickt, oder etwa nicht?
Was die Wand betrifft: ich hatte Dir vorgeschlagen, Dir nicht vorzustellen, ich sei eine Wand, sondern ich sei wie Onkelchen. Manchmal, wenn man etwas zu ihm sagt, schaut er unbestimmt zurück, hört nichts, sagt nichts, völlige Funkstille. Es wäre also besser, Du nimmst mich wie einen Tattergreis, und nicht wie eine Wand. Wände können zwar sehr schön sein, wenn sie gut gesprayt sind, aber ein Wand ist eben immer noch eine Wand.
Ich dachte, Du meintest mit dieser Bemerkung Volard. Und wirklich, Du hast mir so viele verschiedene Porträts über diesen Kunsthändler geschickt, dass ich ganz platt war. Dazu muss ich Dir sagen, dass ich
1. sehr wenig Zeit hatte, und
2. dass ich Vollard ein bisschen beiseite gelegt habe. Ich fand seine biographischen Gedanken nicht so besonders. Er war ein Ästhet, und Ästheten sind manchmal ziemlich oberflächlich. Mindestens die ersten 50 Seiten sind kein Hit. Aber ich versuche, noch weiter zu lesen. Ich habe mittlerweile schon ein neues Büchlein gekauft, dieses Mal Tagebuchausschnitte von Delacroix. Der Romantiker ist einer meiner Lieblinge. Und ich bin interessiert an Romantik, weil ich glaube, es sei die wichtigste Stilphase der Moderne. Noch heute werden wir in vielen Dingen von romantischen Vorstellungen geprägt, sei es in der Lebensführung, sei es in der Liebe und wohl in vielen anderen Dingen.
Und dann habe ich auch noch vom Wetter gesprochen und gemeint, Bonnard würde den schönen Himmel in seinem Carnet notiert haben. Die Basler sind froh darüber, denn sie warten auf ihre Fasnacht, während die Menschen im Birseck schon am Fasten sind. Und dann kam eine wunderbare Passage über das Fasten, meine Erfahrungen im Iran mit dem Fasten, meine Erinnerungen ans Fasten im Wallis und an die Osterlamm-Bruderschaft. Letzteres ist ein Männerclub ähnlich wie Kiwanis, mit dem einzigen Ziel, nach Ende der Fastenzeit ein wunderbares Osterlamm-Essen zu organisieren. Das ist eine bemerkenswerte Staatsaktion mit mindestens 5 Gängen. Dazwischen werden schöne Reden und Gefrorenes serviert, um den Hunger wieder hochzupeitschen. Es gibt eine Rede über das Vaterland, über die Verstorbenen, eine Rede in Französisch und vielleicht gar eine in Latein etc. Wenn ich im Wallis lebte, hätte ich dafür gesorgt, dass ich auch in diesen Club aufgenommen würde. Aber so, wie ich jetzt lebe, dh am anderen Ende der Schweiz in einer protestantischen Gegend, habe ich mich begnügt, darüber ein Buch zu lesen. Es wurde von meinem ehemaligen Philosophie-Lehrer geschrieben und erzählt die Geschichte dieser Bruderschaft.
Tut mir leid, meine Liebe, dass es hier nur eine kleine Zusammenfassung geblieben ist. Du weißt ja selbst, wie ärgerlich so was sein kann.
Mit lieben Gs und Ks
...
Donnerstag, 15. März 2012
Schöner Wintertag...immer noch
.
Ämne: RE: schöner Wintertag...immer noch
Ämne: RE: schöner Wintertag...immer noch
Datum: den 27 februari 2004 09:03
Liebe Malou
Na ja, man spricht von Trauerarbeit, und so kann man auch von Liebesarbeit sprechen. Mindestens habe ich den Begriff auch schon gehört. Du siehst, die Arbeit nimmt überhand. Und wenn ich das alles zusammen nehme, so ist das beträchtlich viel Arbeit. Es sind Stunden und Stunden, und wenn man einen tüchtigen Stundenansatz rechnen würde, könnte man sich dabei ein riesiges Vermögen verdienen.
Nächste Woche werde ich drei Tage weg sein. Wir fahren in den Schwarzwald. Ich möchte dabei auch den Grünewald Altar in Colmar anschauen, von dem Ungerer behauptet, dass seine Fantasien eigentlich daher kommen. Ich wollte ihn schon seit Jahren mal anschauen, aber ich bin noch nie dazu gekommen.
Das Hotel, was wir ausgesucht haben, ist ein einfaches altes Schwarzwald-Holzhaus. Und ich bin sicher, wenn man sich nachts im Bett dreht, knarrt das ganze Haus. Man kann sich bei einer solchen Gelegenheit in drei feien Tagen alle Nerven aufreiben. Wir werden sehen.
Es gibt auch irgendwo in der Nähe eine alte Kirche, die ich mir ebenso gerne ansehen würde. Sie liegt schon in den Vogesen und dort in einem unbewohnten, bewaldeten Tal. ich weiss den Namen im Moment nicht mehr, obwohl sie damals in unserer Schulzeit im Geschichtsbuch abgebildet war. Sie hat mir immer gefallen mit ihrem hübschen Mauerwerk und diesem Kontrast zwischen stolzer Zivilisation und wilder Natur. Diese spätromanische Kirche würde ich mir sehr gerne mal aus der Nähe anschauen. Und im Übrigen können wir vielleicht ins Elsass essen gehen. Sie haben eine wunderbare Esskultur hier in dieser Ecke Frankreichs, die natürlich eine Verbindung aus der deutschen und der französischen Kultur darstellt. Aber wir haben unser Hotel in Deutschland am Fusse des Feldberges. Und wenn es das Wetter will. so werden wir auch noch etwas Schnee finden.
Und heute will ich nochmals rasch in die Bibliothek gehen. Vielleicht ist niemand da, weil wirklich Schulferien herrschen, und dies wohl auch in der Stadt Basel. Ich werde sehen. Ich bin zwar schon noch ein bisschen im Rückstand und habe noch etliche Bücher und Broschüren hier auf meiner Fensterbank, die ich nicht rezensiert habe. Die Regel ist eigentlich, dass man erst dann neue Bücher holen kann, wenn man die alten erledigt hat. Aber bei mir haben sie immer Ausnahmen gemacht. Manchmal brauche ich ein paar neue Bücher, um bei mir eine neue Begeisterung zu schaffen. Und so einen Moment haben wir genau heute.
Möchtest Du noch unser Wetter wissen? Es kommen mir immer Bonnards Agenda-Notizen in den Sinn, wenn ich über das Wetter schreibe. Aber ich habe mich daran gewöhnt, und Du hast es mir auch so erklärt: es ist wie das Hände-Waschen vor einer feinen Mahlzeit, ein Ritual, das den Hunger anspornt und die Vorfreude verfeinert. Na also, wenn ich mir das Haus gegenüber anschaue, muss ich feststellen, dass das Räuchlein aus dem Kamin ziemlich senkrecht aufsteigt. Das heisst, es ist so kalt, dass man zuhause tüchtig heizen muss. Dafür spricht auch die Windstille. Aber der Himmel ist nicht ganz unbedeckt, wie er wäre, wenn es wirklich sehr kalt und beinhart gefroren wäre. Also ein mittleres, durchschnittliches Wetter zum Langweilen. Was will man mehr?
Mit lieben Gs und Ks
...
Mittwoch, 14. März 2012
RE: schöner Wintertag...
.
Ämne: RE: schöner Wintertag...
Datum: den 26 februari 2004 14:41
Lieber ...,
Ja, ich bin sicher dass du die Auszeichnung "Held der Arbeit" verdient hast. Oder? Vielleicht arbeitest du garnicht sondern schreibst nur Liebesbriefe in die ganze Welt hinaus.. ;-)
Tut mir leid, dass ich gestern nicht zum Schreiben kam. Es geht jetzt nicht so leicht von zu Hause aus und hier bin ich nicht sicher ob es auch wirklich privat geschehen kann. Nun ja, ich habe nichts zu verbergen und dass ich mich in der deutschen Sprache weiterbilde sollte wohl eigentlich zu einer Lohnerhöhung führen.
Draussen scheint im Moment die Sonne und beleuchtet die dünne Schicht von Puderschnee, der in der Nacht gefallen ist. Ich liebe die Kombination Schnee und Sonne.
Danke für die schönen Bilder, die du mir geschickt hast. Ja, sie erwecken Fernweh bei mir und Heimweh bei dir. Man kann übrigens auch Heimweh in die Ferne haben.. weil man irgendwie fühlt, dass man eigentlich dort zu Hause ist. Als kleines Mädchen hatte ich ein gewaltiges Fernweh in weit entfernte exotische Länder wie Afrika und Indien. Ein solches Bild, wie du mir aus dem Iran geschickt hast, hätte es sicher noch mehr verstärkt. Ich konnte mir im Radio Musik aus diesen fernen Ländern anhören und ich hatte dabei eine riesige Sehnsucht wie nach etwas Verlorenem. Aber vielleicht hatte ich auch nur ein paar gute spannende Bücher gelesen, die diese Maladi verursacht haben.
Jetzt mache ich Lunchpause. Ich werde nach Hause fahren und dort etwas leichtes essen. Wir essen ja jeden Abend einen reichlichen Dinner.
Hatte ich den richtigen Herrn Vollard erwischt, oder? Da kann man wirklich sehen wie verschieden Künstler jemanden portraitieren. Das eine, das von Cézanne glaube ich, muss ihm wohl geschmeichelt haben. Dagegen ist das von Bonnard nicht gerade hübsch anzusehen. Wie hätte Varlin ihn portraitiert glaubst du? Und wie hättest du es getan?
So, nun lasse ich dich wieder. Ich wünsche dir weiterhin schöne faule Tage mit schönem Wetter.
Gs und Ks,
Malou
Ämne: RE: schöner Wintertag...
Datum: den 26 februari 2004 14:41
Lieber ...,
Ja, ich bin sicher dass du die Auszeichnung "Held der Arbeit" verdient hast. Oder? Vielleicht arbeitest du garnicht sondern schreibst nur Liebesbriefe in die ganze Welt hinaus.. ;-)
Tut mir leid, dass ich gestern nicht zum Schreiben kam. Es geht jetzt nicht so leicht von zu Hause aus und hier bin ich nicht sicher ob es auch wirklich privat geschehen kann. Nun ja, ich habe nichts zu verbergen und dass ich mich in der deutschen Sprache weiterbilde sollte wohl eigentlich zu einer Lohnerhöhung führen.
Draussen scheint im Moment die Sonne und beleuchtet die dünne Schicht von Puderschnee, der in der Nacht gefallen ist. Ich liebe die Kombination Schnee und Sonne.
Danke für die schönen Bilder, die du mir geschickt hast. Ja, sie erwecken Fernweh bei mir und Heimweh bei dir. Man kann übrigens auch Heimweh in die Ferne haben.. weil man irgendwie fühlt, dass man eigentlich dort zu Hause ist. Als kleines Mädchen hatte ich ein gewaltiges Fernweh in weit entfernte exotische Länder wie Afrika und Indien. Ein solches Bild, wie du mir aus dem Iran geschickt hast, hätte es sicher noch mehr verstärkt. Ich konnte mir im Radio Musik aus diesen fernen Ländern anhören und ich hatte dabei eine riesige Sehnsucht wie nach etwas Verlorenem. Aber vielleicht hatte ich auch nur ein paar gute spannende Bücher gelesen, die diese Maladi verursacht haben.
Jetzt mache ich Lunchpause. Ich werde nach Hause fahren und dort etwas leichtes essen. Wir essen ja jeden Abend einen reichlichen Dinner.
Hatte ich den richtigen Herrn Vollard erwischt, oder? Da kann man wirklich sehen wie verschieden Künstler jemanden portraitieren. Das eine, das von Cézanne glaube ich, muss ihm wohl geschmeichelt haben. Dagegen ist das von Bonnard nicht gerade hübsch anzusehen. Wie hätte Varlin ihn portraitiert glaubst du? Und wie hättest du es getan?
So, nun lasse ich dich wieder. Ich wünsche dir weiterhin schöne faule Tage mit schönem Wetter.
Gs und Ks,
Malou
(R)
Ämne: Schöner Wintertag
Datum: den 25 februari 2004 09:32
Liebe Malou
Heute war ich früh im Büro. Es muss 6.30h gewesen sein. Ich hoffe, sie wählen mich bald einmal zum „Helden der Arbeit“, wie das die Sowjets in alten Zeiten getan haben. Und als Gegenleistung und schönes Privileg sollten sie mich dann für 2 Wochen an irgend ein kaltes Ostbad schicken, wo ich mir eine tüchtige Erkältung holen kann. Ach, die Zeiten sind nicht mehr, wie sie mal waren.
Aber das Wetter zeigt sich von der schönen Seite. Es ist ziemlich kalt geworden, und der Schnee, der übers Wochenende gefallen ist, ist sogar an den Bäumen hängen geblieben. Das ist bei uns selten geworden. Ich kann mich erinnern, dass es in meiner Jugend im Wallis manchmal noch echt geschneit war. Wenn das an einem Wochenende geschehen ist, pflegten wir abends lange Spaziergänge zu machen. Anfangs mit der ganzen Familie, später traf man sich mit Schulkollegen und ging hinaus durch die verschneiten Strassen zur Kunsteisbahn. Das war eine wunderbare Stimmung und die ganze Welt war verzaubert. Und viele andere Leute taten dasselbe, so dass man unterwegs diese oder jene angetroffen hat und sich fröhlich begrüssen konnte. Ich habe eine Postkarte gefunden, die Brig nachts im Schnee zeigt. Wenn ich das sehe, macht es mir noch heute das Herz warm. Ich versuche, das Foto in den fotofolder zu schieben. Es sind die Lichtverhältnisse, die mich so elektrisieren.
Ich habe das Bild schlussendlich gefunden, aber noch zwei andere dazugelegt. Das erste ist ein Gemälde über den Orient. Bestimmt stammt es aus dem 19. Jahrhundert, als sich Europa für den Orient zu interessieren begann. Ich glaube, die Darstellung zeigt einen Bazar-Raum in Kairo. Aber auch in Teheran könnte man das sehen. Es ist eine schöne Darstellung, die natürlich auch ein bisschen mit europäischen Vorurteilen und Schemata spielt. Das zweite Bild zeigt das Stockalperschloss (die Karawanserei im Wallis) an einem Winterabend. Du musst wissen, dass ich während 8 Jahren an diesem Schloss vorbei zur Schule gegangen und abends heimgekehrt bin. Diese Stimmung ist besonders lebendig in meiner Erinnerung. Unten im Tal und in den Häusern ist es schon ziemlich dunkel und kalt, und in der Höhe scheinen immer noch die Schneeberge im Abendlicht. Da hat man das schöne Gefühl, dass es mehr gibt als nur den Menschen mit seinen alltäglichen Geschäften. Und zuletzt das dritte Bild, das ich eigentlich gesucht hatte. Es zeigt Brig in winterlichen Abendstunden. Unten links der Bahnhof, der ein bisschen stärker beleuchtet ist. Rechts die helle Strasse ist eigentlich eine Seitenstrasse, die wir selten passiert haben. Die wichtige Bahnhofstrasse sieht man auf dem Bild kaum. Aber oben sieht man die Kirche, und gleich dahinter sind die grossen Gebäude des Jesuiten Kollegs. Man hat von der kleinen Terrasse vor der Kirche einen wunderbaren Blick über Brig und ins Tal hinunter bis Visp. Ich muss zugeben, dass das Bild ein bisschen Apres-Ski suggeriert. Mag sein, mag auch sein, dass auch dies die süsse Situation sei, die in meiner Seele lagert. Wir haben wirklich einige und sehr schöne Apres-Ski-Stunden und Abende verlebt, nicht nur in Brig, sondern auch in Zermatt, Saas Fee, Montana und an anderen, unbekannteren Orten.
Ach Malou, ich schwärme wieder mal vom Wallis, verzeih mir. Ich glaube manchmal, dass dies mein Heroin sei. Es ist mein Paradies, denn das Paradies ist immer der Ort, von dem man vertrieben worden ist. Eine zeitlang konnte ich meine Erinnrungen auffrischen bei meinem Bruder in Darnona. Er hatte in diesem prächtigen kleinen Winzerdorf am Sonnenhang über Sierre eine hübsche Wohnung mit einer herrlichen Aussicht ins Tal hinunter. Leider wohnen sie jetzt unten in S., denn Darnona war nur mit dem Auto oder mit dem kleinen Bähnchen nach Montana zu erreichen. Und das war natürlich ein täglicher Zeitaufwand. Andererseits muss man auch betonen, dass die Zeit im Wallis noch nicht so rasch läuft wie bei uns. Und eine solche Drahtseilbahn ist der ideale Ort für ein kleines Schwätzchen. Es ist die reine Lebensqualität, die mit der Langsamkeit einhergeht.
Jetzt will ich Dir diese Schwärmerei schicken. Bestimmt kannst Du sie mir ein bisschen nachfühlen, denn ihr habt doch bei Euch auch jede Menge Schnee und warme Lichter in den Häusern.
Mit lieben GS und KS
...
Dienstag, 13. März 2012
Vollard
.Ämne: Vollard
Datum: den 23 februari 2004 17:22
Lieber ...,
Ach, es tut mir leid um Onkelchen. Hoffentlich geht es ihm bald wieder besser. Es ist schön, dass du Vertrauen hast zu seinem Arzt. Dann weiss man, dass unsere Lieben in guten Händen sind.
*
A large, gruff, boorish fellow-who was once described as"looking like a giant ape"-he nevertheless inspired his artist friends:Picasso did a cubist study of him, Bonnard painted him as a genial host, and Renoir portrayed him as a toreador."The most beautiful woman who ever lived," Picasso said,"never had her portrait painted, drawn, or engraved more often than Vollard."
Das kann wohl stimmen. Ich lege dir ein paar Bilder in Fotofolder rein.
Ich denke du musst wohl diesen Vollard meinen, oder?
Mit lieben Grüssen,
Malou
Datum: den 23 februari 2004 17:22
Lieber ...,
Ach, es tut mir leid um Onkelchen. Hoffentlich geht es ihm bald wieder besser. Es ist schön, dass du Vertrauen hast zu seinem Arzt. Dann weiss man, dass unsere Lieben in guten Händen sind.
*
A large, gruff, boorish fellow-who was once described as"looking like a giant ape"-he nevertheless inspired his artist friends:Picasso did a cubist study of him, Bonnard painted him as a genial host, and Renoir portrayed him as a toreador."The most beautiful woman who ever lived," Picasso said,"never had her portrait painted, drawn, or engraved more often than Vollard."
Das kann wohl stimmen. Ich lege dir ein paar Bilder in Fotofolder rein.
Ich denke du musst wohl diesen Vollard meinen, oder?
Mit lieben Grüssen,
Malou
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