28 October 2004 19:00
subjectSo...
Lieber ...,
Nun bin ich wieder da. In der Küche kocht ein Kopf Karfiol (sagt man
Kopf?), das klingt ein bisschen nach Mord. Ich habe vergessen
Petersilie ins Wasser zu legen, damit es nicht so stark riechen soll,
aber bis morgen ist der Geruch wieder weg.
Vorhin war ich noch schnell einkaufen um den Kühlschrank zu füllen
fürs Wochenende. An der Kasse sass eine frühere Schülerin von mir.
Eine meiner Lieblingschülerinnen. Sehr tüchtig, immer nett und
freundlich. Auch heute war sie ganz frohgelaunt und hat von ihren
Studien an der Uni erzählt. Zuerst hat sie Französisch studiert und
nun macht sie Betriebswissenschaft. Sie trifft auch oft M, mit dem
ich damals in Prag war, und der seit ein paar Jahren an der Uni in dem
Fach unterrichtet. Damals hatte sie ihn als Lehrer hier am Gymnasium
und ich merke, dass sie viel mehr sagen will als ihr die Zeit erlaubt,
denn andere Kunden warten schon nach mir.
Du hast mich in einem deiner vorigen mails neugierig gemacht auf
Genazino, und so habe ich mich im Internet etwas über ihn erkundigt.
Schau mal hier:
http://www.zeit.de/2003/13/L-Genazino
Ich komme nicht von dem Gedanken los, dass du irgendwie seelísch
verwandt bist mit dem Helden in seinem neuen Buch. Ich würde es auch
gern lesen. Es ist schon lange her, dass ich ein Buch auf Deutsch
gelesen habe. Zwar habe ich meinen eigenen privaten Schriftsteller,
mit dem sich kein anderer messen kann, aber trotzdem. Das einzige was
mich abhällt von diesem Bücherkaufen im Ausland, sind die Bezahlungen.
Ich meine, es kostet manchmal ein Drittel des Buchpreises, eine
Bezahlung zu schicken. Und es ist schrecklich umständlich. Als ich
letzthin "L'Express" bezahlen wollte, d.h. Geld dafür überweisen, war ich
zuerst 1½ Stunden auf der Bank, um dann nach einer Zeit eine
Bezahlungsermahnung zu erhalten und noch ein paar Wochen später eine
Mitteilung, dass man wegen ausgebliebener Bezahlung die Zeitschrift
nicht mehr senden würde. Dann war ich schon so böse, dass ich nach
Paris angerufen habe um ihnen mitzuteilen, dass ich ihnen das Geld
bereits vor zwei Monaten überwiesen hatte und dass ich ihnen nach der
ersten Aufforderung auch eine Kopie von der Bankorder geschickt hatte.
Klingt sicher ganz verrückt.
Der Karfiol ist fertig. Mit etwas zerlassener Butter mit Semmelbröseln
drin schmeckt das herrlich!
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend,
mit lieben Gs und Ks,
Malou
Ach ja, Karfiol heisst es in Österreich. Die Deutschen sagen wohl Blumenkohl.
Sonntag, 13. November 2011
Samstag, 12. November 2011
Rom nochmals
Liebe Marlena
...
Dass für mich bei dir ein Bild von Prag hängt, das ist ein zuckersüsser Gedanke. Du bist so lieb, daran gedacht zu haben. Und ich sehe daran nochmals, wie ernst dir ein Treffen mit A. war. Dabei hatte ich doch anfangs gedacht, du zögerst und hast nicht den Mut dazu. Häng es auf bei Dir. Es ist ja für mich merkwürdig, wie stark du mich mit Prag in Verbindung bringst, eine Stadt, die ich noch nie gesehen habe, die voller Touristen ist, die einige unfreundliche Tschechen zu bieten hat, neben den paar Brücken und der Burg. Aber von dir, meine liebe, lasse ich mir das gerne bieten. Ich überlege mir schon irgendwie im Hinterkopf, wie ich einmal nach diesem Prag komme. Einmal schon. Aber im moment ist mir Rom viiiiiieeeel wichtiger. Das kannst du mir glauben. Ich setze praktisch alles auf diese Karte.
Wenn wir zusammen Rom nicht schaffen, werden wir uns im Leben wahrscheinlich nie sehen. Du sagst, wir können uns sehen, wenn die maladi vorbei und bloss noch Freundschaft ist. Wie stellst du dir das denn vor. Eine platonische maladi hält ewig, das solltest du doch jetzt nachgerade wissen. Und ein Römisches Tagebuch hält vielleicht nicht ewig, aber bis an unser Lebensende wird es halten. Da bin ich mir sicher.
...
...
Dass für mich bei dir ein Bild von Prag hängt, das ist ein zuckersüsser Gedanke. Du bist so lieb, daran gedacht zu haben. Und ich sehe daran nochmals, wie ernst dir ein Treffen mit A. war. Dabei hatte ich doch anfangs gedacht, du zögerst und hast nicht den Mut dazu. Häng es auf bei Dir. Es ist ja für mich merkwürdig, wie stark du mich mit Prag in Verbindung bringst, eine Stadt, die ich noch nie gesehen habe, die voller Touristen ist, die einige unfreundliche Tschechen zu bieten hat, neben den paar Brücken und der Burg. Aber von dir, meine liebe, lasse ich mir das gerne bieten. Ich überlege mir schon irgendwie im Hinterkopf, wie ich einmal nach diesem Prag komme. Einmal schon. Aber im moment ist mir Rom viiiiiieeeel wichtiger. Das kannst du mir glauben. Ich setze praktisch alles auf diese Karte.
Wenn wir zusammen Rom nicht schaffen, werden wir uns im Leben wahrscheinlich nie sehen. Du sagst, wir können uns sehen, wenn die maladi vorbei und bloss noch Freundschaft ist. Wie stellst du dir das denn vor. Eine platonische maladi hält ewig, das solltest du doch jetzt nachgerade wissen. Und ein Römisches Tagebuch hält vielleicht nicht ewig, aber bis an unser Lebensende wird es halten. Da bin ich mir sicher.
...
die Nabis u.a.m.
Ämne: Re: kommt der Frühling ?
Datum: den 21 februari 2001 20:55
Liebe Marlena
...
Heute war ich wieder den ganzen Tag in Basel. Es war herrliches Wetter. Und über Mittag war ich in der Stadt und in der Bibliothek, von wo ich mir 40 Bücher mitgenommen habe, die ich in nächster Zeit rezensieren möchte. Der Bibliothekar dort ist immer froh, wenn ich komme, denn die anderen Rezensenten nehmen nur zwei oder drei Bücher mit. Das ist für ihn natürlich viel zu viel Umtriebe. Ich hingegen räume ihm das Büchergestell ab, dass es nachher manchmal ziemlich leer ausschaut. Aber ich mache es gerne. Es ist eine abwechslungsreiche Arbeit. Und innert einer halben Stunde habe ich ein Buch bearbeitet. Das ist für mich wie eine Energiespritze.
Im Übrigen habe ich mich in den letzten Tagen mit den Nabis beschäftigt. Ich nehme an, Du kennst diese Gruppe von Malern, wozu Bonnard, Maillol, Vallotton, Vuillard und ein paar andere gehören. Ihre Bilder sind um die Jahrhundertwende entstanden und sie zeichnen sich formal aus durch die dekorativ-flächigen Werte ihrer malerischen Gestaltung. Sie waren stark von japanischen Holzschnitten beeindruckt und lehnen sich dem Symbolismus an. Vielleicht kennst Du Bonnard. Das ist ein ziemlich sympathischer Maler der lyrische, dekorative Bilder südlicher Stimmungen geschaffen hat. Er war gut befreundet mit Matisse. Vallotton ist ein Schweizer Maler, der aber weniger flächig, sondern ziemlich plastisch gemalt hat. Er stammt aus der französischen Schweiz und hat dann in Frankreich gelebt. Ich glaube, er war nicht ein besonders glücklicher Mensch. Seine Bilder wirken etwas perfektionistisch und auch platonisch.
Aber Bonnard und Vuillard mag ich mehr. Sie haben sich vor allem mit Interieurs beschäftigt, weshalb sie auch als die Intimisten bezeichnet werden. Ihre Bilder haben einen speziellen Reiz. Sie sind warm und ansprechend. Sie haben etwas sehr Psychologisches an sich. Und der Übergang vom 19. Ins 20. Jahrhunderts war ja auch ein Höhepunkt der Entwicklung in der psychologischen Wissenschaft.
Und im Übrigen freue ich mich auf die kommenden Ferien. Ich habe mir vorgenommen, etwas mehr frei zu nehmen als in anderen Jahren. Ich will wirklich ein Teil meiner Überstunden einziehen und etwas faulenzen, herumliegen, schlapp machen, alles hängen lassen und mich bloss ab und zu auf die andere Seite drehen. In Basel wird dann wieder die Fastnacht stattfinden. Das ist eine grosse Sache, für viele Basler die grösste Sache des Jahres. Aber ich will mich da raushalten. Ich mag dieses Gedränge und diesen Lärm nicht.
44 neue Kardinäle in Rom! Was sagst Du denn dazu, Marlena? Ist das denn kein Kostenfaktor in der Firma der katholischen Kirche? Die finden doch kaum mehr Platz in der Sixtina, wenn sie einen neuen Papa wählen sollen. Das wird dort ein echtes Gedränge werden. Die stehen sich gegenseitig auf den Zehen herum. Vielleicht dauern dann die Wahlen nicht mehr so lange wie in der Vergangenheit.
Jetzt muss ich noch etwas an die Arbeit. Ich wünsche Dir einen schönen Abend. Morgen bin ich wieder im Büro. Allerdings habe ich 4 Abklärungen. Es wird eng werden. Aber wir werden das schon schaffen.
Mit einem allerliebsten Gruss
...
Datum: den 21 februari 2001 20:55
Liebe Marlena
...
Heute war ich wieder den ganzen Tag in Basel. Es war herrliches Wetter. Und über Mittag war ich in der Stadt und in der Bibliothek, von wo ich mir 40 Bücher mitgenommen habe, die ich in nächster Zeit rezensieren möchte. Der Bibliothekar dort ist immer froh, wenn ich komme, denn die anderen Rezensenten nehmen nur zwei oder drei Bücher mit. Das ist für ihn natürlich viel zu viel Umtriebe. Ich hingegen räume ihm das Büchergestell ab, dass es nachher manchmal ziemlich leer ausschaut. Aber ich mache es gerne. Es ist eine abwechslungsreiche Arbeit. Und innert einer halben Stunde habe ich ein Buch bearbeitet. Das ist für mich wie eine Energiespritze.
Im Übrigen habe ich mich in den letzten Tagen mit den Nabis beschäftigt. Ich nehme an, Du kennst diese Gruppe von Malern, wozu Bonnard, Maillol, Vallotton, Vuillard und ein paar andere gehören. Ihre Bilder sind um die Jahrhundertwende entstanden und sie zeichnen sich formal aus durch die dekorativ-flächigen Werte ihrer malerischen Gestaltung. Sie waren stark von japanischen Holzschnitten beeindruckt und lehnen sich dem Symbolismus an. Vielleicht kennst Du Bonnard. Das ist ein ziemlich sympathischer Maler der lyrische, dekorative Bilder südlicher Stimmungen geschaffen hat. Er war gut befreundet mit Matisse. Vallotton ist ein Schweizer Maler, der aber weniger flächig, sondern ziemlich plastisch gemalt hat. Er stammt aus der französischen Schweiz und hat dann in Frankreich gelebt. Ich glaube, er war nicht ein besonders glücklicher Mensch. Seine Bilder wirken etwas perfektionistisch und auch platonisch.
Aber Bonnard und Vuillard mag ich mehr. Sie haben sich vor allem mit Interieurs beschäftigt, weshalb sie auch als die Intimisten bezeichnet werden. Ihre Bilder haben einen speziellen Reiz. Sie sind warm und ansprechend. Sie haben etwas sehr Psychologisches an sich. Und der Übergang vom 19. Ins 20. Jahrhunderts war ja auch ein Höhepunkt der Entwicklung in der psychologischen Wissenschaft.
Und im Übrigen freue ich mich auf die kommenden Ferien. Ich habe mir vorgenommen, etwas mehr frei zu nehmen als in anderen Jahren. Ich will wirklich ein Teil meiner Überstunden einziehen und etwas faulenzen, herumliegen, schlapp machen, alles hängen lassen und mich bloss ab und zu auf die andere Seite drehen. In Basel wird dann wieder die Fastnacht stattfinden. Das ist eine grosse Sache, für viele Basler die grösste Sache des Jahres. Aber ich will mich da raushalten. Ich mag dieses Gedränge und diesen Lärm nicht.
44 neue Kardinäle in Rom! Was sagst Du denn dazu, Marlena? Ist das denn kein Kostenfaktor in der Firma der katholischen Kirche? Die finden doch kaum mehr Platz in der Sixtina, wenn sie einen neuen Papa wählen sollen. Das wird dort ein echtes Gedränge werden. Die stehen sich gegenseitig auf den Zehen herum. Vielleicht dauern dann die Wahlen nicht mehr so lange wie in der Vergangenheit.
Jetzt muss ich noch etwas an die Arbeit. Ich wünsche Dir einen schönen Abend. Morgen bin ich wieder im Büro. Allerdings habe ich 4 Abklärungen. Es wird eng werden. Aber wir werden das schon schaffen.
Mit einem allerliebsten Gruss
...
Donnerstag, 10. November 2011
in Tschechien
Ämne: gräuliches Grau in Grau
Datum: den 4 december 2003 09:57
(3)Lustige Frage, ob ich mein Herz in Tschechien verloren hätte. Habe ich denn ein Herz zu verlieren? Ich meine, ich lass doch meine Dinge nicht einfach so herumliegen, wie zerstreute Damen ihre Handtaschen oder ihre Nastüchlein! Nein, alle Leute hier waren einigermassen erstaunt, wie ich über Prag und die zwei Provinzstädte erzählte, nachdem sie vielleicht meine begeisterten Berichte über N.Y. noch im Ohr hatten. Sie haben gedacht, ich wäre jedes Mal so begeisterungsfähig. Nein, Tschechien hat mich wirklich nicht umgehauen. Obwohl es bestimmt sehr nette Menschen gibt, sind die Menschen dort drüben nicht gerade mein Fall. Ich mag zwar Männer, die nicht zu hart sind, sehr wohl, wie jenen Arzt beispielsweise. Aber er war mir dann schon wieder ein bisschen zu lose, wie er so in seinem Stuhl hing und seine Aussagen dahinbröselte. Es scheint mir - nach all dem, was ich gesehen habe - dass es die Frauen sind, die im postkommunistischen Osten das Leben in der Hand haben und die Feder führen. Männer hatten überall eine mehr oder weniger untergeordnete Rolle gespielt. In den Gesprächen waren sie deutlich einsilbiger als die Damen. Natürlich waren sie auch in der Minderheit. Vielleicht war die Auswahl nicht gerade repräsentativ. Aber so habe ich das erlebt. In ihrem Club gab es, wenn ich mich recht erinnere, 4 Männer: einer war der deutschstämmige Chilene mit seiner lustigen Frau; ein anderer war ein Engländer, der ebenso als Bauer arbeitet; ein dritter der ehemalige Bürgermeister; und schliesslich war da noch der Besitzer des Hotels, wo wir wohnten, der den ganzen Abend kaum ein Wort gesprochen hat. Alle übrigen Personen waren Frauen. Und sie waren einigermassen scheu und wohl erstaunt, dass hier Männer von einem fremden Stern daherkamen und mit ihnen plaudern und Gedanken austauschen wollten. Sie waren wirklich ein bisschen scheu, wie bei uns die Leute, die aus den hinteren Tälern stammen und jahraus-jahrein niemanden zu Gesicht bekommen. Und wo, so frage ich Dich Malou, wo in aller Welt sollte man in jener verregneten, hügeligen Landschaft mit den schweren Wolken und den melancholischen Gesichtern ein Herz verlieren? In Prag, vor jenem Glockenturm, wo alle Stunden zwölf Apostel die Runde machen um ihre Kneipe zu wechseln haben mich vier lustige Mädchen gefragt, ob ich sie mit ihrer Kamera knipsen würde. Sie waren nicht sonderlich hübsch, aber lustig und vital. Sie waren, wie sich herausstellte, Spanierinnen. Aber nicht mal die Spanierinnen zeigen in Tschechien den Reiz, den sie in ihrem eigenen sonnigen Land haben. Es gab auf diesem Platz (war es der Altstädter-Platz?) überall Weihnachtsstände, wo man Glühwein kaufen konnte. In der Mitte baute man mit echten schweren Eisbrocken eine Eisfläche, wo man vielleicht später im Dezember schlittschuhlaufen konnte. Und da stand auch ein grosser, geschmückter Weihnachtsbaum. Es war zweifellos so etwas wie Vorweihnachtsstimmung. Aber es wirkte alles ein bisschen kommerziell. Es gab sehr viele Kneipen und Wirtschaften und Restaurants. Ach, ich weiss nicht genau, aber es hat mir jedenfalls nirgendwo mein Herz geraubt.
*
Ach Malou, nein, mein Gedächtnis ist wirklich nicht mehr, was es war. Ich war selbst erstaunt, wie viel ich Dir über Tschechien erzählen konnte, denn ich hatte anfangs den Eindruck, es gäbe da wirklich nicht allzu viel zu berichten. Und wenn ich nicht angefangen hätte, wäre wohl alles im Vergessen verloren gegangen. Ich stelle fest, dass ich Dir gewisse Dinge erzähle, und später erzähle ich die Dinge ganz ähnlich meinen Leuten. Wenn ich sie nicht geschrieben hätte, kämen sie mir gar nicht mehr in den Sinn. Die Mails sind meine Rettung, musst Du wissen, andernfalls würde ich der absoluten Amnesie anheim fallen.
In Budweis gibt es eine grosse Bierbrauerei. Ich habe sie erwähnt, nicht wahr. Wir haben sie auch besucht. A. kannte die Marke. Offenbar gibt es sie in den USA überall. Für mich war sie neu. Ich habe in der Kantine der Fabrik auch nur eine Flasche alkoholfreien Biers getrunken, habe mich dem dem Gynäkologen angeschlossen, der seiner Leber zuliebe - wie er sagte - immer so trinkt. Es gibt, so erzählte man, in der Gegend von Budweis viel Wasser. Sie hatten dort auch grosse Überschwemmungen vor einem Jahr. Aber es ist das meiste wieder instand gestellt. Aussen vor der Stadt gibt es offenbar viele Teiche, wo man seit dem Mittelalter Karpfen zieht, was der Stadt Einkünfte bringt. Als typisches Weihnachtsessen gilt ein feines Gericht mit Karpfen. Ich hätte ihn gerne versucht, aber wir haben ihn nicht serviert bekommen. Es gab meist Hähnchen in irgend einer Sauce, dazu Kartoffeln. Und zum Nachtisch Kalorienbomben wie Paladschinken oder Apfelkuchen, am liebsten mit Schlagober. Und als Kaffee gibt es Segredo oder Segrado oder so ähnlich, einen italienischen Kaffee. Offenbar haben die Italiener den ganzen Osten mit ihren Kaffeemaschinen und ihrem Kaffee bereits kolonisiert, ähnlich, wie im Mittelalter und nach den verheerenden Völkerwanderungen die irischen Mönche den Katholizismus tonnenweise nach Europa gebracht haben. Aber er schmeckt nicht wirklich wie ein italienischer Kaffee.
Ich glaube, ich muss ans Telefon.
Deshalb wünsche ich Dir einen feinen Donnerstag. Vielleicht kannst Du ja nochmals liegen bleiben bis 9.00h.
Mit GundK
...
Adventschmuck - Frauensache?
Ämne: gräuliches Grau in Grau
Datum: den 4 december 2003 09:57
(Fortsetzung)*
Jetzt bin ich in mein Box gelangt und habe Deine Mails gefunden. Distanzunterricht klingt lustig. Das haben wir nicht in der Schweiz. Ich habe mal eine Sendung gesehen aus Australien, wo man mit Radio die Schüler instruiert. Es muss herrlich sein, so unbeobachtet Schule zu geniessen. Man kann jeden Unsinn machen, ohne dass die Lehrer gleich aufspringen. Fantastisch!
Ja, von den Herren kannst Du nicht verlangen, dass sie eine Adventdekoration zustande bringen. So was ist in ihren Genen nicht zu finden. Ich meine, dort wo das Adventschmuck-Arrangieren-Gen vorhanden sein sollte, ist einfach eine kleine Lücke. Ein Loch! Wir haben viele Löcher in unserer genetischen Struktur. Das ist erstaunlich. Wir müssen Sorge tragen, dass die übrigen Gene nicht durch die Löcher abfliessen und dass wir zum Schluss dastehen wie leere Milchtöpfe.
Nein, Spass beiseite. Ich habe gestern zuhause einen grossen Kürbis gerüstet. Das tue ich nicht ungern. Es ist im Grunde ein schönes Stück Arbeit. Aber wenn man das mit der elaborierten Technik und mit den ausgezeichneten Fähigkeiten tut, die sich in der männlichen Genstruktur befinden, geht das einigermassen einfach ;--)) Na ja, Kürbisse riechen einfach sehr fein, wenn man sie aufschneidet. Und das Fleisch hat eine wunderschöne Farbe. Deshalb tue ich das. Ich mag Kürbis eigentlich nicht so besonders als Gericht. Er ist ein bisschen fade. Nur einige süsse Sorten schätze ich. Es gibt einen, der wie Edelkastanie schmeckt. Er eignet sich ausgezeichnet zu Fisch. Ich habe mich weiter spezialisiert auf die Zerteilung riesiger Melonen, wie man dazu im Iran fähig sein muss. Auch das ist eine Arbeit, die ich ziemlich gerne tue. Aber Advent-Schmuck, nein, da kann ich nicht gross mitreden. Ich solidarisiere mich mit der Männerwelt und bin mit ihnen einig, dass Adventschmuck definitiv Frauensache ist. Was wir dazu beisteuern könnten, wäre eine Flasche Gewürzwein oder so was, nicht wahr? Oder einen Weissen für eine schöne Zabbajone.
Lustige Frage, ob ich ...
Mittwoch, 9. November 2011
gräuliches Grau in Grau
Ämne: gräuliches Grau in Grau
Datum: den 4 december 2003 09:57
Liebe Marlena
Heute morgen schreibe ich in die blaue Luft hinaus. Oder vielleicht besser in die graue. Das Hotmail ist stur und unbeweglich wie eine schweizerische Hochgebirgskette. Und das Tiefblau des Hintergrundes hilft mir gar nicht dabei.
Heute ist schon wieder Donnerstag. Ist gut, die Woche neigt sich dem Ende zu. Aber es war eine ziemlich nasse und neblige Woche. Gestern hatten wir 15 Heilpädagoginnen bei uns zu einer Instruktion. Das war vielleicht der Höhepunkt der Woche, der Bergpreis sozusagen. Und jetzt geht es endgültig hinunter ins Tal und dem Wochenende entgegen.
Wenn ich so den Pass hinunter fahre, erinnere ich mich an eine Velotour, die ich mal mit meinem Bruder gemacht habe. Es war ein Entschluss aus dem Bauch. Wir sind, so glaube ich mich zu erinnern, abends um 16.00h oder so abgefahren. Wann tut man denn so was?
Brig - zum Simplon geht es in den Schlitz links
Ein Stück alte OriginalSimplonstrasse kurz vor Gondo
Die erste Etappe war der Simplonpass, der ja nicht weit war. Voller Energie sind wir dort hinaufgestiegen. Und ich erinnere mich, dass wir die erste Nacht neben Strasse und Eisenbahnlinie geschlafen haben.
Die Simplonstrasse kurz vor der Passhöhe
Alle 10 bis 20 Minuten ist ein Zug vorbeigedonnert. Das war die internationale Strecke Mailand - Paris. Eigentlich war an richtiges Schlafen nicht zu denken. Wir wollten auch eigentlich nicht schlafen, wir waren bloss tot müde. Am nächsten Morgen sind wir hinuntergefahren zum Langensee, Lago Maggiore.
Das war natürlich sehr schön, weil südlich und - so glaube ich wieder in der Erinnerung - sehr sonnig. Wir fuhren über Locarno dann hinauf und besuchten Verwandte. In ihrem Wochenendhaus oben am Hang haben wir übernachtet. Die ganze Familie war dort in den Ferien. Der Onkel war ein Werklehrer und grosser Bastler. Er hat das ganze Haus selbst gebaut und hat - wie man hörte - sogar Steine und alte Holzbalken und Türen in seinem Auto über den Gotthart ins Tessin transportiert. Das Häuschen war ein bisschen eng, aber gut. Und unsere Kusine und Vetter waren lustige Kinder. Ich habe noch in meinem Ohr, wie der Onkel seine Tochter rief und sie fragte, ob sie für ihre Vetter keine Suppe kochen wolle. Sie wollte nicht. Nach 1 oder 2 Tagen fuhren wir weiter die kurvenreiche Strasse des Sankt Gotthard-Passes hinauf und schliesslich noch über den Oberalppass.
Innerhalb einer Woche hatten wir 3 Pässe überquert. Das tut man heute bloss mehr mit dem Auto, oder in der Regel überhaupt nicht mehr. Die meisten Strecken, solange es bergan ging, mussten wir zu Fuss unser Velo stossen. Und wir hatten unsäglichen Durst. Aber es war ein gutes Erlebnis, einfach so von zuhause wegzukommen und in dieser grossen Welt zu überleben. Die Welt war steil, aber grandios.
Na ja, das war eine kleine Exkursion angesichts der Tatsache, dass ich den Scheitelpunkt der Woche gestern überschritten habe, und mich heute auf der windigen und kurvenreichen Abfahrt ins Tal befinde. Ach ja, das wollte ich eigentlich erzählen. Am letzten Tag dieser Tour kamen wir gegen Abend den Oberalbpass hinunter ins Goms, also den obersten Teil des Wallis.
Blick das Goms runter mit Oberwald ganz vorn und unten...
Die Landschaft war so wunderschön und friedlich in der Abendsonne, dass ich ihn niemals mehr vergessen werde. Wir suchten zwar jedes der kleinen Häuschen nach einem Laden ab. Die hiessen dort allenfalls Magasin. Und meist waren sie geschlossen, weil bloss einige Stunden pro Tag offen. Und so mussten wir auf die heiss ersehnte Cola verzichten. Und so kamen wir dann über das friedliche und in der Abendsonne träumende Goms hinunter nach Brig und schliesslich wieder heim. Es war eine Exkursion ohne die geringste Panne gewesen. Das könnte man von heutigen Velos nicht mehr erwarten.
*
Jetzt bin ich in mein Box gelangt ...
(Fotos: Chris)
Dienstag, 8. November 2011
...
halbes paar
mich in dir
gibt es nicht mehr
aber von dir
ist noch einiges
in mir
damit muss ich
haushalten
ich halbes paar
mich in dir
gibt es nicht mehr
aber von dir
ist noch einiges
in mir
damit muss ich
haushalten
ich halbes paar
(Herbert J. Wimmer)
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