Donnerstag, 10. November 2011

Adventschmuck - Frauensache?

Ämne: gräuliches Grau in Grau
Datum: den 4 december 2003 09:57
(Fortsetzung)
*
Jetzt bin ich in mein Box gelangt und habe Deine Mails gefunden. Distanzunterricht klingt lustig. Das haben wir nicht in der Schweiz. Ich habe mal eine Sendung gesehen aus Australien, wo man mit Radio die Schüler instruiert. Es muss herrlich sein, so unbeobachtet Schule zu geniessen. Man kann jeden Unsinn machen, ohne dass die Lehrer gleich aufspringen. Fantastisch!

Ja, von den Herren kannst Du nicht verlangen, dass sie eine Adventdekoration zustande bringen. So was ist in ihren Genen nicht zu finden. Ich meine, dort wo das Adventschmuck-Arrangieren-Gen vorhanden sein sollte, ist einfach eine kleine Lücke. Ein Loch! Wir haben viele Löcher in unserer genetischen Struktur. Das ist erstaunlich. Wir müssen Sorge tragen, dass die übrigen Gene nicht durch die Löcher abfliessen und dass wir zum Schluss dastehen wie leere Milchtöpfe.
Nein, Spass beiseite. Ich habe gestern zuhause einen grossen Kürbis gerüstet. Das tue ich nicht ungern. Es ist im Grunde ein schönes Stück Arbeit. Aber wenn man das mit der elaborierten Technik und mit den ausgezeichneten Fähigkeiten tut, die sich in der männlichen Genstruktur befinden, geht das einigermassen einfach ;--)) Na ja, Kürbisse riechen einfach sehr fein, wenn man sie aufschneidet. Und das Fleisch hat eine wunderschöne Farbe. Deshalb tue ich das. Ich mag Kürbis eigentlich nicht so besonders als Gericht. Er ist ein bisschen fade. Nur einige süsse Sorten schätze ich. Es gibt einen, der wie Edelkastanie schmeckt. Er eignet sich ausgezeichnet zu Fisch. Ich habe mich weiter spezialisiert auf die Zerteilung riesiger Melonen, wie man dazu im Iran fähig sein muss. Auch das ist eine Arbeit, die ich ziemlich gerne tue. Aber Advent-Schmuck, nein, da kann ich nicht gross mitreden. Ich solidarisiere mich mit der Männerwelt und bin mit ihnen einig, dass Adventschmuck definitiv Frauensache ist. Was wir dazu beisteuern könnten, wäre eine Flasche Gewürzwein oder so was, nicht wahr? Oder einen Weissen für eine schöne Zabbajone.

Lustige Frage, ob ich ...

Mittwoch, 9. November 2011

gräuliches Grau in Grau


Ämne: gräuliches Grau in Grau
Datum: den 4 december 2003 09:57

Liebe Marlena
Heute morgen schreibe ich in die blaue Luft hinaus. Oder vielleicht besser in die graue. Das Hotmail ist stur und unbeweglich wie eine schweizerische Hochgebirgskette. Und das Tiefblau des Hintergrundes hilft mir gar nicht dabei.
Heute ist schon wieder Donnerstag. Ist gut, die Woche neigt sich dem Ende zu. Aber es war eine ziemlich nasse und neblige Woche. Gestern hatten wir 15 Heilpädagoginnen bei uns zu einer Instruktion. Das war vielleicht der Höhepunkt der Woche, der Bergpreis sozusagen. Und jetzt geht es endgültig hinunter ins Tal und dem Wochenende entgegen.

Wenn ich so den Pass hinunter fahre, erinnere ich mich an eine Velotour, die ich mal mit meinem Bruder gemacht habe. Es war ein Entschluss aus dem Bauch. Wir sind, so glaube ich mich zu erinnern, abends um 16.00h oder so abgefahren. Wann tut man denn so was?

Brig - zum Simplon geht es in den Schlitz links

Ein Stück  alte OriginalSimplonstrasse kurz vor Gondo

Die erste Etappe war der Simplonpass, der ja nicht weit war. Voller Energie sind wir dort hinaufgestiegen. Und ich erinnere mich, dass wir die erste Nacht neben Strasse und Eisenbahnlinie geschlafen haben.


Die Simplonstrasse kurz vor der Passhöhe

Alle 10 bis 20 Minuten ist ein Zug vorbeigedonnert. Das war die internationale Strecke Mailand - Paris. Eigentlich war an richtiges Schlafen nicht zu denken. Wir wollten auch eigentlich nicht schlafen, wir waren bloss tot müde. Am nächsten Morgen sind wir hinuntergefahren zum Langensee, Lago Maggiore.



Das war natürlich sehr schön, weil südlich und - so glaube ich wieder in der Erinnerung - sehr sonnig. Wir fuhren über Locarno dann hinauf und besuchten Verwandte. In ihrem Wochenendhaus oben am Hang haben wir übernachtet. Die ganze Familie war dort in den Ferien. Der Onkel war ein Werklehrer und grosser Bastler. Er hat das ganze Haus selbst gebaut und hat - wie man hörte - sogar Steine und alte Holzbalken und Türen in seinem Auto über den Gotthart ins Tessin transportiert. Das Häuschen war ein bisschen eng, aber gut. Und unsere Kusine und Vetter waren lustige Kinder. Ich habe noch in meinem Ohr, wie der Onkel seine Tochter rief und sie fragte, ob sie für ihre Vetter keine Suppe kochen wolle. Sie wollte nicht. Nach 1 oder 2 Tagen fuhren wir weiter die kurvenreiche Strasse des Sankt Gotthard-Passes hinauf und schliesslich noch über den Oberalppass.

Innerhalb einer Woche hatten wir 3 Pässe überquert. Das tut man heute bloss mehr mit dem Auto, oder in der Regel überhaupt nicht mehr. Die meisten Strecken, solange es bergan ging, mussten wir zu Fuss unser Velo stossen. Und wir hatten unsäglichen Durst. Aber es war ein gutes Erlebnis, einfach so von zuhause wegzukommen und in dieser grossen Welt zu überleben. Die Welt war steil, aber grandios.

Na ja, das war eine kleine Exkursion angesichts der Tatsache, dass ich den Scheitelpunkt der Woche gestern überschritten habe, und mich heute auf der windigen und kurvenreichen Abfahrt ins Tal befinde. Ach ja, das wollte ich eigentlich erzählen. Am letzten Tag dieser Tour kamen wir gegen Abend den Oberalbpass hinunter ins Goms, also den obersten Teil des Wallis.


Blick das Goms runter mit Oberwald ganz vorn und unten...

Die Landschaft war so wunderschön und friedlich in der Abendsonne, dass ich ihn niemals mehr vergessen werde. Wir suchten zwar jedes der kleinen Häuschen nach einem Laden ab. Die hiessen dort allenfalls Magasin. Und meist waren sie geschlossen, weil bloss einige Stunden pro Tag offen. Und so mussten wir auf die heiss ersehnte Cola verzichten. Und so kamen wir dann über das friedliche und in der Abendsonne träumende Goms hinunter nach Brig und schliesslich wieder heim. Es war eine Exkursion ohne die geringste Panne gewesen. Das könnte man von heutigen Velos nicht mehr erwarten.
*
Jetzt bin ich in mein Box gelangt ...

(Fotos: Chris)

Dienstag, 8. November 2011

...



halbes paar

mich in dir
gibt es nicht mehr
aber von dir
ist noch einiges
in mir
damit muss ich
haushalten
ich halbes paar

(Herbert J. Wimmer)

November

der letzte Apfel am Baum

Montag, 7. November 2011

...nie mehr

7 November 2007 09:20
subject   7. Nov. 2007


Liebe Malou
Ich danke dir ganz herzlich für die guten Geburtstagswünsche. Und auch
für das sms, das gestern plötzlich hereingeflogen ist. Und dass sie am
6. November Schweden beflaggen, ist mehr als richtig. Natürlich tun
sie das auch ein bisschen wegen dem reformierten König mit seiner
katholischen Tochter, die ich doch im St. Peter in Rom gesehen habe.
Wir beziehen uns auf solche Dinge in einem Satz oder zwei. Das ist
merkwürdig, wenn man bedenkt, wieviel Freud und wieviel Leid in
solchen Ereignissen für die Betroffenen gelegen haben mögen.

Ja, du bist mein Heftpflaster Malou. Du bist diejenige Person, die
noch in meine tiefere Vergangenheit gesehen hat. Ich merke langsam,
wie es ist, solcherart von der Vergangenheit abgeschnitten zu sein. Es
wird nie mehr möglich sein, sich voll zurückzuerinnern. Ich meine in
einer Art, wie es eine Familie tut, wenn alle gemütlich zusammen
sitzen und einer fragt: weisst du noch?. Natürlich kann man sich
zurückerinnern. Aber die Erinnerungen werden nicht mehr ergänzt von
andern Familienmitgliedern um sie zu einem vollen Bild zu
komplettieren, vielleicht um Irrtümer aus dem Weg zu räumen, um starke
Gefühle der Gemeinsamkeit aufkommen zu lassen.
...

Sonntag, 6. November 2011

6. November

Gustav Adolf Gebäck

Ämne: Prost!
Datum: den 6 november 2002 19:35

Lieber ...,
Ich weiss nicht ob du meine musikalische Huldigung erhalten hast. Ein "Happy birthday", gesungen von Giraffen ist gerade genug originell für einen Mann wie du. Ein bisschen enttäuscht war ich doch darüber dass man es nicht hören konnte. Aber uns fehlt ja nicht die Fantasie ;-)
...
Ach!? In aller Welt hat man dich gefeiert heute? Du bist wirklich ein Glückspilz. Ich bin froh wenn sich die allernächste Verwandschaft an meine grossen Geburtstage erinnert. Aber wenn ich ehrlich sein soll so muss ich sagen dass auch ich mich nur um die Geburtstage in der Familie kümmere, d.h. von Mann, Kind und ..  Ein bisschen schäme ich mich natürlich dass ich nicht so bin wie meine verstorbene Cousine, die sich immer an alle Verwandten erinnerte und auch mir ständig die unmöglichsten Dinge schickte. Ach, wie sehr ich sie vermisse!

Ich hab wieder auf die webcam geschaut und auch festgestellt dass Petrus wahrhaftig an dich gedacht hat. Und endlich hatte man die roten Fahnen entfernt, die so lange das schöne Gässchen verdeckt haben. Bei uns dagegen flaggt man heute überall - wegen dir und wegen Gustav II Adolf. Die richtigen Patrioten essen sogar an diesem Tag ein spezielles Gebäck zu seinem Andenken.

Sag wie ist es denn mit den Uhrzeiten bei euch? Die Uhr auf der webcam hatte man nicht eine Stunde zurückgestellt wie wir es neulich hier getan haben. Bei euch war es noch hellichter Tag während es hier schon ganz dunkel war.

Gern würde ich jetzt mit einem guten Wein mit dir anstossen aber ich kann nicht eine ganze Flasche öffnen nur wegen einem Gläschen. So werde ich ein Glas Cognac oder noch besser einen Whisky trinken zu deinen Ehren. Prost, chéri!

Schau mal was man heute um 20.00 Uhr im Fernsehen (TV 2) zeigt:

Ein Dokumentarfilm: Marlenes 6 Gesichter
Ein persönlicher Dokumentarfilm von C.C. über eine kanadensische Frau mit einer multiplen Persönlichkeit. Eine emotionelle Reise von Schweden nach Kanada die mit einer Begegnung im Internet beginnt und mit Liebe endet. Wir begegnen Marlenes sechs verschiedenen Persönlichkeiten und deren verschiedene Einstellung zum Leben.

Mein Mittagessen (wir essen middag am Abend) ist nun fertig.
Wünsche dir noch einen schönen angenehmen Abend.

Mit lieben Grüssen
Marlena

Re: Time goes by...     Ämne: 6. Nov. 02
Datum: den 6 november 2002 15:34

 

Freitag, 4. November 2011

Vielleicht

.



 
Vielleicht

Erinnern
Das ist

vielleicht

die qualvollste Art

des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art

der Linderung
dieser Qual

[Erich Fried]