"Unser Lischen hat nur geschmunzelt angesichts unserer Eile,
so wie sie immer schmunzelt, angesichts des Lebenstempos unserer Tage."
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Nun ja, eigentlich wollte ich dir erzählen, wie ich bei diesem kleinen Aufenthalt mit A. den Louvre besuchte. Meine Frau war mit der jüngeren Tochter irgendwie unterwegs und es ging schon gegen Abend. Ich redete auf A ein, dass es eine Todsünde sei, Paris zu besuchen ohne den Louvre gesehen zu haben, das sei sozusagen wie ein Big Mac ohne Ketchup oder so. Sie wollte von diesem Louvre gar nichts wissen, fürchtete, es würde öde und langweilig werden. Schliesslich hatte ich sie soweit, dass wir etwa um 1600h, beim heiligen Versprechen, nicht länger als eine Stunde, die Karten lösten und ich sie also in diesen Louvre schleppte. Wir eilten förmlich durch die langen Gänge, wir fuhren Slalom zwischen den amerikanischen Touristen, wir hätten am besten die Inline-Skates mitgenommen, so eilig gingen wir den Klassikern entlang. Bei einigen besonders berühmten, etwa bei der Mona Lisa – wie ich mich erinnere – musste man sozusagen erst die Fliegen vor dem Bild verscheuchen, damit man kurz einen Blick drauf werfen konnte. Die Fliegen entpuppten sich als die mit Fotoapparaten bewaffneten Scharen von Japanern. So habe ich mir mit A den Louvre angeschaut, in einer knappen Stunde, es war praktisch ein Jogging Parcours. Und heute erinnert sie sich bloss noch an diese kleine Mona Lisa, die hinter dickem Glas und einer Traube von Japanern kaum zu sehen gewesen war. Doch unser Lischen hat nur geschmunzelt, das kann ich dir versichern, angesichts unserer Eile, so wie sie immer schmunzelt, angesichts des Lebenstempos unserer Tage. Jemand (weiss nicht mehr wer) hat einmal geschrieben, er hätte den Eindruck, Mona Lisa schaue ihn an wie seine Frau, wenn er nach Mitternacht heimkomme und behaupte, er hätte noch im Büro gearbeitet. Das hat er – so finde ich – schön und treffend gesagt. Sie lächelt in der Tat irgendwie ungläubig!
Aber im Grunde genommen wollte ich nur auf deinen Vorschlag eintreten, für den Louvre einen Tag zu reservieren. Es können meinetwegen auch zwei Tage sein, obwohl man ja in diesen Museen totmüde wird (und dann den Arm auf die Schulter seiner Freundin legt, um sich etwas abzustützen, wie du hilfsbereiter Weise vorgeschlagen hast), und obwohl es in Paris noch andere Sehenswürdigkeiten zu berücksichtigen gäbe. Schliesslich möchte ich, dass du mir einmal rasch die Sorbonne zeigst. Die kenne ich noch gar nicht und die würde mich sehr interessieren, obwohl ich irgendwo unter meinen alten Fotos eine Abbildung eines schweren klassizistischen Hofes habe, den ich mal in der Sorbonne geknipst hatte. Und gleich daneben habe ich ein Foto aus einer wunderschönen Bibliothek in der Nähe des Panthéon, benannt nach der Stadtheiligen, wenn ich mich nicht irre.
Nun ja, wir sind wieder einmal in Paris gelandet. Das ist unser kleinster gemeinschaftlicher Nenner, wie man in der Mathematik und im Bruchrechnen sagen würde. Unsere Wege führen nicht nach Rom, sondern nach Paris, meine Mausfreundin. Und hat nicht jemand, im Kampf der Konfessionen, gesagt, Paris sei eine Messe wert?, oder eine Sünde?, das weiss ich nun nicht mehr so genau, ist aber im Grunde auch kein grosser Unterschied.
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