Ämne: Abendgebet..
den 8 november 2000 00:12
Mein lieber armer Mausfreund,
Sicher bist du immer noch krank zu Hause da ich bis jetzt nichts von dir gehört habe. Ich hoffe doch, dass es dir nun schon besser geht und dass du dich in dem Stadium befindest wo ich dich eher beneiden sollte. :-)
Hier ist das Leben ziemlich streng im Moment. Es regnet in Strömen und ist sehr dunkel. Auch habe ich beruflich mehr zu tun als normal und vielleicht ist es gut...
Morgen haben wir zuerst Klassenkonferenzen am Vormittag (deshalb habe ich nun Material für die Schüler konstruiert mit dem sie sich in der lehrerlosen Stunde beschäftigen sollen) und dann um 12.00 Uhr haben wir alle Sprachlehrer der Region zu uns eingeladen, die die Schüler die letzten drei Jahre unterrichten bevor sie zu uns aufs Gymnasium kommen. Es ist eine notwendige Konferenz. Vor allem ist es wichtig dass sie einander treffen und gemeinsame Ziele aufstellen können, denn es variiert sehr stark wieviel man lernt und wie man das Ergebnis benotet. Dann gibt es auch das grosse Problem, dass viele Plätze von unausgebildeten Lehrkräften besetzt sind. Die kommen und gehen und manche von unseren Schülern haben in den drei Jahren bis zu neun verschiedene Lehrer gehabt in Deutsch oder Französisch.
Zuerst werden wir zusammen essen im schönen Speisesaal der Hotel und Restaurantlinie. Da bekommst du das allerbeste und so schön serviert dass du meinen könntest es sei bei einem Nobelfest. Ich glaube dieser schöne Anfang der Konferenz wird alle gemütlich stimmen sodass wir dann unsere Diskussionen in einer freundlichen Atmosphäre weiterführen können.
Es wird sicher ein paar Stunden dauern.
*
Und du mein armer Mausfreund? Geht es dir nun wieder besser? Was hat der Arzt gesagt? Vielleicht bin sogar ich die Person, die im Moment am meisten leidet. Immer diese trostlos leere Mailbox.. wo ich doch so Harroinsüchtig geworden bin.. Kannst du das verstehen? Ach Schatz, deine Stille ist grausam. Und nicht einmal anrufen kann ich dich. Das wäre doch sonst möglich denn du bist sicher oft ganz allein zu Hause. Du merkst wie sehr ich maladiere.. dieses lustige Wort :-)
*
Der Regen schmettert noch immer gegen die Fensterscheiben und es ist Sturm angesagt. Anna und ich hoffen dass wieder das Dach von der Schule fliegt damit wir uns ein wenig erholen können ;-) Aber wahrscheinlich haben sie es gut festgenagelt letztes mal.
Es gibt ein so liebes kleines Büchlein das heisst: Gebete von Kindern an Gott. Mit herrlichen Zeichnungen. Da sagt ein kleiner Junge: "Lieber Gott, gestern in der Mattestunde kam ein Hund herein. Kannst du das noch mal machen?"
Ich hätte so viele Gebete im Moment.. ja vielleicht sollte ich dem lieben Gott mein Leid klagen. Du hörst mich ja nicht :-(
*
Schon gleich 23.00 Uhr. Ich muss morgen ausgeruht sein. Hoffentlich bist du bald wieder ganz gesund. Du träumst von Bergen von Mails.. ich träume von einem einzigen Mail von meinem geliebten Mausfreund.
Gute Nacht, chéri.
À bientôt, jespère
Marlena
Donnerstag, 14. Oktober 2010
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Traurig
Friggebodar durchs Autofenster im Regen-rechts die Briefkästen
subject Ich warte
du wartest
er wartet
wir warten
Warten wir wirklich? ich meine warten wir beide oder vielleicht nur ich?
Lieber ...,
Wie du siehst bin ich wieder in bebauter Gegend gelandet. Ach, es ist
wirklich herrlich zu Hause zu sein. Zwar ist es wunderschön dort oben
im Norden. Aber wie ich dir gesagt habe, es ist wie im Paradies. Und
wer sehnt sich schon ins Paradies, ausgenommen ein paar
Selbstmordbomber.
Ich meine es ist etwas einsam dort oben. Und dabei erinnere ich mich
an Onkel Einar, der als er merkte dass sein Leben aufs Ende zuging
etwas bekümmert fragte ob ich glaubte, dass man auf der anderen Seite
seine Lieben wiedersehen kann.
Es war ein bisschen traurig auch dort im Norden. Ich glaube ich hab
dir mal von dem Mann erzählt, der immer um die Mittagszeit dort
eintrifft um nach dem Häuschen zu sehen, das er von Tante Mimmi,
seiner verstorbenen Schwiegermutter geerbt hatte. Er putzt und macht
alles schön im Garten, er hält alles wunderbar in Trim und immer
wieder baut er was Neues. Meist kleine "Friggeboden". Das sind so
kleine Häuschen, die man ohne Bauerlaubnis auf seinem Grundstück
aufstellen kann. Also sehr gefragt. Aber ich glaube er hat nie eines
verkauft. Vielleicht hängt er, wie so mancher Künstler, zu sehr an
seinem vollendeten Werk um sich davon befreien zu können.
Jedenfalls, wenn wir die Post holen, müssen wir durch seinen Hof
gehen, denn alle Briefkästen befinden sich auf dem alten Dorfweg
gerade vor seinem kleinen Haus. Und ich weiss, dass er immer schon auf
unsere Ankunft wartet und grosse Freude daran hat sein neuestes
Produkt vorzuzeigen. Auch dieses Jahr gab es was Neues.
Ein Vogelbad.:-)
Es war nicht nur ein Vogelbad, sondern ein kleiner Springbrunnen,
wie uns T (Ks Jugendfreund) erklärte. Aber der arme Mann war eine
Woche vor unserer Ankunft an Krebs gestorben. Er war plötzlich und
ganz überraschend erkrankt und nach kurzer Zeit gestorben. Wie die
Mutter von Annas Freundin neulich. Und wenn ich all diese Dinge dort
stehen sehe, auf die er so stolz war, dann bin ich traurig wie nie.
*
Wie du weisst, sind wir am 9 Juli in aller Eile losgefahren. Es war
geplant, aber trotzdem ...
(date 28 July 2005 22:33)
Dienstag, 12. Oktober 2010
.. über Rilke und die Duineser Elegien
Kirche von Raron von oben
Liebe Marlena
...
Lass mich dir etwas über Rilke und die Duineser Elegien sagen. Es wäre zwar schöner, das gerade ans Gespräch über das Gedicht "Nachbar Gott" anzuhängen. Ich stelle mir dazu einen Winterabend vor, vielleicht im Wallis, in einem alten Raum mit einem Holzofen. An den kleinen Fenstern glitzern die Eisblumen, weil es draussen kalt ist und der Schnee liegt. Aber hier ist es warm, und wir haben einen goldgelben Schluck Malvoisier, dazu ein paar Nüsse und Käse vielleicht. Ach, ich könnte dir auch einen Marc anbieten, aber das ist vielleicht nicht so dein Geschmack, diese starken Wasser.
Also, meine Liebe, wir waren bei Rilke. Im Dezember 1909 lernte Rilke in Paris die Fürstin Marie von Thurn und Taxis, eine geborene Prinzessin Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst (wow!) kennen. Sie hatte ihn zum Tee eingeladen. Und im Frühjahr 1910 weilte Rilke als Gast der Fürstin auf dem Adria-Schloss in Duino bei Triest. Rilke hatte in Marie von Thurn und Taxis nach der Fertigstellung seines Romans die Aufzeichnungen des Malte laudids Brigge eine hilfreiche Freundin gefunden, die seiner Unruhe, Heimatlosigkeit und Einsamkeit zeitweise ein Asyl bieten konnte. 1911 erhielt er nach einem bewegten und verzettelten Jahr erneut eine Einladung nach Duino. Er antwortete im September 1911: "Welcher Segen, dass Sie mich in Duino verbergen wollen: als ein Flüchtling, wie unter fremdem Namen, will ich mich dort aufhalten, nur Sie sollen wissen, dass ichs bin".
Im Oktober verliess Rilke Paris. Das Auto der Fürstin brachte ihn über die Provence und Norditalien nach Duino. Er war vom 22. Oktober bis zum 9. Mai 1912 ihr Gast. Nach der Abreise der Fürstin blieb er mit wenigen Dienstboten im Schloss, das auf einem steilen Karstfelsen über der Adria steht. Er zog sich einsam zurück und spielte unentschlossen mit dem Gedanken, sich einer Psychoanalyse zu unterziehen. In diesen Tagen des Januars 1912 ergriff ihn ein Zustand, den er später gern als Offenbarung darstellte. Dieses Ergriffenwerden und Inspiriertsein ist nicht nach dem Eros des willentlich und nüchtern betriebenen Arbeitsprozesses verstanden, sondern nach alter platonischer Vorstellung einer göttlichen Sendung des Dichters. Rilke soll auf dem Schloss, wo angeblich schon Dante verweilt hatte, aus dem Brausen des Sturmes die offenbarende Stimme gehört haben:
"Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen?"...
Die Fürstin schildert, dass er das Notizbuch, das er stets mit sich führte, hervornahm und die Worte niederschrieb. Und am Abend soll er die ganze erste Elegie niedergeschrieben haben, erinnert sich die Gastgeberin, und ein Brief Rilkes vom 21 Januar 1912 bestätigt es: "Da kommt endlich, liebe Fürstin, um Ihnen immer zu bleiben, das kleine grüne Buch zu Ihnen zurück, höchst eigenmächtig vollgeschrieben mit der ersten duineser Arbeit - für die es genau gemacht war".
Das war der Durchbruch zu einem neuen Werk. Und es führte dazu, dass er dem Arzt seiner Frau, Freiherr Emil von Gebsattel mitteilte, dass er von einer psychoanalytischen Behandlung wieder Abstand nehme. Er wird seine Arbeit als Selbstbehandlung verstehen.
Die schreibende Selbstanalyse schreitet recht erfolgreich voran. Jetzt ist es nicht mehr bloss Eingebung oder Offenbarung, sondern planmässig vorangetriebene Schreibarbeit. Doch der hohe und verpflichtende Stil der gewählten Gattung Elegie als grosser Klagegesang hat inhaltlich noch kein Ziel. Die Preisung und Rühmung der Welt ist noch kein absolutes Thema.
Mit der ersten Elegie hat Rilke die grosse Metapher des "Engels" gesetzt. In dessen Zeichen und Schatten werden die Grundbedingungen des menschlichen Daseins ausgebreitet. Mit der zweiten Elegie tritt der Engel ganz ins Blickfeld. Er grenzt sich gegen die menschlichen Möglichkeiten am Beispiel der Liebe oder unter Erfahrung der Vergänglichkeit und des Todes von dessen Existenz aus. Der Engel bleibt lange das zentrale Medium der Elegien und der Masstab, mit dem Mensch und Welt vermessen wird.
Für seine Aufgabe hat Rilke mit grosser Freiheit an den Traditionen der deutschen Literatur angeknüpft, die von Klopstock und Hölderlin begründet wurden. Die Elegie als eine Form der hohen Lyrik ist bei ihm losgelöst von alten Formkriterien. Er sucht einen wehmutvoll klagenden Grundton in weiten, gelegentlich abgebrochenen Satzbögen, einen Kult der Langzeilen, von denen jede als ein subtiler Balanceakt gelten darf. Die eigenwilligen Schwingungen, die freie Rhythmik und die kühn verschränkten sprachlichen Neubildungen, Bilder und Metaphern schafft Rilke nicht zuletzt durch ein formales Mittel, das er meisterhaft einzusetzen weiss: das Enjambement. Gegen alle Tradition verwendet er den sogenannten Zeilensprung - sonst eher die Ausnahme - das Hinüberführen des Sinn- und Satzzusammenhangs auf exzessive, ja fast provokante Weise. Satz- und Versende fallen selten zusammen, und der Zeilensprung findet sich selbst am Ende einer Strophe, wobei die strophische Gliederung und der Strophenabschluss ihrerseits ausserhalb der Konventionen erfolgen. Rilkes Klagegesang wird so zum Medium der Reflexion.
Im Spätherbst 1913 kam Rilkes Arbeitsphase am Zyklus zu einem Stillstand. Und erst 1921, als er in Schloss Muzot einzog, konnte er die Elegien endlich fortsetzen und vollenden. 1922 im Januar schrieb er an Marie von Thurn und Taxis: "Meine theuere Fürstin, so steht, mit Ihrem gütigen Neujahrs-Gruss, wieder einmal Duino vor mir, während ich hier beschäftigt bin, den dortigen Erinnerungen so nah als möglich zu kommen, in meiner Einsamkeit, an sie anzuschliessen, sie fortzusetzen - , das Verlorene mindestens in mir wieder aufzubauen!".
Während er also daran ging, die Elegien fortzusetzen, werden ihm unverhofft - so seine Formulierung - durch göttliche Inspiration, die Sonette an Orpheus geschenkt. Bis im Februar 1922 hat er die gesamte Elegiendichtung beendet. Und im Glück der Vollendung sieht er auch für sich selbst, wie im Werk, die Balance zwischen Klage und Jubel gefunden - gelungene Selbsttherapie. So sind die Duineser Elegien ein Balanceakt hohen Stils am Beginn der Moderne. Sie erscheinen 1923 in einer Vorzugs- und einer allgemeinen Ausgabe. 1925 verfasst Rilke in Muzot sein Testament. Am 4. Dezember, zu seinem 50. Geburtstag, ist er allein in Muzot. Am 29. Dezember 1926 stirbt er an Leukämie. Der Arzt der Klinik Val-Mont Dr. Haemmerli: "A 3 heures 30, il levait légèrement la tête les yeux grands ouverts et retombait mort dans mes bras. Il y avait Mme Wunderly et la garde..." Im Sarg wird Rilke aus der Klinik getragen und mit einem Schlitten in eine Kapelle gebracht,wo man ihn aufbahrt, bis er nach Raron überführt wird. Eine totenmaske wird nicht abgenommen, er wird auch nicht gezeichnet oder photographiert. Am 2. Januar: In eisiger Kälte wird Rilke auf dem Bergfriedhof von Raron beigesetzt, wie er es bestimmt hatte. In der Kirche, an deren Aussenmauer das Grab liegt, wird eine stille Messe gelesen. Alma Moodie spielt Bach. Es spricht für den Schweizerischen Schriftstellerverein und die Schweizerische Schillerstiftung Eduard Korrodi: "Ein paar Menschen nur stehen wir am Grab des doch von ungezählten Menschen geliebten Dichters.." Für die Freunde aus der französischen Schweiz ruft René Morax über das offene Grab: "Adieu, grand poète!". Später lässt die Fürstin Taxis durch Freunde einen Lorbeerkranz am Grabe niederlegen: "Au poète incomparable, au cher et fidèle ami".
Lieb wie du bist, hast du mir ein Foto der Kirche von Raron geschickt. Ich glaube, wir hatten genau dieses alte Bild in unserem Literaturbuch im Gymnasium. Es ist schon sehr alt, wie man am Vordergrund sehen kann. Man sieht an die Wand der Kirche, die zum Tal liegt. Das Rilke Grab ist ungefähr zwischen diesen beiden Kirchenfenstern, die man sieht. Es ist ganz einfach, eine Steintafel und ich glaube, ein Rosenstrauch. Ich habe ein schönes Foto vom Grab. Das will ich dir mal schicken, zusammen mit meiner Aufnahme von Muzot.
Vor dieser Mauer ist ein kleiner Hof. Und von dort sieht man hinunter ins Tal. Ich glaube, diesen Ausblick hat Rilke veranlasst, sein Grab dort oben zu wünschen. Der Ausblich ist nämlich wunderbar, zum Beispiel in die Abendsonne hinein, also gegen das Licht. Heute ist zwar das Tal ziemlich überbaut mit Häuser und Strassen. Aber ein bisschen kann man noch ahnen, wie es gewesen sein könnte. Es ist wirklich ein schöner Punkt, und es gibt oft ziemlich Wind dort oben. Liebe Marlena, du wirst deine Haare etwas binden müssen! Ach es ist schön im Wallis. Das Klima warm, die Menschen, diese Provenzalen so lieb und loyal und lebenslustig, und alles ist so nah beisammen in diesem Tal. In der Nacht siehst du rundum Lichter der Dörfer an den Berghängen. Du fühlst dich eingebettet wie in einem grossen Zimmer.
*
Vielleicht wartest du auf mein Mail. Vielleicht auch noch nicht. Ich bin froh, dass wir diesen Rilke haben. Er ist ein Kapitel der maladi. Und es ist mir eine schöne Gelegenheit, dieses und jenes wieder einmal nachzulesen.
Ich wünsche dir eine schöne Zeit mit deinen Lieben.
G&K
...
Here again
17 May 2007 23:37
subject Here again..
Lieber ...,
Wie ich sie vermisse, die Zeit wo ich ein Mail von dir sofort und
spontan beantworten konnte. Jetzt, wo ich dein Mail beantworten will,
habe ich wieder den Eindruck als würde ich mich wiederholen, denn ich
habe mich schon ausführlich mit dir über alles unterhalten. Aber davon
weisst du nichts und so werde ich wohl doch schreiben müssen. ;-)
Ja, ich weiss wie es ist, wenn jemand im Bekanntenkreis plötzlich
stirbt. Es ist mir so oft passiert, dass ich eigentlich nie mehr
richtig vergessen kann, dass das Ende eine Realität ist. Es tut mir
Leid, dass du einen netten Menschen in deiner neuen Umgebung verloren
hast.
Heute haben wir Regen..endlich möchte ich fast sagen, denn die Erde
war schon ganz ausgetrocknet. Und eigentlich ist es schön, wenn man
einen Tag in seinen vier Wänden verbringen kann. Ich habe auch einige
Post zu erledigen.
Ich hatte an eine Zwischenlandung bei meinem Bruder gedacht auf der
Reise nach Wien, aber nun habe ich erfahren, dass es das Grab meiner
Mutter nicht mehr gibt und so werde ich wohl lieber direkt fahren,
oder fliegen. Wie ich darauf reagiert habe? Gemischte Gefühle...
Du möchtest wissen, wie es mir geht, wie mein Leben ist. Wie soll ich
sagen? Vielleicht wie ein Aprilwetter. Sonne und Regen zugleich. Kommt
nur darauf an wohin ich meine Blicke richte. Aber so ist es für uns
alle, glaube ich.
---
So, ich glaube das wär's für heute. Es ist schon wieder spät geworden.
Ich wünsche dir alles Gute für den Tag. Vielleicht hast du einen
Klemmtag und bist garnicht im Büro. Tant pis!
Mit lieben Gs und Ks
Malou
subject Here again..
Lieber ...,
Wie ich sie vermisse, die Zeit wo ich ein Mail von dir sofort und
spontan beantworten konnte. Jetzt, wo ich dein Mail beantworten will,
habe ich wieder den Eindruck als würde ich mich wiederholen, denn ich
habe mich schon ausführlich mit dir über alles unterhalten. Aber davon
weisst du nichts und so werde ich wohl doch schreiben müssen. ;-)
Ja, ich weiss wie es ist, wenn jemand im Bekanntenkreis plötzlich
stirbt. Es ist mir so oft passiert, dass ich eigentlich nie mehr
richtig vergessen kann, dass das Ende eine Realität ist. Es tut mir
Leid, dass du einen netten Menschen in deiner neuen Umgebung verloren
hast.
Heute haben wir Regen..endlich möchte ich fast sagen, denn die Erde
war schon ganz ausgetrocknet. Und eigentlich ist es schön, wenn man
einen Tag in seinen vier Wänden verbringen kann. Ich habe auch einige
Post zu erledigen.
Ich hatte an eine Zwischenlandung bei meinem Bruder gedacht auf der
Reise nach Wien, aber nun habe ich erfahren, dass es das Grab meiner
Mutter nicht mehr gibt und so werde ich wohl lieber direkt fahren,
oder fliegen. Wie ich darauf reagiert habe? Gemischte Gefühle...
Du möchtest wissen, wie es mir geht, wie mein Leben ist. Wie soll ich
sagen? Vielleicht wie ein Aprilwetter. Sonne und Regen zugleich. Kommt
nur darauf an wohin ich meine Blicke richte. Aber so ist es für uns
alle, glaube ich.
---
So, ich glaube das wär's für heute. Es ist schon wieder spät geworden.
Ich wünsche dir alles Gute für den Tag. Vielleicht hast du einen
Klemmtag und bist garnicht im Büro. Tant pis!
Mit lieben Gs und Ks
Malou
über Religion
Liebe Malou
---
Wir werden also Dispute für und wider die Religion haben? Ich weiss,
dass es schwierig ist. Religion ist wie eine liebe alte Heimat.
Niemand lässt sich gerne daraus vertreiben. Man hat viele warme und
angenehme Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugend. Bei wichtigen
Lebensereignissen, Geburt, Erwachsenwerden, Weihnachten, Tod ist die
Kirche mit dabei. Natürlich kann man Religion als Privatsache durchaus
tolerieren. Aber viele wirklich gläubige Menschen können sie nicht nur
als Privatsache belassen. Sie wollen andere überzeugen, dass sie
selbst den richtigen Gott hätten. Ich habe das noch am Gymnasium
erlebt. Ich glaube, in den ersten Jahren gab es schon noch Lehrer und
Schüler, die bedauerten, dass wir Protestanten, im Speziellen ich als
Schüler oder als Kollege, dereinst zur Hölle fahren müssten. Und
weisst du, wie ich darauf reagierte? Ich hatte mit ihnen Mitleid, weil
sie sich solche Sorgen um mich machten. Lustig nicht? Sorgen auf zwei
Seiten um eigentlich gar nichts. Und gerade dies ist typisch für die
Religion. Sie schafft überall Sorgen um nichts. Na ja "nichts" ist
vielleicht ungenau formuliert. Sorgen ändern natürlich schon etwas an
dieser Welt. Insofern sind sie nicht nichts.
Der Gedanke an die ewige Wiedergeburt ist doch schön. Kannst du dich
nicht bereit erklären Malou, die Wiedergeburt in die katholische
Kirche einzuführen. Es gibt doch in den Walliser Sagen dieses häufige
Motiv, dass die armen Seelen, die irgendwo im Leben gesündigt hatten,
dort wieder auftauchen müssen, um ihre Schuld abzutragen. Und das
können sie nicht. Das heisst, sie kommen immer wieder und leiden unter
den Unruhen ewiger Sünden. Es gibt unzählige solcher Sagen. Und ich
glaube, Nietzsche hat seine Idee vielleicht sogar aus dem
Katholischen. Sie kennen die armen Seelen, die immer wieder an den
Ort des Unrechts zurückkehren müssen. Manchmal gibt es einen
Schlüssel, wie sie davon loskommen, ähnlich wie in den Märchen. Ein
Mensch muss vielleicht das Kreuzzeichen machen, muss ein Ave beten
oder so etwas. Es ist ein magischer Mechanismus, der den Weg zur
Erlösung freimacht.
(16 November 2007 08:08)
---
Wir werden also Dispute für und wider die Religion haben? Ich weiss,
dass es schwierig ist. Religion ist wie eine liebe alte Heimat.
Niemand lässt sich gerne daraus vertreiben. Man hat viele warme und
angenehme Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugend. Bei wichtigen
Lebensereignissen, Geburt, Erwachsenwerden, Weihnachten, Tod ist die
Kirche mit dabei. Natürlich kann man Religion als Privatsache durchaus
tolerieren. Aber viele wirklich gläubige Menschen können sie nicht nur
als Privatsache belassen. Sie wollen andere überzeugen, dass sie
selbst den richtigen Gott hätten. Ich habe das noch am Gymnasium
erlebt. Ich glaube, in den ersten Jahren gab es schon noch Lehrer und
Schüler, die bedauerten, dass wir Protestanten, im Speziellen ich als
Schüler oder als Kollege, dereinst zur Hölle fahren müssten. Und
weisst du, wie ich darauf reagierte? Ich hatte mit ihnen Mitleid, weil
sie sich solche Sorgen um mich machten. Lustig nicht? Sorgen auf zwei
Seiten um eigentlich gar nichts. Und gerade dies ist typisch für die
Religion. Sie schafft überall Sorgen um nichts. Na ja "nichts" ist
vielleicht ungenau formuliert. Sorgen ändern natürlich schon etwas an
dieser Welt. Insofern sind sie nicht nichts.
Der Gedanke an die ewige Wiedergeburt ist doch schön. Kannst du dich
nicht bereit erklären Malou, die Wiedergeburt in die katholische
Kirche einzuführen. Es gibt doch in den Walliser Sagen dieses häufige
Motiv, dass die armen Seelen, die irgendwo im Leben gesündigt hatten,
dort wieder auftauchen müssen, um ihre Schuld abzutragen. Und das
können sie nicht. Das heisst, sie kommen immer wieder und leiden unter
den Unruhen ewiger Sünden. Es gibt unzählige solcher Sagen. Und ich
glaube, Nietzsche hat seine Idee vielleicht sogar aus dem
Katholischen. Sie kennen die armen Seelen, die immer wieder an den
Ort des Unrechts zurückkehren müssen. Manchmal gibt es einen
Schlüssel, wie sie davon loskommen, ähnlich wie in den Märchen. Ein
Mensch muss vielleicht das Kreuzzeichen machen, muss ein Ave beten
oder so etwas. Es ist ein magischer Mechanismus, der den Weg zur
Erlösung freimacht.
(16 November 2007 08:08)
Montag, 11. Oktober 2010
François Mauriac
date 4 September 2006 13:11
subject Mission fulfilled..
Lieber Mausfreund,
Nun bin ich fertig mit dem was ich hier vorhatte. Ich liebe dieses Linköping und es tut gut mit ein wenig Abwechslung.
Jetzt werden wir nur noch einen Kaffee trinken (tue ich in Gedanken auch mit dir :-) und dann fahre ich los.
Es ist ein schöner sonniger Tag.. fast sommerlich.
Und was machst du, mein lieber Mausfreund? Lass bald etwas von dir hören. Ich sehnsuche dich. :-)
Mit lieben Grüssen und K,
Malou
PS Auf der Suche nach etwas französischem im Internet (möchte diese Sprache nicht vergessen) habe ich ein paar wunderbare Aussagen über Bücher von François Mauriac gefunden. Er war und ist mein absoluter Favorit unter den Franzosen. Bekomme grosse Lust die Bücher nochmals zu lesen.
.....
Le noeud de vipères
(Livre de Poche, 1973, 287 pages)
J'ai trouvé dans ma bibli ce roman de Mauriac dont le titre était inspirant. C'est le journal d'un homme à la fin de sa vie. Il observe sa famille qui attend sa mort pour hériter. C'est l'occasion pour lui d'écrire à sa femme les raisons de la haine qui l'oppose aux siens. On découvre très vite qu'il faut remonter au tout début de leur mariage (d'amour pour lui, d'intérêt pour elle). Cet homme détesté de tous se dévoile tout au long de son monologue. Il devient attachant, touchant. Il évolue lui aussi au fil de son journal, et celui qui se disait incapable d'aimer, est en réalité rempli d'amour...
*
François Mauriac est un grand écrivain. Son style est superbe, les phrases sont puissantes et chaque mot est choisi avec soin. Il m'a fallu prendre mon temps pour savourer et m'approprier son style. Pour moi, c'est une redécouverte. Vos critiques de Thérèse Desqueyroux m'ont donné envie de le relire. Un plaisir supplémentaire: chercher les livres de Mauriac chez les bouquinistes.
*
J'ai découvert Mauriac sur le tard, il y a un an. Mon ex m'avait prêté "Génitrix" et là j'avais flanché... un choc, un vrai, comme je ne m'attendais plus à en avoir (en tout cas pas avec des auteurs dits "classiques"). Du coup j'ai acheté quasiment tout Mauriac, et je lis ça au compte-goutte, un peu à l'occasion. Après "Génitrix" donc, il y eut "Thérèse Desqueyroux" (re-choc) puis "Le fleuve de feu" (nettement moins choc, voir carrément ennuyeux d'ailleurs j'étais persuadé de l'avoir critiqué ici mais bon...).
Et donc, "Le noeud de vipères". Une lettre. Une longue lettre d'un vieil homme mourant adressée à son épouse. Qu'il déteste. On ne sait pas trop pourquoi mais on va le comprendre assez rapidement. D'autant que depuis son lit de mort, il ourdit sa vengeance.
Le début est époustoufflant; on frise le nihilisme absolu. Vingt pages gorgées de haine : le fond remue les tripes, la forme coupe le souffle. Depuis combien d'années (de siècles?) une poignée de pages ne m'avait-elle à ce point remué? Le soufflet retombe un peu par la suite, mais ces vingt premières pages méritent à elles seules l'achat du livre. Vingt pages soit donc une vingtaine de minutes durant lesquelles j'ai eu honte d'avoir un jour eu des prétentions littéraires.
La suite, donc... un texte court et sinueux, une écriture habitée conférant un impact inattendu à un drame de l'incommunicabilité somme toute très conventionnel. Comme toutes les histoires de Mauriac, celle-ci n'a rien d'exceptionnelle - elle est même stupéfiante de banalité. C'est la manière qui fait toute la différence... Et là encore on s'extasie : car le style de Mauriac est tout ce qu'il y a de classique, mais traversé d'une furie inexplicable qui atteint le lecteur et le renvoie à ses propres hantises (ou à sa propre culpabilité, selon les cas).
On ne sort définitivement pas indemne d'un livre de Mauriac. Dans "Le noeud de vipères" comme dans "Génitrix" ou d'autres, les caractère sont oppressants, les climats étouffants, et la phrase la plus banale peut tout à coup sembler terriblement dérangeante. Si je voulais user d'un raccourci un peu pataud, je dirais que, tandis que Bukowski a écrit les "Contes de la folie ordinaire", Mauriac à écrit les "Chroniques de la haine ordinaire".
...
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