Halo meine liebe Wand
Liebe Marlena
Ach meine Liebe, Du bringst mich echt in Not. Deine Mails sind
zuckersüss und klitzeklein wie Surfin-Pralinen, aber ich brauch mal
wieder ein echtes breites gepfeffertes Bergarbeiter-Steak, das mir ein
tüchtiges Fundament abgibt. Verstehst du meine Not? Der Turm bröselt
dahin!
With one incentive & intensive kiss
und mach es gut, mein Turmfräulein
Gruss ...
Ein Steak?
Lieber ...!
Ich habe eine etwas längere Mittagspause heute und so werde ich
versuchen (so wie du es tust) einen kleinen Teil meines Mails zu
schreiben.
Die Sonne scheint so schön hier und das Thermometer zeigt (hör
und staune) +26 Grad. Aber das ist natürlich an der Wand auf der
Südseite des Hauses. Sonst ist die Luft noch ziemlich kühl. Ich
wünsche dass ich heute keine Konferenz hätte und endlich die
Bäume beschneiden könnte.
Als wir dieses Haus kauften (neugebaut) ging ich einen "Garten-kurs"
und lernte viel von dem ich früher keine Ahnung hatte. Ich tat es
zusammen mit der damaligen Nachbarin und es machte einen
Riesenspass. Ich glaube der Leiter des Kurses hatte ein spezielles
Auge zu uns beiden jungen lebenslustigen "Mädchen".
Ich hatte übrigens seinen Sohn ein Jahr in Französisch gehabt :-)
Bei dem Kurs lernten wir u.a. wo man was pflanzen kann, wie man die
Erde behandelt, wie man einen Rasen anlegt u.s.w. Das ganze endete
mit einem Tagesausflug mit dem "Gartenverein" zu dem wir uns
anmeldeten.
Es war meine erste Erfahrung von dem Pensionistenleben ;-) Damals
hatte ich noch die Vorstellung dass man, wenn man so um die 60 ist,
nicht mehr zu den lebenden Wesen zählt *lacht* Aber auf dieser Reise
habe ich umgelernt. Schon im Bus herrschte eine sehr gute Stimmung.
Einige der Männer konnten vortrefflich Witze erzählen, andere konnten
sogar Gedichte bekannter schwedischer Schriftsteller in Dialekt vortragen.
Das gibt ihnen ja einen ganz besonderen Reiz .Auf diese Weise wurde es
wie eine kleine Kulturreise.
Alle waren sehr froh gelaunt mit einer Beredsamkeit die man
normalerweise nicht von einem Schweden erwartet. Die Erklärung
bekam ich später. Eine kleine Ausbuchtung ihrer Brusttasche führte
mich auf die Spur. (kleine Flasche mit belebendem Inhalt ;-)
Die Frauen ihrerseits führten Obst aus ihren Gärten mit. Herrlich
saftige Birnen, interessante Apfelsorten u.s.w. die sie uns zum
schmecken anboten. Und alle schienen sich etwas extra zu freuen
darüber dass auch die Jugend an dem Ausflug teilnahm. Ausser uns
beiden war nur noch ein junger Mann dabei, ein "Muttis Söhnchen"
der wahrscheinlich (so glaubte ich jedenfalls) niemals seine Mutter
verlassen würde. Das Ziel unsere Reise war eine wunderschöne
Gegend mit einem Berg wo wir beim Mittagessen auf der Terrasse
die schöne Landschaft bewundern konnten und eine grosse Garten-
anlage wo alles zu finden war,was man so für einen Garten brauchen
kann. Ich konnte es nicht lassen und kaufte zwei kleine Thujen die
wir dann beim Eingang pflanzten. Jetzt sind sie schon über 3 Meter
hoch geworden und sehen majestätisch aus.
...
Donnerstag, 15. April 2010
Mittwoch, 14. April 2010
erste Liebesgeschichte
Liebe Marlena
---
Ich habe dir meine erste Liebesgeschichte versprochen, ich glaube nicht, dass ich sie sonst je schon jemandem erzählt hätte. Für dich Marlena mach ich das und ein bisschen auch für mich. Hier ist sie. Sie endet eigentlich ein bisschen traurig. Und sie spielt in L..
Leider kann ich dir nicht sagen, wie sie hiess. Hiess sie Vreni? Es könnte sein. Doch als ich älter war, hatte ich immer eine gewisse Abneigung gegen diesen Namen. Ihren Familiennamen aber weiss ich noch. Sie war damals ungefähr ein Kopf kleiner als ich, hatte wundervolles kastanienbraunes Haar, das hinten zu einem Schwänzchen zusammengebunden war. Mein Leben lang sollte ich dann für solche Schwänze eine Schwäche haben. Fast die ganze Jugendzeit unterschied ich zwischen Kameradinnen mit Schwänzchen und Kameradinnen ohne Schwänzchen. Es grenzte an Rassismus!
Meine Vreni besuchte wie ich die zweite Klasse im grossen Schulhaus bei Frau H. im Zentrum der Stadt L, wo wir damals wohnten. Wir selbst wohnten am Fusse des schönen Schlossbergs, in einem riesengrossen Haus mit einem unendlich weitläufigen Garten, der am Schlosshang auf mehreren Etagen angeordnet war. Hier, im Nachbarhaus, hatte früher einmal der grosse Dichter Frank Wedekind gewohnt. Dessen Vater war um die Jahrhundertwende noch Besitzer des Schlosses gewesen und Wedekind hatte die Schulen im Ort und schliesslich die Kantonsschule von Aarau besucht. Aber Wedekind war ein schwieriger Sohn mit heftigen pubertären Ausbrüchen und wilden erotischen Fantasien. Ich habe mich nie überwinden können, wirklich etwas von ihm zu lesen. Obwohl er im Grunde ein Zeitgenosse Rilkes gewesen ist. Beide lebten sie am Ende des letzten Jahrhunderts. Wahrscheinlich war Wedekind etwas jünger?
Ein Junge mit wüsten erotischen Fantasien war ich nun ja in der zweiten Klasse noch nicht. Mein Problem war allerdings, dass Vreni am anderen Ende der grossflächigen Ortschaft wohnte. Ich wusste damals, als kleiner Zweitklässler, nicht, wo das war. Aber später konnte ich feststellen, dass sie täglich einen ziemlich ähnlich weiten Schulweg zu gehen hatte, wie ich ihn auch ging. Ich musste den alten Markt hinunter, dann über den Kirchplatz und an der Post vorbei, um den kleinen Weg zu erreichen, der dann über den Aabach direkt und geradewegs zum Haupteingang des grossen Schulhauses führte. Das grosse Haus, das man in gut zwei Stunden bestens als Militärkaserne hätte einrichten können, stand erhöht am Ende dieses Weges, der schliesslich über eine Treppe auf dem Schulhof endete. Und wenn man diese hohe und disziplinierte Fassade anschaute, so konnte einem kleinen Zweitklässler schon ein Schauer über den Rücken gehen. Wenn ich heute ein Schulhaus zeichne, so zeichne ich dieses Schulhaus mit dieser monströsen Fassade, die wenig Erbarmen zeigte.
Vreni kam nun aber von der Aarauerstrasse her, von der Hinterseite also, und musste kurz vor dem Schulhaus noch die bewachten Geleise der Seetalbahn überqueren. Die Seetalbahn konnte man oft während des Unterrichtes hören, denn bevor sie diesen Übergang passierte, pflegte sie einen fröhlichen Pfiff in die Luft zu lassen. Und wenn wir im Unterricht der zweiten Klasse sassen und schwer mit Buchstaben und Additionen bis etwa 100 kämpften, so war so ein Pfiff wie ein rettender Beweis, dass es die Welt draussen auch noch gab. Es war wie der aufmunternde Zuruf, dass dieser unendlich lange Vormittag doch irgendwann zu Ende gehen würde, und dass wir dann wieder hinaus in die Welt konnten, um richtig durchzutamten. Es hatte auf diesem grossen Pausenhof riesige rote Buchen, die ja sehr schöne Bäume sind. Und im Spätsommer pflegten diese kleinen Nüsschen auf dem Boden zu liegen, mit den drei Kanten. Man biss sie auf einer seite auf und konnte darin ein wintzigkleines Nüsschen finden. Winzigklein, zugegeben, schmeckte aber prächtig.
Ich mochte Vreni, und ich glaube sagen zu können, dass sie mich auch mochte. Das war schon einmal ein wunderbares Gefühl. Sowas Feines hatte ich bis dahin im Sandkasten und in unserem grossen Garten noch nicht erlebt, diese wunderbare Übereinstimmung mit einem anderen Menschen. Es war das selige Gefühl, dass da ein anderer Mensch war, der ebenso fühlte, der ebenso in die Schule gehen musste, der Ähnliches im Sinn hatte.
Ich war kein besonders guter Zweitklässler. Manchmal war ich etwas Vorlaut. Ich erinnere mich, dass ich der Lehrerin einmal "Viel Vergnügen" wünschte, als sie vorzeitig aus dem Unterricht weg musste. Und sie klärte mich kurz auf, dass diese Formulierung schlecht passte, wenn jemand zu einem Begräbnis gehen musste. Ein mal las die Lehrerin ein Gedicht vor, und wollte uns Kinder fragen, ob wir es auch verstanden hatten. Wir waren etwa 40 Schüler in dieser Klasse. Und keiner hatte es wirklich verstanden. Aber ich hob keck die Hand und gab eine Interpretation. Sie muss ein bisschen eigenwillig gewesen sein. Wenn ich mich richtig erinnere, hat die Miene der Lehrerin nicht angezeigt, dass sie meinen Lichtblick bewundert hätte. Aber immerhin hatte ich den Mut, denn all die anderen 39 sassen mausestill und wollten dieses kleine Gedichtlein (...) Reni und ich üblicherweise noch ein Stück zusammen, obwohl wir ja nun absolut nicht den gleichen Schulweg hatten. Als Gentleman begleitete ich sie in ihre Richtung bis zum Turnplatz. Der Platz war wunderbar. Er war umgeben von Linden und wenn es regnete oder kurz vorher geregnet hatte, so war hier alles tropfnass und klebte, wohin man trat. Auf diesem Rasen verbrachten wir noch ein paar Minuten, oder waren es Viertelstunden? Wir vergnügten uns am Reck, machten Überschläge und hangelten an den Stangen herum, sprangen in die Erdkissen, bis die Schuhe voller Sand waren. Und irgendeinmal, vielleicht nach einer halben Stunde trennten wir uns dann. Sie ging die Aarauerstrasse hinaus mit ihrem kecken Schwänzchen, das lustig hin und her baumelte, in eine unbekannte Welt, die ich nicht kannte. Und ich ging dann eben die Aarauerstrasse hinein Richtung Stadt. Beim Kino konnte ich so noch die grossen Fotoauslagen anschauen. Sie waren schwarz-weiss, aber sehr eindrucksvoll. Man konnte auch sehen, dass die Frauen, mit ihren dunkeln Lippen, ziemlich dick aufgetragen hatten.
So hatte ich mit Vreni eine stille Freundschaft, und wahrscheinlich wusste ausser uns zweien niemand auf der Welt davon. Allerdings, das sollte anders kommen. Einmal, an einem freien Nachmittag schickte mich meine Mutter in die Wisa-Gloria, wo ich unser Dreirad-Velo holen sollte, das man dort wieder in Stand gestellt hatte. Das war eine interessante Aufgabe, fand ich, denn einen solch weiten Weg mit dem Velo zu fahren, das versprach einige Abenteuer. Auf dem Rückweg von der Fabrik mit meinem kleinen Velo nahm ich nicht gleich den direkten Weg. Und irgendwie landete ich in der Nähe der Post. Neben der Post lag zu dieser Zeit ein grosses Lager an Bauholz. Hier wurde irgendwie gearbeitet. Und mein Glück wollte, dass auch Vreni hier war. Meine Erinnerungen um diese Situation sind sehr dunkel. Aber irgendwoe taucht da so ein Licht auf. Und meine kleine Geliebte lud mich ein, mit einem riesigen gelben Lastwagen mitzufahren. Erst später erfuhr ich genauer, dass ihr Vater ein grosses Baugeschäft hatte. Unter seinem Namen fuhren in Lenzburg etliche Lastwagen und Baumaschinen und Walzen umher. Eine solche Einladung konnte ich mir nicht entgehen lassen. So stellte ich mein Velo rasch unter eine kleine Holzbeige und kletterte hoch hinauf in diese riesige Fahrerkabine des laut ratternden Lastwagens. Das war ein strammes Gefühl! Alles rundum war zwar ein bisschen gross und ein bisschen grob, man konnte sich kaum halten, und alles wackelte und vibrierte und lärmte und man konnte kaum hinunter auf die Strasse sehen. Wir zwei Kinder wackelten auf dem riesigen Ledersitz hin und her und rutschten bei jeder Kurve in eine andere Ecke. Vreni gab sich so, als ob sie tagtäglich solche Fahrten unternehmen würde. Sie war aber ganz und gar nicht überheblich, zeigte keinen Ansatz von Überlegenheit, sondern half mir da und dort, informierte mich wie selbstverständlich, zeigte mir dies und jenes. Und ich war einfach Auge und Ohr und schaute diesem Chauffeur zu, wie er auf der schmalen Strasse hoch oben vorankam und schaute in die grüne Landschaft hinaus, die schüttelte und so unwirklich daherkam. Wir fuhren in irgend eine Kiesgrube in der Nähe Lenzburgs. Und ich vergass mich völlig und staunte rundum und - wenn ich ehrlich sein sollte - vergass auch ein bisschen meine Vreni, die galante junge Gastgeberin.
Keine Ahnung, wie lange dieses grosse Ereignis gedauert hatte. Doch als wir wieder zuruckkamen, fand ich mein kleines Velo verbogen und kaputt unter der Holzbeige. Es war nicht mehr zu fahren. Irgendwelche älteren Buben, wohl die aus der berüchtigten Eisengasse, sie mussten es benutzt und kaputtgefahren haben. Ich hatte keine Ahnung, ob dieser Defekt schlimm war oder nicht so schlimm war. Auf jeden Fall war es nicht mehr zu gebrauchen. Ich musste es zu Fuss heimschleppen. Und das war schon ein Stück weg und es hatte bestimmt schon vier oder gar fünf Uhr geschlagen. Klammheimlich versorgte ich den Schrott im Schopf hinter dem Haus, ohne auch nur irgend jemandem ein Sterbenswörtchen zu sagen. Dass dieses Velo gleich wieder in die Wisa-Gloria zur erneuten Reparatur musste, das stellte meine Mutter erst ein paar Tage später mit Erstaunen und einigem Ärger fest. Man muss annehmen, dass sie mich bei dieser Gelegenheit unter ein hartes Verhör genommen hatte. Doch daran kann ich mich nun ganz und gar nicht mehr erinnern.
Kurz vor Weihnachten in der zweiten Klasse zogen wir dann von L. ins Wallis, in diese wilde Landschaft mit viel Schnee und Häuser mit steinigen Dächern. So habe ich meine Vreni aus den Augen verloren.
Später, viele Jahre später, als meine Mutter bereits tot war, habe ich zufällig in einer Zeitung die Meldung gelesen, dass diese Vreni auf der Aarauerstrasse von einem Auto angefahren und tödlich verletzt worden war. Damals wurden in den Zeitungen noch Namen genannt. Ich war geschockt, diesen Namen in diesem traurigen Zusammenhang wieder lesen zu müssen. Ich, und auch sie folgedessen, muss etwa im Pupertätsalter gewesen sein. Unsere Mutter war gestorben, meine erste Freundin war gestorben. Ich hatte eine zeitlang die Vorstellung, was immer ich liebe, es würde zugrunde gehen müssen.
Das ist ein trauriges Ende. Doch die kleine Liebe war schön und frisch und kindlich vergnügt gewesen.
Erzähl mir bei Gelegenheit von deiner Trauer? Ich bin deswegen ein bisschen in Sorge, obwohl ich keine Ahnung habe, was da zum Vorschein kommen könnte.
Ich wünsche dir eine wunderschöne Zeit mit deinen Lieben, Marlena.
Mit einem schönen Gruss
...
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Ich habe dir meine erste Liebesgeschichte versprochen, ich glaube nicht, dass ich sie sonst je schon jemandem erzählt hätte. Für dich Marlena mach ich das und ein bisschen auch für mich. Hier ist sie. Sie endet eigentlich ein bisschen traurig. Und sie spielt in L..
Leider kann ich dir nicht sagen, wie sie hiess. Hiess sie Vreni? Es könnte sein. Doch als ich älter war, hatte ich immer eine gewisse Abneigung gegen diesen Namen. Ihren Familiennamen aber weiss ich noch. Sie war damals ungefähr ein Kopf kleiner als ich, hatte wundervolles kastanienbraunes Haar, das hinten zu einem Schwänzchen zusammengebunden war. Mein Leben lang sollte ich dann für solche Schwänze eine Schwäche haben. Fast die ganze Jugendzeit unterschied ich zwischen Kameradinnen mit Schwänzchen und Kameradinnen ohne Schwänzchen. Es grenzte an Rassismus!
Meine Vreni besuchte wie ich die zweite Klasse im grossen Schulhaus bei Frau H. im Zentrum der Stadt L, wo wir damals wohnten. Wir selbst wohnten am Fusse des schönen Schlossbergs, in einem riesengrossen Haus mit einem unendlich weitläufigen Garten, der am Schlosshang auf mehreren Etagen angeordnet war. Hier, im Nachbarhaus, hatte früher einmal der grosse Dichter Frank Wedekind gewohnt. Dessen Vater war um die Jahrhundertwende noch Besitzer des Schlosses gewesen und Wedekind hatte die Schulen im Ort und schliesslich die Kantonsschule von Aarau besucht. Aber Wedekind war ein schwieriger Sohn mit heftigen pubertären Ausbrüchen und wilden erotischen Fantasien. Ich habe mich nie überwinden können, wirklich etwas von ihm zu lesen. Obwohl er im Grunde ein Zeitgenosse Rilkes gewesen ist. Beide lebten sie am Ende des letzten Jahrhunderts. Wahrscheinlich war Wedekind etwas jünger?
Ein Junge mit wüsten erotischen Fantasien war ich nun ja in der zweiten Klasse noch nicht. Mein Problem war allerdings, dass Vreni am anderen Ende der grossflächigen Ortschaft wohnte. Ich wusste damals, als kleiner Zweitklässler, nicht, wo das war. Aber später konnte ich feststellen, dass sie täglich einen ziemlich ähnlich weiten Schulweg zu gehen hatte, wie ich ihn auch ging. Ich musste den alten Markt hinunter, dann über den Kirchplatz und an der Post vorbei, um den kleinen Weg zu erreichen, der dann über den Aabach direkt und geradewegs zum Haupteingang des grossen Schulhauses führte. Das grosse Haus, das man in gut zwei Stunden bestens als Militärkaserne hätte einrichten können, stand erhöht am Ende dieses Weges, der schliesslich über eine Treppe auf dem Schulhof endete. Und wenn man diese hohe und disziplinierte Fassade anschaute, so konnte einem kleinen Zweitklässler schon ein Schauer über den Rücken gehen. Wenn ich heute ein Schulhaus zeichne, so zeichne ich dieses Schulhaus mit dieser monströsen Fassade, die wenig Erbarmen zeigte.
Vreni kam nun aber von der Aarauerstrasse her, von der Hinterseite also, und musste kurz vor dem Schulhaus noch die bewachten Geleise der Seetalbahn überqueren. Die Seetalbahn konnte man oft während des Unterrichtes hören, denn bevor sie diesen Übergang passierte, pflegte sie einen fröhlichen Pfiff in die Luft zu lassen. Und wenn wir im Unterricht der zweiten Klasse sassen und schwer mit Buchstaben und Additionen bis etwa 100 kämpften, so war so ein Pfiff wie ein rettender Beweis, dass es die Welt draussen auch noch gab. Es war wie der aufmunternde Zuruf, dass dieser unendlich lange Vormittag doch irgendwann zu Ende gehen würde, und dass wir dann wieder hinaus in die Welt konnten, um richtig durchzutamten. Es hatte auf diesem grossen Pausenhof riesige rote Buchen, die ja sehr schöne Bäume sind. Und im Spätsommer pflegten diese kleinen Nüsschen auf dem Boden zu liegen, mit den drei Kanten. Man biss sie auf einer seite auf und konnte darin ein wintzigkleines Nüsschen finden. Winzigklein, zugegeben, schmeckte aber prächtig.
Ich mochte Vreni, und ich glaube sagen zu können, dass sie mich auch mochte. Das war schon einmal ein wunderbares Gefühl. Sowas Feines hatte ich bis dahin im Sandkasten und in unserem grossen Garten noch nicht erlebt, diese wunderbare Übereinstimmung mit einem anderen Menschen. Es war das selige Gefühl, dass da ein anderer Mensch war, der ebenso fühlte, der ebenso in die Schule gehen musste, der Ähnliches im Sinn hatte.
Ich war kein besonders guter Zweitklässler. Manchmal war ich etwas Vorlaut. Ich erinnere mich, dass ich der Lehrerin einmal "Viel Vergnügen" wünschte, als sie vorzeitig aus dem Unterricht weg musste. Und sie klärte mich kurz auf, dass diese Formulierung schlecht passte, wenn jemand zu einem Begräbnis gehen musste. Ein mal las die Lehrerin ein Gedicht vor, und wollte uns Kinder fragen, ob wir es auch verstanden hatten. Wir waren etwa 40 Schüler in dieser Klasse. Und keiner hatte es wirklich verstanden. Aber ich hob keck die Hand und gab eine Interpretation. Sie muss ein bisschen eigenwillig gewesen sein. Wenn ich mich richtig erinnere, hat die Miene der Lehrerin nicht angezeigt, dass sie meinen Lichtblick bewundert hätte. Aber immerhin hatte ich den Mut, denn all die anderen 39 sassen mausestill und wollten dieses kleine Gedichtlein (...) Reni und ich üblicherweise noch ein Stück zusammen, obwohl wir ja nun absolut nicht den gleichen Schulweg hatten. Als Gentleman begleitete ich sie in ihre Richtung bis zum Turnplatz. Der Platz war wunderbar. Er war umgeben von Linden und wenn es regnete oder kurz vorher geregnet hatte, so war hier alles tropfnass und klebte, wohin man trat. Auf diesem Rasen verbrachten wir noch ein paar Minuten, oder waren es Viertelstunden? Wir vergnügten uns am Reck, machten Überschläge und hangelten an den Stangen herum, sprangen in die Erdkissen, bis die Schuhe voller Sand waren. Und irgendeinmal, vielleicht nach einer halben Stunde trennten wir uns dann. Sie ging die Aarauerstrasse hinaus mit ihrem kecken Schwänzchen, das lustig hin und her baumelte, in eine unbekannte Welt, die ich nicht kannte. Und ich ging dann eben die Aarauerstrasse hinein Richtung Stadt. Beim Kino konnte ich so noch die grossen Fotoauslagen anschauen. Sie waren schwarz-weiss, aber sehr eindrucksvoll. Man konnte auch sehen, dass die Frauen, mit ihren dunkeln Lippen, ziemlich dick aufgetragen hatten.
So hatte ich mit Vreni eine stille Freundschaft, und wahrscheinlich wusste ausser uns zweien niemand auf der Welt davon. Allerdings, das sollte anders kommen. Einmal, an einem freien Nachmittag schickte mich meine Mutter in die Wisa-Gloria, wo ich unser Dreirad-Velo holen sollte, das man dort wieder in Stand gestellt hatte. Das war eine interessante Aufgabe, fand ich, denn einen solch weiten Weg mit dem Velo zu fahren, das versprach einige Abenteuer. Auf dem Rückweg von der Fabrik mit meinem kleinen Velo nahm ich nicht gleich den direkten Weg. Und irgendwie landete ich in der Nähe der Post. Neben der Post lag zu dieser Zeit ein grosses Lager an Bauholz. Hier wurde irgendwie gearbeitet. Und mein Glück wollte, dass auch Vreni hier war. Meine Erinnerungen um diese Situation sind sehr dunkel. Aber irgendwoe taucht da so ein Licht auf. Und meine kleine Geliebte lud mich ein, mit einem riesigen gelben Lastwagen mitzufahren. Erst später erfuhr ich genauer, dass ihr Vater ein grosses Baugeschäft hatte. Unter seinem Namen fuhren in Lenzburg etliche Lastwagen und Baumaschinen und Walzen umher. Eine solche Einladung konnte ich mir nicht entgehen lassen. So stellte ich mein Velo rasch unter eine kleine Holzbeige und kletterte hoch hinauf in diese riesige Fahrerkabine des laut ratternden Lastwagens. Das war ein strammes Gefühl! Alles rundum war zwar ein bisschen gross und ein bisschen grob, man konnte sich kaum halten, und alles wackelte und vibrierte und lärmte und man konnte kaum hinunter auf die Strasse sehen. Wir zwei Kinder wackelten auf dem riesigen Ledersitz hin und her und rutschten bei jeder Kurve in eine andere Ecke. Vreni gab sich so, als ob sie tagtäglich solche Fahrten unternehmen würde. Sie war aber ganz und gar nicht überheblich, zeigte keinen Ansatz von Überlegenheit, sondern half mir da und dort, informierte mich wie selbstverständlich, zeigte mir dies und jenes. Und ich war einfach Auge und Ohr und schaute diesem Chauffeur zu, wie er auf der schmalen Strasse hoch oben vorankam und schaute in die grüne Landschaft hinaus, die schüttelte und so unwirklich daherkam. Wir fuhren in irgend eine Kiesgrube in der Nähe Lenzburgs. Und ich vergass mich völlig und staunte rundum und - wenn ich ehrlich sein sollte - vergass auch ein bisschen meine Vreni, die galante junge Gastgeberin.
Keine Ahnung, wie lange dieses grosse Ereignis gedauert hatte. Doch als wir wieder zuruckkamen, fand ich mein kleines Velo verbogen und kaputt unter der Holzbeige. Es war nicht mehr zu fahren. Irgendwelche älteren Buben, wohl die aus der berüchtigten Eisengasse, sie mussten es benutzt und kaputtgefahren haben. Ich hatte keine Ahnung, ob dieser Defekt schlimm war oder nicht so schlimm war. Auf jeden Fall war es nicht mehr zu gebrauchen. Ich musste es zu Fuss heimschleppen. Und das war schon ein Stück weg und es hatte bestimmt schon vier oder gar fünf Uhr geschlagen. Klammheimlich versorgte ich den Schrott im Schopf hinter dem Haus, ohne auch nur irgend jemandem ein Sterbenswörtchen zu sagen. Dass dieses Velo gleich wieder in die Wisa-Gloria zur erneuten Reparatur musste, das stellte meine Mutter erst ein paar Tage später mit Erstaunen und einigem Ärger fest. Man muss annehmen, dass sie mich bei dieser Gelegenheit unter ein hartes Verhör genommen hatte. Doch daran kann ich mich nun ganz und gar nicht mehr erinnern.
Kurz vor Weihnachten in der zweiten Klasse zogen wir dann von L. ins Wallis, in diese wilde Landschaft mit viel Schnee und Häuser mit steinigen Dächern. So habe ich meine Vreni aus den Augen verloren.
Später, viele Jahre später, als meine Mutter bereits tot war, habe ich zufällig in einer Zeitung die Meldung gelesen, dass diese Vreni auf der Aarauerstrasse von einem Auto angefahren und tödlich verletzt worden war. Damals wurden in den Zeitungen noch Namen genannt. Ich war geschockt, diesen Namen in diesem traurigen Zusammenhang wieder lesen zu müssen. Ich, und auch sie folgedessen, muss etwa im Pupertätsalter gewesen sein. Unsere Mutter war gestorben, meine erste Freundin war gestorben. Ich hatte eine zeitlang die Vorstellung, was immer ich liebe, es würde zugrunde gehen müssen.
Das ist ein trauriges Ende. Doch die kleine Liebe war schön und frisch und kindlich vergnügt gewesen.
Erzähl mir bei Gelegenheit von deiner Trauer? Ich bin deswegen ein bisschen in Sorge, obwohl ich keine Ahnung habe, was da zum Vorschein kommen könnte.
Ich wünsche dir eine wunderschöne Zeit mit deinen Lieben, Marlena.
Mit einem schönen Gruss
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Dienstag, 13. April 2010
Sigmund Freuds Praxis
(Fortsetzung von "1. April")
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Allerdings kenne ich Wien kaum. Ich hab einiges vom Zentralfriedhof und vom Burgtheater gehört. Doch an die Berggasse 19 (glaube ich) kann ich mich noch bestens erinnern. Das war Dr. Sigmund Freuds Praxis, und damals, als junger Student, habe ich das alles mit offenen Ohren und Augen aufgenommen. Die Couch war eine etwas heruntergekommene Liege mit einem teppichähnlichen (oder kelimähnlich??) Überwurf. Und auf dem Pult standen viele Statuetten, die Professor Freud von seinen reichen Patientinnen zum Abschluss der Analyse bekommen hatte. Das war eine offizielle Abmachung mit den Patienten damals. Und da lag auch sein riesiger Füllfeder, ein wahres Phallussymbol!! Eine solche grandiose Füllfeder habe ich mir dann jahrelang gewünscht und viel davon geträumt. Ich hatte wohl die Idee, dass ich damit noch viel schöner und besser und überzeugender schreiben könnte. Erst vor einigen Jahren habe ich eine solche Mammut-Feder als Geschenk erhalten. Das war anlässlich meines Präsidialjahres im ... Club. Die Kollegen haben mir sie geschenkt. Sie fasst gar ein ganzes Weinglas voller Tinte. Das ist sehr gut, ausser, wenn sie zu tropfen anfängt. Dann ist die gesamte Wäsche dahin. So lass ich dieses riesige Ungetüm in der Regel zuhause, wegen des Risikos von Inkontinenz, wie der Arzt sagen würde.
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Allerdings kenne ich Wien kaum. Ich hab einiges vom Zentralfriedhof und vom Burgtheater gehört. Doch an die Berggasse 19 (glaube ich) kann ich mich noch bestens erinnern. Das war Dr. Sigmund Freuds Praxis, und damals, als junger Student, habe ich das alles mit offenen Ohren und Augen aufgenommen. Die Couch war eine etwas heruntergekommene Liege mit einem teppichähnlichen (oder kelimähnlich??) Überwurf. Und auf dem Pult standen viele Statuetten, die Professor Freud von seinen reichen Patientinnen zum Abschluss der Analyse bekommen hatte. Das war eine offizielle Abmachung mit den Patienten damals. Und da lag auch sein riesiger Füllfeder, ein wahres Phallussymbol!! Eine solche grandiose Füllfeder habe ich mir dann jahrelang gewünscht und viel davon geträumt. Ich hatte wohl die Idee, dass ich damit noch viel schöner und besser und überzeugender schreiben könnte. Erst vor einigen Jahren habe ich eine solche Mammut-Feder als Geschenk erhalten. Das war anlässlich meines Präsidialjahres im ... Club. Die Kollegen haben mir sie geschenkt. Sie fasst gar ein ganzes Weinglas voller Tinte. Das ist sehr gut, ausser, wenn sie zu tropfen anfängt. Dann ist die gesamte Wäsche dahin. So lass ich dieses riesige Ungetüm in der Regel zuhause, wegen des Risikos von Inkontinenz, wie der Arzt sagen würde.
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Sonntag, 11. April 2010
ein "drittes Auge"
den 25 april 2000 23:34
Re: Post scriptum
Liebe Marlena
Bei mir hat es in der Tat gewirkt! Es funktioniert! Du schaust mich mit fragenden Augen an?
Unser §2 wirkt wie ein Depotpräparat, das der Arzt unter die Haut setzt und das seine Wirkung langsam abgibt. Unsere maladi gibt mir tatsächlich eine gewisse innere Zufriedenheit und ein Gefühl der Heiterkeit. Es ist, wie wenn du einen kleinen Schatz mit dir herumträgst. Und wenn dich etwas enervieren will, so merkst du bald, dass das nicht so schnell läuft, weil es doch daneben Dinge und Werte gibt, die viel wichtiger sind und die viel dauerhafter hinhalten. Also bei mir hat es gewirkt, meine Liebe, und ich glaube, dafür muss ich mich bei dir bedanken. Wie denn kann ich das tun?
Ein zweites habe ich bemerkt. Es ist soetwas wie ein "drittes Auge", das einen begleitet. Ich habe oft Dinge gesehen, beispielsweise in der Natur, von der ich weiss, dass du dich ihr nah fühlst, und ich hatte den spontanen Wunsch, sie dir zu zeigen, zu wissen, wie die sie sehen würdest. Morgens um halb sechs hat eine Amsel im Garten so laut und künstlerisch gesungen, dass ich nur an dich denken konnte. Ich glaube, vor einem Jahr hätte ich sie überhaupt nicht gehört. Oder aber, ich war mir nicht sicher, welche Vogelart denn so singt. So habe ich mit P. darüber geprochen und er hat mir bestätigt, dass das eine Amsel sei. Eigentlich wusste ich schon, wie sich eine Amsel anhört. Aber ich hatte während Jahren nicht mehr darauf geachtet.In diesem Zusammenhang kommt mir meine gute Grossmutter ins Gedächtnis.
Wenn immer sie bei uns im Wallis zu Besuch war, hat sie während der ersten Tage darüber geklagt, dass sie so schlecht schlafen könne, weil bei uns die ganze Nacht eine Nachtigall ihre Liebeslieder singt. In der Tat hatten wir in unserem grossen Garten eine Nachtigall. Und leider habe ich in meinem damaligen Alter sehr schlecht darauf geachtet, denn sie lag nicht wirklich im Horizont meiner Interessen. Doch heute gäbe ich einiges darum, mich erinnern zu können, wie sie wirklich geklungen hat. Und wenn ich eine Amsel höre, denke ich stets, es muss der Nachtigall sehr ähnlich gewesen sein. Kennst du ich in Vogelstimmen aus? Oder weiss Anna es? Sind Nachtigall und Amsel nicht vielleicht verwandt? Beide schlagen irgendwie, ihr Pfeiffen purzelt auf eine Art durch die Luft, es ist mehr ein Schlagen als ein in die Länge ziehen. Also, ich kann es nicht besser beschreiben.
So warst du mein drittes Auge. Und ich glaube, man schaut oft genauer hin, man merkt sich die Dinge, die man erlebt, anders, wenn ein drittes Auge mit dabei ist. Das ist für mich irgendwie eine neue Erfahrung. Vielleicht habe ich sie früher in meinem Leben auch schon gehabt, aber ich habe sie nicht gewusst.
Heute sind wir in guten 3 Stunden aus dem Tessin zurückgefahren. ...
---
Morgen muss ich wieder arbeiten. Heute abend bin ich noch rasch ins Büro gekommen, um die Post durchzuschauen (unter uns gesagt, eigentlich die Mails). Na ja, ich musste auch noch Benzin tanken. Und als ich ins Büro kam, war ich angenehm überrascht, dass das Büchergestell immer noch da steht. Ich hatte die Umstellung während der paar freien Tage schon wieder vergessen.
Mit einem lieben Gruss
IM ...
Re: Post scriptum
Liebe Marlena
Bei mir hat es in der Tat gewirkt! Es funktioniert! Du schaust mich mit fragenden Augen an?
Unser §2 wirkt wie ein Depotpräparat, das der Arzt unter die Haut setzt und das seine Wirkung langsam abgibt. Unsere maladi gibt mir tatsächlich eine gewisse innere Zufriedenheit und ein Gefühl der Heiterkeit. Es ist, wie wenn du einen kleinen Schatz mit dir herumträgst. Und wenn dich etwas enervieren will, so merkst du bald, dass das nicht so schnell läuft, weil es doch daneben Dinge und Werte gibt, die viel wichtiger sind und die viel dauerhafter hinhalten. Also bei mir hat es gewirkt, meine Liebe, und ich glaube, dafür muss ich mich bei dir bedanken. Wie denn kann ich das tun?
Ein zweites habe ich bemerkt. Es ist soetwas wie ein "drittes Auge", das einen begleitet. Ich habe oft Dinge gesehen, beispielsweise in der Natur, von der ich weiss, dass du dich ihr nah fühlst, und ich hatte den spontanen Wunsch, sie dir zu zeigen, zu wissen, wie die sie sehen würdest. Morgens um halb sechs hat eine Amsel im Garten so laut und künstlerisch gesungen, dass ich nur an dich denken konnte. Ich glaube, vor einem Jahr hätte ich sie überhaupt nicht gehört. Oder aber, ich war mir nicht sicher, welche Vogelart denn so singt. So habe ich mit P. darüber geprochen und er hat mir bestätigt, dass das eine Amsel sei. Eigentlich wusste ich schon, wie sich eine Amsel anhört. Aber ich hatte während Jahren nicht mehr darauf geachtet.In diesem Zusammenhang kommt mir meine gute Grossmutter ins Gedächtnis.
Wenn immer sie bei uns im Wallis zu Besuch war, hat sie während der ersten Tage darüber geklagt, dass sie so schlecht schlafen könne, weil bei uns die ganze Nacht eine Nachtigall ihre Liebeslieder singt. In der Tat hatten wir in unserem grossen Garten eine Nachtigall. Und leider habe ich in meinem damaligen Alter sehr schlecht darauf geachtet, denn sie lag nicht wirklich im Horizont meiner Interessen. Doch heute gäbe ich einiges darum, mich erinnern zu können, wie sie wirklich geklungen hat. Und wenn ich eine Amsel höre, denke ich stets, es muss der Nachtigall sehr ähnlich gewesen sein. Kennst du ich in Vogelstimmen aus? Oder weiss Anna es? Sind Nachtigall und Amsel nicht vielleicht verwandt? Beide schlagen irgendwie, ihr Pfeiffen purzelt auf eine Art durch die Luft, es ist mehr ein Schlagen als ein in die Länge ziehen. Also, ich kann es nicht besser beschreiben.
So warst du mein drittes Auge. Und ich glaube, man schaut oft genauer hin, man merkt sich die Dinge, die man erlebt, anders, wenn ein drittes Auge mit dabei ist. Das ist für mich irgendwie eine neue Erfahrung. Vielleicht habe ich sie früher in meinem Leben auch schon gehabt, aber ich habe sie nicht gewusst.
Heute sind wir in guten 3 Stunden aus dem Tessin zurückgefahren. ...
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Morgen muss ich wieder arbeiten. Heute abend bin ich noch rasch ins Büro gekommen, um die Post durchzuschauen (unter uns gesagt, eigentlich die Mails). Na ja, ich musste auch noch Benzin tanken. Und als ich ins Büro kam, war ich angenehm überrascht, dass das Büchergestell immer noch da steht. Ich hatte die Umstellung während der paar freien Tage schon wieder vergessen.
Mit einem lieben Gruss
IM ...
Donnerstag, 1. April 2010
Schöne Ostern
den 21 april 2000 16:05
Schöne Ostern
Liebe Marlena
Vielleicht schaust du noch einmal rasch rein. Und da möchte ich dich mit einem kleinen Gruss überraschen. Er ist ein absolutes suplément, eigentlich bin ich schon weg.
Heute ist Kafreitag. Das ist das Ende der Fastenzeit und das Ende unserer Melodramatik! Ab Ostern fangen wir ein neues Leben an, froh und sachlich und ohne zu Leiden. Wir dürfen einfach nicht MEHR wollen, als wir haben. Es ist doch so schön genug. Ein wichtiger Teil des Lebensglückes besteht darin, sich bescheiden zu können. Davon bin ich ziemlich überzeugt, auch wenn es nicht immer gelingt.
Du siehst, ich bin an der Programmatik. Ohne gleich alle §§§ umzuformulieren. Sie sind immer noch gut und wir lassen sie gelten. Wenn du einverstanden bist.
Wir fahren morgen früh ins Tessin. Das ist schon südlich der Alpen und in seiner Vegetation ganz anders. Dort blüht es schon überall und es hat Palmen und schöne Blumen und unendlich viele Deutsche.
...
Es war schön, unser Karfreitagschat, es waren tolle 50 Minuten. Ich hab es genau gemessen. Und es war ruhig und ohne Hast, nur die paar Minuten, die es bei dir nicht ordentlich gelaufen ist. Es war lieb von dir, um 12 rasch hereinzukommen, oder war es 11h? Ich wollte soeben mein Mail abschicken und habe gedacht, dass du auf irgend ein Zeichen wartest. Ich versuche mir euch immer so vorzustellen im Haus in der Nähe des Waldes, wo die Hasen und die Elche einander gute Nacht sagen. Du sollst nicht denken, ich wolle dich irgendwie für mich allein. So selbstbezogen und gierig bin ich glaube ich nicht. Ich kann sehr gut akzeptieren, dass du in erster Linie für deine Familie da bist. Und dass du Rücksicht nehmen musst mit dem PC und dass du noch 100 Dinge tun musst, die man als Hausfrau und Mutter und Berufsfrau einfach tun muss. Und dass du dir die Zeit zum Schreiben vom Schlaf stehlen musst, macht mich nicht glücklich.
Ich möchte einfach viel mehr von dir hören. Du hast das Gefühl, ich weiss schon viel. Aber die Crux mit dem Wissen ist die: je mehr du weißt desto mehr möchtest du noch dazu wissen. Deshalb doch sind die Unwissenden die glücklichsten Menschen.
Vielleicht bin ich auch bloss sehr ungeduldig? Dann verzeih mir. Nimm es einfach als meine Sympathie für dich und für euch alle und als mein Interesse. Ich habe schon soviele Fragen gestellt und soviele Themen angeschnitten, die irgendwo verschwunden sind. Du hättest vielleicht Jahre, das alles zu beantworten. Wahrscheinlich verursache ich das Problem, weil ich einfach zuviel und zu schnell will. Dann gib mir gerade noch einmal die Absolution.
*
Und wie gesagt, das wird jetzt alles gut. X nimmt es nach Ostern ganz langsam und ist glücklich über jede Zeile, die er von Marlena erhält, ohne soviel zu erwarten. Jede Zeile ist ein Geschenk. Jedes Wort ist mehr als kein Wort. Und manchmal sendet sie ja sogar noch Bilder, und die sind bekanntlich "mehr als tausend Worte", wie wir im Deutschen sagen.
*
Ach, Marlena, wenn ich da auch manchmal ein bisschen jammere, es ist eine schöne und aufregende Sache, unsere maladi. Und wenn du versprichst, du wollest helfen, daraus eine ruhige Sache zu machen, so weiss ich gar nicht, ob ich das überhaupt so will. Wahrscheinlich habe ich zwischendurch ganz gerne ein bisschen Aufregung und Sensation.
Ich wünsche euch dreien wirlich ganz schöne und warme und fruchtbare Ostern
Und dir Marlena, ein besonders prächtiges Osterei.
Wir hören uns wieder nach Ostern.
... i.M.
Schöne Ostern
Liebe Marlena
Vielleicht schaust du noch einmal rasch rein. Und da möchte ich dich mit einem kleinen Gruss überraschen. Er ist ein absolutes suplément, eigentlich bin ich schon weg.
Heute ist Kafreitag. Das ist das Ende der Fastenzeit und das Ende unserer Melodramatik! Ab Ostern fangen wir ein neues Leben an, froh und sachlich und ohne zu Leiden. Wir dürfen einfach nicht MEHR wollen, als wir haben. Es ist doch so schön genug. Ein wichtiger Teil des Lebensglückes besteht darin, sich bescheiden zu können. Davon bin ich ziemlich überzeugt, auch wenn es nicht immer gelingt.
Du siehst, ich bin an der Programmatik. Ohne gleich alle §§§ umzuformulieren. Sie sind immer noch gut und wir lassen sie gelten. Wenn du einverstanden bist.
Wir fahren morgen früh ins Tessin. Das ist schon südlich der Alpen und in seiner Vegetation ganz anders. Dort blüht es schon überall und es hat Palmen und schöne Blumen und unendlich viele Deutsche.
...
Es war schön, unser Karfreitagschat, es waren tolle 50 Minuten. Ich hab es genau gemessen. Und es war ruhig und ohne Hast, nur die paar Minuten, die es bei dir nicht ordentlich gelaufen ist. Es war lieb von dir, um 12 rasch hereinzukommen, oder war es 11h? Ich wollte soeben mein Mail abschicken und habe gedacht, dass du auf irgend ein Zeichen wartest. Ich versuche mir euch immer so vorzustellen im Haus in der Nähe des Waldes, wo die Hasen und die Elche einander gute Nacht sagen. Du sollst nicht denken, ich wolle dich irgendwie für mich allein. So selbstbezogen und gierig bin ich glaube ich nicht. Ich kann sehr gut akzeptieren, dass du in erster Linie für deine Familie da bist. Und dass du Rücksicht nehmen musst mit dem PC und dass du noch 100 Dinge tun musst, die man als Hausfrau und Mutter und Berufsfrau einfach tun muss. Und dass du dir die Zeit zum Schreiben vom Schlaf stehlen musst, macht mich nicht glücklich.
Ich möchte einfach viel mehr von dir hören. Du hast das Gefühl, ich weiss schon viel. Aber die Crux mit dem Wissen ist die: je mehr du weißt desto mehr möchtest du noch dazu wissen. Deshalb doch sind die Unwissenden die glücklichsten Menschen.
Vielleicht bin ich auch bloss sehr ungeduldig? Dann verzeih mir. Nimm es einfach als meine Sympathie für dich und für euch alle und als mein Interesse. Ich habe schon soviele Fragen gestellt und soviele Themen angeschnitten, die irgendwo verschwunden sind. Du hättest vielleicht Jahre, das alles zu beantworten. Wahrscheinlich verursache ich das Problem, weil ich einfach zuviel und zu schnell will. Dann gib mir gerade noch einmal die Absolution.
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Und wie gesagt, das wird jetzt alles gut. X nimmt es nach Ostern ganz langsam und ist glücklich über jede Zeile, die er von Marlena erhält, ohne soviel zu erwarten. Jede Zeile ist ein Geschenk. Jedes Wort ist mehr als kein Wort. Und manchmal sendet sie ja sogar noch Bilder, und die sind bekanntlich "mehr als tausend Worte", wie wir im Deutschen sagen.
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Ach, Marlena, wenn ich da auch manchmal ein bisschen jammere, es ist eine schöne und aufregende Sache, unsere maladi. Und wenn du versprichst, du wollest helfen, daraus eine ruhige Sache zu machen, so weiss ich gar nicht, ob ich das überhaupt so will. Wahrscheinlich habe ich zwischendurch ganz gerne ein bisschen Aufregung und Sensation.
Ich wünsche euch dreien wirlich ganz schöne und warme und fruchtbare Ostern
Und dir Marlena, ein besonders prächtiges Osterei.
Wir hören uns wieder nach Ostern.
... i.M.
1. April
den 1 april 2000 13:13
Re: 1. April
Liebe Marlena
Se non é vero, e ben trovato!
Bevor dein Schock total wird, möchte ich dich vorsichtig darauf hinweisen, dass das dieses erste Mail von heute ein Aprilscherz (APRIL-SCHERZ) ist. Habe ich heute morgen gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass 1. April ist. Und so habe ich mir gedacht, ich könne dich etwas aufheitern. Hast du was bemerkt? Hast du geglaubt? Stell dir vor 135cm, das wäre ja grässlich. Ich würde bei der Eisenbahn glatt mit einer Kinderfahrkarte durchgehen! Und ich würde im Alkohol enden, wie Toulous.Lautrec. Und der bei Grass hiess Oskar Mazareth (weiss nicht, wie sich das schreibt?), jetzt fällt es mir gerade wieder ein. Der war ja auch nicht gerade der glücklichste. Also, liebe Marlena, ich dreh mich jetzt von 75 wieder auf 100%, wenn du erlaubst.
*
Wie weit bist du mit der Arbeit? Trinken wir einen kurzen Kaffee zusammen und dann erzähle? Mélange, wenn du willst, wie in Wien. Ich habe hier gerade eine Meldung aus Wien gelesen. Da gibt es einen "1. April-Verein". So etwas können nur die Wiener machen. Es geht den 5 Leuten, die dort offenbar dabei sind, darum, Politik zu machen. Sie wollen der Politik zeigen, dass sie die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge ständig verwische mit ihren Intrigen und Täuschungen und Masken und sie wollen beweisen, wie liebenswert doch eigentlich die Wahrheit sei. Sie treffen sich im Café Landtmann, das ist im Herzen der Stadt an der Ringstrasse, gleich neben dem Burgtheater und in Nähe von Parlament und Rathaus. Das Café Landtmann war immer ein Ort der Heimlichkeiten. "Im Café Landtmann kann man sich treffen, um nachher unwidersprochen zu behaupten, man habe sich weder gesehen noch irgendwas miteinander zu bereden gehabt" (wäre echt eine Adresse für uns, und dazu schummrig, wie die Wiener-Cafés sein sollen), sagt eine gewisse Waltraut Sikl, Mitglied dieses ominösen Vereins. Der Verein ist 1969 als "Verein zur Belebung des 1. Aprils" gegründet worden. Es war eigentlich ein anarchodadaistischer Akt (allein das Wort für sich ist schon ein Kunstwerk). Vorbild war Orson Welles' Film "Krieg der Welten", der von einer Invasion der Marsmännchen erzählt und als Aprilscherz im Amerika grosse Panik ausgelöst hatte. Der April-Verein hat sich zum Ziel gesetzt, jeden 1. April einen neuen, völlig überflüssigen Verein nach allen gesetzlichen Auflagen zu gründen. So wurde 1970 der "Verein der freiwillig Schwitzenden" gegründet, und heuer soll ein "Verein für den 2. April" aus der Taufe gehoben werden. Es hat auch einen "Verein für Senkrechtbestattung" gegeben, oder einen "Verein für die Vereinigung von Vereinen". Beide seien aber heute nicht mehr aktiv.
Der Ursprung des 1. April ist unklar. An sich gilt der April als Unglücksmonat bei den Bauern, und sie waren seit je angehalten, keine Geschäfte zu machen und keine Bäume zu putzen. Judas soll sich am 1. April an einem Baum erhängt haben.
Es ist auch möglich, dass der 1. April vom römischen Narrenfest herkommt oder an das Herumschicken Christi von Pontius zu Pilatus erinnert.
Andere sehen seine Ursprünge Ende des 16. Jahrhunderts, als der 1. Januar verbindlich als Jahresanfang eingesetzt worden war. Die Narren waren diejenigen, die immer noch das Neujahr am Frühlingsanfang feierten.
Oder aber 1530, da sollte am 1. April ein Reichstag in Augsburg stattfinden. Doch er wurde gestrichen, sehr zum Gespött von Händlern und Geldspekulanten.
Wen man erwischt, nennt man Arpilkalb, -ochs, -esel, -narr oder -affe. In romanischen Ländern nennt man ihn den Aprilfisch. Napoleon erhielt diesen Übernamen, weil er sich am 1. April hatte trauen lassen.
Seit 20 Jahren sammelt der Verein dokumentarisch die besten Enten und Scherze. Die NZZ hatte mal berichtet, man hätte einen bisher unbekannten Brief von Goethe entdeckt und man hat ihn wortgetreu, vielleicht gar faksimile abgedruckt. Der Literaturredaktor der reputierten Zeitung Die Zeit sogar war auf diese literarische Ente hereingefallen. Der Verein aus Wien will die besten Scherze der Vergangenheit unter www.aprilscherz.de im Internet veröffentlichen.
Der 2. April soll nun aber der Tag der Wahrheit werden, so sagen die Verantwortlichen. Und er soll alle 4 Jahre am 29. Februar stattfinden, bloss. Ist ein bisschen selten, für die Wahrheit?
---
Re: 1. April
Liebe Marlena
Se non é vero, e ben trovato!
Bevor dein Schock total wird, möchte ich dich vorsichtig darauf hinweisen, dass das dieses erste Mail von heute ein Aprilscherz (APRIL-SCHERZ) ist. Habe ich heute morgen gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass 1. April ist. Und so habe ich mir gedacht, ich könne dich etwas aufheitern. Hast du was bemerkt? Hast du geglaubt? Stell dir vor 135cm, das wäre ja grässlich. Ich würde bei der Eisenbahn glatt mit einer Kinderfahrkarte durchgehen! Und ich würde im Alkohol enden, wie Toulous.Lautrec. Und der bei Grass hiess Oskar Mazareth (weiss nicht, wie sich das schreibt?), jetzt fällt es mir gerade wieder ein. Der war ja auch nicht gerade der glücklichste. Also, liebe Marlena, ich dreh mich jetzt von 75 wieder auf 100%, wenn du erlaubst.
*
Wie weit bist du mit der Arbeit? Trinken wir einen kurzen Kaffee zusammen und dann erzähle? Mélange, wenn du willst, wie in Wien. Ich habe hier gerade eine Meldung aus Wien gelesen. Da gibt es einen "1. April-Verein". So etwas können nur die Wiener machen. Es geht den 5 Leuten, die dort offenbar dabei sind, darum, Politik zu machen. Sie wollen der Politik zeigen, dass sie die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge ständig verwische mit ihren Intrigen und Täuschungen und Masken und sie wollen beweisen, wie liebenswert doch eigentlich die Wahrheit sei. Sie treffen sich im Café Landtmann, das ist im Herzen der Stadt an der Ringstrasse, gleich neben dem Burgtheater und in Nähe von Parlament und Rathaus. Das Café Landtmann war immer ein Ort der Heimlichkeiten. "Im Café Landtmann kann man sich treffen, um nachher unwidersprochen zu behaupten, man habe sich weder gesehen noch irgendwas miteinander zu bereden gehabt" (wäre echt eine Adresse für uns, und dazu schummrig, wie die Wiener-Cafés sein sollen), sagt eine gewisse Waltraut Sikl, Mitglied dieses ominösen Vereins. Der Verein ist 1969 als "Verein zur Belebung des 1. Aprils" gegründet worden. Es war eigentlich ein anarchodadaistischer Akt (allein das Wort für sich ist schon ein Kunstwerk). Vorbild war Orson Welles' Film "Krieg der Welten", der von einer Invasion der Marsmännchen erzählt und als Aprilscherz im Amerika grosse Panik ausgelöst hatte. Der April-Verein hat sich zum Ziel gesetzt, jeden 1. April einen neuen, völlig überflüssigen Verein nach allen gesetzlichen Auflagen zu gründen. So wurde 1970 der "Verein der freiwillig Schwitzenden" gegründet, und heuer soll ein "Verein für den 2. April" aus der Taufe gehoben werden. Es hat auch einen "Verein für Senkrechtbestattung" gegeben, oder einen "Verein für die Vereinigung von Vereinen". Beide seien aber heute nicht mehr aktiv.
Der Ursprung des 1. April ist unklar. An sich gilt der April als Unglücksmonat bei den Bauern, und sie waren seit je angehalten, keine Geschäfte zu machen und keine Bäume zu putzen. Judas soll sich am 1. April an einem Baum erhängt haben.
Es ist auch möglich, dass der 1. April vom römischen Narrenfest herkommt oder an das Herumschicken Christi von Pontius zu Pilatus erinnert.
Andere sehen seine Ursprünge Ende des 16. Jahrhunderts, als der 1. Januar verbindlich als Jahresanfang eingesetzt worden war. Die Narren waren diejenigen, die immer noch das Neujahr am Frühlingsanfang feierten.
Oder aber 1530, da sollte am 1. April ein Reichstag in Augsburg stattfinden. Doch er wurde gestrichen, sehr zum Gespött von Händlern und Geldspekulanten.
Wen man erwischt, nennt man Arpilkalb, -ochs, -esel, -narr oder -affe. In romanischen Ländern nennt man ihn den Aprilfisch. Napoleon erhielt diesen Übernamen, weil er sich am 1. April hatte trauen lassen.
Seit 20 Jahren sammelt der Verein dokumentarisch die besten Enten und Scherze. Die NZZ hatte mal berichtet, man hätte einen bisher unbekannten Brief von Goethe entdeckt und man hat ihn wortgetreu, vielleicht gar faksimile abgedruckt. Der Literaturredaktor der reputierten Zeitung Die Zeit sogar war auf diese literarische Ente hereingefallen. Der Verein aus Wien will die besten Scherze der Vergangenheit unter www.aprilscherz.de im Internet veröffentlichen.
Der 2. April soll nun aber der Tag der Wahrheit werden, so sagen die Verantwortlichen. Und er soll alle 4 Jahre am 29. Februar stattfinden, bloss. Ist ein bisschen selten, für die Wahrheit?
---
Grösse X Länge = Volumen
Subject: Eine andere..
Date: Fri, 31 Mar 2000 14:12:39 CEST
Lieber Mausfreund!
....
Du fragst nach meiner Grösse. Also gut: wenn wir die Champs-Elysées
hinuntergehen dann ist es bequem für dich deinen Arm um meine
Schulter zu legen. Du musst ihn nicht hinaufstrecken. Ich finde es
schön bei solchen Gelegenheiten dass du etwas grösser bist als ich.
Dass die Schwedinnen 1.80 wären stimmt wirklich nicht, eher
zwischen 1.65 - 1.75. ---
Grösse X Länge = Volumen
den 1 april 2000 11:08
Liebe Marlena,
Nein, eigentlich wollte ich so genau von dir wissen, wie gross du
bist, nun ja, wie soll ich dir das sagen, weil ich selbst eher klein
bin. Ich habe vielleicht mal eine Grösse gesagt, aber ich muss dich
enttäuschen, ich kann wohl nicht auf deine 175 oder so hinaufreichen.
Meine kleine Statur hat es eben gemacht, dass ich gelernt habe, mich
schriftlich auszudrücken. Mündlich komme ich bei den Leuten schlecht
an. Sie nehmen mich nicht ernst. Verstehtst du, Marlena, mit 135
spricht man aus der Froschperspektive. Da muss jedes Argument
doppelt genäht sein, da sollte jeder Satz sitzen. Also, höchstens beim
Sitzen könnte ich Dir meinen Arm um die Schulter legen. Denn was
mir an Länge fehlt, fehlt vor allem an den Beinen. Das ist ein bisschen
wie bei Toulouse-Lautrec, oder bei diesem kleinen Kerl da in Grass'
Blechtrommel, wie hiess er schon. Allerdings trage ich keine Trommel
herum, da kann ich dich beruhigen, meine liebe Malou, und ich
zersinge auch nur in Ausnahmefällen Gläser.. Du musst dir auch
vorstellen, welches Bild wir auf der Champs Elysees abgeben würden!!
Du in deiner ganzen wunderschönen Statur und ich daneben wie
ein Mickey Mouse, in kleinen rasanten Schrittchen. Die Passanten
würden sich doch nach uns umdrehen. Manchmal wollen sie sogar
Autogramme von mir. Da gehen wir doch lieber gleich in eines dieser
Nobelrestaurants und ich lass mir einen Hochstuhl kommen. Meist
haben sie ja diese Stühle für die Kinder. Die sind zwar etwas eng, aber
meist komme ich ganz gut hin. Und wenn meine Beine erst einmal
unter dem Tisch sind, dann sieht man mir das kaum mehr an. Dann
müsstest du dich nicht mehr genieren.
Das meine liebe Marlena, wollte ich dir heute, speziell heute, noch kurz
sagen.
Ich hoffe, du magst mich trotzdem als Mausfreund??
Mit einem schönen Gruss
xxx
Date: Fri, 31 Mar 2000 14:12:39 CEST
Lieber Mausfreund!
....
Du fragst nach meiner Grösse. Also gut: wenn wir die Champs-Elysées
hinuntergehen dann ist es bequem für dich deinen Arm um meine
Schulter zu legen. Du musst ihn nicht hinaufstrecken. Ich finde es
schön bei solchen Gelegenheiten dass du etwas grösser bist als ich.
Dass die Schwedinnen 1.80 wären stimmt wirklich nicht, eher
zwischen 1.65 - 1.75. ---
Grösse X Länge = Volumen
den 1 april 2000 11:08
Liebe Marlena,
Nein, eigentlich wollte ich so genau von dir wissen, wie gross du
bist, nun ja, wie soll ich dir das sagen, weil ich selbst eher klein
bin. Ich habe vielleicht mal eine Grösse gesagt, aber ich muss dich
enttäuschen, ich kann wohl nicht auf deine 175 oder so hinaufreichen.
Meine kleine Statur hat es eben gemacht, dass ich gelernt habe, mich
schriftlich auszudrücken. Mündlich komme ich bei den Leuten schlecht
an. Sie nehmen mich nicht ernst. Verstehtst du, Marlena, mit 135
spricht man aus der Froschperspektive. Da muss jedes Argument
doppelt genäht sein, da sollte jeder Satz sitzen. Also, höchstens beim
Sitzen könnte ich Dir meinen Arm um die Schulter legen. Denn was
mir an Länge fehlt, fehlt vor allem an den Beinen. Das ist ein bisschen
wie bei Toulouse-Lautrec, oder bei diesem kleinen Kerl da in Grass'
Blechtrommel, wie hiess er schon. Allerdings trage ich keine Trommel
herum, da kann ich dich beruhigen, meine liebe Malou, und ich
zersinge auch nur in Ausnahmefällen Gläser.. Du musst dir auch
vorstellen, welches Bild wir auf der Champs Elysees abgeben würden!!
Du in deiner ganzen wunderschönen Statur und ich daneben wie
ein Mickey Mouse, in kleinen rasanten Schrittchen. Die Passanten
würden sich doch nach uns umdrehen. Manchmal wollen sie sogar
Autogramme von mir. Da gehen wir doch lieber gleich in eines dieser
Nobelrestaurants und ich lass mir einen Hochstuhl kommen. Meist
haben sie ja diese Stühle für die Kinder. Die sind zwar etwas eng, aber
meist komme ich ganz gut hin. Und wenn meine Beine erst einmal
unter dem Tisch sind, dann sieht man mir das kaum mehr an. Dann
müsstest du dich nicht mehr genieren.
Das meine liebe Marlena, wollte ich dir heute, speziell heute, noch kurz
sagen.
Ich hoffe, du magst mich trotzdem als Mausfreund??
Mit einem schönen Gruss
xxx
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