Sonntag, 8. März 2026

Ein sattes Programm


Liebe Malou

Heute habe ich ein sattes Programm. Es gipfelt abends um 1700h mit einem kleinen Vortrag ... Um 17.00h, wo ich doch um diese Zeit lieber auf meiner Coach liegen und ein bisschen dösen würde. Welcher französische Philosoph hat gesagt, dass sich das ganze Unglück der Menschheit bloss aus der Tatsache entwickelt, dass der Mensch nicht in seinem Haus bleibt und still hält. Es war nicht Montaigne, vielleicht Blaise Pascal? Auf jeden Fall einer, den ich nicht kenne, ungefähr so wie Mauriac.
 Immerhin ist der Himmel heute blau, doch die Tauben scheinen wirklich im Norden in den Winterferien. Und die Strassen unten sind noch mehr oder weniger leer. Es ist gleich 8.00h, und die meisten sind wohl schon in ihrem Büro und schlürfen ihre Tasse Kaffee? Na ja, vielleicht übertreibe ich ein bisschen, denn wir Schweizer sind doch ziemlich fleissige Menschen. Aber im Schwarzwald habe ich festgestellt, dass es die Schwaben auch sind. Und von ihnen sagt man es auch immer wieder. Sie sind ja auch Alemannen und sagen auch „schwätzen“ statt „reden“, und essen am liebsten „Spätzle“. Und die kochen sie ziemlich gut.
Kant war auch Lehrer während sieben Jahren, gleich nach seinem Studium. Er arbeitete an zwei oder drei Höfen dort oben in Preussen. Meist hatten die zwei oder drei Nachkommen, und es gab wohl noch keine öffentliche Schule, oder doch eher der Schulweg war zu weit in die nächste Stadt. So haben sie sich einen Hauslehrer engagiert. Das war bestimmt kein allzu einfacher Job. Und Kant bemerkt, dass er ihn auch nicht gerne ausgeübt hat. Doch nach 7 Jahren in der Region kam er wieder zurück nach Königsberg und wurde dort Privatdozent. Er hatte einige Anläufe gemacht, um Professor zu werden, und es gelang ihm nicht gleich auf Anhieb. Aber er hat in seiner Vaterstadt eine gute Karriere gemacht und ein sehr ordentliches und geregeltes Leben geführt, wie man es sich von einem Preussen vorstellt. Man erzählt, dass sich die Menschen die Uhr nach ihm gestellt haben, wenn er nachmittags für seinen Spaziergang los ging. Aber damals werden wohl noch die wenigsten wirklich Uhren gehabt haben. Und mit den Jahren hat er sich einen Diener gehalten. Das war wohl sein Ersatz einer Ehefrau? Er hätte wohl auch Priester werden können, so wie er gelebt hat. Er hatte ein Pietisten Gymnasium besucht, und das war wohl eine ziemlich frömmelnde Gesellschaft.
Ich muss jetzt los, und ich wünsche Dir einen guten Tag. Ungefähr so Frühlingshaft viel versprechend wie der unsrige hier zu werden scheint.
MlGugK
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