Montag, 22. Dezember 2025

Der gute alte Muff

  

 Berthe Morisot  Frau mit Muff

Liebe Malou
Ja, es ist auch bei uns kälter geworden. Und im Radio haben sie heute morgen schon in der früh vom alten Muff erzählt, diesem Pelzding, in das die Damen von beiden Seiten her ihre Hände stecken konnten. Sogar schlittschuhgelaufen sind sie mit diesen Dingern. Das - so denkt man heute - kann doch nicht ungefährlich gewesen sein. Aber die Sprecherin ergänzte rasch, dass damals eben, um 1900, immer ein hilfreicher Kavalier in Reichweite gewesen wäre. So haben die Damen mittlerweile den (oder vielleicht das??) Muff und den Kavalier verloren!
Sagt man hier, sich französisch verabschieden. Und man weiss nicht genau, ob das besonders diplomatisch oder besonders unhöflich sei. Es ist vielleicht beides zugleich. Wenn man an einem Kiwanis Essen früh wieder auf dem Heimweg gehen will, ist es doch besser, dies zu tun, ohne diese grosse Runde mit Händeschütteln und Abschiedsküsschen zu drehen. Das führt ja doch zur Nachahmung und zu einem Zug der Lemminge. Also ist der französische Abschied ganz elegant und eben diplomatisch. Andererseits ist ein solcher Abschied gelegentlich doch auch wieder hässlich.

Du sagst, du lebst ziemlich planlos. Na ja, ich glaube sowas spüre ich irgendwie. So wärst du im Grunde die ideale Partnerin, die sich gut auf ihren 'Kavalier' einstellen kann. "Ein liebes Seelchen" vielleicht, wie Heidegger offenbar seine Frau in den vielen Briefen genannt hat. Und heute hat eine ihrer Enkelinnen diesen Briefwechsel veröffentlicht und damit den grossen Philosophen in seinem Machogebaren öffentlich blamiert. Er hatte - so wird publik - neben Hannah Arendt noch andere Freundinnen. Geradezu beneidenswert, denn Hannah war mal eine sehr schöne und doch betsimmt zugleich sehr gescheite Frau. Aber einer solchen Disponibilität fehlt doch irgendwie auch die Attraktivität?



RE:


Lieber ...,
...

Ja, der gute alte Muff. Ich erinnere mich noch. Meine Tante hatte einige. Und wenn wir zum sonntäglichen Spaziergang gingen mit meiner anderen Tante und meinen Kusinen, dann liehen wir Mädchen uns manchmal so ein Ding aus und schritten wie kleine Damen durch die Gegend. Meist geschah das auf dem Weg zur Kirche, die in dem Nachbarort lag. Also doch ein paar Kilometer zu gehen. Und du sagst sie sind von Beginn des vorigen Jahrhunderts?


...

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