Sonntag, 4. August 2024

Eine unvergessliche Schlossführung


Lieber ...

Ich hatte Freunden versprochen als Dolmetscherin am Midsommarfest auszuhelfen. Sie sind Volkstänzer und haben eine Gruppe aus Deutschland eingeladen um mit ihnen das Midsommarfest zu feiern.

Die Sonne scheint noch immer, aber ein paar grosse Gewitterwolken stehen am Horizont. Hoffentlich bleibt es schön, denn man feiert dieses Fest im Freien.
Ab 16.00 Uhr bin ich schon mit den Tanzgruppen zusammen. Es sind nette fröhliche Leute (insgesamt 55 Personen )
Morgen bin ich den ganzen Tag dabei.. Die schwedische Tanzgruppe hat ein sehr schönes Programm für die Gäste zusammengestellt.

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Und nun der nächste Tag. 



Zuerst wollten wir mit einem Schiff zum Schloss fahren. Aber leider regnete es zu viel und der erste Programmpunkt wurde eingestellt. Um 10 Uhr fuhren wir mit dem Bus in die Residenzstadt. Als wir zum Schloss kamen,  wo wir eine deutsche Führung mit einem Guide erwarteten, sagte man uns, es hätte falsch in der Zeitung gestanden.

Keine Schlossführungen!


Nun taten mir die Leute herzlich leid. Ich dachte, am Mittsommertag (vormittag sogar) kriegt man keinen neuen Guide. Also beschloss ich, die Regierungspräsidenten, die im Schloss wohnt, anzurufen. (Aus Erfahrungen weiss ich, dass man sich immer am besten an die höchste Person wendet).Erst wurde gelacht. So etwas kann man doch nicht tun :-)
Jemand reichte mir ein Handy, aber da wir ja ganz in der Nähe des Schlosses waren, klingelte ich einfach am Portal.
Eine Männerstimme antwortete (ihr Mann vielleicht) und sagte, dass sie nichts mit den Führungen zu tun hätten und dass wir uns an eine andere Stelle wenden müssten, wo man uns vielleicht helfen könnte. Ich war enttäuscht und fragte ihn nach der Telefonnummer dorthin. Es war lange still. Dann kam plötzlich eine Frauenstimme und sagte, "Ich bin nicht richtig gekleidet, aber ich komme runter".

So kam die Regierungspräsidentin selbst und nachdem ich ihr die Situation erklärt hatte lud sie uns ein in ihre Representationswohnung und machte uns dort eine eigene Führung, erzählte über das Schloss aus dem 13. Jahrhundert und von seinen Einwohnern durch die Jahrhunderte, (auch von den Gespenstern die es dort gibt ;-).

Vor allem erzählte sie uns auch lustige Episoden aus ihrer eigenen Zeit im Schloss und alle waren mehr als begeistert. Sie war eine sehr sympathische Frau. Es war ein Genuss zu dolmetschen, denn sie erzählte mit Humor und Witz, sodass alle dauernd sehr lachen mussten. Jemand fragte sie u.a. ob sie mal diesen Engelbrekt gesehen hätte, der mit dem Kopf unterm Arm im Schloss herum geistert. Sie dachte ein wenig nach und sagte dann zögernd: Ich bin nicht ganz sicher, denn es gehen so viele Männer hier mit dem Kopf unterm Arm herum.

Sie erzählte auch von einem grossen Empfang. 350 Gäste, fast nur Männer, aus allen europäischen Staaten sollten vor dem Essen im Schloss mit einem Glas Champagner empfangen werden. (Der Speisesaal hat nur Platz für 90 Personen). Sie dachte lange nach, wie sie das ordnen sollte. Da kam ihr eine Idee. Aus dem grossen Empfangszimmer führt ein Weg durch ein Badezimmer hinaus in ein Treppenhaus. Sie wollte also die Gäste nach und nach begrüssen, ihnen etwas anbieten und sie dann durch dieses Badezimmer hinaus lotsen. Aber so hohe Gäste durch ein Badezimmer gehen lassen? Es war ein sehr altes, wie es eben in einem alten Schloss gehört.

Und so machte sie es:

Ihre Freundin, eine Hofsängerin, legte sich in die Badewanne (Schaumbad, glaube ich). Rund um die Badewanne standen hohe Kandelaber mit leuchtenden Kerzen und der Rand war mit Blumen geschmückt. Sie erzählte: "Es war lustig zu sehen, wie die Männer reagierten. Die Nordeuropäer hielten den Atem an und wussten nicht richtig wohin sie nun schauen sollten (als hätte man sie bei was unanständigem ertappt) die Spanier und Italiener dagegen wären am liebsten direkt in die Badewanne gesprungen.  Nach 45 Minuten nahm man eine halbverrunzelte Freiherrin aus dem Wasser heraus."


Ich kann sie noch gut vor mir sehen, alle Volkstänzer in ihren schönen Trachten und wie sie lachten und vergnügt waren über diese schöne persönliche Führung.
Einige glaubten, wir müssten uns seit früher kennen. Aber so war es nicht. Und wir hatten Glück gehabt: sie hatten den Midsommarafton irgendwo mit Freunden gefeiert und waren nur jetzt am Morgen zu Hause vorbeigekommen, um schnell zu duschen und sofort an ihre Landstelle weiterzufahren. Wären wir etwas später gekommen, hätte niemand geantwortet.

Nachher haben wir alle im Freilichtmuseum noch einen guten Lunch gegessen und nach dem Essen war es Zeit für den Auftritt der Tänzer und wie auf ein Signal begann die Sonne zu scheinen und rettete auch den Nachmittag.


1 Kommentar:

  1. Da siehst du mal, was Frauenpower bedeutet, lächel.. Selbst eine Regierungspräsidentin handelt, nachdem von einem Mann nur quasi eine Absage kam. Ich kann mir vorstellen, dass es richtig gut, interessant und lustig war für alle.
    Liebe Grüße von mir zu dir.

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